Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Wolfgang Niclas’


Kaum ein Projekt entwickelt sich derart erfolgreich und, um einen Begriff aus der Thematik des gegenwärtigen Treffens zu verwenden, nachhaltig wie das Gesprächsforum Prisma, das sich seit Dienstag den Fragen des Umwelt- und Naturschutzes mit Schwerpunkt Vermeidung, Entsorgung und Wiederverwertung von Müll widmet. Nicht auf Expertenebene, sondern unter dem Blickwinkel des Zusammenspiels von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft.

Wjatscheslaw Kartuchin, Gerda-Marie Reitzenstein, Jürgen Schnieber, Schamil Chabibullin, Olga Kanischtschewa und Anatolij Kurganskij

Am Montag eingetroffen, besuchten die Gäste, begleitet vom Prisma-Mitglied Gerda-Marie Reitzenstein, zunächst die Müllumladestation mit all den verschiedenen Fraktionen, die vorab getrennt werden, so daß am Ende in Erlangen gerade einmal noch 30% als Restmüll verbleibt, der per Bahn nach Bamberg und Coburg in die Verbrennungsanlagen geht.

Anatolij Kurganskij, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Gerda-Marie Reitzenstein und Schamil Chabibullin

Inhaltlich vorbereitet hatten die Thematik bereits im April die beiden Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa, die nach ihrem Besuch in Erlangen zusammen mit Wjatscheslaw Kartuchin, dem Leiter der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, eine regelrechte Informationskampagne buchstäblich auf allen Kanälen starteten und in der Öffentlichkeit wie in der Politik demonstrierten, wie Abfallfragen in der deutschen Partnerstadt behandelt werden.

Treffen mit Ulrich Klement, zweiter von links

Einige der Stationen kannte Wjatscheslaw Kartuchin deshalb bereits, andere, wie die Biogasanlage in Strullendorf, wo auch Abfälle aus Erlangen in einem etwa siebzigtägigen Prozeß fermentiert werden, waren ihm ebenso neu wie seinem Kollegen, dem Abgeordneten der Regionalduma Wladimir, Schamil Chabibullin, oder Olga Kanischtschewa, der Chefökologin der Region Wladimir, und Anatolij Kurganskij, Kreisrat von Kameschkowo, unweit von der Partnerstadt gelegen. Und noch niemand von der Vierergruppe war bisher schon einmal am Dechsendorfer Weiher, wo es dann sogar noch ein zufälliges Treffen mit Ulrich Klement, Leiter des Sportamts, gab, der auch für Unterhalt und Pflege der beiden Schwimmbäder dort verantwortlich zeichnet.

Anatolij Kurganskij, Elisabeth Preuß, Georg Hollfelder, Schamil Chabibullin, Manfred Eichhorn, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Julia Obertreis und Olga Kanischtschewa

Auf dem Weg in Richtung Bamberg vervollständigte sich schließlich die Gruppe: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU, stießen dazu und ließen sich ebenfalls über Vergärung und später, in Bamberg, Verbrennung von Abfällen informieren.

Im Müllheizkraftwerk Bamberg: Schamil Chabibullin, Anatolij Kurganskij, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Arnd Externbrink, Olga Kanischtschewa und Julia Obertreis

Nach all dem praktischen Anschauungsobjekten folgte dann gestern unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens der theoretische Teil des Treffens im Erlanger Rathaus mit Fachleuten aus dem Umwelt- und Abfallbereich.

Prisma im Plenum

Julia Obertreis stellte die Geschichte der Ökobewegung in BRD wie DDR ab den 70er Jahren vor und erklärte, wie es zur Gründung der Grünen kam, während Susanne Lender-Cassens erläuterte, welche Rolle in Erlangen die Umweltfragen spielen und was vor allem unternommen wird, um Müll zu vermeiden und wiederzuverwerten.

Julia Obertreis, Susanne Lender-Cassens, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Anatolij Kurganskij und Schamil Chabibullin

Anna Barth vom Jugendparlament berichtete von den Umweltinitiativen der Jugendlichen und natürlich von Fridays for Future, dies Klimabewegung von Schülern, die in Rußland noch völlig unbekannt ist und wohl auch nicht die Ausmaße annehmen dürfte wie etwa in Deutschland, denn, so Olgan Kanischtschewa, man habe nicht nur Schulpflicht, sondern lege in den Klassen auch viel Wert auf Umweltbildung. Außerdem bestehe für alle die Möglichkeit, sich in zivilgesellschaftlichen Kammern und Beiräten zu engagieren und so auch Umweltthemen voranzubringen. In Wladimir schon lange ein wichtiges Thema, auch daran abzulesen, daß man 12% der Fläche des Gouvernements unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt habe, während diese Kennziffer in den Nachbarregionen bei gerade einmal 8% liege.

Im Bereich Umwelterziehung – das stellte sich dann auch beim Vortrag von Regina Meinardus heraus – gibt es sicher die größten Übereinstimmungen, und da stieß denn der Vorschlag von Wjatscheslaw Kartuchin auf großes Interesse, einen gemeinsamen Umweltpreis für Jugendliche auszuloben oder zumindest ein Projekt der Partnerstädte im Bereich der Öko-Pädagogik zu starten.

Gruppenbild mit Bezirksrätin Maria Scherrers, vierte von rechts und mit Oxana Kirej, die mit ihrem Nachwuchsteam vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde wieder famos für die Verständigung sorgte

Heute stehen noch einige Termine auf dem Programm, vor allem die Besichtigung des Klärwerks, aber fest steht schon jetzt: Wladimir will eine Fachgruppe zu dem Thema Müll einladen, um mit dem Expertenteam ein für die Region geeignetes Konzept zu erarbeiten, und die nächste Prisma-Begegnung, möglichst noch in diesem Jahr, soll die zivilgesellschaftlichen Komponenten dieser Frage weiter vertiefen: Wie können Vereine und Verbände, Ehrenamtliche und Organisationen ihren Beitrag zur Müll-Problematik leisten?

