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Posts Tagged ‘Weronika Rytschkowa’


Es herrscht ja gottlob kein Mangel an Zeichen und Gesten der Verständigung zwischen den Partnerstädten Erlangen und Wladimir. Aber was da am Mittwoch beim Abschiedsabend für die Gäste aus dem Erlangen-Haus im Club International der Volkshochschule seinen ebenso symbolischen wie handwerklichen Anfang nahm, dürfte eine besondere Strahlkraft entwickeln.

Reinhard Beer mit Ludmila Safronowa, Soja Ilina und Weronika Rytschkowa, dem Siegertrio

Doch der Reihe nach. Es gehört zum guten Brauch, die mittlerweile elfte Gruppe von Teilnehmern an den Deutschkursen des Erlangen-Hauses  im Club International der Volkshochschule mit einem bunten Abend zu verabschieden, den die Gäste einfallsreich mitgestalten und der Gelegenheit bietet, all denen zu danken, die den Besuchern für zwei Wochen ihre Türen öffneten und Familienanschluß boten. Fester Bestandteil dieses geselligen Beisammenseins ist immer eine von Reinhard Beer, dem Spirtus rector dieses Austausches, ersonnene Stadtrallye mit immer wieder neuen Fragen zu Geschichte und Gegenwart, dieses Mal mit einem weiblichen Trio auf dem Siegerpodest mit einem Allzeit-Rekordergebnis: 19 von 20 möglichen Punkten.

Robert Lerch, Gerhard Willner und Sabine Wellhöfer mit Elisabeth Preuß

Aber es gab auch eine Premiere. Seit 2011 ist die Erlanger Volkshochschule Prüfungszentrum für die russische Sprache, die einzige in ganz Bayern, nachdem Freising das Angebot mittlerweile aus dem Programm nahm. Eine sechsköpfige Gruppe legte dieser Tage die telc-Prüfungen auf der Stufe A1 ab, ausnahmslos erfolgreich, und so lag nahe, das an dem Abend anwesende Trio vorzustellen und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß – sie hatte zu Gunsten dieser Veranstaltung auf das Konzert „Klassik am See“ verzichtet – um Überreichung der Urkunden zu bitten.

Natalia Kaiser, Natalia Korssakowa, Tatjana Kirssanowa und Jekaterina Korschofski

Anwesend neben den beiden Deutschdozentinnen aus dem Erlangen-Haus, Tatjana Kirssanowa und Natalia Korssakowa, auch Natalia Kaiser und Jekaterina Korschofski, die erfolgreich Russisch an der Volkshochschule unterrichten. Ein Bild, das keiner weiteren Kommentare bedarf, weder auf Russisch noch auf Deutsch, es spricht für sich.

Gäste und Gastgeber im Club International

Eigentlich tut es auch dieses Bild, wo Gäste und Gastgeber so bunt gemischt sind, wie man sich das nur wünschen kann. Dennoch, so gefährlich es sein mag, weil man doch immer jemanden vergessen könnte, Elisabeth Preuß wagt es, namentlich zu danken: Markus Bassenhorst und Reinhard Beer sowie Heide Thies, der bewährten Dozentin, für die Volkshochschule, Gerhard Kreitz für den Freundeskreis Wladimir, den gastgebenden Familien. Der Chronist bürgt erst recht nicht für Vollständigkeit…

Gemischter Wladimirer Chor mit Stefan Barth, dritter v.l.

Tatjana Kirssanowa, sichtlich bewegt, tut das auf ihre Weise – mit der Regie für den weiteren Ablauf des Abends und den Worten: „Wir lassen unsre Herzen hier, wenn wir morgen wieder nach Wladimir fahren!“ Schon erstaunlich, was die Gäste da alles innerhalb der knappen zwei Wochen vorzubereiten verstanden: Ein Ständchen, ein Stück am Klavier, Präsentationen zu Traditionen und Trends der Russen…

Kochkurs „Wladimirer Pfannkuchen“ mit Heide Thies links im Vordergrund

Und dann die Arbeitskreise. Schaukochen, ein Quiz, ein Malkurs und dann eben jenes bestrickende Symbol, von dem eingangs die Rede war: ein Freundschaftsschal.

