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Posts Tagged ‘Wiktoria Dawydowa’


Wiktoria Dawydowa aus Wladimir, die derzeit in Nischnij Nowgorod Fremdsprachen studiert, hat gut zwei Wochen nach Ende ihres Praktikums ein Vademecum für russische Besucher in Erlangen geschrieben und am Ende ihres – mit Anhang – dreißigseitigen (!) Berichts ein Resümee gezogen, das dem Blog nur zur Ehre gereicht:

Zwei Wochen sind rum, und mein Praktikum ist zu Ende. In dieser Zeit hat sich viel in meinem Weltverständnis und Bewußtsein verändert. Das Praktikum hat mir zu begreifen geholfen, was Arbeit in Deutschland bedeutet. Außerdem machte ich die Bekanntschaft von sehr vielen guten Menschen, besuchte verschiedene Städte und lernte die Kultur Deutschlands kennen, begann zu verstehen, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu beherrschen.

Nach der Reise habe ich mir das Ziel gesteckt, Deutsch so zu lernen, daß ich nach Abschluß der Universität fließend Deutsch spreche und mich mit meinen neuen deutschen Freunden unterhalten kann. Das Praktikum hat mir darüber hinaus gezeigt, wie wichtig es tatsächlich ist, verantwortungsvoll und pünktlich zu sein. Um etwas im Leben zu erreichen, muß man viel arbeiten, lernen, sich für alles ein wenig interessieren, rechtzeitig zu Terminen kommen und anderen helfen.

Wiktoria Dawydowa

Wiktoria Dawydowa

Alles, was ich während meines Aufenthalts in Erlangen erlebte, passierte mir zum ersten Mal im Leben. Ich flog zum ersten Mal ohne Freunde und Eltern. Zum ersten Mal landete ich verspätet, was mich zwang, die Situation zu meistern. Ich sorgte mich sehr, wegen meiner nicht so guten Deutschkenntnisse könne man mich schief ansehen. Doch meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Jetzt weiß ich genau, in welche Richtung ich zu gehen habe. Außerdem war ich zum ersten Mal in einer so angesehenen Familie zu Gast, nämlich im Haus von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß. Ich bin ihr und ihrer Familie unendlich dankbar für diese herzliche und freundliche Aufnahme, für ihre Güte und Aufgeschlossenheit. Es war mir eine große Ehre, sie kennenzulernen. Sie half mir, sehr viel über Erlangen zu erfahren, über die Politik und das Leben ganz allgemein. Dank auch ihren Söhnen Benjamin und Tobias für die Gastfreundschaft und Bekanntschaft.

Zum ersten Mal im Leben hatte ich so viel Freude am Radfahren! Weder in Wladimir noch in Nischnij Nowgorod habe ich Gelegenheit dazu, weil unsere Straßen dafür nicht vorgesehen sind. In Erlangen hingegen spürst du, wie alles für eine gesunde Lebensweise gemacht ist, und das wirkt umwerfend auf einen. Jetzt, wieder daheim in Rußland, werde ich mich sehr nach meinen abendlichen Spazierfahrten per Rad sehnen.

In erster Linie möchte ich Peter Steger und seiner Frau Nadja für die Möglichkeit danken, das Praktikum zu absolvieren! Sie haben sehr viel für mich getan: Sie brachten mich bei Elisabeth unter, versuchten, nach Kräften mit mir Deutsch zu sprechen, damit ich die Sprache lerne, machten interessante Exkursionen mit mir, zeigten mir Bamberg und die Fränkische Schweiz, teilten mit mir ihre Lebenserfahrungen, ließen mich ihre Eindrücke von mir wissen, halfen mir in der Not (als ich bei der Rückkehr aus Nürnberg am falschen Bahnhof ausgestiegen bin), holten mich am Flughafen ab und brachten mich wieder dorthin zurück, verbrachten die Abende mit mir und lehrten mich ihre kulinarischen Geheimnisse.