Schamil Chabibullin, Wjatscheslaw Kartuchin, Susanne Lender-Cassens, Anatolij Kurganskij, Olga Kanischtschewa und Wolfgang Niclas

„Wir haben wieder viel voneinander gelernt“, resümierte Susanne Lender-Cassens gestern abend bereits, „und wir haben von viel gemeinsam vor. Ich freue mich darauf!“

Read Full Post »


Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

Read Full Post »


Das Thema, das sich das Gesprächsforum Prisma bei seinem mittlerweile dritten Zusammentreffen gestern in der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft stellte, erschöpfend an einem Nachmittag abhandeln zu können, auch wenn der sich – eine gute Stunde länger als geplant – bis in den frühen Abend hinein erstreckte, hatte wohl niemand in der Runde erwartet. Aber die Gastgeber, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Akademieleiter Wjatscheslaw Kartuchin als Moderator, unterstützt von Fachleuten aus der Journalistik und der Wissenschaft, hatten das richtige Rezept gefunden, um alle, Deutsche und Russen, zur Frage „Objektivität von Massenmedien bei der Globalisierung“ miteinander in einen fruchtbaren Austausch von Meinungen und Argumenten zu bringen. Nur zwei Impulsreferate seitens Wladimir – von Wjatscheslaw Kartuchin und dem Politologen Roman Jewstifejew als Komoderator – sowie ein Vortrag von Wolfgang Mayer, ehemaliger Wirtschaftsredakteur der Nürnberger Nachrichten und zehn Jahre lang Mitglied des Deutschen Presserates, zu der Situation der Medien in Deutschland und weltweit.

Das Plenum von Prisma

Was Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort für die Erlanger Delegation als „kleine Schritte zum großen Ziel Verständigung“ bezeichnete, erwies sich rasch als ein Gang durch offene Türen. Kein noch so kontroverses Thema blieb nämlich ausgespart, von den viel zu schwachen russischen Gewerkschaften, die es nicht schaffen, wie in Deutschland, Tarifverträge für Journalisten zu erstreiten – bis hin zu den gehäuften Morden an Reportern während der letzten 20 Jahre in der Russischen Föderation. Wer bisher glaubte, die russische Medienlandschaft sei weitgehend gleichgeschaltet, sah sich am Konferenztisch einer großen Vielfalt gegenüber, von den Wladimirer Staatssendern bis hin zu den durchaus kritischen Redaktionen von Pro Wladimir und Zebra-TV oder der Position des Bloggers Kirill Nikolenko, der meinte, der Staat versuche viel zu sehr, die Medien und die öffentliche Meinung zu steuern. Demgegenüber vertrat Wjatscheslaw Kartuchin die Auffassung, seine Landsleute vertrauten gerade angesichts der überbordenden und ungefilterten Flut von Nachrichten und Meldungen mehr einer ordnenden Hand der Behörden. Strittig diese Meinung – auch unter den Gastgebern.

Die deutsche Delegation: Wolfgang Niclas, Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Amil Scharifow und Doris Lang

Einig freilich ist man sich in der Verurteilung von Zensur, die auch das russische Grundgesetz verbietet, oder in der Beobachtung, wie das Internet zunehmend die Meinungsführerschaft übernimmt, altersunabhängig, hier wie dort. Oft zu Lasten der festangestellten Journalisten, deren Zahl aus Kostengründen in den letzten zehn Jahren, wie Wolfgang Mayer ausführte, um ein Drittel abgenommen habe. Häufig auch zu Lasten der Qualität der Berichterstattung, eine Lücke, die zunehmend von Webautoren und Bloggern gefüllt wird. Spätestens hier stellt sich dann die Frage nach der Objektivität, die, wie Richterin i.R., Gerda-Marie Reitzenstein, am Beispiel der Justiz darlegte, ohnehin auch in scheinbar übersichtlichen Sachen wie einem Verkehrsunfall vom jeweiligen Blickwinkel abhänge und schwierig einzuschätzen sei. Wie dann gezielte Falschmeldungen von Übermittlungsfehlern unterscheiden, wie klären, wer etwa richtig liege bei der Wertung dessen, was vor vier Jahren auf der Krim geschah, eine Frage, die der in Erlangen promovierte Historiker, Wolfgang Mayer, so zuspitzte: Annexion oder Beitritt nach einem Referendum?

Roman Jewstifejew, Kirill Nikolenko und Sergej Golowinow

Auf großes Interesse stieß vor diesem Hintergrund bei den Gastgebern die Einführung des Unterrichtsfachs Medienkompetenz an bayerischen Schulen. Denn, wie sich gerade als junger Mensch zurechtfinden in dem übergroßen Angebot an Information, wie Tendenzielles, Unseriöses und gar Hetzerisches von dem unterscheiden, was nicht gleich in jeden Bericht, woran Elisabeth Preuß gelegen ist, die persönliche Meinung des Autors in den Vordergrund stellt, was Fakten und Wahrheit vermittelt. Stoff genug möglicherweise für einen Journalistenaustausch, den zwischen den Partnerstädten aufzunehmen, beide Seiten anregen.

Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer und Elisabeth Preuß

Mehr noch: Roman Jewstifejew, neben seiner Professur an der Akademie auch als Blogger und Publizist ausgesprochen aktiv, macht einen ganz konkreten Vorschlag zum Ende der Veranstaltung: ein Medienprojekt, das die Lebensverhältnisse der Menschen in Erlangen und Wladimir zum Thema hätte, eine Plattform, wo jenseits der politischen Schlagzeilen – denen will der Wissenschaftler damit ein großes Dennoch entgegensetzen – zur Sprache kommt, was die Stadtgesellschaften ausmacht und bewegt. Eine Idee, die noch auszuformulieren wäre, für die Mitstreiter nötig würden, die anzugehen aber jede Mühe lohnen könnte.

Roman Jewstifejew, Gerda-Marie Reitzenstein, Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Wjatscheslaw Kartuchin, Juta Schnabel (1. Reihe), Wladimir Rybkin, Julia Obertreis, Irina Chasowa, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Alexander Illarionow und Doris Lang

Am Ende finden sich auch alle in den Worten von Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, wieder, die an allen drei bisherigen Treffen teilnahm: „Dieses Forum ist ein Glücksfall für die Partnerschaft, und wir müssen es unbedingt fortsetzen.“ Wen wundert es da, wenn beim gemeinsamen Abendessen schon nach einem Termin für Prisma IV im Frühjahr in Erlangen gesucht wird.

