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Posts Tagged ‘Wladimir Sipjagin’


Am 13. Juni, 11.00 Uhr, meldete das Gesundheitsamt 3.453 bestätigte Infektionen in der Region Wladimir, davon 63 Neuzugänge und 45 Todesfälle, darunter erst jüngst der Leiter eines Kreiskrankenhauses. 1.721 Personen gelten als genesen. Mehr als 90.000 Tests wurden durchgeführt. 55% der für Corona-Patienten vorgesehenen Betten stehen derzeit leer. Untersucht wird gerade auch, wie es passieren konnte, daß kürzlich der Virus in ein Krankenhaus in der Partnerstadt eingeschleppt werden konnte, wo die Zahl der insgesamt an COVID-19 Erkrankten für den 13. Juni mit 711 angegeben wird.

Gouverneur Wladimir Sipjagin bei der Inspektion der Reservebetten für Corona-Patienten im Rot-Kreuz-Krankenhaus Wladimir

Entspannung? Bedingt. Im Rot-Kreuz-Krankenhaus bereitet man sich – auch wenn im Augenblick die Zahl der täglich genesenen Personen die der Neuinfektionen leicht übersteigt – auf die zweite Corona-Welle im Herbst vor. Noch näher rückt freilich die Abstimmung über die Änderung der Verfassung Ende des Monats. Allein zur Sicherstellung der Desinfizierung der Wahllokale stehen 13 Mio. Rubel zur Verfügung. Und das obwohl Präsident Wladimir Putin den Ausgang des Plebiszits schon zu kennen glaubt. Am Nationalfeiertag zeigte er sich überzeugt, die absolute Mehrheit der Bürger unterstütze und befürworte die Vorschläge zur Veränderung der Verfassung.

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Wie gestern angekündigt, heute also wieder ein Bericht zum Stand der Corona-Pandemie in Wladimir. Da erschien am 9. Mai auf dem Internetportal Pro Gorod 33 die „Offenbarung“ einer jungen Rettungsassistentin, der zu entnehmen ist, unter welch schweren Bedingungen das medizinische Personal zu arbeiten hat. Sie spricht von „höllischen Bedingungen bei einem 24-Stunden-Einsatz ohne Pause bis zum Umfallen“. Bei 20 bis 25 Einsätzen pro Schicht bleibe keine Zeit, sich die Patienten genauer anzusehen, weshalb das Risiko von Fehldiagnosen steige. Außerdem fehle es an Kräften: „Uns tut die Bevölkerung Wladimirs leid, weil wir manchmal einfach niemanden hinschicken können. Wir zerreißen uns, versuchen, es schneller zu schaffen. Aber das klappt nicht immer…“

Jelena Malyschewa heißt die 28jährige Frau, die seit 2012 beim Notruf arbeitet. Womit sie derzeit konfrontiert ist, beschreibt sie im Interview so:

Die Epidemie ist jetzt voll ausgebrochen, und in Wladimir haben wir von Tag zu Tag mehr Patienten, übrigens der unterschiedlichsten Altersgruppen. Ich denke, das hängt damit zusammen, daß sich die Leute nicht an die Maßnahmen halten, die von allen Medien lautstark verkündet werden. Und sie sehen nicht, was wir sehen, sie machen sich die Lage nicht bis zum Ende klar. Sie denken, das sei alles Fake, Einschüchterung des Volkes. Ganz und gar nicht! Gestern, am 8. Mai, bildete sich vor dem Krankenhaus jenseits der Kljasma eine ganze Schlange von Sankas mit eingewiesenen Corona-Infizierten. Wir haben pro Tag zehn bis zwölf, manchmal auch nur sieben Fahrzeuge laufen. Das ist natürlich viel zu wenig für eine so große Stadt! Darum müssen die Leute oft bis zu einem halben Tag auf uns warten.

Jelena Malyschewa am 8. Mai vor der Sankaschlange

Immerhin seien alle Fachkräfte, die mit Corona-Patienten arbeiten, jetzt mit Schutzkleidung ausgestattet, in der man sich freilich wie im Dampfbad fühle, besonders jetzt, bei zunehmend wärmerem Wetter. Dennoch bleibe, so die Mutter eines Kleinkindes, die Furcht, sich selbst und damit auch die eigene Familie anzustecken

Und dann die Frage nach dem lieben Geld, nach den versprochenen Prämien für das Corona-Patienten betreuende medizinische Fachpersonal, zur Auszahlung bereits im April vorgesehen.

