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Posts Tagged ‘WAB Kosbach’


Beginnen wir mit den erfreulichen Nachrichten. In gerade einmal sieben Tagen hat das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir neun Konzerte zwischen Erlangen und Starnberg gegeben, die musikalischen Einlagen und Ständchen gar nicht mitgerechnet.

Alexander Schaposchnikow, Igor Besotosnyj, Susanne Lender-Cassens, Olga Besotosnaja und Sergej Nefjodow

Eine Leistung, die auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens zu würdigen weiß, zumal das Trio, unterstützt von Sergej Nefjodow als Fahrer, nicht nur die 2.500 km von Wladimir bis Erlangen im eigenen Kleinbus zurücklegte, sondern auch all die Touren durch Franken bis nach Oberbayern selbst bewältigte. Trotz Getriebeschaden, der leider bei allen Bemühungen der Werkstatt von Adam Neidhardt nicht zu beheben war. Zu ausgefallen das Modell, zu selten schon das Baujahr. Nichts Passendes auf dem Ersatzteilmarkt. Wenn da nicht die WAB Kosbach, wo die Gäste auch untergebracht waren, mit einem Leihfahrzeug eingesprungen wäre, hätten die Konzerte wohl abgesagt werden müssen.

Zur ganz außergewöhnlichen Qualität des Trios wurde hier im Blog schon viel geschrieben. Aber glauben wird es ohnhin nur, wer das Ensemble mit seinen wirbelnden Läufen über die Saiten und Tasten auf der Bühne erlebt.

Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj, Alexander Schaposchnikow, Dorothee Lotsch und George Mills

Deshalb heute ein wenig Theorie: Sibylle Flepsen von der gastgebenden Kolpingfamilie Büchenbach hatte vor dem Konzert am Freitagabend im Gemeindesaal St. Xystus gefragt, was es denn mit den Instrumenten des Trios auf sich habe. Zunächst zum Bajan, dem slawischen chromatischen Knopfakkordeon, benannt nach einem russischen Minnesänger aus dem 11. Jahrhundert, das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in Tula entwickelt und schon bald darauf von Pjotr Tschajkowskij mit einer eigenen Komposition, der „Suite charactéristique“, gewürdigt wurde. In seiner Klangfülle einer tragbaren Orgel gleich, stellt der Bajan höchste Ansprüche an den Musiker und ist aus russischen Orchestern nicht wegzudenken, zumal viele klassische Stücke gerade auf dieser Harmonika einen ganz eigenen Reiz gewinnen.

Gemeindesaal St. Xystus

Bekannter ist dann im Westen schon die dreisaitige Balalaika mit ihrem dreieckigen Korpus, ein Lauteninstrument, das vielen als die Stimme der russischen Seele gilt, urkundlich erstmals im späteren 17. Jahrhundert und immer wieder verboten, weil fahrende Spielleute damit gern ihre Späße auf Kosten der Herrscher machten. Ähnlich wie auf der drei- oder viersaitigen Domra, der russischen Mandoline, die vom Zarenhof und Patriarchat wegen ihrer lästerlichen Klänge aus der Öffentlichkeit verbannt und erst Ende des 19. Jahrhunderts nach alten Vorlagen rekonstruiert wurde.

Erlanger Wunschbaum auf dem Waldweihnachtsmarkt

Kaum vorstellbar, welcher Art die Musik wohl war, die Fürsten und Bischöfe lieber hörten. Heute jedenfalls steht dieser Dreiklang aus Bajan, Balalaika und Domra für all das, was man überall auf der Welt an der russischen Musik schätzt, zumal es eine reiche Literatur von Werken gibt, eigens diesen, in Wladimir von dem Trio unterrichteten Instrumenten auf die Saiten und Knöpfe komponiert.

George Mills

Wie schon in den Vorjahren traten mit dem Kammerensemble auch Gastkünstler auf: George Mills, Leiter der „Sängergruppe Erlangen“ mit der Romanze „Ich liebte Sie“ nach einem Gedicht von Alexander Puschkin und den „Moskauer Nächten“.