P.S.: Nachzutragen bleibt noch der Ausspruch des Tages aus dem Mund von Sergej Golowinow, Chefredakteur von Zebra-TV: „Ein guter Journalist ist ein schlechter Journalist.“ Bisher nur einmal in all den Jahren seiner Tätigkeit sei er von allen in einem Bericht dargestellten Seiten gelobt worden. Oder, wie das Franz Josef Strauß einmal formulierte: „Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp.“

Read Full Post »


Im April vergangenen Jahres hatte die Auftaktveranstaltung des Gesprächsforums „Prisma“ in Wladimir stattgefunden, und schon im November wollte man die Begegnung in Erlangen fortsetzen. Doch der Termin ließ sich nicht halten und wurde auf diese Tage verschoben. Am späten Montagabend nun traf die Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa ein und absolvierte gestern gleich ein umfangreiches Arbeits- und Besuchsprogramm – als Vorspann zu der heutigen ganztägigen Diskussion mit dem Themenschwerpunkt „Zivilgesellschaft, Bürgerbeteiligung, Teilhabe“.

Wladimir Rybkin, Olga Dejewa, Julia Obertreis, Alina Kartuchina; Wolfram Howein, Guram Tschjotschjew, Alexander Krutow, Gabriele Schöner und Amil Scharifow

Um sich miteinander zu diesen Sachfragen austauschen zu können, sollten die Gäste auch praktische Erfahrung machen, Einblick nehmen können in die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement ganz unterschiedlicher Bereiche.

Guram Tschjotschjew

Etwa wie man in Erlangen 2015/2016 die Aufnahme der Flüchtlinge im Stadtteil Tennenlohe organisierte – von der Grundversorgung bis hin zu Sprachkursen und Integrationsangeboten seitens der Stadtverwaltung aber auch der Zivilgesellschaft, aus der heraus die unterschiedlichsten Projekte entstanden, etwa ein „Kleider-Café“ in der Sebaldussiedlung.

Willkommen im Kleider-Café

Ursprünglich hatten hier Ehrenamtliche nur daran gedacht, die vielen Kleiderspenden der Bevölkerung geordnet an Flüchtlinge weiterzugeben, doch rasch stellte sich heraus: Auch unter den Einheimischen gibt es Bedarf nicht nur nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch nach einem Raum, wo gern für eine Zeitlang verweilt, wo man andere Menschen trifft, wo man zu einem Stück Kuchen oder Gebäck zusammen eine Tasse Tee oder Kaffee trinkt.

Gruppenbild mit Ehrenamtlichen

Gleich ob noch im Studium oder schon im Ruhestand, an den beiden Öffnungstagen kommt die Kundschaft gern und in so großer Zahl, daß sich das von Ehrenamtlichen betriebene Projekt des ASB selbst trägt. Ein wirklich gelungenes Beispiel für Bürgersinn.

Guram Tschjotschjew

Ein ganz anderes Thema wurde dann am späteren Vormittag im Gerätewerk der Siemens AG im Stadtwesten angeschlagen: Integration und Inklusion von behinderten Beschäftigten in die unterschiedlichsten Arbeitsprozesse.

Gruppenbild bei Siemens

Erstaunlich für die Gäste dabei besonders die enge Einbeziehung der betroffenen in die Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes, das hohe Maß an Flexibilität bei der Anpassung an sich stets verändernde Voraussetzung und die Erkenntnis, eine Behinderung führe nicht zwangsläufig zu einer Einschränkung der Produktivität, sofern es denn gelingt, Mensch und Technik auf das Handicap abzustimmen. Etwas, das ganz offensichtlich bei der Siemens AG vorbildlich funktioniert.

Guram Tschjotschjew, Alexander Krutow und Hans-Michael Behnke

Viel Zeit am Nachmittag nimmt sich der Besuch dann für eine Führung durch die Justizvollzugsanstalt. Vor allem unter dem Fokus, was das Ehrenamt bei der Resozialisierung leisten kann, wie die Betreuung von Häftlingen beim sogenannten Übergangsmanagement, also der Vorbereitung auf die Haftentlassung bis hin zur Begleitung zurück in die Gesellschaft, aussehen kann.

Treffen mit Ehrenamtlichen

Hier, im Gespräch mit Anstaltsleiter Hans-Michael Behnke, lassen sich auch Unterschiede im Verständnis von Strafvollzug erkennen. Während die russische Seite das Prinzip von Strafe und Vergeltung postuliert, betonen die Erlanger den sozialtherapeutischen Ansatz mit dem Ziel einer möglichst gelungenen Resozialisierung.

Der Geschenk-Ball aus dem Zentralgefängnis Wladimir

Doch in der Praxis geht auch das Wladimirer Zentralgefängnis, aus dessen Werkstatt ein Ball als Geschenk überreicht wird, längst den Weg des humanen Strafvollzugs mit dem Ziel, die Häftlinge für die Rückkehr in die Gesellschaft zu ertüchtigen. Dafür sprechen unter anderem Fußballturniere der Insassen gegen das Wachpersonal, Kunstausstellungen, Fortbildungsmöglichkeiten.

Treffen mit Ehrenamtlichen und Melitta Schön (links im Bild)

Zur letzten Arbeitsrunde findet sich die Delegation dann beim Bayerischen Roten Kreuz ein, wo 1990 alles begonnen hatte mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ und wo seit nun auch schon zwei Jahrzehnten das „Seniorennetz“ seine ehrenamtlichen Angebote rund um Computer, Tables, Smartphone und Internet macht. Übrigens eine Initiative, die es ganz ähnlich auch in Wladimir gibt. Dort veranstaltet man sogar Computer-Wettbewerbe in der vorgerückten Altersklasse. Eine Anregung vielleicht auch für das „Seniorennetz“.

Im Brauereimuseum: Susanne Lender-Cassens, Alina Kartuchina, Olga Dejewa, Birgit Marenbach, Wladimir Rybkin, Horst Hirschfelder, Wolfgang Niclas, Christoph Gewalt und Alexander Krutow

Angeregt jedenfalls endete dann der Abend mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Stadrätin Birgit Marenbach in der Steinbach Bräu und deren Museum über die Bierstadt Erlangen. Und heute dann den ganzen Tag lang Gespräche im Rahmen von „Prisma“. Was es mit diesem Forum auf sich hat, ist hier nachzulesen: https://is.gd/Z2F75y

 

Read Full Post »


Voller Vorfreude zeigte sich gestern vormittag Olga Dejewa beim Empfang für die Delegation ihres Kollegen Florian Janik auf die „unmittelbar bevorstehende Geburt“ des neuen Kindes der Städtepartnerschaft, das Gesprächsforum „Prisma“, durch das man sich in Zukunft Probleme und Fragen aus Politik und Gesellschaft ansehen will, die ebenso trennen wie verbinden können. Ganz wie man sie betrachtet, isoliert oder im Zusammenhang, aus dem Blickwinkel der Gemeinsamkeiten oder des Gegensatzes.