Ja, wir haben das Geld erhalten. Aber uns hat man so wenig ausbezahlt! Die Summen variieren zwischen 100 und 1.000 Rubel im Monat. Unsere Vorgesetzten erklären den Umfang der Zahlungen mit einer Anordnung des Gesundheitsamtes der Region und legten uns die Tariftabelle vor. Die Regionalbeamten haben die Monatsnorm der Arbeitszeit zugrundegelegt und eingeteilt, wonach eine Minute Arbeit an einem Corona-Patienten 4,87 Rubel für Ärzte, 2,44 Rubel für Pflegekräfte und 2,38 Rubel für Fahrer der Sankas kostet! Um also die von Präsident Putin versprochenen 50.000 Rubel für Ärzte oder 25.000 für Pflegekräfte und Fahrer zu erhalten, müssen wir die gesamte Arbeitszeit über mit Corona-Kranken beschäftigt sein. Das ist schlichtweg irre und schrecklich ungerecht! Wir fühlen uns regelrecht veralbert, wenn dann in einer Mustergehaltsabrechnung steht, jemand habe im April sechs Stunden und zwanzig Minuten mit Corona-Patienten gearbeitet und erhalte dafür 927 Rubel und zwei Kopeken Zuschlag. Unser Protestbrief an den Leiter der Gesundheitsbehörde vom 15. April ist bisher nicht beantwortet.

Auf die Frage, mit welcher Stimmung sie zur Arbeit gehe, antwortet Jelena Malyschewa, sie verspüre bei allem Optimismus und den Glauben daran, es werde schon wieder alles gut, ein tiefe Erschöpfung und namenlose Müdigkeit. Zu schaffen mache ihr auch die verbreitete negative Einstellung der Menschen gegenüber allen in der Medizin tätigen Fachleuten:

Ändern sollte sich vor allem die Rückmeldung seitens der Behörden, denn sie haben von uns viele Unterlagen erhalten, uns aber noch keine Antwort geschickt. Wir wünschen uns eine adäquate Bewertung unserer höllisch schweren Arbeit, seitens unserer Leitung einen konstruktiven Dialog und Respekt, seitens der Bevölkerung Verständnis. Wir lassen die Menschen nicht im Stich!!!

Hier geht es zum Original des Artikels, der Dinge anspricht, die so auch aus anderen Regionen und Städten berichtet werden: https://is.gd/NpYHcd

Unterdessen machen drei Kreiskrankenhäuser in der Region Wladimir Schlagzeilen, weil dort die Corona-Standards nicht eingehalten werden. 40 Medizinfachkräfte fürchteten gar so sehr um die eigene Gesundheit, daß sie lieber eine Entlassung in Kauf nahmen, als sich in eine Klinik schicken zu lassen, wo es ihrer Ansicht nach zu gefährlich sei. Nach überregionalen Medienberichten zu dem Casus kümmert sich nun die Oberste Strafverfolgungsbehörde darum.

Immerhin fordert die Partei Einiges Rußland nun von Gouverneur Wladimir Sipjagin, die für das Krankenhauspersonal zugesagten Prämien im vollen Umfang auszahlen zu lassen. Das öffentliche Leben bleibt allerdings bis Ende des Monats stark eingeschränkt, wenn auch jetzt die Busse wieder im gewohnten Takt verkehren und erste Lockerungen für das Geschäftsleben und die Wirtschaft greifen, die natürlich besonders unter der Auflage ächzen, ihr Personal auch ohne Umsatz weiterbeschäftigen und bis auf weiteres bezahlen zu müssen.

