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Posts Tagged ‘Wladimirer Kunstverein’


Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

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Kirill Wedernikow nutzte den Sommer zur Teilnahme an zwei Festivals für Straßenkunst. Der in Kennerkreisen auch in Erlangen geschätzte Maler aus der Kreisstadt Wjasniki in der Region Wladimir war zunächst nach Nischnij Nowogord eingeladen, wo er sich von der Geschichte der Handelsstadt am Zusammenfluß von Wolga und Oka inspirieren ließ, wo vor der Oktoberrevolution Kaufleute aus dem Orient mit ihren Lieferanten aus Europa zusammentrafen, wo jedes Volk und jede Kultur ihre eigenen Viertel, jede Religion und Konfession ihre eigenen Gotteshäuser hatten.

Das Gemälde schafft einen Archetypus einer Frau des Ostens, die mit alten Gegenständen handelt, mit Krügen und Teekannen, mit einem Bügeleisen. Inmitten dieser Objekte finden sich auch Elemente der europäischen und östlichen Architektur einer Zeit und von Orten, die längst verschwunden sind. Das Wasser mit dem Boot ganz unten verweisen auf die häufigen Überschwemmungen gerade auch der Märkte.

Und dann, erst dieser Tage vollendet, das bisher größte Wandgemälde des Künstlers in Jekaterinburg mit dem Titel „Hephaistos“.

„Eine echte Herausforderung“, schreibt Kirill Wedernikow dazu. „Vieles stand der Arbeit entgegen, aber trotz allem triumphierte der Akt der Schöpfung. Danke an alle, die halfen, das Bild zu schaffen!“

Gestern nun besuchte der Künstler das Erlangen-Haus und gab dort eine schon lange angekündigte Arbeit ab, die er bei nächster Gelegenheit den deutschen Freunden schicken möchte. Eine Abbildung davon gibt es nicht, der Meister will es spannend machen.

Nur der Titel wird vorab verraten „Der Schutzengel“. Wir warten also geduldig auf die sich wohl – aus bekannten Gründen – leider nicht so bald bietende Möglichkeit, das Geschenk nach Erlangen zu bringen, und trösten uns mit dem Spruch, wonach Vorfreude die schönste Freude sei.

Wer den Künstler noch nicht kennt oder sich noch einmal seine Meisterschaft vergegenwärtigen möchte, gebe seinen Namen in die Suchmaske des Blogs ein und genieße diese einzigartig mythisch-archaisch-spirituelle Handschrift.

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Als Jelena Jermakowa 2015 ihren Mann, Jurij Iwatko, nach Erlangen begleitete, tat sie das nicht (nur) als seine Muse, sondern ganz in eigener Sache. Während der Bildhauer nämlich sein „Letztes Opfer“ für die Skulpturenachse in Tennenlohe schuf, füllte sie ganze Mappen mit ihren Skizzen und Graphiken.

Jelena Jermakowa, Tennenlohe, August 2015

Nun schickte die Künstlerin aus Alexandrow, fast zwei Autostunden nordwestlich von Wladimir gelegen, gestern eine Nachricht, die nicht viele Worte macht, es aber in sich hat:

Jelena Jermakowa: Dieter Erhard

Ein Gruß aus Alexandrow von Jelena Jermakowa. Ich habe eine Reihe von graphischen Arbeiten zu meinen Eindrücken von unseren Begegnungen angefertigt. Jurij und ich denken oft an unsere Deutschlandfahrt zurück. Ich möchte meine Arbeiten, den hier gezeichneten Freunden zur Erinnerung an unsere Freundschaft zum Geschenk machen.

In Liebe, Jelena

Jelena Jermakowa: Russana Hillmann

Da bekommt an eine Ahnung davon, was diese deutsch-russische Städtepartnerschaft im Innersten zusammenhält.

Jelena Jermakowa: Reiner F. Schulz

Zu der Meisterschaft der Künstlerin braucht wohl nichts weiter gesagt zu werden, ihr Können spricht für sich und sie.

Jelena Jermakowa: Peter Steger

Nur kurz zu den dargestellten Personen: Dieter Erhard, selbst Künstler und immer wieder Gast in Wladimir und anderen Partnerstädten, organisierte freundschaftlich das Symposium in Tennenlohe; Russana Hillmann begleitete das Ehepaar freundschaftlich nach Rothenburg o.d.T.; Reiner F. Schulz, wie Dieter Erhard in Wladimir nicht unbekannt, brachte die beiden freundschaftlich mit weiteren Mitgliedern des Erlanger Kunstvereins zusammen; der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, durfte das Projekt freundschaftlich begleiten. So schön kann die deutsch-russische Volksdiplomatie sein.

