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Posts Tagged ‘Wisent’


Zum Zählappell kann man sie schlecht rufen, die Wisente von Wladimir. Auch wenn sich einige von ihnen schon an den Menschen gewöhnt zu haben scheinen. Will man aber wissen, wie viele Wisente tatsächlich durch die Winterwälder um Wladimir streifen, hilft am besten, auf einer Lichtung Heu auszulegen. Das riechen die Wildrinder auf viele Werst und wandern dem Duft nach.

Wisent

Vor zehn Jahren hatte man im Naturschutzgebiet Murom in der Region Wladimir zwölf Wisente ausgewildert. Nun haben sie sich prächtig vermehrt, und die Herde zählt bereits 36 Tiere. Und das obwohl damals gleich im ersten Winter vier von ihnen verendeten, als sie ins Eis einbrachen und sich nicht mehr befreien konnten. Vier von der ursprünglichen Herde sind bis heute am Leben. Einer von ihnen, „Bulle“ genannt, weil er auf der Straße immer wieder Autos anhält und sie erst gegen eine milde Gabe in Form etwa eines Laibes Brot durchläßt, hat sich allerdings unterdessen abgesetzt, in Richtung Wjasniki. Vielleicht, um dort eine neue Herde zu gründen. Zurückgekommen ist er jedenfalls bisher nicht. Und genau das ist das Ziel des Projekts: Die Wisente sollen sich über die ganze Region Wladimir ausbreiten.

Wisent 1

Dazu bedarf es aber einer genetischen Auffrischung, um Inzucht zu verhindern. Nun will man einen Teil der Wladimirer Wisente mit Populationen in anderen russischen Regionen kreuzen, etwa mit Tieren aus dem Nationalpark von Orlow. Vielleicht gelingt es ja so tatsächlich, das Ziel der Naturschützer zu erreichen, den Wisent in einigen Jahrzehnten im Gouvernement Wladimir nicht zwei-, sondern schon dreistellig zählen und ihn damit aus dem Roten Buch der gefährdeten Arten tilgen zu können.

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In unseren Landen ist von ihm nur noch die Wiesent in der Fränkischen Schweiz übriggeblieben, an deren Ufer wohl bis ins frühe Mittelalter Wisente gegrast haben. Vor bald einhundert Jahren wurden die letzten noch freilebenden europäischen Bisons im Urwald an der polnisch-weißrussischen Grenze geschossen, bis man in den 20er Jahren mit der gezielten Erhaltung der ausgelöschten Art aus Zooexemplaren begann, die dann erstmals in den 50er Jahren wieder ausgewildert wurden. Heute geht man von etwa 30 Herden aus, die vor allem polnische, ukrainische, weißrussische und russische Wälder durchstreifen.

Wisente

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre brachte man 25 Exemplare in zwei Nationalparks der Wladimirer Region, die sich dort offenbar wohlfühlen. Aber auch wohl genug, um sich zu vermehren? Um das herauszufinden, machte sich eine kleine Expedition in die noch winterlichen Wälder des Nationalparks Kljasmensko-Luchskij, etwa 100 km östlich der Partnerstadt gelegen, auf, um die Häupter der Wildrinder zu zählen. Genaue Daten liefern heute bei derartigen Untersuchungen spezielle Satellitenprogramme. Aber wie die scheuen Wisente mit der modernen Technik kompatibel machen? Nur mit List.

Wisente

Mäuse fängt man mit Speck, Wisente lassen sich mit Heu anfüttern. Mit viel Geduld und Ruhe, denn zunächst muß die angepeilte Herde, die ein Revier von bis zu 5.000 ha durchstreift, gefunden werden. Dann ging aber wohl dieser Tage alles recht schnell. Ein Beteiligter schildert das Unternehmen wie folgt: „Zuerst machten sich die alten Bullen an das Futter und zogen sich, als sie satt waren, wieder in den Wald zurück. Einige Zeit später folgte eine Herde von Muttertieren mit Kälbern. Aus der Gruppe wählten wir die größte Kuh und betäubten sie mit einem Schuß aus dem Narkosegewehr. Wir legten ihr das Halsband mit dem Sender um, und nach einer Stunde erwachte das Tier wieder, um das sich die Herde erneut sammelte, bevor es in den Wald zurückging.“

