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Posts Tagged ‘Ute Schirmer’


Am 10. September hatte der Blog die Generation der Kriegskinder dazu aufgerufen, an einem russisch-deutschen Projekt der Erinnerungskultur teilzunehmen: https://is.gd/v6Wgko. Dieser Tage fand sich dazu im Briefkasten der Blog-Redaktion ein handschriftlicher Bericht von Ute Schirmer über ihr Erleben des Einmarsches der amerikanischen Truppen in Erlangen. Dieses einzigartige Zeitzeugnis soll zum einen Ansporn für weitere Aufzeichnungen dieser Art sein – die Einsendefrist wurde bis Mitte Januar verlängert -, zum andern erscheinen die Zeilen heute hier auf diesen Seiten vorab, weil sich die Erinnerung wie eine Weihnachtsgeschichte liest, die darüber hinaus auch eine Erklärung dafür liefern kann, woraus Ute Schirmer ihre so elementare Kraft schöpft, Gutes zu tun, nicht nur für Polen und Russen. Wer auch nur einen kleinen Teil ihrer Wohltätigkeit kennt, weiß: Es ist, als wirke ein Engel in ihr – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Ute Schirmer mit ihrem Mann Herbert bei der Auszeichnung mit dem „Ehrenbrief der Stadt Erlangen für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften“ im Jahr 2013

Es war ein warmer Sonnentag, der Sonntag am 15. April 1945. Damals wohnte ich – wie jetzt auch – am nördlichen Rand von Erlangen, am Fuß des Rathsberges.

Seit Tagen wurde darüber geredet, daß die amerikanischen Soldaten bald in Erlangen sein werden. Ich war damals zehneinhalb Jahre alt und wurde von meinem Vater als ältere der beiden Geschwister (unsere Mutter war 1941 verstorben) ausgewählt, um ein weißes, bereitliegendes Bettuch aus dem mittleren Fenster im ersten Stock zur Straße hin herunterzulassen, wenn die Amerikaner unser Haus passieren.

Gegen Mittag des 15. Aprils wurden bei uns vier Volkssturm-Mitglieder einquartiert. Sie konnten hinter dem Haus auf einer Bank ihre Mittagsration verzehren. Die Männer verlangten, daß alle Bewohner das Haus in Richtung Meilwald verlassen sollten, weil man erwartete, daß Erlangen beschossen werde.

Außer meinem Vater, meiner Schwester Hedwig und unserer Haushälterin Wilhelmine waren in unserem Haus eine Familie mit einem Säugling und einem sechsjährigen Sohn und auch Leute untergebracht, die aus anderen Städten geflüchtet waren.

Wir packten Proviant, Kleidung und alles Nötige in einen Leiterwagen. Die Sachen waren in einem abgedeckten Schacht im Garten für einen Notfall gelagert. Wir machten uns auf; mit dem Leiterwagen zogen wir in den Meilwald. Dort, wo der Wald eine ebene Fläche zur Lagerung bot, ließen wir uns nieder. Bis zum Abend harrten wir aus. Dann gingen wir zurück. Wir hatten zwar immer wieder Schüsse gehört, aber Erlangen war wohl nicht das Ziel.

Als wir auf unser Haus zugingen, sahen wir, daß am Waldrand gegenüber von unserem Haus mehrere Schutzgräben ausgehoben waren. Es wurde vermutet, daß dies die Arbeit der Volkssturm-Männer war. Sie hatten inzwischen unser Grundstück verlassen, so daß wir ungehindert in unser unbeschädigtes Haus zurückkehren konnten, ebenso kamen die übrigen Mitbewohner zurück.

Die kommende Nacht saßen wir alle in unserem Luftschutzkeller. Es war Pflicht geworden, einen dafür passenden Kellerraum mit dicken Stämmen und Balken abstützen zu lassen und als Schutzraum auszuweisen.

Einmal in der Nacht läutete es an der Haustür. Unsere Wilhelmine ging nach oben und öffnete die Haustür. Sie brachte einen völlig abgehetzten jungen Soldaten mit in den Keller. Weil er bei uns nicht bleiben konnte, wurde er durch die Kellertür an der Rückseite des Hauses und die rückwärtige Gartentüre auf einen Fluchtweg durch die angrenzenden Gärten geschickt. In unserer Gegend waren früher Verbindungstüren zwischen den Gärten eingebaut, die nicht abgeschlossen waren.

Immer wieder einmal ging jemand nach oben, um zur Straße hin aus dem Fenster zu sehen. Als es am Morgen dämmerte, konnten wir im gegenüberliegenden Wald Soldaten erkennen, die durch eine andere Form ihrer Stahlhelme auffielen. Zu hören war weiter nichts.

Eine Weile später – es war schon heller Tag – klingelte es an der Haustüre. Mit unserer Wilhelmine gingen wir zur Tür, um aufzumachen. Da standen vor uns zwei amerikanische Soldaten mit auf uns gerichteten Gewehren, dazwischen das Dienstmädchen einer Familie vom übernächsten Haus in der Rathsberger Straße 48.

Sie waren gekommen, um einen Arzt zu holen, nämlich meinen Vater. Er sollte einer Frau, die seit den frühen Morgenstunden in den Wehen lag, bei der Geburt ihres Kindes helfen. Die Soldaten verlangten, daß der Arzt nur mit einer weiblichen Begleitung aus unserem Haus kommen durfte.

Mein Vater packte seinen Geburtshilfekoffer zusammen und befestigte eine weiße Binde mit rotem Kreuz am Arm. Dann verließ er uns mit unserer Wilhelmine, begleitet von den beiden Soldaten und dem Dienstmädchen aus der Nachbarschaft.

Meine Schwester und ich waren voller Angst, daß unser Vater nicht mehr zurückkehren würde. Doch nach einiger Zeit kam Erleichterung; immerhin kehrte unsere Wilhelmine wieder zu uns zurück, allerdings mit der schlimmen Nachricht, auf der Straße liege ein toter deutscher Soldat.

Nach der glücklichen Geburt eines Mädchens kam auch unser Vater wieder heim.

Sehr lange dauerte es nicht, bis es an der Haustüre wieder läutete. Es kamen wieder zwei Soldaten, aber ohne Gewehr. Unser Vater führte sie in unser Eßzimmer, stellte drei kleine Becher auf den Tisch, die er mit Kümmelschnaps (von der letzten Weihnachtszuteilung) füllte, und bot den Amerikanern das Getränk an. Nachdem mein Vater der Aufforderung, als erster zu trinken, gefolgt war, leerten auch sie ihre Becher. Meine Schwester und ich waren nur Zuschauer. Die Soldaten hatten zu uns nicht ein Wort gesagt. Trotzdem waren wir nun völlig ohne Angst, auch bei der nun folgenden Inspektion der Räume im Haus, die gar nicht lange gedauert hat. Unser Vater führte die beiden in sein Schlafzimmer, öffnete gleich die richtige Tür seines Schrankes. Die Soldaten interessierten sich für Photoapparat und Ferngläser. Bereitwillig gab unser Vater die Sachen heraus, und damit war dann auch die Inspektion beendet, und die Soldaten zogen wieder ab.

