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Posts Tagged ‘Volkshochschule Erlangen’


Wäre der gestrige Vortrag zur russischen Musik unter dem Motto „gestern und heute“ ein Konzert gewesen, hätte das begeisterte Publikum im vollbesetzten Historischen Saal der Volkshochschule den Referenten Dorian Keilhack nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen lassen. Freilich war das ja auch gestern abend mehr als nur ein Vortrag, der sich so einfach anhand einiger Notizen nacherzählen ließe.

Reinhard Beer

Bei der Vorbereitung zur Vorstellung des Gastes ist denn auch Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule und Mentor der „Russisch-Deutschen Wochen“, wohl erst so richtig bewußt geworden, welch eine Kapazität er da mit dem Professor für Dirigieren am Landeskonservatorium Innsbruck und Leiter der dortigen Opernschule und des Orchesters eingeladen hatte, der zu der Veranstaltung eigens aus Tirol in seine Heimatstadt angereist kam und als musikalische Verstärkung auch noch seine Frau Beate und die Tochter Alma-Vivien mitbrachte.

Dorian und Alma-Vivien Keilhack

 

Fast zwei Stunden dauerte die Führung durch die russische Musikgeschichte, ohne jede Spur von Ermüdung bei Publikum oder Referent, der sein Handwerk u.a. bei dem sowjetischen Musikpädagogen Witalij Margulis erlernte, der dem Schüler einmal sagte, die russische Musik sei eigentlich deutsche Musik. Etwas zugespitzt, aber mit einem wahren Kern, denn seit der Christianisierung der Kiewer Rus im Jahre 998 kannte man im Russischen Reich nur die Melodien von Spielleuten oder die Kirchenlieder in der Überlieferung von Byzanz, tradiert in der Neumenschrift, die erst mit dem Barock vom heutigen Notensystem abgelöst wurde. Die Deutsche auf dem Zarenthron, Katharina II, selbst aufgeklärt und den Künsten zugetan, holte mit ihrem berühmten Manifest von 1763 – nach dem Tod seiner Eltern, Vivien und Dirk, hatte Dorian Keilhack im Keller einen Druck des Erlasses gefunden, aus dem er wichtige Passagen zitierte – gezielt Ausländer ins noch weithin unerschlossene Land, die ihre eigene Lebensart mitbrachten.

Manifest von Katharina II

Doch es sollte noch einmal einhundert Jahre dauern, bis von den deutschen Einwanderern, Nikolaj und Anton Rubinstein, die Konservatorien in Sankt Petersburg und Moskau gegründet wurden, die heute noch weltweit mit den Ton angeben. In diesem Umfeld erst konnte Michail Glinka, geschult an Johann Nepomuk Hummel, zu der Größe heranwachsen, die ihn mit „Ein Leben für den Zaren“ die russische Nationaloper schaffen ließ. Jetzt erst entfaltete auch Alexander Dargomyschskij, ebenfalls Schüler von Hummel, sein Talent, und die Möglichkeiten für das „Mächtige Häuflein“ um Mili Balakirew, dem auch Modest Mussorgskij angehörte, eine Gruppe von Laien und Autodidakten, die zurück zur Volksmusik wollte und im erklärten Widerspruch zu Peter Tschajkowskij stand.

Historischer Saal

Spätestens hier kam die Zeit, an diesem Abend den Maestro auch als Pianisten zu erleben, ebenso leidenschaftlich wie vergeistigt hingegeben vor allem an die „Promenaden“ und das „Schloß“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ des früh verstorbenen Komponisten der Oper „Boris Godunow“. Von einer „naiven Schroffheit“, einer „Archaik und Wehmut“ spricht der Künstler da nach dem Zwischenspiel, bevor er übergeht zu Nikolaj Rimskij-Korsakow, der auf hoher See komponierte, was Dorian Keilhack zu einem seiner vielen so sympatischen Ausflüge in die eigene Biographie verleitete. „Als Kind wollte ich immer Kapitän oder Dirigent werden. Als Kapitän stellte ich mir vor, dann auf dem Schiff und an den Stränden Klavier zu spielen…“

Dorian Keilhack

Die musikalische Reise machte weiter Station natürlich bei dem Verbindungsglied zwischen West und Ost, Peter Tschajkowskij, dessen Violinkonzert D-Dur den Wiener Kritiker Eduard Hanslik „auf die schauerliche Idee“ brachte, „ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört.“ Legte einen Halt bei Sergej Rachmaninow ein, übrigens einem Schüler des Wladimirer Komponisten Sergej Tanejew, der erst in der Emigration zu Ansehen und Wohlstand gelangte.

Alma-Vivien Keilhack

Spätestens hier kommt mit dem Entstehen der Sowjetunion auch die Politik ins Spiel – mit Sergej Prokofjew, der zunächst auswanderte, dann aber zurückkehrte und just am gleichen Tag, dem 5. März 1953, verstarb wie Josef Stalin, der dem Komponisten von „Peter und der Wolf“ so zugesetzt hatte. Mit Igor Strawinskij, der mit seinem französischen Paß in den USA lebte, dort viel Geld verdiente und von Dorian Keilhack wegen seiner mit Geschäftstüchtigkeit gepaarten Schaffenskraft Pablo Picasso zur Seite gestellt wird. Oder Dmitrij Schostakowitsch, der dem Referenten „immer mehr ans Herz wächst“ mit seiner feinen Ironie und seinem Selbstbehauptungswillen gegenüber dem Diktator, der in der Prawda von „Chaos statt Musik“ schreiben und den Komponisten zum Volksfeind erklären läßt, bis der sich mit seiner „Leningrader Symphonie“ wieder ein wenig Luft zum Atmen verschafft.