Besonderen Dank an Peter Steger für das, was er für unser Wladimir tut, für seine Aufrichtigkeit und Liebenswürdigkeit. Er hat mein Praktikum zu etwas Unvergeßlichem und ganz Besonderem gemacht! Ich hatte derart viele interessante und nützliche Treffen, Arbeitsaufträge, bekam so viele Ratschläge, machte so viele neue Bekanntschaften. Danke auch für sein Deutsch. Er hat in mir den Wunsch geweckt, diese Sprache weiter an der Universität und darüber hinaus zu studieren.

Wiktoria Dawydowa

Wiktoria Dawydowa

Es war auch sehr angenehm, Verena und Amil kennenzulernen. Verena zeigte mir Nürnberg. Danke dafür, daß sie alles hat stehen und liegen lassen, um mir so großartig Gesellschaft zu leisten und so schön über ihre Heimatstadt zu erzählen! Dank ihr habe ich Nürnberg so angenehm in Erinnerung. Danke aber auch an Amil! Er zeigte mir eine andere Seite des Lebens in Erlangen, was den offiziellen Teil meines Aufenthalts ergänzte.

Abschließend möchte ich allen danken, mit denen ich zusammenkommen konnte. Allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung, den Lehrkräften der Franconian International School, den Ehrenamtlichen vom BRK und einfach allen Zufallsbekanntschaften, die alles getan haben, um mir zu helfen. Ich hoffe, mit allen in Kontakt bleiben und die Beziehung zu ihnen fortsetzen zu können.

Nach meinem Aufenthalt in Deutschland kann ich voll Überzeugung sagen: Es leben dort ausnehmend gute Menschen, die immer in jeder Situation zu helfen bereit sind. Hauptsache, man fürchtet sich selbst vor nichts.

Mehr zu Wiktoria Dawydowa hier im Blog unter: http://is.gd/ZPjtGQ und http://is.gd/yiRymo

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Während im slawischen Bruderzwist Menschen für ein von Selbstherrschern usurpiertes „moralisches Recht“ geopfert und wenige Tage alte internationale Vereinbarungen schon wieder zynisch gebrochen werden, um einer aus sich heraus nicht überlebensfähigen, selbsternannten und pseudostaatlichen Krebszelle das künstliche Überleben zu sichern, endet hierzulande die närrische Zeit im Zeichen des Aschekreuzes und treibt in Rußland die Butterwoche ihrem Höhepunkt entgegen: dem Fest des gegenseitigen Verzeihens am kommenden Sonntag, nach dem die vorösterliche Fastenzeit beginnt.

Wiktoria Dawydowa

Wiktoria Dawydowa

Vor der zeremoniellen Reinigung und der Einstimmung auf die Passion des Herrn lassen es die Russen aber noch einmal so richtig krachen. Mit ausgelassenem Feiern, Besuchen bei Freunden und einer Küche, die in allen weltlichen Genüssen – außer den fleischlichen – nur so schwelgt. Traditionell gehören jetzt zu jeder Tages- und Nachtzeit Pfannkuchen (Bliny) auf den Tisch, in allen denkbaren Varianten, mit allen möglichen Zutaten von Honig über gesüßte Kondensmilch und Marmelade bis hin zu Kaviar oder Pilzen. Der Grundstoff sei dabei stets der gleiche, meint Wiktoria Dawydowa aus Wladimir, die derzeit im Rathaus ein Praktikum absolviert und nun zum ersten Mal fern der Heimat an einem Herd steht.

