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Posts Tagged ‘Wolfgang Fuchs’


Man sollte sich auf eine besondere Begriffswelt einstellen, wenn man das Klärwerk besucht – und die Fähigkeit mitbringen, so richtig zu staunen. So erfährt man bei der Führung mit Werkleiter Wolfgang Fuchs und Abteileilungsleiter Wolfgang Engelhardt, man habe es in Erlangen mit einem schwachen Vorfluter zu tun, sprich mit einem Fluß, der wenig Wasser führt. Desto entscheidender, die Klärung der Abwässer von Privathaushalten und Gewerbe aus Stadt und Umland bestmöglich sicherzustellen.

Stefan Engelhardt, Schamil Chabibullin, Anatolij Kurganskij, Olga Kanischtschewa, Gregor Helfritsch, Wolfgang Fuchs und Anna Barth

Ins Staunen kammen dann gestern die Gäste aus Wladimir so richtig im Untergrund, „wo wir unser ganzes Geld verbaut haben“, wie Wolfgang Fuchs meint. Wenn man zu einem der deutschlandweit führenden Klärwerke gehören und Strom wie Wärme für den eigenen Betrieb aus der Abwärme des Faulschlamms produzieren will, braucht man all diese Technik und Rohre, die alle notwendigen Prozesse in Gang halten: ohne Chemie, nur in der Nachahmung der natürlichen Abbauvorgänge.

Ein Beispiel dafür, wie gut das gelingt, ist die Stillegung des bis vor wenigen Jahren noch genutzen Filters am Auslaß in die Regnitz. Inzwischen sind die Reinigungsstufen derart perfekt, daß das in den Fluß eingeleitete Abwasser klarer und reiner ist als der Vorfluter. Was man freilich mit bloßem Auge nicht sieht, sind Mikroplastik, Arzeimittelrückstände, Hormone mit all ihren erst jetzt erkennbaren Folgen für die Gewässerfauna. Deshalb eine Projektzusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, die es in der Art nur noch einmal in Deutschland – in Berlin – gibt.

Die von den beiden Jugendparlamentariern Anna Barth und Gregor Helfritsch begleiteten Gäste – und Olga Kanischtschewa, zuständig für die Landschafts- und Naturschutzgebiete der Region Wladimir, ganz besonders – begeistert diese Mischung aus Hochtechnologie, Autarkie und Sorge um die Umwelt: naturnahe Wiesen, in denen Hasen hoppeln und sich vor der Kamera verstecken, ein Biotop an einem Abschnitt des Main-Donau-Kanals aus König Ludwigs Zeiten mit Revieren für Biber und Eisvogel, Bienenstöcke.

Noch größer ist die Freude natürlich über das Angebot einer Zusammenarbeit auch über die Partnerstadt hinaus, etwa nach Kameschkowo, wohin Kreisrat Anatolij Kurganskij herzlich einlädt. Denn nichts wünscht er sich mehr als kompetente Konsultation zum Thema Gewässerreinhaltung, Beratung von Fachleuten, die kein kommerzielles Ziel verfolgen.

Und auch die Gegeneinladung für Fachleute aus der Region Wladimir steht. Und damit eine gute Tradition, die seit 1991 besteht, als die ersten Kontakte zur Stadtentwässerung Wladimir aufgenommen wurden, die bis heute Bestand haben.

Und nun also eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte, auf deren nächste Kapitel man sich jetzt schon freuen darf.

Bevor es zur Eröffnung der Bergkirchweih ging stand noch ein Treffen im Umweltamt mit Stadträtin Bianca Fuchs und Amtsleiter Rainer Lennemann auf dem Arbeitsprogramm. Thema: Zusammenarbeit von Naturschutzorganisationen mit den Behörden am Beispiel des Bayerischen Landesbundes für Vogelschutz.

Bianca Fuchs, Gerda-Marie Reitzenstein, Schamil Chabibullin, Reiner Lennemann, Olga Kanischtschewa, Annette Ohrmann und Anatolij Kurganskij

Nicht alle Fragen konnten beantwortet werden, aber man hat sich wieder ein wenig besser kennengelernt zwischen Erlangen und Wladimir – und das ist ja so wenig nicht in Zeiten wie diesen.

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Während Bürgermeisterin Elisabeth Preuß mit ihrer Delegation Wladimir besuchte, waren vergangene Woche zwei hochrangige Vertreter der Partnerstadt zum Thema Schlammentwässerung in Erlangen zugange. Was die Abwasserfachleute von der Kljasma an die Regnitz führte, ist in dem Bericht von Michael Schaab zu lesen:

Sie ist vielseitig, die Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir und macht auch keinen Halt davor, wenn es mal so richtig schmutzig zu werden scheint. Wird es aber gar nicht! Denn bei den Aufgaben der beiden Entwässerungsbetriebe der Stadt Erlangen (EBE) und seinem russischen Partner Gorwodokanal geht es vielmehr um das gleiche Ziel: sauberes, klares Wasser.

Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow

Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow

Nachdem im September 2015 der stellvertretende Hauptingenieur Alexej Sitnikow den Erlanger Partnerbetrieb unter Leitung von Wolfgang Fuchs nach Wladimir eingeladen hatte, um den Einsatz der Erlanger Anlage zur Schlammentwässerung zu besprechen, wurde diese nun während eines Gegenbesuches in Erlangen genauestens inspiziert.  Mit dabei: der neue Leiter und langjährige Mitarbeiter des Gorwodokanals Wassilij Semjonow.

Teile der Schlammentwässerung

Teile der Schlammentwässerung

Im Rahmen des Projekts „Neubau Energiezentrale“ beim EBE wird die dortige Schlammentwässerung und Schlammspeicherung neu gebaut, weshalb die bestehende Anlage mit seinen einzelnen Elementen an die Stadt Wladimir abgegeben werden kann. Solch eine Gerätschaft besteht aus zahlreichen Bestandteilen! So war Dolmetscherin Elena Schaab denn auch richtig gefordert, als bei der Begehung der Anlage mit all ihren technischen Details eine Menge Sachverstand gefragt war. Wie lautete noch gleich das russische Wort für Flockungshilfsmittelstation und Schlammaustragsförderer? Und verstehen die Russen unter einer Zentrifuge das Gleiche wie die deutschen Kollegen?

Alexej Sitnikow

Alexej Sitnikow

Gut, wenn beim Dolmetschen auch „Hände und Füße“ zum Einsatz kommen dürfen. Dadurch war nach der Besichtigung vor Ort am Ende jedem klar, worum es die ganze Zeit ging. Und für all die Leser dieser Zeilen mit wenig technischer Affinität: Es ging vor allem auch um Freundschaft und Zusammenarbeit, die sich nicht besser, als am Beispiel der beiden Entwässerungsbetriebe darstellen ließe. Nach dem jetzigen Besuch von Alexej Sitnikow und Wassilij Semjonow steht fest: Fortsetzung folgt!

Michael Schaab

Siehe auch: https://is.gd/V1NZmj

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Es wurde schon oft im Blog gesagt, und es darf immer wieder betont werden: Die Zusammenarbeit zwischen dem Entwässerungsbetrieb Erlangen und seinem Pendant, dem Gorwodokanal, in Wladimir ist mustergültig und in einer Weise intensiv, die nur vorbildlich genannt werden kann. Nun war vom 21. bis 25. September wieder Wolfgang Fuchs mit seiner Mannschaft, Stefan Engelhardt und Dirk Krüger, unterstützt durch Elfriede Haberlach als fachkundige Dolmetscherin, in der Partnerstadt, um das nächste große Projekt zu besprechen., den möglichen Einsatz von Gasmotoren und einer Schlammentwässerung in Wladimir, da die Aggregate in Erlangen demnächst durch neue Anlagen ersetzt werden.

Alexej Sitnikow, Sergej Semichatow und Wolfgang Fuchs

Alexej Sitnikow, Sergej Semichatow und Wolfgang Fuchs

Eine bewährte Zusammenarbeit, die bereits auf eine 25jährige erfolgreiche Praxis zurückblickt: Was in Erlangen wegen der hohen EU-Standards ausgemustert wird – obwohl noch voll funktionsfähig – findet in Wladimir neuen Einsatz und hilft bei der Gewässerreinhaltung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Schlammentwässerungsanlage, die Anfang der 90er Jahre von der Regnitz an die Kljasma umzog, tut dort noch immer zuverlässig Dienst.

Stefan Engelhardt

Stefan Engelhardt, Elfriede Haberlach, Sergej Semichatow, Wolfgang Fuchs, Dirk Krüger und Alexej Sitnikow

Während das Team von Wolfgang Fuchs mittlerweile wieder zurück in Erlangen ist, bricht heute eine zwanzigköpfige Gruppe des Gymnasiums Fridericianum unter Leitung von Christiane Krautwurst nach Wladimir auf, und Wolfram Howein, Berater des Erlangen-Hauses und Mitglied der Stiftung „Lichtblick“, macht sich ebenfalls heute mit Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, auf den gleichen Weg, um Fragen der Zusammenarbeit mit der dortigen Psychiatrie und Behinderteneinrichtungen zu besprechen. Und schließlich sind da noch die Gastschüler aus Wladimir am Emmy-Noether-Gymnasium, die heute ab 11.00 Uhr beim Festakt im Redoutensaal zum 25. Tag der Einheit einen Auftritt planen.

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Derart viel Aktivitäten mit Wladimir am Tag der Deutschen Einheit, ein Zufall? Wohl eher nicht, denn in den Partnerstädten – und im Dreieck mit Jena – weiß man: Ohne Moskau wäre Berlin niemals Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands geworden. Aber auch ohne die Partnerschaft, vorgelebt von den Fachleuten der Klärwerke, von den Schülern und den Ehrenamtlichen im Bereich Psychiatrie und Behindertenarbeit, wären die deutsch-russischen Beziehungen nicht so belastbar und krisenfest, wie wir sie in diesen schwierigen Zeiten brauchen.