Ute und Hedwig Ochs vor dem Haus in der Meilwaldstraße 4, 12. März 1944

So erlebte ich mit meiner Schwester Hedwig – sie war damals acht Jahre alt – die Einnahme unseres Hauses, Am Meilwald 4.

Es dauerte bis in die 80er Jahre, bis ich erfuhr, wie der 15. April 1945 in dem Haus am nördlichen Anfang der Rathsberger Straße abgelaufen ist. Frau Ljubow, die Eigentümerin, erzählte mir die Begebenheit nach dem Tod ihres Mannes, der 1980 verstorben war. Hier ihre Geschichte, wie sie mir erzählt wurde:

In Ljubows Haus waren in der Waschküche im Keller mit eigenem Ausgang in den Garten über eine Außentreppe deutsche Soldaten einquartiert. Ich meine, sie sagte, acht Personen. Am Morgen kam die Gruppe zu den Hausleuten herauf, sie wohnten im Parterre, berichteten, sie hätten von draußen fremde Stimmen gehört und sagten, sie wollten sich ergeben. Die Eheleute gingen an die Haustür, Frau Ljubow öffnete und sagte zu den ihr gegenüberstehenden amerikanischen Soldaten: „Don’t shoot, I am a Russian.“ Daraufhin kam der Vorwurf, sie sei eine Lügnerin. Aber einer der amerikanischen Soldaten stammte aus Polen und entgegnete, sie habe recht, weil sie mit ihrem Mann Russisch spreche. Sie machte dann den Amerikanern klar, daß die einquartierten deutschen Soldaten nicht schießen würden. Daraufhin wurden deren Gewehre inspiziert. Bei einem Soldaten fanden sie Schmauch am Gewehr. Er wurde später draußen erschossen. Dann begann die Inspektion des Hauses. Im ersten Stock bat Frau Ljubow darum, ein Zimmer nicht zu betreten, weil da eine Frau in den Wehen lag, und sie erbat sich die Genehmigung, einen Arzt holen zu dürfen. Deshalb kam zu uns das Dienstmädchen, begleitet von zwei Soldaten.

Nach der Inaugenscheinnahme der Räume im Haus lud das Ehepaar die Soldaten in ihre Wohnung ein und bot ihnen heißen Tee an. Unter ihnen war ein Befehlshaber, der im Gespräch nach dem Weg zur Essenbacher Brücke fragte. Frau Ljubow riet, die Rathsberger Straße hinunterzugehen, worauf die Amerikaner weiterzogen.

Für meine Schwester und mich war der erste Anblick der Soldaten der amerikanischen Armee, wie sie mit ihren Gewehren vor uns standen, sehr erschreckend. Das hat sich beim zweiten Besuch, als unser Vater sie zu einem Schluck Kümmelschnaps eingeladen hatte – wir waren nur Zuschauer – völlig gewandelt in eine freundliche Atmosphäre. Damit hatte es sich für mich auch erübrigt, das Bettuch zum Fenster hinaushängen zu müssen.

Zwischen den beiden Situationen lag die Geburt eines gesunden Kindes in der Nachbarschaft zu einer Zeit, als Erlangen immer noch die Zerstörung durch die amerikanische Armee drohte.

Der letzte Kriegstag wäre sicher nicht so friedlich für unsere Häuser verlaufen, die wohl als erste von den Amerikanern, die vom Rathsberg her kamen, aufgesucht wurden, wenn da nicht die Sprachgewandtheit von Frau Ljubow aus Rußland gewesen wäre, und wenn sich da nicht der in der amerikanischen Armee dienende Soldat aus Polen mit seinen Russischkenntnissen eingeschaltet hätte. Es sind da Menschen aus vier Nationen, den USA, Polen, Rußland und Deutschland einander helfend zusammengestanden.

Frau Ljubow stammte aus Tiflis, ihr Mann Jewgenij aus Leningrad. Das Ehepaar hatte nach schlimmen Erlebnissen im Zug der Oktoberrevolution die Heimat verlassen und war über Nürnberg in Erlangen ansässig geworden.

Im Sommer 1980 bat mich Herr Jewgenij, an sein Krankenbett zu kommen, um sich zu verabschieden. Als er nach zwei Wochen gestorben war, bat mich die Witwe zu sich. Gemeinsam warteten wir auf den Hausarzt. Später sagte sie zu mir, als es um die Bestattung ging: „Wir haben auch im Tod keine Heimat“, denn sie bekäme nur im Westen von Erlangen ein Grab. Da käme sie alleine gar nicht hin. Sie war damals 79 Jahre alt. Dieses Gespräch führte dazu, daß ich sie fragte, ob sie ihren Mann auf dem Neustädter Friedhof in unserem Familiengrab beerdigen lassen wolle. Dankbar nahm sie mein Angebot an. Als sie fühlte, daß auch auf sie das Ende zukam, stellte sie die Frage, ob auch sie in unserem Familiengrab liegen dürfe. Diese Frage hatte ich nicht erwartet, ich hatte dies für selbstverständlich gehalten. Sie starb 1986, fast sechs Jahre nach ihrem Mann.

Familiengrab mit den russischen Nachbarn

Anfang 2015 suchte ich nach dem Mädchen, das am 16. April 1945 geboren wurde. Den Familiennamen wußte ich noch, auch den Ort, wohin die Familie bald nach dem Krieg umgezogen war. Ich fand die Adresse eines älteren Bruders und damit auch die Anschrift seiner Schwester Eva im Westen von Erlangen. So konnte ich sie zu ihrem 70. Geburtstag mit einem Blumenstrauß überraschen. Inzwischen war ich wiederholt mit einem Geburtstagsstrauß unterwegs, und ich traf die Jubilarin auch jedes Mal zu Hause an. Die Geschichte der Situation bei ihrer Geburt kannte sie. Ihre Eltern hatten ihr davon erzählt.

Ute Schirmer

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Das Lebensmotto von Marina Trubizyna lautet: „Willst du ein besonderer Mensch sein, da sei du selbst.“ Kein schlechter Wahlspruch für eine Lehrerin, die offenbar auch pädagogisch gemäß dieser Sentenz arbeitet. Eigentlich unterrichtet sie ja Englisch an der Schule Nr. 23, aber es liegt ihr offenbar viel daran, ihren Schülern gerade auch die Partnerstadt Erlangen nahezubringen.

Marina Trubizyna mit ihrer Gruppe, gesehen von Karin Günther

Seit 2011 schon kommt sie in zweijähriger Stetigkeit mit einer kleinen Gruppe, mit der sie, ganz ihrem Motto verpflichtet, weitgehend in Eigenregie das Programm zusammenstellt, das möglichst viele landeskundliche Elemente enthalten soll, sprich, gespickt ist mit Ausflügen wie heute nach München.