Dorothee Lotsch

Und Dorothee Lotsch, die den oberbayrischen Teil der Tournee organisierte, mit ihren unverwechselbaren Interpretationen der unsterblichen Alexandra-Lieder „Schwarze Balalaika“ und „Those were the Days“.

Sergej Nefjodow, Ernst Stäblein, Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Vorletzte Station dann am Nachmittag auf der Waldweihnacht in Erlangen mit Ernst Stäblein, bevor es in die Rehaklinik nach Herzogenaurach zum Abschlußkonzert und dann, noch in der Nacht und schwer bepackt mit Geschenken und Post für Wladimir, auf die Heimreise ging. Doch die – und damit zur unerfreuliche Nachricht – endete kurz nach Mitternacht bei Dresden mit einem nun endgültig defekten Getriebe. Wie es trotzdem weitergeht, wird der Tag zeigen.

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Eine doppelte Premiere war das gestern in der „Scheune“ der WAB-Kosbach im Erlanger Ortsteil Häusling. Christoph Reichert eröffnete zum ersten Mal in den gelungen restaurierten Räumen ein Konzert, und das Trio aus Wladimir machte mit dem Auftritt den Auftakt zu seiner einwöchigen Gastspielreise durch Franken und Oberbayern.

Christoph Reichert bei der Vorstellung des Trios

Und was für einen Auftakt! Man kennt ja das 1992 von Igor Besotosnyj gegründete Kammerensemble der Wladimirer Philharmonie, und doch überraschen die Gäste dann doch immer wieder damit, sich selbst zu übertreffen. Dieses Mal auf besondere Weise.

Igor Besotosnyj

Erstmals seit Jahren nämlich nicht in der Besetzung: Swetlana Besotosnaja. Der Vater verrät auch den Grund: Die Tochter ist in anderen Umständen. Und nun scheint es, als wolle das Trio beweisen, auch ohne die virtuose Geigerin das Publikum für sich gewinnen zu können.

Alexander Schaposchnikow

Spielerisch gelingt das, im wahrsten Sinne des Wortes, als hätten – im ersten Teil des Konzerts – Antonio Vivaldi, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Pjotr Tschajkowskij oder Dmitrij Schostakowitsch für Balalaika, Domra und Bajan komponiert. Ganz zu schweigen von Niccolò Paganini, den Igor Besotosnyj an seinem dreisaitigen Instrument interpretiert, als hätte er das Stück selbst komponiert.

Olga Besotosnaja

Aber auch Domra und Bajan, die häufig eher im musikalischen Schatten der Balalaika erklingen, bekommen nicht nur ihr Soloparts, sondern erspielen sich in dieser Formation ihre je ganz eigene Stimme, die ebenso für sich selbst trägt wie auch das harmonische Zusammenspiel prägt.

Leonhard Hirl

In der Pause zwischen dem klassischen und dem folkloristischen Teil des Konzerts dann eine anrührende Einlage. Den aus dem Publikum vorgebrachten Wunsch, eine russische Weihnachtsgeschichte vorzutragen, erfüllte Leonhard Hirl, Gründer der WAB Kosbach und Gastgeber des Trios, spontan mit dem Vortrag der Erzählung „Weihnachtsbrief“ von Anton Tschechow. Stimmig!

Russische Weihnacht

So sorgfältig das Repertoire zusammengestellt ist, so präsent und transparent wird jedes Stück – gleich ob aus der Klassik oder der Folklore – angestimmt. Und das, obwohl das Ensemble aus Wladimir erst am Morgen nach fast vierzigstündiger Fahrt durch Eis und Schnee im eigenen Tourbus in Erlangen eingetroffen ist – und prompt gleich bei der Ankunft eine Panne hatte: Die Kupplung ist wohl dahin und wird jetzt von Adam Neidhardt repariert, der schon so manches Fahrzeug aus der Partnerstadt wieder flott gemacht hat.

Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Das dankbare Publikum entließ das Ensemble schließlich erst nach zwei Zugaben in die Gardrobe. Die Tournee des Trios, das zu Hause im großen Orchester spielt und am Institut für Kunst unterrichtet, hat also gut begonnen, und heute abend geht es in Adelsdorf schon weiter:

Igor Besotosnyj, Olga Besotosnaja und Alexander Schaposchnikow

Um 19.00 Uhr in der AWO / WAB, Fabrikstraße 1a, Adelsdorf; am Mittwoch, den 13. Dezember, um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn, Wörnerweg 30; am Donnerstag, den 14. Dezember, um 19.00 Uhr im Klinikum Penzberg, Am Schloßbichl 7; am Freitag, den 15. Dezember, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum St. Xystus, Kolpingweg 16, Erlangen; am Samstag, den 16. Dezember, um 14.00 Uhr in der Kirche „Zur Heiligen Familie“ / Barmherzige Brüder, Eustachius-Kugler-Straße 1, Gremsdorf und am gleichen Tag um 19.00 Uhr im Klinikum Starnberg, Oßwaldstr. 1. Die Gastspielreise klingt aus am Sonntag, den 17. Dezember, um 14.00 Uhr auf der Waldweihnacht in Erlangen, Schloßplatz, und um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Herzogenaurach, In der Reuth 1. Überall bei freiem Eintritt mit der Bitte um Spenden.

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Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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Am Samstag, den 5. August, gibt es ab 18.00 Uhr in der WAB Kosbach, Schleienweg 11, Musik der besonderen Qualität zu hören: Stepan Jegurajew und seine Frau Anna, am Klavier begleitet von Leila Samorskaja, präsentieren bei ihrem Konzert Arien aus der Opernwelt, russische und italienische Volkslieder sowie Melodien aus China. Eine Mischung, die mit dem Schaffen des Ehepaars zu tun hat: er als Dozent und Baßist in Nischnij Nowgorod, während sie an einem chinesischen Konservatorium unterrichtet und als Sopranistin natürlich auf der Bühne steht.

Stepan Jegurajew

Stepan Jegurajew wurde 1982 in Wladimir geboren, machte sich aber bereits als Student an der Oper zu Nischnij Nowgorod einen klangvollen Namen. Es gibt kaum ein Genre, das er nicht beherrscht, vom Chanson über das Kunstlied bis zu Volksweisen und Arien. Daneben gilt der Sänger als begnadeter Schauspieler.

Gerühmt wird des Interpreten Gabe, virtuos mit der eigenen Stimme umzugehen und sie an die jeweiligen räumlichen Verhältnisse anzupassen. Eben noch eruptiv und kraftvoll ist es im nächsten Moment, als hole er die verstummenden Klänge an Seidenfäden wieder zurück zu sich. Und kein Stück, das nicht mit einer nur ihm zugedachten Mimik vorgetragen würde.

Stepan Jegurajew

Es ist, so meinen Kritiker, als habe man nach einem Konzert von Stepan Jegurajew mit all seinen Rollen und Verwandlungen den Auftritt eines ganzen Ensembles erlebt. Man kann der WAB Kosbach deshalb nur danken dafür, den Künstler nach einem erfolgreichen Konzert im Jahr 2015 nun, erstmals mit seiner Frau, erneut verpflichtet zu haben, bei freiem Eintritt (mit der Bitte um Spenden für die Interpreten).

Eine Kritik des Auftritts von 2015  für alle noch unentschlossenen Musikliebhaber aus der Feder von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß findet sich hier: https://is.gd/Bi8J6i

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Die WAB Kosbach ist aus dem Partnerschaftsleben Erlangen – Wladimir nicht wegzudenken. Und offensichtlich findet Leonhard Hirl, der Gründer der WAB, am Organisieren von Austausch oder – besser – am Zusammenbringen von Menschen so viel Freude, daß er seine Aktivitäten auf die benachbarten Oblast Nischnij Nowgorod ausgedehnt hat.