Beate, Alma-Vivien und Dorian Keilhack

Der musikalische Höhepunkt des Abends dann auch das Keilhack-Trio mit Hörproben von Dmitrij Schostakowitsch, innig und stimmig, auch ohne vorherige Probe. Und nicht zu vergessen das „Violinkonzert zur Förderung der sowjetischen Jugend“ von Dmitrij Kabalewskij einem Meister des Sozialistischen Realismus, der mit dem Stück ein Werk schrieb, das höchste Anforderungen bei der Interpretation stellt und auf höchste Weihen vorbereitet, für die sich Alma-Vivien Keilhack – das erkennen auch Laienohren – als bestens präpariert erweist. Seinen Studenten gibt ihr Vater immer mit auf den Weg: „Spielt die russische Musik so, als gäbe es keine Taktstriche.“ Diese fließende Weite ergriff gestern auch das Publikum des Musikers, der bereits 1990 in Wladimir aufgetreten war, nachdem seine Eltern, Vivien und Dirk, dort schon 1986 konzertiert hatten.

Und diese Woge trägt weiter bis zum 18. März, wenn Dorian Keilhack seine 2012 gegründete „Camerata Franconia“ im Redoutensaal zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft dirigiert. Mit dabei der Komponist und Arrangeur, Andrej Schewljakow, und der Cellist, Alexander Tichonow, beide aus Wladimir. Und zum Ausklang dann Sergej Prokofjew, von dem gestern abend absichtlich nichts zu hören war. Denn wer denn hören will, der komme zum Konzert!

Natalia Grebnev und John Stackmann

Wie schon am Abend zuvor auch gestern ein ausgebuchter Sprachkurs – Russisch für die Reise – unter Leitung von Natalia Grebnev. Die in Wladimir zur Deutschlehrerin ausgebildete Dozentin kam als Natalia Chrulnowa im Rahmen des Studentenaustausches in den 90er Jahren nach Erlangen, machte hier später ein Zusatzstudium, heiratete einen Ukrainer und blieb der Hugenottenstadt und der Städtepartnerschaft erhalten. Sie nahm es mit Verständnis, als einige Teilnehmer ihres Kurses vor Unterrichtsende das Klassenzimmer verließen, um den Vortrag von Dorian Keilhack nicht zu versäumen. Musik allein ist eben, wie Berthold Auerbach meinte, die Weltsprache „und braucht nicht übersetzt zu werden.“

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Ein derart volles Haus mit einem dreißigköpfigen Auditorium wie gestern abend in der Aula der Volkshochschule hatte Moritz Florin dann doch nicht zu seinem Vortrag zum Thema „Rußland zwischen Revolution und Terror“ erwartet, doch der promovierte Historiker und Akademische Rat vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU fand zu dem ausnahmsweise nicht studentisch geprägten Publikum rasch Zugang und nahm es auf eine lehrreiche Reise mit in jene Zeiten, wo Schrecken und Gewalt als Programm für gesellschaftlichen Umsturz firmierten.

Moritz Florin

Um diesen Ansatz zu stützen auch gleich zu Beginn des etwa einstündigen Referats der Hinweis: „Wer die jüngere Geschichte Europas verstehen will, beschäftige sich mit der Französischen Revolution.“ Der Geist jener Zeit beeinflußte auch und besonders das Denken im Russischen Reich, wie prägend, zeigt ein Zitat aus dem 1868/69 veröffentlichten Roman „Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoj:

„Die Revolution war eine große Sache!“ fuhr Monsieur Pierre fort und verriet durch diese kühne und herausfordernde Behauptung sein äußert jugendliches Alter. „Wie? Revolution und Königsmord sind eine große Sache?“ „Ich rede nicht von Königsmord, ich rede von Ideen.“ „Ja. Ideen von Raub, Mord und Königsmord“, warf eine ironische Stimme erneut ein. „Das waren zweifellos Auswüchse, aber nicht das eigentlich Wichtige. Wirklich wichtig sind die Menschenrechte, die Befreiung von Vorurteilen und die Gleichheit der Bürger.“

