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Posts Tagged ‘Wladimir Tschutschadejew’


Zum heutigen Tag des Vaterlandsverteidigers veröffentlichen die Statistiker Zahlen zum Thema „Männer“, die nachdenklich stimmen. Zunächst einmal sind sie in der Unterzahl: 624.000 zählte man im Vorjahr in der Region Wladimir, 130.000 weniger als Frauen. Damit kamen 2018 auf 1.000 Männer 1.207 Frauen, ein Verhältnis, das sich bereits Jahren so darstellt – seit 2010 stehen 45% Männer 55% Frauen gegenüber. Demographisch geraten die Männer zunehmend ins Hintertreffen, denn 2018 wurden sie um 7.300 weniger, wobei der Anteil der älteren Männer konstant bei 17% bleibt, was die allgemeine Alterung der Gesellschaft widerspiegelt. Alarmierend dabei die hohe Zahl von Männern, die das Gouvernement Wladimir verlassen. 2018 waren das 9.200, 300 mehr als 2017. Dieser „Fluchtreflex“ zeigt sich freilich bei den Frauen noch ausgeprägter. 11.000 waren es im vergangenen Jahr, die ihrer Heimat den Rücken kehrten, 2017 lag die Zahl noch bei 10.400.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Schneesturm, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Positiv zu vermerken ist aber die gute Beschäftigungslage. Die Arbeitslosigkeit unter Männern ist zwar nur leicht, aber immerhin nachweisbar gefallen, von 5% im Jahr 2017 auf 4,8% im Vorjahr. 95% von ihnen verfügen über ein stabiles Einkommen. Dabei besetzen die Herren ungeachtet aller Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit weiter vornehmlich Leitungspositionen und typische „Männerberufe“ und dominieren diesen Bereich mit teilweise mehr als 60% Anteil: Versorgung und Entsorgung, Bau, Transportwesen, Logistik, Land- und Forstwirtschaft, Naturwissenschaften, Energie-Erzeugung, Abfallverwertung – und Straßenreinigung, besonders heute, denn gestern tobte über Wladimir ein Schneesturm.

Schnee 5

Nikolaj Liwschiz, Chefredakteur des Prisyw

 

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Seit gestern ist das an Schismen wahrlich nicht arme Christentum um eine Abspaltung reicher, die freilich ihrerseits nur dank einer Einigung möglich wurde. Die seit 1921 bzw. 1992 vom Moskauer Patriarchat losgelöste autokephale und ukrainisch-orthodoxe Kirche schlossen sich Mitte Dezember zusammen und erhielten nun von Patriarch Bartholomäus, dem Primus inter pares der orthodoxen Christenheit, in Byzanz, alias Konstantinopel oder Istanbul, den Segen zu ihrer kirchlichen Unabhängigkeit.

Theologisch läßt sich diese Trennung von dem, was zusammengehört, nicht erklären. Auch wenn jetzt – sicher, wie das Amen in der Kirche – ein gegenseitiges Anathema auf den nächsten Bannstrahl treffen dürfte, handelt es sich doch einzig um einen politischen Streit, ausgelöst durch die Tragödie um die Krim und den anhaltenden Krieg in der Ostukraine, wo nicht einmal der vereinbarte Waffenstillstand über Weihnachten hält. Noch gar nicht abzusehen, was da mutwillig an seelischem und körperlichem Leid – mutmaßlich nicht in Christi Namen – angerichtet wird: Kiew, die Mutter aller russischen Städte, sagt sich von ihren Kindern los. Ein Familiendrama vor den Augen der Welt.

Dennoch, heute begehen die Gläubigen der Ostkirche den Heiligen Abend, und morgen feiern sie Weihnachten. In Wladimir zumindest das, wovon wir hierzulande immer nur träumen, ein weißes Weihnachten, zu dem der Blog nur den Frieden des Himmels wünschen kann.

Wie schön die weiße Pracht in der Partnerstadt derzeit ist, zeigen einige Bilder von Sergej Skuratow und Wladimir Tschutschadejew.

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So wenig wir wissen, worum die beiden Hunde auf dem Kathedralenplatz zu Wladimir zanken, so wenig können wir sagen, woher die Weihnachtspost stammt, die ein Schützling des Erzengels Gabriel in den Briefkasten der Blog-Redaktion steckte. Es möge jeder seine Schüsse ziehen und Überlegungen anstellen.

