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Posts Tagged ‘Wolf Peter Schnetz’


Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

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Auf die Reportage über die erste Reise einer Schülergruppe aus Erlangen nach Wladimir im Jahr 1985 müssen Sie leider aus technischen Gründen noch ein wenig warten. Doch der Blog verkürzt Ihnen die Zeit bis dahin mit einem weiteren Fundstück aus dem Filmarchiv von Gerhard Wangemann über die Fahrt einer gut hundertköpfigen Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg zu den Kultur- und Sporttagen in die Stadt an der Kljasma, die ein Jahr später im gleichen Umfang eine Gruppe nach Erlangen entsandte, um nach fünf Jahren „Verlobungszeit“ die Städtepartnerschaft offiziell zu besiegeln. Nun aber Film ab zu einem Wiedersehen mit Vivienne und Dirk Keilhack, Wolf Peter Schnetz, Rudof Schwarzenbach oder Ludmila Holub auf der einen und Michail Swonarjow, Jurij Fjodorow, Mira Woronitschewa oder Leonid Chorjew auf der anderen Seite sowie mit vielen anderen, die mit mutigem Weitblick diese beherzte Pionierarbeit in der Verständigung zwischen Deutschen und Russen leisteten

Zur Einordnung hier der Link zu einem Rückblick von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg auf die Jahre 1986/1987: https://is.gd/ejligd

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Das letzte Wort in der Reihe „Kriegskinder“ ist – entgegen der Ankündigung – noch nicht gesprochen. Wolf Peter Schnetz, der ehemalige Kulturreferent und Wegbereiter der Partnerschaft mit Wladimir, steuert noch einen Beitrag zu der Serie mit einem Auszug aus seinem Roman „Eisblumen“ bei, erschienen 1996, und hier zitiert nach dem Vorabdruck im Regensburger Almanach desselben Jahres.

Abends, wenn in Kandelabern die Kerzen brannten, wenn in der übervollen Küche die Karbidlampe flackerte, wenn ein ungebetener Freier meiner Mutter endlich den von seiner aufdringlichen Geschwätzigkeit in Beschlag genommenen Lehnstuhl räumte, kehrte ein wenig von dem Frieden ein, von dem es hieß, es gäbe ihn jetzt, es gäbe Frieden im Land.

Die Tage waren reichlich ausgefüllt: Anstehen nach Bezugsscheinen und Lebensmittelkarten z. B., Vorsprachen am Wohlfahrtsamt, endlose Behördengänge, Beschwerden über Fremdeinweisungen, Anträge beim Wohnungsamt am Kassiansplatz, um der drangvollen Enge im Haus zu entgehen, Erlaubnisscheine für was weiß ich nötige oder überflüssige Genehmigungen, Auskunftsersuchen zur letzten Ruhestätte eines Gefallenen, über das Schicksal von Vermißten und der Männer im Lager in Kriegsgefangenschaft:

„Wer hat wen zuletzt gesehen? Wer hat eine letzte Nachricht zu übergingen?“ Frauen mit Photos in der Hand. Ängstlich der Blick.

Mein Vater war noch nicht für tot erklärt worden. Es fehlten die Dokumente, obwohl wir wußten, daß das Flugzeug von seinem letzten Flug an die Front im November 1944 nicht zurückgekehrt und über Norwegen verschollen war. Meine Mutter war damals mit mir an der Hand in die Kirche von Flintsbach gelaufen und hatte laut schluchzend geweint, als das Schicksal gewiß schien. Und doch war Raum für Vermutungen, ein Insel Hoffnung geblieben.

Noch war ein Grab nicht gefunden. Die Vorstellung setzte sich fest, daß es vielleicht Überlebende gegeben haben könnte, daß der Vater vielleicht gefangen wäre oder in einer unwegsamen Wildnis lebte wie Franklins Männer im Nordmeer. King William Islands, 1848, wo sie auf Hilfe warteten, festgefroren im Eis. Ich kam nie von dieser abenteuerlichen Vorstellung los. Trotz eines schlichten Kreuzes auf einem unbehauenen Stein mit 14 Namen, deren kaum lesbare Wiedergabe auf einer Photographie uns später errichte. In einer kleinen Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ am 14./15. September 1963 stand unter der Überschrift „Tote deutsche Soldaten in Norwegen gefunden“ die kurze Nachricht:

„Im Rondanegebirge in Westnorwegen sind, wie die Osloer Zeitung „Morgenbladet“ berichtet, in den Überresten eines vor 19 Jahren abgestürzten deutschen Transportflugzeugs die Leichen von drei deutschen Soldaten gefunden worden. Die Maschine, die insgesamt 17 Personen, darunter höhere Stabsoffiziere von der deutschen Eismeerfront, an Bord hatte, war am 6. November 1944 gegen den Hang des Berges Digeronden geprallt, an dessen Fuß später eine Gedenktafel für die Opfer der Katastrophe angebracht wurde, die 14 Namen aufweist. Wie die Zeitung berichtet, sind die drei Leichen von einem jungen Norweger entdeckt worden.“

Noch gab es Fragen über Fragen. Nachforschungen beim Roten Kreuz, das Vermißtenlisten auf langen Papierfahnen aushängte. Tag und Nacht wurde von freiwilligen Helferinnen und Helfern an der Suchaktion für Hunderttausende gearbeitet.

Im Mai 1946 gab es ein mildes Erwachen. Fliederbüsche und Tränende Herzen berauschten die Vorgärten der Eisenbahnermietskasernen. Im eigenen Garten wurde jedes Stück Erde in ein Nutzbeet für Kartoffeln, Grünzeug, Salat, Petersilie und Gemüse verwandelt. Auf den Balkonen gackerten die Hühner, rieben sich Karnickel in roh gezimmerten Ställen.

Im 1. Stock des Hauses wohnte die Familie Saradeth. Gitte, Hans und Klothilde hießen die Kinder. Vater Saradeth war ein Mann wie ein Vierkantschlüssel, hart, praktisch, konsequent. Hans bekam es häufig zu spüren. Die Mutter dagegen war eine späte Lilie, welk, versöhnlich und stets etwas abgehärmt. Sie glich aus, was der Teppichklopfer in der Hand des Herrn bei Hans an Verwüstungen angerichtet hatte. Da wurde viel und laut geschimpft. Der Vater polterte mit den Kindern. Die Mutter zürnte mit ihm, ihrem Herrn, zürnte in ihrer stets gleichen grauschwarzen Arbeitskleidung, haustaubenrabenschwarzgrau. Dem Namen nach hätte man glauben können, die Ar-ra-deths wären uns dem Morgenland gekommen. Aber ihre kräftige Sprache ließ auf eine kerndeutsche Herkunft schließen, sie klang sudetendeutschbayrisch. Herr Saradeth verstand sich auf die Kunst der Selbstversorgung am besten. Er beherrschte sämtliche Handwerke, die es gab, züchtete Kleinvieh und pflanzte hochrankende Stangenbohnen im Garten.

Die Kleinversorger hatten jeder für sich besondere Fähigkeiten. Es gab Briefmarkensammler, Bastler, Gärtner, Hunde- und Brieftaubenzüchter. Am angesehensten waren die „Handwerker“: jeder, der zusätzlich zu seinem erlernten Beruf verschiedene Fertigkeiten beherrschte, vom Reparieren eines Wasserhahns bis zum Montieren von Lampen, vom Bretternageln bis zum Mörteln und Kitten von undichten Fugen in den rissigen Rahmen der Fenster. Richtige Handwerker waren nicht zu haben. Und schon gar nicht zu bezahlen. Ein jeder half sich selbst, so gut er konnte. Großmutter und Tanten aber waren völlig hilflos. Selbst der ansehnliche Titel „Frau Oberst“ führte nicht aus der Bredouille täglicher Mißlichkeiten heraus. Wie konnte die Großmutter sich darüber aufregen, daß in diesen Zeiten nichts mehr funktionierte, daß die Leute keinen Respekt mehr hatten, daß es kaum noch Standesunterschiede gab. Sie war gewohnt an „Gnädige Frau“ hier und „Gnädige Frau“ da und „Küß die Hand, gnä Frau“ und „Jawoll, Frau Oberst!“

Im Nachbarshaus war ein Kolonialwarenladen. Inhaber: Heitzer. „Kolonialwaren Heitzer“ stand in schwarzer Brikettschrift an der Hauswand gemalt. Fräulein Ott betreute das Geschäft. Wenn man die kurze Vortreppe zum Laden hinaufstieg und die knarrende Holztür öffnete, klingelte es scharf. Es schrillte wie in der Straßenbahn. Eine Ladenglocke meldete den Kunden.

