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Posts Tagged ‘Volkszählung Rußland’


Die Region Wladimir bleibt bei einem hohen Anteil von alten Menschen. Eine alte Bevölkerung hat man nach internationalen Standards, wenn der Anteil von Menschen, die älter als 65 Jahre sind, mehr als 7% beträgt. Diese Grenze hat das Gouvernement Wladimir längst überschritten. Man geht davon aus, daß 2025 auf zehn Erwerbsfähige acht Nichterwerbsfähige kommen, darunter nur zwei Heranwachsende.

Ungleiche Ehe. Wassilij Pukirjew

Der Einwohnerzahl nach nimmt das Gouvernement Wladimir in Zentralrußland den sechsten Platz ein; bei der letzten Volkszählung 2002 lag die Region noch auf dem fünften Platz. Augenblicklich zählen die Statistiker 1.444.000 Einwohner im Gouvernement von der Größe unseres Bundeslandes Brandenburg. Fast 98.000 Menschen oder 7% verlor die Region allein im vergangenen Jahr. Manche Städte trifft es besonders hart, zum Beispiel Sudogda mit einem Minus von 11%. Die Frauen haben und behalten ihre Dominanz mit 5%. Doch selbst wenn sie alle im gebärfähigen Alter wären und mindestens zwei Kinder zur Welt brächten, ließe sich der Bevölkerungsrückgang kurzfristig nicht auffangen. Gerechnet auf 1.000 Einwohner standen 2010 18 Sterbefälle ganze 11 Geburten gegenüber. In Gesamtrußland ist das Verhältnis 14 zu 12,5. Man steht vor gewaltigen Problemen für die Sozialsysteme, die Infrastruktur, die Produktivität. Noch eine Zahl, die man hier ins Verhältnis setzen sollte: Rußland zählt aktuell 143 Mio. Einwohner, 2025 werden es nur noch 140 Mio. sein, gerade einmal 2% der Weltbevölkerung und das in einem Land, das ein Sechstel der Erdoberfläche bedeckt. Da drohen noch ungeahnte Konflikte um Siedlungsflächen und Bodenschätze vor allem mit dem Nachbarland China.

Unterdessen aber sind viele Russen mit dem Überlebenskampf beschäftigt. Man geht davon aus, daß 23% der Bevölkerung am oder jenseits des Existenzminimums leben und sich nicht jeden Tag sattessen können. 46% müssen sich sogar bei Kleidung einschränken, nur 11% können sich Urlaub in einem Kurort, gerade einmal 7% im Ausland leisten. Das Existenzminimum, das sei nachgetragen, liegt in der Region Wladimir bei 5.144 Rbl. für Rentner, 6.840 Rbl. für Erwerbsfähige und 6.172 für Kinder.

Noch etwas zum Thema Alter: In der ganzen Region leben nicht mehr als 58 Menschen, darunter nur drei Männer, die 100 Jahre und älter sind, 14 davon leben in der Partnerstadt, und die älteste ist soeben 106 Jahre alt geworden.

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Statistiker bescheinigen den Erlangern, länger zu leben als alle anderen Einwohner Bayerns. Die hohe Ärztedichte, die vielen Kliniken, das Gesundheitsbewußtsein, die vielen Angebote einer Stadtverwaltung, die den gesamten Medizinbereich schon vor Jahren erfolgreich als strategisches Ziel ausgegeben hat, ausgewogene Ernährung… Der Faktoren mag es viele geben, die dazu führen, daß Frauen in Erlangen durchschnittlich 78 und Männer fast 76 Jahre alt werden.

Davon ist man in Wladimir leider noch weit entfernt, wenngleich sich eine erfreuliche Tendenz abzeichnet. Gegenüber der Volkszählung von 2002 hat der Zensus vom letzten Jahr nämlich bestätigt, daß die Lebenserwartung langsam, aber stetig steigt: Frauen erreichen nun im Schnitt 78, 5 und Männer 59,5 Jahre, fast zwei Jahre mehr als im Vergleichszeitraum. Doch die Freude wird getrübt, wenn man weiß, daß allein im Vorjahr von den mehr als 13.000 verstorbenen Männern in der Region Wladimir, fast die Hälfte noch nicht die Pensionsgrenze von 60 Jahren erreicht hat. Es herrscht also nach wie vor Damenwahl in Rußland – die Ergebnisse aus Wladimir sind mehr oder weniger landesweit übertragbar -, wo es allein in der Region Wladimir einen Frauenüberhang von 140.000 gibt. Ein demographisches Problem, das zu lösen in den nächsten Jahren für Rußland überlebenswichtig wird.

