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Posts Tagged ‘Wolfgang Morell’


Wegen technischer Probleme kann heute der geplante Bericht nur verspätet und ohne den Hauptteil erscheinen. Sobald das Problem behoben ist, wird der Beitrag – hoffentlich noch im Lauf des Tages – ergänzt.

Wichtigstes Ziel der Städtepartnerschaft ist und bleibt die Völkerverständigung. Nicht von ungefähr steht deshalb das Motto „Bürgerpartnerschaft“ im Zentrum. Jährlich gibt es gut einhundert Austauschprogramme auf den unterschiedlichsten Ebenen. Regelmäßig veranstaltete Bürgerreisen schaffen ein Klima der Offenheit und Verständigung über alle Grenzen hinweg. Unsere Schule nimmt auch am Austausch mit dem Emmy-Noether-Gymnasium teil. Jährlich fahren die Kinder aus unserer Schule nach Erlangen. Ich selbst war schon zwei Mal in unserer deutschen Partnerstadt. Höhepunkt dieser Kontakte sind dabei Diskussionen und Jugendabende oder sportliche Begegnungen.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Ich bin überzeugt, die Partnerschaft Erlangen-Wladimir ist der beste Beweis dafür, daß gute Taten keine Grenzen, keine Nationalität kennen. Einfache Menschen (darunter auch Jugendlichen) können vieles leisten, viele Probleme lösen. Ehrenamtliche Initiativen sind unverzichtbar für das Gelingen der Städtepartnerschaft. Als Beispiel dazu dient hoffentlich auch das Projekt ,,Ein Blick in die Vergangenheit”, das ich gemeinsam mit meiner Lehrerin Ludmila Mironowa im Jahr 2008 erstmals in Erlangen präsentierte.

Die Städtepartnerschaft ermöglichte die Begegnung deutscher und russischer Kriegsveteranen. Einst standen sie einander auf feindlichen Frontlinien gegenüber und beschossen sich gegenseitig. Jetzt sind sie in unseren Partnerstädten zu Botschaftern des Friedens geworden. 2001 erschien die erste Auflage des Buches „Rose für Tamara“. Zehn Veteranen aus ganz Deutschland, die in Wladimir in der Gefangenschaft waren, erzählten über ihre Erfahrung und erinnerten sich mit viel Liebe und Dankbarkeit an die Hände der russischen Frauen, die ihnen das Leben gerettet hatten. Das Treffen mit deutschen Veteranen und deren Erinnerungen an die menschlichen Berührungen der einstigen Kriegsfeinde war wirklich ein Ereignis für uns Schüler. Ich bin selbst der Meinung, das Gute  müsse über das Böse die Oberhand  gewinnen.

 

Alexej Aljochin

 

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Wolfgang Morell, der sein in der Gefangenschaft erlerntes Russisch bis heute erstaunlich präsent hält, stimmte sich gestern mit den Weihnachtsgedichten des in die USA emigrierten russischen Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky auf das Fest ein.

Wolfgang Morell und Peter Steger

Doch auch in Wladimir gibt es Lyrik, auch zum heutigen Anlaß, zu entdecken, etwa von Jekaterina Zwetkowa, mit ihren vom 21. Januar 2004 datierten und heute vom Chefübersetzer der Blog-Redaktion ins Deutsche übertragenen Zeilen:

Jekaterina Zwetkowa mit Väterchen Frost

Dem Wunder der Wunder, ein Segen – / den Augen der Jungfrau vom Kind, / die Allzärtlichkeit der Frauen-Mütter-Bräute gegeben: / Liebe, Unnahbarkeit, gehorsamkeitsblind.

Segnet die Freude, segnet die Trauer / im Unkenntnis-Einheits-Glück, / dem allergeheimsten Sakrament, auf dem  wir alles bauen: / eine Handvoll Rußland, von der russischen Erde ein Stück.

