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Posts Tagged ‘Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Erlangen’


Begonnen hat alles mit Josefa Üblacker, die 1998 beim ersten Besuch im Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in Wladimir meinte, sie kenne da jemanden bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, einen gewissen Jürgen Ganzmann, der dabei helfen könne, die Kinder wie Erwachsenen aus der allgemeinen Sedierung herauszuholen. Ein kleiner Hinweis mit großen, ja großartigen Auswirkungen für die Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten, denn schon ein Jahr später reiste der damalige Leiter der Behindertenwerkstatt nach Wladimir und zündete in der Folge ein ganzes Feuerwerk an Ideen und Projekten vor allem für die jungen, aber auch älteren russischen Patienten unter dem Dach der Initiative „Lichtblick“, deren Wirken mit der Einrichtung von Deutschkursen für Hospitanten, der Aufnahme eines intensiven Fachaustausches und der Durchführung von Ausstellungen, die von Erlangen über Bamberg bis nach Graz und Moskau wanderten, 2002 von Bundespräsident Johannes Rau mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde. Als „leuchtendes Beispiel für die deutsch-russische Zusammenarbeit“ bezeichnete die Vorsitzende der Jury, Gabriele Krone-Schmalz, die vielfältigen Anstöße des fränkischen Fachmanns für Behindertenarbeit. Dabei konnte die Journalistin noch gar nicht wissen, was ihm noch alles gelingen würde: die erfolgreiche Umsetzung des Gemeinschaftswerks Blauer Himmel als Zentrum für Erlebnispädagogik, die allseitige Unterstützung der Elterninitiative Swet als Wladimirer „Lebenshilfe“ und später, in seiner neuen Position als Leiter des BRK-Altersheims in Etzelskirchen, die Kooperation mit dem psychoneurologischen Internat in Wladimir. Als Geschäftsführer der WAB Kosbach schließlich intensivierte er den Austausch von Fachleuten aus der Psychiatrie und Behindertenarbeit mit Wladimir und machte sogar Kooperationsangebote in Richtung weiterer Partnerstädte wie Riverside, Stoke-on-Trent, Jena oder Cumiana, immer auch in seiner ehrenamtlichen Funktion als Behindertenbeauftragter des Landkreises Erlangen-Höchstadt.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Erst seit kurzem nun leitet Jürgen Ganzmann das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben und setzt auch hier seine Mission fort, Integration und Inklusion für alle Menschen und besonders in Erlangen und seinen Partnerstädten zu ermöglichen. Dazu reist er, wie erst im Oktober wieder, nach Berlin, um Jurij Katz aus Wladimir und Fachleute aus Irkutsk oder Pskow zu treffen, und der Tag wird wohl nicht fern sein, an dem er auch wieder in die Partnerstadt aufbricht.

Jürgen Ganzmann

Ein runder Geburtstag, wie ihn Jürgen Ganzmann heute feiert, bietet aber auch Gelegenheit, auf das entscheidende Moment hinzuweisen: Der Jubilar versteht es, beseelt vom Teamgeist, Menschen, kleine wie große, Fachleute wie Laien, ehrenamtlich tätige wie Funktionäre, Politiker wie Sponsoren für sich und seine Ideen zu gewinnen und davon zu überzeugen, man werde es schaffen, einander – und damit vor allem den Schwächsten der Gesellschaft – das Leben leichter und froher zu machen. Er ist nicht nur ein pulsendes Kraftwerk für Ideen, sondern beherrscht auch – nicht umsonst war er ja erfolgreich Leiter einer Werkstatt – die hohe Kunst der Praxis mit einem scharfen Blick für das finanziell Machbare. Deshalb: Was Jürgen Ganzmann anpackt, nimmt bald Gestalt an und wirkt rasch strahlend über seinen eigentlichen Bereich hinaus.

Jürgen Ganzmann, Irina Chasowa, Guram Tschjotschjew und Josefa Üblacker

Es gibt vieles, wofür man dem Vater von zwei erwachsenen Söhnen heute danken sollte. Vor allem aber für eines: Er hat am richtigen Ort zur rechten Zeit entscheidend dazu beigetragen, den kleinen wie großen Patienten der Psychiatrie in Wladimir dabei zu helfen, aus ihrem stigmatisierten Schattenleben herauszutreten. Dafür nicht nur heute zum 60. Geburtstag: большое спасибо und ein besonderes Vergelt’s Gott für Josefa Üblacker, ohne deren Vermittlung dieser Glücksfall für die Partnerschaft wohl nie eingetreten wäre.