Florian Janik und Olga Dejewa mit dem Gastgeschenk, einer Schale aus der Werkstatt von Inge Howein

Wer die Partnerschaft kennt, weiß, in welche Richtung die Diskussion zwischen Erlangen und Wladimir – auch bei strittigen Themen – gehen wird, dennoch war auch in der Teilnehmer-Runde zu Beginn eine gewisse Spannung zu spüren, denn der gewählte Komplex „Migration“ erlaubt hier wie dort viele Deutungen, macht buchstäblich Stimmungen, birgt Potential für die Künder einfacher Lösungen, macht Schlagzeilen, hinter denen die notwendige Analyse oft verschwindet.

Das zu vermeiden, hier den Dialog walten zu lassen, nicht auf „Schlagworte zurückzugreifen und an der Oberfläche zu bleiben“, wie es Erlangens Oberbürgermeister formulierte, sondern sich durchaus auch selbstkritisch mit der Materie auseinanderzusetzen, soll Ziel der Diskussion sein. Mit der Betonung ausdrücklich auf Diskussion.

Florian Janik, Olga Dejewa und Wjtascheslaw Kartuchin

Der geschickt agierende Moderator und Leiter der gastgebenden Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, Wjatscheslaw Kartuchin, verstand es denn auch im Lauf der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung dem Austausch von Meinungen, dem Spiel von Fragen und Antworten den notwendigen Raum zu geben. Und er bewies Mut zur Improvisation, ließ dem freien Austausch seinen guten Lauf, griff nur immer wieder mit behutsamen Mahnungen ein, sich konkret zu fassen, die Uhr im Blick zu behalten.

Blick ins Plenum

Diesem freien Reglement opferte der Gastgeber sogar die beiden russischen Vorträge, nachdem die Präsentationen der Historikerin, Julia Obertreis, und des Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Erlangen, Amil Sharifov, bereits mehr als genug Anregung zum Disput gegeben und Jutta Schnabel vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Bewältigung der Herausforderungen durch Migrationsfragen umrissen hatte. Auch der offizielle Teil blieb wohltuend kurz gehalten: die Begrüßung, die Unterzeichnung der Gründungsurkunde des Forums – und gleich in medias res.

Florian Janik und Olga Dejewa

Wie groß das Interesse an dieser Diskussionsplattform ist, zeigt die Berichterstattung der Medien. Keine TV-Anstalt, keine Redaktion, die nicht vertreten gewesen wäre, nicht Fragen danach gestellt hätte, wie man in Erlangen an die Migration herangeht. Zu wenig Informationen, das ist deutlich zu spüren, erhält man hier aus erster Hand, zu viel ist das Bild geformt von medialen Vereinfachungen.

Julia Obertreis

Da war es denn auch wichtig, einmal den Zusammenhang nicht schlicht, sondern im geschichtlichen Überblick herzustellen, also zu zeigen, wie Deutschland über die Jahrhunderte von Immigration profitierte – von Hugenotten über Russen während der Sowjetzeit und Spätaussiedler bis zu den Heimatvertriebenen nach dem Krieg und zu den Gastarbeitern -, aber auch welche Auswanderungswellen es gab, etwa in die USA oder auf Einladung von Zarin Katharina II ins Russische Reich. Mit allen Fehlern, die etwa bei der mangelhaften Integration von Arbeitsmigranten gemacht wurden, wie Erlangens Oberbürgermeister einräumte: „Aber jetzt wollen wir es besser machen mit dem Focus auf Sprache und Bildung.“

Jutta Schnabel

Die russischen Partner, prominent politisch vertreten durch Vizegouverneur, Michail Kolkow, hakt da immer wieder nach: Ob die Flüchtlinge aus den arabischen und schwarzafrikanischen Staaten nicht doch eher am sozialen Netz Deutschlands interessiert seien als an der Arbeitsaufnahme, wie es um die Kriminalität und um die Bereitschaft bestellt sei, sich zu integrieren. Dem setzten die Gäste entgegen, man sehe Migration grundsätzlich positiv, eine Separierung in Flüchtlinge und andere „Fremde“ schaffe nur eine allgemein schlechte Stimmung, spalte die Gesellschaft, die jetzt aufgerufen sei, ein interkulturelles Miteinander zu ermöglichen.

Michail Kolkow, Alexander Krutow, Nikolaj Schtschelkonogow, Olga Dejewa und Florian Janik

Dabei hilft die Migration – etwa aus der Ukraine – auch der Region Wladimir, wo derzeit 800 Ärztestellen unbesetzt bleiben. Immerhin 30 Mediziner aus dem Nachbarland füllen diese Lücke nun zumindest teilweise, und Julia Obertreis wies durchaus auch auf den Beitrag der Gastarbeiter aus den zentralasiatischen Republiken zum Wohlstand der Russischen Föderation hin.

Julian Hans, Florian Janik und Julia Obertreis

Mit dem Ergebnis dieses ersten Treffens zeigten sich am Nachmittag dann alle zufrieden, auch Julian Hans von der Süddeutschen Zeitung, der eigens aus Moskau angereist war, um durch das „Prisma“ der Partnerschaft zu blicken. „Gehaltvoller als so manche Begegnung auf höherer politischer Ebene“, kommentierte er lobend. Und schon am Abend war man sich einig, das Forum schon im Herbst in Erlangen erneut tagen zu lassen, voraussichtlich unter dem Thema „Teilhabe: die Rolle der Zivilgesellschaft in den Partnerstädten“. Ein guter Ausblick auf die Zukunft einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir.

Jurij und Ljubow Katz mit Florian Janik

Zu dieser Zusammenarbeit gehört seit Anfang der 90er Jahre die Selbsthilfeorganisation „Swet“, deren Gründern, dem Ehepaar Ljubow und Jurij Katz, Erlangens Oberbürgermeister als Symbol der Verbundenheit das Stadtwappen überreichte, gefertigt von einem Bewohner der Stadt-Mission Mensch aus Molfsee.