Hinter der Theke stand Fräulein Marianne, Fräulein Otts jugendliche Hilfe. Blond, groß und schön, verbreitete sie ein segensreiches Lächeln, wenn ein Besucher kam. Es war ein unaufhörliches Kommen und Gehen in dieser Zeit der kleinen Einkäufe.

Die Lebensmittelmarken wurden über den Ladentisch geschoben.

Meine Freundschaft mit Marianne reicht auf den Tag zurück, als ich das erste Mal das Vertrauen erhielt, mit ein paar Mark versehen, die Besorgungen für den nächsten Tag zu erledigen. Noch fiel ich niemandem auf in dem Laden, der aus einem einzigen, in einer Hintertür sich verlierenden, halbdunklen Raum bestand. Die Erwachsenen standen im Blickfeld. Sie schoben sich an mir vorbei. Sie hatten es eilig:

„Was will der Dreikäsehoch! Der kann warten!“

Bis mich Marianne bemerkte. Ihr huldvolles Auge drang in mich ein wie die föhnblaue Sonne, die den Tag noch einmal kräftig erwärmte, ehe Nebel und Rauhreif den Herbst ankündigen.

In der Ecke des Ladens ruhte der Marmeladeneimer, aus dem die mitgebrachten Einweckgläser mit dem Schöpfer gefüllt wurden. Daneben das Sauerkrautfaß. Mächtige Holzgabeln dienten zum Heben der Krautfladen. In einem Bottich schwammen Essiggurken, Silberzwiebeln und Wacholderbeeren, und auf der anderen Seite schepperten die Milcheimer. Zucker, Mehl, Salz, Gewürze und auch Bonbons waren in geschwungene Gläser abgefüllt, die auf Wandregalen prangten. „Guttln“ hießen die Bonbons. Der ganze Raum roch nach einer Mischung aus Gewürznelken, Zimt, Kapern und Salmiak. Die Geruchswolke strömte nach draußen und hing als lockende Fahne über dem niedrigen Eingang. Im Winde klirrte sie nicht.

Marianne hatte blaue Augen und nach hinten aufgestecktes, blondes Haar. Sie lächelte mir ermutigend zu, hakte meine Einkaufsliste ab und gab mir beim Abwiegen der Guttln für zehn Pfennig noch ein paar Stück extra in die handgedrehte Tüte aus braunem Packpapier. Bonbons wie Himbeeren. Rot und süß. Die schwarzgewandete Alte, Fräulein Ott, die aufmerksam zwischen Kunden und Regalen hin- und herschnurrte, bemerkte es nicht.

Es gab noch viele andere Läden in der Stadt. Zum Beispiel an der Ludwigstraße / Ecke Glockenstraße die Elephanten-Apotheke. Ausgestopfte Krokodile und Skelette von Fischen, Vögeln und Amphibien hingen an der Decke und drehten sich im Luftzug, wenn die Tür aufschwang. Der holzgetäfelte Raum war dunkel. Die gebleichten Gebeine schienen in ständiger gespenstischer Bewegung. In den leeren Augenhöhlen wuchsen Schatten. Das alte Elephantenhaus beherbergte die Apotheke seit 1629, ein Haus, als wäre es verwunschen.

Die Nationalhymne durfte nicht mehr gesungen werden, statt dessen johlten wir schundige, pfundige Pfadfinderlieder. Gesänge vom wilden wilden Wassermann. Mittags und abends gab es Brennsuppe. Manchmal süßlichen Mehlbrei mit Milchpulver, das war ein Göttergeschenk, eine himmlische Speise.

Der Nachbar Saradeth hatte ein Radio mit gackernder Schlagermusik, das war ein stolzer Besitz. Und die Saradeth Gitte ging nicht nur an Sonntagen regelmäßig zur Kirche, sondern auch abends zur Andacht, zum Rosenkranz, in die nahegelegene Fideliskirche. Kapuzinermönche in braunen Kutten räucherten sie mit Weihrauch ein. Wenn die Gitte mit schwingenden Röcken aus dem Haus trat, wurde mir sanft und weich unter der Haut, und ich ahnte, was Liebe ist: Wenn man die Angst vor Prügeln verlieft, wenn Wehmut im Bauch wächst. Liebe ist weich.

Die Schulen wurden wieder geöffnet. Zuvor hatte Oberbürgermeister Titze noch den Aufruf erlassen:

„Bis zur Eröffnung der Schulen bitte ich die Elternschaft, sich jeden Tag eine Stunde frei zu nehmen und die Kinder zu belehren. Haltet Eure Kinder von der Straße fern! Zeigt ihnen, in welchem bösen Irrtum sie jahrelang gelebt haben. Erzieht sie in Ehrfurcht vor Gotte und den Menschenrechten!“

Man belehrte mich über den Sinn der Schule. Eine für mich nicht faßbare, neue Welt. Die ersten Wochen wanderte ich in ein altes Gebäude am Stahlzwingerweg. Dort saß ich in einem muffigen Raum, der ein Gaststättengewölbe oder eine Bethalle gewesen sein könnte.

„Grüß Gott!“, rief die Lehrerin. „Grüß Gott“, kam das Echo von achtzig Schülern zurück. Der zweisilbige Ruf brauchte nicht neu eingeübt zu werden. Das Ritual war das gleiche geblieben.

Unbehelligt gähnte ich in der hintersten Reihe und wunderte mich über das seltsame Treiben ringsum. An einer Tafel hantierte die Lehrerin mit Kreide und Lappen, überwiegend mit sich selbst und dem Bemühen um Ordnung beschäftigt. Das lenkte sie von mir ab. Wie sollte ich auch wahrgenommen werden in einer Horde von achtzig lärmenden Zappelhälsen. In der ersten Reihe saßen einige, die ab und zu die Finger in die Höhe schnalzten. Manchmal heftig um die Wette. Was das zu bedeuten hatte, wußte ich nicht. Ich hütete mich vor jeglicher Nachahmung. Ich langweilte mich und blieb den Übungen fern. Niemand bemerkte es. Spät wie die anderen Kinder kam ich nach Hause. Ich hatte in der Zwischenzeit Blumen und Bäume im Stadtpark betrachtet und auf dem Heimweg auf einen Nachbarjungen gewartet.

Nach meinen schulischen Fortschritten wurde ich zu Hause nicht gefragt. So bleib ich im Stand völliger Unschuld. Wochenlang war ich ein Analphabet. Ein Parsifal im Aufbaufieber der Stadt.

Es war ein heißer Sommer, 46. Im Juli duftete das Gras. Wenn rauschend ein Gewitter niederging. Wenn die Spannung in der Luft sich entlud.

Plötzlich war eine Nachricht ins Haus geflattert. Von einem Boten gegen Unterschrift nachweislich zugestellt. „Völliges Versagen in der Schule. Am Unterricht nicht teilgenommen“, stand darin. Ich wurde zur Rede gestellt. Heftigste Schelte hagelte auf mich herab. Ein Nachmittag mußte genügen, das Versäumte nachzuholen. Es war heiß. Die Sonne stach.

