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Posts Tagged ‘Udo B. Greiner’


Namen zu nennen, ist immer so eine Sache. Manches Mal notwendig, weil nur so Umfang und Fülle zu erkennen sind, oftmals undankbar, weil man doch immer wieder jemanden zu erwähnen vergessen kann, meist dann gleich die wichtigste Person. Heute besteht Anlaß, den Versuch der Vollständigkeit zu unternehmen, heute am 70. Geburtstag von Udo B. Greiner, dem langjährigen Leiter der Lokalredaktion der Erlanger Nachrichten.

Udo B. Greiner, 2. v.l., umgeben von Helmut Schmitt, Sergej Sacharow, dem Ehepaar Angelika und Siegfried Balleis, Peter Steger und Rudolf Schwarzenbach

Udo B. Greiner, 2. v.l., umgeben von Helmut Schmitt, Sergej Sacharow, dem Ehepaar Angelika und Siegfried Balleis, Peter Steger und Rudolf Schwarzenbach, Juni 2012

Sein segensreiches Wirken für die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir fand im Blog schon vielfachen Ausdruck. Hinzuzufügen ist dem freilich ein ganz besonderer Umstand. Der Jubilar ist nicht nur selbst mehrfach in die russische Partnerstadt gereist. Er hat es vielmehr verstanden, fast seine gesamte Redaktion für dieses Werk der Völkerverständigung zu gewinnen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit deshalb hier einmal die Namen all der Journalisten, die im Auftrag von Udo B. Greiner die Partnerschaftsarbeit vor Ort erlebt haben: Peter Millian, Wolf-Dietrich Nahr, Axel Mölkner, Rainer Wich, Manfred Öfele, Klaus Springen, Lothar Hoja, Stefan Mößler-Rademacher; für das Bildmaterial aus Wladimir sorgten Hilde Stümpel und Bernd Böhner, wenn die Korrespondenten nicht gleich selbst auf den Auslöser drückten. Und auch wer nicht zu den „Reisekadern“ gehörte, kam nie ganz um das Thema „Wladimir“ herum, sei es in den Bereichen Kultur, Sport, Wissenschaft oder Wirtschaft. Dies erst sorgte für die so breit angelegte Berichterstattung über das Geschehen zwischen Erlangen und Wladimir, und dafür wieder einmal Dank zu sagen, ist heute die Zeit gekommen. Alles Gute zum Geburtstag, lieber Herr Greiner, und auf Wiederlesen!

Mehr zu Udo B. Greiner u.a. hier: http://is.gd/m2g52X

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Einen weiten Umweg hat Sergej Sacharow, seit März vergangenen Jahres Wladimirs Stadtoberhaupt, gemacht, um seinen Erlanger Kollegen, Siegfried Balleis zu treffen: über Jena und Jelena Góra in Polen, das einstige Hirschberg. Mit beiden Städten ist Wladimir freundschaftlich-partnerschaftlich verbunden, hier wie dort machte der Gast Station, um neue Projekte auf den Weg zu bringen, und nun also der Antrittsbesuch in Erlangen.

Sergej Sacharow und Siegfried Balleis

Anders als man vermuten könnte, führte der aber nicht gleich geradenwegs ins Rathaus, sondern auch hier ging es über einen Umweg zum Ziel des gegenseitigen Kennenlernens – und zwar gleich nach der Ankunft im Hotel schnurstracks hinaus in die schöne freie Natur der Fränkischen Schweiz, hinauf zu einem der vielen in den Wäldern versteckten Gipfel, die Sergej Sacharow so gerne erklimmt, um den weiten Blick zu genießen, am liebsten gemeinsam mit Freunden. Und Freunde sind die beiden in diesen ersten Stunden des Zusammenseins gleich geworden, ganz zur Freude der Partnerschaft.  Sicher nicht zuletzt auch wegen einer Geschichte, mehr noch wegen der Geschichte, die beide verbindet. Als der Vater von Siegfried Balleis 1947 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, in die er im Frühjahr 1945 in Ostpreußen geraten war, zurückkam, brachte er eine tiefe Sympathie für die Russen mit nach Hause. Vielleicht sogar ein wenig Sehnsucht nach diesem nun fernen Land. Und so begann er denn Anfang der 60er Jahre mit dem damals gerade einmal zehnjährigen Sohn Siegfried und vielen helfenden Händen der Familie mit dem Bau eines „russischen“ Blockhauses tief in der Fränkischen Schweiz, bis heute Rückzugsort in den seltenen Stunden der Muse eines Oberbürgermeisters. Es war diese Geschichte, die Siegfried Balleis bei einem spontanen Auftritt vor Wladimirer Kriegsveteranen am 8. Mai zum 65. Jahrestag des Kriegsendes erzählte, es war diese Geschichte, mit der es ihm gelang, die Herzen der einstigen Feinde weit zu öffnen.

Abendessen mit Freunden: Helmut Schmitt, Udo B. Greiner, Sergej Sacharow, Angelika und Siegfried Balleis, Peter Steger, Rudolf Schwarzenbach.

Augen und Herz öffneten sich für Sergej Sacharow ein Jahr später, am 22. Juni 2011, als zum 70. Jahrestag des Überfalls der Hitler-Truppen auf die Sowjetunion Wolfgang Morell in Begleitung von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß nach Wladimir kam und mit den russischen Veteranen einen Freundschaftsbaum pflanzte. Auch diese Geschichte reicht weit zurück: Sergej Sacharows Großmutter arbeitete just in jenem Wladimirer Hospital, wo Wolfgang Morell 1942 behandelt und sein Leben gerettet wurde, und sein Großvater lag seinerzeit im Lazarett, das sich damals im Haus der Offiziere befand, genau da, wo nun die Veteranen beider Städte zusammengekommen waren. Und heute feiert Wolfgang Morell seinen 90. Geburtstag, den er ohne die Ärzte und Krankenschwestern in Wladimir nicht erlebt hätte und zu dem ihm heute Sergej Sacharow gratulieren will. Auch wenn es das Arbeitsprogramm kaum möglich macht, zumal es am frühen Nachmittag schon wieder zum Flugzeug geht, ohne Umwege. Denn morgen ist der russische Nationalfeiertag, und da braucht Wladimir seinen Oberbürgermeister wieder selber.

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Gerd Lohwasser frierend auf dem Roten Platz mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt

„Und sein ungebrochener Wille zur Völkerver­ständigung manifestiert sich in sei­nem persönlichen Einsatz für vielfäl­tige Partnerschaften – auf Bezirks­ebene mit dem französischen Limou­sine und dem polnischen Danzig, auf städtischer Basis mit Rennes in der Bretagne, dem österreichischen Umhausen und den italienischen Kom­munen Venzone und Cumiana.“ So endet die wohlgesetzte Hommage des Doyens der Erlanger Journalistik an den Elder Statesman der Hugenottenstadt. Was Udo B. Greiner zu Gerd Lohwassers heutigem 70. Geburtstag schreibt, beweist neben der besonderen Klasse der beiden vor allem eines: Jemand von der Fülle und Größe wie der Jubilar läßt sich auch bei meisterhaft verdichtetem Stil nicht ins enge Korsett der vorgegebenen Zeilen zwängen, ohne daß es zwickt und zwackt. Manches gar bleibt unerwähnt, im gegebenen Fall etwa des Altbürgermeisters seine gerade in den letzten Amtsjahren gewachsene Hinwendung zu Wladimir.

