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Posts Tagged ‘Wolf Peter Schnetz’


Heute gibt es drei Geburtstage zu feiern: den elften des Blogs, den 79. von Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Staatlichen Universität Wladimir, und den 80. von Wolf Peter Schnetz, der sich 1981 zusammen mit Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, wie er selbst einmal sagte, in der Verständigung und Aussöhnung mit der Sowjetunion und Rußland „auf dem richtigen Weg“ sah. Als wie richtig sich dieser Weg der Annäherung und des Austausches erweisen sollten, konnten sich damals nicht einmal diese beiden großen Visionäre des deutsch-russischen Dialogs vorstellen. Aber sie machten sich auf diesen Weg, unbeirrt und zielstrebig, ungeachtet aller Hindernisse, nachlesbar hier im Archiv des Blogs: https://is.gd/EPfXgC

Wolf Peter Schnetz

In einem Gespräch mit dem Granden der Städtepartnerschaft, Wiktor Malygin, Germanistikprofessor, Vorsitzender des Freundeskreises Wladimirer Schauspielhaus und Vorstandsmitglied des Erlangen-Hauses, um nur einige Funktionen zu nennen, meinte Wolf Peter Schnetz: „Am Ende blieben vielleicht ein paar Gedichte.“ Auch wenn er durchaus nicht nur nebenher poetisch verdichtete Prosa schreibt, war und bleibt die Lyrik wesentliche Ausdrucksform des promovierten Germanisten aus Regensburg, der im Ruhestand in seine Heimat zurückkehrte und in seiner Zeit als Referent von 1973 bis 2000 das Kulturleben Erlangens prägte wie niemand sonst – mit den internationalen Schriftstellertreffen, dem Poetenfest, dem Comic Salon, dem Figurentheaterfestival…

Manche Menschen schlägt man mit ihren eigenen Worten, einen Lyriker ehrt man am besten mit seinen eigenen Versen, mit Gedichten wie diesem, übertragen von seiner bereits verstorbenen Kollegin aus Wladimir, Julia Alexandrowa:

September

An solchen Tagen saß ich oft / in alten Gärten. Ein leichter Wind. / Septemberlicht. Den Schatten sah ich wandern / unter Apfelbäumen…

В такие дни сидел я часто / в садах старинных. Лёгкий ветер / и свет сентябрский. Я движение теней / под яблонями видел…

Manchmal ein Brief

Manchmal ein Brief. / Federleicht / im sandweißen Umschlag, / leichter / als der luftigste Vogel, / wenige Gramm.

Aufgewogen / gegen / die Schwere der Welt, / ein freundlicher Gruß / aus der Ferne.

Ein Brief / kann Berge versetzen.

Иногда письмо

Иногда письмо. / Лёгкое, как пёрышко, / в белом, как песок конверте, / легче птицы в воздухе, / несколько граммов.

Защита от всех / тягот мира, / дружеский привет / издалека.

Письмо / может сдвигать горы.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz, August 2018

So einen Brief schickte nun auch Wiktor Malygin an die Redaktion des Blogs:
Mein langjähriger, echter Freund, Wolf Peter Schnetz, begeht heute seinen 80. Geburtstag. Wir kennen uns seit längerer Zeit. In meinem Gedächtnis bleibt er auf immer als ein kluger, eleganter Mann, der nicht nur schön schreiben, sondern auch  ausdrucksvoll und überzeugend reden kann. Seine originellen und poetisch reichen Gedichte zitierte ich mehrmals für meine Studenten, und sie haben immer großen Anklang gefunden.
Lieber Freund! Bleib gesund und munter auf viele Jahre!

Dietmar Hahlweg und Wolf Peter Schnetz, 1981 in Moskau

Wer mehr über diesen vorausblickenden Wegbereiter der Partnerschaft und sein fortlebendes Werk der Volksdiplomatie erfahren möchte, gebe in der Suchfunktion des Blogs das Stichwort „Wolf Peter Schnetz“ ein, wer seine lyrische Welt entdecken möchte, greife am besten zur Anthologie „Täglich ein Wunder. Gedichte aus 40 Jahren.“
P.S.: Heute feiert noch jemand Geburtstag, eine Mitarbeiterin der Volkshochschule, die eher im Hintergrund der Partnerschaft mit Wladimir Gestalt gibt: Edith Kaluza, deren Portrait demnächst in Ihrem Blog folgt.

 

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Am Montagmorgen verstarb die 1934 in Orjol geborene Lyrikerin Julia Alexandrowa, die 1957 nach ihrem Chemiestudium in Moskau nach Wladimir zog, um hier am Forschungsinstitut für synthetische Harze zu arbeiten. 1969 promovierte die Chemikerin und verfaßte mehr als 70 wissenschaftliche Arbeiten zu polymeren Materialien. Ihr eigentlicher Stoff aber war das gebundene Wort, der Wohlklang, die Welt der Dichtung. Wer sie bei Lesungen ihrer eigenen Werke oder im Gespräch erlebte, konnte spüren, wie fein ihr Sinn für die Harmonie der Sprache entwickelt, wie untrüglich ihr Gespür für die Zwischentöne ausgeprägt war. Julia Alexandrowa konnte ihre eigene Lyrik, geschult an der russischen Klassik, über Stunden rezitieren und dabei immer wieder auch die Verse ihrer großen Vorbilder von Alexander Puschkin über Boris Pasternak bis zu Marina Zwetajewa oder Anna Achmatowa auswendig einstreuen, die den Blick weiteten und das Ohr schärften.