Wladimir Tschutschadejew

Alles war wie immer, so kurz vor Weihnachten. Es ging von einer besinnlichen Feier zur nächsten, bis niemand mehr zur Besinnung kam. Das Lichtergefunkel blinkte so hell und grell, daß man sich nur noch ein stilles Dunkel wünschte, in dem auch wieder einmal ein Stern zu sehen sein würde. Überall auf den Plätzen und Märkten, in den Geschäften und Läden ein Gedränge und Geschiebe, damit nur ja nicht unerfüllt ein Wunsch noch bliebe. Aber auch sie gab es, jene unscheinbaren Orte der Ruhe und Einkehr: kerzenumrahmte Fenster, hinter denen stumme Gestalten zusammensaßen; Häuser, aus denen der Duft von Zimtgebäck und Kokoswürfeln drang; Kirchen, leise zitternd vor Freude am Liederklang.

Wie immer, so kurz vor Weihnachten, schlüpfte unser Nachbar in seine Gummistiefel, zog die Kapuze über den grauen Strubbelkopf  und holte aus dem Schuppen im Garten seinen Greifarm, den er zärtlich „Zapperle“ nannte. Und schon stapfte der alte Mann, die Jackentaschen von den eingesteckten Müllsäcken ausgebeult, vornübergebeugt, aber entschlossenen Schrittes über die schmale Brücke hinüber zum linken Ufer des Baches, der aus einem der namenlosen Tümpel im nahen Wald herüber in die Ausläufer der Stadt floß.

Wie immer, so kurz vor Weihnachten, regnete es, und der Wind wehte wendisch-launisch mal aus dieser, mal aus einer anderen Richtung. In der Wettervorhersage hieß es denn auch: „Für die Jahreszeit zu mild, Schneefallgrenze oberhalb 800 Meter.“ Eben wie immer, so kurz vor Weihnachten. Die wenigen Spaziergänger und Läufer, die an diesem Spätnachmittag im Advent unterwegs waren, schenkten der gebückten Gestalt am Wegrand kaum Beachtung, und der war das ja auch durchaus recht, denn was der Alte, den Blick nach unten gerichtet, mit dem sich rasch füllenden Sack in der einen und dem wie ein hungriger Schreitvogel immer wieder zupickenden Greifarm in der anderen Hand tat, vollbrachte er am liebsten im verborgenen. Lumpensammler, Müllmann, Straßenkehrer – wer wollte sich schon freiwillig diesem Berufsstand zurechnen lassen, zumal wenn er, wie das bei unserem Nachbarn der Fall war, früher einmal an der hiesigen Universität ein- und ausging und Vorlesungen aus seinen Büchern über die fränkische Sagenwelt hielt. Seit seiner Emeritierung lebte er ganz zurückgezogen und kam oft tagelang nicht aus seiner Bibliothek. Nachts freilich brach er regelmäßig zu seinen, wie er sie nannte, „Lehrgängen“ in den Wald auf, um „Feldforschung“ zu betreiben. Auf diese Exkursionen angesprochen, meinte er immer nur vieldeutig: „Nur in der Dunkelheit erkennt man das Verborgene.“ Was er damit meinte, behielt er allerdings ebenso für sich, wie die Erkenntnisse, die er bei diesen einsamen Ausflügen sammelte. Bis zu jenem Erlebnis, zu dem der Forscher im Forst dann doch nicht schweigen konnte, so sehr hatte es ihn erschüttert.

