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Posts Tagged ‘Walter Otto’


Dieser Tage hatte die Medizin-Delegation in Wladimir noch auf ein gnädiges Ende des schwer erkrankten Kollegen und großen Freundes des deutsch-russischen Austausches angestoßen, und nun teilte Jürgen Binder gestern mit, Walter Otto sei bereits am Dienstag verstorben.

Walter Otto, zweiter von links in der ersten Reihe, inmitten von Freunden: dem Ehepaar Heidi und Jürgen Binder, den Wladimirer Ärzten, Magir Katschabajow und Jewgenij Jaskin, sowie Helmut Schmitt, Altbürgermeister Gerd Lohwasser (beide im Vorjahr verstorben), Rita Stolz und Peter Steger

Ein großer Verlust für alle, die den lebensfrohen Allgemeinarzt kannten, ein schmerzlicher Verlust auch für die Städtepartnerschaft insgesamt, der sich das langjährige Vorstandsmitglied im Ärztlichen Bezirksverband Mittelfranken fachlich wie menschlich eng verbunden fühlte.

Jürgen Binder, Melanie Huml und Walter Otto

Welch herausragende Persönlichkeit Walter Otto war, belegt auch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande – zusammen mit Jürgen Binder – im Oktober vergangenen Jahres bei einem Festakt in Bayreuth durch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Walter Otto

Die Auszeichnung, die dem Mediziner aber sicher am wichtigsten war, bestand in der Freundschaft mit seinen russischen Kollegen und Freunden.

Mit Walter Otto ist jemand für immer gegangen, der sich stets der Verantwortung der Deutschen gegenüber den Russen bewußt war, besonders erlebbar heute, wo man von Maikop bis Murmansk den Tag der Erinnerung und der Trauer begeht, den Tag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion mit all dem unsäglichen Schmerz und Leid – am 22. Juni 1941. Nun tragen wir das Gedächtnis an den stets um Versöhnung werbenden Verstorbenen und die ungezählten Opfer der unbarmherzigen Kriegslogik weiter in eine Zeit, wo Menschen wie Walter Otto besonders fehlen.

 

 

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Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn vielversprechende Vorhersagen eintreffen, wenn positive Erwartungen ihre Bestätigung finden. Und so ist es denn auch für die Partnerschaft ein Glücksmoment zu erleben, wie rasch sich Jekaterina Mironowa an ihrem Praktikumsplatz bei der Firma Sunset, die von Adelsdorf aus seit 35 Jahren weltweit ihre selbstentwickelte Solartechnik vertreibt, in die für sie völlig fremde Materie eingearbeitet hat. Verwunderlich ist es freilich nicht, wenn man die mit Auszeichnung examinierte Fremdsprachenlehrerin kennt, die zunächst in Anopino, unweit von Gus-Chrustalnyj in der Region Wladimir, bei einem Flaschenproduzenten berufliche Erfahrung gesammelt und nun auch noch ein Zweitstudium mit dem Schwerpunkt Ökonomie und Finanzwesen an der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in der Partnerstadt absolviert hat. Doppelt gerüstet verspricht eben mehr Erfolg auf dem Arbeitsmarkt, auf dem russischen wie dem deutschen.