Julia Alexandrowa mit Igor Schamow, Eduard Sirko und Jelene Tschilimowa, Dezember 2016 im Erlangen-Haus

Ungeachtet ihrer nachlassenden Sehkraft beschäftigte sich die Dichterin bis zuletzt immer wieder gerne auch mit deutschsprachiger Lyrik, die sie mit erstaunlicher Genauigkeit zu übersetzen verstand. Eine wahre Freude war es, mit ihr darüber zu streiten, welche Übertragung des einen oder anderen Begriffs denn nun tatsächlich die treffendste sei, welches Wort den Sinn am besten wiedergebe. Wie gut sie ihr Handwerk verstand, bewies sie denn auch mit der Anthologie „Stimmen Frankens“ und dem Werk „Sommer in Winterstein“, ganz der Lyrik von Wolf Peter Schnetz gewidmet. Ihre letzte große Zusammenarbeit mit Erlangen bestand darin, die russische Fassung des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu lektorieren. Es heißt, Autoren leben in ihren Werken weiter. Wohl richtig. Aber wie schmerzlich ihre vertraute Stimme nun doch allen fehlt, die ihr verbunden! Es bleibt nur, ihr zu danken für die Schönheit ihrer Seele – am besten mit einem ihr gewidmeten Gedicht.

 

Julias Kleid

 

Du trugst ein feiner Worte Kleid,

in langen Nächten hell gewoben,

bestickt mit jenem frohen Leid,

das keine Grenze kennt nach oben.

 

Wie schön du warst in diesem Kleid,

mit lichten Liedern frisch gewaschen,

die klangen wie aus ferner Zeit,

verglommen in der Glut der Aschen.

 

Du schlüpftest nun aus diesem Kleid,

um es für uns zurückzulassen,

zu eng uns allen und zu weit –

wie du, für andre nicht zu fassen.

 

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Da trafen sich gestern in Regensburg zwei große Gestalter der Städtepartnerschaft: Wolf Peter Schnetz, der als Autor und Kulturreferent schon in den 70er Jahren Kontakte zu sowjetischen Schriftstellern aufgenommen und den Kontakten zwischen Erlangen und Wladimir entscheidende Impulse gegeben hatte, und Wiktor Malygin, seinerzeit als stellvertretender Leiter des Pädagogischen Instituts Initiator des bis heute andauernden Austausches mit dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde und bis heute Mitglied im Vorstand der Stiftung „Erlangen-Haus“.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz

Nun also das Wiedersehen, um, wie der Gast aus Wladimir ankündigte, über die Situation von „Lyrik auf der Welt“ zu sprechen. Ein großes Thema, zu groß für die kurze Begegnung. Die Freunde tauschten dann doch lieber Erinnerungen aus. Wie kam die Städtepartnerschaft zustande? Was hat sich seitdem verändert? Was macht dieser und was jene? Und wie geht es Deiner Familie, wollte Wolf Peter Schnetz vom Besucher wissen. Er lebe gern den Sommer über auf seiner Datscha, umgeben von alten Bäumen, Blumenbeeten und Johannisbeersträuchern, wo er häufig von seinen drei Kindern und fünf Enkeln besucht werde, erzählte er. Wenn er sich nicht seiner Familie oder seinen Studenten widme, sei er viel auf Reisen oder er schreibe: wissenschaftliche Erörterungen, Essays, Theaterkritiken und Lyrik. „Der Dichter schafft, schreibt, liebt, träumt“, sagt Wiktor Malygin und fragt sich manchmal: „Was bleibt, was nimmt er mit?“ Ein paar Gedichte werden vielleicht bleiben, meint Wolf Peter Schnetz, Menschen, die Lyrik lieben, wird es immer geben.

Regine Arends

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Am 1. Februar 1983 hielt Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, in München eine Festansprache zum zehnjährigen Bestehen der „Bayerischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion“ (heute „Bayerische Ostgesellschaft“), der ein entscheidender Anteil an der Anbahnung der Partnerschaft mit Wladimir zukommen sollte. Diese Grundsatzrede, verfaßt von dem nach Weihnachten verstorbenen Rudolf Schwarzenbach ziemlich genau vor 34 Jahren, thematisiert die Hoffnungen und Enttäuschungen jener Phase der Ostpolitik und liest sich – unter Umstellung einiger Vorzeichen – heute so aktuell wie damals. So wie man sich über vieles freuen darf, was in der Zwischenzeit in der Partnerschaft mit Wladimir erreicht wurde, so ernüchternd ist die Erkenntnis, in wie vielen zwischenstaatlichen Bereichen schon wieder ein Neustart notwendig wird. Rudolf Schwarzenbach, der bereits in den 70er Jahren als Historiker am Institut für Gesellschaft und Wissenschaft, aber auch auf Delegationsreisen mit Wolf Peter Schnetz und anderen Mitstreitern für die Verständigung in die DDR und in die Volksrepublik Polen reiste, hinterließ mit dieser Schrift ein Vermächtnis, das wohl nie abgeschlossen sein wird, sondern auch in Zukunft der sorgfältigen Pflege bedarf.