Gerd Lohwasser mit Ljubow Katz und Peter Steger im Erlangen-Haus

Da es zu dieser besonderen Neigung bereits einen Eintrag im Blog – entstanden anläßlich der Verabschiedung von Gerd Lohwasser aus dem Rathaus – gibt, hier neben dem Link am Ende des Absatzes nur noch drei Schlaglichter, die zeigen, wie vielseitig sich sein Wirken in der Partnerschaft auswirkt: 1. Für das nächste Jahr ist eine Fortbildungsmaßnahme für Deutschlehrer an Wladimirer Schulen geplant. 2. Nirgendwo sonst ist man in Zentralrußland so weit beim Aufbau von Freiwilligen Feuerwehren wie in der Region Wladimir. 3. Wladimirer Ärzte planen mit Erlanger Unterstützung ein privates medizinisches Zentrum. Alles Vorhaben, die wesentlich auf Anstöße von Gerd Lohwasser zurückgehen, und um die er sich ehrenamtlich sicher noch kümmern wird. https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/07/01/34-treffer-ins-herz-der-partnerschaft/

Philipp Schütze, Student der FAU, im Gespräch mit Sergej Sacharow

Mit ihm im Geiste anstoßen könnte auch Sergej Sacharow, denn der seit dem Frühjahr amtierende Oberbürgermeister der Partnerstadt wird heute 43 Jahre alt. Die beiden Geburtstagskinder sind sich noch nie begegnet, kennen einander nicht, und doch verbindet sie viel: Beide zeichnet ein unerhörtes Arbeitspensum aus, gepaart mit dem entscheidenden Blick für die wesentlichen Dinge. Beide verstehen es, ihren Gesprächspartnern so zuzuhören, daß die frei von der Leber weg sprechen können. Beide genießen Respekt und Autorität in ihrer Partei und darüber hinaus, und beide sind Meister des Brückenschlags über Grenzen der Politik, der Weltanschauungen und der Länder hinweg. Vor allem aber eint die beiden ihr zugängliches Wesen, ihre ansteckende Begeisterungsfähigkeit und ihr unverwüstlicher Humor. Dies alles möge Gerd Lohwasser und Sergej Sacharow noch viele gesunde Jahre erhalten bleiben. Ihnen zur Freude und der Partnerschaft zum Frommen.

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Zum heutigen 65. Geburtstag von Udo B. Greiner, dem nach der Altersteilzeit nun endgültig scheidenden ehemaligen Leiter der Lokalredation der Erlanger Nachrichten, wählt der Blog – einem Journalisten angemessen – die Form des Interviews.

Lieber Herr Greiner, Sie haben sich unter den Lesern der Erlanger Nachrichten nicht nur Freunde gemacht. Aber noch ihre ärgsten Gegner bescheinigten Ihnen immer neben hoher Sachkompetenz einen fairen Umgang mit Menschen und deren Stärken und Schwächen. Was zeichnet vor allem einen Journalisten aus, der sich die Anerkennung seiner Leser verdient?

Udo B. Greiner

Zuerst einmal: Vielen Dank für das Lob! Es sollte in meinem Berufsstand allerdings selbstverständlich sein. Denn jeder Journalist muß die große Verantwortung sehen, die er sich mit der Wahl seiner Lebensaufgabe – und so kann man es auch sehen – auferlegt hat. Es existieren ethische Grundsätze in den Medien, die Fairneß und Korrektheit bedingen. Nur: Die Bandbreite von Presse und Fernsehen ist heute riesig, sie reicht sogar über den Boulevard hinaus. Es gibt viele Abenteurer, die sich nichts dabei denken, wenn sie untadelige Menschen in den Schmutz ziehen, nur um bei verantwortungslosen Medien viel Geld zu verdienen. Gottseidank ist das bei Abonnement-Zeitungen wie den Nürnberger Nachrichten anders. Gerade die Menschen, die unverschuldet in den Schatten geraten sind, verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit. Das Credo für einen guten Lokalteil? Eine breite, objektive Information über das Alltagsgeschehen, eine hartnäckige Recherche nach Hintergründen und eine Kommentierung mit klarer Zielsetzung und Sprache, ohne irgendwelche „Manschetten“ und der Orientierung einzig an der Sache – all das vermittelt Lesern wie Entscheidungsträgern ein hohes Maß an Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Damit wächst die Zeitung gerade im überschaubaren, lokalen Bereich zum Faktor, an dem niemand vorbeikommt – letztlich der entscheidende Durchbruch zu einer engen Leser-Blatt-Bindung. Dazu kommt: Ein Journalist muß gut zuhören können und gleichermaßen neugierig sein, fähig zum offenen und herzlichen Umgang mit allen Menschen und frei von politischen Dogmen.

Eine der journalistischen Grundregeln lautet: nie einseitig Partei ergreifen. Wenn schon nicht Parteilichkeit, so doch große Sympathie für die Städtepartnerschaften haben sie zumindest in Ihren Kommentaren erkennen lassen. Kein Verstoß gegen das Berufsethos?

Naja, Partei ergreifen – und das meine ich jetzt nicht parteipolitisch – muß die Presse schon. Sie erfüllt ja eine Kontrollfunktion und sollte auf Dinge, die schief laufen, ausdrücklich kommentierend hinweisen. Insofern dokumentiert meine offenkundig gewordene Sympathie für die Städtepartnerschaften eine gewisse Parteilichkeit. Ich habe diese Verbindungen schon seit jeher für eine gute Sache gehalten, die man unterstützen sollte. Sie fördern die Völkerfreundschaft und sichern letztlich den Frieden. Und den sollte man – schon aus unserer leidvollen Geschichte heraus – nicht für selbstverständlich halten. Er ist ein Geschenk, das laufend verdient werden muß.

Die Partnerschaft mit Wladimir hat Ihnen mehr zu verdanken, als Sie möglicherweise selbst ahnen. Ohne die Unterstützung der EN wäre etwa die Aktion „Hilfe für Wladimir“ gar nicht denkbar. Was hat Sie persönlich von der Notwendigkeit der humanitären Hilfe überzeugt?