Ute Schirmer und Marina Trubizyna, gesehen von Karin Günther

Am 3. Oktober angekommen, bleiben die privat untergebrachten Gäste noch bis zum Donnerstag und üben in der Zeit nicht nur ihr Englisch, sondern auch die Zweitsprache Deutsch. Einige, die schon zwei oder drei Mal an diesen Reisen teilnahmen, bringen es da mittlerweile schon zum Gesellenbrief.

Ute Schirmer und die Gruppe, gesehen von Marina Trubizyna

Bei aller Eigenständigkeit nimmt Marina Trubizyna aber gern die Hilfe des Freundeskreises Wladimir an, nicht nur bei der Auswahl der Gastfamilien oder der Ausflugsziele. Wie auch nicht! Dafür haben wir schließlich die Bürgerpartnerschaft, eine besondere, wo alle nach dem Wahlspruch der Wladimirer Pädagogin leben können, immer im Austausch miteinander.

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Heute feiert Ute Schirmer ihren 85. Geburtstag. Grund genug, um an einen Artikel in der Wladimirer Zeitung „Molwa“ zu erinnern, der fast auf den Tag genau vor sechs Jahren hier im Blog nachgedruckt wurde: https://is.gd/wJuhN7. Aber auch willkommener Anlaß für ihren russischen Begleiter, Wiktor Malygin, wie sie ein Schutzengel der Partnerschaft, der Jubilarin zu gratulieren:

Ute und Herbert Schirmer beim Ehrenamtsempfang 2013

Meine liebe Ute!

In herzlicher Verbundenheit wünsche ich Dir zu Deinem Geburtstag alles, alles Gute! Möge Dir das kommende Lebensjahr in jeder Beziehung Freude und Glück bringen! Auf Grund unserer langen und herzlichen Freundschaft darf ich Dir auch gute Genesung wünschen! Die Zeithetze hat uns davon abgebracht, einen regelmäßigen Briefwechsel zu führen. Aber ich habe mit dieser Grußbotschaft eine wunderbare Möglichkeit, mich an Dich zu wenden, und ich freue mich immer, Deine liebevollen Lebenszeichen zu bekommen.

Seit wir uns kennen, bist Du mit Leib und Seele immer dabei, unsere Bürgerpartnerschaft zu erweitern und zu vertiefen! Unvergeßlich sind jene vier Wochen, die ich in Eurem gemütlichen Haus in voller Zufriedenheit verbrachte! Nie werde ich unsere Treffen und zahlreichen Begegnungen sowohl in Erlangen als auch in Wladimir zu verschiedenen Anlässen vergessen! Sie bleiben in meinem Herzen und in meiner Seele auf immer! Vielen Leuten in Wladimir und sicher auch in Erlangen hast Du, liebe Ute, mit Wort und Tat auf Deine eigene Initiative hin selbstlose Hilfe geleistet!

Dir und Deinem lieben Ehemann Herbert habe ich viele schöne Stunden voll liebevoller Gespräche und Diskussionen zu verdanken! So viele Gedichte wurden rezitiert, so viele Lieder wurden gesungen! Ihr beide seid aus unserer Partnerschaft nicht mehr wegzudenken!

Hoffentlich erhältst Du, liebe Ute, meine Glückwünsche rechtzeitig!
Nochmals alles Gute und Liebe wünscht Dir Dein
Prof. Dr. Wiktor Malygin

Herbert und Ute Schirmer, Christian Meier, Gabriele Popow, Boris Laskin und Wiktor Malygin, Februar 2018

Da beide eine innige Liebe zur Literatur und insbesondere zur Lyrik verbindet, hier noch ein druckfrisches Gedicht des Germanisten in der Übertragung von Peter Steger und im Original.

Völlig gleich, wen man auch fragt, / gilt in Rußland, unverzagt / in der Banja sich zu baden, / denn es kann gewiß nicht schaden, / sich mit Reisern zu bestreichen, / ein Genuß, ganz ohnegleichen! / Etwas, das man nicht beschreibt. / Ob man dünn ist, ob beleibt, / Kraft gibt das und macht gesunden, / schenkt im Schweiß uns frohe Stunden! / Ob aus Kiefer oder Tanne, / Banja heißt nicht Badewanne, / sondern ist die schönste Wonne / unter Gottes bester Sonne. / Rutenschläge auf den Rücken, / damit kann man sich beglücken: / erst den Freund, dann selbst sich auch, / gerne fest auf Brust und Bauch. / Gieß noch Wasser auf die Steine! / So kommst wieder auf die Beine.

Хоть кого о том спроси, / Повелось так на Руси: / В бане парились и мылись, / В бане силою хвалились, / В бане веником хлестались / И шутили и смеялись! / Баня точно не предаст, / Баня только силы даст! / Баня лечит, баня правит / И здоровьица прибавит! / То за чудо банное! / Это вам не ванная! / Подставляй, товарищ, спину! / Я мочалочкой пройдусь! / Жару я ещё подкину, / А потом собой займусь! / Ах, ты, веничек дубовый / И берёзовый родной! / Выхожу из бани новый, / Абсолютно молодой!

Schirmer

Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen, Oktober 2013

P.S.: Als Kommentar ging gegen Mittag noch ein Gruß ein, der hier seinen Platz finden soll:

Liebe Ute!

Alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag: Glück, Gesundheit und Lebensfreude! Deine Hilfe und Menschenliebe sind unvergeßlich. Vielen Dank für Deinen Besuch in Wladimir in diesem Sommer.
Weil Du in all den Jahren so gut Russisch gelernt hast, kommt nun ein kleiner Gruß mit einem Lied von Bulat Okudschawa in russischer Sprache an Dich, unseren Schutzengel:

Тьмою здесь все занавешено
и тишина как на дне…
Ваше величество женщина,
да неужели — ко мне?

Тусклое здесь электричество,
с крыши сочится вода.
Женщина, ваше величество,
как вы решились сюда?

О, ваш приход — как пожарище.
Дымно, и трудно дышать…
Ну, заходите, пожалуйста.
Что ж на пороге стоять?

Кто вы такая? Откуда вы?
Ах, я смешной человек…
Просто вы дверь перепутали,
улицу, город и век.

Herzliche Glückwünsche von Tatjana und Natascha Oserowa

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Im Blogbeitrag vom letzten Donnerstag https://is.gd/eFamCl berichtete Ute Schirmer u.a. auch von unserem gemeinsamen Besuch im Wladimirer Psychoneurologischen Heim und dem Treffen mit dem Dichter Stanislaw Katkow. Leider ohne Photos. Ute bat mich, meine Aufnahmen vom Besuch der Einrichtung dem Blog zur Verfügung zu stellen, was hiermit geschieht.