 

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Noch einmal kurz zurück zu dem Treffen in Berlin zum Thema „Teilhabe für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“, angelegt als „praktische Konferenz“, also in Form von Arbeitsgruppen, wo Möglichkeiten besprochen wurden, wie man Sozialzentren vor Ort einrichten kann, die eine möglichst gelungene Inklusion von Menschen mit schweren Einschränkungen zum Ziel haben. (Siehe: https://is.gd/d6FWrQ) Wie wichtig man diese Fragen gerade auch in Wladimir nimmt, zeigt die Teilnahme von Roman Alexandrow, dem Direktor des Jugendzentrums, das sich auf diesem Feld stärker engagieren will.

Jurij Katz, Roman Alexandrow, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann mit zwei der Redaktion unbekannten Damen in der Mitte

Jurij Katz, Gründer von Swet, einer der landesweit ersten, unserer Lebenshilfe vergleichbaren Initiative für Eltern mit zumeist schwerbehinderten Kindern, nutzte den Besuch in der Hauptstadt gestern auch noch zu einem Arbeitstreffen im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das er, damals noch geleitet von Dinah Radtke, bereits seit 2008 kennt. Ungläubig erinnert er sich noch an seinen Disput von damals mit der heutigen Ehrenbürgerin, die darauf beharrte, nur jemand mit einer Behinderung könne und solle Beratung für Menschen mit einem Handicap leisten, während der Gast aus Wladimir vor allem auf der Qualität der Konsultation bestand, die nicht vom Grad der persönlichen Einschränkung abhänge. Beide blieben damals bei ihrer Position, und beide hätten sich seinerzeit wohl nicht vorstellen können, daß heute das Zentrum von Jürgen Ganzmann geleitet wird, der zwar weiß Gott viel Erfahrung mitbringt, aber keine eigene Behinderung erkennen läßt.

Jurij Katz, Rainer Keßler, Albina Alstut und Axel Ebinger

Heute sei man da tatsächlich flexibler, meint denn auch Rainer Keßler, der als Leiter der Offenen Behindertenarbeit, freilich weiterhin meint, eine persönliche Betroffenheit erleichtere den Zugang zu Menschen mit einer ähnlichen Behinderung. In der Verwaltung freilich könne man aber – so wie Albina Alstut als Teamleiterin und dank ihrer Russischkenntnisse Verbindungsfrau zu Wladimir – auch als jemand ohne Einschränkungen arbeiten. Stichwort „arbeiten“. Jurij Katz bringt ein neues Projekt ins Gespräch: Einen inklusiven Jugendaustausch zwischen den Partnerstädten. Eine durchaus aufwendige Sache, die hier wie dort viel Vorbereitung braucht. Aber versuchen will man es auf jeden Fall, und schon im Dezember will man die Entscheidung treffen. Ganz im Sinne der „praktischen Konferenz“ in Berlin – etwas zum Anpacken.

Siehe auch: https://is.gd/GRGutg

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Persönliche Beratung und Assistenz für Menschen mit Behinderungen ist das zentrale Anliegen des 1989 gegründeten „Zentrums für Selbstbestimmtes Leben“, Themen, mit denen Jürgen Ganzmann als langjähriger ehrenamtlicher Behindertenberater des Landkreises Erlangen-Höchstadt bestens vertraut ist, Themen, die den seit Anfang Juni als Geschäftsführer der Einrichtung tätigen Weisendorfer auch eng mit Wladimir verbinden.

Jürgen Ganzmann

Noch als Leiter der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf baute er das Projekt „Lichtblick“ mit der Psychiatrie in der russischen Partnerstadt ab 1999 auf und führte dieses einzigartige und mehrfach ausgezeichnete Werk, das schließlich im „Blauen Himmel“ mündete, über alle seine weiteren Stationen als Direktor des Altenheims in Etzelskirchen und später als Geschäftsführer der WAB Kosbach fort.

Jürgen Ganzmann

Nun also das ZSL mit fast 200 Assistenzkräften und einem dreißigjährigen Erfahrungsschatz, der übrigens schon Anfang der 90er Jahre auch in Jena beim Aufbau eines ähnlichen Zentrums fruchtbar wurde. Wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, es wird nicht lange dauern, bis er auch in dieser Funktion im Austausch mit Wladimir ganz neue Akzente setzt. Es sei nur auf die wiederholten Besuche von Jurij Katz hingewiesen, der ja mit seiner Selbsthilfeorganisation „Swet“ etwas durchaus Vergleichbares geschaffen hat.