Nicht zuletzt Sie, lieber Herr Steger! Sie haben es verstanden, faktenreich und deshalb glaubhaft die Realitäten in Rußland zu vermitteln – und gleichzeitig Ihre unübersehbare Liebe zu diesem Land und seinen Menschen weiterzutragen. Das hat mich zu einer engagierten Berichterstattung über die Not in Wladimir ermuntert, – zumal die Zustände bei meiner ersten Reise, damals im tiefen Winter, bestätigt worden sind. Ich erinnere mich an Besuche in der Kinderklinik, aber auch an Spaziergänge in der Stadt, an die leeren Lebensmittelläden und Metzgereien, an Fahrten in den überfüllten Nahverkehrsbussen mit Menschen, die aus Mangel an entsprechender Kleidung der Kälte hilflos ausgesetzt waren, an Besichtigungen in Fabriken, deren technische Ausstattung keinen Wettbewerb in der marktwirtschaftlich geprägten Zukunft zuließen, an zerfallene Häuser, in denen die Bewohner ihr Dasein fristen mußten. So etwas läßt einen nicht kalt, – und da muß gerade ein Journalist seine Möglichkeiten einsetzen, um diese Not zu lindern.

Sie haben, wenn ich nicht irre, Wladimir drei Besuche abgestattet. Welche Erinnerungen und Eindrücke sind Ihnen noch am lebhaftesten im Gedächtnis?

Sergej Skuratow

Die beispiellose Gastfreundschaft – und die Herzlichkeit, mit der mir die Menschen begegnet sind. Da war ein Abendessen bei einem jungen Kollegen, Redakteur an einer der kleineren Zeitung in Wladimir, eine Alternative zur Parteipresse. Er tischte auf, ließ es an nichts fehlen, – und später wurde mir bewußt, daß er wohl sein halbes Monatsgehalt geopfert hatte, um dem Besuch aus Deutschland etwas bieten zu können. Gottseidank hatte ich auch einige Geschenke eingepackt, um diese Freundschaft erwidern zu können. Dann führten Sie, lieber Herr Steger, mich zu einer kleinen Gruppe von Katholiken, die inmitten der mächtigen russisch-orthodoxen Kirche sich die Diaspora zu bewahren suchten. Ihre Kirche war halb zerfallen, stark renovierungsbedürftig. – und es war mir möglich, zweieinhalb tausend Mark aus einem Hilfsfonds lockerzumachen. Die reichten im armen Rußland aus, um die Kirche instand zu setzen, – und die Vorsitzende der kleinen Gemeinde fiel mir, dem Protestanten, beim nächsten Besuch dankbar um den Hals. Solche Augenblicke bleiben ewig im Gedächtnis, – und sorgen für eine enge Beziehung zu Wladimir und seinen Bürgern.

Sie kennen Wladimir aus gut zwanzigjähriger kritisch-wohlwollender Beobachtung. Welche Veränderungen in der Partnerstadt begrüßen Sie, welche wünschen Sie sich noch für die Zukunft, und worin sehen Sie die größten Verdienste der Städtefreundschaft?

Rosenkranzkirche in Wladimir

Rosenkranzkirche in Wladimir

Bei meinem letzten Besuch und Begegnungen mit dem Bürgermeister, dem Gouverneur, aber auch mit Prof. Percy Gurwitz, Wissenschaftlern und Ärzten ist mir durchaus eine vollzogene Öffnung zur Demokratie aufgefallen, – auch wenn sich diese mit der unseren wohl noch nicht völlig vergleichen läßt. Das läßt hoffen, daß sich Rußland und Wladimir auf einem guten Weg befinden. Zu dieser Öffnung hat sicher auch die Städtepartnerschaft einen guten Teil beigetragen – und damit Erlangen mit  seinem kommunalpolitischen Verständnis und seiner Weltoffenheit als positives Beispiel im Rahmen der Begegnungen auf verschiedenen Ebenen.

Sie haben den Blog mit „wahren Perlen im Netz“ verglichen, ein Lob, das verpflichtet. Ihr Artikel in den EN liegt nun schon ein dreiviertel Jahr zurück. Blättern Sie noch immer ab und an im Blog, und welches Thema in der Kategoriewolke interessiert Sie besonders?

Sergej Skuratow: Wassersegnung am Fest der Taufe des Herrn

Sergej Skuratow: Wassersegnung am Fest der Taufe des Herrn, Januar 2010

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr – was vor allem die Kompetenz sowie die sprachliche, also journalistische Qualität betrifft. Ihr Blog ist aber auch – siehe vorher – ein Garant für ein weiteres Blühen dieser Partnerschaft. Man kann seine Bedeutung nicht hoch genug bewerten. Er füllt auch eine große Lücke aus, – zumal die lokale Presse heute schon aus immer problematischer werdenden Platzgründen diese Berichterstattung in keinster Weise übernehmen kann. Ich selbst komme allerdings – ich gebe das höchst ungern zu – nur unregelmäßig zum Blog-Leseerlebnis. Dafür lassen mir meine im Ruhestand erheblich häufiger gewordenen Reisen und meine immer noch umfangreiche journalistische Tätigkeit – mit der Notwendigkeit umfassender Information – zu wenig Zeit. Ich bitte um Verständnis!

Der Blog versucht, über die engeren Themen der Partnerschaft hinaus ein etwas differenzierteres Bild von der russischen Gesellschaft zu vermitteln. Warum berichten Ihrer Meinung nach noch immer viele deutsche Medien so holzschnittartig über die dortigen Probleme?

Holzschnittartige Berichterstattung, – das ist ein Zwang, der nicht nur die Berichterstattung aus Wladimir begleitet. Im Fernsehen sind meistens eineinhalb Minuten, in der Presse vielleicht 50 Zeilen vorgegeben, um ein Thema umfassend darzustellen. In dieser kurzen Spanne ist es gar nicht möglich, alle Facetten aufzugreifen. Im  Hinblick darauf würde ich die Berichterstattung aus der russischen Gesellschaft in den deutschen Medien durchaus als angemessen bezeichnen. Auf der Erde existieren rund 200 Staaten – Rußland ist einer davon, wenn auch der größte.

Können Sie sich vorstellen, auch im Ruhestand nochmals nach Wladimir zu reisen und darüber zu berichten?

Ja sicher, aber nur im Sommer – und nur in Ihrer kompetenten Begleitung.

Die Leser kennen Ihre passionierte Begeisterung für gutes Essen. Kochen Sie auch selbst und haben Sie sich schon einmal (an welchem?) an einem russischen Rezept versucht?

Hahaha, weil ich über Erlanger Restaurants schreibe? Ich muss Sie enttäuschen: Als Koch bin ich eine Niete. Als etwas barocker Typ, den schönen Dingen durchaus zugetan, begeistere ich mich an Speisen mit Pfiff und einem guten Wein, – vertraue aber ansonsten meiner Frau, die sehr gut kochen kann, so daß keinerlei Notwendigkeit besteht, es selbst zu praktizieren.