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Auch wenn Wolfgang Fuchs, Werkleiter des Eigenbetriebs Entwässerung, bei der Übergabe nicht mit aufs Bild wollte, wäre das neue Kapitel in der Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Wladimir nie geschrieben worden. Ein Kapitel, das „bei den russischen Freunden einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann“ und übergangslos anschließt an die Bereitstellung eines bereits vor 20 Jahren ausgemusterten Spülwagens, der in der Partnerstadt ebenso noch zuverlässig seine Dienste tut wie die Schlammpresse, die Hebepumpen, die Laborgeräte und was alles noch in der langen Zeit der intensiven Zusammenarbeit seit 1991 seitens Erlangen abgegeben wurde. Nun also nach zweitägiger Einweisung durch Dirk Krüger in die anspruchsvolle Technik einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine, vulgo eines Spülwagens, Baujahr 1993, der dieser Tage auf dem Bauhof der Stadt Erlangen durch ein Fahrzeug der neuen Generation ersetzt wurde.

Sergej Starkow und Andrej Prjamizyn

Sergej Starkow und Andrej Prjamizyn

10.000 Liter kann der Tank des bestens gewarteten Spezialfahrzeugs aufnehmen, je nach Bedarf in zwei abgeschlossenen Kammern mitgeführt, im Erlanger Regelfall im Verhältnis von 8.500 Litern Wasser und 1.500 Liter Rückstände, Schlamm, Sand, je nach dem, womit ein Kanal verstopft ist. Das Spülwasser wird dabei mit 120 Bar Druck in ein verschmutztes Rohr gepumpt und wieder herausgesaugt. Eine Technik, die beherrscht werden will: vom Austausch der Filter bis hin zur Beachtung der optimalen Drehzahl des Motors beim Pump- und Saugvorgang. Ganz sicher ist sich Dirk Krüger nicht, ob bei den russischen Kollegen jetzt schon jeder Griff sitzt, denn dazu brauche es viel Übung, wie er meint. Aber bisher habe man all diese technischen Fragen reibungslos geklärt, und in der nächsten Woche wolle er ohnehin privat nach Wladimir reisen und werde dann nochmals eine Einweisung vor Ort machen.

Florian Janik, Andrej Prjamizyn, Sergej Starkow und Dirk Krüger

Florian Janik, Andrej Prjamizyn, Sergej Starkow und Dirk Krüger

Oberbürgermeister Florian Janik, der sich Ende September in Wladimir ein eigenes Bild von der Zusammenarbeit der Entwässerungsfachleute hatte machen können, zeigte sich bei der gestrigen Schlüsselübergabe begeistert von dieser neuen Aktion und wünschte den beiden Fahrern, Andrej Prjamizyn und Sergej Starkow, die sich heute morgen, nach der Zollabfertigung, gleich auf die mehr als 2.500 km lange Strecke über das Baltikum machen wollen, eine gute Fahrt – und viel Erfolg mit der neuen selbstfahrenden Arbeitsmaschine, vulgo mit dem Spülwagen.

Nachtrag: Schon am Sonntag, den 12. Oktober, ist das Fahrzeug in Wladimir eingetroffen.

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Es stimmt schon, wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß beim Empfang für die Gäste aus Wladimir, Sergej Semichatow, den Generaldirektor des Eigenbetriebs für Trinkwasserversorgung und Stadtentwässerung, und seinen Chefingenieur, Alexej Sitnikow, darauf hinweist, daß man gemeinhin wohl kaum die Städtepartnerschaft mit Fragen wie Klärwerk, Kanalisation oder Kalkulation von Wassergebühren in Zusammenhang bringt. So wie man ja auch sonst kaum daran denke, welche enorm effiziente Infrastruktur da unter unser aller Füße unmerklich ihren so unverzichtbaren Dienst tut. Täte sie das nicht, mahnt Gastgeber, Wolfgang Fuchs, Leiter der Erlanger Stadtentwässerung, hätten wir alle, bildlich gesprochen, bald schon wieder Pest und Cholera am Hals. Und sein russischer Kollege ergänzt: „Wie wichtig unsere Arbeit ist, merken die Menschen erst, wenn es zu einem Unfall kommt, wenn etwas nicht mehr funktioniert.“

Alexej Sitikow, Elisabeth Preuß, Sergej Semichatow, Stefan Engelhardt, Elfriede Haberlach, Dirk Krüger und Wolfgang Fuchs

Alexej Sitikow, Elisabeth Preuß, Sergej Semichatow, Stefan Engelhardt, Elfriede Haberlach, Dirk Krüger und Wolfgang Fuchs