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Es sei nicht die Aufgabe der Kunst, die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken, formulierte einmal Honoré de Balzac ein Bonmot, das wie auf das Schaffen von Georgij Parfjonow gezielt scheint. Der russisch-orthodoxe Priester versteht es nämlich meisterhaft, was er sieht formvollendet zu gestalten und eine Stimmung zu schaffen, die er seinen Sujets – man weiß nicht recht – einhaucht oder abschaut.

Georgij Parfjonow

Künstlerisch zu Hause ist der Geistliche aus Wladimir in der Pastellmalerei, die in der Partnerstadt ein wenig im Schatten des Öls und der Graphik steht. Wie feingliedrig und ansprechend seine Arbeiten sind, braucht angesichts der wenigen Beispiele aus einer Herbstserie nicht weiter betont werden.

Geprüft werden soll nun, ob nicht im nächsten Jahr eine Ausstellung des Mitglieds des Künstlerverbands von Rußland in Erlangen möglich wäre. Vielleicht sogar mit einer von Georgij Parfjonow geleiteten Meisterklasse. Denkbar erscheint da viel.

Doch vorerst genüge hier die Betrachtung und der Hinweis auf eines der schönsten Gedichte von Alexander Puschkin, in dem er den Herbst als trostlos-trübsinnige Zeit beschreibt, um ihn im gleichen Atemzug für seine „Bezauberung der Augen“ zu preisen.

Wer mehr von den Arbeiten des malenden Priesters sehen möchte, klicke hier: http://www.facebook.com/ierejgeorgij.parfenov

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Zum siebten Mal in Folge fand im August das Künstlertreffen in Jelisejkowo bei Petuschki statt, wohin alljährlich der Kunstverein der Region Wladimir einlädt. Immer wieder auch Gäste aus Erlangen, heuer, wie bereits berichtet, Dieter Erhard. Nicht von ungefähr finden diese Begegnungen in dem kleinen Dorf statt, gut 70 km südlich von der Partnerstadt gelegen.

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Plakat zum 7. Freiluft-Künstlertreffen zu Ehren von Isaak Lewitan und zum 25. Lewitan-Festival

Hier, genauer im Nachbardorf Gorodok, machte nämlich auch schon Isaak Lewitan im Mai 1891 Station und quartierte sich in der Datscha des Historikers Wassilij Kljutschewskij am Ufer der Pekscha ein.  Im Jahr darauf schuf der Maler hier sein wohl berühmtestes Werk, die „Wladimirka“, zu der dem Künstler die Idee kam, als er nach der Jagd mit Freunden auf die alte Wladimirer Landstraße stieß. Die Chaussee zog sich bis an den Horizont, rechts und links von ihr die weiten Felder und Waldstreifen.

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Skulptur auf dem Gelände des Isaak-Lewitan-Museums

Der Anblick erschütterte den Künstler, denn vor seinem inneren Auge sah er all die unglückseligen Menschen, die auf dem Weg in Fußfesseln via Wladimir bis nach Sibirien in die Verbannung zu laufen hatten. Das Gemälde entstand wie in einem Atemzug und gilt seither als Meilenstein nicht nur in der russischen Kunstwelt, sondern auch in der Geschichte des Landes. Bis heute liest man aus dem Bild den Wunsch heraus, Willkür zu überwinden und Veränderungen hin zu mehr Freiheit zu ermöglichen.

Dieter Erhard und Igor Tschernoglasow

Dieter Erhard und Igor Tschernoglasow

Im Herbst 1982 kam Isaak Lewitan dann selbst schon als Verbannter. Der Ukas des Zaren über die Ausweisung der Juden aus Moskau betraf auch den Künstler, der erst im Dezember des Jahres wieder in die Metropole zurückkehren durfte. Das Exil nutzte er freilich kreativ und schuf in den wenigen Monaten 17 Gemälde, Etüden und Skizzen (z.B. „Am See“, „Weg“, „Mondnacht im Dorf“, „Zug unterwegs“, wo die Landschaft um Gorodok, Jelisejkowo und Kosterjowa Modell stand.

Igor Tschernoglasow und Anatolij Denissow

Igor Tschernoglasow und Anatolij Denissow

Hundert Jahre später entstand dann die Idee, hier ein Museum einzurichten, das an das Schaffen des großen Meisters erinnern sollte. Lokale Künstler und Heimatforscher taten sich zum „Lewitan-Komitee“ zusammen, das sich mit dem Erbe des Malers und der Einrichtung eines Museums beschäftigte. Zunächst stellte man das Popkow-Haus in Gorodok unter Denkmalschutz, wo Isaak Lewitan 1892 gelebt und gearbeitet hatte nach ihm schon eine Straße benannt war. 1990 dann begann man mit dem Bau des Museums.