Wohl kaum Zufall, wenn gerade einmal zwei Jahre vorher Dmitrij Karakosow einen Attentatsversuch auf Zar Alexander II unternimmt, verhindert ausgerechnet von einem Lehrling, dem der Prototyp des Terrorismus als einen der „Esel“ bezeichnet, für die er doch geschossen habe. Immerhin „inspiriert“ der Geheimbündler über seine Hinrichtung hinaus spätere Anschläge wie den von Wera Sassulitsch auf den Stadthauptmann von Sankt Petersburg im Jahr 1878 und 1881 die schließlich erfolgreiche Ermordung von Zar Alexander II durch eine Gruppe der „Narodnaja Wolja“, des selbsternannten „Volkswillens“, der die eben erst von der Leibeigenschaft befreiten, aber weiter verarmten Bauern in eine lichte Zukunft führen will und deren traditionelle genossenschaftliche Lebensweise als Grundlage der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung betrachtet. Der Kaiser ist tot – ebenso wie fünf der erhängten Attentäter, darunter Sofia Perowskaja, die erste für ein politisches Vergehen hingerichtete Frau im Russischen Reich -, doch ihm folgt der Sohn, Alexander III, der sich abwendet von den liberalen Reformen des Vaters, die Autokratie restauriert und die „Ochrana“ gründet, jene Geheimpolizei, die dem Untergrund den Krieg erklärt und später auch von den Bolschewiken unter neuen Namen fortgesetzt wird. Diese betrachten den Terrorismus übrigens als ineffektiv und gescheitert; sie setzen lieber – und das durchaus erfolgreich – auf Staatsterror gegenüber ihren Gegnern. Gelesen aber hatten sie alle – bis hin zu Wladimir Lenin – den 1869 von Sergej Netschajew verfaßten „Revolutionären Katechismus“ https://is.gd/7vlmzb, das dem Verfechter der gerechten Sache einiges abverlangt:

Tyrannisch gegenüber sich selber, muß er auch anderen gegenüber tyrannisch sein. Er muß all die sanften, schwächenden Gefühle der Verwandtschaft, Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit und sogar der Ehre in sich unterdrücken und der eiskalten, zielstrebigen Leidenschaft für die Revolution Raum geben. Für ihn gibt es nur eine Freude, einen Trost, einen Lohn und eine Befriedigung — den Erfolg der Revolution. Tag und Nacht darf er nur einen Gedanken haben, ein Ziel vor sich sehen — erbarmungslose Zerstörung. Während er unermüdlich und kaltblütig diesem Ziel zustrebt, muß er bereit sein, sich selber zu vernichten und mit seinen eigenen Händen alles zu vernichten, das der Revolution im Wege steht.

Moritz Florin

Eine Stunde ist natürlich viel zu wenig für den weiten Weg vom russischen Untergrund, dem es nie gelingen sollte, das Volk auf seine Seite zu bringen, über den „Blutsonntag“ im Jahr 1905 bis hin zur Bürgerlichen Revolution und dem darauf folgenden Staatsstreiches der Bolschewiken 1917, die dem Terrorismus von Anarchisten und Nihilisten die systematische Unterdrückung und physische Vernichtung aller Gegner des neuen Systems entgegensetzten und Staatsterror zur Methode machten. Doch wer dabei war und die anschließende Diskussion in ihrem lebhaften Widerstreit erlebte, nahm zumindest den Vorsatz mit nach Hause, diesen so entscheidenden Teil der russischen Geschichte im Selbststudium zu vertiefen, denn, so der Dozent, die Ideengeschichte der russischen Sozialrevolutionäre wirkte sogar noch bei der „Roten Armee Fraktion“ fort. Aber auch einmal wieder die Spur von Carl Ludwig Sand aufzunehmen, würde sich lohnen. Der aus Wunsiedel stammende Theologiestudent, dem in Alterlangen eine Straße gewidmet ist, gründete an der FAU eine Burschenschaft, die noch heute als „Bubenreuther“ bekannt ist, setzte seine Ausbildung in Jena fort und ermordete 1819 August von Kotzebue, Anlaß für Clemens Wenzel von Metternich, mit den Karlsbader Beschlüssen dem liberalen Geist an den Universitäten die Luft zu nehmen, Anlaß aber auch für den Freigeist und Sympathisanten der „Dekabristen“, Alexander Puschkin, 1825 dem fränkischen Gotteskrieger mit dem Gedicht „Der Dolch“ ein literarisches Denkmal zu setzen. Viele Spuren eben, die der gestrige Abend legte, denen nachzugehen lohnt.

Jekaterina Korschofski

Derweil im gleichen Gebäude um die selbige Zeit ein ebenfalls bis auf den letzten Platz gefülltes Klassenzimmer, wo man unter Anleitung von Jekaterina Korschofski, Absolventin der Universität Wladimir und dereinst als Au-pair in Erlangen tätig, bevor sie hier ihre Familie gründete, erfahren kann: „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwierig“. An einem Abend freilich ist das Thema noch nicht erledigt, weshalb Teil 2 des Kurses morgen folgt. Dies aber nur nachrichtlich, denn es gibt keine Plätze mehr, ausgebucht. Was wollen sich die Programmverantwortlichen der Russisch-Deutschen Wochen mehr wünschen!