Wie immer, so kurz vor Weihnachten, sammelte also der etwas wunderliche Nachbar entlang dem Bach in Richtung Wald fein säuberlich auf, was andere so rein ohne Bedacht hinterlassen: leere Zigarettenschachteln, Tüten voller Dosen oder Hundekot, Plastikflaschen und Pappbecher, Zellophan und Styropor, verdreckte Folien und gestrandete Luftballons. „Bei jedem Schritt nimm etwas mit“, summte er vor sich hin, wenn er wieder eine bunte Schokoladenverpackung oder ein glänzendes Bonbonpapier aus dem Wasser fischte oder im Ufergestrüpp einen Klumpen Stanniol dingfest machte und traurig den Kopf schüttelte: „Wie kann man nur, das Wasser so klar, die Erde so rein – und dann dieser Abfall, so dreckig, gemein!“ Rasch füllte sich der Sack mit all dem Unrat, während der Wind mit bösen Böen blies und der Himmel nichts Gutes verhieß. Es war, als trieben sich da droben die Wolken herum, eine schwärzer als die andere, wie überladene Segelschiffe aus unbekannten Ländern, vom Kurs abgekommen, und jeden Augenblick bereit, ihre schwere Last auf hoher See zu löschen, bevor sie kentern. Cornelius Krampus, so der Name des Mannes, zog die Kapuze noch tiefer in die Stirn, während die Tropfen immer dicker und schneller herniederprasselten. Aber davon ließ sich der Alte nicht entmutigen, auch wenn die Brille beschlug und er bald alles nur noch schemenhaft-verschwommen sehen konnte. Er hatte seinen Kontrollgang ja auch fast schon abgeschlossen und wollte den Sack gerade zumachen, als er im dornenbewehrten Unterholz des Erlenbruchs, hinter dem der Wald begann, etwas entdeckte, das in der anbrechenden Dämmerung einen unmerklichen Schimmer verbreitete und sich drehte wie eine Windrose. „Was das nur wieder ist“, fragte sich Cornelius Krampus, „vielleicht so ein neumodisches Spielzeug mit LED-Leuchten? Ständig neue Sachen, die dann gleich wieder zu alt sind und weggeworfen werden.“ Als er näher herantrat, zuckte das Ding zusammen wie ein erschrecktes Tierchen und ließ sich von einem Windstoß forttragen, fast bis in das welke Kraut, mit dem das Ufer hier bedeckt war. „Warte nur“, rief da der alte Mann, „meinem Zapperle entkommt nichts, gleich haben wir dich“, und stieg vorsichtig die rutschige Böschung hinab. „Nur jetzt nicht ausrutschen und auf den Allerwertesten fallen, wo ich eh schon naß genug bin“, mahnte er sich zur Vorsicht und arbeitete sich mit Tippelschritten an das Objekt heran. „Was das nur ist?“ fragte er sich beim vorsichtigen Näherkommen. „Eben sah es noch aus wie ein mit Buntstiften beschrifteter Umschlag, jetzt gleicht es einer Scherbe, in der sich der Himmel spiegelt, jedenfalls nichts, was ein Windstoß so einfach vor sich hertreiben würde. Aber jetzt haben wir dich ja gleich und stecken dich in den Sack.“ Das war jedoch leichter gesagt als getan. Kaum daß der Greifarm zupacken wollte, platschte das Ding ins Wasser und schwamm davon, bachaufwärts, wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen, und wechselte dabei kaleidoskopartig immer wieder die Farbe, bis es in der Röhre verschwand, durch die das Wasser unter der Straße floß, um auf der anderen Seite wieder hervorzutreten. „Potz Blitz und Grundgütiger!“ rief da Cornelius Krampus aus, „Da ist doch zwingend etwas Übersinnliches am Werk. Wer hätte das schon einmal gesehen, daß etwas mir nichts, dir nichts gegen die Strömung schwimmt.“ Wenn er nur gewußt hätte, wie richtig seine Annahme war. Ein anderer hätte sicher an eine Sinnestäuschung geglaubt, hätte sich kleinmütig die Augen gerieben und den Heimweg angetreten. Nicht so Cornelius Krampus, dessen wissenschaftliche Neugier, dessen Entdeckergeist nun geweckt war.

Wie immer, so kurz vor Weihnachten, geschehen da auch so manche merkwürdige Dinge, verschwimmen die Grenzen zwischen Himmel und Erde wie zwischen Tag und Nacht. Mittlerweile war es auch schon dunkel geworden, die Laternen mit ihren fahlen Schnittmustern auf schwarzem Grund hatte der Alte hinter sich gelassen, und nur noch vereinzelt riß der Scheinwerfer eines Autos einen grellen Schlitz in die Finsternis zwischen den Bäumen. Cornelius Krampus kannte sich aus in seinem Wald, den er gern das „Reich des Wilden Sebald“ nannte. Aber genau deshalb blieb er auch auf der Hut und sah sich vor. Wer schon kannte das Gelände besser als er, wer schon wußte besser als er, daß man sich hier nur zu leicht verirrte im Gewirr der Wege und Pfade, die einander so ähnelten. Wie oft war es ihm schon auf seinen Märschen passiert, daß er nach wenigen hundert Metern die Orientierung verlor, vor allem, wenn der Himmel bedeckt war, so wie an diesem Abend, so kurz vor Weihnachten.