Prospekt des Altenheims

Ich selbst war von dem „Internat“, wie man es auf Russisch nennt, mehr als positiv überrascht. Deshalb habe ich noch einige Photos vom Hausprospekt mit aufgenommen. Bisher kannte ich ähnliches nur von der Kinderpsychiatrie, in die mich Tatjana Parilowa vor zehn Jahren mitnahm, weil sie dort Musiktherapie anbot. Und vor vier Jahren hatte ich Gelegenheit, das Kinderkrankenhaus detailliert kennenzulernen.

Aus dem Prospekt

Diesmal also das Psychoneurologische Internat. Das Angebot an die Bewohner könnte nicht vielseitiger sein. Zur Zeit unseres Besuches fand gerade eine kleine Musik- und Tanzdarbietung statt.

In der Aula

Viele andere Talente werden gefördert. Und so verfaßt hier auch Stanislaw Katkow, der nicht mehr schreiben und sich nur mit für uns unverständlichen Lauten äußern kann, seine Gedichte. Seine Frau muß eine besondere Begabung des Verständnisses haben, um seine lyrischen Gedanken zu Papier zu bringen. Das war denke ich, für uns alle, eine Begegnung, die lange nachwirkt.

Stanislaw Katkow, Tatjana Kolesnikowa (Deutschdozentin aus dem Erlangen-Haus), Ute Schirmer und Hans Gruß

Die Ordnung und Sauberkeit innerhalb und außerhalb der Gebäude ist vorbildlich. Nicht umsonst ist ein Platz in diesem Heim sehr begehrt. Es steht nicht nur den Bürgern der Stadt Wladimir offen , sondern allen aus der ganzen Region.

Irina Morosowa, Tatjana Kolesnikowa und Ute Schirmer

Die Direktorin, Irina Morosowa, führt eine sehr moderne und menschliche Institution, und sie wurde bei unserem Rundgang oft erfreut angesprochen und geherzt. Chapeau! Die beiliegenden Photos mögen sprechen.

Hans Gruß

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Einmal noch, vom 29. Juli bis zum 4. August, habe ich mich in unsere Partnerstadt Wladimir aufgemacht, vor  allem, um alte Freunde aufzusuchen, die ich aus den 1990er Jahren bei deren Aufenthalt in Erlangen kennengelernt hatte, und um besonders das Psycho-Neurologische Heim zu besuchen. Dort lebt seit langer Zeit Stanislaw Katkow, den ich auch seit über 20 Jahren kenne und bei meinen Aufenthalten in Wladimir immer wieder antreffen konnte.

Alewtina Sinowjewa: Sonnenuntergang

Mein lang gehegter Wunsch, die Fußmalerin, Alewtina Sinowjewa zu treffen, ging dieses Mal endlich in Erfüllung. Immer wieder illustrierte sie Gedichte von Stanislaw Katkow.

Alewtina Sinowjewa: Winternacht

Zu einer Festveranstaltung im Saal des Heimes lud uns – Hans Gruß vom Freundeskreis Wladimir, die Deutschdozentin Tatjana Kolesnikowa aus dem Erlangen-Haus und mich – die Direktorin, Irina Morosowa, ein. Frau Kolesnikowa kenne ich seit langem von ihren Aufenthalten in Erlangen als Gastdozentin. Sie war bereit, uns als Dolmetscherin zu begleiten. Frau Sinowjewa, die außerhalb von Wladimir lebt, begleitete ihr Vater zu dieser Veranstaltung und saß neben Herrn Katkow und dessen Frau. Wir erlebten den musikalischen Auftritt einer Gruppe aus einem anderen Heim.

Anschließend wurden wir alle zusammen mit der Heimleitung in das Zimmer von Herrn Katkow geleitet. Dort konnten wir uns miteinander unterhalten, natürlich mit Tatjanas Hilfe als Dolmetscherin. Für das Treffen im Heim hatten wir uns ein paar Gedichte ausgesucht, um sie Russisch-Deutsch vorzutragen. Man sah es Herrn Katkow an, wie er daran Freude hatte, seine Texte zu hören. Danach rezitierte Frau Katkowa eines ihrer Lieblingsgedichte ihres Gatten. Ich wußte, daß sie seine Lyrik auswendig kennt. Bei einem früheren Besuch sagte sie mir, sie könne den „März“ noch nicht richtig. Jetzt fragte ich sie, ob sie inzwischen den „März“ gelernt habe. Zu meiner großen Überraschung trug sie dann dieses Gedicht in deutscher Übersetzung vor, auswendig! Frau Katkowa kenne ich auch schon lange Zeit. Sie hatte viele Jahre ihrem späteren Mann beim Aufschreiben seiner Gedichte geholfen.

Von Frau Sinowjewa erhielt ich einige ihrer Bilder in Kopie sowie einen Reiseführer in russischer Sprache,  an dessen Herausgabe sie beteiligt war: „Unbekanntes Katalonien“.

Es ist gut, im Erlangen-Haus so hervorragend untergebracht zu sein und von der Köchin Galina schon am Morgen mit einem sagenhaften Frühstück versorgt zu werden, das einen für den ganzen Tag fit hält.

Die wenigen Tage meines Aufenthalts waren voll verplant:

Hans Gruß und Ute Schirmer beim Unterricht

Vormittags drei Stunden Russisch im Erlangen-Haus. Hans Gruß und ich wünschten die Möglichkeit, im Land zu nutzen, um sprachlich ein wenig besser dazustehen. Tatjana Kolesnikova nahm sich darum unser intensiv an und schloß manche Lücke bei uns.

Einladungen am Nachmittag oder am Abend begannen meist mit einem Festessen, oft mit Tafelmusik. Die Familien meiner alten Freunde sind größer geworden. Inzwischen musizieren oder tanzen die Enkelkinder.

Bei Familie Alexej Krasnow

Galina Saikina und Familie Krasnow

Familie Dmitrij Tichonow, links im Bild Alexander Tichonow

Auch bei einer Familie, die ich erst im vergangenen Jahr in Erlangen kennengelernt hatte, war ich mit Hans Gruß und Tatjana Parilowa  eingeladen. Nach dem Festmal konnten wir einen Einblick in die Werkstätten der Möbelfirma des Gastgebers erhalten, in der Nähe des Dorfes Suromna im Landkreis Susdal angesiedelt.

Für Samstag, dem Tag vor meiner Heimreise, war der Besuch bei Tatjana Oserowa vorgesehen. Auch sie verwöhnte mich mit einem festlichen Essen. Danach durfte ich sie zum Friedhof begleiten, der etwa 15 km von der Wohnung entfernt liegt und nur mit dem Taxi bequem zu erreichen ist. Das Grab von Genrich Oserow und nun auch des Sohnes Alexander, der im April plötzlich verstorben ist, liegt in einem ruhigen, von Bäumen umgebenen Areal mitten in der Natur.

Es war gut, diesen Besuch auf den letzten Tag meines Aufenthaltes in Wladimir gelegt zu haben. Bei meinem Abschiedsspaziergang am Abend vom Zentrum zum Erlangen-Haus blieb so Zeit dazu, manches noch einmal zu überdenken.