Begehung der Baustelle Pilgerzentrum mit Pfarrer Sergej Sujew

Zu dieser Zusammenarbeit gehört ebenfalls seit den frühen 90er Jahren die Verbindung mit der Rosenkranzgemeinde, deren Bauprojekt „Pilgerzentrum“ nun in die entscheidene Phase der Innengestaltung geht, bevor, wie Pfarrer Sergej Sujew meint, mit Hilfe unserer deutschen Freunde im nächsten Jahr die Einweihung stattfinden kann.

Amil Scharifow, Wladimir Rybkin und Wolfgang Niclas

Und zu dieser Zusammenarbeit gehört nun auch der Austausch zwischen den Gewerkschaften, wie Wolfgang Niclas und sein Kollege, Wladimir Rybkin, Vorsitzender des Regionalverbands der Russischen Maschinenbaugewerkschaft, bekunden. Aber auch die Fortsetzung der Verbindung des Erlangen Jugendparlaments zu Wladimir und vieles mehr, von dem demnächst hier noch die Rede sein wird, immer mit dem Blick durch das „Prisma“.

Read Full Post »


Es ist so weit: Das Gesprächsforum „Prisma“ kann sich heute in Wladimir konstituieren und seine Dialogfunktion zwischen den Partnerstädten aufnehmen. Die Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Florian Janik traf gestern am späteren Abend im Erlangen-Haus ein, abzüglich eines Koffers, der noch nachzuliefern ist, ansonsten aber wohlbehalten und komplett, nachdem in der Nacht auch noch Professorin Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU, gesondert angereist ist.

Willkommen im Erlangen-Haus mit Irina Chasowa

Etwas Besonderes hat der Besuch sicherlich für Wolfgang Niclas, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt, denn er feierte bei seinem ersten Besuch in Wladimir seinen 65. Geburtstag, gewissermaßen als seinen ersten russischen Geburtstag – an der Willkommenstafel und mit einem Geschenk aus den Händen des Autorenpaars Irina Chasowa und Wolfram Howein, der bebilderten und zweisprachigen Geschichte des Erlangen-Hauses. Ein gelungener Einstand. Die Arbeit der Verständigung kann beginnen.

Wolfgang Niclas, Irina Chasowa und Wolfram Howein

Mehr zu „Prisma“ unter: https://is.gd/5491kC

Read Full Post »


Am 2. September 2015 veranstaltete Wolfgang Niclas, Vorsitzender des DBG-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt, zusammen mit der Volkshochschule eine Podiumsdiskussion zum Weltfriedenstag https://is.gd/ml0nDP, bei der im Schatten des Kriegs in der Ukraine zur Sprache kam, was die Städtepartnerschaft angesichts der daraus hervorgehenden Spannungen auch zwischen Deutschen und Russen zur Verständigung leisten kann. Damals schlug Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg vor, einen Gesprächskreis in den Partnerstädten zu gründen, der ohne gegenseitige Provokationen strittige Themen aus Politik und Gesellschaft angehen und die Ergebnisse der Begegnungen einer breiten Öffentlichkeit vorstellen sollte. Diese Idee, ein Forum des Vertrauens und des Meinungsaustausches in Zeiten von Falschmeldungen und Stimmungsmache zu schaffen, nahmen Oberbürgermeister Florian Janik und sein damals scheidender Kollege aus Wladimir, Sergej Sacharow, begeistert auf und gewannen mit Julia Obertreis, der Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, eine kundig-kompetente Leiterin des „Prisma“ genannten fünfzehnköpfigen Gremiums, das sich nun gestern im Rathaus zu einer ersten Kennenlernrunde traf und Gedanken wider die Verspannung des deutsch-russischen Verhältnisses austauschte.

Gesprächsforum Prisma

Gesprächsforum Prisma

In Wladimir hat sich mittlerweile auf Anregung von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa ein gleich großer Kreis von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – aus Politik, Wissenschaft, Schule, Berufsbildung, Kultur, Ehrenamt, Justiz und vielen weiteren Bereichen – zusammengefunden, der sein Erlanger Pendant vom 9. bis 12. April zur konstituierenden Sitzung erwartet. Im Fokus der Auftaktveranstaltung soll, wie bereits im Vorfeld zwischen den Partnerstädten vereinbart, das Thema „Migration“ stehen – in all seinen Facetten und Auswirkungen auf Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft hier wie dort. Im Herbst dann, so die gegenwärtige Planung, der Gegenbesuch aus Wladimir. Nach Lage der Dinge wird ja der Gesprächsbedarf eher noch zunehmen, dürfte es eher mehr als weniger Gründe geben, die Verständigung wider die Verspannung zu setzen.

Read Full Post »


Da sprudeln bei den Gästen, Olga Dejewa und Irina Chasowa, gleich die Ideen, als sie vor dem Augenplakat der Ausstellung zum Thema „Die Faszination des Sehens“ im Erlanger Stadtmuseum stehen. So etwas könnte man doch auch mit der Nase, den Ohren, dem Mund oder den Händen machen

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Und Gastgeberin, Brigitte Korn, die mit Wladimirs Oberbürgermeisterin den Umstand teilt, noch recht neu im Amt zu sein, erst seit September letzten Jahres, ist ihrerseits begeistert von dem umfassenden Interesse, das Olga Dejewa Fragen der Kultur und des Umgangs mit Geschichte entgegenbringt: „Wenn alle in der Politik so aufgeschlossen für diese Dinge wären, bräuchten wir uns keine Sorgen mehr um die Bewahrung und Deutung der Historie mehr machen.“

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Es sprudeln aber auch schon gleich die Ideen, was man in der Museumsarbeit gemeinsam veranstalten könnte, besonders im Ausblick auf das „kleine“, 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im Jahr 2018, das Erlangen austragen wird – mit möglichst großer Bürgerbeteiligung, einem deutsch-russischen Volksfest, einer Tafel, die vom Museum bis hinaus auf den Altstädter Kirchenplatz führt, natürlich mit Musik, Kunsthandwerk und Exponaten aus Wladimir, natürlich mit möglichst vielen gemeinsamen Aktionen.