 

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„Das war wirklich eine erhellende Veranstaltung, besser, als wenn wir einfach nur den Film gesehen hätten…“ oder „Davon kann man gar nicht genug bekommen!“ lauteten noch die zurückhaltendsten Kommentare nach den zwei Stunden, in denen Swetlana Steinbusch, Russisch-Dozentin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, gestern abend ihr zwanzigköpfiges Publikum im Club International durch das Werden und Wirken des 1988 veröffentlichten sowjetischen Spielfilms „Das Hundeherz“ führte, kundig und klug – und so ganz anders als geplant. Eines Mißverständnisses wegen nämlich war versäumt worden, die Adaption der bereits 1925 entstandenen und bis 1987 offiziell in der UdSSR unveröffentlicht gebliebenen, bitter-komischen gleichnamigen Satire aus der Feder von Michail Bulgakow mit deutschen Untertiteln zu bestellen, weshalb die Russistin nach ihrer vorbereiteten kurzen Präsentation des Stoffes aus dem Stand extemporierte und den noch rasch im Internet gefundenen Streifen in seinen wesentlichen Teilen durchaus ansprechender kommentierte und übertrug, als das die vorgesehene Fassung hätte zu leisten vermögen. Gerade deshalb wohl kamen Kameraführung (in weiten Teilen aus der Perspektive einer streunenden Promenandenmischung, die durch eine Operation in der Brust eines Kleinkriminellen weiterlebt und nach dem Mißlingen des Tier-Mensch-Versuchs das kreatürliche Wesen zurückerhält), schauspielerische Leistung (fast mit der mimetischen Ausdruckskraft eines Stummfilms) und atmosphärische Dichte (intensiviert durch das Sepia-Schwarz-Weiß) des vielfach ausgezeichneten Streifens im Saal wie durch ein zusätzliches Medium verstärkt an und führten zu einer lebhaften Diskussion, die sogar darin gipfelte, sich für die heutigen Zeiten von „fake news“ einen ähnlich seherischen Autor wie Michail Bulgakow zu wünschen, einen Schriftsteller, der hinter das Bestreben blickt, einen „neuen Menschen“ zu schaffen, sei es, wie derzeit, durch „künstliche Intelligenz“ oder die Genforschung, sei es, wie damals, im Zeitalter der „Neuen Ökonomischen Politik“, mittels einer Ideologie der revolutionären Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse den „homo sovieticus“.

Swetlana Steinbusch und Michail Bulgakow

Vorlage wie Verfilmung folgen der Tradition des Homunculus und des darin vorgegebenen Scheiterns der schöpferischen Hybris, ganz im Geist der Groteske von Nikolaj Gogol, und sind, wie die Referentin ausführte, tief ins kollektive Gedächtnis vor allem derer gedrungen, die jene Epoche des verblassenden Sozialismus miterlebten, als man endlich ungestraft lachen konnte über Sätze wie: „Wissen Sie, ich habe 30 Erhebungen in meiner Klinik gemacht. Und was glauben Sie, haben die gezeigt? Patienten, die keine Zeitung lesen, fühlen sich vortrefflich. Jene aber, die ich eigens genötigt hatte, die Prawda zu lesen, verloren an Gewicht.“ Oder: „Lesen lernen ist gänzlich nutzlos, wenn man das Fleisch eh schon einen Kilometer gegen den Wind riecht.“ – Und das im Kontrast zum aus dem Heiligenkalender selbstgewählten Vornamen und Patronym des Hundemenschen: Poligraf Poligrafowitsch, als der „Polygraph“ oder „Vielschreiber“. So könnte man lange fortfahren und würde dem gestrigen Abend doch unmöglich gerecht. Deshalb nur noch zwei Hinweise: Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule, will den Film mit Untertiteln nachliefern und den Termin der Vorführung mit Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, abstimmen, der unter gerhard@kreitz.de gern Anmeldungen annimmt. Und davor noch rasch in die nächste Buchhandlung oder Bücherei und nach dem „Hündischen Herz“ oder „Hundeherz“ – je nach Übersetzung – fragen, wenn man sich noch nicht an Michail Bulgakow für Fortgeschrittene, nämlich an seinen hiermit wieder einmal ans Leserherz gelegten Roman „Meister und Margarita“ wagen sollte. Es ist nie zu spät, diesen Großmeister der Literatur zu entdecken! Bleibt nur noch der Link zum Film im russischen Original nachzureichen: https://is.gd/9Qcbao

 

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Die närrischen Tage eilen ihren tollen Höhepunkten entgegen, und bald schon sind die Faschingsferien der Volkshochschule wieder zu Ende. Zeit also, nochmals an die zweite Runde der „Russisch-Deutschen Wochen“ zu erinnern.

Keine zehn Jahre nach der Oktoberrevolution schrieb Michail Bulgakow seine bißige Satire von einem Hund, der sich dank chirurgischer Kunst zu einem Menschen entwickelt, ein hybrides Geschöpf, das nicht unbedingt die besten Seiten beider Wesen kultiviert. Erst 2013 erschien auf Deutsch von Alexander Nitzberg unter dem Titel „Das hündische Herz“ eine angemessene Übersetzung des Werks der sowjetischen Klassik. Die Russistin Swetlana Steinbusch, Dozentin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, zeigt an dem Abend den 1976 entstandenen Film „Hundeherz“ und stellt am Montag, den 19. Februar, um 19.30 Uhr im Club International all die vielen Verbindungen zwischen Literatur und Kino, zwischen Imagination und Realität – damals und heute – her.

Swetlana Steinbusch, sitzend links, im Kollegenkreis des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde

Moritz Florin, promovierter Historiker und seit 2015 Akademischer Rat am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg, arbeitet wissenschaftlich am Thema der Entstehung des Terrorismus und ist dabei auf den Spuren der russischen Anarchisten und Revolutionäre. Der Vortrag am Dienstag, den 20. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, schlägt dann auch den Bogen von den ersten Anschlägen auf den Zaren im 19. Jahrhundert bis hin zu den Wirren der Oktoberrevolution und den von Terror geprägten Jahren des Bürgerkriegs und der Entstehung der Sowjetunion.