Jekaterina Mironowa

Jekaterina Mironowa

Seit dem 8. Januar und noch bis Anfang März lernt die junge Frau nun, die dank ihrer Mutter, der Deutschlehrerin Ludmila Mironowa, schon vor zehn Jahren als Austauschschülerin zum ersten Mal nach Erlangen gekommen ist, in Theorie und Praxis, was es bedeutet, Spitzentechnologie international zu vertreiben und sich auf einem schwierigen Markt zu behaupten, denn Solaranlagen werden in nennenswerter Zahl derzeit nur außerhalb von Europa gekauft, und wegen des sinkenden Ölpreises gehen auch da die Geschäfte derzeit schleppend. Desto mehr kommt es auf Marketing, Preisgestaltung, Service an. Alles Dinge, die Jekaterina Mironowa für ihr weiteres Berufsleben lernen will. Alles Dinge, die man ihr hier gerne mitgibt. Nicht, um zu belehren, nur, um das zu mehren, was man Vertrauen nennt, Zement und Fundament für jede Zusammenarbeit, von der großen Politik derzeit so heftig erschüttert. Im kleinen leistet so die Partnerschaft, was im großen derzeit nicht mehr gelingen mag, und zeigt: Der Westen ist gewiß nicht russophob, wie die Kreml-Medien glauben machen wollen, ist vielleicht sogar mehr denn je am Dialog interessiert. Und das zu erleben, ist mehr wert, als man oft meint, zumal die Hospitantin mit dem tadellosen Deutsch auch schon Verbindungen zum Freundeskreis Höchstadt – Krasnogorsk und zur WAB Höchstadt aufgenommen hat. Ganz zu schweigen von Walter Otto, dem Arzt mit Wladimir-Neigung, der den Praktikumsplatz vermittelt hat. Da wächst gedeihlich weiter, was gut gepflanzt war.

Wie das alles begonnen hat, und was man noch über die Wladimirerin wissen sollte, findet sich hier: http://is.gd/8D7Crz

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Aus Rjasan und Kasan, aus Moskau und – Erlangen trafen sich gestern in Wladimir und Susdal Mediziner, um den 100. Jahrestag der Gründung des Rot-Kreuz-Krankenhauses zu begehen. Wie es sich gehört, mit einer wissenschaftlich-praktischen Konferenz, zu der Werner Hohenberger, Leiter des Lehrstuhls für Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität, das erste Referat zum Thema „akute Koloproktologie“ beisteuerte. Eingeladen hatte den europaweit führenden und vielfach ausgezeichneten Fachmann für chirurgische Onkologie bereits im Januar Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Notfallkrankenhauses Wladimir, im Volksmund „Rot-Kreuz-Krankenhaus“ genannt, als sich die ersten Fuhren mit den gespendeten Betten von Erlangen aus auf den Weg in die Partnerstadt machten.

Vortrag Werner Hohenberger

Vortrag Werner Hohenberger

Gestern vor 100 Jahren wurde anläßlich der 300-Jahr-Feiern des Zarengeschlechts der Romanows, am Geburtstag der Schirmherrin des Russischen Roten Kreuzes, der Kaiserin Maria Fjodorowna, das Gebäude im pseudorussischen Stil eröffnet, übrigens entworfen vom deutschstämmigen Architekten Leonid Scherer. Die ersten Patienten des Krankenhauses waren Verwundete im Ersten Weltkrieg. Heute macht man hier jährlich mehr als 12.000 Operationen, womit die Klinik die größte Einrichtung für Chirurgie und Traumatologie in der ganzen Region ist, wo vor allem die schwierigsten Fälle behandelt werden. Allein die Unfallchirurgie hat zwei Abteilungen mit je 107 Betten, auch für Patienten mit Verbrennungen. Darüber hinaus arbeiten hier Ärzte aus 36 Fachbereichen, darunter Urologie, Gynäkologie und Neurochirurgie. Mit insgesamt 547 Mitarbeitern – von den Medizinern bis zu den Pflegekräften und zum technischen Personal – und 444 Betten steht das Krankenhaus nicht nur hinsichtlich seines Profils, sondern auch von seiner Größe her mit an der Spitze der medizinischen Einrichtungen im Gouvernement Wladimir. Dabei hatte das aus Spendenmitteln gebaute Haus vor 100 Jahren mit gerade einmal 25 Betten begonnen.

Vortrag Werner Hohenbeger

Vortrag Werner Hohenbeger

Werner Hohenberger, der in Erlangen studiert hat und nach seiner Habilitation 1984 zunächst an seiner Alma Mater ordentlicher Professor wurde, dann nach Regensburg zum Lehrstuhl für Chirurgie wechselte und 1995 den Ruf an die Chirurgische Klinik der FAU erhielt, kennt Wladimir von einem früheren Besuch her und natürlich dank den vielen Hospitationen von Kollegen aus der Partnerstadt an seinem Krankenhaus. Und schließlich liegt das Rot-Kreuz-Krankenhaus stets auf der Route aller Mediziner aus Erlangen, die Wladimir besuchen: Ignaz Schneider, Jürgen Binder, Walter Otto, Michael Reitzenstein…