 

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Nicht einmal vier Stunden Interview können abbilden, was Wolfgang Morell alles in zwölf Tagen Kriegseinsatz und den darauf folgenden acht Jahren in Gefangenschaft erlebte. Aber die weite Anreise nach Erlangen hatte sich gestern für das Team des Staatlichen Senders Rossija gelohnt, derzeit unterwegs zwischen Italien, Deutschland und dem Baltikum, um eine Dokumentation über Kriegsveteranen zu drehen, die zum 9. Mai nächsten Jahres ausgestrahlt werden soll. Denn Wolfgang Morell erzählte, ohne sich zu schonen und ohne zu beschönigen – teils in seinem noch immer beeindruckenden Russisch und mit einem Alexander-Puschkin-Zitat im Original geschmückt – mit vielen Exkursen in die eigene Familiengeschichte oder die historischen Zusammenhänge, warum er sich damals nach der Einberufung nur wenige Wochen nach Beginn des „Unternehmens Barbarossa“ und der Ausbildung zum Funker am 11. Dezember 1941, am Tag der Kriegserklärung an die USA, freiwillig an die Ostfront meldete, nur um später nicht einmal als Etappenhengst zu gelten, ohne groß nachzudenken, welche Dimensionen der auf Vernichtung angelegte Feldzug bereits angenommen hatte. Wie er – da versagt ihm die Stimme – Wolokolamsk habe brennen sehen und selbst, mit seiner Einheit schon im Rückzug begriffen, auf einen sowjetischen Panzersoldaten angelegt habe, der regelrecht vor den deutschen Stellungen defiliert sei, bis der Vorgesetzte den verhinderten Schützen angeherrscht habe, nur ja nicht auf den Russen zu schießen, weil sonst die ganze Feuerwalze über den Wehrmachtstrupp hereinbreche. Ob er sonst abgedrückt hätte? Er weiß es nicht. Wohl schon.

Marina Romanowa im Interview mit Wolfgang Morell

Was denn in diesen zwölf Tagen das Schrecklichste gewesen sei, will die Journalistin, Marina Romanowa, von dem 96jährigen in Breslau geborenen Erlanger wissen. „Das war ein einziger Höhepunkt des Grauens, etwas hervorzuheben… sinnlos. Ein Tag furchtbarer als der andere.“ Dabei blieben ihm die schlimmsten Dinge wie Massaker erspart, und auch die befohlene „verbrannte Erde“ beim Rückzug brauchte er selbst nicht über die Zivilbevölkerung bringen. Der gemeine Soldat war oft sogar einfach nur eingesetzt, um die Wege bei Temperaturen um die vierzig Grad vom Schnee zu befreien, damit der Rückzug vor Moskau, die erste Warnung an die „Feldherren“ in Berlin, schneller vonstattengehen konnte.

Wolfgang Morell im Fokus

Dann seine Gefangennahme, hier im Blog schon mehrfach geschildert, und doch immer wieder erschütternd: Verhetzt von der Nazipropaganda, wollte er sich lieber selbst richten, als in Gefangenschaft zu geraten. Gottlob versagte der Karabiner bei der Kälte, und die Feindbegegnung – mit erfrorenem Bein und einem unerklärlichen Keim im Leib – erwies sich als zutiefst human, ganz anders, wie er später begriff, als es einem sowjetischen Soldaten in deutscher Hand ergangen wäre. Man gab ihm – vor allem im Miltärhospital von Wladimir – Zeit, sich auszukurieren, bevor er über Ischewsk im Ural und Talizy, wieder unweit von Wladimir, wo Wolfgang Morell die Seiten wechselte und sich, des Russischen schon mächtig, zum Politlehrer der Antifa ausbilden ließ, um später in Gorkij eingesetzt zu werden, wo er sich in Schanna Woronzowa vom dortigen Kulturhaus verliebte, die er bei seiner letzten Rußlandreise wiedersah, bevor er im Sommer 1949 in die Heimat entlassen wurde, die damals bereits so nicht mehr existierte, da Polen zugeschlagen.

Wolfgang Morells Photoalbum

Was denn das russische Volk auszeichne, fragt die Korrespondentin: Vielleicht eine Ursprünglichkeit, die uns verloren gegegangen ist, meint der Veteran, eine Nähe zum Leben und eine große Hilfsbereitschaft, die ich immer wieder erlebte. Jedenfalls nie – anders als bei den Nationalsozialisten – die von oben befohlene Vernichtung der Gefangenen. Was Willkür nicht ausschließt. Etwa wenn ein 1946 in der DDR aufgegriffener Junge ins Lager kam, nur um die Kennziffer zu erfüllen, und, bei einem Fluchtversuch verwundet und als mutmaßlich tot zur Abschreckung öffentlich ausgelegt, tatsächlich erschossen wird, als er wieder zu sich kommt und erneut zu fliehen versucht. Immerhin, so Wolfgang Morell, die Deutschen stellten sich ihrer grausamen Geschichte, hätten aus ihr gelernt, vielleicht mehr als andere Völker. Eine kritische Auseinandersetzung mit sich selbst, die er auch den Russen nahelegt, um den Krieg zu besiegen und den Frieden zu bewahren. Eine Mahnung, die ihm, der etwa ein Drittel seiner Zeit immer noch den „russischen Fragen“ widmet, angesichts der jüngsten Ereignisse im Konflikt um die Ukraine besonders dringlich erscheint, auch mit Blick auf Deutschland, wo ihm vor allem die Jugendorganisation der AfD Sorgen bereitet. Wenn die entscheidenden Leute nur auf diese letzten Stimmen von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs hören wollten…