Was Sie schon immer einmal über Wladimir und die Partnerschaft sagen wollten…

Wer Wladimir kennt, wird diese Stadt und seine Menschen liebgewonnen haben. Beide verdienen es, auch künftig mit Erlangen eng verbunden zu sein, – was ein ausreichendes Budget im Städtepartnerschafts-Haushalt bedingt. Dessen muß man sich im Stadtrat bewußt sein.

Sergej Sukratow: Szene beim Fest der Taufe des Herrn, Januar 2010

Sergej Sukratow: Szene beim Fest der Taufe des Herrn, Januar 2010

Gerade darauf weist Udo B. Greiner nicht zum ersten Mal hin. Schon am 9. / 10. März 2002 schrieb er in einem Kommentar zur Auszeichnung der Partnerschaft durch Bundespräsident Johannes Rau mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ in den Erlanger Nachrichten: „Der Etat für die Städtepartnerschaften leidet wie vieles andere unter der Haushaltsmisere. Doch erneut erkennt man, daß diese Gelder – auch für das Personal – bestens angelegt sind. Vergleicht man diesen Aufwand mit manch anderer Initiative, in die ebenfalls erhebliche Mittel fließen, dann drängt sich eine Umschichtung geradezu auf.“ Des Journalisten Wort im Ohr des Stadtrats!

Als kleines Geburtstagsgeschenk und Ausdruck des Danks, lieber Herr Greiner, schmücken diesen Blogeintrag Arbeiten von Sergej Skuratow, des von Ihnen im Interview angesprochenen Journalisten, für den Sie – von Ihnen bescheiden verschwiegen – im Winter 1992 in den Räumen der Zentrale der Raiffeisen-Volksbank eine Ausstellung organisiert haben. Bleibt die Hoffnung, bald wieder von Ihnen lesen zu können! S. auch https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/11/09/diamonds-are-forever/

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Jahresrückblick 2009


Bei mehr als einhundert Begegnungen und Austauschprogrammen im zurückliegenden Jahr kam sogar für den Blog manches Mal zu viel Stoff zusammen, um ihn der geneigten virtuellen Leserschaft vorzustellen. Wie viel das sein mag, läßt sich ermessen, wenn man sich allein das im Dezember unveröffentlichte Material vornimmt.

Horribile dictu: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Stadträtin Gerlinde Stowasser tauschten gutgläubig beim Partnerschaftsbeauftragten Euro gegen Rubel, um auch einmal auf eigene Faust einen kurzen Einkaufsbummel in den Wladimirer Arkaden zu unternehmen. Doch schon in einem Café fand der Ausflug beim Bezahlen der Zeche ein jähes Ende: Einer der Tausend-Rubel-Scheine war gefälscht, ihm fehlte der Silberstreifen. Doch deswegen mußten die beiden Falschmünzerinnen nicht gleich alle Hoffnung am Horizont fahren lassen. Die Bedienung verzichtete darauf, die Polizei zu rufen. Sie begriff offenbar, daß die sprach- und arglosen Besucherinnen selbst unschuldige Opfer von Roßtäuschern waren. Zurück im Erlangen-Haus, stellten die geprellten Lokalpolitikerinnen ihren Wechsler zur Rede. Auch der fiel aus allen Wolken, hatte er doch die vermeintlich geldwert-gültigen Banknoten von Renate Winzen übernommen, die sie von ihrem letzten Wladimir-Besuch mit nach Hause gebracht hatte.  Eine sichere Quelle, wie er meinte. Aber wußte er auch, woher die Koordinatorin der Wissenschaftskontakte das Geld hatte? Hinterher ist man immer klüger. Dabei hätte genügt, die Warnungen des Blogs vom 18. Januar 2009 zu beherzigen. Horribile dictu: Der Blogger und Partnerschaftsbeauftragte in Personalunion handelt fahrlässig entgegen den eigenen Empfehlungen – und das gegenüber hochrangigen Vertreterinnen der Erlanger Bürgerschaft und einer offiziellen Delegation in Wladimir. Das nennt man Lehrgeld bezahlen und sei Anlaß genug, sich für 2010 ff vorzunehmen, umsichtiger zu werden und keinem noch so täuschend echtem Schein mehr zu trauen.

Glück im Unglück: Erstmals in den 26 Jahren der Partnerschaft wurde ein Gast aus Erlangen in Wladimir Opfer eines Verkehrsunfalls. Und das unmittelbar vor dem Erlangen-Haus. Die drei Insassen des Wagens trugen nur leichte bis mittelschwere Verletzungen davon und konnten nach einer Nacht im Krankenhaus schon wieder entlassen werden. Der Erlanger erlitt eine Gehirnerschütterung, deren Folgen aber bis zur Rückreise weitgehend auskuriert waren. Bei allem Glück im Unglück ist doch allen ein rechter Schreck in die Glieder gefahren, vor allem wohl der Familie daheim.

Sport in Vollendung: Heike Howein, eingeweiht in die hohe Kunst des Aikido, nahm eine Einladung der Kampfsportkollegen aus Wladimir an und zeigte ihren eigenen Weg zum Ziel, einer gelungenen Mischung aus wachem Geist und guter Haltung. Die japanische Philosophie einer Technik des „Nicht-Kämpfens“ hat zwar in Wladimir bereits aufmerksame Adepten gefunden, aber von der Meisterin aus Erlangen konnten sie nach eigenem Bekunden noch viel lernen. Mehr zu dem Thema Aikido unter www.kiundaikido.de/cms.

  Szenen aus einem Splatterfilm: Mann und Frau kennen sich seit Jahr und Tag, haben nicht zum ersten Mal miteinander die eine oder andere Flasche geleert. So auch vor zwei Wochen im Kreis Melenki, ganz im Südosten des Gouvernements Wladimir, nachts in der Wohnung des arbeitslosen Mannes. Er fühlt sich von ihr provoziert, beleidigt und greift zu einer Ahle. Mit dem Werkzeug bringt er der Frau – wie später die Gerichtsmedizin zum grausigen Protokoll gibt – 584 Stiche in alle Körperteile bei. Das Opfer verblutet schließlich. Der stark sehbehinderte Täter sagt aus, er habe sich beim Zustechen an den Schreien der Frau orientiert. Im übrigen sei die selbst schuld, denn sie habe ihn herausgefordert, er hingegen habe im Affekt gehandelt. Seine blinde Mutter hat diese Nacht des Schreckens in der Nachbarwohnung miterlebt und um Hilfe gerufen. Aber niemand hörte sie. Ein Gruselstück aus einem Alptraum, grausame Wirklichkeit geworden in der Wladimirer Provinz.

Szenenwechsel. Eine eher willkürlich-ungeordnete und assoziative Zusammenstellung von Ereignissen aus dem Jahr 2009, dem 26. Jahr der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, im Telegrammstil mit der Anregung, über die Suchmaske ganz oben auf der Seite des Blogs nochmals nachzulesen, was zu den Personen und Projekten zu finden ist.