Werner Hohenberger

Werner Hohenberger

Die Zusammenarbeit zwischen den Medizinern dürfte sich in Zukunft weiter vertiefen, denn in Wladimir will man dem Personalmangel – derzeit fehlen, vor allem auf dem Land, 938 Ärzte und 1.185 Pflegekräfte – nicht nur mit einer Anhebung der kargen Gehälter, die kaum über 500 Euro liegen, begegnen, sondern es ist auch geplant, an der Universität der Partnerstadt endlich eine Medizinische Fakultät einzurichten. Außerdem will man endlich mehr Aufmerksamkeit der Palliativmedizin widmen und die bisher gerade einmal 15 Betten für die ganze Region innerhalb von drei Jahren auf 65 aufstocken. Sicher längst nicht genug, aber ein Anfang, der auch ein Verdienst der Kooperation mit den Erlanger Kollegen ist, die immer wieder dieses Thema anmahnten.

Dank an Irina Chasowa für die Photos! Mehr zum Thema unter: http://is.gd/QZAHau

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Am 10. April brachen wir – eine kleine Gruppe, bestehend aus zwei Lehrerinnen, einem Lehrer und vier Schülerinnen von der Freien Waldorfschule Erlangen – nach Wladimir auf. Für einige war es der erste Flug und für die meisten der erste Rußlandbesuch. Am Flughafen erwartete uns unsere Dolmetscherin Kristina mit einem Schild „Erlangen“, und wir stiegen bei bestem Wetter in den bereitstehenden Bus ein, um die letzten 180 km in Angriff zu nehmen. Nach dem dritten Stau und gut fünf Stunden später waren die Gesichter ziemlich lang. Wie wohl die Gastfamilien sein würden? Würde die Verständigung klappen?

Die Waldorfgruppe mit den beiden begleitenden Ärzten, Jürgen Binder und Walter Otto

Die Waldorfgruppe mit den beiden begleitenden Ärzten, Jürgen Binder und Walter Otto

Doch schon beim ersten Blick hellten sich die Mienen wieder auf: Die Gastgeber waren alle wirklich super nett, und die Verständigung funktionierte problemlos auf Deutsch. Und unser Kollege Thomas freute sich, mal wieder ausgiebig Russisch sprechen zu können. Unsere Tage waren ausgefüllt mit interessanten Unternehmungen: erstes Kennenlernen der Stadt; ein wunderschönes klassisches Konzert mit Gershwin und Prokofjew; die Fahrt nach Susdal, das auch beim zweiten oder dritten Besuch immer wieder Neues bietet; das Kloster mit den blauen Kuppeln und dem unaussprechlichen Namen, wo die Frauen und Mädchen Wickelröcke über die Hosen anzuziehen hatten. Der orthodoxe Gottesdienst in der Wladimirer Mariä-Entschlafens-Kathedrale (mit Wickelrock) war ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.

Waldorfschülerinnen vor der Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl

Waldorfschülerinnen vor der Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl

Und dann war da natürlich der Sonntag in Moskau mit Irina. Eigentlich schafften wir nur drei Highlights – den Kreml, das Kaufhaus GUM und den Roten Platz, der an diesem sonnigen Frühlingstag den vielen Menschen aus aller Welt gehörte, die dort herumschlenderten.

Waldorfschülerinnen auf dem Roten Platz

Waldorfschülerinnen auf dem Roten Platz

Besucht haben wir natürlich auch die Waldorfschule Wladimir und das Gymnasium Nr. 23. Zu Schülerinnen aus diesem Gymnasium hatten wir von Anfang an Kontakt. Die Gastgeberinnen begleiteten Nina, Sophia, Veronika und Antonia aus Erlangen zum Pizzaessen und ins Einkaufszentrum, und dank den modernen Medien ist dieser Kontakt auch nicht abgebrochen. Zu der Waldorfschule hätten wir gerne intensiveren Kontakt, aber gerade in dieser Woche gab es viel zu tun – das große Jahreskonzert stand bevor, und 40 Besucher aus Berlin wurden erwartet. Schön wäre es jedenfalls schon, wenn sich da mehr ergeben könnte.