Rudolf Schwarzenbach, Wladimir 1992, Aufnahme: Sergej Skuratow

Rudolf Schwarzenbach, Wladimir 1992, Aufnahme: Sergej Skuratow

Den Beitrag, um den ich gebeten worden bin, stelle ich unter das Thema „Gedanken zu den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion unter besonderer Würdigung der kulturellen Aspekte“.

Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion, wie die Ost-West-Beziehungen überhaupt, müssen heute wohl vor allem im Zusammenhang mit folgenden zwei Erkenntnissen gesehen werden:

  1. Die existentielle Herausforderung unserer Zeit ist die Frage, wie Krieg verhindert und wie der Frieden gesichert werden kann. Antworten auf diese Herausforderung, die durch den Primat der Militär- und Rüstungspolitik geprägt sind, mögen zwar gewaltsame Auseinandersetzungen in Europa verhindert haben. Sie haben aber nicht den Frieden für die Zukunft gesichert. Wer dauerhaften Frieden schaffen will, kann sich nicht allein auf Abschreckungsstrategien und die Anhäufung von overkill-Kapazitäten verlassen. Vielmehr sind politische Konzepte notwendig, die auf Verständigung und Vertrauen, auf Interessenausgleich und gewaltfreie Konfliktregelung gerichtet sind.
  2. Die Krise, in der sich die menschliche Gesellschaft heute befindet, hat viele, teilweise zusammenhängende Ursachen: Die Konfrontation unterschiedlicher Wert- und politischer Systeme; das Wettrüsten; die immer drängender werdenden globalen Probleme wie Ernährungs-, Umwelt, Rohstoff- und Gesundheitsfragen; die demokratischen und sozialen Defizite in den Gesellschaftssystemen.

Manche Wissenschaftler behaupten, die Menschheit befinde sich in einem Übergangszustand; alte Gleichgewichte seien zerstört, ohne daß sich bis jetzt ein neuer, durch Wissenschaft, Technik und kulturellen Bewußtseinswandel veränderten Bedingungen angepaßter Gleichgewichtszustand eingestellt habe. Wenn auf diesem Weg keine Katastrophen liegen sollen, müssen die zu lösenden Probleme systematisch und mit dem Willen zu internationaler und interkultureller Zusammenarbeit angegangen werden.

Beide Erkenntnisse münden also letztlich in die These: Es gibt keine ethisch verantwortbare Alternative zu der von Verständigung und Vertrauen getragenen, auf Interessenausgleich und gewaltfreie Konfliktregelung gerichteten, internationalen Kooperation. Sie schließt selbstverständlich die besonders wichtige Zusammenarbeit zwischen den Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen ein.

Diese Kooperation war und ist das erklärte Ziel von Gipfelgesprächen und diplomatischen Bemühungen auf vielerlei Gebieten. Konkret und praktisch wirksam ist sie jedoch nur und erst, wenn die gesellschaftlichen Gruppen unterhalb der staatlich-diplomatischen Ebene mit in diesen Prozeß einbezogen werden. Auf der Tagung der Evangelischen Akademie Loccum im September 1980, die das Thema hatte „Entspannungspolitik als Gesellschaftsaufgabe – Kontakte von Städten und kommunalen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland mit Osteuropa“, formulierte dies der damalige Erste Sekretär der Sowjetischen Botschaft in Bonn, Prof. Dr. Sassuchin, treffend formuliert: „In der Vielfalt der menschlichen Kontakte liegt das Unterpfand für das Fortbestehen der Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Verständigung.“ Das gilt natürlich auch für den Aufbau von Verständigung und Vertrauen, wo immer es dran noch fehlt.

Für die Entwicklung und den Ausbau solcher Basiskontakte bietet die Schlußakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zumindest gute Ansatzpunkte und Orientierungshilfen. Wenn es gelänge, diese 1975 in Helsinki von 35 Staaten unterzeichnete Dokument mit Leben zu erfüllen oder – wie es Leonid Breschnew genannt hat – zu „materialisieren“, könnten große Fortschritte in der internationalen und intersystemaren Kooperation gemacht werden.

So haben die Teilnehmerstaaten unter anderem ihr Ziel bekräftigt, bessere Beziehungen untereinander zu fördern und Bedingungen zu gewährleisten, unter denen die Völker in echtem und dauerhaftem Frieden, frei von jeglicher Bedrohung und Beeinträchtigung ihrer Sicherheit leben können. Sie setzen sich auch zum Ziel – ich darf kurz zitieren – „freiere Bewegung und Kontakte, sei es auf privater, auf individueller und kollektiver oder offizieller Grundlage zwischen Personen, Institutionen oder Organisationen zu erleichtern und zur Lösung der humanitären Probleme beizutragen.“

Als besonders akutes Beispiel darf ich noch den Umweltbereich anführen, wo wahrlich kein Mangel an Kooperationsnotwendigkeit und Kooperationsmöglichkeit herrscht: von den giftigen Rauchgasen in der Luft über die Verschmutzung der Flüsse und Meere bis zum Naturschutz.