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Bis dahin ist dann hoffentlich auch der schon Ende der 80er Jahre abgebrochene Dialog zwischen den Gewerkschaften wieder aufgenommen, hofft Wolfgang Niclas, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Etwas, das auch Olga Dejewa am Herzen liegt, die aus der Gewerkschaftsarbeit kommt, nun aber nur noch den Niedergang der Arbeitnehmervertretung konstatieren kann. Tarifautonomie wie sie hierzulande gepflegt und ausgetragen wird, kenne man so in der Russischen Föderation nicht. Warnstreiks wie dieser Tage auch in Erlangen – in Wladimir undenkbar. Da gelte das Primat der Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich mit dem Gouvernement, schließen trilaterale Verträge, fügen sich den administrativen Vorgaben und gewährleisten so Auskommen und einen möglichst hohen Beschäftigungsgrad. Doch gerade bei allen Unterschieden, da sind sich Olga Dejewa und Wolfgang Niclas einig, sollte man wieder ins Gespräch kommen und einen Austausch aufnehmen.

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Wie fruchtbar dieser Austausch auf so vielen anderen Gebieten vorankommt – ungeachtet der ungünstigen politischen Großwetterlage -, zeigt die von Dieter Rossmeissl moderierte Diskussion mit Olga Dejewa am Abend im vollbesetzten Club International der Volkshochschule. Schon auf die einleitende Frage des Referenten für Bildung, Kultur und Jugend, wer denn von den Anwesenden schon einmal in Wladimir gewesen sei, erhält er eine beeindruckende Antwort: kaum ein Arm, der (noch) unten bleibt. Nach der kurzen, immer wieder von Zwischenapplaus begleiteten Darstellung ihrer Person, Funktion und Arbeit der letzten Jahre als Leiterin des Wladimirer Sozialwerks und Geschäftsführerin des Roten Kreuzes stellt sich die Oberbürgermeisterin dann den Fragen und Anregungen aus dem Publikum, das sie schon nach den ersten Augenblicken als einen Kreis von Freunden empfindet, auch wenn darunter viele sind, die sie bisher noch nicht persönlich kannte, wie etwa Altoberbürgermeister, Dietmar Hahlweg, der sich nicht nur über die gelungene Gestaltung einer Fußgängerzone sondern auch über die geplante Weiterentwicklung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik freut und hofft, es werde gelingen, einen paritätisch besetzten Gesprächskreis zu begründen, der helfen könnte, die zwischenstaatliche Vertrauenskrise und Vorurteile zu überwinden, den bei allen politischen Verwerfungen zwischen Ost und West so lebendigen zivilgesellschaftlichen Dialog zu unterstützen.

Melitta Schön und Olga Dejewa

Melitta Schön und Olga Dejewa

Der Abend bietet dem Gast aber auch Gelegenheit, für die fast fünfjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Förderverein Rotes Kreuz zu danken, eine Zeit, in der es Olga Dejewa mit Erlanger Hilfe gelang, die in Wladimir schon fast handlungsunfähige Organisation wieder zu einer aktiven und angesehenen Institution zu machen, die mit ihren Projekten in den Bereichen Erste Hilfe und Häusliche Pflege wichtige soziale Aufgaben übernimmt, Aufgaben, die vor Ort von ehrenamtlichen Kräften übernommen werden und die man nun dank einer weiteren Spende des Fördervereins in Höhe von 1.700 Euro, überreicht von der Vorsitzenden, Melitta Schön, weiter fortsetzen kann, unter neuer Führung, aber weiter mit der Unterstützung durch die Oberbürgermeisterin. Überhaupt scheint sich die Kommunalpolitikerin ihr soziales Wesen bewahren zu wollen, und es ist, als lebte sie nach der Maxime von Lew Tolstoj, der einmal bemerkte, das einzige unbezweifelbare Glück im Leben bestehe darin, für andere zu leben.

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Und so nimmt Olga Dejewa mit ihrem gewinnenden Kommunikationstalent denn auch wie bei einer Bürgersprechstunde alles auf, was so an sie herangetragen wird: die Sorge um den Jugend- und Schüleraustausch angesichts knapper Kassen; die Frage des Vereins „Nadjeschda“ nach der Zukunft des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde; den Wunsch nach noch mehr kulturellen Austausch; das Desiderat nach vertiefter wissenschaftlicher Kooperation; die ein wenig futuristische Anregung, einen Fahrrad-Fernweg zwischen den Partnerstädten anzulegen… „Gleich, ob wir Geld haben oder nicht, wenn wir etwas gemeinsam wollen, dann schaffen wir das auch“, lautet Olga Dejewas das Credo. Glaubwürdig und überzeugend. Man nimmt es ihr ab. Und schon sprudeln auch wieder die Ideen.

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Schließlich all die vielen Gespräche am Rand der Veranstaltung: mit dem Pionier des Medizinaustausches, dem Professor für Kinderheilkunde, Dieter Wenzel, der im Sommer wieder nach Wladimir reisen will; mit Rolf Wurzschmitt, dem ehemaligen Vorstand der Erlanger Stadtwerke, und dessen seinerzeitigem Leiter des Heizkraftwerkes, Abram Dyck, die in den 90er Jahren unter vielem anderen die ersten gebrauchten Busse und zwei Heizkessel nach Wladimir gebracht und massiv den Bau des Erlangen-Hauses befördert haben, die sich aber auch an das Fränkische Fest 1993 erinnern, als Olga Dejewa übrigens im Brotkombinat beschäftigt war, das die Brötchen für die Bratwürste lieferte… Da schließen sich Kreise, die offen blieben, wenn hier nicht erwähnt würde, wie oft aus dem Publikum heraus die Arbeit des Erlangen-Hauses und insbesondere die Unterstützung und Gastfreundschaft von Geschäftsführerin, Irina Chasowa, gelobt wurden. Verdientermaßen! Das letzte Wort aber aus dem gestrigen Kreis der Freunde, gerichtet an Olga Dejewa, sei Jelena Ruß erteilt, vor ihrer Verehelichung in Höchstadt als Jelena Bordanowa treibende Kraft beim Projekt „Lichtblick“, dem Fachaustausch im Bereich Kinderpsychiatrie: „Wenn ich noch in Wladimir lebte, hätte ich mit beiden Händen für Sie gestimmt. Ich freue mich für meine Stadt, die jetzt mit Ihnen eine so überzeugende Oberbürgermeisterin hat.“ Und wir in Erlangen freuen uns da ganz offen mit – für Wladimir und die Partnerschaft.