Aber was ist das alles angesichts der Fallzahlen: Stand 14. Mai, 10.00 Uhr, weist die Statistik in der Region Wladimir 1.504 mit COVID-19 infizierte Personen aus (285 in der Partnerstadt selbst), von denen 150 als genesen gelten. Unter den Erkrankten zählt man 139 Mitarbeiter des Gesundheitswesens, mehr als die Hälfte davon arbeitete im Rot-Kreuz-Krankenhaus in Wladimir, und am 13. Mai wurde der erste Todesfall einer Krankenschwester bestätigt. So schlimm das ist, ein wenig optimistisch stimmen die in den letzten Tagen leicht rückläufigen Angaben zu den Neuinfektionen. Sie gehen hoffentlich bald gegen Null.

P.S.: Soeben, 15.05., 8.30 Uhr, kommt aus Wladimir die Meldung, die dem medizinischen Personal zugesagten Prämien würden mit dem Mai-Gehalt ausbezahlt. Geht doch!

P.P.S.: Heute wird ein neuer trauriger Rekord gemeldet: 88 bestätigte Corona-Neuerkrankungen in der Region Wladimir, die damit, Stand 16. Mai, 10.00 Uhr, 1.592 Infektionen, davon allein in der Partnerstadt 310 Fälle, aufzuweisen hat.

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Beginnen wir wieder einmal mit den Zahlen, die, wie wir längst auch aus den Angaben hierzulande wissen, immer mit Vorsicht zu genießen sind und nichts über die mutmaßliche Dunkelziffer der tatsächlich mit COVID-19 angesteckten Personen aussagen. Offiziell, Stand 23. April, 10.00 Uhr, zählen die Behörden in der Region Wladimir 339 Infizierte – davon in der Partnerstadt selbst 34 – und sechs Todesfälle. Diese Zahlen stehen einer Einwohnerzahl des Gouvernements von 1.358.000 Menschen gegenüber, allerdings sind auch die Testkapazitäten, die mit 45.000 pro Monat angegeben werden, zu beachten. Landesweit gelten 56.000 Menschen als infiziert, mit großem Abstand am meisten davon in Moskau lebend.

Tragen Sie während eines Grippeausbruchs bei der Kinderpflege eine Mullmaske. Plakat aus dem Jahr 1963.

Dabei arbeiten die Gesundheitsbehörden nach eigenen Angaben in der Krise, deren Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist, schon jetzt am Anschlag und haben obendrein mit viel Fluktuation bis in die Spitze der Verwaltung hinein zu kämpfen. Und das zu einer Zeit, wo in so manchem Krankenhaus einiges aus dem Ruder zu laufen scheint. So räumt eine Landkreisklinik nach Klagen von Patienten ein, nach der Ansteckung des Chefarztes seine ganze Schicht einschließlich des Pflegepersonals in Quarantäne geschickt zu haben.

Während eines Grippeausbruchs empfiehlt es sich bei der Arbeit eine Maske zu tragen. Plakat aus dem Jahr 1963.

Auch im Wladimirer Rot-Kreuz-Krankenhaus haben sich Mediziner infiziert, und ein Erlanger Arzt erhielt von dort die Nachricht, es fehle an Schutzkleidung, während man entgegen den Ankündigungen aus der Politik, sogar die ohnehin kargen Gehälter gekürzt habe. Apropos Politik: Dieser Tage fand eine Videokonferenz des Präsidenten mit seinen Gouverneuren statt. Die Landesväter, darunter auch Wladimir Sipjagin, klagten über Lieferengpässe und Versorgungsprobleme in Zeiten der Corona-Krise, doch das Staatsoberhaupt ließ das nicht durchgehen und gab zurück, sie seien ja eben dafür da, die Schwierigkeiten zu überwinden. Außerdem mahnte Wladimir Putin, die föderalen Mittel schneller abzurufen.

Halten Sie die Hände sauber. Plakat aus dem Jahr 1964.

Unterdessen ist die Lage selbst in der Region Wladimir von der Größe des Bundeslandes Brandenburg durchaus unterschiedlich. Während etwa im Landkreis Susdal noch kein einziger Ansteckungsfall aktenkundig ist, herrscht in Petuschki und Umland eine strenge Ausgangssperre, die nun auch – bisher ohne Erfolg – der Landkreis Kowrow für sich fordert. Alles noch bei verhältnismäßig niedrigen Fallzahlen, von denen freilich alle ahnen, daß sie rasch steigen können. Gestern erst wurden Meldungen bestätigt, wonach es auch in einem Psychiatrischen Krankenhaus unweit von Wladimir zu Infektionen unter dem Personal und wohl auch bei Patienten gekommen sei.