Russisches Quiz

Diese Handarbeit, deren erste Maschen Tatjana Krutogolowa, Nachtwächterin im Erlangen-Haus, und Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, gemeinsam anschlugen, soll nun in der Partnerstadt von den deutschen Gästen – zusammen mit den russischen Freunden – fortgesetzt werden. Welch schönes Versprechen für die Zukunft!

Beobachtet von Marina Bit-Ischo stricken Tatjana Krutogolowa und Gerhard Kreitz am Freundschaftsschal

In die Zukunft gerichtet war dann auch noch der Besuch im Deutsch-Französischen Institut am gestrigen Vormittag, wenige Stunden vor der Heimreise. Linda Lahner nahm sich eine ganze Stunde Zeit, um ihren russischen Kolleginnen das pädagogische und kulturelle Angebot – mit allen Unterschieden wie Parallelen zu Wladimir – vorzustellen. Und schon entstanden neue Ideen für das Programm am Erlangen-Haus, etwa eine mögliche Zusammenarbeit mit einem Kindergarten oder eine engere Kooperation mit der Universität. Besonders beeindruckt aber waren die beiden Besucherinnen von der Mediathek für Kinder. Man wird sehen, ob und wie sich dies und das auch in Wladimir umsetzen ließe.

Linda Lahner, Natalia Korssakowa und Tatjana Kirssanowa

Ein Schlußwort? Vielleicht genügt der Hinweis darauf, wie ernst dieses Austauschprojekt in Erlangen genommen wird. Zur Eröffnung kam Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, zum Abschiedsabend erschien ihre Kollegin, Elisabeth Preuß; VHS-Leiter Markus Bassenhorst besuchte beide Veranstaltungen und ließ sich dazwischen immer wieder sehen, von Reinhard Beer und dem Freundeskreis Wladimir, für das Aufenthaltsprogramm und die Unterbringung verantwortlich, ganz zu schweigen. Wladimir ist eben in Erlangen Herzenssache – und nun lassen die Wladimirer auch noch ihre Herzen in Erlangen zurück.

Gerhild Fabian und Soja Ilina, gesehen von Georg Kaczmarek

Wer wollte daran noch zweifeln, angesichts dieses Bildes: Wenn Abschiedstränen sprechen könnten…

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Sonntag, 9.4.2017

Wir trafen uns schon sehr früh am Morgen, um mit dem Kleinbus nach München zum Flughafen zu fahren. Unser Flieger nach Moskau ging gegen Mittag, und wir landeten am frühen Nachmittag in Moskau. Nach der Grenzkontrolle holten wir unsere Koffer, jedoch blieb einer verschwunden. Trotzdem machten wir uns dann per Bus auf den mehrstündigen Weg nach Wladimir. Im Erlangen-Haus angekommen, wurde ich gleich von meiner Gastfamilie abgeholt und nach Hause gebracht, während die anderen zusammen zu Abend aßen. Schon an diesem Tag lernte ich die Gastfreundschaft der Russen kennen, die mich gleich wie zu Hause fühlen ließ.

Gastgeberin Weronika Rytschkowa und Anna Barth

Montag, 10.4.2017

Nach einer Nacht in einer wohlhabenden Familie etwas außerhalb von Wladimir, traf ich mich mit den anderen der Gruppe um 9 Uhr im Erlangen-Haus wieder. Gegen 10 Uhr hatten wir einen Empfang in kleinem Kreis im Rathaus. Danach wurden wir in einem anderen Gebäude von der gesamten Diskussionsgruppe von russischer Seite erwartet. Nach einem kleinen Empfang bat man uns in das Gesprächszimmer. Es wurde kurz und knapp die Geschichte erzählt, wie man auf dieses Diskussionsforum gekommen war. Das Ziel des Forums wurde schnell geklärt, denn allen beteiligten Personen war und ist es wichtig, einen gemeinsamen Austausch der Partnerstädte über beide Seiten bewegende Themen zu veranstalten. Danach unterschrieben die beiden Oberbürgermeister das Protokoll, das die Gründung des Gesprächsforums namens PRISMA vorsieht. Anschließend eine kurze Kaffeepause, um sich nochmals vor der folgenden Diskussion zu stärken.  Das vorherrschende Thema der Diskussion waren die aktuellen Fragen der Migrationspolitik in beiden Städten, wie man die Flüchtlinge in Deutschland integriert; ob dies gelingt; die Probleme, die mit einer Flüchtlingswelle kommen und die geopolitischen Aspekte, die auch eine Ursache von Fluchtgründen sind.