 

Read Full Post »


Im Mai seinem Freund und Kollegen, Florian Janik, versprochen, als die Erlanger Delegation zum 70. Jahrestag des Kriegsendes und zum 20. Geburtstag des Erlangen-Hauses Wladimir besuchte, und im September die Zusage eingelöst. Sergej Sacharow folgte der Einladung in die Partnerstadt gern, um teilzunehmen an der Veranstaltung des DGB zum Weltfriedenstag, gewidmet der Frage, was deutsch-russische kommunale Zusammenarbeit und Volksdiplomatie in Zeiten geopolitischer Spannungen und vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise leisten können, um Frieden und Verständigung zu bewahren.

Florian Janik und Sergej Sacharow

Florian Janik und Sergej Sacharow

Nichts Selbstverständliches sei das nämlich, wie Wolfgang Niclas, Vorsitzender des Kreisverbandes Erlangen und Erlangen-Höchstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Initiator der gestrigen Podiumsveranstaltung im brechend voll besetzten Großen Saal der Volkshochschule, einleitend meinte, sondern ein Gut, für das man immer wieder neu werben und kämpfen müsse. Derart viel Interesse, Zu- und Widerspruch, hatte er allerdings dann doch nicht erwartet.

Wolfgang Niclas

Wolfgang Niclas

Wohl auch nicht, wie gut es gelang, nach dem fein austarierten Vortrag von Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, zu Vergangenheit und Gegenwart der Ukraine und ihrer Beziehungen zum großen russischen Nachbarn, in den vorgesehenen zehn Minuten die durchaus kontroversen Redebeiträge aus dem Publikum zu bündeln und sogar noch beantworten zu lassen. Ausgesprochen diszipliniert und versiert, ohne Rechthaberei, ohne einseitige Schuldzuweisungen.

Julia Obertreis

Julia Obertreis

Diese vermied auch der Moderator des Gesprächs der beiden Oberbürgermeister, der partnerschaftserfahrene Journalist der Erlanger Nachrichten, Peter Millian, der 1983 zur ersten Delegation gehört hatte, die Wladimir besuchte, und der erst im vergangenen Mai wieder zu den russischen Freunden reiste. Freilich erinnerte er an die gemeinsame Verantwortung von Deutschen wie Russen für die Erhaltung des Friedens in Europa und auf der Welt.

Peter Millian

Peter Millian

Zu dieser Verantwortung gehört für Florian Janik unbedingt auch der gegenseitige Respekt, ganz im Geist von Willy Brandt, dem Vater der Ostpolitik, der seine Initiative des „Wandels durch Annäherung“ auch immer nüchtern als Anerkennung von außenpolitischen Interessen der verschiedenen Staaten verstanden wissen wollte. Um diese unterschiedlichen Sichtweisen besser verstehen zu können, wünscht sich Erlangens Oberbürgermeister gemeinsam mit seinem Wladimirer Kollegen, einer Anregung von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg folgend, die Einrichtung eines Forums, besetzt mit Wissenschaftlern aus beiden Partnerstädten, das sich mindestens einmal im Jahr hier oder dort trifft und offen bespricht, was uns in der Frage der Ukraine trennt und eint. Denn gerade dieses Problem sei es ja, das die bis dato so einvernehmlich kooperierenden Deutschen und Russen, wie Julia Obertreis betont, zumindest auf Regierungsebene auseinandergebracht habe.

Florian Janik

Florian Janik

Dies aber, nämlich Deutsche und Russen auseinanderzubringen, da ist sich Sergej Sacharow sicher, werde im Rahmen der Bürgerpartnerschaft nicht einmal dem böswilligsten Politiker gelingen. Er sieht gerade in dieser Volksdiplomatie, wo so viel auch ohne das Zutun der Rathäuser geschehe, ein Modell für die Zusammenarbeit sogar weltweit und wünscht sich viel mehr Partnerschaften wie die zwischen Erlangen und Wladimir auch mit anderen Ländern: mit der Ukraine und Polen, mit dem Iran und Syrien, mit all den Staaten, wo die Regierungen noch nicht auf Kooperation geschaltet haben. Und etwas anderes noch wünscht sich das scheidende Stadtoberhaupt Wladimirs: „Das Wissenschaftlergremium, das wir einsetzen wollen, sollte der Wahrheit auf den Grund gehen, denn es stimmt, was Julia Obertreis sagt, das erste Opfer jeder kriegerischen Auseinandersetzung ist die Wahrheit.“ Propaganda von Fakten zu trennen, einander im ehrlichen Bemühen um gegenseitiges Verständnis für das jeweilige Verhalten zu begegnen, das ist es, was in einem solchen Forum angestrebt werden sollte. Ohne die wirklich kritischen Fragen auszusparen, wie Karl-Heinz Stammberger aus dem Publikum anmerkte, denn gerade unter Freunden sollte man einander auch unangenehme Wahrheiten sagen können.

Sergej Sacharow und Florian Janik

Sergej Sacharow und Florian Janik

Überhaupt das Publikum, aus dem auch – namentlich von Hans Gruß – die Anregung kam, der Partnerschaftsurkunde einen Friedensvertrag anzufügen, da ein solcher auf Staatsebene noch immer fehle. Sergej Sacharow zeigte sich nicht nur von der großen Zahl der Besucher begeistert, sondern auch von deren Zusammensetzung aus allen Altersgruppen und der Aufmerksamkeit über die mehr als zwei Stunden hinweg. „Alle waren ganz und gar bei der Sache, niemand ist vor der Zeit gegangen, viele hatten nur noch stehend oder auf dem Boden einen Platz gefunden… Und das bei dem schwierigen Thema. Ein eindrucksvolles Zeichen für eine reife Zivilgesellschaft!“

Peter Steger, Sergej Sacharow, Florian Janik und Peter Millian

Peter Steger, Sergej Sacharow, Florian Janik und Peter Millian

Niemand hatte wohl erwartet, man könne am Ende der Veranstaltung eine Lösung für den Ukraine-Konflikt präsentieren. Diese Dinge, darüber sind sich alle im klaren, müssen höheren Ortes entschieden werden und ganz auf der Grundlage von Minsk II. Aber ebenso klar für alle auf dem Podium wie im Saal: Die Städtepartnerschaft leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Bewahrung des Friedens und beweist gerade in der Krise ihre Vitalität, indem sie sich ständig neu erfindet und, wie Florian Janik aus eigener Terminnot zu berichten weiß, derart viel an Austausch mit sich bringt, daß manchmal auch drei Bürgermeister nicht ausreichen, um alle Gäste auch offiziell im Rathaus begrüßen zu können. Aber so soll es ja auch sein bei einer echten Bürgerpartnerschaft.