Die Waldorfgruppe bei Freunden und Kollegen mit Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses

Die Waldorfgruppe bei Freunden und Kollegen mit Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses

Die Freizeit hat bald jeder von unserer Gruppe auf seine Weise genutzt – zum Hubschrauberflug über Wladimir, zum Einkaufsbummel auf eigene Faust, zum Treffen mit Freunden und Bekannten, zum Besuch in einem Restaurant (davon gibt es immer mehr), zum Ballettabend oder auch als Gast bei einem der ausgezeichneten Deutschkurse des Erlangen Hauses (Goethe-Institut)… Das Erlangen Haus war wieder Treffpunkt für Unternehmungen, ein gemeinsames Abendessen oder einfach ein Ort zum Ausruhen.

Zur Stärkung im Erlangen-Haus mit der Kollegin Ludmila Mironowa, ganz rechts

Zur Stärkung im Erlangen-Haus mit der Kollegin Ludmila Mironowa, ganz rechts

Am 18. April sind wir mit einer Menge neuer Erfahrungen nach Hause gefahren. So manche Meinung über Rußland hat sich revidiert. Wir haben offene und gastfreundliche Menschen getroffen und ein Land gesehen, in dem vieles wie bei uns ist und manches auch überraschend anders.

Waldorfklassen auf Russisch

Waldorfklassen auf Russisch

Bei der Stadt Erlangen bedanken wir uns für die unentbehrliche Unterstützung bei der Planung und Durchführung unserer Fahrt, und wir freuen uns auf das Wiedersehen mit den Wladimirer Schülern im Oktober in Erlangen. Denn wichtig ist: Die Menschen in Europa sollten einander besser kennenlernen und verstehen, und vielleicht bekommen das nächste Mal noch mehr Schüler wie Lehrer Lust, sich auf eine Fahrt nach Wladimir einzulassen.

Heidi Binder

Der Bericht der beiden begleitenden Ärzte ist hier nachzulesen: http://is.gd/OKHF6h

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In den Osterferien war nicht nur die DLRG-Jugendgruppe in Wladimir. Auch zwei Ärzte, Jürgen Binder und Walter Otto, besuchten die Partnerstadt, begleitet von einer Gruppe der Waldorfschule, die noch einen Bericht für den Blog zugesagt hat. Was die beiden Mediziner erlebt haben, resümiert Jürgen Binder: 

Jürgen Binder, Jewgenij Jaskin und Walter Otto

Jürgen Binder, Jewgenij Jaskin und Walter Otto

Unsere Reise diente neben dem touristischen Programm einschließlich einer Tagesfahrt mit dem Sapsan nach Moskau der weiteren Vertiefung der Kontakte mit Kollegen insbesondere aus dem Rot-Kreuz-Krankenhaus. Dort konnten wir auch die aus dem Bettenhaus der Erlanger Uni-Chirurgie gespendeten Bettgestelle besichtigen, die aufgrund des geplanten Abrisses hier zur Verfügung stehen. Der ärztliche Direktor, Jewgenij Jaskin, Personal und Patienten zeigten sich sehr zufrieden und dankbar für diese Verbesserung bei der stationären Behandlung, wenn auch noch nicht alle fast 150 Betten ihren Weg nach Wladimir gefunden haben. Dem Freundeskreis Erlangen-Wladimir sei nochmals Dank für die Hilfe bei der Verladung auf die Transport-Lkws gesagt.