Frischluft ist ein Mittel zur Vorbeugung gegen Grippe. Plakat aus dem Jahr 1963.

Überhaupt überschlagen sich die Meldungen. So fordert beispielsweise der Bund der Atheisten in einem offenen Brief an die Stadt Wladimir strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen in Kirchenkreisen und bei den Behörden, die in der Ostermette die Teilnahme von Dutzenden von Gläubigen nicht verhindert hatten. Damit nämlich habe man eindeutig gegen das in ganz Rußland geltende Abstandsgesetz von eineinhalb Metern und das Versammlungsverbot gehandelt und einer weiteren Verbreitung der Pandemie Vorschub geleistet.

Gemüse und Obst vor dem Verzehr mit kochendem Wasser waschen. Plakat aus dem Jahr 1963.

Und dann sind da die Fälle von uneinsichtigen Patienten, die mit allen denkbaren Folgen ihre häusliche Quarantäne nicht einhalten und nun bestraft, in einem Casus sogar per Gerichtsbeschluß zwangsweise in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

An Grippe erkrankt – unbedingt isolieren. Plakat aus dem Jahr 1963.

Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Steuereinnahmen. Auch den Energieversorgern brechen die Einnahmen ein, denn kraft einer Regierungsverordnung müssen Schulden bei der Zahlung von Strom und Fernwärme den privaten wie gewerblichen Verbrauchern ohne Aufschlag gestundet werden. Der Stadtrat von Wladimir stimmt über Anträge nur noch virtuell ab. Angeln ist zwar nicht ausdrücklich verboten, verstößt aber gegen das Gebot der „Selbstisolierung“ und der damit einhergehenden Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Saubere Straße, gesundes Zuhause. Plakat aus dem Jahr 1965.

Ein echter Schlag ins Kontor wurde schließlich gestern bekannt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft laufen Untersuchungen wegen der Lieferung von minderwertigen Beatmungsgeräten für ein Krankenhaus in Wladimir. Ende März hatte unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit auf Bitten der Klinikleitung der Geschäftsmann und Duma-Abgeordnete Gregorij Anikejew 50 dieser Apparate im Wert von sechs Millionen Rubel für verschiedene medizinische Einrichtungen in der Region gespendet. Nun stellt sich heraus, daß die Hilfsgüter, erworben bei einer Firma für Medizintechnik in der Nachbarregion Kostroma, das Baujahr 1999 bis 2001 tragen, mit nur zehn bis fünfzehn Prozent Leistung weit unter der geforderten Norm bleiben und die Zulassung für ihren Einsatz bereits vor gut fünfzehn Jahren verloren haben.

Gemüse und Obst mit kochendem Wasser waschen. Plakat aus dem Jahr 1964.

Da droht, viel Vertrauen verloren zu gehen, das gerade in einer solchen Krise als das Grundkapital der Behörden und Politik gilt. Und das vor dem Hintergrund wahrscheinlicher weiterer Zumutungen und Einschränkungen, zumal man landesweit den Höhepunkt der Pandemie erst für Mitte Mai erwartet.

Die Räumlichkeiten feucht reinigen. Plakat aus dem Jahr 1964.

Da kann das seit Tagen verhängte Verkaufsverbot für Alkoholika in der Region Wladimir von abends 19.00 Uhr bis morgens 10.00 Uhr eher als Randphänomen gewertet werden. Wenngleich der Politologe, Roman Jewstifejew, mit einer gewissen Lust an Weltuntergangsphantasien darauf hinweist, bereits zu Beginn des 1. Weltkriegs und während der Perestroika habe es Prohibition gegeben. In beiden Fällen habe sich in der Folge die politische Ordnung kardinal verändert, sei ein neues Staatengebilde entstanden.

In einer für das Land so schwierigen Lage nicht mehr zu trinken, ist dumm und fies.