Erlangen – Wladimir – Jena: Das unstreitig größte Ereignis des Jahres ist die Bildung dieses Partnerschaftsdreiecks, das seit dem Besuch von Oberbürgermeister Albrecht Schröter im Mai in Wladimir Gestalt annimmt und mit Leben erfüllt wird. Schon jetzt sind Universitäten, Schulen, Sport und Kultur in engem Austausch.

Wissen schaffen: Der Sprachwissenschaftler Josef Jarosch steht für viele aus Forschung und Lehre, die gemeinsam mit Wladimirer Kollegen auf die Suche nach des Pudels Kern gingen. Genannt seien hier nur beispielgebend die Symposien im Rahmen der Kooperation zwischen dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen und der Staatlichen Universität Wladimir sowie die Seminare der Theologen aus beiden Städten.

Jubilare: Pjotr Dik wäre 70 geworden, Percy Gurwitz vollendete sein 90., Wolf Peter Schnetz sein 70., Jürgen Üblacker sein 60. Lebensjahr, und Dietmar Hahlweg, das sei heute schon verraten, feiert morgen seinen 75. Geburtstag.

Swetlana Schelesowa

Quereinsteigerin: Swetlana Schelesowa erwies sich als Glücksfall für das Erlangen-Haus. Kompetent, kollegial, konstruktiv und kreativ. Die ideale Ergänzung für Irina Chasowa. Nebenher hat sie auch noch die weiß Gott schwierige Buchhaltung für das Projekt „Blauer Himmel“ souverän bewerkstelligt.

Rücktritt: Bürgermeisterin Wera Guskowa, eine Gewährsfrau der Partnerschaft vor allem in den Bereichen Soziales, Schulen und Kultur, verließ ihren Posten und wechselte in die Medizin zurück. „Kulturminister“ Wladimir Balachtin trat in den Ruhestand.

Rückkehr: Andrej Sirin wurde rehabilitiert und kehrte auf seinen Posten als Leiter des Gesundheitsamtes der Region Wladimir zurück. Seine kommissarische Vertreterin, Irina Odinzowa, übernahm die Leitung des Landeskrankenhauses.

Tiefer Fall: Swetlana Plijewa, Leiterin des Veteranenhospitals in Penkino, dem verwaltungstechnisch der „Blaue Himmel“ angeschlossen ist, wurde beschuldigt, einem Verwandten eine Dienstwohnung verkauft zu haben, und mußte ihren Posten räumen. Maestro Eduard Markin fiel wegen dienstlicher Verfehlungen bei seinen Vorgesetzten in Ungnade und mußte sein Amt als Generaldirektor des Zentrums für Chormusik an seinen Sohn Artjom abtreten.

Himmelsstürmer: Das Projekt „Lichtblick“ feierte sein zehnjähriges Jubiläum. Wolfram Howein, seit drei Jahren Berater und Koordinator des „Blauen Himmels“, kann stolz sein. Das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik ist zu einem echten Gemeinschaftsprojekt geworden, Vizegouverneur, Sergej Martynow, will es zu einer landesweiten pädagogischen Ausbildungsstätte ausbauen.

Sorgenkind: Das Gericht in Wladimir vertagte erneut die Entscheidung im Fall Wiktor Lomykin, des uneinsichtigen früheren Geschäftsführers des vor zehn Jahren eingerichteten Rot-Kreuz-Zentrums. Bis zum Urteil, das nun Anfang kommenden Jahres erwartet wird, bleibt die so segensreiche Tätigkeit des Roten Kreuzes in Wladimir eingefroren. Doch wo die Not groß, ist die Rettung nah: Oberbürgermeister Alexander Rybakow hält persönlich die Hand über den Neustart des Zentrums.

Brüne Soltau, Wera Guskowa, Stefan Müller MdB

Verabschiedung: Brüne Soltau, gemeinsam mit Jürgen Üblacker der große Mentor und Macher in der humanitären Zusammenarbeit mit Wladimir, hat sich als Vorsitzender des BRK Erlangen-Höchstadt in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger, Stefan Müller MdB, plant aber für 2010 seinen Antrittsbesuch in Wladimir, während  dessen Stellvertreterin, Melitta Schön, schon heuer ihr Herz für die Partnerstadt entdeckt hat.

Erfolgsgeschichte: Das Erlangen-Haus, bestens beraten von Wolfram Howein, hat die erste große Innensanierung hinter sich. Die Gästezimmer sind noch gastlicher und wohnlicher geworden, es gibt drahtlosen Zugang zum Internet, der Heizkessel wurde überholt – alles aus selbsterwirtschafteten Mitteln! Krise hin, Krise her: Auch die Deutsch-Kurse erfreuen sich weiter großer Beliebtheit; gut 200 Teilnehmer sind in den verschiedenen Kursen eingeschrieben.

Gesang, Tanz, Musik: Die engelsgleichen Stimmen des Mädchenchors des Christian-Ernst-Gymnasiums haben unter dem Dirigat von Joachim Adamczewski das anspruchsvolle Wladimirer Publikum regelrecht verzaubert, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen. Stefanie Ferreira machte eine Erfahrung der besonderen Art: Während sie hier in Franken bei ihren Kursen für afrikanische und lateinamerikanische Tänze mehr Energie geben muß, als die zurückbekommt, war es in Wladimir genau umgekehrt. Energiegeladen auch die Metallgewitter der Rockband „No Trouble“ aus Wladimir, die am Newcomer-Festival im E-Werk teilnahmen und den bezwingenden Auftakt für einen langfristigen Austausch im Bereich Rockmusik gaben.

R.I.P.: Rainer Haerten, Fairy von Lilienfeld, Andrej Romanow, Karl Sallet, Maria Sykowa, Ernst Hallerwedel. Unvergessen, unersetzbar.

Enttäuschung: Nicht alle Vorhaben konnten umgesetzt werden. Der Plan, das Wladimirer Jugendparlament zusammen mit Jugendlichen aus ganz Rußland nach Erlangen einzuladen, scheiterte an der Finanzierung.

Versöhnung: Der Mindener Kreis um Friedhelm Kröger führt ehemalige deutsche Kriegsgefangene aus Wladimirer Lagern zusammen. Ihr Versöhnungswerk ist bewundernswert, die Biographien dieser Weltkriegsveteranen geben nicht nur dem Blog menschliche Tiefe und historische Weite. Einige von ihnen wollen im Mai 2010 noch einmal nach Wladimir zum 65. Jahrestag des Kriegsendes. Sie haben den Krieg in sich besiegt.

Heinz-Helmut von Hinckeldey

Persönlichkeit: Heinz-Helmut von Hinckeldey, ein Mensch mit Charakter, Lebensweisheit, Mut und Selbstdiziplin. Nach Jahren unschuldiger Haft u.a. im Wladimirer Zentralgefängnis als „Kriegsverbrecher“ ist der 95jährige von der Kraft beseelt, seinen einstigen Peinigern zu verzeihen. Ein Mann, vor dem man sich verbeugen möchte, der dies freilich nie zuließe!