Brunnen am Theaterplatz

Erlangen-Haus

Rosenkranzkirche

Die Fahrt zum Flughafen Domodjedowo in Moskau verlief ohne Stau. Mein Chauffeur hatte mich im Erlangen-Haus etwas früher abgeholt. Dadurch war Zeit, unterwegs in Lakinsk die betagten Eltern von Wladimir Filimonow zu besuchen. Ich kannte sie von früher, wenn sie in Wladimir zu Besuch waren.

Ute Schirmer mit den Eltern von Wladimir Filimonow

Weil das Ehepaar jetzt nicht mehr reisen kann, freuten sie sich die beiden über ein Wiedersehen mit mir zu Hause ganz besonders.

Ute Schirmer

Vor dem Heimflug

Mehr zu Ute Schirmer und ihrer einzigartigen Verbindung zu Wladimir unter: https://is.gd/4LJWU8

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Wieder ist eine Stimme im großen Chor der Partnerschaft verstummt, für immer. Jelena Borsowa hatte bereits allen Grund zu glauben, ihre schwere Erkrankung besiegt zu haben, als dann doch ein Rückfall eintrat und ihr, erst knapp 58 Jahre alt, am 8. Februar die letzte Lebenskraft raubte. Ulrich Kobilke, Musiklehrer am Ohm-Gymasium im Ruhestand, erinnert sich an die Kollegin als eine begabte Chorleiterin mit der Fähigkeit, Kinder und Jugendliche zum Singen zu vereinen und zu begeistern, als eine Frau mit Selbstdisziplin und Heiterkeit im Umgang mit den Ensembles, stets bescheiden in ihrem Auftreten und liebenswürdig bei den Proben und Auftritten in Erlangen, aber auch privat, zusammen mit ihrem Mann in Etlaswind und in Wladimir beim Gegenbesuch: rührend gastfreundlich bei sich zu Hause mit den Speisen, im Sommer auf der Datscha angepflanzt und geerntet. Bis zuletzt blieben die beiden Musiker einander mit großer Dankbarkeit und gegenseitiger Wertschätzung verbunden, obwohl ihr künstlerischer Austausch schon so lange zurücklag.

Jelena Borsowa, 2005 in Wladimir, gesehen von Ute Schirmer

Im Frühjahr 2004 war es, als Jelena Borsowa mit ihrem Mädchenchor der Schule Nr. 33 per Bus den 2.500 km langen Weg nach Erlangen antrat, um am 1. April gemeinsam mit dem Chor des Ohm-Gymnasiums im Gemeindezentrum am Bohlenplatz, das heute als Kreuz+Quer firmiert, einen, wie die Erlanger Nachrichten schrieben „Streifzug durch die Musikgeschichte“ vorzustellen, der in einem „furiosen Finale“ endete, bei dem „die Schüler der beiden Partnerstädte bewiesen, wie gut sie harmonieren“. Die fast zweiwöchige Tournee mit weiteren Auftritten u.a. im Redoutensaal bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Stadtverbands Kultur zu Gunsten des Erlanger Kinderklinikums wurde musikalisch und zwischenmenschlich zu einem derartigen Erfolg, daß Ulrich Kobilke und seine Kollegin Anges Paetzold im Februar des folgenden Jahres mit ihrem Schulensemble die Gegeneinladung nach Wladimir annahmen. Auch wenn es bei diesem im doppelten Sinne einmaligen Austausch blieb, rissen die Verbindungen nie ab, Verbindungen, die wesentlich durch die Vermittlung von Ute Schirmer zustande gekommen waren.

Jelena Borsowa und ihr Mädchenchor

Bereits am 20./21. September 2003 war nämlich, ebenfalls in den Erlanger Nachrichten, unter der Schlagzeile „Musik über Grenzen“ in einem Bericht zu lesen:

Ute Schirmer und Irmgard Krause sind noch immer begeistert. Die Erlangerinnen, die sich der Bürgergruppe zum zwanzigjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft angeschlossen hatten, haben gerade eine „erlesene Darbietung“ (wie sie sagen) hinter sich. Der Chor der Oberklassen der Mittelschule Nr. 33 hat unter der Leitung von Jelena Borsowa und mit der Pianistin Natalia Slokina nicht nur einen bunten Strauß schöner Melodien intoniert, sondern mit dem Frühlingswalzer nach Motiven von Johann Strauß die Erlanger Besucher zu wahren Begeisterungsstürmen hingerissen. Diese Begeisterung nach Erlangen zu bringen, ist seitdem ihr Anliegen – jetzt bedarf es „nur“ noch der Sponsoren, die den Chor nach Erlangen bringen.

Jelena Borsowa mit ihren Schülerinnen im November 2001

Wer Ute Schirmer kennt, weiß: Sie ruhte nicht, bis Sie genug Zusagen hatte, um die Reise für die jungen Gäste zu finanzieren, sie führte ungezählte Gespräche, bis sie genug gastgebende Familien für die Mädchen beisammen hatte, sie begleitete die Gruppe, treusorgend wie eine Großmutter, zu allen Proben und Auftritten. Nicht von ungefähr, denn zu der Schule hatte Ute Schirmer ein besonderes Verhältnis: Im Mai 2001 schon war sie dort mit ihrer Schwester eingeladen und rief darauf in Erlangen eine Spendenaktion ins Leben, um die desolate Toilettenanlage renovieren zu lassen.

Plakatgestaltung Fritz Wittmann

Was bleibt, sind nun Erinnerungen an eine Frau, die allen, die sie kannten, schrecklich fehlt, an eine lebendige Freundschaft, Bilder, Plakate, Programmhefte, Briefe – und an ein Reisetagebuch aus dem Jahr 2005, dank Jonas Eberlein, damals Mitwirkender im Chor des Ohm-Gymnasiums, hier im Blog nachzulesen in drei Teilen unter:  https://is.gd/qqEGI2, https://is.gd/Lh6SqU und https://is.gd/lYnND3 – viele Stimmen im Chor der Partnerschaft.

 

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Unsere Reise begann Ende Oktober vergangenen Jahres. Unsere Eltern beschlossen, mit uns nach Deutschland zu fahren. Das Wetter war damals nicht besonders. Von oben rieselte Schneeregen. Das versprach alles einen nahen und kalten russischen Winter. Als wir Wladimir verließen, herrschte dunkle Nacht, und wir wollten nichts mehr als schlafen. In Moskau flogen wir im Morgengrauen ab. Nach einigen Stunden des Flugs fanden wir uns in Deutschland wieder, wo uns großartige Menschen gastfreundlich in Empfang nahmen und uns ein richtig goldener Herbst freundlich zunickte. Vom Flughafen brachte man uns nach Erlangen. Diese Stadt verzauberte uns mit ihren sauberen Ecken, den gepflegten Häusern, den gemütlichen Restaurants und Bäckereien. Wir atmeten saubere Luft. Vom ersten Moment an spürten wir Gastfreundschaft und eine behagliche Atmosphäre.