Sowohl in diesem Bereich, als auch in den anderen Bereichen der Zusammenarbeit – Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Touristik, Information – sind Fortschritte festzustellen, wenn sie auch in den einzelnen Bereichen noch recht unterschiedlich ausfallen, manchmal als Folge von politisch initiierten Abgrenzungsmaßnahmen.

Es könnten jetzt zahlreiche Beispiele über die positiven Ergebnisse der wissenschaftlich-technischen Kooperation zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland genannt werden, über die Entwicklung des Handels und der industriellen Kooperation, über die Zusammenarbeit in Energiefragen bis hin zu Beispielen aus dem humanitären Bereich der KSZE-Schlußakte. Von besonderer Bedeutung ist sicherlich der in der Schlußakte von Helsinki ebenfalls angesprochene Kulturaustausch.

Dort werden als gemeinsame Ziele unter anderem formuliert: die gegenseitige Information im Hinblick auf eine bessere Kenntnis der jeweiligen kulturellen Leistungen zu entwickeln; Kontakte und Zusammenarbeit zwischen Personen zu entwickeln, die eine kulturelle Tätigkeit ausüben; neue Bereiche und Formen der kulturellen Zusammenarbeit zu suchen.

Freilich sind mit dem Bekenntnis zu so formulierten gemeinsamen Zielen noch nicht alle  grundsätzlichen Hemmnisse aus dem Weg geräumt. So muß man zur Kenntnis nehmen, daß sich auch im Kulturaustausch zwischen gegensätzlichen Gesellschaftssystemen die unterschiedlichen Selbstverständnisse auswirken. Es sei hier nur an den Streit über die These von der Freizügigkeit für Menschen, Ideen und Informationen erinnert, der immer wieder insbesondere während der KSZE-Diskussionen auftrat.

Im Westen wird der Kulturaustausch als eine Aufgabe der Gesellschaft angesehen, bei der der Staat mehr eine nachrangige Rolle spielt; es besteht eine weitgehende Offenheit über die zum Austausch geeigneten Kulturleistungen. In der sozialistischen Theorie und Praxis werden kulturelle Beziehungen zwischen gegensätzlichen Systemen sowohl unter dem Aspekt der Zusammenarbeit als auch unter dem Aspekt der ideologischen Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen gesehen. In diese „Dialektik von Kampf und Zusammenarbeit“, wie die kommunistische Theorie dieses Spannungsverhältnis bezeichnet, ist auch die von den sozialistischen Staaten betonte Weltoffenheit für kulturelle Leistungen eingebunden. Sicherlich können wir zustimmen, wenn in dortigen Veröffentlichungen gesagt wird, daß es für wissenschaftliche Erkenntnisse und Meisterwerke der Kunst keine Staatsgrenzen gibt.

Andererseits müssen wir die Einschränkung zur Kenntnis nehmen, daß diese Weltoffenheit nicht gleichbedeutend mit konfliktloser Öffnung für bürgerliche Ideologie und Kultur ist. Vielmehr sei die klassenmäßige Auswahl notwendig, ob diese Kulturangebote der Entwicklung sozialistischer Menschen dienten. Hier zeigt sich deutlich, daß wir uns noch nicht über die These einig sind, daß Sicherheit nicht durch das Aufstellen von Zäunen erreicht wird, sondern durch das Öffnen von Toren.

Ich will solche Positionen des ideologischen Überbaus freilich wiederum auch nicht überbewerten, denn es gibt viele Beispiele für erstaunliche Öffnungen gegenüber westlichem Kulturgut. Und zwar nicht nur aus der Zeit der Entspannungspolitik und nach Helsinki, sondern auch aus früheren Jahrzehnten, nämlich zwischen dem Deutschland der Weimarer Republik und der noch jungen, aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen Sowjetunion. Beim Beginn der sowjetischen auswärtigen Kulturpolitik ab 1921 fällt zweierlei auf: Das erste Land, mit der neue Sowjetstaat Kontakte suchte, war Deutschland; der erste Bereich der Beziehungen war Wissenschaft und Kultur. Im Juni 1923 – also vor nicht ganz genau 60 Jahren – wurde in Berlin die „Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands in Deutschland“ gegründet. Zu den ursprünglich 400 Mitgliedern zählten Namen wie Alfred Döblin, Albert Einstein, Samuel Fischer, Leopold Jessner, Paul Löbe, Thomas Mann, Ernst Rohwolt, Max von Schillings und Franz Werfel. Auch im Bereich der Wissenschaften entwickelte sich rege und intensive Kontakte.