Familienglück: Der Belgier Bertrand und die Wladimirer Ljuba Selvais haben in den Ardennen ihr Zuhause und gemeinsam mit Sohn Pierre Boris ihr Glück gefunden.

Jürgen Ganzmann, Margit Stirnweiß, Detlef Troll mit zwei Heimbewohnern

Abschied und Wiederkehr: Jürgen Ganzmann, Kopf und Herz des Projekts „Lichtblick“ verläßt Ende des Jahres die Barmherzigen Brüder, wo er über zwei Dekaden die Behindertenwerkstätte und einiges mehr geleitet und gestaltet hat. Zunächst ein Schock für die Projektpartner in Wladimir. Doch Günther Allinger, Gesamtleiter der Einrichtung in Gremsdorf und Vorsitzender der Stiftung „Lichtblick“, konnte die Gemüter beruhigen. Unter seiner bewährten Ägide werden alle Programme fortgeführt, und Jürgen Ganzmann bleibt der Sache in neuer Funktion ab Januar 2010 als Leiter des Seniorenheims des BRK in Etzelskirchen ebenfalls erhalten, wie sein künftiger Chef, Jürgen Üblacker, versichert.

Zukunftshoffnungen: Der Jugendaustausch läßt weiter hoffen. Junge Menschen wie Jutta Schnabel, Michael Winckelmann, Andreas Bernard, Simon Hirscher, Claudia Nagel, Maria Kuczera, Nikolaj Sakuterin oder Janne Pott machten Praktika, initiierten Projekte in den Bereichen Umwelt, Ökumene, „Blauer Himmel“, Jugendparlament und bleiben aller Voraussicht nach bei der Stange.

Joachim Herrmann mit seinen Wladimirer Gästen

Bürgerkönig: So nannte die Deutsch-Gruppe des Erlangen-Hauses Innenminister Joachim Herrmann nach dem Empfang in seinen Amtsräumen am Odeonsplatz in München. Und der Erlanger in der Landeshauptstadt nahm die Einladung von Oberbürgermeister Alexander Rybakow an und reist im Mai 2010 nach Wladimir.

Partnerschaftsmotto: Geprägt von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß: „Das Rote Kreuz ist der rote Faden der Partnerschaft.“

Neuauflage: Margrit Vollertsen-Diewerge veröffentlichte ihr bereits im Jahr 2000 erschienenes Märchenbuch „Drei schwarze Schiffe“ neu – in drei Sprachen (auf Deutsch, Russisch und Esperanto) mit Hör-CD, besprochen von Klaus Karl-Kraus, illustriert von Natalia Kusnezowa aus Wladimir.

Humanitäre Hilfe: Die Familien Axmann und Schirmer stehen für viele, die auch im ablaufenden Jahr konkrete Hilfe für Menschen und Einrichtungen in Wladimir leisteten. Leider ist die wieder und noch immer in vielen Bereichen notwendig.

Hoher Besuch: Der neue Generalkonsul in München, Andrej Grosow, machte seinen Antrittsbesuch und konnte sich nach dem Empfang im Rathaus durch Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Rektor Karl-Dieter Grüske im Club International der VHS, dem Forum des Freundeskreises Wladimir, Einblick in die die Vielfalt der Partnerschaft verschaffen. Tief beeindruckend, wie der Diplomat unumwunden gegenüber Stadträtin Birgitt Aßmus bekundete.

Irina Arschanych

Ausgestellt: Fast das ganze Jahr über hingen die Bilder der Erlanger Fotoamateure im Museumswinkel, nun sinid sie in Wladimir zu sehen. Im Sommer zeigte das BRK in der Henri-Dunant-Straße 4 erstmals Arbeiten einer Wladimirer Künstlerin. Irina Arschanych, Hospitantin bei den Barmherzigen Brüdern, demonstrierte ihr Können mit stimmungsvoll eingefangenen Motiven aus Franken und Wladimir. Fast zeitgleich präsentierten vier Erlanger Maler ihr Schaffen in Wladimir.

Reportage: Nach 2006 (Spasibo Erlangen) drehte im August 2009 Thomas Rex vom Bayerischen Rundfunk schon seine zweite Reportage in Wladimir. Dieses Mal einen 45 Minuten langen Bericht unter dem Titel „Leben lernen“ über das Projekt „Blauer Himmel“ in Penkino für Bayern alpha. Und ganz nebenbei: Wer weiß, was aus dem Projekt geworden wäre, hätte der Redaktionsleiter und Moderator der Frankenschau nicht bei der Aktion „Sternstunden“ gutes Wetter für eine Unterstützung des Vorhabens gemacht.

Entdeckung: Der führende Fachmann für Erlebnispädagogik, Werner Michl, Professor an der Ohm-Hochschule Nürnberg, hat bei seinen Wladimirer Kollegen mehr entdeckt als die gemeinsame Leidenschaft für das Pilzesammeln und wird mit seinem wissenschaftlichen Sachverstand das Projekt weiter begleiten.

Abschied: Nach vielen Jahren der Organisation von Wohltätigkeitskonzerten für Wladimir mit Ensembles aus der Partnerstadt nimmt Erwin Batz aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied von der Bühne. Ein Großer geht, dem großer Dank zu entrichten ist.

Sportliche Kontinuität: Eine Tugend der Schwimmer um Nadjeschda Egikjan und Wolf-Dieter Thiel. Da könnten sich andere Disziplinen einiges abschauen. Gewiß nicht zum Schaden der Partnerschaft! Am Ball bleiben da buchstäblich nur die Kicker um Pawel Bondarjew und Fjodor Lawrow, die auch in diesem Jahr wieder in Erlangen aufspielten.

Dummheit: Es war abzusehen, wozu das in diesem Jahr in Kraft getretene Verbot von Spielhallen in Rußland im allgemeinen und in Wladimir im besonderen führen würde. Es wird illegal weitergespielt. Der Mensch ist eben überall ein homo ludens und sucht das Risiko. Dieser Tage wurde denn auch wieder einmal eine illegale Spielhölle ausgehoben. Dieses Mal in Murom. Wo wohl das nächste Mal?

Anti-Atomkraft: Um in der Nähe von Murom zu bleiben, aber das Thema zu wechseln: Das in Monakowo geplante AKW brachte die Menschen auf die Straße und schlug hohe Wellen nicht nur an der Oka, sondern auch an der Kljasma. Ausgang ungewiß. Klar ist nur, daß sich der Widerstand weiter formieren wird.

Strukturhilfe: Das Klärwerk Erlangen, seit Anfang der 90er Jahre aktiv im Fachaustausch mit Wladimir, hat schweres Gerät in die Partnerschaft transportieren lassen: Turbokompressoren, die helfen sollen, die Arbeit der Kollegen zu optimieren.

Politik: Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine zivilgesellschaftliche Kammer in der Region Wladimir könnten Grundlage für mehr Bürgerengagement werden.

