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Posts Tagged ‘Universitätsklinikum Jena’


„Ich hatte mir schon überlegt“, meinte gestern abend bei der Rückfahrt nach Erlangen, „ob es sich denn lohnt, den weiten Weg nach Jena zu machen. Gute zwei Stunden einfach unterwegs, nur um die Honneurs zu machen. Aber jetzt bin ich richtig froh, dabei gewesen zu sein.“

Erlangen auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters

Der stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, sprach damit wohl allen russischen Gästen aus dem Herzen, denn, so Olga Dejewa, die klimatischen Bedingungen – immerhin gilt Jena als der zweitwärmste Ort Deutschlands – übertragen sich offenbar auch auf das Wesen der Menschen.  Die Oberbürgermeisterin ist die einzige in der Delegation, die Jena bereits von einem Besuch aus dem Jahr 2013, damals noch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes, kennt und seither zu schätzen weiß.

Olga Dejewa und Albrecht Schröter

Als Stadtoberhaupt war dies nun gestern ihr Antrittsbesuch und die erste Gelegenheit mit Ihrem Amtskollegen, Albrecht Schröter, über die weitere Ausgestaltung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu sprechen – und an seiner Seite ein wenig die Stadt zu erkunden.

Dabei treffen die beiden auf Schritt und Tritt auf russische Spuren: mal auf die Ankündigung eines Vortrags über Michail Gorbatschow, den in seiner Heimat wohl erst künftige Historiker vom Makel des Totengräbers der Sowjetunion befreien werden, mal die Erinnerung die Station Jena auf dem langen Lebensweg von Lew Tolstoj.

Gedenktafel am Frommannschen Anwesen

Wichtiger als der Blick zurück – auch in die bereits zehn Jahre währende Dreieckspartnerschaft – ist den Deutschen und Russen die Überlegung, was sie in Zukunft gemeinsam angehen könnten. Und da bietet sich ein breites Spektrum.

Über den Dächern von Jena

Das Freiwilligenprogramm soll fortgesetzt werden, das Rahmenabkommen zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und der Wladimirer Universität bietet noch ungenutzte Möglichkeiten für den Wissenschaftsaustausch, bei Kultur und Sport gäbe es noch viel zu tun… Und dann ist da noch der Vorschlag von Albrecht Schröter, gern einmal jemanden aus der Wladimirer Stadtverwaltung einzuladen, um auszuloten, in welchen Bereichen der Administration ein Erfahrungsaustausch nützlich sein könnte.

Albrecht Schröter und seine Gäste

Und natürlich darf die Gegeneinladung nicht fehlen: vielleicht schon zum Wirtschaftsforum im Juni oder spätestens zum Stadtfest im Herbst. Gleichviel, Hauptsache man bleibt im Gespräch und Austausch, so die einhellige Meinung.

Albrecht Schröter und Olga Dejewa, im Hintergrund Norbert Hebestreit

Schon sehr weit gediehen sind die Überlegungen für eine konkrete Zusammenarbeit auf Initiative von Norbert Hebestreit im Bereich der Krankenpflege. Da versprechen sich beide Seiten einen Gewinn, da wollen beide Seiten voneinander lernen, da soll noch heuer ein Austauschabkommen zwischen der Berufsfachschule in Wladimir und dem Klinikum Jena abgeschlossen werden.

Nach der Führung durch das Klinikum Jena

Da darf natürlich auch eine Führung durch die größte Klinik Thüringens und eines der modernsten Krankenhäuser in ganz Deutschland, wenn nicht gar europaweit, nicht fehlen. Immer im Blick auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir.

Alexander Krutow, Renate Winzen, Olga Dejewa, Nadja Steger, Wladimir Rybkin, Anette Christian und Guram Tschjotschjew

So ein Tag endet natürlich beim Abendessen zurück in Erlangen mit Stadträtin Anette Christian am besten mit einem Trinkspruch, den Wladimir Rybkin in ebenso einfachen wie einprägsamen Worten ausbringt: „Ich stehe auf, um mein Glas auf die Gastgeber zu erheben, und ich knöpfe meine Jacke zu dem festlichen Anlaß zu, aber mein Herz ist bis auf den letzten Knopf aufgeknöpft nach all den wunderbaren Begegnungen hier in Deutschland.“

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Noch ein Nachwort zum Besuch von Marina Krylowa und Margarita Makarowa, ärztliche Leiterin bzw. Oberschwester des Krankenhauses im Wladimirer Stadtteil Jurjewez, die am Freitag die Heimreise antraten. Einen Tag zuvor waren sie aber noch nach Jena gereist, um ihr Bild von der deutschen Palliativmedizin zu ergänzen. Warum sie so begeistert aus Thüringen zurückkamen, kann man nachlesen in dem Bericht von Norbert Hebestreit, leitender Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Jena, der, sprachlich unterstützt durch Iwan Nisowzew, die Gäste durch die Stationen des Tages führte.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Besucherinnen von dem gerade fertiggestellten zweiten Neubauabschnitt des UKJ, welcher noch in diesem Monat in Betrieb genommen wird. Kern der Visite jedoch war der fachliche Austausch mit Ärzten und Pflegenden der Abteilung Paliativmedizin in Verbindung mit einer Besichtigung der Zwölf-Betten-Station. Nach einem einführenden Gespräch mit Chefarzt Ulrich Wedding und der Leiterin der Palliativ-Care-Weiterbildung, Christiane Klimsch, wurden die Gäste durch das Palliativzentrum geführt. Die aus Spendenmitteln der Deutschen Krebshilfe und Zuschüssen des Freistaates Thüringen erbaute Einrichtung zeichnet sich durch eine besonders freundliche, wohnliche und lebensqualitätsunterstützende Atmosphäre aus. „Die Patienten sollen vergessen können, sich im Krankenhaus zu befinden“, so Christiane Klimsch. Über die stationäre Versorgung hinaus werden die Patienten auch im ambulanten Bereich betreut und unterstützt. „Unser Ziel ist es, unseren Patienten maximale Lebensqualität bis ans Lebensende zu ermöglichen – hierfür braucht es eine gute Zusammenarbeit im interprofessionellen Team“, so Ulrich Wedding.

Christiane Klimsch, Margarita Makarowa, Ulrich Wedding, Iwan Nisowzew und Marina Krylowa

„Für uns waren die Gespräche und die Besichtigung am Uniklinikum Jena eine sehr gelungene Ergänzung unseres Besuches. Wir sind dankbar für die Möglichkeit, gleich zwei universitäre Einrichtungen der Palliativversorgung gesehen zu haben“, bedanken sich die Ärztin und ihre Oberschwester aus Wladimir bei den Organisatoren des Ausflugs und sprechen zugleich den Wunsch der Fortführung gegenseitiger Hospitationen aus. Und auch die Gastgeber freuen sich. War doch dieser spontan verabredetet Besuch der russischen Kolleginnen ein weiterer Mosaikbaustein in der gerade beginnenden Zusammenarbeit der partnerschaftlich verbundenen Städte Wladimir und Jena auf dem Gebiet von Pflege und Medizin.

Norbert Hebestreit

P.S.: In der Süddeutschen Zeitung ist ein Artikel über das Experiment der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir erschienen – lesenswert unter: https://is.gd/L0nH6c

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