Der weitere Gang der Geschichte, das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland, und die innenpolitische Entwicklung in der Sowjetunion, vor allem aber dann der Zweite Weltkrieg, bereiteten diesen erfreulichen Ansätzen ein Ende. Nach dem furchtbaren Krieg, dem allein in der Sowjetunion über 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen, verwundert es nicht, daß es einige Jahre dauerte, bis es zu kulturellen Kontakten zwischen der neu gegründeten Bundesrepublik und der Sowjetunion kam. David Ojstrachs Konzert 1954 in Hamburg war der neue Anfang.

1959 wurde das erste zweijährige Kulturabkommen abgeschlossen, dessen Verlängerung aber an der Berlin-Frage scheiterte. Erst in den 70er Jahren nach dem Moskauer und Berliner Vertrag kam 1973, anläßlich des Besuchs Breschnews in der Bundesrepublik, ein neues Kulturabkommen zustande. Darin verpflichten sich die Vertragspartner, Austausch und Zusammenarbeit auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens und der Gegenseitigkeit zu fördern und zu entwickeln.

Die Arbeit der bereits kurz davor gegründeten Bayerischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion e.V. legt Zeugnis dafür ab, wie gut es gelungen ist, dieses Abkommen mit Leben zu erfüllen. Die Vielfalt, Fülle und Qualität der schon in den ersten zehn Jahren genutzten Möglichkeiten und hergestellten Kontakte – die Jubiläumsschrift enthält eine anschauliche Übersicht darüber – ist beeindruckend und ermutigt zugleich.

Sie werden es mir nachsehen, wenn ich als Erlanger Oberbürgermeister auf die besonders engagierte Begegnungsreihe mit Schriftstellern aus der UdSSR zum Thema „Krieg und Frieden in der Literatur“ hinweise, die im Oktober / November 1981 in Erlangen und München stattgefunden hat.

Große Bedeutung für die Gestaltung kultureller Beziehungen haben die Städtepartnerschaften, deren Förderung ja ebenfalls zu den Zielen der Gesellschaft gehört. Beziehungen zwischen Städten und ihren Bürgern können, wie vor allem das Beispiel Bundesrepublik – Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt hat, ganz Wesentliches zur Verständigung der Völker beitragen. An der heute festzustellenden tiefgreifenden Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen haben diese Städtepartnerschaften einen hohen Anteil. Dadurch wurde ein dichtes Netz von kulturellen und menschlichen Kontakten geknüpft, dessen Bedeutung für Frieden und Verständigung wohl kaum überschätzt werden kann.

Im Vergleich hierzu sind Partnerschaften mit sowjetischen Städten bisher eher die Ausnahme. Es bestehen solche unter anderem zwischen Dortmund und Rostow am Don (seit 1975), Saarbrücken und Tiflis (seit 1975), Hamburg und Leningrad (seit 1972), Kiel und Tallin (seit 1972).

Dietmar Hahlweg mit Inge Obermayer und Wolf Peter Schnetz in Moskau, 1981

Dietmar Hahlweg mit Inge Obermayer und Wolf Peter Schnetz in Moskau, 1981

In Bayern fehlt es bisher meines Wissens an Partnerschaftskontakten zu sowjetischen Städten. Bei meinem Besuch in der Sowjetunion im Juli 1981 habe ich gegenüber den sowjetischen Gesprächspartnern wiederholt auf die außerordentlich guten Erfahrungen mit Städtepartnerschaften bei der Aussöhnung mit Frankreich hingewiesen und gefragt, ob man diese guten Erfahrungen für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland einsetzen könnte. Inzwischen liegt der Stadt Erlangen ein offizielles Angebot der Stadt Wladimir vor. Der Erlanger Stadtrat wird sich in Kürze damit befassen. Ich hoffe sehr, daß er die ausgestreckte Hand ergreifen wird.

Bei all diesen erfreulichen Ansätzen kann jedoch nicht geleugnet werden, daß die in den frühen 70er Jahren sehr erfolgreich vorangebrachte Entspannungspolitik Anfang der 80er Jahre in die Krise geraten ist. Es ist offensichtlich illusionär zu glauben, daß der Entspannungsprozeß konfliktfrei und ohne Rückschläge verlaufen kann. dafür sind die Gesellschaftssysteme und ihre Interessen zu unterschiedlich.

Die Enttäuschung – und sie ist gegenseitig -, daß manche hochgespannten Erwartungen nicht erfüllt wurden, darf nun aber nicht dazu führen, daß der Dialog nachläßt oder gar abreißt. In diesem Dialog kann und muß auch über Trennendes gesprochen werden. Wie sonst soll das Freund-Feind-Verhältnis zwischen den Völkern abgebaut werden? Wie sonst die Gräben überbrückt werden, die Kriege und Haß zwischen den Menschen aufgerissen haben?