Meine Mutter steckte sich das Haar im Nacken zu einem Hallelujaknoten zusammen, zog einen knielangen schwarzen Badeanzug an und verschleppte mich auf die große Wiese hinter dem Haus. Der Schweiß rann in Strömen. Es wurde geübt: Das „a“ wie der runde Mond mit einem kleinen Spazierstock. Hundertmal. Das „b“ wie ein Bäckerbreze mit einem Spazierstock. Das „c“ wie die aufgehende Mondsichel ohne Spazierstock. Das „d“ wie der Mond mit einem ganz großen Spazierstock. Das „e“ wie die Mondsichel mit einer Schleife. Das „e“ war kompliziert. Schleifen beherrschte ich nicht. So humpelte ich mühsam mit Mond und Spazierstock durch das Alphabet. „i“, „o“ und „s“ waren leicht. Das „im“ mit seinem lustigen, luftigen Pünktchen auf dem Spazierstock machte mir Spaß. Da spürte ich den wandernden Wind. Das „s“ war eine Schlange. Das „o“ war der Mond, das war klar. Am Abend war es geschafft. Ich konnte meinen ersten Satz buchstabieren: „Otto ist da.“

Otto kam jeden Tag. Von jetzt an wurde ich kontrolliert. Unerbittlich. Otto, Otto über alles, über alles in der Welt. Oder „Hänschen klein ging allein.“ Hänschen trug einen Hut und einen Spazierstock, und der runde Mond, einen Sonnenblumen-Sonne und stachelige Sterne standen über dem Haus, von dem ein langer Schlangenweg in die weite Welt führte. Auf dem Hausdach rauchte der Schornstein. Ich kannte meine Buchstaben. Ich durfte vorrücken.

Die zweite Klasse begann im gleichen Jahr im September. Andere Räume wurden bezogen. In der Kreuzschule. Am Judenstein.

Mit einer Schultüte aus Packpapier wurde ich in das Schulhaus geleitet. Die Aufregung war groß. Riesengroß. Größer als die Tüte, die wiederum größer war als ich. Die Angst aber war am größten. Sie überschattete alles.

Die Mütter verließen ihre Kinder. Die Kinder waren allein. Allein und gefangen. Die heulende Meute hatte sich Plätze in den Sitzbänken erkämpft. Für mich war eine Hinterbank geblieben. Ein Fräulein trat ein, Fräulein Karzinger, Fräulein Weiß oder Fräulein Kapfinger. Alt, hager, schwarz. Einen Augenblick lang war es still. Dann folgte ein Morgengebet, das alle sprachen. Nur ich blieb stumm. Ich bewegte die Lippen, um nicht aufzufallen. Das Gebet war lang: „Vater unser, der du bist im Himmel.“

Mein Vater war nicht aus dem Krieg zurückgekommen. Ich hatte keinen Vater. Er galt als vermißt. Folglich hatte ich keinen Vater im Himmel. Das Gebet kannte ich nicht.

„Setzen!“ Die Sitzbänke krachten. Die Kinder begannen zu kichern. „Ruhe!“ „Wer ist katholisch?“ Alle Finger flogen in die Höhe. Auch meiner. Die Lehrerin hatte in einem scharfen Ton gefragt, als sei es selbstverständlich, daß man die Antwort auf diese Frage wüßte. „Katholisch?“

Fräulein Karzinger hätte statt „katholisch“ genausogut fragen können: „kaschubisch“, „kaukasisch“ oder „karaukanisch“. Katholien lag so weit weg wie die Mongolei oder Feuerland mit den Mapucheindianern. So weit war Hänschen noch nicht in der Welt herumgekommen.

Da aber alle anderen so viel gescheiter waren als ich und so gut Bescheid wußten, wollte auch ich nicht nachstehen. Ich meldete mich freiwillig und gehörte von Stund an zur Mehrheit. Insgeheim aber hatte ich den Verdacht, einen Fehler begangen zu haben.

Zu Hause frage ich als erstes: „Bin ich katholisch?“ „Ja“, lautete die Antwort. „Warum willst du das wissen?“

Ich schilderte meinen Zweifel. Daraufhin erfolgte meine erste und einzige Aufklärung: Die Welt bestand aus zwei Hälften. Die eine Hälfte war katholisch, die andere evangelisch. Meine Mutter war evangelisch. Mein Vater katholisch. Folglich war ich ein Heide. Das Kind eines Konkubinats. Katholisch getauft. In Flintsbach. In einer Nottaufe. Im September 1939. Vier Wochen nach Kriegsbeginn. Sogar ein Taufschein wurde gefunden.

Regensburg ist die halbe Welt. Regensburg ist katholisch.

Es gab auch ein paar Evangelische. Das waren für katholische Kinder die Heiden. Heiden kommen nicht in den Himmel. Sie kommen nur in das Fegefeuer oder in die Vorhölle. Wenn sie getauft und reuig sind. Der Himmel ist allein für die Katholischen bestimmt. Die Hölle für die Heiden. Wenn sie in der Vorhölle gereinigt wurden, dürfen sie vom Fegefeuer aus in den Himmel hineinschauen. Im Fegefeuer ist es heiß, fast so heiß wie in der Hölle.

Die Aufklärung war ernüchternd. Sie kostete mich meine letzte Liebe. Die Gottesliebe. Die Tantenliebe war dafür kein Ersatz. So kam es, daß ich zwar ein numerierter und registrierter Taufscheinkatholik wurde, im Herzen aber ungläubig blieb in einem zweifelndem Staunen, daß der Himmel schon vergeben, eingeteilt und besetzt sei.

Unter meinen Mitschülern war ich ein Fremder. Ich sprach eine andere Sprache. Ich kam aus einem anderen Land. Das andere Land war das Dorf am Inn gewesen, zuvor eine Holzhütte auf dem Kranzberg in Mittenwald, das Austragshäusl der OstlerAlm, wo wir mit dem alten Einsiedel Atzendorfer und seiner Geiß einige Jahre einsam in den Bergen gelebt hatten.

Die Flüche der Rotz-, Laus- und Grindbuben aus der Lederergasse beherrschte ich nicht, kein einziges Wort. Von einer Horde wurde ich eingekreist auf dem Platz vor der Schule gegenüber der schattenmächtigen Kirche. Drohend zog sich das Rudel um mich zusammen. Enger und enger schloß sich der Kreis. Erste Übergriffe wurden probiert. Einer riß mich an der Wolljacke. Ein anderer spuckte. Ein dritter warf einen Stein. Nur ein einziger versuchte, mich zu verteidigen: der schmächtige Nachbarsjunge Helmut Heimmerl. Die Lage war ernst. Das Herzt klumpte sich eiskalt in meiner kleinen Brust zusammen. Worte flogen herüber, wüste Beschimpfungen und Gelächter. Derbe Umgangssprache. Dialekt. Ich verstand nichts.

Da hatte ich eine göttliche Eingebung, göttlich in der Vorhölle, eingekesselt von den kleinen katholischen Wölfen. Ich entdeckte die Wucht der Beschleunigung und der Zentrifugalkraft. Riß meinen Ranzen vom Rücken und ließ ihn kreisen wie David die Schleuder. Den Riemen ließ ich locker und lang. Der Ranzen krachte dem ersten an den Kopf, grub sich dem zweiten in den Magen, traf den dritten am Schienbein. Schnell zog ich das Schwunggewicht wieder hoch und drehte mich mit der Schleuder im Kreis, schneller und schneller. Da stoben die Fratzen auseinander und heulten. Ein Dutzend Buben hatte ich mit einem Mal in die Flucht geschlagen und vertrieben. Ich fühlte mich wie ein Gigant. Der Heimmerl Helmut, mein gleichaltriger Nachbar, sprach mir seine Bewunderung aus. Stolz stapften wir in das Schulhaus.

Die Schulspeisung wurde eingeführt. In der Pause gab es eine Art süßlich schmeckenden Milchbrei. Ein Geschenk der Amerikaner. Himmlisches Manna. Wir stellten uns auf dem geschotterten Hof in langen Reihen an. Jeder bekam seinen Schlag in den Blechnapf. Wenn man Glück hatte und sich geschickt ein zweites Mal in die Reihe mogelte, ohne daß es den Aufpassern auffiel, konnte es sein, daß man eine Zusatzration ergatterte. Manchmal wurde auch einfach ein Auge zugedrückt. Kräftige Frauen standen hinter dampfenden Kesseln: altgermanische Kraut-Karyatiden. Ihre Sprache war rauh, ihre Armbewegungen derb, kernig und ausdauernd. Die Karyatiden standen fest wie Säulen, unerschütterbar. In ihren Augen aber leuchtete eine arbeitsmüde, trotzige Freude, daß sie so viele Mäuler stopfen konnten. Nach der Speisung mit dem Manna aus dem Himmel der Amerikaner tobten wir auf dem Hof und spielten im Rudel Fußball mit einer scheppernden Konservenbüchse. Bälle gab es damals nicht. Der Metzgerssohn brachte einmal eine luftgefüllte Saublase mit, eine „Saubladan“ oder „Blunzn“.