Medien: Die Erlanger Nachrichten könnten, um es diplomatisch auszudrücken, etwas mehr Interesse für die Städtepartnerschaften insgesamt zeigen und sich ein Beispiel an den Wladimirer Kollegen nehmen. Da freut es besonders, wenn der geachtete Doyen des Erlanger Journalismus, Udo B. Greiner, in Hugos Welt von „Wahren Diamanten“ schreibt, die er im Blog gefunden haben will.

Überraschung: Für eine solche – und zwar eine erfreuliche – sorgten Iwan Nisowzew und Ludmila Kaschina mit der Gründung eines Deutsch-Klubs an der Fakultät für Fremdsprachen der Staatlichen Universität Wladimir.

Medizin: Die gute Tradition des Ärzteaustausches setzte sich heuer in den Bereichen Gynäkologie, Pädiatrie und Stomatologie fort.

Tatjana Parilowa an der Pestalozzi-Schule

Originell: Das „tanzende Klassenzimmer“ von Tatjana Parilowa.

Wiederaufnahme: Wolfram Howein plant schon für das nächste Jahr einen Neustart seiner erfolgreichen Bürgerreise vom Mai d.J., Rolf Bernard hat im Oktober seine zweite Pilgerreise nach St. Petersburg und Wladimir organisiert.

Der Austausch geht weiter: Trotz G 8 und immer engerem Spielraum für alles Fakultative soll der Schüleraustausch mit Wladimir am Gymnasiums Fridericianum und am Marie-Therese-Gymnasium sowie am Emmy-Noether-Gymnasium nicht ins Hintertreffen geraten. Im Gegenteil: Wenn jetzt auch noch das Christian-Ernst-Gymnasium Kontakte zur Kunstschule Nr. 2 in der Partnerstadt aufnimmt, kann man getrost weiter auf die Zukunft der Beziehungen bauen.

Studentinnen im Wladimirer Stadtpark

Fortsetzung folgt: So heißt es seit Ende der 80er Jahre, als das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde mit der damaligen Pädagogischen Hochschule, der heutigen Humanwissenschaftlichen Universität, einen regelmäßigen Austausch vereinbarte. Seither vergeht kein Jahr, wo sich nicht Studenten und Dozenten im Frühjahr hier und im Herbst dort treffen. Rekordverdächtig und jeder Anerkennung würdig. Die Einladung für die nächste Gruppe aus Wladimir ist schon raus.

Zitat: Gerhard Wolf, Direktor des Christian-Ernst-Gymnasiums auf der Rückreise von Wladimir im Bus: „Erlangen kann stolz sein auf diese Partnerschaft. Der Austausch muß weitergehen, noch für viele Generationen!“

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Nach einigen – zugegeben wenigen – Tagen der Schamfrist sei heute vorgestellt, was die Erlanger Nachrichten über den Wladimir-Blog schreiben. Immer mehr Zeitungsleser wagen sich in die Welt der virtuellen Tagebücher vor, während viele Blogger und deren oft selbst der „Szene“ angehörendes, längst nicht mehr nur jüngeres Publikum kaum mehr zu Printmedien greift, jedenfalls nicht in deren materialisierter Form. Es gibt kaum ein Blatt, das sich nicht einen mehr oder weniger gelungenen Auftritt im Netzt leistet, kaum ein Blog kommt ganz ohne Bezüge zum Journalismus herkömmlicher Prägung aus. Im Idealfall eine gegenseitige Ergänzung, Bereicherung, in jedem Fall eine Verbreiterung des Angebots für den umworbenen Leser.

Dieser Blog ist vor allem entstanden, weil keine Zeitung der Welt, auch nicht die Erlanger Nachrichten, willens und in der Lage sein kann, eine tägliche Kolummne zum Thema „Erlangen – Wladimir“ zu veröffentlichen. Auch wenn es noch so viel zu berichten gäbe. Dafür unterliegen Zeitungen zu vielen redaktionellen und verlegerischen Vorgaben, leiden zu sehr unter Kapazitätsproblemen und kommerziellen Zwängen. Nicht zuletzt Journalisten sind es deshalb, die sich nebenher auch und gerade im Blog so manches von der Seele schreiben. Unzensiert und unfrisiert, so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Frei, aber freilich auch ohne Honorar, wenn man von wenigen Lohnschreibern absieht, die sich im Netz eine Werbeplattform geschaffen haben oder weiter für Agenturen und sonstige Nachrichtenhändler arbeiten. Ansonsten aber leisten die Blogger ehrenamtliche Arbeit um, wie man früher sagte, Gottes Lohn. Selten, sehr selten geschieht es, daß ein Blog lobende Erwähnung in einer Tageszeitung erfährt. Eine Auszeichnung, die Ansporn ist und als Verpflichtung verstanden wird, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren. Die Arbeit hat sich gelohnt, wenn der Doyen der Erlanger Journalistik und ehemalige leitende Redakteur der Erlanger Nachrichten, Udo B. Greiner, ein Feinschmecker gewählter Formulierungen, den Wladimir-Blog in „Hugos Welt“ vorstellt. Erst recht dann, wenn der als durchaus kritisch  bekannte, aber stets faire Autor Worte der Anerkennung findet, die wie Diamanten aufleuchten und wie diese für die Ewigkeit gemacht scheinen. Schade, daß wir die nicht mehr erleben, die Ewigkeit. Doch dafür gibt es ja die Kunst u.a. des Blogs. Wie es schon im alten Rom hieß: vita brevis, ars blogi longa.  

Wer die Glosse noch nicht in den Erlanger Nachrichten gelesen hat, hole dies hier im Blog nach: Wahre_Diamanten_05 11 09_EN

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Am Abend des 7. März 2002, also genau vor sieben Jahen, war es so weit. Das Deutsch-Russische Forum hatte gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung Vertreter von 188 Initiativen, Organisationen und Partnerstädten in den Amtssitz Schloß Bellvue des Bundespräsidenten geladen, wo Johannes Rau persönlich die Auszeichnungen für gelungene Projekte der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland verleihen wollte. Erlangen war mit Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg an der Spitze mit Aktiven aus vier „Disziplinen“ der Städtepartnerschaft angereist – in der Hoffnung, wenigstens mit einem Projekt genug Punkte gemacht zu haben, um zumindest unter die ersten zehn Gekürten zu kommen. Die Gastgeber hatten sich strengstes Stillschweigen auferlegt, auch anhand der Sitzordnung waren keinerlei Rückschlüsse auf die Platzierungen zu ziehen. Spannung pur also und das auf dem nobelsten Parkett, das Deutschland zu bieten hat.