Gerade wir Deutschen müssen wegen unserer besonderen politischen und geographischen Lage an einer Naht- oder Bruchstelle des Systemkonflikts ein starkes Interesse daran haben, daß die Konflikte auf der Ebene der Supermächte nicht die Sicherungen in Europa durchschlagen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es deshalb wichtig, wie es auch Staatsminister Anton Jaumann in seinem Grußwort in der Jubiläumsschrift gesagt hat, „Kontakte nicht abreißen zu lassen und neue Verbindungen zu schaffen.“

Mit dem Dank und dem Respekt für das, was die Gesellschaft in den zehn Jahren unter Stabsführung von Erwin Eßl geleistet hat, verbinden wir deshalb den Wunsch, daß sich verstärkt Bürgerinnen und Bürger unseres Landes dieser wichtigsten Aufgabe des zu Ende gehenden Jahrhunderts bewußt werden und mitarbeiten.

Jeder einzelne muß seinen Beitrag leisten, daß wir auch der grotesken Situation herauskommen, die darin besteht, daß die beiden Weltblöcke, jeder in Sorge und aus Mißtrauen gegenüber dem anderen, weiter rüsten und damit die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung mit unermeßlichen Folgen ständig wächst.

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Der am Dienstag so jäh verstorbene Gerd Lohwasser stand in den frühen 80er Jahren einer Städtepartnerschaft mit Wladimir noch ausgesprochen kritisch gegenüber. Die einfachen Menschen werden, so sein Tenor, ohnehin nichts von den Beziehungen haben, und für einen reinen Austausch von Höflichkeiten unter Funktionären könne er nicht stimmen. Zudem führte er mit Verweis auf das Gefängnis, in dem prominente Dissidenten festgehalten wurden, die kritische Menschenrechtslage ins Feld und bezweifelte in Zeiten des Kalten Krieges grundsätzlich die „außenpolitischen“ Möglichkeiten von Kommunen aus entgegengesetzten weltanschaulichen Systemen, in Richtung Entspannung und Verständigung zu wirken.

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Doch als es 1987 im Stadtrat zum Schwur kam und seine Fraktion der CSU aufgefordert war, dem Antrag der SPD zu folgen, hatte Gerd Lohwasser seine Partei längst auf ein Pro eingestimmt und zeigte damit seine vielleicht herausragendste Gabe: die eigene Position nie an ideologischen Standpunkten festzumachen, sondern stets mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten abzugleichen.

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

In den fünf „Probejahren“ der Partnerschaft seit 1983 hatte sich der gelernte Pädagoge davon überzeugen lassen: Wladimir paßt zu Erlangen, und die Menschen hier wie dort wollen ein Miteinander. Wie sollte er sich dem entgegenstellen!

Gerd Lohwasser bei der Feuerwehr in Wladimir

Gerd Lohwasser mit Melitta Schön, Nadja Steger, Brüne Soltau und Helmut Schmitt bei der Feuerwehr in Wladimir

Zumal er, der bereits im Oktober 1974, wie sich der ehemalige Leiter des Bürgermeister- und Presseamts, Helmut Schmitt, erinnert, beim zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum in Rennes das „Feuer der internationalen Kontakte für seine späteren Aktivitäten auf Stadt- und Bezirksebene entdeckte“; er, der Mitte der 80er Jahre mit Stadtratskollegen wie Wolf Peter Schnetz und Claus Uhl in Polen nach einer Partnerstadt suchte und später als Bezirkstagspräsident maßgeblich zum Zustandekommen der Beziehungen zwischen Mittelfranken und Pommern beitrug, von all den anderen Freundschaftskontakten zu Jena, Stoke-on-Trent, Umhausen, Cumiana oder Gabarone sowie zu den Vertriebenen aus Brüx und Komotau ganz zu schweigen. Und das als jemand, der, 1941 in Karlsbad geboren, die Vertreibung am eigenen Leib hatte erleben müssen!

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

1994 reiste Gerd Lohwasser als Präsident der Bezirkstags von Mittelfranken mit Regierungspräsident Heinrich von Mosch nach Wladimir, und der konservative Besucher verstand sich auf Anhieb mit dem kommunistischen Gastgeber und Kollegen, Nikolaj Winogradow, dem späteren Gouverneur und damaligen Vorsitzenden der Regionalduma. In Statur und als Frohnatur waren sich die beiden auf ganz sympathische Weise ähnlich, vor allem aber in einem: im überparteiischen Pragmatismus, gepaart mit unbedingter Verläßlichkeit. Die beiden hätten sich Ende nächster Woche gern wiedergesehen. Doch nun bleibt nur die Erinnerung.

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser beließ es nicht bei diesem Besuch. 2003 nahm er am Stadtfest in Wladimir teil und attestierte den Freunden, sie verstünden sich mindestens ebensogut wie die Erlanger auf das Feiern. 2006 dann die von Thomas Rex in der Partnerstadt gedrehte Reportage „Spasibo Erlangen“ mit dem Bürgermeister als Mitwirkenden, und 2010 seine letzte Reise an den Goldenen Ring, als er die Erlanger Lokalpolitik bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an seinen Mitarbeiter, Peter Steger, vertrat. Immer vertraut, immer gern gesehen, immer ein umsichtiger Gesprächspartner.