Nach zwei von der deutschen Delegation allerdings auf Russisch gehaltenen Vorträgen  begann die eigentliche Diskussion. Auch wenn ich selber nichts beisteuern konnte, so habe ich doch einen guten Eindruck in den Ablauf der Gesprächsrunde bekommen können.

Nach der Diskussion gab es nochmals Kaffee, und ich erhielt die Möglichkeit, mich mit zwei Personen aus dem Jugendparlament von Wladimir zu unterhalten. Ich fragte sie nach ihrer Tätigkeiten und erkannte, wie ähnlich doch die Themen sind, die wir haben. Auch zum Jugendparlament aus Wladimir kommen andere Personen mit ihren eigenen Anliegen und tragen diese vor. Die größten Unterschiede liegen jedoch im Alter, denn wir sind zwischen 12 und 18 Jahren, die Mitglieder in der Partnerstadt zwischen 18 und knapp 30 Jahren alt. Ein weiterer Unterschied besteht darin: Die Parlamentarier aus Wladimir müssen in eigenen Bereichen arbeiten und dazu dann auch Projekte durchführen.

Später dann hatte ich die Möglichkeit, im Erlangen-Haus den Deutschunterricht der Stufen A2 und B1 zu besuchen. In der einen Klasse ging es um die Reflexivpronomen, und in der anderen Klasse besprach man die Regeln beim Bergwandern. Danach gab es noch ein gemeinsames Essen, bei dem nur ein Teil der russischen Seite anwesend war. Wie es bei den Russen üblich ist, brachte jeder einen Trinkspruch aus, der in irgendeiner Weise wichtig für das Treffen ist. So wurde auch ich als jüngste Teilnehmerin nicht davon verschont, meinen ersten Toast  auszubringen. Den verbleibenden Abend verbrachte ich dann mit der Familie.

Das Gesprächsforum Prisma

Dienstag, 11.04.2017

Auf dem heutigen Programm stand ein kleiner Stadtrundgang. Wir besuchten die prachtvolle Mariä-Entschlafens-Kathedrale, den nebenanliegenden Park und die kleine Demetrius-Kathedrale, die wir jedoch nicht betreten konnten. Am Nachmittag fuhren ein paar der Deutschen nach Susdal, wo ein Männerkloster, ein Holzmuseum und eine weitere Kathedrale besucht wurden. Am späteren Nachmittag hatte ich nochmals die Möglichkeit den Deutschunterricht zu besuchen, da die Tochter meiner Gastfamilie Unterricht hatte. Dieses Mal wurden die verschiedenen Ausweise, wie Gesundheits- oder Mitgliedskarte, besprochen. Nach diesem Unterricht verbrachte ich den Abend wieder mit der Familie. Wir spielten miteinander und lachten viel.

Anna Barth (2. v.l.) mit der Gruppe im Erlangen-Haus

Mittwoch, 12.04.2017

Für mich startete der Morgen schon um halb 5, denn unser Bus nach Moskau sollte um 5 Uhr abfahren. In Moskau hatten wir dann durch das frühe Ankommen noch sehr viel Freizeit, die wir in einem Café absaßen. Unseren Flug nach München haben dann auch alle gut überstanden, und die Heimfahrt nach Erlangen ging auch schnell vorüber.

Ich möchte mich noch einmal bei Peter Steger dafür bedanken, mich auf diese Reise mitgenommen und mir die Möglichkeit gegeben zu haben, in Ansätzen eine neue Kultur kennenzulernen, der Diskussionsrunde beizuwohnen und einen Teil der Städtepartnerschafts-Geschichte mitzuerleben. Vielen Dank.

Anna Barth

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