Die Betten aus Erlangen in Wladimir

Die Betten aus Erlangen in Wladimir

Darüber hinaus fand ein Treffen mit Alexander Kirjuchin, dem Gesundheitsreferenten des Gouvernements, statt. Die Gesprächsatmosphäre war sehr aufgeschlossen und freundschaftlich, und so konnten wir Austauschmöglichkeiten für Klinikärzte, aber auch Medizinstudenten, ins Auge fassen. Außerdem besteht hohes Interesse an Informationen über unsere ambulanten Organisationsstrukturen für Rehabilitations- und Palliativmedizin sowie die allgemeinmedizinische hausärztliche Versorgung. Für diese Fachgebiete besteht dringender Informationsaustausch aufgrund der dortigen Probleme in diesen Bereichen. Es wurde deshalb ein baldiger Informationsbesuch in Erlangen mit der ärztlichen Direktorin der Abteilung für Gesundheitswesen der Region Wladimir, Ljubow Bykowa, vereinbart.

Jewgenij Jaskin und die Betten aus Erlangen

Jewgenij Jaskin und die Betten aus Erlangen

Nebenbei fand bei einem Konzertbesuch auch ein kurzes Gespräch mit dem neuen 1. Konzertmeister der Wladimirer Philharmoniker statt, den ich schon früher als Meisterschüler der Kunst- und Musikhochschule in Wladimir kennengelernt hatte. Er kennt Erlangen von einem früheren Gastkonzert. Natürlich würde man sich freuen, wieder einmal in Erlangen spielen zu dürfen. Das Konzert selbst war ein Genuß: Es wurden die Rhapsody in Blue von George Gershwin mit der Geige als Soloinstrument und eine Symphonie von Sergej Prokofjew gegeben. Für unsere Augen auffällig war die große Anzahl von jungen Orchestermitgliedern.

Es gibt viel zu tun, packen wir`s an.

Dr. Jürgen Binder
FA für Allgemeinmedizin
Ehrenvorsitzender Verein Hausärzte Erlangen und Umgebung
Ehemaliger Sprecher der Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin an der FAU Erlangen-Nürnberg

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Kurt Förster und Heidrun Bothe mit den Gästen

Der Ärzteaustausch zwischen den Partnerstädten geht bis in die späten 80er Jahre zurück, gehört also zu den Konstanten der Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir. Es gibt auch kaum einen Bereich – von der Dermatologie über die Kinderheilkunde und Orthopädie bis hin zur Kardiologie oder Zahnmedizin -, der außen vor geblieben wäre. Von besonderer Bedeutung ist aber zumindest seit dem Vorjahr, als Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Notfallkrankenhauses, zum ersten Mal in Erlangen hospitierte und dann auch noch Gerd Lohwasser im November bei dessen Abschiedsbesuch als Bürgermeister in seiner Klinik empfing. Damals, im Spätherbst, entstand nicht nur eine Männerfreundschaft, es wurde auch verabredet, möglichst bald wieder Fachärzte nach Erlangen einzuladen.

Und nun sind sie da, Jewgenij Jaskin und sein Team, dem die Chefin der Notaufnahme, Jelena Solowjowa, der Leiter der Traumatologie, Alexander Dobronrawow, und der Gynäkologe, Roman Gorta, angehören, der übrigens auch schon über Erlangen-Erfahrung verfügt und als der beste seines Fachgebiets in Wladimir gilt.

Meistertrunk mit Jewgenij Jaskin und Kurt Förster

Nach Deutschland gekommen sind die Gäste schon am frühen Mittwochmorgen via Berlin, wo sie die Wladimirerin Jekaterina Sas empfing, in die Charité begleitete und zum Reichstag brachte, wo für die Besucher vom Büro des Bundestagsabgeordneten Stefan Müller eine Führung arrangiert wurde. Weiter ging es mit der Bahn nach Jena, wo nicht nur der Empfang ausgesprochen herzlich war. „Technisch und fachlich sind die Kollegen dort auf einem Niveau, das einen einfach bloß staunen macht“, kann da Jelena Solowjowa nur sagen. Noch wichtiger aber: Auch menschlich hat es gleich gefunkt, und schon sind erste Verabredungen gemacht, den Austausch in Zukunft fortzusetzen. Genau das, was das Dreieck Erlangen – Jena – Wladimir braucht, wofür es vor fast drei Jahren offiziell ins Leben gerufen wurde.