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Dabei zeigte er sich stets besonders verbunden – sicher professionell bedingt – mit dem Schüleraustausch, dem Sport, der Feuerwehr sowie den medizinischen Kontakten. Einzigartig seine Freundschaft mit Jewgenij Jaskin, dem ärztlichen Direktor des Notfallkrankenhauses, aber auch seine Unterstützung für die vom Bayerischen Roten Kreuz Erlangen – Höchstadt getragene Aktion „Hilfe für Wladimir“ und die Aktivitäten des „Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir“.

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Stadtrat Robert Thaler hat sich an den Kollegen einmal dank einem genialen Freud’schen Versprecher bei einer Laudatio als „Gott Lohwasser“ gewandt. Der eilig erfolgten Korrektur hätte es nicht bedurft. Niemand im Publikum hätte bei dem tosenden Gelächter widersprochen. Das politische Multitalent hatte nämlich tatsächlich etwas von Jupiter, von einem Göttervater, an sich, ohne dabei je herablassend jovial zu wirken.

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Gewiß, er hatte auch menschliche Züge: Er konnte längst nicht alle Wünsche erfüllen.Aber er hörte sich alle Wünsche an und vermittelte dem Gegenüber das Gefühl, sich ihrer nach Kräften anzunehmen. Wenn freilich etwas jenseits seiner Möglichkeiten lag, räumte er das so offen ein, daß ihm niemand gram sein konnte. Im Gegenteil. Auch derartige Begegnungen mit ihm endeten zumeist mit einem versöhnlichen Scherz, mündeten  in ein oft nachgerade homerisches – oder besser lowasserisches – Gelächter.

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stolz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stoltz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

„Wo er war, war das Lachen“, erinnert sich Oberbürgermeister Florian Janik. Fjodor Dostojewskij hat einmal geschrieben: „Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen und etwas über sein innerstes Wesen in Erfahrung bringen willst, so mache dir nicht erst die Mühe zu analysieren, wie er spricht, schweigt, weint oder von hehren Gedanken ergriffen wird. Du brauchst ihn bloß beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen, ist er ein guter Mensch.“ Gerd Lohwasser hatte wahrhaftig ein gutes Lachen, ein sehr gutes, das uns allen nun so fehlen wird!

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Am Jahresende stellt sich immer die Frage nach dem Rückblick, nach der Auswertung. Man will wissen, was unter dem Strich bleibt. Nun, im Fall der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir fällt die Bilanz wieder unerwartet erfreulich aus. Ungeachtet der Verwerfungen seitens der „großen Politik“ fanden in den letzten zwölf Monaten erneut mehr als einhundert Austauschmaßnahmen in allen nur denkbaren Bereichen statt, wohlgemerkt allein die aktenkundigen. Ungezählte neue Verbindungen wurden zwischen den Städten geknüpft, bestehende Freundschaften fanden ihre Fortsetzung und Vertiefung. Unmöglich, den Lesern die ganze Statistik der Begegnungen zumuten zu wollen. Selbst die täglichen Meldungen des Blogs schaffen es oft nicht, all die mitunter zeitgleich agierenden Austauschpartner angemessen zu Wort kommen zu lassen. Deshalb auch heute nur der Hinweis auf die exemplarische Freundschaft der Schwimmer, die sich mit der Kappe auf dem Kopf und dem Anstecker am Revers zu ihren besonderen Beziehungen bekennen.

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Beziehungen, die Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg mit beherztem Blick in die Zukunft schon vor mehr als drei Jahrzehnten aufnahm, und für die er im Januar beim Empfang zu seinem 80. Geburtstag in Anwesenheit seiner drei Kollegen aus Wladimir – Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow – von Vizekonsul Andrej Isjurow mit dem Abzeichen des Außenministeriums der Russischen Föderation geehrt wurde. Beziehungen, die auch in den vier Büchern ihren Ausdruck finden, allesamt in diesem Jahr und ganz im Geist von Dietmar Hahlweg erschienen.

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Im Band zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses, mit dessen Errichtung Dietmar Hahlweg der Bürgerpartnerschaft ein Dach geschenkt hat; in der Monographie des wissenschaftlichen Trios Wiktor Malygin, Natalia Judina und Klaus Steinke zum „russisch-deutschen sprachlichen Dialog“, dem Erlangens Altoberbürgermeister sich immer eng verbunden fühlte; in der Anthologie mit „Gedichten aus dem Land der Sonderlinge“, einem zweisprachigen Zeugnis des Literaturaustausches, den Wolf Peter Schnetz, ein politischer Weggefährte des Erlanger Ehrenbürgers bereits in den 70er Jahren aufgenommen hatte; schließlich in der Sammlung von Überlebensberichten aus Kriegsgefangenenlagern in und um Wladimir mit dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, geprägt von jenem Geist der Versöhnung und Verständigung, der von Beginn an das Miteinander der Partnerstädte belebt und bewegt.