Damit alles immer besser funktioniere, gerade auch in Wladimir, arbeiten die Partnerstädte in dem Bereich seit 1991 eng zusammen. Zwei bis drei Fachbesuche im Jahr sind die Regel, per Mail ist man im ständigen Austausch. Dieses Mal geht es den Besuchern vor allem darum, die Zeit bis Samstag vor allem dazu zu nutzen, mit Unterstützung der deutschen Freunde zu Hause Kosten einzusparen und damit ihren Betrieb fit für die Zukunft zu machen. Vor allem um Energie-Effizienz geht es ihnen. Und dazu informieren sie sich über Leit- und Rührwerkstechnik, besichtigen sogar eigens ein Objekt in der Nähe von München, wollen aber auch bei den Erlangern genau sehen, wie etwa im Wasserwerk West 1 oder in der Kläranlage diese Technologien zum Einsatz kommen und die Kosten – vor allem im Energiebereich – senken helfen. Ein Fachbesuch eben, aber bei Freunden, die von der Öffentlichkeit weithin unbemerkt, dafür ungemein erfolgreich, auch weiterhin alles tun wollen, um die Leistungen der Wasserwerker in Wladimir zu verbessern.

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So einen Festakt zu Ehren der kommunalen Dienstleister wünscht sich Wolfgang Fuchs auch in Deutschland. Der Leiter des Entwässerungsbetriebs EBE staunte nicht schlecht, als er in der vergangenen Woche in Wladimir auf die Bühne gebeten wurde, um ein Grußwort für seine Kollegen zu sprechen. Noch aus Sowjetzeiten bewahrt, hat nämlich in Rußland jede Berufsgruppe ihren eigenen Festtag im Kalender, und zu dem gibt es Gratulationen wie Gratifikationen seitens Politik und Öffentlichkeit, Anerkennung für die geleistete Arbeit.

Elfriede Haberlach, Wolfgang Fuchs, Stefan Engelhardt und Sergej Semichatow. Photo: Dirk Krüger.

Elfriede Haberlach, Wolfgang Fuchs, Stefan Engelhardt und Sergej Semichatow. Photo: Dirk Krüger.

Doch wie immer, wenn Wolfgang Fuchs in Begleitung seiner „Wladimir-Crew“ – Elfriede Haberlach, Stefan Engelhardt und Dirk Krüger – in die Partnerstadt aufbricht, gibt es gerade in Zeiten, wo höherenorts gescheiterte Politik Sanktionen  beschließt, auch viel zu besprechen und zu entscheiden: Wie das aus Erlangen gelieferte technische Gerät vor Ort funktioniert, wann ein in Erlangen abgeschriebener Spülwagen zur Abholung bereit steht, wie es möglich ist, gemeinsam die Leistung des Klärwerks zu verbessern. Doch nicht alles kann der Gast aus Erlangen mit Sergej Semichatow, dem Direktor von Gorwodokanal, gemeinsam lösen, denn der Wladimirer Eigenbetrieb ist im Unterschied zum EBE auch zuständig für die Trinkwasserversorgung.

Die Gäste aus Erlangen im Foyer vor dem Festakt. Photo: Dirk Krüger.

Die Gäste aus Erlangen im Foyer vor dem Festakt. Photo: Dirk Krüger.

Immer wieder machen Gäste aus Wladimir große Augen, wenn sie gesagt bekommen, in Erlangen könne man getrost das Wasser aus dem Hahn trinken. Ohne Filter, ohne Bedenken, mit purem Genuß. Zu Hause rät man ihnen, das wichtigste Lebensmittel überhaupt abzukochen und möglichst auch zu filtern. Neuerdings gibt es in der Partnerstadt sogar ein Internetportal, dem zu entnehmen ist, in welchem Viertel mit welcher Qualität das Wasser fließt und wo die gesetzlichen Höchstwerte überschritten werden. Vorneweg geschickt sei: Nirgendwo in Wladimir werden gefährliche Konzentrationen erreicht, niemandem braucht nach einem Schluck Wasser um sein Gesundheit bange sein. Einzig das acht Kilometer in Richtung Kameschkowo gelegene und eingemeindete Dorf Lesnaja springt mit seinen Werten von Eisen und Permangansäure im Wasser über der Norm aus der Reihe. Beides für Mensch wie Material mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden und vor allem letzteres zurückzuführen hauptsächlich auf den sogenannten anthropogenen Faktor, sprich den Eintrag von Chemie durch die Landwirtschaft in den Boden. Außerdem hat hier das Wasser eine organisch bedingte Färbung. Abhilfe schaffen da nur gute Filter.

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Ansonsten unterscheidet man in Wladimir Wasser, das aus der Nerl gewonnen und aufbereitet wird, von dem, das aus dem Quellgebiet der Sudogda stammt. Auch wenn alles im unbedenklichen Bereich bleibt, erkennt man das Nerl-Wasser an Geruch und Geschmack, und es enthält, wenn auch nur in Spuren Chlor, Phenole, Chloroform, Ammoniak sowie Strontium. Alles Ingredienzien, die im allerdings recht harten Sudogda-Wasser nicht nachzuweisen sind. Bakterielle Verunreinigungen treten im übrigen nirgendwo auf, gleich wo man den Hahn in Wladimir aufdreht.