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Fragt man Jurij Katz, der vor siebzehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau Ljubow, die Initiative „Swet – Licht“ für Eltern mit schwerbehinderten Kindern gegründet hat, wie viele Menschen seine Selbsthilfeorganisation betreut, greift er gern zur Symbolik der Blume, dem Emblem des Vereins. Die 30 Blütenblätter stehen für je ein Programm, das angeboten wird, von Hypotherapie bis zur juristischen Beratung. Das eine zugeschnitten auf einen eher kleinen Kreis von Kindern mit besonderen Behinderungen, das andere ein Service für alle 30.000 Behinderten der Region Wladimir, um nur zwei Bereiche herauszunehmen. Allein in der Partnerstadt sind es mehr als 800 Familien, deren Kinder von Swet betreut werden. Familie ist denn auch das Stichwort, denn deren Bund fürs Leben zerbricht oft am Schicksal eines behinderten Kindes, weshalb das Augenmerk gerade der Unterstützung von betroffenen Eltern gilt. Dabei ist die Organisation, die ursprünglich nur in den ersten Lebensjahren eines Kindes Hilfe anbieten wollte, heute für Behinderte aller Altersstufen offen und gilt damit landesweit als beispielgebend.

Wolfram Howein, Elisabeth Preuß, Jurij Katz

Jurij Katz nutzt seinen Besuch in dieser Woche dazu, alte Freunde wiederzusehen und neue zu gewinnen – für sich und vor allem seine großartige Sache. Bei Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, zuständig im Erlanger Rathaus unter anderem für Fragen der Inklusion, muß der Gast freilich nicht lange werben. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, wissen, wovon sie sprechen. Im Unterschied zu breiten Teilen der Politik und Öffentlichkeit hier wie dort: „Inklusion betrifft alle“, meint dazu die Gastgeberin, „aber noch längst nicht alle wissen, wie sehr es sie persönlich betrifft“, ergänzt Jurij Katz, der drei Hochschulabschlüsse vorweisen kann. Der gelernte Ingenieur studierte nach der Geburt des schwerbehinderten Sohnes vor 28 Jahren und der Gründung des Vereins zunächst zusätzlich Pädagogik, und, weil es damit bei seiner Arbeit noch längst nicht getan ist, erwarb er im Vorjahr auch noch ein Diplom als Jurist. Nun möchte der Vorkämpfer für ein gleichberechtigtes Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten möglichst rasch ein Kooperationsprojekt im Bereich Inklusion beginnen, den mit der habe man dank medizintechnischer Unterstützung aus Erlangen bereits seit mehr als zehn Jahren gute Erfahrungen gemacht. Mit Hilfe von über Vermittlung des Kinderschutzbundes seitens Siemens gespendeter Geräte konnten nämlich schon etwa 30 Kinder mit eingeschränkter Hörfähigkeit in den normalen Schulbetrieb inkludiert werden. Ein Experiment, das gegen den anfänglichen Widerstand der „Fachleute“ gelungen ist, lange bevor der Terminus Inklusion auf die Agenda kam und heute exemplarisch für ganz Rußland.

Daniela Lade, Jurij Katz

Im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das Jurij Katz bereits bei seinem ersten Besuch vor gut vier Jahren kennengelernt hatte, trifft er Daniela Lade, die das gleiche Ziel verfolgt: ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen. Der Gast geht allerdings einen Schritt weiter und plädiert dafür, die Beratung nicht alleine Behinderten zu überlassen, auch wenn die aus eigener Erfahrung sicher über mehr Empathie verfügen. Wichtig sei aus seiner Sicht neben der professionellen Hilfestellung auch die Öffnung für Nichtbehinderte, ganz so wie ja auch Betriebe verpflichtet seien, einen bestimmten Anteil von Behinderten zu beschäftigen. Ganz pragmatisch sieht er die Sache: „Entscheidend ist die Qualität der Beratung, gleich ob die ein Behinderter oder Nichtbehinderter anbietet“, lautet sein Credo. Auch Daniela Lade will keine Abstriche bei der Qualität machen, hält aber entgegen, gerade in den oft schwierigen Lebenslagen von behinderten Menschen schaffe die gemeinsame Betroffenheit ein besonderes Klima des Vertrauens und Verstehens. Man kann davon ausgehen, daß der Dialog fortgeführt wird. Jurij Katz verspricht jedenfalls wiederzukommen, um zu sehen, wie sich die Inklusion von Nichtbehinderten im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Zukunft entwickelt.

Bevor es am Nachmittag mit seinem Freund Wolfram Howein zu den Barmherzigen Brüdern nach Gremsdorf geht, besucht Jurij Katz noch einen Spender, der seit Jahren mit monatlich 100 Euro die Organisation Swet unterstützt, aber anonym bleiben möchte. Jetzt überlegt der Pharmazeut, einmal Wladimir zu besuchen, um selbst zu sehen, was mit seiner Hilfe alles an Gutem bewirkt wurde. Wolfram Howein, selbst ein großzügiger Förderer der Arbeit von Jurij Katz, könnte da viel zeigen. Auch viel von dem, was noch zu tun ist. Gemeinsam. Mit Behinderten und Nichtbehinderten. In Erlangen und in Wladimir. Mitstreiter willkommen!

Mehr zu Swet – viel mehr! – unter Eingabe von „Jurij Katz“ in der Suchmaske oben rechts.

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