Es hatte schon einmal einen Vorlauf gegeben. Im Jahr 2000, als der „Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ erstmals ausgeschrieben wurde, schickte Erlangen berreits seine Bewerbung in die Bundeshauptstadt, konnte aber nicht mehr als einen Achtungserfolg mit einer Ehrenurkunde für die humanitäre Hilfe landen. Jürgen Üblacker und Brüne Soltau, Direktor und Präsident des BRK Erlangen-Höchstadt und unerschöpfliche Schlachtrösser der Aktion „Hilfe für Wladimir“, holten sich das Dokument ab und kamen mit der Gewißheit zurück, Erlangen werde beim nächsten Mal ganz vorne mitspielen. Man habe beim ersten Mal sein Licht unter den Scheffel gestellt, sei in der Selbstdarstellung zu zurückhaltend und bescheiden aufgetreten. Ihrer Ratschläge eingedenk, wurde nun für die nächste Runde ein neues Konzept entwickelt, das voll einschlug.

Wer dabei war, wird es nie vergessen: eine Climax schier ohne Ende, eine Litanei von höchst anerkennenswerten Aktionen, Personen, Organisationen, die Ehrenurkunden erhielten – bis es um die Plätze ging. Wenn man beim zehnten Platz nicht aufgerufen wird, mag das noch hingegen, auch beim fünften, aber wenn einmal die Ränge drei und zwei vergeben sind und man noch immer sitzt, dann ist das Herz schon längst aufgesprungen und hat Freudentänze vollführt, bevor der eigene Name erklingt.

Sieben Jahre danach darf nochmals daran erinnert werden, wie Fritz Wittmann, Brüne Soltau, Jürgen Ganzmann und Peter Steger aus der Hand des Bundespräsidenten den „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ entgegennahmen. Nicht, weil wir nochmals eintauchen wollen in dieses Wonnebad des Erfolgsgefühls, sondern weil wir stolz darauf sein können, daß alle vier ausgezeichneten Projekte – und viele neu hinzugekommenen – nicht nur fortgeführt, sondern sogar ausgebaut werden. Fritz Wittmanns „Rose für Tamara“  liegt längst auch in einer russischen Fassung vor und erlebte zum Partnerschaftsjubiläum im vergangenen Jahr dank Andreas Galster, 1. Bürgermeister von Baiersdorf, eine Neuauflage. Das Projekt „Lichtblick“ der Barmherzigen Brüder Gremsdorf hat in Richtung „Blauer Himmel“ abgehoben und greift mit Hilfe des Bayerischen Rundfunks zu den Sternen. Das „Erlangen-Haus“ blüht unter der Führung von Irina Chasowa der Krise zum Trotz neu auf und hat seine zivilgesellschaftliche Rolle in Wladimir wirklich gefunden. Einzig das Projekt „Rot-Kreuz-Zentrum“ verursacht Sorgenfalten, weil es über Jahre nie gelungen ist, den Leitungsposten geschickt zu besetzen, was dazu führte, daß organisatorisch alles nochmals auf Anfang gestellt werden muß. Aber bei den bereits oben genannten pragmatischen Optimisten vom BRK muß einem da auch nicht allzu bange sein.

Noch in der Nacht der Preisverleihung ging von einem Internet-Café aus die frohe Kunde an die Erlanger Nachrichten, deren Chefredakteur Udo B. Greiner – ein großer Förderer und Freund der Partnerschaft – in seinem Bericht davon schrieb, Erlangen und Wladimir seien geadelt worden. Adolf Hüttl, Siemens-Manger im Ruhestand und Rotarier, knüpfte daran später einmal an, als er in Wladimir vor Ort sah, welche enorme Arbeit geleistet wurde: „Adel verpflichtet“.

Richtig, wir haben die Auszeichnung als Verpflichtung verstanden und die Lorbeeren nicht zum Ausruhen mißbraucht. Nicht alles ist gelungen – so wartet etwa das Wladimir-Haus in Erlangen noch immer auf ein tragfähiges Konzept und eine koordinierende Hand aus der Partnerstadt – aber die Entwicklung der Zusammenarbeit ging so erfolgreich weiter, daß auch in den Folgejahren Projekte aus Erlangen in Berlin ausgezeichnet wurden: „Wärme für Wladimir“, die unter dem seinerzeitigen technischen Direktor der ESTW, Rolf Wurzschmitt, erfolgte Bereitstellung von zwei Heizkesseln für die Partnerstadt; „Wissenschaft in Wladimir“, die Kooperation des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen unter Heinz Gerhäuser mit der Staatlichen Universität Wladimir. 2007 dann noch einmal ein Anlauf, dieses Mal mit der Preisverleihung in Hamburg. Aber es sollte nicht mehr der ganz große Abräumer werden. Den todtraurigen Erlangern, verstärkt von Jelena Gontscharowa, Psychiaterin aus Wladimir (wann hätte man ihre Profession mehr gebraucht?), verhalf schließlich nach der Veranstaltung eine Organisatorin des Wettbewerbs zu Seelentrost: „Erlangen und Wladimir hätten wieder den 1. Platz machen müssen, niemand ist so aktiv wie Ihr! Aber wir wollten und mußten auch anderen Inititativen eine Ermutigung und Anerkennung geben.“

Mittlerweile wird der Preis nicht mehr vergeben. Tatsächlich scheint das Feld zu überschaubar, wenn man weiß, daß es gerade einmal 81 aktive Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Rußland gibt. Hinzu kommen sicher noch 200 bis 300 Gesellschaften und Vereine, die in dem Bereich tätig sind, aber diese stehen und fallen mit den Personen und haben mit öffentlicher Anerkennung hier wie dort und ständiger Finanznot oft so zu kämpfen, daß zu wenig Energie für die gesteckten Ziele bleibt. Weder dem Deutsch-Russischen Forum noch der Robert-Bosch-Stiftung – vom Deutschen Städtetag ganz zu schweigen – ist es unterdessen gelungen, die Quantität und Qualität der kommunalen Beziehungen zwischen beiden Ländern voranzubringen. Eine löbliche Ausnahme bildet da die Neugründung der Partnerschaft Höchstadt / Aisch mit Krasnogorsk bei Moskau.

Das verflixte siebte Jahr? Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, wissen wir von Mark Twain. Das gilt natürlich auch und gerade für so hochkomplexe Beziehungsgeflechte wie sie zwischen Bürgerschaften zweier Städte unterschiedlicher Länder gewachsen sind. Wenn man dieser Tage Hillary Clinton und Sergej Lawrow im vertrauten Gespräch sieht, darf man aber hoffen, daß man uns an der Basis ruhig weitermachen läßt, vielleicht sogar ein wenig ermutigt. Und überhaupt hatten wir schon sieben magere Jahre und sieben fette Jahre, da schreckt uns auch kein verflixtes siebtes Jahr, und dann sind wir ja schon im 26. Jahr. Das muß uns auch erst mal einer nachmachen!

Hier geht’s nun zur Laudatio (auf Seite 19 des Gesamtprogramms) von Gabriele Krone-Schmalz anläßlich der Preisverleihung am 7. März 2002:

Preisverleihung-2002

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