So düster wollen wir die Dinge nicht sehen, und ob diesbezüglich eine Kausalkette stimmig ist, bleibt dahingestellt. Aber im Verein mit dem dramatischen Verfall des Ölpreises, an dem der Staatshaushalt in wesentlichen Teilen hängt, und der Entwertung des Rubels mit ihren Auswirkungen auf die Inflation haben die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise auch jenseits der medizinischen Komponente leider wirklich das Zeug, noch viel Unheil anzurichten.

Corona 2

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Da bleibt nur, den Freunden in Wladimir alles Gute und viel Gesundheit zu wünschen. Sie haben schon so manche Krise überstanden und werden auch jetzt nicht klein beigeben, zumal ab heute schon wieder der Gang zum Friseur seines Vertrauens und in den Schönheitssalon möglich ist. Zwischen hoffen und bangen eben.

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Wenn man sich schon nicht an die Vorgaben der Behörden und dringenden Empfehlungen des eigenen Patriarchats hält, sollte man sich in Zeiten von Corona zumindest nach Matthäus 18, 20 richten, wo geschrieben steht:

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Es waren hingegen bei gestrigen Osterfest, wie Bericht und Bilder der Internetplattform Zebra TV sowie viele Beiträge in den Sozialen Medien zeigen, viele, viel zu viele, die es entgegen allen Warnungen in die Gottesdienste zog. Glaube versus Vernunft.

Unterdessen kursieren gerade unter den Gläubigen all die abstrusen Gerüchte und Verschwörungstheorien, die der Redaktion des Blogs als gar zu dumm und aberwitzig erscheinen, um ihnen hier Raum zu geben.

Eigenartig allerdings auch, daß die Sicherheitskräfte nicht eingriffen. Die Kirchen wurden zwar vorab desinfiziert, aber wer weiß schon, was die Kirchgänger alles unbekannterweise in sich trugen und munter weitergaben. Ohne jede Abstandsregel. Derartiges Verhalten nennt Wladimir Putin übrigens „verbrecherisch“.

Will man die Pandemie unter Kontrolle bringen, wird der Staat nicht umhin kommen, auch gegenüber der Kirche zu zeigen, wer der Herr im Hause ist. Denn – auch das findet sich in der Bibel – es spricht Christ der Herr: „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist!“

Was sich da gestern so alles abspielte, kommentiert der medizinische Berater des Blogs, Alexej Petrowitsch, mit der Diagnose „Arroganz der Ignoranz“. Sancta Simplicitas, Heilige Einfalt. Auf Russisch fällt einem dazu nichts mehr ein außer „без слов“.

Zumal auch die Region Wladimir sich auf steigende Infektionszahlen einrichten muß: 225 bestätigte Corona-Fälle, davon 27 neue Ansteckungen, weist die offizielle Statistik mit Stand 19. April, 10.00 Uhr, bei bisher fünf Verstorbenen aus. 60 Patienten liegen in Krankenhäusern, die übrigen COVID-19-Infizierten kurieren sich in häuslicher Quarantäne aus. Bleibt zu hoffen, daß sich die Zahlen auch nach Ostern weiter so gemäßigt erhöhen und bald ihre Spitze erreicht haben.

Ohne Worte…

Wladimir Sipjagin

Vorbildlich hingegen privatissime beim Osterfest – Gouverneur Wladimir Sipjagin. Wir wissen nicht, wie gläubig der Landesvater der Region Wladimir ist, aber die Kirchgänger hätten sich mal besser an ihm ein Beispiel genommen.

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Gestern gab Oberstadtdirektor Andrej Schochin bekannt, in Wladimir seinen derzeit zwei Personen positiv auf den Corona-Virus getestet, während 776 Rückkehrer aus dem Ausland oder von Reisen innerhalb der Russischen Föderation unter ärztlicher Beobachtung stehen und eine zweiwöchige Quarantäne einzuhalten haben. Der mit COVID-19 infizierte 48jährige Mann, der am 27. März im Kreiskrankenhaus von Kowrow verstarb, hatte während seiner Behandlung zu fast einhundert Personen Kontakt, weshalb dort ein neuer Ansteckungsherd droht. Unterdessen räumt das Gesundheitsamt der Region ein, es gebe zu wenig Testmöglichkeiten, man müsse wegen der abschließenden Bestätigung, die aus Moskau oder Nowosibirsk, wo die zentralen Labore angesiedelt sind, zu lange warten; überdies fehle es vor Ort an den notwendigen Reagenzien. Außerdem beginne man mit dem Bau von zwei Infektionskrankenhäusern, von denen es bisher kein einziges gebe.