Wisent

Erste Ergebnisse zeigen, den Wisenten von Wladimir geht es gut, gut genug, um sich zu vermehren. Schon am ersten Tag der Zählung hatte man 21 Tiere auf dem Schirm, darunter drei ausgewachsene Bullen und vier Kälber, von denen zwei im Vorjahr zur Welt gekommen waren. Mögen sie sich weiter an der Kljasma mehren, wenn sie schon nie mehr zur Wiesent zurückkehren.

Mehr zu dem Thema im Blog unter: http://is.gd/RP8ps8

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An der Tesa

Eine gute Wendung nimmt es mit dem Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet in der Region Wladimir. Der Protest der Umweltschützer vor Ort, aber auch die Einschaltung von Staatsduma, Word Wildlife Fund und Europaparlament – ja, so wichtig ist diese Sumpf- und Waldlandschaft in den Auen der Kljasma – hat ein Einlenken von Gouverneur Nikolaj Winogradow bewirkt, der vor fast einem Jahr zwei Drittel der Fläche aus der strengen Schutzzone herausnehmen und zum Pufferbereich machen wollte. Für viele der Dutzende Tierarten, die sich alle auf der Roten Liste tummeln, hätte diese Entscheidung möglicherweise das endgültige Verschwinden aus einem der letzten Rückzugsgebiete bedeutet.

Wisent

Der Widerstand der Ökologen und der Öffentlichkeit tat das Seine. Bereits jetzt ist festgelegt, daß sich an den Schutzgrenzen nichts ändert. Bei den nun anberaumten Anhörungen ist nur noch zu klären, wie die einzelnen Zonen sich genau zueinander verhalten, wie sie am besten bewahrt werden können. Ilja Wachromejew vom Lehrstuhl für Botanik, Zoologie und Ökologie an der Staatlichen Universität Wladimir freut sich jedenfalls schon jetzt darüber, daß „der gesunde Menschenverstand doch noch gesiegt hat“. Um diesen Sieg zu erringen, waren im vergangen Jahr aber einige Expeditionen in das Gebiet bei Wjasniki notwendig, wo 100 km östlich von Wladimir der Luch in die Kljasma mündet. Viele Expertisen werden noch angefertigt, viele Fachleute werden sich noch streiten, aber die Hauptsache ist: Das Naturschutzgebiet bleibt in seinen ursprünglichen Grenzen erhalten

Biberspuren

Es geht um 21.000 ha, die bereits 1978 am Zusammenfluß von Kljasma, Luch, Uwod und Tesa im Grenzgebiet der Gouvernements von Wladimir und Iwanowo zum Naturschutzgebiet erklärt worden waren. Entstanden ist es aus den bereit 1935 eingerichteten Schutzzonen für Biber und Wassermaulwurf bzw. Desman, eine einzigartiger Kleinsäuger, der nur noch in wenigen Rückzugsgebieten Rußlands und in den Pyrenäen in zwei Unterarten vorkommt. Das Sumpfgebiet zählt 67 Seen mit einer Fläche von 5 bis 45 ha, 19 kleinere mit weniger als einem Hektar Fläche und an die einhundert Tümpel und Weiher, zusammen mehr als 440 ha Ausdehnung. Hinzu kommen die vielen kleinen fischreichen Flüsse, die alle am Südrand des Gebiets in die Kljasma münden. 73% der Fläche sind von Mischwäldern und Lichtungen bedeckt. Ein wahres Dorado findet sich hier für Botaniker, die hier sogar die Wassernuß entdecken können, eine Pflanze, die hierzulande fast als ausgestorben gilt.