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Ihren zehntägigen Besuch in Erlangen, der heute zu Ende geht, verstand die Schülergruppe unter Leitung von Ludmila Mironowa als Friedensmission, als Reise in ein Land von Freunden, die einmal Feinde gewesen, und mit denen man ungeachtet aller politischer Unstimmigkeiten den vertrauensvollen Austausch fortsetzen und ausbauen möchte. Mehr als nur hehre Worte und Absichten, wenn man sich das Programm der letzten Tage ansieht, etwa mit der Exkursion nach Berlin und der Besichtigung des Treptower Parks, wo wie nur an wenigen Orten bedrückend eindrucksvoll zu erleben ist, wozu Krieg führt.

Die Gruppe im Treptower Park

Hierzu gehört der gestrige Abstecher ins Emmy-Noether-Gymnasium mit der Beauftragten für den Wladimir-Austausch, Michaela Spörl, und die gemeinsame Gestaltung der Partnerschaftsvitrine mit den Erlanger Gymnasiasten oder der gruppenweise Besuch des Unterrichts, zumal hier auch das Wahlfach Russisch auf dem Stundenplan steht.

Die Gruppe im Emmy-Noether-Gymnasium mit Michaela Spörl, 1. v.l., 2. Reihe

Besonders aber der Abschiedsabend bringt dieses Friedensmotto überzeugend zum Ausdruck. Mit Blumen und Bewirtung für die überraschten Gastgeber, mit Dank an sie alle und mit Lob für die gute Organisation des Programms.

Die Gruppe mit den Gastgebern im Club International

Vor allem freilich mit dem Vortrag von Alexej Aljochin, heute Student der Wirtschaftswissenschaften in Moskau, der als Schüler von Ludmila Mironowa ehemalige deutsche Kriegsgefangene und deren Angehörige auf deren Spurensuche nach den letzten noch auffindbaren Zeugnissen der deutsch-russischen Vergangenheit aus Kriegs- und Nachkriegszeiten begleitet. Von diesem Erfahrungsschatz, der spürbar auf seine menschliche Entwicklung einwirkte, berichtet der in klarem Deutsch vortragenden Referent am Beispiel von Herbert Mainka, der den Lebensweg seines Vaters in Gefangenschaft nachzeichnen will. Vieles davon ist hier im Blog nachzulesen. Aber diese Episoden einer deutsch-russischen Annäherungen sind, vermittelt von einem Nachgeborenen, dann doch von ganz anderer Qualität.

Ludmila Mironowa und Alexej Aljochin

Dazu sollte man eines wissen: Alexej Aljochin hat sich eigens für diesen Vortrag von den Vorlesungen und Seminaren in Moskau befreien lassen und stieß erst vor vier Tagen zu der Gruppe. Allein dies Beweis genug dafür, wie sehr ihm seine Mission mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden sein muß.