Parallel dazu ruft Gouverneur Wladimir Sipjagin Betriebe und Privatpersonen dazu auf, Mundschutzmasken zu nähen. Banken sollen sich bei den Krediten für Geschäftsleute großzügig zeigen, und Betrieben werden Hilfen für Kurzarbeit versprochen. Und schon warnt auch die IHK der Region Wladimir vor den wirtschaftlichen Folgen des allgemeinen Kontaktverbots, das im Augenblick vor allem den Handel sowie Gastronomie und Hotellerie trifft. Wenn man jetzt nicht bei den Steuern einen Nachlaß einräume, so der Präsident der IHK, Iwan Axjonow, werde der Staat nach der Krise gar keine Gewerbesteuer mehr einnehmen… Sowohl die innerstädtischen wie auch die regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehrsverbindungen gehen in den Wochenendtakt über, wenn sie nicht sogar ganz eingestellt werden, und sogar das Standesamt kommt zum Stillstand: Hochzeiten und Scheidungen sind erst im Sommer wieder möglich. Und im Landkreis Petuschki, der an die Region Moskau grenzt, werden drei weitere positive Tests gemeldet.

Erfreulich, wie rasch die Zivilgesellschaft aber den Zusammenhalt in der Krise unter Beweis stellt: Da übernehmen Jugendliche die Einkäufe für die Menschen über 65, die derzeit die Wohnung gar nicht mehr verlassen dürfen, da werden Konzerte und Lesungen oder Schauspiele bis hin zu Puppentheateraufführungen ins Netz gestellt, und da spricht man einander Mut und Zuversicht zu. Ganz wie überall dort – auch in Erlangen – wo der Virus die Gesellschaft im Griff hält. Leider aber sind natürlich auch viele Falschmeldungen und Irreführungen in Umlauf, und bei vielen ist der Ernst der Lage noch nicht angekommen. Immerhin aber rief nun Patriarch Alexij dazu auf, keine Gottesdienste mehr abzuhalten. Auch wenn die Kirchen noch offen bleiben, solle man vom Küssen der Ikonen absehen… In der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Orthodoxie gab es das noch nie: einen Aufruf, der heiligen Messe fernzubleiben. Ein starkes Zeichen in schweren Zeiten, die auf die Russen zukommen.

Da tröstet vielleicht ein Tagebucheintrag des 2002 verstorbenen deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik aus Wladimir, dessen Bilder diesem Beitrag ihre so eigene Aura verleihen:

Kunst ist die Fähigkeit zu lieben, offen für die Welt zu sein. Mir ist nicht gleichgültig, mit welchen Augen wir die Welt betrachten. Mit ist der Mensch wichtig, die Atmosphäre der Welt, das heißt, wie wir die heutigen Probleme bewältigen und welche Aura wir hinterlassen. Wir haben keine Alternative. Beeilt euch, gute Werke zu tun, nur so können wir überleben.

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Ab heute stellt Aeroflot seine Flüge von Deutschland aus nach Moskau und Sankt Petersburg bis zum 30. April ein. Die Maschinen landen war noch in München und Frankfurt, nehmen aber nur noch russische Staatsbürger als Rückkehrer mit. Das entspricht de facto einer Grenzschließung, die freilich auch zu erwarten war. Aktuell zählt man zwar „nur“ 34 mit dem Corona-Virus infizierte Personen, aber davon entfielen sechs „Zugänge“ allein auf den gestrigen Donnerstag. Und – die Erkrankung ist auch in den Regionen angekommen, in Kaliningrad und in Krasnodar. Alle Rückkehrer aus europäischen Risikogebieten.