Während unseres kurzen Besuchs in Erlangen reisten wir auch viel in Bayern herum. Zu erzählen, wo wir überall waren, würde viel Zeit erfordern. Wichtiger ist wohl, das Schlüsselwort zu all diesen Orten zu erwähnen: „erstmals“. Wir waren ja überall zum ersten Mal. Wir erzählen deshalb lieber nur von einigen besonderen Eindrücken, wie vom Besuch der Höhlen in der Fränkischen Schweiz, die wir mit Lampen betraten, um uns die Stalaktiten und Stalagmiten anzusehen. Zum ersten Mal konnten wir deren Wachsen so genau beobachten und uns den Unterschied zwischen ihnen einprägen. Unglaublich, daß so ein Regentropfen sich seit einer Million Jahren an der Decke einer Höhle halten kann. Nach der Verdampfung des Wassers kristallisierte ein winziger Kalkring an der Decke. Dann kam der zweite Tropfen, der dritte, vierte und fünfte, und alle hinterließen sie Kalk an jener Stelle. Und wir können jetzt diese ungewöhnlichen Formationen sehen, die aus einer unendlichen Zahl von Tropfen im Lauf von vielen Jahren geschaffen wurden. Ein Wunder!

Plötzlich blieben wir stehen… In einer Deckenspalte entdeckten wir eine Fledermaus! Zum ersten Mal sahen wir dieses Tierchen so aus der Nähe. Wir hätten es sogar berühren können, wollten aber den Schlaf der nächtlichen Schönheit nicht stören.

Und dann noch zum Schwimmbad in Staffelstein. Behablich ist es da im Becken mit dem warmen Salzwasser. Eine ruhige und heilsame Atmosphäre. Sprudel, Unterwassermassage, Sauna mit Aromen. Besonders gefallen hat uns die Möglichkeit, nach draußen zu schwimmen. Und alles so sauber und ruhig. Auch das erlebten wir zum ersten Mal!

Unsere Reise nach Deutschland fiel in unsere Ferien. Klar, wer will schon in den Ferien zur Schule gehen? Aber wir brachten das fertig und besuchten die Waldorfschule. Wir begegneten da unseren Freunden wieder, Leonie, Elena und René, die im Sommer ein Praktikum in Wladimir gemacht hatten. Sie fanden Zeit, uns Nürnberg zu zeigen. Natürlich hinderte uns die Sprachbarriere daran, uns in allem ganz auszutauschen, wir verstanden nicht immer, was man uns erzählte, wir konnten nicht immer richtig antworten und den Dialog aufrecht erhalten. Aber spornt uns auch an, jetzt mehr in der Fremdsprache zu sprechen – und sei es auch nur untereinander.

Doch wir haben ja Freunde in Erlangen! Wir sind den Familien Binder und Gruß dankbar für die Organisation der Reise, für ihre Hilfe und Fürsorge. Persönlich danken wir Heidi und Jürgen Binder für die Gastfreundschaft und die angenehmen Gespräche sowie für das außergewöhnliche Frühstück an jedem Morgen und das immer so leckere Abendessen! Unser Dank gilt auch dem Ehepaar Brigit und Hans Gruß für die Aufmerksamkeit, die interessanten Begegnungen und die Unterstützung bei verschiedenen Ausflügen und Konzerten. Und schließlich herzlichen Dank an unsere Fremdenführerin und Ideengeberin für alle möglichen Reisen, die energiegeladene und – wir scheuen uns nicht, das zu sagen – junggebliebene Ute Schirmer

Hoch sollen sie leben, unsere Freunde!

Warwara und Wassilissa Fjodorow, unterstützt von ihren Eltern und Tatjana Parilowa

Siehe auch: https://is.gd/iiv2o1 und https://is.gd/U6YymD

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Vor acht Jahren veranstaltete das Bürgermeister- und Presseamt zum ersten Mal einem Empfang für Personen und Gruppen, die sich ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften engagieren. Seither entwickelte sich die Feier im Ratssaal zu einer festen Institution, bei der von Mal zu Mal die Sessel und Stühle zahlreicher besetzt sind. Gestern nun, als Wolfram Howein aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Janik den Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften entgegennahm, blieb freilich wirklich kein Platz mehr frei. Vielleicht, weil, wie der Laudator, anerkennend und vom Manuskript abweichend, meinte, der Geehrte es beispielhaft verstehe, andere in seine vielfachen Aktivitäten und Initiativen einzubinden.

Wie vielfältig und für das Gemeinwohl entscheidend dieses Engagement gerade auch im Internationalen Bereich wirkt, betonte Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens in ihrer Begrüßung. Durchaus auch aus eigener Anschauung vor Ort auf dem Feld der Ökologie, Jugendarbeit oder Kulturvereine. Das Stadtoberhaupt ging sogar noch weiter und stellte diese Arbeit in einen globalen Zusammenhang: „Heute bedarf es mehr denn je der Menschen, die Brücken bauen; gerade jetzt, wo so viele andere sich daran machen, Brücken einzureißen und Mauern hochzuziehen.“

Florian Janik und Wolfram Howein

Desto wichtiger, einmal im Jahr all die einzuladen, denen die Zusammenarbeit mit den zehn Partnerstädten und den drei befreundeten Kommunen, von den sonstigen Verbindungen Erlangens in alle Welt zu schweigen, am Herzen liegt. Und eine Person stellvertretend für die anderen auszuzeichnen, gestern Wolfram Howein. Wofür und mit welchen Worten ist hier nachzulesen: Laudatio Wolfram Howein – 21.11.2018

Wolfram und Inge Howein

Florian Janik machte es sichtlich Freude, dem ehemaligen Siemens-Manager das in vierzehn Jahren und auf vierzig Wladimir-Reisen verdiente Lob auszusprechen, kennt er doch die Ergebnisse dieser großartigen Arbeit aus eigener Anschauung, im Blauen Himmel wie beim Roten Kreuz, im Forum Prisma wie bei den wissenschaftlichen Projekten, besonders aber im Erlangen-Haus, wo beide das „beste Frühstück in der Partnerstadt“ zu schätzen wissen, und von wo aus beide sich auch schon auf die Suche nach einem Schlummertrunk machten.

Gratulation von Melitta Schön an Wolfram Howein

Wolfram Howein nahm es in seiner Erwiderung sportlich: „Mein Engagement für Wladimir ist allemal billiger als Golf zu spielen.“ Aber im Ernst: „Mein Leben ist reicher geworden durch diese Begegnungen, und Wladimir ist mir zum Jungbrunnen geworden.“ Möglich aber natürlich auch nur, wenn die Frau diesen Einsatz unterstützt. Deshalb galt denn der erste und größte Dank Inge Howein, die nun auch schon zehn Reisen in die Partnerstadt hinter sich hat.