Das unbekannte Objekt schien es jetzt richtig eilig zu haben. Es sprang über die Äste im Wasser als ginge es um einen Wettkampf, hüpfte überall dort wie ein Frosch, wo der Bach verlandet und zugewachsen war und ging wie ein Torpedo auf Tauchgang, wo das Bett tief genug lag. „Lange halte ich das Tempo nicht durch“, schnaufte der alte Mann, stellte den Müllsack ab und bemerkte, daß er sich schon in einem ihm ganz unbekannten Teil des Waldes befand. Aber jetzt aufgeben und wieder zurückgehen? Ausgeschlossen. Auf sein Zapperle gestützt, folgte er weiter über Stock und Stein dem glimmenden Etwas und konnte nur hoffen, daß die Jagd bald ein Ende finden würde.

Wie immer, so kurz vor Weihnachten, geben sich – wenn auch zumeist von den Menschen unbemerkt – Engel und Heilige ein Stelldichein auf der Erde, um die Geburt des Christkindes vorzubereiten. Nicht daß der alte Krampus das vergessen hätte, er hatte ja in früheren Jahren selbst immer wieder Sankt Nikolaus als Knecht Ruprecht auf dessen Visitationen in die Häuser begleitet, wo Kinder wohnen. Aber an diesem Abend waren seine Gedanken ganz bei seinem Bach, den er sauber halten wollte, als hinge davon das Wohl und Wehe der Welt ab. Und nun das. Er fand sich mitten in einer dieser Geschichten wieder, wie es sie immer nur kurz vor Weihnachten geben kann.

Als der Alte schon fast am Ende seiner Kräfte war, schien plötzlich die Ankunft am unbekannten Ziel bevorzustehen. Das wandelbare Ding wurde langsamer und begann zu strahlen wie ein wärmender Stern, erleuchtet von einem großen Feuer. Und wirklich: Dort, wo der Bach entsprang, flackerten Flammen aus einem riesigen Scheiterhaufen, der auf dem zugefrorenen Tümpel loderte. Cornelius Krampus hatte bei seinen Forschungen zur Mythologie und Sagenwelt der Franken ja schon so einiges erlebt: Burgfräulein, die den eigenen Kopf unter dem Arm trugen; Geister, die unvorsichtige Wanderer über Wurzeln stolpern ließen, um sie dann in ein Windloch zu zerren, wo sie entweder vor Schreck der Schlag traf oder wo sie am Gestank der Leichen erstickten, die vor ihnen hier zu Tode gekommen waren; von Kobolden angelegte Wege, die in die Irre führten und unvermutet im Nichts enden konnten. Aber wie sollte denn das gehen: ringsum weder Schnee noch Eis, aber der Weiher zugefroren, und darauf ein Feuer, um das her nichts tauen wollte? Es handelte sich offenbar um ein verzaubertes Leuchtfeuer, an dem sich Wesen trafen, die einem sonst nur in Träumen erscheinen. Und wirklich, es wurde nicht nur heller dort vorne, sondern auch lauter: ein Brummen und Summen, ein Flattern und Knattern, ein Knurren und Schnurren, am weiten Himmel ein Gewimmel. Wo nur hinsehen, worauf nur hören, ohne zu stören? Vielleicht doch weiter auf das Ding achten, das ihn hierhergeführt hatte, oder auf den winzigen Elf mit dem langen Faden um die Waden? Man bekommt diese heimlichen Wesen ja kaum zu Gesicht und hält sie dann meist für Falter. Doch jetzt bestand kein Zweifel mehr. Dieser Winzling hatte den alten Herrn die ganze Zeit so auf Trab gehalten und saß nun, selbst reichlich erschöpft, auf einem kahlen Ast über seiner Last, die sich, das war jetzt ganz deutlich zu sehen, als Brief herausstellte, eingeschweißt in eine glitzernde Folie mit der Leuchtstiftaufschrift „An das Christkind“, die noch das schwächste Licht widerspiegelte. Ein mächtig-prächtiger Uhu packte im Sinkflug den Umschlag und den strampelnden Elf, der den Faden noch nicht von den Waden gelöst hatte, gleich mit dazu und landete mit der Beute auf seinem Ansitz, hoch auf der Krone einer riesigen Eiche, die, wohl nach einem Blitzeinschlag, vor langer Zeit in Brand geraten war und in deren Mitte sich eine Höhle öffnete, in der eine ganze Hundertschaft von Spechten ihr Brut hätte großziehen können. Noch ehe sich Cornelius Krampus, versteckt hinter einem Gebüsch aus Eiben und Weißtannen, einen rechten Reim auf diese phantastische Szenerie machen konnte, forderten zwei aufgeplusterte Käuze, offenbar die Leibwache des Uhus, mit strenger Stimme Silentium.