Im Kindermund kursierte der Witz: „Stopf mich! Besser, was Warmes im Bau als hungern.“

Was daran witzig war, konnte mir niemand erklären. Eine weitere Aufklärung nach der konfessionellen Unterweisung fand nicht mehr statt. Die Natur würde es schon richten. Die Natur hatte schließlich noch Zeit. Dachte man. Dachten die Eltern, die vor allem mit der Daseinsbewältigung zu tun hatten, täglich.

An heißen Tagen schnitten wir Haselruten oder Holunderstöcke und übten uns im Kinderkrieg. Wild hieben wir aufeinander ein. Wir hatten auch andere Waffen: Zwistel und Steinschleudern. Die Astgabeln, die wir dazu brauchten, hatten wir sorgfältig ausgewählt und kunstvoll zurechtgeschnitzt. Manchmal besaßen wir Pulver. Wenn wir Patronen gefunden und das Pulver vorsichtig ausgeleert hatten. Das gab ein zischendes Feuer, das an einer Zündschnur entlanglief und im Pulverhaufen explodierte. Den Krieg lernten wir schnell. In den Kinderzimmern marschierten Bataillone von Zinnsoldaten, die brüllend aufeinander losgingen und sich niedermetzelten. Mit furchtbaren Wunden blieben sie liegen. Die Bäuche aufgeschlitzt. Die Eingeweide herausgerissen. Zerfleischt und geköpft. Gewalt war ein Kinderspiel. Wir übten es täglich.

Über den Krieg wußten wir alles. Nur, daß der Krieg auf einmal aus und vorbei war, das wußten wir nicht.

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Wir kommen allmählich zum Ende der Reihe „Kriegskinder“ und veröffentlichen heute zwei lyrische Erinnerung von Wolf Peter Schnetz, geboren 1939 in Regensburg, der während seiner Zeit als Kultur- und Schulreferent in Erlangen bereits in den 70er Jahren Kontakte zu sowjetischen Autoren aufnahm und entscheidende Impulse für die Aufnahme der Partnerschaft mit Wladimir gab.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz im August 2018

Peter Pan
Nicht zu Ende gelebt:
Meine Kindheit.
„Peter Pan“. Im Oli am Goli,
Olympia Kino am Goliathhaus
Unter den Schwibbögen.
Dort lernte ich fliegen,
ich schwebte über den Gärten
und wußte nicht,
daß ich träumte.
„Fox Tönende Wochenschau“
lief dem Hauptfilm voraus.
Ich sah die Gehängten
der Prozesse von Nürnberg.
Schwarze Säcke stülpten sich
über ihre Gesichter,
gesichtslose Mörder.
Wie Vogelscheuchen
hingen sie
an blattlosen Bäumen.
Ich aber hatte
die unermeßliche Freiheit,
zu fliegen.
Luftwurzeln
treiben ins Licht,
als wäre es Wasser.
Hand in Hand
gehen die Träume
spazieren, du darfst
sie nicht wecken.
Wenn wir sie rufen,
stürzen sie ab.
Nie zu Ende gelebt
Meine Kindheit:
Auf der Flucht noch bis heute.

Kriegsspiel

Aus Ackerkräutern und Wiesenblumen
trockneten wir eine würzige Mischung,
die wir in Tonpfeifen
rauchten auf der großen Wiese
hinter dem Haus, Blickrichtung Donau.
Der Krieg war vergessen.
In unserer zeitlosen Welt
auf der friedlichen Wiese
war Krieg nur ein Spiel,
das wir Kinder aus den Erzählungen
von Erwachsenen kannten.
Wenn wir kämpften und stritten,
wurde am Ende die Friedenspfeife geraucht,
der Duft aus Nesseln
und Kerbel
stieg in den Kopf.
Wir rühmten die Taten,
die wir einmal vollbringen würden
im Krieg, der ein Spiel ist
in unseren Köpfen.

Nachtrag: Daß der Krieg alles andere als ein Spiel in unseren Köpfen ist, wissen die Kinder von einst längst. Sogar, je nach Lesart, die Vorbereitung oder Abwehr eines Krieges hat etwas Todernstes, wie gestern wieder tragisch bewiesen. Beim unsachgemäßen Entladen seiner Waffe erschoß in der Region Wladimir auf einem Truppenübungsplatz ein Soldat einen Kameraden. Der Krieg ist eben nicht vergessen, wie der Junge im Gedicht meint…

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Heute gibt es drei Geburtstage zu feiern: den elften des Blogs, den 79. von Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Staatlichen Universität Wladimir, und den 80. von Wolf Peter Schnetz, der sich 1981 zusammen mit Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, wie er selbst einmal sagte, in der Verständigung und Aussöhnung mit der Sowjetunion und Rußland „auf dem richtigen Weg“ sah. Als wie richtig sich dieser Weg der Annäherung und des Austausches erweisen sollten, konnten sich damals nicht einmal diese beiden großen Visionäre des deutsch-russischen Dialogs vorstellen. Aber sie machten sich auf diesen Weg, unbeirrt und zielstrebig, ungeachtet aller Hindernisse, nachlesbar hier im Archiv des Blogs: https://is.gd/EPfXgC

Wolf Peter Schnetz

In einem Gespräch mit dem Granden der Städtepartnerschaft, Wiktor Malygin, Germanistikprofessor, Vorsitzender des Freundeskreises Wladimirer Schauspielhaus und Vorstandsmitglied des Erlangen-Hauses, um nur einige Funktionen zu nennen, meinte Wolf Peter Schnetz: „Am Ende blieben vielleicht ein paar Gedichte.“ Auch wenn er durchaus nicht nur nebenher poetisch verdichtete Prosa schreibt, war und bleibt die Lyrik wesentliche Ausdrucksform des promovierten Germanisten aus Regensburg, der im Ruhestand in seine Heimat zurückkehrte und in seiner Zeit als Referent von 1973 bis 2000 das Kulturleben Erlangens prägte wie niemand sonst – mit den internationalen Schriftstellertreffen, dem Poetenfest, dem Comic Salon, dem Figurentheaterfestival…

Manche Menschen schlägt man mit ihren eigenen Worten, einen Lyriker ehrt man am besten mit seinen eigenen Versen, mit Gedichten wie diesem, übertragen von seiner bereits verstorbenen Kollegin aus Wladimir, Julia Alexandrowa:

September

An solchen Tagen saß ich oft / in alten Gärten. Ein leichter Wind. / Septemberlicht. Den Schatten sah ich wandern / unter Apfelbäumen…

В такие дни сидел я часто / в садах старинных. Лёгкий ветер / и свет сентябрский. Я движение теней / под яблонями видел…

Manchmal ein Brief

Manchmal ein Brief. / Federleicht / im sandweißen Umschlag, / leichter / als der luftigste Vogel, / wenige Gramm.

Aufgewogen / gegen / die Schwere der Welt, / ein freundlicher Gruß / aus der Ferne.

Ein Brief / kann Berge versetzen.

Иногда письмо

Иногда письмо. / Лёгкое, как пёрышко, / в белом, как песок конверте, / легче птицы в воздухе, / несколько граммов.

Защита от всех / тягот мира, / дружеский привет / издалека.

Письмо / может сдвигать горы.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz, August 2018

So einen Brief schickte nun auch Wiktor Malygin an die Redaktion des Blogs:
Mein langjähriger, echter Freund, Wolf Peter Schnetz, begeht heute seinen 80. Geburtstag. Wir kennen uns seit längerer Zeit. In meinem Gedächtnis bleibt er auf immer als ein kluger, eleganter Mann, der nicht nur schön schreiben, sondern auch  ausdrucksvoll und überzeugend reden kann. Seine originellen und poetisch reichen Gedichte zitierte ich mehrmals für meine Studenten, und sie haben immer großen Anklang gefunden.
Lieber Freund! Bleib gesund und munter auf viele Jahre!