Isaak Lewitan, Skulptur von Igor Tschernoglasow

Isaak Lewitan, Skulptur von Igor Tschernoglasow

1992 dann feierte man den 100. Jahrestag des Aufenthalts von Isaak Lewitan hier und beschloß, regelmäßig Künstlertreffen abzuhalten, an denen auch Kunstwissenschaftler aus Moskau und anderen russischen Städten teilnahmen.

Künstlerfreunde von Dieter Erhard: Igor Tschernoglasow, Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Künstlerfreunde von Dieter Erhard: Igor Tschernoglasow, Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Leider brannte dieses Gebäude 1999 unter bis heute nicht geklärten Umständen ab. Doch die Lewitan-Freunde beschlossen darauf, ein neues Museum im Nachbardorf Jelisejkowo zu eröffnen, mehr noch: dort auch ein Gästehaus für Künstler einzurichten, wovon der Meister selbst schon geträumt hatte. Hier sollte ein Ort der Begegnung mit der Natur und Kollegen entstehen, ein Ort der Inspiration und des Austausches, wo man die künstlerischen Ergebnisse der Treffen sammeln würde.

Im Künstlerhaus

Im Künstlerhaus

Es fand sich in dem Unternehmer Wladimir Kosjarumow sogar ein Mäzen, der bereit war, das Künstlerzentrum zu finanzieren. Der Verehrer des Werks von Isaak Lewitan hatte schon vorher immer wieder Künstler zu sich nach Jelisejkowo geladen und ihnen Gelegenheit gegeben, einige Zeit in Ruhe zu arbeiten, wozu er eine Volksschule aus dem frühen 20. Jahrhundert restauriert hatte.

Im Künstlerhaus

Im Künstlerhaus

Heute ist hier das Isaak-Lewitan-Museum untergebracht, wo Kopien der Werke zu sehen sind, die der Künstler im Gouvernement Wladimir geschaffen hat. Zum Fundus gehören außerdem einige persönliche Gegenstände und Photographien des Landschaftsmalers. Nebenan liegt das große Holzhaus im russischen Stil, das Wassilij Kosjarumow 2008 erbaut hatte und wo heute Arbeiten von Künstlern aus der Region Wladimir, aus Moskau, Sankt Petersburg, Kaluga, Rjasan, Lipezk und eben auch aus Erlangen zu sehen sind. 2009 besuchten übrigens die Urenkel von Isaak Lewitan den Komplex.

Malstunde im Freien

Malstunde im Freien

Igor Tschernoglasow, Vorsitzender des Kunstvereins der Region Wladimir und in Erlangen-Tennenlohe mit zwei Skulpturen prominent vertreten, schuf für das Museum eigens ein Lewitan-Denkmal.

Dieter Erhard und sein Stein "Run 2016"

Dieter Erhard und sein Stein „Run 2016“

Und nun steht der Stein mit den Kopffüßlern von Dieter Erhard hier und erwartet spätestens im nächsten Sommer die nächsten Gäste aus Erlangen.

Mehr zu der Arbeit von Dieter Erhard unter: https://is.gd/H51PPG – und mehr zu Isaak Lewitans „Wladimirka“ unter: https://is.gd/LxqEdN

 

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Der August war der Monat der Absagen. Rund um Wladimir brannten die Wälder, und in der Partnerstadt selbst herrschte dicke Luft. Erlanger sagten reihenweise ihre Reise ab, Wladimirer konnten mit ihren Freunden zusammen nicht kommen, nicht weil der Graben viel zu tief war, sondern weil das Auswärtige Amt in Sorge um die Gesundheit seiner Mitarbeiter für Wochen die Konsularabteilung schloß und somit keine Visa ausgestellt wurden. Aber es gab auch andere Gründe für Absagen. Natalia Kolpakowa traf so ein unerwarteter Grund. Die Wladimirer Künstlerin sollte eigentlich im Sommer in den Räumen des BRK Erlangen-Höchstadt in der Henri-Dunant-Straße ihre Arbeiten ausstellen. Am 11. Mai ging jedoch über Erlangen ein gewaltiges Gewitter nieder und hinterließ im Rot-Kreuz-Gebäude schlimme Spuren der Verwüstung, nachzulesen und zu sehen unter: http://roteskreuzerh.wordpress.com/2010/05/17/naturgewalt-schont-das-rote-kreuz-nicht.