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Volkszählung: Jeder ist für Rußland wichtig

Es ist nicht ganz so schlimm gekommen, wie befürchtet, aber die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der Volkszählung vom Vorjahr verheißen nichts Gutes für die demographische Entwicklung Rußlands. Gegenüber dem Jahr 2002 hat der größte Staat der Erde mehr als zwei Millionen Menschen verloren, ein Rückgang um 1,6% auf aktuell 142.905.000 Einwohner. Dabei gibt es innerhalb des Landes große Gewinner: die Kapitalen wie Moskau und St. Petersburg, wo mit 11.540.000 bzw. 4.848.000 Einwohnern – ein Zuwachs von 10,9% und 3,4% – damit etwa 11% der Gesamtbevölkerung leben – und das ohne Hinzurechnung der jeweiligen Großräume. Nur noch 26,3% der Russen leben auf den Land und, so ergab der Zensus, mehr als 61% der Bevölkerung konzentriert sich in Zentralrußland, in der Wolga-Region und in Sibirien. Doch gerade Sibirien, der Ferne Osten und sogar der industriell gut entwickelte Ural gehören auch zu den Verlierern. Die Abwanderungsrate ist da besonders hoch – 4%, 6% und 2,4% -, so daß in diesen riesigen Gebieten nur noch 20 Mio, 6,3 Mio. und 12 Mio. Menschen leben. Vor diesem Hintergrund hätte auch Rußland etwas davon, wenn möglichst viele Japaner das von Präsident Dmitrij Medwedjew gemachte Angebot nutzen wollten, im Falle einer starken Verstrahlung nach Sibirien umzusiedeln, wenn, ja wenn es denn überhaupt gelingt, die havarierten Meiler unter Kontrolle zu halten. Aber das ist ein anderes Thema.

Oben beschriebenes Bild spiegelt sich auch in der Region Wladimir wider, die durch die räumliche Nähe zu Moskau unter dem Sog der Hauptstadt besonders leidet. Gegenüber 2002 hat das Gouvernement mehr als 5% seiner Bevölkerung verloren und zählt jetzt nur noch 1.444.000 Einwohner. Anschaulich kann man das machen an Kowrow, 60 km nordöstlich von Wladimir gelegen mit knapp 150.000 Einwohnern. Dort kommen aktuell auf 314 Geburten 619 Todesfälle. 

Volkszählung

Noch drei Angaben sind nachzutragen: Die einzige Region mit einem Bevölkerungszuwachs, der sich nicht aus Zuzug errechnet, ist der muslimisch geprägte Nordkaukasus mit einem Geburtenüberschuß von 6,3% und einer aktuellen Bevölkerungszahl von 9.490.000. Und – insgesamt gibt es in Rußland mehr Frauen als Männer. Das Geschlechterverhältnis 2010: 53,7% gegenüber 46,3%. Schließlich noch etwas zur Genauigkeit der Volkszählung: Man geht davon aus, daß sich regional unterschiedlich bis zu 20% der Bevölkerung der Befragung entzogen haben. Man hat diese Verweigerer zwar mitgezählt, aber nichts zu sonstigen Daten erfahren, die man bei diesem Zensus ebenfalls erheben wollte.  

Mehr zur Vorgeschichte der Volkszählung unte: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/11/05/volkszahlung-abgeschlossen

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Die UNO empfiehlt den Ländern dieser Erde, es möglichst alle zehn Jahre zu tun, im Römischen Reich geschah es alle fünf Jahre, „daß eine Verordnung vom Kaiser ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Diese Einschreibung geschah als erste, als Cyrenius Statthalter von Syrien war. Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Stadt. Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in Davids Stadt, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war.“ Wir wissen, wie es weiterging.

Rußland braucht jeden

Die Menschen der russischen Lande wurden zum letzten Mal 2002 gezählt. Vom 14. bis 25 Oktober sollen nun alle Bewohner, die dem Kreml untertan sind, auch die Zugereisten, sprich Migranten, erfaßt werden. In diesen Tagen werden allein in der Region Wladimir mehr als 5.000 Freiwillige, mit einer Kennmarke und einer blauen Mappe voller Unterlagen und Fragebögen ausgestattet, ausschwärmen und unter dem Motto „Rußland braucht jeden“ 25 exakt festgelegte Fragen zu Nationalität, Staatsbürgerschaft,  Bildung, Familienstand und materieller Lage stellen. Wer die Zähler nicht ins Haus lassen will, ist aufgerufen, zum Zählappell an einer Meldestelle zu erscheinen, von denen in Wladimir siebzehn in jedem der drei Stadtteile eingerichtet sind. 

Immerhin 5.500 Rbl. Aufwandsentschädigung erhalten die Volkszähler für zwölf Tage Arbeit und mehr als 400 befragte Personen. Dazu kommen noch vier Tage für eine zweite Kontrollrunde nach Abschluß der Zählung sowie der Aufwand für Vorabbefragungen. 35 Personen pro Tag soll jeder interviewen und damit ein Abbild der Nation für den Stichtag 14. Oktober schaffen.

Volkszählung 2010

Vorab aber schon einmal einige Zahlen zur Bevölkerungsstatistik: Nach gegenwärtigem offiziellem Stand der Statistik leben fast 142 Mio. Menschen in Rußland, 81% von ihnen in Städten, wobei schon auf den Großraum Moskau 20 Mio. entfallen. Alarmierend: 57% der Bevölkerung hat das Rentenalter oder den Vorruhestand erreicht. Mehr als 100 Mio. Menschen sind unmittelbar beim Staat beschäftigt oder erhalten ihr Einkommen anderweitig aus Steuern und Abgaben (darunter fast 10 Mio. Arbeitslose), was noch immer Rußlands wirtschaftliche Entwicklung hemmt . Kein Wunder deshalb, daß das größte Land der Erde gerade einmal 2% des weltweiten BSPs erwirtschaftet.  Von der Zählung erhofft man sich nun weiteren Aufschluß über Struktur und Zusammensetzung der Bevölkerung, um hoffentlich die richtigen Entscheidungen nicht nur bis zum nächsten Zensus treffen zu können.

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