Moritz Florin inmitten seiner Studentengruppe

Wer klassische Musik in Erlangen schätzt, kennt Dorian Keilhack. Der Pianist und Dirigent seinerseits kennt wie kaum ein anderer die russische Klassik, zumal er selbst in deren Geist seine musikalische Ausbildung genoß. Am Mittwoch, den 21. Februar, um 19.00 Uhr, führt im Historischen Saal  führt der Leiter der Camerata Franconia am Flügel anhand von ausgewählten Beispielen in Wort und Klang durch die faszinierende Welt der großen russischen Namen – von Michail Glinka bis zu Dimitrij Schostakowitsch – und stellt die Bezüge zur westeuropäischen Klassik her. Hinweis: Am Sonntag, den 18. März, dirigiert Dorian Keilhack im Redoutensaal sein Orchester mit Gastmusikern aus Wladimir zum 35jährigen Jubiläum der Partnerschaft.

Dorian Keilhack (rechts im Bild) mit Gästen aus Wladimir

Alleine mit dem Fahrrad von Erlangen bis Wladimir? In nur fünf Wochen? Als Frau? Ohne Sprachkenntnisse? Alles Fragen, auf die Gertrud Härer mit einem klaren Ja antworten kann. Den ganzen August 2017 saß sie fest im Sattel, radelte über Polen und das Baltikum bis kurz vor Moskau, von wo aus sie dann mit Jonas Eberlein, ebenfalls aus Erlangen, bis in die Partnerstadt weiterfuhr, um dort auch noch am Halbmarathon teilzunehmen und als zweite ihrer Altersgruppe ins Ziel zu kommen. Etwas, das nur Gertrud Härer schafft, die an diesem Abend – mit Bildern von Othmar Wiesenegger – am Donnerstag, den 22. Februar, um 19.00 Uhr im Großen Saal (nicht im Club International, wie ursprünglich angekündigt!) von ihrem russischem Abenteuer auf Rädern viel erzählen kann.

Doris Härer mit Jonas Eberlein in Wladimir auf dem Tandem

Das Verstehen der gesprochenen Sprache bereitet oft Schwierigkeiten. Anhand ausgewählter Themen und Hörtexte sowie Originalaufnahmen aus dem Fernsehen  werden hier das Hörverstehen und die mündliche Ausdrucksfähigkeit geübt. Darüber hinaus wiederholt und erweitert man durch verschiedene Übungen die grammatischen Strukturen und den Wortschatz. Dieses Seminar (Kursnummer 17W634068) am Freitag, den 23. Februar, richtet sich von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, im Raum 20 der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, an Teilnehmer mit Vorkenntnissen. Im Unterschied zu dem Kurs „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwer“ am Dienstag, dem am Dienstag und Donnerstag stattfindet, gibt es für das Seminar noch wenige freie Plätze. Noch!

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Drei Jahre – vom Sommer 2014 bis zum Sommer 2017 – verbrachten Rose Ebding und Hans-Joachim Preuß zwischen Regnitz und Wolga, um genau zu sein, liegt auch noch der Neckar dazwischen, denn die mittlerweile pensionierte Pädagogin kommt aus Stuttgart, während „der Mann der Lehrerin“, als der er im Visum ausgewiesen war, in Erlangen lebt, wenn er nicht gerade irgendwo zwischen Königsberg und Kamtschatka unterwegs ist. Drei Jahre in eineinhalb Stunden zu packen? Durchaus eine Herausforderung. Aber möglich, wenn man – wie gestern abend im Großen Saal der Volkshochschule im Rahmen der „Russisch-Deutschen Wochen“ – so strukturiert und kurzweilig wie das Ehepaar zu berichten weiß – vom Alltag im Gymnasium Nr. 1 in Nischnij Nowgorod, einer von etwa 100 Schulen in der Russischen Föderation, wo das Deutsche Sprachdiplom erworben werden kann, auf das die Slawistin vorbereitete; vom Einkaufen unter den gar nicht so erschwerten Bedingungen von Sanktionen und Gegensanktionen; von den Spaziergängen entlang der Oka bis zu deren Mündung in die Wolga, unterlegt mit Sehnsuchtsbildern aus allen Jahreszeiten; vom Flanieren über die Pokrowka, die Fußgängerzone ihrer russischen Heimatstadt; von den vielen offenen und lebensfrohen Begegnungen, wo der Daumen immer hoch ging, sobald man sich als Deutscher zu erkennen gab.