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratuliere oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratulieren oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Der Blog erhebt heute, am 81. Geburtstag von Dietmar Hahlweg, das Glas auf jenen Menschen, ohne den es weder die offizielle Partnerschaft noch all die freundschaftlichen Kontakte zwischen Erlangen und Wladimir gäbe. Mit den dankbaren Glückwünschen an den Jubilar nimmt auch dieses Jahr wieder ein gutes Ende, und das schönste Geschenk für diesen lebensfrohen Menschenfreund ist sicher das Wissen, daß gerade seine beiden in ihrer Anbahnung wohl schwierigsten außenpolitischen Kraftakte – die Verbindungen zu Wladimir und Jena – nun schon seit acht Jahren in einer fruchtbaren trilateralen Zusammenarbeit aufgegangen sind. Es war eben wohlgetan, was Dietmar Hahlweg behutsam begonnen und seine Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis und Florian Janik, umsichtig mit ihrem jeweiligen Gegenpart in Wladimir und Jena fortgesetzt und zur Freundschaft geführt haben. Ach, gäbe es nur mehr davon zwischen Deutschen und Russen. Gerade jetzt. Das bleibt zu wünschen für das Neue Jahr!

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Kann es Zufall sein, wenn der Blog zum siebten Mal sein virtuelles Wiegenfest ausgerechnet am 75. Geburtstag von Heinrich Niemann feiert, dem emeritierten Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung, dem, gemeinsam mit Heinz Gerhäuser, im wesentlichen der 2001 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten der Partnerstädte zu verdanken ist? Kann es Laune der Chronologie sein, wenn heute vor 76 Jahren Wolf Peter Schnetz zur Welt kam, der als Autor schon zu Zeiten des Kalten Krieges das Klima schuf, in dem die Städtepartnerschaft erst gedeihen konnte? Mag ja sein, aber wir wollen diese Koinzidenzen als Conditio humana des Blogs verstehen, der sich selbst wiederum als Logbuch der so mannigfachen Beziehungen und Querverbindungen zwischen Erlangen, Wladimir, Jena und der übrigen weiten Welt begreift. Und als Vorgabe, nicht kurzatmig zu werden, nicht nachzulassen, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet zu halten, das da lautet: Völkerverständigung.

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Und so sei heute den beiden Granden gedankt und gratuliert, besonders natürlich Heinrich Niemann, der vor zehn Jahren für seine mustergültigen Verdienste die Ehrenprofessorenwürde in Wladimir verliehen bekam, zu seinem runden Jubiläum, und dem kreativen Kulturreferenten, der, obwohl in seine Heimatstadt Regensburg zurückgekehrt, der Städtepartnerschaft innig verbunden bleibt.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Der Blog – dem Lauf der Partnerschaft sei’s gedankt! – macht seinen geneigten Lesern und sich selbst ein Geschenk mit den Bildern zum aktuellen Wladimir-Austausch des Emmy-Noether-Gymnasiums. Die deutsch-russische Gruppe, gestern von Renate Winzen zweisprachig durch die Stadt geführt, ist seit Freitag zusammen und will bis zur Heimreise der Gäste am 5. Oktober nicht nur gemeinsam den Unterricht besuchen und landeskundliche Ausflüge unternehmen, sie wird vielmehr an einem Projekt arbeiten, das demnächst – ein wenig Geduld noch – auf diesen Seiten vorzustellen ist.

Austausch und Freundschaft

Austausch und Freundschaft

Zu einem richtigen Geburtstag gehört aber stets auch eine Überraschung. Und die sei heute exklusiv im Blog verraten: Die Schüler bereiten etwas zum 25. Tag der Einheit vor und werden es beim Festakt ab 11.00 Uhr im Redoutensaal – bei freiem Eintritt – vorstellen. Was genau, das wissen sie selbst noch nicht. Nur daß. Also: Kommen und sich überraschen lassen, denn ohne das russische Einverständnis hätte die Friedliche Revolution nie unblutig zur Wiedervereinigung führen können. Das sollten wir am 3. Oktober immer dankbar erinnern.

Спасибо

Dankbar ist noch so ein Stichwort. Dankbar ist heute (und alle Tage) der Blog besonders den Lesern, Mitautoren und Kommentatoren. Ohne deren Aufmerksamkeit und Treue würde sich auch der eifrigste Buchhalter der Städtefreundschaft nicht der tagtäglichen Selbstverpflichtung unterziehen, aus und über Wladimir zu berichten. Der größte Dank aber gilt einer Frau. Es heißt ja immer, hinter einem starken Mann stehe eine nicht minder starke Frau. Das klingt zwar nicht mehr ganz gendergerecht, stimmt aber gewiß für den Blog. Nur mit dem Zusatz „zurück“. Es gibt nämlich eine Frau, die hinter dem Blog steht und oft, viel zu oft, hinter dessen zeitfressenden Ansprüchen zurücksteht. Dafür auch einmal öffentlich um Verzeihung zu bitten, ist heute der rechte Tag. Auch wenn kaum Aussicht auf Besserung besteht… Besonders nicht im verflixten siebten Jahr, das es noch zu meistern gilt.

Ach ja, fast vergessen: Hier ist der Link zu Heinrich Niemann und seinem großen Werk für die Partnerschaft: http://is.gd/ah65yE

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