Bliny à la Wiktoria

Bliny à la Wiktoria

Für drei Personen nimmt die Fremdsprachenstudentin einen halben Liter Milch, einen halben Teelöffel Salz, ein Ei und ca. 300 g Mehl. Statt in Butter bäckt sie die Pfannkuchen gern in Sonnenblumenöl, aber nur mit ganz wenig davon, damit die Bliny nicht zu fett und dick werden. Sie hat es mehr mit der schlanken Linie. Aber das möge jeder so halten, wie es der Geschmack eingibt. Verkehrt machen kann man eigentlich nicht viel. Nur zu wenig! Denn Butter und Milch und all die anderen Köstlichkeiten tierischer Abkunft sind dann für den orthodoxen Christenmenschen ab Montag nächster Woche tabu – bis zum Fest der Auferstehung des Friedensfürsten. Womit wir dann doch wieder bei der allzu diesseitigen Einleitung wären, die nicht eben appetitfördernd wirkt. Aber dafür kann die Pfannkuchenbäckerin aus Wladimir nun wirklich nichts.

Mehr zur Butterwoche hier im Blog unter: http://is.gd/LVgLXf mit einem animierenden Gruß aus Wladimir unter: http://is.gd/ZZqgTf. Und dann zum Vomitorium mit diesem Link http://is.gd/EsUWUh, der den Beschuß von Debalzewe durch die Separatisten (sie reklamieren das Städtchen als ihr „Stalingrad“!) während der nun endgültig hinfälligen „Waffenruhe“ zeigt und hören läßt, wie lustig das ein russischer TASS-Journalist findet. Leider auch ohne Russischkenntnisse verständlich, was der Krieg aus Menschen machen kann.

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Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Wiktoria Dawydowa aus Wladimir hat ihr Fremdsprachenstudium – Englisch und Deutsch – in Nischnij Nowgorod gerade etwa zur Hälfte hinter sich. Da ist es an der Zeit, einmal den Praxistest zu machen und zu überlegen, in welchem Bereich man später einmal tätig sein möchte. Für die Studentin scheint das schon nach dem ersten Tag ihres zweiwöchigen Praktikums im Bürgermeister- und Presseamt klar: Es braucht nicht die große Diplomatie sein, die „kommunale Außenpolitik“ bietet auch genug Möglichkeiten, sich in der Völkerverständigung zu betätigen.

Otmar Stadtmüller, Wktoria Dawydowa und Elisabeth Preuß

Otmar Stadtmüller, Wiktoria Dawydowa und Elisabeth Preuß

Auch wenn die Besucherin erst am Nachmittag im Erlanger Rathaus erscheint – sie hatte am Abend zuvor den Anschlußflug in Zürich nicht mehr erreicht und mußte dort übernachten -, kann sie die Partnerschaft mit Wladimir gleich in Aktion erleben. Etwa bei einem Treffen von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die mit Otmar Stadtmüller, dem Leiter der Integrierten Beratungsstelle, den Termin für einen Fachbesuch in der Partnerstadt zum Thema „Prävention und Therapie von Sucht“ auf Mitte Juni festlegt und damit wieder einmal persönlich für Kontinuität im Austausch sorgt.

Wiktoria Daywdowa und Igor Krotter mit den Nachwuchspaar Lilly und Max

Wiktoria Dawydowa und Igor Krotter mit den Nachwuchspaar Lilly und Max

Oder auch bei dem Termin mit Igor Krotter, dem Boxtrainer des Sportvereins TV 1848, der schon heute mit einem dreiköpfigen Team (nein, die beiden Nachwuchssportler auf dem Bild sind dieses Mal noch nicht dabei!) zu Wettkämpfen nach Wladimir aufbricht und nicht nur die Begegnungen vom Vorjahr fortsetzt, sondern auch schon von einem Turnier mit Boxern aus Wladimir im August spricht. Dazwischen liegen für Wiktoria Dawydowa Aktenordner im Rathaus; E-Mails mit den unterschiedlichsten Botschaften, leider auch mit der Absage einer Jugendgruppe aus Wladimir, die wegen des Rubelverfalls nicht, wie geplant, im März wird kommen können; Gespräche mit Besuchern und Anrufern. Eben schon eine Ahnung vom Arbeitsalltag im Partnerschaftsbüro. Und alles auf Deutsch, auch wenn das nach erst eineinhalb Jahren des Studiums noch etwas unsicher daherkommt. Aber man lernt ja auch nie aus, gerade wenn man studiert.

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