Im Vortragssaal

Und dann die Begegnung mit Wolfgang Morell, Jahrgang 1922 mit dem jungen Mann in dem Alter, als der Rekrut 1941 eingezogen wurde und an die Ostfront kam, wo er schließlich auf dem Rückzug von Moskau in Gefangenschaft geriet. Lebend nur, weil sein Karbiner in der Januarkälte von 1942 bei -42° C versagte, mit dem er sich hatte erschießen wollen, um den sichergeglaubten Folterungen mit anschließender Hinrichtung zu entgehen. Und am Leben blieb er nur, weil der Wehrmachtssoldat via Moskau, dort auf den Tod erkrankt, im Militärhospital von Wladimir gesundgepflegt wurde.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Zusammen mit 17 weiteren Kameraden, von denen einer dann Wolfgang Morell unbeabsichtigt wiederum das Leben rettete, weil er es mit den Worten „Du schaffst es eh nicht mehr nach Hause, du bist doch bald tot“ auf das Brot des Zimmergenossen abgesehen hatte, der dieses unter dem Bettkissen hortete, während er sich wegen Dysenterie nur noch von Flüssigem ernährte. Erst dieses Verdikt des Landsmanns brachte den aus Breslau stammenden Wahlerlanger zur Besinnung und ließ ihn zum Brot greifen. Und dann all die anderen Stationen, die Wolfgang Morell auf seinem siebenjährigen Marsch durch sowjetische Lager hinter sich brachte, immer mit der jeweils bestmöglichen medizinischen Versorgung. Nicht von ungefähr schätzt er sich denn auch glücklich, als Wehrmachtssoldat in russische und nicht als Rotarmist in deutsche Gefangenschaft geraten zu sein. Er weiß, wovon er redet. Der eigene Vater beaufsichtigte – bis er es nicht mehr ertrug – ein Lager für Gefangene der Sowjetarmee: „Schrecklich, unbeschreiblich, was wir diesen Menschen angetan haben!“ Ihm stockt die Stimme. Der Wehrpflichtige hatte diese Apokalypse mit eigenen Augen gesehen. Wie sollte er da hoffen dürfen, die Kommunisten würden mit den Faschisten anders verfahren. Und doch war es dann so.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Nur Episoden können an einem solchen Abend wiedergegeben werden. Aber zwischen den beiden Referenten ist da etwas Tiefes gewachsen, das sich in Worten nicht mitteilt. Ob sie in Kontakt bleiben, wissen wir nicht, aber es bleibt dieses gegenseitige Verstehen im Blick beider Vertreter dieser so unterschiedlichen Generationen – und die Gewißheit, nicht nur diese zwei, sondern alle Anwesenden vergessen die Botschaft dieses Abends nie, gerade auch am Ende eines Tages, an dem leider all der Opfer von Kertsch zu gedenken ist.

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Wer regelmäßig den Blog liest, kennt die Geschichte, wie aus den Erlebnissen von Wolfgang Morell und Claus Fritzsche, festgehalten im Erinnerungsband „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ ein Theaterstück wurde. Nun veröffentlichte die erste Juni-Ausgabe der Moskauer Deutschen Zeitung – sie erscheint zweimal im Monat mit einer Auflage von etwa 25.000 Exemplaren – einen Artikel unter dem Titel „Wo Geschichte zu Theater wird und Theater zu Geschichte führt“. Damit erfahren alle Beteiligten ebenso wie das Sujet selbst noch einmal die verdiente überregionale Würdigung. Leider freilich auch als Nachruf zu lesen, nicht nur, weil Claus Fritzsche die Aufführungen des Stücks nicht mehr erlebte, sondern weil die Klasse am Gymnasium Nr. 1 in Nischnij Nowgorod mittlerweile auseinandergegangen ist und dieses zeithistorische Werk – zumindest in dieser Inszenierung – nicht mehr auf die Bühne kommt.

Hier deshalb der Link zum Artikel https://is.gd/Vk0gRz, und da geht es per youtube zur Vorschau der Theaterrevue https://is.gd/dwvsUs, heute eben nur noch eine Nachschau.

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Gestern verstarb im Alter von 95 Jahren Pawel Mochow, der sich im Juni 1941 freiwillig zur Roten Armee gemeldet hatte und nach Abschluß der zweijährigen Panzerfahrerausbildung an die Front ging. Vielfach dekoriert nahm der spätere Oberst an der Befreiung der Ukraine, Polens und der Tschechoslowakei teil. Den Sieg über die Wehrmacht erlebte er, verwundet, in Prag. Geboren 1923 in der Region Rjasan, diente Iwan Mochow noch in Rumänien, Moldawien, Moskau, Alma-Ata, am Aralsee und Bajkonur, bevor er sich 1970 in Wladimir niederließ und hier seinen Ruhestand genoß.

Iwan Mochow und Wolfgang Morell am 22. Juni 2011

1991 übernahm Pawel Mochow die Leitung des Wladimirer Veteranenvereins im Stadtteil Leninskij, 2005 wählte man ihn zum Vorsitzenden des Verbands der Frontkämpfer. Er war einer, die das Erinnern an die Schrecken des Krieges wachhielt – im Gespräch mit der jungen Generation und im Austausch mit den einstigen Feinden, den Veteranen aus Erlangen.