Wassermaulwurf

Nicht minder vielfältig zeigt sich die Tierwelt mit dem wunderlichen Wassermaulwurf, gefolgt vom Biber, Baummarder, Fischotter, Elch, Dachs, Hermelin, Fuchs und Wildschwein, um nur einige zu nennen. Die Liste wäre aber unvollständig ohne die Wisente, die sich von hier aus, seit 1996 vom WWF betreut, wieder in ihrer ursprünglichen Heimat verbreiten können. Besonders reich auch die Vogelwelt mit Schelladler, Sumpfweihe, Habicht, Sperber, Auer- und Birkhahn, Reb- und Haselhuhn, Wachtel, Wald- und Doppelschnepfe, Bekassine, Ringeltaube und der Wachtelkönig mit seinem so schön lautmalerischen lateinischen Namen crex crex. Im reichlich vorhandenen Wasser tummeln sich Hecht, Rotauge, Schleie, Brachse, Aland, Karausche, Gründling, Quappe, Zander, Barsch und Kaulbarsch, um nur die wichtigsten Arten zu nennen.

Angemerkt sei aus aktuellem Anlaß, daß auch Erlangen so seine liebe Not mit der Erhaltung von Naturschutzgebieten hat. Just heute soll in der Staudtstraße gegen den Bau des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts demonstriert werden, weil Umweltschützer fürchten, damit gehen wichtige Rückzugsgebiete für gefährdete Arten verloren. Und man erinnert sich an den Biber im Kreis Höchstadt, der sogar Landrat Eberhard Irlinger auf den Plan gerufen hat. Da könnte man fast auf den Gedanken kommen: Von Wladimir protestieren lernen, heißt siegen lernen.

Mehr zur Vorgeschichte unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/04/23/ein-federstrich-gegen-die-umwelt

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Schelladler

In der Region Wladimir droht ein einzigartiges Ökosystem verlorenzugehen. Gouverneur Nikolaj Winogradow hat eine Anordnung unterzeichnet, laut welcher das Naturschutzgebiet Kljasminsko-Luchskij um ein ganzes Drittel verkleinert wird. Sollte das in dem Stil weitergehen, könnten auch andere Gebiete, die letzten Habitate von bedrohten Pflanzen und Tieren, ihren besonderen Status einbüßen. Auf dieses drohende Szenario wies gestern vor dem Weißen Haus in Wladimir, dem Sitz des Gouverneurs, eine Gruppe junger Naturschützer mit einer Demonstration hin.

Es geht aktuell um 21.000 ha Kljasma-Auen mit Karstseen und unberührten Sümpfen, wo noch Fauna und Flora zu finden sind, die es zu traurigem Ruhm im Roten Buch der aussterbenden Arten gebracht haben. Dieser Bereich ist jetzt zur Pufferzone herabgestuft worden. Dabei kommen hier noch Schelladler, Schwarzstorch und Wassermaulwurf vor. Auch Wisente ziehen durch die Wälder. 

Wassermaulwurf

Im Weißen Haus hingegen heißt es, die Sache habe rein formalen Charakter. Das neue Bundesjagdgesetz lasse es nämlich nicht zu, daß es auf ein und demselben Gebiet Reviere und besondere Schutzzonen gebe. Entweder die staatlichen Jäger abziehen, laute die Alternative, oder den Bereich als Pufferzone einstufen. Zöge man die Jäger ab, hätten die Wilderer freie Bahn in der Wildnis, so das Argument. Der administrative Akt werde nichts am Zustand der Natur verändern, im Gegenteil deren Schutz sichern.

Die Naturschützer überzeugt das nicht. Sie beanstanden, die Bürokratie habe in dem Fall weder ein Umweltgutachten eingeholt noch die Öffentlichkeit beteiligt. Einfach vor vollendete Tatsachen wolle man sich aber nicht mehr stellen lassen, zumal man bezweifeln müsse, daß die Jagdverwalter die richtigen Fachleute in Sachen Naturschutz seien. Es sei deshalb zu fürchten, daß an den einzigartigen Karstseen bald Datschen statt Föhren stehen.

Wie auch immer: Die Schelladler sind aus ihren Winterquartieren zurück und brauchen jetzt Ruhe zur Aufzucht des Nachwuchses. Bleibt zu hoffen, daß der Federstrich der Bürokratie sie nicht rupft.

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