Dietmar Hahlweg und Wolf Peter Schnetz, 1981 in Moskau

Wer mehr über diesen vorausblickenden Wegbereiter der Partnerschaft und sein fortlebendes Werk der Volksdiplomatie erfahren möchte, gebe in der Suchfunktion des Blogs das Stichwort „Wolf Peter Schnetz“ ein, wer seine lyrische Welt entdecken möchte, greife am besten zur Anthologie „Täglich ein Wunder. Gedichte aus 40 Jahren.“
P.S.: Heute feiert noch jemand Geburtstag, eine Mitarbeiterin der Volkshochschule, die eher im Hintergrund der Partnerschaft mit Wladimir Gestalt gibt: Edith Kaluza, deren Portrait demnächst in Ihrem Blog folgt.

 

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Am Montagmorgen verstarb die 1934 in Orjol geborene Lyrikerin Julia Alexandrowa, die 1957 nach ihrem Chemiestudium in Moskau nach Wladimir zog, um hier am Forschungsinstitut für synthetische Harze zu arbeiten. 1969 promovierte die Chemikerin und verfaßte mehr als 70 wissenschaftliche Arbeiten zu polymeren Materialien. Ihr eigentlicher Stoff aber war das gebundene Wort, der Wohlklang, die Welt der Dichtung. Wer sie bei Lesungen ihrer eigenen Werke oder im Gespräch erlebte, konnte spüren, wie fein ihr Sinn für die Harmonie der Sprache entwickelt, wie untrüglich ihr Gespür für die Zwischentöne ausgeprägt war. Julia Alexandrowa konnte ihre eigene Lyrik, geschult an der russischen Klassik, über Stunden rezitieren und dabei immer wieder auch die Verse ihrer großen Vorbilder von Alexander Puschkin über Boris Pasternak bis zu Marina Zwetajewa oder Anna Achmatowa auswendig einstreuen, die den Blick weiteten und das Ohr schärften.

Julia Alexandrowa mit Igor Schamow, Eduard Sirko und Jelene Tschilimowa, Dezember 2016 im Erlangen-Haus

Ungeachtet ihrer nachlassenden Sehkraft beschäftigte sich die Dichterin bis zuletzt immer wieder gerne auch mit deutschsprachiger Lyrik, die sie mit erstaunlicher Genauigkeit zu übersetzen verstand. Eine wahre Freude war es, mit ihr darüber zu streiten, welche Übertragung des einen oder anderen Begriffs denn nun tatsächlich die treffendste sei, welches Wort den Sinn am besten wiedergebe. Wie gut sie ihr Handwerk verstand, bewies sie denn auch mit der Anthologie „Stimmen Frankens“ und dem Werk „Sommer in Winterstein“, ganz der Lyrik von Wolf Peter Schnetz gewidmet. Ihre letzte große Zusammenarbeit mit Erlangen bestand darin, die russische Fassung des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu lektorieren. Es heißt, Autoren leben in ihren Werken weiter. Wohl richtig. Aber wie schmerzlich ihre vertraute Stimme nun doch allen fehlt, die ihr verbunden! Es bleibt nur, ihr zu danken für die Schönheit ihrer Seele – am besten mit einem ihr gewidmeten Gedicht.

 

Julias Kleid

 

Du trugst ein feiner Worte Kleid,

in langen Nächten hell gewoben,

bestickt mit jenem frohen Leid,

das keine Grenze kennt nach oben.

 

Wie schön du warst in diesem Kleid,

mit lichten Liedern frisch gewaschen,

die klangen wie aus ferner Zeit,

verglommen in der Glut der Aschen.

 

Du schlüpftest nun aus diesem Kleid,

um es für uns zurückzulassen,

zu eng uns allen und zu weit –

wie du, für andre nicht zu fassen.

 

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Da trafen sich gestern in Regensburg zwei große Gestalter der Städtepartnerschaft: Wolf Peter Schnetz, der als Autor und Kulturreferent schon in den 70er Jahren Kontakte zu sowjetischen Schriftstellern aufgenommen und den Kontakten zwischen Erlangen und Wladimir entscheidende Impulse gegeben hatte, und Wiktor Malygin, seinerzeit als stellvertretender Leiter des Pädagogischen Instituts Initiator des bis heute andauernden Austausches mit dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde und bis heute Mitglied im Vorstand der Stiftung „Erlangen-Haus“.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz

Nun also das Wiedersehen, um, wie der Gast aus Wladimir ankündigte, über die Situation von „Lyrik auf der Welt“ zu sprechen. Ein großes Thema, zu groß für die kurze Begegnung. Die Freunde tauschten dann doch lieber Erinnerungen aus. Wie kam die Städtepartnerschaft zustande? Was hat sich seitdem verändert? Was macht dieser und was jene? Und wie geht es Deiner Familie, wollte Wolf Peter Schnetz vom Besucher wissen. Er lebe gern den Sommer über auf seiner Datscha, umgeben von alten Bäumen, Blumenbeeten und Johannisbeersträuchern, wo er häufig von seinen drei Kindern und fünf Enkeln besucht werde, erzählte er. Wenn er sich nicht seiner Familie oder seinen Studenten widme, sei er viel auf Reisen oder er schreibe: wissenschaftliche Erörterungen, Essays, Theaterkritiken und Lyrik. „Der Dichter schafft, schreibt, liebt, träumt“, sagt Wiktor Malygin und fragt sich manchmal: „Was bleibt, was nimmt er mit?“ Ein paar Gedichte werden vielleicht bleiben, meint Wolf Peter Schnetz, Menschen, die Lyrik lieben, wird es immer geben.

Regine Arends

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Am 1. Februar 1983 hielt Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, in München eine Festansprache zum zehnjährigen Bestehen der „Bayerischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion“ (heute „Bayerische Ostgesellschaft“), der ein entscheidender Anteil an der Anbahnung der Partnerschaft mit Wladimir zukommen sollte. Diese Grundsatzrede, verfaßt von dem nach Weihnachten verstorbenen Rudolf Schwarzenbach ziemlich genau vor 34 Jahren, thematisiert die Hoffnungen und Enttäuschungen jener Phase der Ostpolitik und liest sich – unter Umstellung einiger Vorzeichen – heute so aktuell wie damals. So wie man sich über vieles freuen darf, was in der Zwischenzeit in der Partnerschaft mit Wladimir erreicht wurde, so ernüchternd ist die Erkenntnis, in wie vielen zwischenstaatlichen Bereichen schon wieder ein Neustart notwendig wird. Rudolf Schwarzenbach, der bereits in den 70er Jahren als Historiker am Institut für Gesellschaft und Wissenschaft, aber auch auf Delegationsreisen mit Wolf Peter Schnetz und anderen Mitstreitern für die Verständigung in die DDR und in die Volksrepublik Polen reiste, hinterließ mit dieser Schrift ein Vermächtnis, das wohl nie abgeschlossen sein wird, sondern auch in Zukunft der sorgfältigen Pflege bedarf.

Rudolf Schwarzenbach, Wladimir 1992, Aufnahme: Sergej Skuratow

Rudolf Schwarzenbach, Wladimir 1992, Aufnahme: Sergej Skuratow

Den Beitrag, um den ich gebeten worden bin, stelle ich unter das Thema „Gedanken zu den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion unter besonderer Würdigung der kulturellen Aspekte“.

Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion, wie die Ost-West-Beziehungen überhaupt, müssen heute wohl vor allem im Zusammenhang mit folgenden zwei Erkenntnissen gesehen werden:

  1. Die existentielle Herausforderung unserer Zeit ist die Frage, wie Krieg verhindert und wie der Frieden gesichert werden kann. Antworten auf diese Herausforderung, die durch den Primat der Militär- und Rüstungspolitik geprägt sind, mögen zwar gewaltsame Auseinandersetzungen in Europa verhindert haben. Sie haben aber nicht den Frieden für die Zukunft gesichert. Wer dauerhaften Frieden schaffen will, kann sich nicht allein auf Abschreckungsstrategien und die Anhäufung von overkill-Kapazitäten verlassen. Vielmehr sind politische Konzepte notwendig, die auf Verständigung und Vertrauen, auf Interessenausgleich und gewaltfreie Konfliktregelung gerichtet sind.
  2. Die Krise, in der sich die menschliche Gesellschaft heute befindet, hat viele, teilweise zusammenhängende Ursachen: Die Konfrontation unterschiedlicher Wert- und politischer Systeme; das Wettrüsten; die immer drängender werdenden globalen Probleme wie Ernährungs-, Umwelt, Rohstoff- und Gesundheitsfragen; die demokratischen und sozialen Defizite in den Gesellschaftssystemen.