In der Stadt gleichen Namens, unvergleichlich schön gelegen am Zusammenfluß von Oka und Wolga, gibt es eine Gehörlosenschule mit einer beeindruckenden Theaterabteilung, die Pantomime vom Feinsten bietet. Diese Truppe war nun Mitte Mai einige Tage in Erlangen und Umgebung und zeigte ihr Können. Begleitet von Xenia, der Organisatorin, Wladimir, dem Regisseur und einem weiteren Lehrer aus Kanada, kamen die Schüler auch im Rathaus zum Empfang vorbei.
Das Bürgermeisterbüro wurde zur Künstlergarderobe aufgewertet, und die Kinder präsentierten, ganz entsprechend dem Motto: „Eine Geste sagt mehr als viele Worte“, im sonst eher „trockenen“ Kleinen Sitzungssaal eine Kostprobe ihres Könnens. Die Geschichten, die sie erzählten, waren nicht nur klar verständlich, sondern vor allem einfühlsam dargestellt und berührten sowohl die wenigen Besucher im Rathaus, als auch das Publikum im brechend vollen Saal von St. Xystus in Büchenbach.

Mehr zu dem Ensemble im Blog „Von Stuttgart und Erlangen nach Nischnij Nowgorod“ von Hans-Joachim Preuß unter https://is.gd/KjxBFN sowie hier: https://is.gd/RRGIf1

Elisabeth Preuß

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Ein guter Auftakt für das neue Jahr: Seit Mitte des Monats hospitiert Anna Trinowa in der WAB Kosbach, die in Erlangen und im Landkreis mehr als 200 Menschen mit psychischen Erkrankungen ambulant und in Wohngruppen betreut. Noch bis Anfang März bleibt die Wladimirer Psychologin, die auch Sozialarbeit und Betriebswirtschaft studiert hat und seit vierzehn Jahren an einer Musikschule in der Partnerstadt jungen Leuten dabei hilft, Versagensängste und Lampenfieber zu überwinden. Seit einem Jahr besucht der Gast an zwei Tagen in der Woche einen kostenlosen Deutschkurs in einer sechsköpfigen Gruppe, der durch ehrenamtliche Mitarbeit bei der Selbsthilfeorganisation Swet abgegolten wird. Ein von Jürgen Ganzmann, dem Geschäftsführer der WAB, schon vor fünfzehn Jahren entwickeltes Programm, wonach der Sprachunterricht aus Spenden finanziert wird, während die Teilnehmer im Gegenzug gemeinnützige Leistungen zu erbringen haben. Anna Trinowa engagierte sich bei Swet in der Betreuung einer Wohngruppe von jungen Erwachsenen mit unterschiedlicher geistiger Behinderung.

Anna Trinowa und Jürgen Ganzmann

Anna Trinowa und Jürgen Ganzmann

Eine Praxiserfahrung, die sich jetzt auszahlt, hat die Hospitantin so doch gelernt, daß es in der Kommunikation mit ihren Schützlingen vor allem auf die emotionale Kompetenz ankommt. Eine Einsicht, die ihr nun beim ersten Auslandsaufenthalt sehr hilft, wenn die Deutschkenntnisse vielleicht noch nicht ganz ausreichen. Wobei die sich flugs verbessern, denn, so Anna Trinowa: „Im Team kümmert man sich wirklich um mich, ich fühlte mich vom ersten Tag an dort gut aufgenommen, alles bekomme ich haarklein erklärt, und täglich lerne ich jede Menge dazu, auch sprachlich. Und Erlangen ist ja auch eine Stadt, wie für Menschen gemacht. Ich fühle mich hier bestens aufgehoben.“ Aber so soll es doch auch sein in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir. Ein guter Auftakt eben.

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