„Ich danke euch allen im Namen des Allerhöchsten, der herrscht über alle, die heulen wie die Eulen, und natürlich all die andern, die auf der Erde wandern, ich danke euch allen für die Mühe“, dröhnte der Uhu, „die verirrten Kühe, pardon, die verlorenen Briefe an das Christkind einzusammeln. Es ist halt wie immer, so kurz vor Weihnachten, bei der Menge an Post geht’s rund und kommt zum Schwund. Es ist halt wie immer, nur dieses Mal noch schlimmer. So viele Sendungen wie nie zuvor flogen vom Schlitten des Heiligen Nikolaus, und unser Suchdienst kommt kaum noch nach. Aber jetzt hat ja soeben unser Elf Wirbel-Schwirbel die letzte Nachricht an den kleinen Herrn Jesus überbracht, bevor er in unbefugte Hände fallen konnte.“ – „Damit bin ja wohl ich gemeint“, dachte sich Cornelius Krampus, der den Umschlag vielleicht gar nicht geöffnet, sondern gleich in seinen Sack gesteckt hätte. Gar nicht auszudenken. – „Ich denke, wir können nun getrost die Kammer der verlorenen Briefe schließen, bis Erzengel Gabriel in der Heiligen Nacht kommt und die Wünsche der Kinder dem neugeborenen Christus vorliest.“ Mit diesen Worten nahm die Eule den Brief in den Schnabel und steckte den Umschlag – ohne den Elf, der mittlerweile den Faden von den Waden gelöst hatte – in den breiten Eingang zur Baumhöhle, um sie darauf mit seinen ausladenden Schwingen zu bedecken und beschwörend zu sprechen: „Nun schließe sich im Baum die Spalte, es glätte sich die Sorgenfalte. Und Ruhe kehre ein im Wald, dann kommt das Christkind sicher bald.“

Wie weggeblasen waren sie da alle im Nu, die sprechenden Vögel, die Kobolde und Elfen, die alle wollten helfen. Das Feuer stieg mit einem Funkensturm wie durch einen Kamin hinauf in den Himmel, und das Eis auf dem Weiher taute wie der Schnee in der Sonne. Ehe er so recht begriff, sah sich der alte Herr ganz allein hinter den Eiben und Tannen, vor ihm die Eiche, die allerdings wirkte, als flackere in ihr ein ewiges Licht wie in einer dunklen Kirche. Es dauerte eine Weile, bis Cornelius Krampus wieder zu sich kam und – immer am Bach entlang – den beschwerlichen Rückweg antrat, auf dem er noch einem Hasen begegnete, der von einem ständig „Warte nur!“ rufenden Wolf um einen Baum herum gejagt wurde, oder war es der Hase, der den Wolf vor sich hertrieb?

Als der alte Herr, müde wie er war, fast über den zurückgelassenen Müllsack stolperte, wußte er, es war nun nicht mehr weit. Noch einmal drehte er sich um und meinte, das Rauschen von Engelsschwingen zu hören. Aber es waren vielleicht doch nur die Wipfel der Bäume, die sich ihre Geheimnisse zuflüsterten.

Cornelius Krampus wurde von da an noch stiller und hatte einen unerklärlichen Schimmer in den Augen. Am Heiligen Abend zog er wieder mit seinem Zapperle und einigen leeren Säcken los zu seinem Bach.

Jetzt, viele Jahre später, ist es wieder kurz vor Weihnachten. Aber nichts ist mehr wie immer, seit der Alte verschwand. Vielleicht kommt er ja noch einmal zurück. Vielleicht auch nicht. Am Ende war es wohl doch das Rauschen von Engelsschwingen, das er gehört hatte und nicht mehr vergessen konnte.

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Wie an einem Schluck Regen in diesem ausgedörrten Sommer erfreute sich der Kulturredakteur des Blogs an dem lyrischen Fundstück aus der Feder der Wladimirer Dichterin Olga Rutschko und machte sich gleich an die Nachdichtung.

Wladimir – der nächste Regen kommt bestimmt, gesehen dieser Tage von Wladimir Tschutschadejew

Gar nicht eilig hatte es der Winter, / Sommerträume, Schnee dahinter. – / Morgens trittst du vor die Tür, / taub-erstarrt, um zu bemerken, / daß des Schweigens Regelwerke / sind des Schnees und Himmels Kür.

Unter dichten, kalten Netzen – / wir allein, am Weg die letzten, / fern von uns die Stadt verklingt. / Weder Straße oder Garten, / Schnee fällt wie aus feiner Watte, / die uns auf die Wange sinkt.