Gratulanten: Margrit Vollertsen-Diewerge, Ute Schirmer, Jürgen Binder, Inge und Wolfram Howein, Gerda-Marie und Michael Reitzenstein

Was das Ehepaar noch vor sich hat? Hoffentlich noch viele Jahre der Zusammenarbeit mit Wladimir – zumal sich, siehe Blogeintrag von gestern, im Bereich Erlebnispädagogik schon wieder neue Türen öffnen – und die dafür nötige Gesundheit.

Knut Gradert und seine Stadl Harmonists

Zum Gelingen des Abends trugen auf ihre Weise die Stadl Harmonists aus Kosbach mit „Weltmusik“ bei, von „California Dreaming“ über „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Über den Wolken“ bis hin zum abschließenden „Oj, moros, moros“, das der Leiter des Ensembles, Knut Gradert, bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir mit seinem großen Chor einstudierte und zur Überraschung der Gastgeber auf Russisch interpretierte. Gestern nun also auch noch diese musikalische Brücke über ein Vierteljahrhundert Partnerschaft. Was kann schöner sein?!

Karin Günther, Ruth Sych mit der Broschüre über ihr Engagement in Wladimir vor 20 Jahren und Susanne Lender-Cassens

Höchstens noch die vielen Gespräche, die beim Stehempfang zustandekamen – über die Grenzen der jeweiligen Städtepartnerschaften hinweg. Jena stand da neben Riverside und Rennes kam mit San Carlos ins Gespräch, während Wladimir mit Cumiana Erfahrungen austauschte.

Rudolf und Inge Schloßbauer mit Giuseppe Andolina

Eine Börse der internationalen Beziehungen eben, wo, wie Florian Janik bei der Eröffnung des Buffets meinte, „bestimmt wieder neue Ideen und Projekte entstehen“.

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Am Vorabend des Poetenfestes und zu Ehren des Germanisten Wiktor Malygin, der Anfang des Monats für einige Tage Erlangen besuchte und über den mehr hier https://is.gd/3dzq36 zu lesen ist, heute ein Auszug aus dem Poem „Zerfall des Atoms“ von Georgij Iwanow. Als eine der überragenden Gestalten der russischen Emigration vollendete der Dichter diesen Text 1937, der erst jetzt im Berliner Verlag Matthes & Seitz in deutscher Übersetzung von Alexander Nitzberg erschien. Spät, aber zeitlos aktuell in seiner verstörenden Radikalität und in so mancher Aussage, wie der folgenden, die heute wie seherisch für die Postmoderne zu lesen erscheint.

Elisabeth Preuß und Wiktor Malygin

Was gestern noch möglich war, erweist sich heute als undenkbar, unerreichbar. Wer glaubt heute an die Erscheinung eines neuen Werther, die auf einmal in ganz Europa begeisterte Schüsse von faszinierten, berauschten Selbstmördern nach sich zöge? Genauso unverstellbar wäre ein Heft voller Verse, das dem modernen Menschen, der es durchblätterte, echte spontane Tränen entlockte und ihn zum Himmel, zu demselben abendlichen Himmel in schmerzlicher Hoffnung emporblicken ließe. Unmöglich. Und zwar derart unmöglich, daß man bezweifelt, es sei überhaupt jemals möglich gewesen. Neue eiserne Gesetze, die unsere Welt wie nasses Leder hin- und herzerren, kennen keinen Trost in der Kunst. Mehr noch, diese – noch unklaren, bereits unabdingbaren – Gesetze, die in der neuen Welt geboren werden oder die neue Welt gebären, so seelenlos und so gerecht, bewirken genau das Gegenteil: Nicht nur ist es unmöglich, etwas auf geniale Weise Tröstendes zu erschaffen, es ist auch beinahe nicht mehr möglich, sich mit dem Bestehenden zu trösten. Noch gibt es Menschen, die fähig sind, Anna Kareninas Los zu beweinen. Noch stehen sie auf jenem mit ihnen zusammen schwindenden Grund, in den das Fundament des Theaters eingearbeitet ist, wo Anna, gestützt auf den Samt der Loge und leuchtend vor Schönheit und Qual, ihr Schmach erleidet. Dieses Leuchten reicht kaum noch bis zu uns. Nur noch schwache und schiefe Strahlen – als letzter Abglanz des Verlorenen oder als Bestätigung dessen, daß der Verlust endgültig ist. Bald wird alles für immer verblassen. Was bleibt, ist ein Spiel der Phantasie und des Talents, unterhaltsame Lektüre, die keinen verpflichtet, ihr Glauben zu schenken, und auch gar nicht glaubhaft ist. Eine Art „Drei Musketiere“. Was schon Tolstoj als erster geahnt hat, jene verhängnisvolle Grenze – und dahinter kein Trost von erdachter Schönheit, keine Träne um erdachtes Glück.

Alexander Markin und sein Grabmal für Oleg Popow

Wiktor Malygin ist als großer Förderer des Schauspielhauses Wladimir und der Literatur in der Partnerstadt einer, der noch auf jenem „schwindenden Grund“ steht und auch noch hinüberreicht in jene Zeit, geprägt von großen Namen wie des Clowns Oleg Popow, dessen Grab er zusammen mit Familie Herbert und Ute Schirmer besuchte – und dabei, ganz in der Gunst des Augenblicks und des Genius loci, nicht nur des Künstlers Witwe Gabriele, sondern auf dem Friedhof von Egglofstein auch den Bildhauer des Grabmals, Alexander Markin, traf, dessen „erdachte Schönheit“ sehr wohl zu trösten weiß. Aber Georgij Iwanow hätte sich sicher gern widerlegen lassen:

Wiktor Malygin und Alexander Markin

Ich will ganz einfache, ganz gewöhnliche Dinge. Ich will weinen, ich will mich trösten. Ich will in schmerzlicher Hoffnung zum Himmel emporblicken. Ich will dir einen langen Abschiedsbrief schreiben, einen beleidigenden, himmlischen, schmutzigen, den zärtlichsten Brief auf der Welt. Ich will dich einen Engel nennen, ein Biest, dir Glück wünschen und dich segnen…

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Wir blicken heute nochmals zurück auf den Besuch von Ute Schirmer und ihrer Freundin, Gabriele Erkelenz, in Wladimir. Während die Erlanger Ärztin seit 1991 engstens mit der Partnerstadt verbunden ist und dort einen riesigen Freundeskreis hat, besuchte die promovierte Rechtsanwältin aus Bonn Wladimir ersten Mal, freilich auf den Spuren ihrer bereits verstorbenen Mutter, die den Goldenen Ring einst bereist hatte. Machen wir nun aber den Rückblick auf den Besuch mit Anastasia Filimonowa, die ebenso wie Gabriele Erkelenz, einen kleinen Bericht an die Blog-Redaktion schickte.