Manche Wissenschaftler behaupten, die Menschheit befinde sich in einem Übergangszustand; alte Gleichgewichte seien zerstört, ohne daß sich bis jetzt ein neuer, durch Wissenschaft, Technik und kulturellen Bewußtseinswandel veränderten Bedingungen angepaßter Gleichgewichtszustand eingestellt habe. Wenn auf diesem Weg keine Katastrophen liegen sollen, müssen die zu lösenden Probleme systematisch und mit dem Willen zu internationaler und interkultureller Zusammenarbeit angegangen werden.

Beide Erkenntnisse münden also letztlich in die These: Es gibt keine ethisch verantwortbare Alternative zu der von Verständigung und Vertrauen getragenen, auf Interessenausgleich und gewaltfreie Konfliktregelung gerichteten, internationalen Kooperation. Sie schließt selbstverständlich die besonders wichtige Zusammenarbeit zwischen den Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen ein.

Diese Kooperation war und ist das erklärte Ziel von Gipfelgesprächen und diplomatischen Bemühungen auf vielerlei Gebieten. Konkret und praktisch wirksam ist sie jedoch nur und erst, wenn die gesellschaftlichen Gruppen unterhalb der staatlich-diplomatischen Ebene mit in diesen Prozeß einbezogen werden. Auf der Tagung der Evangelischen Akademie Loccum im September 1980, die das Thema hatte „Entspannungspolitik als Gesellschaftsaufgabe – Kontakte von Städten und kommunalen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland mit Osteuropa“, formulierte dies der damalige Erste Sekretär der Sowjetischen Botschaft in Bonn, Prof. Dr. Sassuchin, treffend formuliert: „In der Vielfalt der menschlichen Kontakte liegt das Unterpfand für das Fortbestehen der Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Verständigung.“ Das gilt natürlich auch für den Aufbau von Verständigung und Vertrauen, wo immer es dran noch fehlt.

Für die Entwicklung und den Ausbau solcher Basiskontakte bietet die Schlußakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zumindest gute Ansatzpunkte und Orientierungshilfen. Wenn es gelänge, diese 1975 in Helsinki von 35 Staaten unterzeichnete Dokument mit Leben zu erfüllen oder – wie es Leonid Breschnew genannt hat – zu „materialisieren“, könnten große Fortschritte in der internationalen und intersystemaren Kooperation gemacht werden.

So haben die Teilnehmerstaaten unter anderem ihr Ziel bekräftigt, bessere Beziehungen untereinander zu fördern und Bedingungen zu gewährleisten, unter denen die Völker in echtem und dauerhaftem Frieden, frei von jeglicher Bedrohung und Beeinträchtigung ihrer Sicherheit leben können. Sie setzen sich auch zum Ziel – ich darf kurz zitieren – „freiere Bewegung und Kontakte, sei es auf privater, auf individueller und kollektiver oder offizieller Grundlage zwischen Personen, Institutionen oder Organisationen zu erleichtern und zur Lösung der humanitären Probleme beizutragen.“

Als besonders akutes Beispiel darf ich noch den Umweltbereich anführen, wo wahrlich kein Mangel an Kooperationsnotwendigkeit und Kooperationsmöglichkeit herrscht: von den giftigen Rauchgasen in der Luft über die Verschmutzung der Flüsse und Meere bis zum Naturschutz.

Sowohl in diesem Bereich, als auch in den anderen Bereichen der Zusammenarbeit – Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Touristik, Information – sind Fortschritte festzustellen, wenn sie auch in den einzelnen Bereichen noch recht unterschiedlich ausfallen, manchmal als Folge von politisch initiierten Abgrenzungsmaßnahmen.

Es könnten jetzt zahlreiche Beispiele über die positiven Ergebnisse der wissenschaftlich-technischen Kooperation zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland genannt werden, über die Entwicklung des Handels und der industriellen Kooperation, über die Zusammenarbeit in Energiefragen bis hin zu Beispielen aus dem humanitären Bereich der KSZE-Schlußakte. Von besonderer Bedeutung ist sicherlich der in der Schlußakte von Helsinki ebenfalls angesprochene Kulturaustausch.

Dort werden als gemeinsame Ziele unter anderem formuliert: die gegenseitige Information im Hinblick auf eine bessere Kenntnis der jeweiligen kulturellen Leistungen zu entwickeln; Kontakte und Zusammenarbeit zwischen Personen zu entwickeln, die eine kulturelle Tätigkeit ausüben; neue Bereiche und Formen der kulturellen Zusammenarbeit zu suchen.

Freilich sind mit dem Bekenntnis zu so formulierten gemeinsamen Zielen noch nicht alle  grundsätzlichen Hemmnisse aus dem Weg geräumt. So muß man zur Kenntnis nehmen, daß sich auch im Kulturaustausch zwischen gegensätzlichen Gesellschaftssystemen die unterschiedlichen Selbstverständnisse auswirken. Es sei hier nur an den Streit über die These von der Freizügigkeit für Menschen, Ideen und Informationen erinnert, der immer wieder insbesondere während der KSZE-Diskussionen auftrat.

Im Westen wird der Kulturaustausch als eine Aufgabe der Gesellschaft angesehen, bei der der Staat mehr eine nachrangige Rolle spielt; es besteht eine weitgehende Offenheit über die zum Austausch geeigneten Kulturleistungen. In der sozialistischen Theorie und Praxis werden kulturelle Beziehungen zwischen gegensätzlichen Systemen sowohl unter dem Aspekt der Zusammenarbeit als auch unter dem Aspekt der ideologischen Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen gesehen. In diese „Dialektik von Kampf und Zusammenarbeit“, wie die kommunistische Theorie dieses Spannungsverhältnis bezeichnet, ist auch die von den sozialistischen Staaten betonte Weltoffenheit für kulturelle Leistungen eingebunden. Sicherlich können wir zustimmen, wenn in dortigen Veröffentlichungen gesagt wird, daß es für wissenschaftliche Erkenntnisse und Meisterwerke der Kunst keine Staatsgrenzen gibt.

Andererseits müssen wir die Einschränkung zur Kenntnis nehmen, daß diese Weltoffenheit nicht gleichbedeutend mit konfliktloser Öffnung für bürgerliche Ideologie und Kultur ist. Vielmehr sei die klassenmäßige Auswahl notwendig, ob diese Kulturangebote der Entwicklung sozialistischer Menschen dienten. Hier zeigt sich deutlich, daß wir uns noch nicht über die These einig sind, daß Sicherheit nicht durch das Aufstellen von Zäunen erreicht wird, sondern durch das Öffnen von Toren.

Ich will solche Positionen des ideologischen Überbaus freilich wiederum auch nicht überbewerten, denn es gibt viele Beispiele für erstaunliche Öffnungen gegenüber westlichem Kulturgut. Und zwar nicht nur aus der Zeit der Entspannungspolitik und nach Helsinki, sondern auch aus früheren Jahrzehnten, nämlich zwischen dem Deutschland der Weimarer Republik und der noch jungen, aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen Sowjetunion. Beim Beginn der sowjetischen auswärtigen Kulturpolitik ab 1921 fällt zweierlei auf: Das erste Land, mit der neue Sowjetstaat Kontakte suchte, war Deutschland; der erste Bereich der Beziehungen war Wissenschaft und Kultur. Im Juni 1923 – also vor nicht ganz genau 60 Jahren – wurde in Berlin die „Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands in Deutschland“ gegründet. Zu den ursprünglich 400 Mitgliedern zählten Namen wie Alfred Döblin, Albert Einstein, Samuel Fischer, Leopold Jessner, Paul Löbe, Thomas Mann, Ernst Rohwolt, Max von Schillings und Franz Werfel. Auch im Bereich der Wissenschaften entwickelte sich rege und intensive Kontakte.