Wladimir ist keine Insel. Auch in der Partnerstadt und dem Gouvernement leben derzeit etwa einhundert Personen in häuslicher Quarantäne. Zwar ist noch keine Infektion bestätigt, aber die Behörden stellen sich natürlich auf den Ausbruch der Pandemie auch auf regionaler Ebene aus. Dabei stellt man einen alarmierenden Mangel an Masken und Schutzkleidung fest, in Krankenhäusern wie in Apotheken, wo alles, was geliefert wird, am gleichen Tag noch über den Tresen geht. Nun stehen die Behörden im Dialog mit den Apotheken, um eine geregelte Abgabe zu vereinbaren, denn, so berichtet Zebra-TV, man sehe auf den Straßen kaum Menschen mit Maske, wisse also nicht, wohin diese verschwinden, ob diese gehortet werden, um später spekulativ höhere Preise zu erzielen.

Nun erhielt die Region Wladimir zwar eine Quote vom Ministerium für Gewerblichen Handel in Höhe von 40.000 Atemschutzmasken, die nach Bedarf auf die medizinischen Einrichtungen des Gouvernements verteilt werden sollen, aber das bedeutet, umgerechnet auf die 360.000 Einwohner zählende Partnerstadt, daß gerade einmal jede neunte Person versorgt werden könnte, hochgerechnet auf die ganze Region gar nur jeder 35. Mensch.

Nun ist ein Krisenstab unter Leitung von Gouverneur Wladimir Sipjagin dabei, alle Vorbereitungen zu treffen, um Stadt und Region möglichst lange frei von dem Virus zu halten. Besonders dabei natürlich im Blick die Rückkehrer aus Italien, Frankreich, Deutschland… Vor allem will man die Bevölkerung dafür sensibilisieren, wie man sich selbst schützt. Dafür ist schon vor Tagen eine Hotline eingerichtet. Und die Krankenhäuser haben eine eiserne Reserve an Medikamenten und Desinfektionsmitteln für zwei Wochen angelegt. Außerdem stehen 426 Geräte zur künstlichen Beatmung zur Verfügung, davon 113 mobiler Art. 518 Infektionsbetten gibt es, davon 304 für Kinder, überdies 230 isolierte Betten und 241 Plätze auf Intensivstationen, davon 18 für Neugeborene. Kurzfristig wären im Notfall weitere 624 Infektionsbetten.

Wladimir will den Vorsprung nutzen. Gut so! Bleibt zu hoffen, daß der Virus den Weg nicht in die Partnerstadt findet! Aber, wie gesagt, Wladimir ist keine Insel.

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Wladimir Putin versprach es bei seiner letzten TV-Sprechstunde einer Bloggerin: Er werde persönlich die Reformen zur Müllproblematik kontrollieren. Und Wladimir Sipjagin, Gouverneur der Region Wladimir, will die Sache auch angehen, wenn er sagt:

Wilde Müllkippe bei Wladimir

Wir bezahlen jetzt tatsächlich für die vielen Jahre des achtlosen Umgangs mit der Frage des Naturschutzes. Das Unternehmen produzierte Mineralwasser in einer Plastikverpackung, der Konsument kaufte es und warf die Flasche in den Mülleimer. Und dann? Vergraben auf einer Deponie? Niemand will die in der Nähe seines Hauses. Wiederverwerten? Niemand will in der Nähe seines Hauses eine solche Anlage. Diese Anlage und eine Deponie weit weg von bewohntem Gebiet und den vorhandenen Straßen einrichten? Niemand will für die Müllentsorgung ein Vielfaches vom bisherigen Tarif bezahlen. Also müssen wir einen Kompromiß suchen und begreifen, daß es keine raschen Veränderungen geben wird. In einigen Dingen sind wir durch Gesetzesnormen und Verfahrensweisen eingeschränkt. Wenn wir auch nur einmal das Gesetz verletzen, legen wir den Grundstein für die Anarchie. In der Ökologie wäre ein solches Risiko ein Verbrechen. Die Rolle der Behörden beim Umweltschutz ist systembildender, organisierender und kontrollierender Natur. Doch jede einzelne Person und die Gesellschaft insgesamt sind Teilnehmer am ökologischen Umbau. Davon bin ich überzeugt. Bei der Müllreform sind wir alle gefragt.