Olga Rutschko / Peter Steger

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Nichts zeigt schöner den alten Winter in seiner Schwäche als eine Bilderserie des Meisterphotographen Wladimir Tschutschadejew, der dieser Tage beobachtet, wie vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Am besten folgen wir ihm einfach auf seiner Pirsch entlang Kljasma und Nerl und genießen ohne viele Worte, was er für uns gesehen:

Vorsicht! Dünnes Eis!

 

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So jung dieser Austausch noch ist, so schwer ist es, schon zu zählen, zu wie vielen Kämpfen Mann gegen Mann es im Ring zwischen Erlangen und Wladimir gekommen ist. Sagen läßt sich aber immerhin, daß die Boxer der Partnerstädte auf Inititiative von Sergej Schtschedrin, Geschäftsführer des Verbands der Faustkämpfer der Region Wladimir, seit dem Frühjahr 2014 ihre Wettkämpfe miteinander austragen, deren drei bereits in Franken, zwei am Goldenen Ring.

Boxstaffel 21

Vereint im Ring, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Während am letzten Novemberwochenende die Schwimmschule Wladimir in Erlangen beim Röthelheim-Pokal antrat, schwang eine elfköpfige Boxstaffel unter Leitung von Igor Krotter vom TV 1848 bei zwei Turnieren, eines in Kowrow, das andere in der Partnerstadt, die Fäuste und absolvierte damit bereits die fünfte deutsch-russische Begegnung im Ring.

Igor Krotter weiß, wie man Boxer motiviert

Im Februar 2015 hatte der auch für Bad Windsheim agierende Trainer bereits eine dreiköpfige Mannschaft nach Wladimir gebracht und war so begeistert von der Aufnahme und der Stimmung dort, daß er nun erneut ein Team mit elf Sportlern unterschiedlicher Alters- und Gewichtsklassen aus ganz Deutschland – von Franken bis Nordrhein-Westfalen -, zwei Trainern und zwei Kampfrichtern zusammenstellte und begleitete, was der Coach nicht bereuen sollte:

Die Zusammenarbeit mit den Städten Erlangen und Wladimir läuft hervorragend, wir hatten super schöne vier Tage mit spannenden, verletzungsfreien Kämpfen, einem tollen Publikum und einem freundschaftlichen Gastgeber. Nächstes Jahr planen wir erneut im Juni/Juli im Rahmen der Fußball-WM ein Internationales Boxturnier in Wladimir.

Faires Boxen

Auch Sergej Schtschedrin, dem überdies die Bilder zu verdanken sind, zeigt sich zufrieden und schreibt nach Erlangen:

Alles lief bestens. Beim ersten Wettkampf gewannen wir mit 6 zu 5; beim zweiten Turnier verletzten sich dann doch zwei deutsche Boxer leicht, weshalb es nur zu neun Duellen kam, die Wladimir deutlich mit 7 zu 2 für sich entschied.

Boxstaffel 24

Au, Backe!

 

Wie zum Ausgleich wurde Deniel Krotter, der für Bad Windsheim kämpft, als bester Boxer des Turniers ausgezeichnet. Auch er selbst sparte freilich nicht mit Lob für die Gastgeber:

Das Turnier war echt klasse. Man sieht, die Leute verstehen etwas vom Boxen, lieben diesen Sport. Es war einfach klasse. Gute Kämpfe. Die Organisation war in Ordnung. Alles ausgezeichnet.

Boxstaffel 25

Linke Gerade

 

Alles nachzusehen und nachzuhören unter: https://is.gd/Klx81p

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Am vergangenen Sonntag fand in Wladimir, genauer im Park „Freundschaft“, am südwestlichen Stadtrand, ein Treffen von Photographen unter dem Titel „Fotofest“ statt. Die Künstler aus Moskau und aus anderen Städten zeigten zusammen mit ihren Wladimirer Kollegen ihr Können bei wechselhaftem Wetter, aber mit beständigem Erfolg, wie auf den Bildern zu sehen:

Wladimir Tschutschadejew und Sergej Skuratow, zwei Wladimirer Meister der Kamera

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotofest 2

 

 

 

 

 

 

Fotofest 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin ein kleines Wunder

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe Stil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin ein Superheld – Ich habe Stil

 

 

 

 

 

 

 

Fotofest 13

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr von dem Fest der Bilder gibt es aus dieser Quelle zu schöpfen: https://vk.com/fotofest_33

 

 

 

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