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Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow sind nicht zum ersten Mal in Erlangen. Sie finden sich hier auch alleine zurecht. Nicht nur oberirdisch. Der Leiter des Klärwerks Wladimir und der Chefingenieur des Eigenbetriebs Gorwodokanal, dem Trinkwasserversorger und Betreiber der Stadtentwässerung, wissen auch, was in Erlangen unter ihren Füßen liegt: ein Kanalnetz, das sie seit den 90er Jahren studieren, und das ihnen viele Anregungen für die eigene Arbeit gibt.

Siegfried Balleis mit den Gästen aus Wladimir und den Gastgebern vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung.

Siegfried Balleis mit den Gästen aus Wladimir und den Gastgebern vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung. Photo: Sebastian Müller.

Zum ersten Mal aber kommen sie mit einem ganzen Tag Verspätung in Erlangen an. Ausgerechnet eine deutsche Fluggesellschaft hat die Gäste sitzen lassen. Sogar gleich zweimal, zunächst in Moskau und dann beim Umsteigen in Berlin. Ohne Entschuldigung, ohne Verpflegungsgutscheine, ohne Übernahme einer Hotelübernachtung. Das bedeutet, daß das Programm gestrafft werden muß. Nicht einmal für einen abendlichen Bummel über den Nürnberger Christkindlesmarkt bleibt Zeit. Aber Oberbürgermeister Siegfried Balleis meint ohnehin, der Waldweihnachtsmarkt auf dem Schloßplatz sie doch viel stimmungsvoller. Wer wollte ihm da widersprechen.

Beim gemeinsamen Studium von Plänen.

Beim gemeinsamen Studium von Plänen.

Doch nach dem Empfang im Rathaus ging es gleich ins Klärwerk, denn dort werden demnächst Aggregate ausgebaut, die wegen der strengen EU-Vorgaben bei bestem Zustand und bei voller Funktionsfähigkeit auf dem deutschen Markt bald nur noch Schrottwert haben. Anders als in Wladimir, wo man sie gerne in die eigenen Anlagen einbauen möchte. Und dann wäre da noch ein ausgemusterter Spülwagen, auf den die Gäste ein Auge geworfen haben. Der Stadtrat muß freilich – wie in anderen Fällen bereits geschehen – der Schenkung noch zustimmen. Doch zuerst haben Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow ein viel schwierigeres Problem zu lösen: Wie bringt man das technische Gerät durch den Zoll – zu einer Gebühr, die eine Einfuhr noch bezahlbar macht? Es wird einem eben nicht gerade leicht gemacht, wenn man Freunden in Rußland helfen will.

Wolfgang Fuchs, Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow

Wolfgang Fuchs, Wassilij Semjonow und Alexej Sitnikow

Beim gestrigen Abschied sprach man aber nicht mehr von diesen Problemen, sondern machte schon wieder Pläne für die nächsten Besuche, für die Fortsetzung dieses einzigartig engen Austausches von Fachleuten. In dem Jahr, so Wolfgang Fuchs, werde man sich wohl nicht mehr sehen, aber im nächsten bestimmt wieder. Die Gäste nahmen übrigens sicherheitshalber den Zug nach Berlin, um von dort aus die Direktmaschine nach Moskau zu besteigen. Sie wollten sich eher auf die Bahn verlassen denn auf den Zubringer von Nürnberg nach Berlin.

Mehr zum Thema unter: http://is.gd/5UAU6j

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Da meint man einmal, dem notorischen Stau entgehen zu können und nimmt eine Nachtmaschine, doch dann steht man auch nur wieder in der Autoschlange, die sich von Unfall zu Unfall windet… Vor dem Stau sind eben alle gleich. Auch wer spät kommt. Und so freuten sich zwar Wolfgang Fuchs, Stefan Engelhardt, Elfriede Haberlach und Dirk Krüger, am 28. September gegen Mitternacht von einem Wladimirer Kollegen am Flughafen Moskau abgeholt zu werden, aber daß man erst am frühen Morgen im Erlangen-Haus eintreffen würde, trübte dann doch ein wenig die Stimmung. Freilich nicht für lange, denn der Fachbesuch war bestens vorbereitet.

In großer Runde: Sergej Semichatow, Elfriede Haberlach, Wolfgang Fuchs, Stefan Engelhardt, Dirk Krüger.