Vortrag „Zwischen Regnitz und Wolga“

Überhaupt die menschliche Note: Hans-Joachim Preuß weiß von einer Kioskbesitzerin zu berichten, die ihn schon beim zweiten Einkauf als alten Bekannten begrüßte und ihm nur ihre besten Birnen – nicht aus der Auslage! – verkaufte oder vom Straßenmusiker, der schlechter Deutsch sprach als der Erlanger Russisch, bei jedem Treffen auf der Pokrowka aber stets „Dein ist mein ganzes Herz“ anstimmte. Wann es genau war, wissen die beiden wohl auch nicht zu sagen, aber die beiden haben unverkennbar ihr Herz an Nischnij Nowgorod, die russischen Menschen, die russische Musik und Lebensart verloren und kündigen denn auch nach dem Vortrag an: „Wir kommen wieder!“

Hans-Joachim Preuß und Rose Ebding

Schon für Mai, verrät Rose Ebding, plane man die nächste Reise, zunächst nach Wladimir, hat ihr Mann doch beim „Russischen Abend“ am vergangenen Freitag den Titel „Russionär“, den Hauptpreis beim Quiz, verliehen bekommen und darf sich auf einen Freiflug mit drei Gratisübernachtungen im Erlangen-Haus freuen. Ob dann im Visum der Lehrerin steht „Frau des Russionärs“ wissen wir freilich ebensowenig wie, wohin die Reise der beiden sonst noch führen wird. Jedenfalls dürfen wir dann auf eine Fortsetzung des Blogs https://stuttgartnishnij.wordpress.com hoffen, in dem zu blättern immer wieder helle Freude bereitet. Und dann gibt es bestimmt auch einmal einen Vortrag der beiden über ihre Reisen durch jenes weite Land, das sie nicht mehr loslassen will.

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Kaum war der Auftakt mit dem „Russischen Abend“ verklungen, ging es gestern ab dem späten Vormittag schon weiter mit dem Programm der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule. In zwei Sparten, auf zwei Bühnen.

Anna Schellenberger und Jelena Gorbunowa ziehen die Fäden

Während im Historischen Saal des Wildenstein’schen Palais Jelena Gorbunowa und Anna Schellenberger Einzelunterricht beim Klöppeln  gaben und dabei halfen, kunstvoll die Fäden der Partnerschaft zu ziehen, füllte sich im Club Internation des Egglofstein’schen Palais mit Gästen zum „Russischen Brunch“.

Russischer Brunch im Club International

Die Organisatoren des kulinarischen Treffens, Gerhard Kreitz und Wolfram Howein, dachten dabei nicht nur an das leibliche Wohl, sondern sammelten für die „Pannenhilfe Kammerorchester Wladimir“, ein Zweck, der sein Ziel allmählich erreicht, denn der VW-Bus mit Getriebeschaden ist mittlerweile in Dresden repariert und steht zur Abholung bereit. Nach bisheriger Planung wird Mitte April Igor Besotosnyj wieder nach Erlangen kommen und dann auch sein Fahrzeug abholen können. Doch dazu bald mehr.

Pannenhilfe für das Kammerorchester Wladimir

Die Partnerschaft – ein Wunschkonzert? In vielfacher Hinsicht schon, denn sie lebt von den Ideen und Initiativen aller, die den Austausch mitgestalten wollen. Da wäre es doch einmal lohnend, Wünsche und Vorstellungen zu sammeln, wie das Miteinander von Erlangen und Wladimir in fünf Jahren aussehen könnte. Also: Wunschzettel ausfüllen, einwerfen. Auch wenn vielleicht nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann, dürfen doch alle, die mitmachen, darauf hoffen, zum vierzigjährigen Partnerschaftsjubiläum – das dann in Wladimir ausgetragen wird – das große Los gezogen zu haben und einen der vielen Preise zu gewinnen. Setzen Sie also auf die Zukunft der Partnerschaft und deren Glück, dann winkt auch Ihnen Fortuna.

Wünsch dir was für die Partnerschaft

Aber die Hauptsache gestern waren natürlich Essen und Trinken, die auch Erlangen und Wladimir zusammenhalten. Schon seit dem frühen Morgen hatten sich Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, mit Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, und ihrer Vorgängerin in der Funktion, Jelena Tschilimowa, auf die Speisung der 40 vorbereitet, und siehe, die Hungrigen und Dürstenden kamen ohne Zahl, sich am „Hering im Pelz“ oder Salat „Olivier“ zu laben.

Jelena Tschilimowa 1

Jelena Tschilimowa bei den Vorbereitungen auf den Russischen Brunch

Ohne Rechnung am Ende, nur mit der Bitte, sich an der Sammlung für die „Pannenhilfe Wladimir“ zu beteiligen.

Irina Chasowa, Gerhard Kreitz und Jelena Tschilimowa

Und so wurde dieser Brunch zu einem weiteren Flansch der Partnerschaft, zu einer dichten Verbindung zwischen den komplex kommunizierenden Röhren des Austausches zwischen Erlangen und Wladimir, von denen es so viele gibt, wie Menschen sich beteiligen.

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Gezählt hat sie niemand, die Gäste des gestrigen „Russischen Abends“ zum Auftakt der „Russisch-Deutschen Wochen“ im Großen Saal der Volkshochschule Erlangen. Aber es dauerte fast eine Viertelstunde, bis die letzten Stühle hereingetragen waren, bis alle einen Sitzplatz gefunden hatten.

Spiramor

Dann erst stimmte „Spiramor“ auf das 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir ein. Ganz so, wie man das erwarten darf: mit gepflegter Sangeskunst und deutsch-russischen Melodien.

Großer Saal der Volkshochschule

Die Begrüßung – mit einem Willkommen auf Russisch – schließlich durch den Direktor des Hauses, Markus Bassenhorst, zeigte wieder einmal, welch überragende Rolle die Volkshochschule für die Städtepartnerschaft spielt. Von den ersten Bürgerreisen Anfang der 80er Jahre und dem Arbeitskreis Wladimir unter Klaus Wrobel über die ersten „Russisch-Deutschen Wochen“ unter Christine Flemming bis hin zum breiten Festprogramm unter Markus Bassenhorst, von den Sprachkursen und der didaktischen Unterstützung für das Erlangen-Haus und der Rolle von Reinhard Beer, dem stellvertretenden Leiter ganz zu schweigen.

Markus Bassenhorst

Die gleiche Kontinuität in der Kommunalpolitik sorgt für den Rahmen dieser Bürgerpartnerschaft, wie das Grußwort Florian Janik zeigte. Bruchlos und unangestrengt gelang Erlangens Oberbürgermeister der Bogen vom ältesten Besucher im Saal, dem 95jährigen Weltkriegsveteran Wolfgang Morell, der 1942 – nicht ganz freiwillig – als erster Erlanger nach Wladimir kam und dort von einer schweren Erkrankung genesen konnte, über den 75. Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht in der Schlacht um Stalingrad bis hin zu dem Geschenk der Versöhnung und des Vertrauens nach all dem Leid und Tod zwischen Deutschen und Russen. Freilich ein Geschenk, das gerade angesichts der politischen Spannungen alles andere als selbstverständlich ist, für das man immer wieder dankbar sein sollte.

Wolfgang Morell

Besonders natürlich jenen, die damals, in Zeiten des Kalten Krieges, Mut und Weitblick genug besaßen, um über alle Gräben und Grenzen hinweg das Werk der Verständigung zu beginnen: Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister von Erlangen, und Jurij Fjodorow, damals Stellvertreter des Vorsitzenden des Städtischen Exekutivkomitees der Volksdeputierten und, wie er sich selbst gerne nennt, der erste Kundschafter Wladimirs in Erlangen, dessen positiver Bericht in der Stadt am Goldenen Ring die gute Sache der Partnerschaft in Gang brachte.

Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow

Von Beginn an dabei aber auch die hohe Diplomatie, gestern vertreten durch Vizekonsul Andrej Matwijenko, eigens aus München angereist, um Erlangen auch weiterhin der Unterstützung durch seine Gesandtschaft zu versichern. Damals, im Jahr 1982, kam von der Sowjetischen Botschaft in Bonn das Angebot einer Zusammenarbeit mit Wladimir auf den 1981 von Dietmar Hahlweg in Moskau geäußerten Wunsch nach einer Partnerstadt.

Florian Janik und Andrej Matwijenko im Fokus von Nadja Steger

Überhaupt, wie das alles war… Dazu etwas von Zeitzeugen zu erfahren, bot das Podium Gelegenheit. Der Blick zurück, wo auf beiden Seiten Vorbehalte zu überwinden waren, wo es aber auch unerwartet rasch gelang, mit vertrauensbildenden Maßnahmen bei Ausflügen und Treffen jenseits des Protokolls eine Atmosphäre von gegenseitigem Verstehen zu schaffen, die bis heute anhält und auf die auch Florian Janik in der Nachfolge von Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, der gestern Erlangen im närrischen Veitshöchheim vertrat, aufbaut, wenn er jetzt erfreut feststellen kann: „Die Partnerschaft nimmt angesichts der gegenwärtigen politischen Krise keinen Schaden. Es ist allein der Rubelkurs, der den Austausch ein wenig erschwert.“

Peter Steger, Florian Janik, Anna Schellenberger, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Dennoch, einzig verlassen auf die Selbstheilungskräfte der Partnerschaft will sich Erlangens Oberbürgermeister auch nicht und berichtete deshalb auch erfreut über die bereits zweite und erfolgreich Sitzung des Gesprächsforums „Prisma“, wo im kleineren deutsch-russischen Kreis durchaus „brisante und kontroverse Themen offen und freundschaftlich diskutiert werden“. Ganz in der Tradition der Gründerväter, die denn auch verdiente Dankesurkunden austauschen: für Dietmar Hahlweg und Klaus Wrobel überreicht von Jurij Fjodorow – und für Wiktor Malygin und Jurij Fjodorow ausgehändigt und unterzeichnet von Florian Janik.

Klaus Wrobel, Wiktor Malygin, Florian Janik, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Mit auf dem Podium stand Anna Schellenberger, ein Kind der Partnerschaft, deren Vater, aus Celle stammend, in Erlangen Slawistik studierte – als es das Fach an der FAU noch gab – und dann durch den Austausch sein Glück und seine Familie in Wladimir fand. Nun erlebte sie – mit viel Beifall bedacht – ihre Feuertaufe auf der Bühne als Übersetzerin für Jurij Fjodorow, lobte die Bedeutung des Erlangen-Hauses für die Partnerschaft und dankte für diese „großartigen Beziehungen“, bevor sie hinter den Kulissen verschwand, um sich für ihren nächsten Auftritt vorzubereiten.

Anna Schellenberger

Anna Schellenberger gehört nämlich – ebenso wie ihre Mutter, die daheim in Raduga bei Wladimir geblieben ist – zum vor zwei Jahrzehnten gegründeten Klöppelkreis um Jelena Gorbunowa und besucht als Kunsthandwerkerin zum zweiten Mal Erlangen, zeigte sich aber zum ersten Mal hier auch auf dem Laufsteg.

Susanne Lender-Cassens

Zusammen mit zwei Models, die gestern ebenfalls eine Premiere erlebten. Erlangens Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, hatten sich von Nadja Steger nicht lange bitten lassen, als es darum geht, wer mitmacht bei der Präsentation der kostbaren Einzelstücke.

Elisabeth Preuß

Im Detail zu sehen waren die kleinen Kunstwerke im Historischen Saal, und heute noch den ganzen Tag über bietet Jelena Gorbunowa einen Mitmachkurs an.

Susanne Lender-Cassens, Alexandra Jegorowa, Jutta Brandis und Jelena Gorbunowa

Jutta Brandis, an der Volkshochschule für das Kultur zuständig, kennt übrigens Jelena Gorbunowa seit fast 20 Jahren und hat die Kunsthandwerkerin nach Abendberg vermittelt und damit den Anstoß für eine erstaunliche Entwicklung gegeben, über die der Blog auch immer wieder berichtet: die Aufnahme von Jelena Gorbunowa in den Deutschen und Französischen Klöppelverband, ungezählte Seminar und Ausstellungen – und immer wieder Abstecher nach Erlangen, dorthin, wo alles begann.

Alexandra Jegorowa

Gestern begann nun auch alles für Alexandra Jegorowa, das Nesthäkchen des Abends, die selbst Hand anlegt an die feinen Fäden und sich schon als Model vor das Publikum wagt. Wer weiß, wo sie ihre Kunst später noch überall zeigen wird…

Dietmar Hahlweg und Wiktor Malygin

Vergessen sollte man nicht das Russisch-Fränkische Buffet, vorbereitet von den Wladimirer Expatriots Nadja Steger, Natalia Grebnev, Jekaterina Korschofski und Matwej Grigorjew, einem Studenten aus Wladimir. Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen, auch für Dietmar Hahlweg, Ehrendoktor der Universität Wladimir, und Wiktor Malygin, damals Vizerektor, heute Professor em. und Rektor i.R.

Markus Bassenhorst und Irina Chasowa

Oder auch für Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, und Markus Bassenhorst, den Gastgeber des Abends, der weit nach 23.00 Uhr, als sich nach mehr als vier Stunden die letzten Grüppchen auflösten, rundum zufrieden zurückblickte und sich natürlich auf all die Veranstaltungen freute, die noch den ganzen Monat über anstehen.

Othmar Wiesenegger und Jelena Gorbunowa

Zeit ebenso für Othmar Wiesenegger, dem zusammen mit Nadja Steger die Photos dieses Beitrags zu verdanken sind, sich ein wenig zurückzuziehen und mit Jelena Gorbunowa zu sprechen, die einfach nur glücklich war angesichts des Zuspruchs aus dem Publikum.

Reinhard Beer, Susanne Lender-Cassens und Andrej Matwijenko

Dazwischen dann auch noch das Quiz „Wer wird Russionär?“, erdacht von Reinhard Beer, der gestern, bei der mittlerweile zwölften Austragung der „Russisch-Deutschen Wochen“, endlich auch die verdiente Auszeichnung als „Ehren-Russionär“ erhielt, unterzeichnet von Florian Janik und überreicht von Susanne Lender-Cassens zusammen mit Andrej Matwijenko, dem stellvertretenden Generalkonsul.

Alexandra Jegorowa, Jelena Gorbunowa, Elisabeth Preuß, Susanne Lender-Cassens und Anna Schellenberger

Und ein Geschenk an die Stadt Erlangen vom Klöppelkreis: das Golden Tor, gewirkt aus feinsten Fäden.

Susanne Lender-Cassens und Irina Tartakowskaja

Das Quiz hatte es übrigens in sich. Einige knifflige Hürden ließen selbst treue Blogleser auf dem Weg zum Siegerpodest straucheln, etwa die Frage danach, in welchem Jahr diese Plattform nun schon über die Partnerschaft berichte. Da ärgert sich mancher wohl noch lange der auf die mögliche Antwort „im verflixten siebten Jahr“ hereinfiel und damit falsch ankreuzte. Es sind nämlich bereits zehn Jahre… Alles richtig anzugeben, schaffte denn freilich auch niemand. Aber Hans-Joachim Preuß kam mit 16 von 20 möglichen Punkten diesem Ziel am nächsten – und kann sich jetzt auf eine Gratisreise nach Wladimir mit drei Übernachtungen im Erlangen-Haus freuen.

Hans-Joachim Preuß und Susanne Lender-Cassens

Freuen können sich durchaus auch alle, die gestern still im Hintergrund mitwirkten: Wolfram Howein, der den Abend bebilderte, Othmar Wiesenegger, der für neue Photos sorgte, die Runde um Natalia Kaiser, die für die rasche Auswertung der Antwortbögen zum Quiz sorgte, das Küchenteam, die Hausmeister, die bis zum späten Ende ausharrten. Dank an Köstlich & Co., das Geschäft für Feinschmecker, das zum wiederholten Male Preise stiftete. Vor allem aber ein спасибо an die Gäste aus Wladimir – ein gutes Dutzend – und Erlangen – um die einhundert -, die für eine großartige Stimmung sorgten.

 

 

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