Erst am Freitagabend dann betraten die Mediziner Erlanger Boden, empfangen am Bahnhof von ihrem Betreuungsteam, bestehend aus Nadja Steger und Jelena Anossowa sowie vor allem den beiden Ärzten, Walter Otto und Jürgen Binder, die in den Osterferien in Wladimir waren, dort Jewgenij Jaskin und sein Krankenhaus kennengelernt und im Vorfeld des Besuchs viele wichtige Verbindungen hergestellt haben.

Mit Kollegen auf der Bergkirchweih

Rothenburg ist immer für einen Ausflug gut, aber längst nicht bei allen Besuchen von Gästen aus Wladimir ist es möglich, den Abstecher in die Partnerstadt von Susdal zu machen. Doch wenn schon, dann zeigt sich Rothenburg auch von seiner schönsten Seite und bietet alles auf, was den Besuchern Freude machen könnte. Bürgermeister Kurt Förster ließ es sich denn auch nicht nehmen, persönlich den Kontakt zum Verbundklinikum herzustellen, durch das die Verwaltungsdirektorin, Heidrun Bothe, führte. Besonders eindrucksvoll neben der breiten Palette der medizinischen Dienstleistungen das Ernährungsprogramm, abgestimmt auf alle Bedürfnisse der Patienten, und die Belieferung von anderen sozialen Einrichtungen durch die eigene Küche, der übrigens ein Spitzenkoch vorsteht.

Und dann, was Ehrengästen vorbehalten ist: der Meistertrunk. Ein Ritual, das Besuchern eine Trinkfestigkeit abverlangt, die nicht jedem gegeben ist. Wladimirs Ehre mußte denn auch niemand anders als der Leiter der Delegation, Jewgenij Jaskin, retten, der die letzte Neige leerte, bevor es zum Stadtrundgang ging. Und Erlangen? War da nicht auch etwas? Ach ja, die Bergkirchweih. Da gab es freilich mehr als nur Bier zu trinken. Zum Frühschoppen am Sonntagmorgen waren neben Walter Otto und Jürgen Binder auch der Chirurg Ignaz Schneider und der niedergelassene Gynäkologe Michael Reitzenstein gekommen.

Mit den Kollegen, Gerd Lohwasser und Jelena Anossowa

Daß da nicht nur über die Güte des Gerstensaftes räsoniert wurde, darf als gesichert gelten. Gleiches gilt für den Abend, zu dem Familie Jürgen Binder zu sich nach Hause einlud. Gleiches gilt für die vielen noch kommenden Einladungen bis zum Ende des Programms am Freitag, eines Programms, das, wie Bürgermeister Gerd Lohwasser beim Empfang im Rathaus meint, einzigartig in seiner Art sei, führt es die Gäste doch nicht nur durch die Erlanger Universitätskliniken und das Waldkrankenhaus, sondern sieht auch Ausflüge nach München und Bamberg vor.

Und Pläne für die Zukunft gibt es auch schon. Auf Anregung von Nadja Steger sollen in Zukunft die Nachwuchsärzte – sie sollten freilich Deutsch oder zumindest Englisch sprechen – viel stärker in den Austausch einbezogen werden, sind sie es doch, wie Jewgenij Jaskin betont, von denen abhängt, ob es der russischen Medizin gelingt, auf den europäischen Standard zu kommen. Und welche Partner sollten da besser sein als Erlangen und Jena?! Da bahnt sich also noch viel an für die Zukunft.

Dank an die Mitglieder des Fördervereins

Eine Zukunft soll laut Jewgenij Jaskin auch das Rote Kreuz in Wladimir haben. Er zeigt sich am Abend bei einer Sitzung des Fördervereins für das Rote Kreuz in der Partnerstadt überzeugt, daß es unter der neuen Stadtführung schon bald zu einer Neuordnung der Organisation kommt und ihrer Funktion mehr Beachtung geschenkt wird. Er und seine Kollegen jedenfalls werden das Rote Kreuz bei seinem Neuanfang nach Kräften unterstützen. Wie ernst es der Arzt damit meint, kann man an dem sehen, wie er die Spendenmittel des Fördervereins verwaltet und verwendet hat. Nachzulesen unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/05/21/9433/

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