Der weitere Gang der Geschichte, das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland, und die innenpolitische Entwicklung in der Sowjetunion, vor allem aber dann der Zweite Weltkrieg, bereiteten diesen erfreulichen Ansätzen ein Ende. Nach dem furchtbaren Krieg, dem allein in der Sowjetunion über 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen, verwundert es nicht, daß es einige Jahre dauerte, bis es zu kulturellen Kontakten zwischen der neu gegründeten Bundesrepublik und der Sowjetunion kam. David Ojstrachs Konzert 1954 in Hamburg war der neue Anfang.

1959 wurde das erste zweijährige Kulturabkommen abgeschlossen, dessen Verlängerung aber an der Berlin-Frage scheiterte. Erst in den 70er Jahren nach dem Moskauer und Berliner Vertrag kam 1973, anläßlich des Besuchs Breschnews in der Bundesrepublik, ein neues Kulturabkommen zustande. Darin verpflichten sich die Vertragspartner, Austausch und Zusammenarbeit auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens und der Gegenseitigkeit zu fördern und zu entwickeln.

Die Arbeit der bereits kurz davor gegründeten Bayerischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion e.V. legt Zeugnis dafür ab, wie gut es gelungen ist, dieses Abkommen mit Leben zu erfüllen. Die Vielfalt, Fülle und Qualität der schon in den ersten zehn Jahren genutzten Möglichkeiten und hergestellten Kontakte – die Jubiläumsschrift enthält eine anschauliche Übersicht darüber – ist beeindruckend und ermutigt zugleich.

Sie werden es mir nachsehen, wenn ich als Erlanger Oberbürgermeister auf die besonders engagierte Begegnungsreihe mit Schriftstellern aus der UdSSR zum Thema „Krieg und Frieden in der Literatur“ hinweise, die im Oktober / November 1981 in Erlangen und München stattgefunden hat.

Große Bedeutung für die Gestaltung kultureller Beziehungen haben die Städtepartnerschaften, deren Förderung ja ebenfalls zu den Zielen der Gesellschaft gehört. Beziehungen zwischen Städten und ihren Bürgern können, wie vor allem das Beispiel Bundesrepublik – Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt hat, ganz Wesentliches zur Verständigung der Völker beitragen. An der heute festzustellenden tiefgreifenden Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen haben diese Städtepartnerschaften einen hohen Anteil. Dadurch wurde ein dichtes Netz von kulturellen und menschlichen Kontakten geknüpft, dessen Bedeutung für Frieden und Verständigung wohl kaum überschätzt werden kann.

Im Vergleich hierzu sind Partnerschaften mit sowjetischen Städten bisher eher die Ausnahme. Es bestehen solche unter anderem zwischen Dortmund und Rostow am Don (seit 1975), Saarbrücken und Tiflis (seit 1975), Hamburg und Leningrad (seit 1972), Kiel und Tallin (seit 1972).

Dietmar Hahlweg mit Inge Obermayer und Wolf Peter Schnetz in Moskau, 1981

Dietmar Hahlweg mit Inge Obermayer und Wolf Peter Schnetz in Moskau, 1981

In Bayern fehlt es bisher meines Wissens an Partnerschaftskontakten zu sowjetischen Städten. Bei meinem Besuch in der Sowjetunion im Juli 1981 habe ich gegenüber den sowjetischen Gesprächspartnern wiederholt auf die außerordentlich guten Erfahrungen mit Städtepartnerschaften bei der Aussöhnung mit Frankreich hingewiesen und gefragt, ob man diese guten Erfahrungen für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland einsetzen könnte. Inzwischen liegt der Stadt Erlangen ein offizielles Angebot der Stadt Wladimir vor. Der Erlanger Stadtrat wird sich in Kürze damit befassen. Ich hoffe sehr, daß er die ausgestreckte Hand ergreifen wird.

Bei all diesen erfreulichen Ansätzen kann jedoch nicht geleugnet werden, daß die in den frühen 70er Jahren sehr erfolgreich vorangebrachte Entspannungspolitik Anfang der 80er Jahre in die Krise geraten ist. Es ist offensichtlich illusionär zu glauben, daß der Entspannungsprozeß konfliktfrei und ohne Rückschläge verlaufen kann. dafür sind die Gesellschaftssysteme und ihre Interessen zu unterschiedlich.

Die Enttäuschung – und sie ist gegenseitig -, daß manche hochgespannten Erwartungen nicht erfüllt wurden, darf nun aber nicht dazu führen, daß der Dialog nachläßt oder gar abreißt. In diesem Dialog kann und muß auch über Trennendes gesprochen werden. Wie sonst soll das Freund-Feind-Verhältnis zwischen den Völkern abgebaut werden? Wie sonst die Gräben überbrückt werden, die Kriege und Haß zwischen den Menschen aufgerissen haben?

Gerade wir Deutschen müssen wegen unserer besonderen politischen und geographischen Lage an einer Naht- oder Bruchstelle des Systemkonflikts ein starkes Interesse daran haben, daß die Konflikte auf der Ebene der Supermächte nicht die Sicherungen in Europa durchschlagen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es deshalb wichtig, wie es auch Staatsminister Anton Jaumann in seinem Grußwort in der Jubiläumsschrift gesagt hat, „Kontakte nicht abreißen zu lassen und neue Verbindungen zu schaffen.“

Mit dem Dank und dem Respekt für das, was die Gesellschaft in den zehn Jahren unter Stabsführung von Erwin Eßl geleistet hat, verbinden wir deshalb den Wunsch, daß sich verstärkt Bürgerinnen und Bürger unseres Landes dieser wichtigsten Aufgabe des zu Ende gehenden Jahrhunderts bewußt werden und mitarbeiten.

Jeder einzelne muß seinen Beitrag leisten, daß wir auch der grotesken Situation herauskommen, die darin besteht, daß die beiden Weltblöcke, jeder in Sorge und aus Mißtrauen gegenüber dem anderen, weiter rüsten und damit die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung mit unermeßlichen Folgen ständig wächst.

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Der am Dienstag so jäh verstorbene Gerd Lohwasser stand in den frühen 80er Jahren einer Städtepartnerschaft mit Wladimir noch ausgesprochen kritisch gegenüber. Die einfachen Menschen werden, so sein Tenor, ohnehin nichts von den Beziehungen haben, und für einen reinen Austausch von Höflichkeiten unter Funktionären könne er nicht stimmen. Zudem führte er mit Verweis auf das Gefängnis, in dem prominente Dissidenten festgehalten wurden, die kritische Menschenrechtslage ins Feld und bezweifelte in Zeiten des Kalten Krieges grundsätzlich die „außenpolitischen“ Möglichkeiten von Kommunen aus entgegengesetzten weltanschaulichen Systemen, in Richtung Entspannung und Verständigung zu wirken.

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Doch als es 1987 im Stadtrat zum Schwur kam und seine Fraktion der CSU aufgefordert war, dem Antrag der SPD zu folgen, hatte Gerd Lohwasser seine Partei längst auf ein Pro eingestimmt und zeigte damit seine vielleicht herausragendste Gabe: die eigene Position nie an ideologischen Standpunkten festzumachen, sondern stets mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten abzugleichen.

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

In den fünf „Probejahren“ der Partnerschaft seit 1983 hatte sich der gelernte Pädagoge davon überzeugen lassen: Wladimir paßt zu Erlangen, und die Menschen hier wie dort wollen ein Miteinander. Wie sollte er sich dem entgegenstellen!