Anastasia Filimonowa, Gabriele Erkelenz, Ute Schirmer und Galina Postnikowa im Mariä-Schutz-Nonnenkloster, Susdal

Vom 2. bis 7. Juni besuchte Ute Schirmer uns zusammen mit ihrer Schulfreundin Gabriele Erkelenz aus Bonn. Die beiden hatten ein pralles Programm, trafen die Familien russischer Freunde aller Generationen. Frau Schirmer kommt nicht einfach müßig zu uns. All ihre Reisen hatten immer einen wohltätigen oder spirituellen Anspruch.

Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz im Kreis der Familie Filimonow

Das war auch dieses Mal nicht anders. So brachte sie Aufnahmen ihres Mannes aus Erlangen mit, mit denen sie an einem Abend im Erlangen-Haus ihre ausführliche und interessante Schilderung unserer Partnerstadt bebilderte.

Ute Schirmer

Der zweite Teil der Veranstaltung war dem Schaffen des Wladimirer Dichters Stanislaw Katkow gewidmet, dessen Gedichte erfüllt sind von Freude, Schönheit und Zartheit, obwohl er im Pflegeheim lebt, wo die beiden Freundinnen ihn später auch noch besuchten.

Blick ins Publikum im Erlangen-Haus

Frau Schirmer rezitierte seine Gedichte in ihrer eigenen Übersetzung. Zu dem Abend hatte sie Freunde eingeladen, mit denen sie schon seit vielen Jahren eine enge Verbindung pflegt.

Ute Schirmer und Tatjana Kolesnikowa bei der Lesung im Erlangen-Haus

Dann war da noch der Besuch in der Schmiede, wo die Handwerkstraditionen der Familie Borodin am Leben erhalten werden. Alles wird hier nach überlieferter Art gemacht, etwas, das man kaum noch so antrifft. Wir hatten sogar die Gelegenheit gezeigt zu bekommen, wie wir unseren eigenen Nagel schmieden können. Diese ungewohnte Betätigung machte unseren Damen richtig Spaß.

Ute Schirmer in der Kunstschmiede

Natürlich durfte bei dem Besuch auch Susdal nicht fehlen. Wir konnten auf den Glockenturm des Erlöser-Euphemius-Klosters, erbaut Anfang des 16. Jahrhunderts. Vor unseren Augen brachte der Glöckner 16 Glocken zum Klingen. Später erlaubte er es auch uns, es als Glöckner zu versuchen. Der Aufstieg war mühsam. Es führt eine Wendeltreppe nach oben, die in alten Zeiten auch eine Wehrfunktion hatte. Im Fall einer Verschwörung konnte jemand da oben in der vorteilhaften Position eine große Zahl von Angreifern abwehren. Derartige Treppen erlauben es dem Angreifer nicht, sich zur vollen Größe aufzurichten. In seiner Rüstung und mit dem Schwert in der Hand ist der Krieger gezwungen, sich langsam und seitwärts nach oben zu bewegen, wobei er die Waffe gar nicht erheben kann. Somit ist er schutzlos den Schlägen von oben ausgeliefert. Zu zweit kommt man gar nicht hoch.

Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz

Leider verging die Zeit in Wladimir mit unseren Freundinnen viel zu schnell. Und jetzt überkommt mich eine ganze Welle farbenfroher Erinnerungen. Wir hoffen auf neue Begegnungen!

Anastasia Filimonowa

 

Zwischenmeldung: Der Freundeskreis ist derart groß, daß Ute Schirmer manche ihrer Bekannten erst im Nachhinein wiedererkennt, wenn sie sich nicht selbst zu erkennen geben. Da ist beispielsweise der Fahrer, Jewgenij Tschilimonow, den sie bereits 1991 traf und auf dessen Heirat sie später zu Gast war. Aber so eine Reise offenbart auch unbekannte Seiten der eigenen Freundin, wenn etwa bei dem Treffen mit Damen von Soroptimist International Gabriele Erkelenz plötzlich zu erkennen gibt, dem gleichen Serviceklub anzugehören. Aber bleiben wir noch kurz bei den russischen Freunden, zu denen die Familien der Musiker Alexander und Dmitrij Tichonow gehören, wo Ute Schirmer spät abends noch Flötenunterricht gab und nach Auskunft der Gastgeber so anrührend sang, daß niemand mehr zu Bett gehen wollte.

Galina Postnikowa, Anastasia Filimonowa, Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz in Susdal

Es ist eine besondere Reise, wenn man mit Ute Schirmer nach Wladimir fährt und dort im Erlangen-Haus wohnt. Dank Ihrer vielen Freunde und der russischen Gastfreundschaft habe ich viele Menschen kennengelernt und einen kleinen Einblick in das russische Leben gewinnen können.

Abschied und Willkommen für Ute Schirmer im Erlangen-Haus

Das Erlangen-Haus ist ein Schmuckkästchen; die Partnerstädte dürfen stolz auf ihr großartiges Werk sein. Aus einer unbewohnbaren Ruine ist ein bildschönes, repräsentatives Gebäude geworden, behaglich zum Wohnen und zweckmäßig für Kurse und Verwaltung. Das dort beschäftigte russische Team ist liebenswürdig und sympathisch, hilfsbereit und kompetent.

Auf einem Empfang, den Ute Schirmer für ihre Freunde im Erlangen-Haus gab, präsentierte sie Gedichte des russisches Dichters Stanislaw Katkow, der gelähmt in einem Heim für neurologisch Kranke lebt. Zunächst las eine russische Deutschlehrerin den russischen Text sehr ausdruckstark vor, danach Ute Schirmer ihre hervorragende deutsche Übersetzung. Naturbetrachtungen und tiefsinnige Gedanken haben alle sehr beeindruckt.

Ute Schirmer und Stanislaw Katkow, 2013

Tags darauf besuchten wir zusammen mit Ute Schirmers Freundin, Tatjana Oserowa, Stanislaw Katkow  in dem Heim. Begleitet von der liebenswürdigen Leiterin des Hauses, Irina Morosowa, und einer Schwester, wurden wir zu Stanislaw Katkow geführt, der uns im Rollstuhl sitzend empfing. Er war überglücklich, als ihm Tatjana Oserowa in lebhafter Weise von der Präsentation seiner Gedichte im Erlangen-Haus erzählte.

Tamara Neiswestnaja und Ute Schirmer

Bei verschiedenen Einladungen habe ich verschiedene Wohnungen kennengelernt, von einfach bis wohlsituiert; gleich war überall eine wunderbare Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit. Ich hatte den Eindruck, die Freundschaft und die guten Kontakte zu Erlangen liegen allen sehr am Herzen.

Gabriele Erkelenz

Die Bilder sind übrigens von Wladimir Fedin mit Ausnahme des Photos von der Hausmusik, das Dmitrij Tichonow machte. Einen kleinen Videofilm vom Glockenspiel gibt es hier zu sehen: https://is.gd/QMJoBu (bitte auf das Symbol VID_ klicken).

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