Schon bald war klar: Die Instandsetzung würde lange dauern, weshalb alle für das laufende Jahr noch vorgesehenen Ausstellungen – auch eine mit Jena – ins sprichwörtliche Wasser fielen, also abgesagt und verschoben werden mußten. Natalia Kolpakowa nutzte nun einen Besuch bei ihren Freunden in Brandenburg, um sich auch in Franken umzusehen – und sich Hals über Kopf in Bamberg und Nürnberg zu verlieben. Bis man sich in Erlangen verliebt hat, das weiß der gelernte Erlanger, braucht es ein wenig mehr Zeit. Einige Ecken hat sie jedenfalls schon in der Hugenottenstadt entdeckt, die es ihr angetan haben. Vereinbart hat Natalia Kolpakowa nun aber mit Sabine Westrich aus dem Chefbüro des BRK, zuständig unter anderem für die Vorbereitung von Ausstellungen und Vernissagen, die für heuer geplante Veranstaltung auf das Frühjahr 2012 zu verlegen. Dann wird genug Zeit für die Künstlerin sein, ihre Leidenschaft auch für Erlangen zu entdecken.

Die 1966 in Iwanowo geborene Graphikerin und Buchillustratorin pendelt zwischen Moskau, Wladimir und ihrer Heimatstadt am Goldenen Ring, wo sie sich überall einen guten Namen gemacht hat und in Museen vertreten ist. Im Spannungsfeld zwischen den alten Meistern Rembrandt, Jan Vermeer und Pieter Bruegel auf der einen und ihren moderneren Vorbildern Aubrey Beardsley und Alfons Mucha auf der anderen Seite hat Natalia Kolpakowa einen Stil gefunden, der sich unübersehbar von der typischen Wladimirer Malschule mit ihren Natur- und Landschaftsmotiven absetzt. Nun hoffen wir, daß sie in spätestens eineinhalb Jahren den Weg wieder nach Erlangen findet und uns ihre voraussichtlich 40 Bilder zeigt, von denen eine kleine Auswahl schon jetzt empfohlen wird unter  http://www.artlib.ru/?id=11&fp=2&uid=1263.

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Herbststimmung, Wladimir Jukin

Die Wladimirer Schule findet offenbar nicht nur Adepten und viele Verehrer, sondern sie lockt auch Fälscher an. Getroffen hat es jetzt Wladimir Jukin, einen der weltweit berühmtesten Maler aus der Partnerstadt. Die Polizei aufmerksam auf die Schwindler gemacht hatte eine Moskauer Unternehmerin, die schon seit Jahren Arbeiten des Künstlers sammelt. Bei der Vorbereitung eines Albums mit Gemälden von Wladimir Jukin flog die Sache auf. Inzwischen hat sich ein weiterer Moskauer Sammler gemeldet, der sich Fälschungen hatte andrehen lassen. Insgesamt kamen 18 solcher betrügerischen Kopien im Wert von zusammengenommen etwa 10 Millionen Rubel ans Tageslicht. Das freilich werden die beiden Fälscher, die aus Wladimir stammen, wohl für einige Zeit nur noch im Gefängnishof genießen können, denn sie sitzen im Moskauer Vorort Selenograd in Untersuchungshaft und erwarten ihren Prozeß im Juni.

Am Fluß, Wladimir Jukin

Das Thema Fäschung beschäftigt die Kunst seit ihrer Entstehung. Weltweit schätzen Experten, unter 300 Originalen finde sich mindestens eine illegale Kopie. Der Wladimirer Fall dürfte dennoch weiterreichende Folgen haben und sich auf die derzeit laufenden Beratungen zu einer Verschärfung des Urheberrechts in Rußland auswirken. Der Causa lassen sich aber auch positive Aspekte abgewinnen: Zum einen zeigt sie, wie begehrt unter Sammlern die Arbeiten aus Wladimir sind, welchen Wert sie unter Sammlern haben, zum andern bekommen die Veranstalter der derzeit in Moskau laufenden Ausstellung zum 65. Jubiläum des Wladimirer Kunstvereins durch den Skandal unerwartete Öffentlichkeitsarbeit und zusätzliche Aufmerksamkeit.

Wladimir Jukin

Wladimir Jukin gehört zu den Begründern und wichtigsten Vertretern der Wladimirer Schule. 2000 verstarb er 80jährig in der Partnerstadt. Geboren wurde er in Mstjora mit seiner Lackmaltradition ganz im Osten der Region Wladimir, wo noch heute die Natur mehr die Menschen prägt als umgekehrt. Erst lange nach den Kriegsjahren – der Künstler war an der Front und geriet in deutsche Gefangenschaft – fand er zu seiner stilprägenden Auffassung von Landschaftsmalerei. Die Natur ist in seinen Arbeit die Quelle von Licht und Lebensfreude, ein farbenfroher Kontrapunkt zu der seinerzeit in der Sowjetkunst vorherrschenden Tradition, die Natur schematisch und mechanistisch als Objekt der heldenhaften Schaffens- und Gestaltungskraft des neuen Menschen darzustellen. Diese Sichtweise Wladimir Jukins wirkt bis heute nach und befriedigt eine tiefe Sehnsuch: Nicht der Mensch gibt den Takt an, sondern die Natur gibt  Tonart und Stimmung vor.

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