Wolfgang Fuchs, 2. Werkleiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung, kennt die Verhältnisse und die Zusammenarbeit mit den Wladimirer Kollegen wie kaum ein anderer. Schon seit Anfang der 90er Jahre begleitet und steuert er diese für die Partnerschaft unverzichtbaren und einzigartig fruchtbaren Kontakte. Fünf Besuche hat er denn auch schon Wladimir abgestattet, den letzten allerdings bereits 2008. Wegen personeller und struktureller Veränderungen in der Partnerstadt, wo die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwasser im Unterschied zu Erlangen in einer Hand liegt, war der Austausch in der Zwischenzeit ins Stocken geraten. Und so bedurfte es schon einer persönlichen Einladung von Oberbürgermeister Sergej Sacharow, dem die Partnerschaft ein Herzensanliegen ist, um die Dinge wieder in den richtigen Gang zu bringen. Das Stadtoberhaupt nahm sich denn auch eine gute Stunde Zeit, um von den Ergebnissen der Gespräche und Besichtigungen zu hören. Der Blog konnte zwar bei dem Empfang nicht Mäuschen spielen, aber einige Details ließen nun Wolfgang Fuchs und sein für das Kärwerk zuständiger Mitarbeiter, Stefan Engelhardt, doch verlauten.

Stefan Engelhardt und Wolfgang Fuchs im Klärwerk Wladimir

Vorneweg: Die Zusammenarbeit soll nicht nur fortgesetzt, sondern sogar intensiviert werden. Der Leiter von Wladimir-Wodokanal, Sergej Semichatow, ebenso wie sein deutscher Kollege in unterschiedlichen Funktionen seit Beginn der Kontakte mit von der Partie, möchte noch in diesem Jahr mit zwei oder drei Kollegen nach Erlangen kommen, um den Erfahrungsaustausch fortzuführen und gebrauchte Aggregate zu besichtigen, die an Wladimir abgegeben werden könnten. Nicht weil man sie hier ausmustert, sondern weil sie, obwohl fast neuwertig, nicht mehr benötigt werden und auf dem Gebrauchtwarenmarkt nicht abzusetzen sind. Wenn die zuständigen Gremien im Rathaus zustimmen, könnten Gasmaschinen in die Partnerstadt gehen, die hier aus dem Methan der Faultürme im Klärwerk Strom erzeugen. Etwa die Häfte des Bedarfs. Und der ist hoch, so hoch im Jahr wie der einer Zehntausend-Einwohner-Stadt. Nun ist aber in Erlangen neue Technik angesagt, die in der Perspektive die Autarkie sichern soll.

Im Überblick: Stefan Engelhardt, Wolfgang Fuchs, Elfriede Haberlach und ihre Wladimirer Kollegen.

In Wladimir hingegen könnten die Aggregate ebenfalls Strom für das Klärwerk erzeugen, Strom, der auch dort immer mehr kostet. Aus Erdgas allerdings, weil zum einen die Leitung direkt an der 24-Hektar-Anlage vorbeiläuft, zum andern, weil der Klärschlamm, aus dem in Erlangen das Methan stammt, in der Partnerstadt noch immer, mit Sägespänen vermischt, in der Landwirtschaft und beim Straßenbau Verwendung findet. Etwas, das hierzulande nicht mehr geht. Und wohl auch in Rußland eines Tages verboten wird.

Stefan Engelhardt und sein Wladimirer Kollege im Klärwerk.

Nicht mehr laufen dürfte nach hiesigen Standards auch die Kläranlage. Stefan Engelhardt zieht zwar nach seinem ersten Besuch den Hut vor der Leistung der Kollegen, die es trotz veralteter Technik schaffen, das Abwasser einigermaßen sauber zu bekommen, aber in Erlangen würde, da ist er sicher, der TÜV die Anlage schließen. Auch bei der Aufbereitung des aus der Kljasma gewonnenen Trinkwassers sollte nachgebessert werden. Zu viele Fällmittel, zu viel Chlor seien da im Spiel. Das Staubecken, aus dem das Wasser stammt, könnte besser vor Schmutzeintrag gesichert sein, die Angler müßten andernorts ihrem Hobby nachgehen… Viel Bedarf für eine enge Kooperation.

Stefan Engelhardt und Wolfgang Fuchs mit einem Wladimirer Kollegen vor dem MAN-Spülwagen aus Erlangen.

Wie gut die gerade im technischen Bereich funktionieren kann, zeigt ein Spülwagen, der 1973 in Erlangen angeschafft wurde und nun schon seit fast 20 Jahren noch immer Dienst in Wladimir tut, freilich nach dem Ausbau der Hochdruckpumpe nur noch als Grubenwagen. Verdichter aus Erlangen will man wirklich erst einsetzen, wenn die eigenen endgültig den Geist aufgeben. Eine lange Liste von Geräten aus Erlangen könnte man hier anführen.

Blick auf Bogoljubowo, nur einen Steinwurf entfernt von der Kläranlage Wladimir.