Auf der Bühne der Bundeswehr-Bigband

Sergej Sacharow, Peter Steger, Florian Janik

Bei aller Disziplin, eine Viertelstunde hatte man dann doch am Ende überzogen. Dabei wurde Florian Janik ja beim Benefiz-Konzert der Bigband der Bundeswehr erwartet. Zusammen mit seinem Wladimirer Kollegen als einer der vielen prominenten Spendensammler, die ein neues Rekordergebnis mit mehr als 17.000 Euro für bedürftige Kinder und Familien einwarben. Wegen der Verspätung betraten die beiden Stadtoberhäupter erst vor der Zugabe die Bühne, gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten, Martina Stamm-Fibich, und  dem bayerischen Innenminister, Joachim Herrmann. Aber auch das war gut so. Sergej Sacharow grüßte ins vieltausendköpfige Publikum „Guten Abend, Erlangen!“ und erhielt begeisterten Beifall für seine Komplimente: „Ich bin nicht zum ersten Mal in Erlangen, aber noch nie habe ich so viele fröhliche und hilfsbereite Menschen hier versammelt gesehen. Ein großartiger Moment für mich…“ Und dann, ganz wie weiland Dietmar Hahlweg 1986 in Wladimir, in nun umgekehrter Richtung die – Einladung an alle, doch einmal Wladimir zu besuchen. So gewinnt man neue Freunde!

Gemeinsam auf der Bühne mit der Bundeswehr-Bigband

Gemeinsam auf der Bühne mit der Bundeswehr-Bigband

Auch wenn Sergej Sacharow glaubt, es komme gottlob gar nicht mehr so sehr darauf an, wer da in Wladimir oder Erlangen regiere, die Menschen hätten schon längst die Partnerschaft in die eigenen Hände genommen, ist es doch ein besonderes Glück und eine Erfolgsgarantie für diese deutsch-russische Freundschaft, mit welcher Überzeugung die Politik hier wie dort die Volksdiplomatie unterstützt. Das darf man auch einmal sagen am späten Ende eines solch gelungenen Tages.

Olga Wassiljewa und Michail Gantmann

Olga Wassiljewa und Michail Gantmann

P.S.: Ein besonderer Dank geht an das Duo Michail Gantmann und Olga Wassiljewa, die mit ihren Beiträgen in russischer, ukrainischer und englischer Sprache für eine ganz besondere kulturelle Begleitung durch den Abend sorgten. Und hier geht es zum Vortrag von Julia Obertreis Veranstaltung 02.09.2015

Read Full Post »


Anfang März des Jahres hatten sich die beiden Oberbürgermeister Florian Janik und Sergej Sacharow der Aktion „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ angeschlossen, in Leben gerufen von der Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW). Die Initiative will dem Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der sich weiter zuspitzenden Krise zwischen NATO und Russischer Föderation wegen des anhaltenden Kriegs in der Ost-Ukraine entgegenwirken. Davon unabhängig nutzen beide Stadtoberhäupter nach wie vor jede Gelegenheit zur Ermunterung, den Austausch im Rahmen der Städtepartnerschaft gerade in diesen geopolitisch so schwierigen Zeiten auf allen Ebenen weiter auszubauen.

Florian Janik

Florian Janik

Wie wichtig ihnen dieser Appell zur Verständigung bleibt, beweisen die Politiker mit ihrem eigenen Sprechen und Tun am Mittwoch, den 2. September, wenn sie auf Einladung von Wolfgang Niclas, dem ehemaligen 1. Bevollmächtigten der IG Metall Erlangen, um 19.00 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule zum Antikriegstag miteinander über die Rolle der Städtepartnerschaft vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine diskutieren. Die Moderation könnte der Veranstalter kaum in kompetentere Hände gelegt haben: Der Journalist Peter Millian kennt wie kaum ein anderer Geschichte und Gegenwart der Städtepartnerschaft, war er doch im Auftrag der Erlanger Nachrichten bereits 1983 an der Seite des damaligen Oberbürgermeisters und Begründers dieses kommunalen Versöhnungswerks in Wladimir und kehrte immer wieder dorthin zurück, zuletzt erst im Mai des Jahres. Einführen aber wird in die komplizierte Materie Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, die mit ihrer prononcierten Haltung zum russisch-ukrainischen Konflikt weit über Erlangen hinaus Aufmerksamkeit und Anerkennung genießt. Welche eine Fügung! Es war nämlich ihre Vorgängerin im Amt, Fairy von Lilienfeld, die damals, in den Jahren des Kalten Krieges, als einzige Wissenschaftlerin vor Ort etwas aus eigener Erfahrung zu Wladimir sagen konnte und deshalb die Erlanger Kommunalpolitik dazu beglückwünschte, die einstige Hauptstadt der Rus als Gegenüber angeboten bekommen zu haben. Sergej Sacharow, seit vier Jahren mit Leidenschaft der Sache der Partnerschaft verschrieben, kommt übrigens eigens zu diesem Termin nach Erlangen.

Sergej Sacharow

Wer wollte da guten Gewissens zu Hause bleiben? Auch 70 Jahren nach Nagasaki, dem zweiten und hoffentlich für immer letzten Atombombenabwurf, auch sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist auf Erden noch immer nicht das Reich des Friedens angebrochen. Etwas global daran auf lokaler Ebene ändern zu können, wird niemand ernsthaft für sich behaupten wollen. Aber der Frage nachzugehen, warum gerade diese Plattform der Volksdiplomatie mit ihren jährlich mehr als einhundert Austauschprogrammen so erfolgreich die Sache der Verständigung und Versöhnung betreibt, sich also mit dem friedensstiftenden Geist einer deutsch-russischen Städtepartnerschaft auseinanderzusetzen, die sich weigert, Feindschaft zwischen den Menschen entstehen zu lassen, ist allemal aller Mühen und Ehren wert. Jeden Tag und besonders am 2. September ab 19.00 Uhr in der Erlanger Volkshochschule. S. auch: Einladungsplakat Weltfriedenstag 2015

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: