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Posts Tagged ‘Vogelschutz Rußland’


Wintergäste kommen, auch wenn der Winter ausfällt, wie dieses Jahr nicht nur hierzulande, sondern in der ganzen zentralrussischen Tiefebene geschehen, in der auch Wladimir liegt. Die Rede ist von Seidenschwänzen, Zugvögeln aus dem hohen Norden, wo es zwar auch längst nicht mehr so kalt ist, wie dort üblich, wo es aber in der dunklen Jahreszeit vor allem an Futter fehlt.

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Die Seidenschwänze leeren die Büsche von Beeren, besetzen die Kronen der Ebereschen und flöten und singen, daß es eine wahre Freude ist. Im Russischen nennt man diese Nomaden der Lüfte denn auch „свиристели“, was man mit „Schalmeienvogel“ übersetzen könnte.

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Die Schwärme der übrigens sehr zutraulichen Vögel bleiben freilich nur solange der Vorrat an Beeren reicht. Ist der aufgebraucht, zieht die geflügelte Karawane weiter – manchmal bis nach Mitteleuropa und – auf der skandinavischen Linie – sogar bis nach England.

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Nicht von der Eberesche allein nährt sich der Piepmatz, er pickt auch gern nach Moosbeeren, Wacholderbeeren, nach den Früchten des Weißdorns, während er die aus Nordamerika eingeführte Apfelbeere nur ungern zu sich nimmt.

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Aber auch an Äpfeln, die an den Bäumen hängengeblieben sind, tut sich der Seidenschwanz gütlich.

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In den nächsten Wochen wird das Futter wieder knapp. Auf die Beeren haben es ja auch die Amseln und Drosseln abgesehen. Im März und April ziehen die Schwärme der Seidenschwänze denn auch wieder in die borealen Wälder zurück.

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Dort, im hohen Norden, brüten sie auf alten Nadelbäumen und zeigen dann im kommenden Winter der nächsten Generation den Weg ins gelobte Land der Beeren, um sich dann wieder weiter zu vermehren. Und das hoffentlich noch lang mit Schalmeienklang.

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So gesehen und beobachtet von Zebra-TV.

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Am vergangenen Freitag verabschiedete sich Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg von seinem Freund aus Wladimir, Jurij Fjodorow, bei einem Ausflug in die Fränkische Schweiz und stellte dem Gast die Frage, wie es denn aktuell um den Umweltschutz in seinem Land bestellt sei. „Ein ganz wichtiges Thema für Politik und Bürgerschaft“, gab der Abgeordnete des Wladimirer Regionalparlaments zurück, „das auch ganz oben im Kreml angekommen ist.“ Und in der Tat hat sich da in der öffentlichen Wahrnehmung viel getan, denn die Auswirkungen der ökologischen Sünden werden immer spürbarer, etwa auch daran, daß in der Partnerstadt jetzt, wo eigentlich die strengsten Fröste herrschen sollten, Tauwetter angesagt ist.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg vor dem Kunreuther Schloß

Nach Angabe von Wissenschaftlern der Abteilung für dynamische Meteorologie und Klimaforschung am Geophysischen Observatorium in Sankt Petersburg https://is.gd/jk0PpP erwärmt sich das Klima in Rußland zweieinhalb Mal rascher als im Durchschnitt auf der Welt. Zusammenhängen soll das mit der enormen Landmasse des größten Flächenstaats der Erde gegenüber einer verhältnismäßig kleinen Wasserfläche. Denn es seien gerade die Ozeane, die Wärme viel besser speichern als das Land. Und so tauen die Permafrostböden wohl noch schneller auf, es entweicht noch mehr Methan, und der Kippunkt rückt näher, an dem die Eigendynamik der Erderwärmung stärker wird als noch die entschiedenste und radikalste Politik der Einsparung von Treibhausgasen. Die Szenarien von versinkenden sibirischen Städten sind bekannt und brauchen hier nicht weiter ausgebreitet zu werden.

Nächste Baustelle: Wladimir wird den Müll nicht los. Zum einen karrt die Metropole Moskau und ihr Umland weiter ihren Dreck auf eigentlich längst zu schließende Deponien in der Region Wladimir, zum andern führt die seit dem Jahreswechsel in Kraft gesetzte Abfallreform zu teils chaotischen Verhältnissen. So verschwanden unter der Regie des neuen Entsorgers die Container für Trennung und Recycling aus der Partnerstadt, die Abfuhr kommt ins Stocken, und aufgebrachte Unbekannte luden aus Protest ihren Müll sogar schon vor dem Weißen Haus, dem Sitz von Regierung und Parlament des Gouvernements, ab. Kein Tag, an dem nicht neue Berichte in den Medien zu dem Thema erscheinen, für das noch immer nach einer Lösung gesucht wird und vor dem offenbar mittlerweile sogar schon Fachleute kapitulieren.

Sergej Fokin, Jäger und Chefredakteur eines Fachmagazins

Und dann sind da noch die Pläne für die Mautautobahn Moskau – Kasan, die nach bisherigen Projektierung ein wichtiges Biotop bei Petuschki, im Westen der Region Wladimir, durchschneiden soll und damit, wie es Sergej Fokin, Autor eines Artikels, ausdrückt, ein „ökologisches Verbrechen“ darstellt. In der Tat liest sich die Liste der hier, in den Auen der Kljasma – noch – heimischen Vögel wie ein Who is Who der Roten Liste: Knäck-, Löffel-, Reiher-, Schell- und Krickente, Birk- und Rebhuhn, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn, Teichralle, Doppelschnepfe und Bekassine. Auf dem Durchzug legen hier – noch – einen Zwischenhalt ein: Zwergschnepfe, Pfeif-, Tafel- und Spießente, Haubentaucher, Bläß- und Saatgans. Darüber hinaus kann man hier den Kranich, die Schnatterente, den Gänsesäger und Teichwasserläufer, den Kampfläufer und Großen Brachvogel, die Uferschnepfe, das Kleine Sumpfhuhn, die Wasserralle und die Weißflügelseeschwalbe, den Turmfalken oder die Turteltaube beobachten.

Balz der Doppelschnepfe

Man kann den Umweltschützern in der Region nur mehr Kraft und Gelingen wünschen als ihren Leidensgenossen in Bayern, wo ja auch entgegen allen Protesten gnadenlos die Isentalautobahn in die einst so idyllische und ökologisch wertvolle Landschaft gepflastert wurde. Am Ende kommt die Umwelt immer unter die Räder. So wird es wohl leider auch in der Region Wladimir kommen. Und ob es die seltenen Vögel dann hier und überhaupt noch gibt, wird ohnehin kaum jemanden kümmern. Die meisten von uns haben ja noch nicht einmal ihren Namen gehört. Und so könnte das Verzeichnis auch ein Nekrolog der verstummten Vögel werden.

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In Zusammenarbeit mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, beringt man derzeit Vögel gefährdeter Arten in der Region Wladimir. Das von der deutschen Umweltorganisation finanzierte Projekt sieht sogar die Ausstattung der Tiere mit einem GPS-Peilsender vor.

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Erstmals gelang es nun, einen Nestling aus dem Horst eines Schelladlers auf diese Weise in ein Überwachungsprogramm aufzunehmen. Der Greifvogel, der im Winter nach Nordafrika oder Südasien zieht, gilt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet als vom Aussterben bedroht, und auch in der Region Wladimir ziert er mit nur noch zehn bis zwanzig Paaren leider die Rote Liste.

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Der Bestand hat am Zusammenfluß von Kljasma und Luch, Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet, ein letztes Refugium gefunden, das 2011 von der Politik beinahe aufgegeben worden wäre. Siehe hierzu: https://is.gd/AKjD0K

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Das Junge erwies sich übrigens als Männchen, und anhand einer Genanalyse ließ sich auch feststellen, daß es sich nicht – wie durchaus häufig – um einen Hybriden handelt. Schelladler paaren sich nämlich immer wieder mit dem kleineren Schreiadler, der ebenfalls ausgedehnte Sumpfgebiete bewohnt.

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Die Wissenschaftler hoffen nun, mehr Erkenntnisse über das Verhalten der Vögel zu gewinnen und damit natürlich auch deren Schutz verbessern zu können.

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Dank einer kleinen Solarzelle ist der Sender übrigens energieautark und sollte seine Signale über einen längeren Zeitraum an die Vogelschützer schicken.

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Und besonders schön: Russen und Deutsche arbeiten auch im Bereich des Artenschutzes zusammen. Es gibt eben doch viel mehr Verbindendes als Trennendes zwischen unseren Ländern.

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