Immer wieder betont dabei Wolfgang Fuchs im Gespräch die fachliche Kompetenz seiner russischen Partner: „Wäre nicht die Sprache, die Kollegen könnten hier sofort Leitungsfunktionen übernehmen!“ Desto schlimmer deren Dilemma: Sie wissen, was technisch alles möglich und ökologisch notwendig ist, haben aber nicht die Mittel, um den Rückstand aufzuholen und mit der Entwicklung Schritt zu halten. Ebenso wissen sie, daß es sich effektiver arbeiten ließe, wenn man weniger Personal vorhielte und dafür Ressourcen frei hätte, um qualifizierte Fachleute anzuwerben. Zwar ist der Personalbestand von vormals 1.600 schon auf 1.300 Mitarbeiter reduziert worden, ins Verhältnis zu dem Erlanger Standard gesetzt, wo nicht einmal einhundert Spezialisten in den verschiedenen Bereichen tätig sind, könnte Wladimir aber auch mit nur 350 Leuten den Betrieb laufen lassen. Dann ließen sich viele Arbeiten vergeben, und man müßte nicht mehr versuchen, alles mit eigenen Kräften zu bewerkstelligen. Aber das ist dann schon wieder eine sozial-politische Frage, nicht nur eine der Wirtschaftlichkeit.

Trinkwasseraufbereitung

Oberbürgermeister Sergej Sacharow hat die Zusammenarbeit der Klärwerke beider Städte bereits bei seinem Antrittsbesuch im Juni zur Chefsache erklärt. Nun muß tatsächlich die Politik ran, wenn in Wladimir das Wasser aus dem Hahn und in der Kljasma sauberer werden soll. Eine Aufgabe, die mindestens so wichtig ist wie die Versorgung mit Energie und Medizin. Eine Aufgabe, die man gemeinsam angehen will.

Die trüben Fluten im Klärwerk Wladimir.

Photos im Beitrag von Dirk Krüger und Stefan Engelhardt. Und hier geht es zu der Aktion vom Sommer 2009, als sich zum bisher letzten Mal technisches Gerät auf den Weg nach Wladimir machte: http://is.gd/n3RivK

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„Da kann doch etwas nicht stimmen“, sagten sich Hunderte von Wladimirern, die gestern das Kundenbüro von Gorwodokanal stürmten. Sie hatten in der vergangenen Woche von dem für die Trinkwasserversorgung und Stadtentwässerung zuständigen Eigenbetrieb Rechnungen erhalten, die um ein Vielfaches über dem bisherigen Mittel lagen. Unangekündigt, unbegründet. Da  sollten plötzlich Beträge von einigen Tausend Rubel für astronomischen Wasserverbrauch bezahlt werden, auch wenn die Meßuhr zu Hause keine Normabweichung anzeigte. Klar, daß da die Volksseele kochte, vor allem, wenn man auch noch stundenlang anstehen mußte, um Auskunft zu erhalten.

Das kürzte Sergej Semichatow, der Leiter von Gorwodokanal, am Nachmittag auf einer Pressekonferenz ab. Und lieferte die Erklärungen: Tatsächlich haben wegen eines Fehlers im Computersystem 90% aller Haushalte in der Partnerstadt falsche Abrechnungen erhalten. Wer die falsche Summe bereits bezahlt hat, bekommt gutgeschrieben, was zu viel war, wer noch nicht bezahlt hat, braucht auch nicht zu bezahlen und soll die neue Abrechnung abwarten. Innerhalb von zwei Wochen will man die Sache bereinigt haben. Die Gäste vom Erlanger Eigenbetrieb Stadtentwässerung, die sich derzeit zu Fachgesprächen bei den Kollegen von Gorwodokanal aufhalten, wird dieser Aufreger freilich nur am Rande interessieren. Die Gruppe unter Leitung von Wolfgang Fuchs möchte vielmehr die Struktur und technische Ausstattung, den Zustand von Rohrsystem und Kläranlage kennenlernen, um eine bis in die frühen 90er Jahre zurückreichende Zusammenarbeit fortzuführen. Ob und wie das gelungen ist, erfahren wir sicher bald aus erster Hand.

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Wer den gestrigen Eintrag gelesen hat, mag sich gefragt haben, wie Sergej Sacharow und Sergej Schtschedrin von A nach B, sprich von Jena nach Jelena Góra und von da nach Erlangen gekommen sind. Das Rätsel ist rasch gelöst: Sie haben sich am Flughafen München, wo ihre Rundfahrt durch die Partnerstädte vor einer Woche begonnen hatte, einen Wagen geliehen, und der mußte – anders als ursprünglich vorgesehen – bereits am späten Nachmittag wieder dort abgegeben werden. Ein Umstand, dem leider das Treffen mit den Vertretern der Partnerschaftsvereine zum Opfer fiel und der zwang, das ganze Arbeitsprogramm noch straffer zu gestalten und Treffen zusammenzulegen.

Marlene Wüstner, Sergej Schtschedrin, Sergej Sacharow, Elfriede Haberlach, Wolfgang Fuchs

Den Auftakt machte Marlene Wüstner, Referentin und berufsmäßige Stadträtin für Umwelt und Recht, die gemeinsam mit Wolfgang Fuchs, Werksleiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung und seiner Mitarbeiterin Elfriede Haberlach Wladimirs Oberbürgermeister und seinen Pressesprecher empfing. Auch wenn Sergej Sacharow aus der Wirtschaft kommt, weiß er, wie wichtig das Thema Ökologie ist – gerade auch für Großstädte. Und so ging es denn um Themen wie Baumverordnung, Naturschutzgebiete, Radverkehr, Abwassertarife oder Mülltrennung, alles Fragen, die man in Zukunft noch enger gemeinsam angehen möchte, die von Fachleuten weiter vertieft werden sollen. Neben einer Einladung an seine Gastgeber sprach Sergej Sacharow deshalb den Wunsch aus, möglichst bald wieder – der Austausch ist wegen personeller Veränderungen in Wladimir ins Stocken geraten – Abwasserspezialisten zur Hospitation nach Erlangen schicken zu können.

Elisabeth Preuß, Sergej Sacharow, Matthias Hiegl, Renate Doeblin, Peter Steger

Eine Einladung in die Partnerstadt erhielten auch Renate Doeblin, Geschäftsführerin der IHK Erlangen, und Matthias Hiegl in seiner Doppelfunktion als Leiter des IZMP und Vorstandsmitglied der Erlangen AG. Diesen Dreiklang – IHK, IZMP, Erlangen AG – bekam Sergej Sacharow nicht mehr aus dem Ohr. Von idealem Standortmanagement sprach er nach dem Treffen gegenüber Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, von einer klugen Standortpolitik, von der er lernen wolle, und regelrecht in Begeisterung brachte ihn die Aussicht, mit Erlangen im Bereich der erneuerbaren Energien zusammenzuarbeiten, zu denen auch das Wladimirer Stadtoberhaupt langfristig keine Alternativen sieht, obwohl die russische Politik weiter auf den Ausbau der Kernenergie setzt und bisher weder Wind- noch Sonnenenergieanlagen oder Geothermie fördert. In diese Lücke aber, so der Gast, springen nun zunehmend Investoren aus der Privatwirtschaft. Warum es nicht gemeinsam versuchen? Zumal, wie Matthias Hiegl weiß, gerade auch russische Forscher auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien wichtige Beiträge leisten, zumal, worauf Renate Doeblin hinweist, die IHK Nürnberg schon alle möglichen Felder der Zusammenarbeit mit Rußland definiert, nicht aber den Bereich Energie. Bisher. Da könnten Erlangen und Wladimir rasch gemeinsam vorangehen.

Jürgen Zeus, Birgitt Aßmus, Sergej Sacharow, Albert Heuberger, Elisabeth Preuß

Damit es noch besser im Austausch zwischen dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen  und der Universität Wladimir vorangeht, will sich Sergej Sacharow gleich nach seiner Heimkehr mit der Leitung seiner Hochschule zusammensetzen. Denn gar nicht gefallen will ihm, wenn er im Gespräch mit Institutsleiter Albert Heuberger und im Beisein der beiden Bürgermeisterinnen, Birgitt Aßmus und Elisabeth Preuß, sowie von Stadtrat Jürgen Zeus hören muß, von sieben aktuellen Bewerbungen für ein Studienpraktikum entsprächen nur zwei den hohen Anforderungen an Sprache – Englisch oder Deutsch – und fachliche Kompetenz, die man in Tennenlohe stellt. In Zukunft sollen deshalb mehr Studenten früher von den Austauschmöglichkeiten erfahren, einer Chance, die das Fraunhofer Institut exklusiv den angehenden Wissenschaftlern aus der Partnerstadt anbietet und ein Pfund, mit dem Wladimir mehr wuchern sollte, wenn es nach Sergej Sacharow geht, selbst Absolvent der Universität seiner Heimatstadt,

Wolfgang Morell, Sergej Sacharow

Vor der Abreise ist nur noch Zeit für einen emotionalen Höhepunkt: Wolfgang Morell, Kriegsveteran, dem 1942 in Wladimir das Leben gerettet wurde, feierte gestern auf Schloß Atzelsberg seinen 90. Geburtstag – mit dem Überraschungsgast Sergej Sacharow, der den einstigen Kriegsgefangenen vor einem Jahr kennengelernt hat. Die spontane Rede, die der Enkel einer der Krankenschwestern aus dem Hospital, in dem Wolfgang Morell seinerzeit behandelt wurde, hielt, wird der Festgesellschaft für immer im Gedächtnis bleiben: ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Völkerverständigung, eine ergreifende Referenz an einen Mann der Versöhnung, eine tiefe Verneigung vor einem Leben, das so exemplarisch zeigt, daß die Mitmenschlichkeit stärker sein kann als alles Wüten des Krieges.

Sergej Sacharow

Sergej Sacharow kann heute in Wladimir den russischen Nationalfeiertag in der Gewißheit begehen, in Erlangen viele neue Freunde gefunden und eine Visitenkarte der Sympathie abgegeben zu haben. Einer Sympathie, die einem auch aus dem Artikel von Udo B. Greiner in den Erlanger Nachrichten von heute entgegentritt. „Ein gelungener Besuch, nur viel zu kurz“, wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei der Abreise bemerkte. Aber auch erst der Anfang, wie man frohgemut hinzufügen könnte.

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