Alexandra Jewstjunina braucht man das nicht mehr zu sagen. Die 92jährige Weltkriegsveteranin übernimmt lieber selbst die Initiative und sammelt die Hinterlassenschaften anderer in einem Waldstück an der Stadtgrenze von Wladimir. Sogar Zettel heftet sie an die Bäume mit der Bitte, die Natur sauber zu hinterlassen. Hier die Reportage dazu von Anastasia Sacharowa, die man auch ohne Russischkenntnisse ganz gut verstehen kann: https://is.gd/bMyZqw

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Das Tanz- und Folklore-Ensemble Rus schloß dieser Tage in Wladimir die Saison mit einem begeisternden Auftritt ab, gekrönt von einer Auszeichnung durch Gouverneur Wladimir Sipjagin. Die Truppe unter Leitung von Nikolaj Litwinow hat ein neues Programm einstudiert, das man hoffentlich auch bald in Erlangen zu sehen bekommt. Bis dahin müssen diese Bilder der Gruppe genügen, die 1987 ihren ersten Auftritt in der Stadthalle hatte und seither die Partnerschaft begleitet und bereichert wie kein anderes Ensemble.

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Gestern feierten die elften Klassen an allen russischen Schulen ihren Abschluß. In Wladimir zogen 1.583 Jugendliche durch die gesperrte Hauptstraße, tanzend, singend, feiernd – und in die traditionelle Festtracht gekleidet, die Mädchen mit weißen Schürzen, roter Schärpe und gern auch weißem Band im Haar, die Jungs im weißen Hemd mit roter Schärpe.

Dieses Fest „Letzter Gong“ genannt, wird seit Sowjetzeiten begangen und gehört bis heute zum Schulleben wie bei uns die Naschtüte.

Wladimir Sipjagin und seine Tochter Jelisaweta

Auch Gouverneur Wladimir Sipjagin hatte Grund zu feiern: Seine Tochter Jelisaweta war unter den Schulabgängerinnen, und diese Freude teilte er denn auch via Facebook mit der ganzen Welt.

Und wir? Wir genießen einfach noch einige Bilder von Zebra TV, die zeigen, um welch ein fröhliches Fest es sich da handelt.

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Wer gestern morgen die Nachrichtenticker der großen russischen Agenturen verfolgte, konnte das Fürchten lernen. Von einem Antiterroreinsatz in der Region Wladimir sprachen die Schlagzeilen. Und tatsächlich gingen die Sicherheitskräfte in der Kreisstadt Koltschugino, gut 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, um 0.35 gegen eine Terrorzelle vor, die im Verdacht stand, einen Anschlag zu planen.

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Das Haus, in dem sich die Verdächtigen aufhielten, wurde umstellt, nachdem die Nachbarn alle evakuiert waren. Die zwei mutmaßlichen Islamisten folgten nicht der Aufforderung, sich zu ergeben, sondern eröffneten selbst das Feuer. Beim folgenden Schußwechsel kamen die beiden Angreifer gegen 5.00 Uhr ums Leben, bei den Sicherheitskräften gab es gottlob keine Opfer.

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Offenbar standen die jungen Männer in Kontakt mit ausländischen Terrorgruppen, in deren Auftrag sie aktiv werden sollten. Dafür fanden sich denn auch in dem Haus eindeutige Indizien: Waffen, Munition, einsatzbereiter Sprengstoff aus Eigenproduktion und extremistisch-religiöse Schriften.

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Nun läuft die Fahndung nach weiteren Mitgliedern der Gruppe und mögliche Verbindungsleute zu anderen Terrorzellen im In- und Ausland.

Um 9.30 Uhr hoben die Behörden den Ausnahmezustand in Koltschugino auf, und Gouvereur Wladimir Sipjagin dankte den Behörden für den erfolgreichen Einsatz, mahnte aber auch die Bevölkerung, weiterhin wachsam zu bleiben, denn die Bedrohung durch islamistischen Terror sei, wie jetzt wieder einmal bewiesen, keine Angelegenheit, die irgendwo in fernen Ländern zu gewärtigen sei, sondern alle überall jederzeit betreffen könne. Leider wahr – hier wie dort und allerorts.

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