Gerd Lohwasser bei der Feuerwehr in Wladimir

Gerd Lohwasser mit Melitta Schön, Nadja Steger, Brüne Soltau und Helmut Schmitt bei der Feuerwehr in Wladimir

Zumal er, der bereits im Oktober 1974, wie sich der ehemalige Leiter des Bürgermeister- und Presseamts, Helmut Schmitt, erinnert, beim zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum in Rennes das „Feuer der internationalen Kontakte für seine späteren Aktivitäten auf Stadt- und Bezirksebene entdeckte“; er, der Mitte der 80er Jahre mit Stadtratskollegen wie Wolf Peter Schnetz und Claus Uhl in Polen nach einer Partnerstadt suchte und später als Bezirkstagspräsident maßgeblich zum Zustandekommen der Beziehungen zwischen Mittelfranken und Pommern beitrug, von all den anderen Freundschaftskontakten zu Jena, Stoke-on-Trent, Umhausen, Cumiana oder Gabarone sowie zu den Vertriebenen aus Brüx und Komotau ganz zu schweigen. Und das als jemand, der, 1941 in Karlsbad geboren, die Vertreibung am eigenen Leib hatte erleben müssen!

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

1994 reiste Gerd Lohwasser als Präsident der Bezirkstags von Mittelfranken mit Regierungspräsident Heinrich von Mosch nach Wladimir, und der konservative Besucher verstand sich auf Anhieb mit dem kommunistischen Gastgeber und Kollegen, Nikolaj Winogradow, dem späteren Gouverneur und damaligen Vorsitzenden der Regionalduma. In Statur und als Frohnatur waren sich die beiden auf ganz sympathische Weise ähnlich, vor allem aber in einem: im überparteiischen Pragmatismus, gepaart mit unbedingter Verläßlichkeit. Die beiden hätten sich Ende nächster Woche gern wiedergesehen. Doch nun bleibt nur die Erinnerung.

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser beließ es nicht bei diesem Besuch. 2003 nahm er am Stadtfest in Wladimir teil und attestierte den Freunden, sie verstünden sich mindestens ebensogut wie die Erlanger auf das Feiern. 2006 dann die von Thomas Rex in der Partnerstadt gedrehte Reportage „Spasibo Erlangen“ mit dem Bürgermeister als Mitwirkenden, und 2010 seine letzte Reise an den Goldenen Ring, als er die Erlanger Lokalpolitik bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an seinen Mitarbeiter, Peter Steger, vertrat. Immer vertraut, immer gern gesehen, immer ein umsichtiger Gesprächspartner.

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Dabei zeigte er sich stets besonders verbunden – sicher professionell bedingt – mit dem Schüleraustausch, dem Sport, der Feuerwehr sowie den medizinischen Kontakten. Einzigartig seine Freundschaft mit Jewgenij Jaskin, dem ärztlichen Direktor des Notfallkrankenhauses, aber auch seine Unterstützung für die vom Bayerischen Roten Kreuz Erlangen – Höchstadt getragene Aktion „Hilfe für Wladimir“ und die Aktivitäten des „Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir“.

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Stadtrat Robert Thaler hat sich an den Kollegen einmal dank einem genialen Freud’schen Versprecher bei einer Laudatio als „Gott Lohwasser“ gewandt. Der eilig erfolgten Korrektur hätte es nicht bedurft. Niemand im Publikum hätte bei dem tosenden Gelächter widersprochen. Das politische Multitalent hatte nämlich tatsächlich etwas von Jupiter, von einem Göttervater, an sich, ohne dabei je herablassend jovial zu wirken.

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Gewiß, er hatte auch menschliche Züge: Er konnte längst nicht alle Wünsche erfüllen.Aber er hörte sich alle Wünsche an und vermittelte dem Gegenüber das Gefühl, sich ihrer nach Kräften anzunehmen. Wenn freilich etwas jenseits seiner Möglichkeiten lag, räumte er das so offen ein, daß ihm niemand gram sein konnte. Im Gegenteil. Auch derartige Begegnungen mit ihm endeten zumeist mit einem versöhnlichen Scherz, mündeten  in ein oft nachgerade homerisches – oder besser lowasserisches – Gelächter.

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stolz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stoltz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

„Wo er war, war das Lachen“, erinnert sich Oberbürgermeister Florian Janik. Fjodor Dostojewskij hat einmal geschrieben: „Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen und etwas über sein innerstes Wesen in Erfahrung bringen willst, so mache dir nicht erst die Mühe zu analysieren, wie er spricht, schweigt, weint oder von hehren Gedanken ergriffen wird. Du brauchst ihn bloß beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen, ist er ein guter Mensch.“ Gerd Lohwasser hatte wahrhaftig ein gutes Lachen, ein sehr gutes, das uns allen nun so fehlen wird!

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Am Jahresende stellt sich immer die Frage nach dem Rückblick, nach der Auswertung. Man will wissen, was unter dem Strich bleibt. Nun, im Fall der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir fällt die Bilanz wieder unerwartet erfreulich aus. Ungeachtet der Verwerfungen seitens der „großen Politik“ fanden in den letzten zwölf Monaten erneut mehr als einhundert Austauschmaßnahmen in allen nur denkbaren Bereichen statt, wohlgemerkt allein die aktenkundigen. Ungezählte neue Verbindungen wurden zwischen den Städten geknüpft, bestehende Freundschaften fanden ihre Fortsetzung und Vertiefung. Unmöglich, den Lesern die ganze Statistik der Begegnungen zumuten zu wollen. Selbst die täglichen Meldungen des Blogs schaffen es oft nicht, all die mitunter zeitgleich agierenden Austauschpartner angemessen zu Wort kommen zu lassen. Deshalb auch heute nur der Hinweis auf die exemplarische Freundschaft der Schwimmer, die sich mit der Kappe auf dem Kopf und dem Anstecker am Revers zu ihren besonderen Beziehungen bekennen.

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Beziehungen, die Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg mit beherztem Blick in die Zukunft schon vor mehr als drei Jahrzehnten aufnahm, und für die er im Januar beim Empfang zu seinem 80. Geburtstag in Anwesenheit seiner drei Kollegen aus Wladimir – Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow – von Vizekonsul Andrej Isjurow mit dem Abzeichen des Außenministeriums der Russischen Föderation geehrt wurde. Beziehungen, die auch in den vier Büchern ihren Ausdruck finden, allesamt in diesem Jahr und ganz im Geist von Dietmar Hahlweg erschienen.

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Im Band zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses, mit dessen Errichtung Dietmar Hahlweg der Bürgerpartnerschaft ein Dach geschenkt hat; in der Monographie des wissenschaftlichen Trios Wiktor Malygin, Natalia Judina und Klaus Steinke zum „russisch-deutschen sprachlichen Dialog“, dem Erlangens Altoberbürgermeister sich immer eng verbunden fühlte; in der Anthologie mit „Gedichten aus dem Land der Sonderlinge“, einem zweisprachigen Zeugnis des Literaturaustausches, den Wolf Peter Schnetz, ein politischer Weggefährte des Erlanger Ehrenbürgers bereits in den 70er Jahren aufgenommen hatte; schließlich in der Sammlung von Überlebensberichten aus Kriegsgefangenenlagern in und um Wladimir mit dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, geprägt von jenem Geist der Versöhnung und Verständigung, der von Beginn an das Miteinander der Partnerstädte belebt und bewegt.

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratuliere oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratulieren oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Der Blog erhebt heute, am 81. Geburtstag von Dietmar Hahlweg, das Glas auf jenen Menschen, ohne den es weder die offizielle Partnerschaft noch all die freundschaftlichen Kontakte zwischen Erlangen und Wladimir gäbe. Mit den dankbaren Glückwünschen an den Jubilar nimmt auch dieses Jahr wieder ein gutes Ende, und das schönste Geschenk für diesen lebensfrohen Menschenfreund ist sicher das Wissen, daß gerade seine beiden in ihrer Anbahnung wohl schwierigsten außenpolitischen Kraftakte – die Verbindungen zu Wladimir und Jena – nun schon seit acht Jahren in einer fruchtbaren trilateralen Zusammenarbeit aufgegangen sind. Es war eben wohlgetan, was Dietmar Hahlweg behutsam begonnen und seine Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis und Florian Janik, umsichtig mit ihrem jeweiligen Gegenpart in Wladimir und Jena fortgesetzt und zur Freundschaft geführt haben. Ach, gäbe es nur mehr davon zwischen Deutschen und Russen. Gerade jetzt. Das bleibt zu wünschen für das Neue Jahr!

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