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß am 22. Juni 2011 auf dem Platz des Sieges

Ob öffentlich auf dem Platz des Sieges oder im privaten Gespräch, Pawel Mochow streckte den Deutschen immer die Hand zur Versöhnung aus und wünschte sich ein enges Bündnis zwischen beiden Ländern, um gemeinsam gegen die Vormacht der USA bestehen zu können. Auch wenn diese Hoffnung zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Erfüllung ging, hat sich der Veteran in vorderster Front große Verdienste um die Verständigung zwischen Russen und Deutschen erworben. Wenn Wladimir morgen in der Kasaner Kirche auf dem Platz des Sieges von dem einstigen Rotarmisten Abschied nimmt, trauern mit den Angehörigen auch seine Freunde in Erlangen.

 

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Heute darf ich, Nikolaj Kaplenko, Sie herzlich begrüßen. Ich bin 22 Jahre alt, habe 2017 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir abgeschlossen und dann die Gelegenheit wahrgenommen, in Jena ein Jahr im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ zu verbringen. Vorher war ich schon Mitglied des Wladimirer „Euro-Klubs“ und engagierte mich dort im Bereich der Städtepartnerschaft. Meine Entscheidung für Jena kam also nicht zufällig zustande, denn auch hier beschäftige ich in der „Eurowerkstatt“ mit der deutsch-russischen Zusammenarbeit und dem Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Zu meinen Aufgaben gehört es, meinen Leiter, Iwan Nisowzew, den Vorsitzenden der „Eurowerkstatt“ bei der Durchführung von Kulturveranstaltungen, bei der Kommunikation mit dem Euro-Klub, beim Austausch zwischen dem Universitätsklinikum Jena und der Wladimirer Fachschule für Medizinische Berufe ebenso zu unterstützen wie bei der Vorbereitung von Delegationsbesuchen aus den Partnerstädten oder bei der Arbeit im Büro der „Eurowerkstatt“, bei Freiwilligenfestivals und bei vielem anderen zu helfen. Mit Alexander Fomin hält sich derzeit ein weiterer Freiwilliger aus Wladimir in Jena auf.

Nikolaj Kaplenko und Iwan Nisowzew

In meiner Freizeit treffe ich mich mit anderen Freiwilligen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Der Austausch mit ihnen hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen und zu begreifen, daß wir so verschieden gar nicht sind. Ich erlerne die deutsche Sprache und reise viel, um die deutsche Kultur besser zu verstehen.

Vom 19. bis 23. Februar besuchte ich unsere Partnerstadt Erlangen, um an den „Russisch-Deutschen Wochen“ teilzunehmen. Daneben wollte ich neue Kontakte knüpfen, von der Erfahrung bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen profitieren und einen ausländischen Blick auf die russische Kultur verstehen lernen.

Cornelia Bartlau und „ihre“ Freiwilligen

In dieser Woche sah ich den Film „Hundeherz“ aus dem Jahr 1988, versuchte mich in der russischen Kaligraphie und fühlte mich wieder wie in der ersten Klasse, als ich überlegen mußte, wie man die Buchstaben untereinander verbindet. Dann war da jener überwältigende Vortrag zum Thema „Russische Klassik gestern und heute“ mit einem Lektor, Dorian Keilhack, der nicht nur erzählte, sondern auch zusammen mit seiner Frau und Tochter selbst einige Stücke spielte. Auch der Abend, der einer Radfahrt von Erlangen nach Wladimir gewidmet war, hat mir sehr gut gefallen. Schön auch, nach dem Bericht all die vertrauten Bilder aus Wladimir und der Region um meine Stadt wiederzusehen.

Anastasia Blasch, Wolfgang Morell und Nikolaj Kaplenko

Besonders freute mich die Bekanntschaft mit dem Weltkriegsveteranen, Wolfgang Morell. Er lieh mir sein Exemplar der russischen Fassung des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Erinnerungen ehemaliger Kriegsgefangener an ihre Lagerzeit auf dem Gebiet der Region Wladimir.

Meine Eindrücke von dieser Woche waren durchweg positiv, ich hatte das Gefühl, eine Woche lang gar nicht in Erlangen, sondern zu Hause, in Wladimir, zu sein. Ich hoffe nun, mit meinen in dieser Zeit erworbenen Kenntnissen eine ähnliche Veranstaltung auch in Jena organisieren zu können.

Nikolaj Kaplenko

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