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Posts Tagged ‘Thomas Kaktus Grund’


Heute beginnt in Düren die XV. Städtepartnerkonferenz, von der ab morgen im Blog zu berichten sein jetzt. Auf dem Programm steht auch ein Vortrag des Partnerschaftsbeauftragten zum Thema Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Und da will es der Zufall, daß gestern – wie eine Vorlage – Thomas „Kaktus“ Grund, Streetworker im Ruhestand, wieder einmal eine Reminiszenz an seine aktive Zeit im deutsch-russischen Jugendaustausch via Facebook veröffentlichte.

Bewegungsküche aus Jena in Wladimir

2008 war ich wie alle zwei Jahre mit einer Jugendgruppe aus Jena in Wladimir. Darunter waren auch Jugendliche aus der Bewegungsküche.


Beim obligatorischen Susdal-Wochenende, die Gruppe war gerade beim Trainieren, erreichte mich die Botschaft, Anton, der Chef der Suzdal Motors Rocker, wolle mich gerne treffen.

Er fragte mich, ob ich nicht eine Band kenne, die beim Festival in Susdal spielen würde. Natürlich hatte ich eine Gruppe in petto und sagte für 2010 zu. Als ich schon wieder bei der Probe war, erschien Anton nochmals und überreichte mir einen Suzdal-Motors-Aufnäher.

Wie alle Ausländer mußten auch wir uns anmelden. Leider waren in der zuständigen Postfiliale gerade alle Mitarbeiterinnen mit Rumhängen und ihren Fingernägeln beschäftigt, so daß wir noch zur Hauptpost rammeln mußten. Übrigens, da der Drucker defekt war, hatten wir alle Formulare in doppelter Ausführung mit Kugelschreiber auszufüllen.


Als 2010 Green Melön in Susdal spielen sollte, war ich leider mit der Bewegungsküche in Frankreich. Sandy versprach mir, die Band zum Flughafen zu kutschieren. Gewagtes Unternehmen, denn ich hatte zwar die Zusage, daß sie in Moskau abgeholt werden. Aber was, wenn doch nicht?

Ich vertraute und gewann. In dieser Zeit tobten gerade Waldbrände in der Region Wladimir, und Susdal war total verraucht. Aber es wurde ein totaler Erfolg, da die Band vor dem Headliner „Aria“ spielen durfte.

Thomas „Kaktus“ Grund

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Neben Cornelia Bartlau war es Thomas „Kaktus“ Grund, der den Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir in Gang brachte. Der mittlerweile verrentete Streetworker veröffentlichte dieser Tage auf Facebook seine Erinnerungen an jene durchaus anarchischen Pionierzeiten mit mittlerweile wohl verjährten läßlichen Sünden.

Als ich 1994 das erste Mal mit einer Gruppe Jugendlicher in Wladimir war, war auch ein Substituierter dabei, für den ich das Methadon schmuggeln mußte. Als wir ankamen, mußte ich feststellen, daß die russischen Teilnehmerinnen entsetzt waren. Tätowierte waren nur Knastbrüder und keine normalen Menschen. Die nächsten Tage verbrachten sie damit, sich mit mir photographieren zu lassen, ich war wohl doch kein Knastbruder für sie.

Thomas „Kaktus“ Grund mit Dieter Argast und Cornelia Bartlau im Hintergrund

Wir waren bei Gasteltern untergebracht. Mein Gastgeber hieß Boris, der in einer Parterrewohnung bei seiner Mutter lebte, die gerade im Krankenhaus lag. Er studierte Musik am Konservatorium. In der ersten Nacht sagte er, du darfst nicht das Fenster öffnen, nur die Tür zum Flur. Ich verstand das erst am nächsten Tag. Eine Gruppe ordentlich Zurechgetrunkener stand vorm Haus. Sie umringten mich gleich, bewunderten meine Tattoos, zeigen mir ihre verblassten Knast-Tattoos. Es gab eine Flasche lauwarmen Wodka-Fusels, ich spendierte Westzigaretten. Zum Abschied gab es Umarmungen. In dieser Nacht habe ich das Fenster geöffnet, weil klar war, ich bin jetzt ihr deutscher Freund.

Bei Freunden: Jelena Guskowa, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, N.N. und Cornelia Bartlau

Die nächsten Abende gab es immer viel Wodka mit Boris und seinen Freunden. Ich gab mir Mühe, zu gewinnen. Am letzten Abend war ich Sieger und mußte am Morgen Boris wachrütteln. Der rief mir dann eine Taxe, die mich zum Flughafen brachte, und wankte wieder ins Bett. Zurück schmuggelte ich russische Westzigaretten für 50 Cent die Schachtel.


Bei einer Wanderung fragte mich ein russischer Arzt, was meine Rückentattoos bedeuten. Unsere Dolmetscherin übersetzte ihm die Bedeutung nach Freud: Der Stier ist mein Ich, der durch die Mauer des Überich, über die tosenden Fluten von Lava des Unbewußten springt! Er lächelte und sagte: „Ich weiß, was das bedeutet: Anarchie.“ Da hatte er wohl recht.

Thomas „Kaktus“ Grund

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Die Partnerschaft zwischen dem Euroklub Wladimir und der Eurowerkstatt in Jena, entstanden aus der gemeinsamen Verbindung mit Erlangen hält nun schon seit fünfzehn Jahren. Grund genug auch für das Rathaus der Partnerstadt, den wichtigsten Akteuren dafür zu danken, so viele junge Menschen zusammengebracht zu haben. Grund genug, diese natürlich auch im Blog nochmals zu nennen: Jelena Guskowa, Cornelia Bartlau, Elke Kerber, Thomas Kaktus Grund, Natalia Kostina, Iwan Nisowzew und Anna Kulakowa.

Aber auch in Jena würdigt man dieses völkerverbindende Engament. So erhielt Elke Kerber, mittlerweile im Ruhestand, für ihren Einsatz im Rahmen des Austausches der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft ÜAG mit Jugendlichen aus Wladimir, unlängst aus den Händen von Oberbürgermeister Thomas Nitzsche eine Ehrenurkunde.

Thomas Nitzsche und Elke Kerber

Von den vielen Berichten über diese Begegnungen sei nur dieser Bericht aus dem Blog https://is.gd/z7SVNg angeführt, und ein kreatives Zeugnis der Zusammenarbeit findet man noch heute in Jena.

Bleibt nur, weiter Glück und Erfolg bei der Völkerverständigung auch für die kommenden fünfzehn Jahre zu wünschen. Und Dank zu sagen an alle, die mitwirkten und dabeibleiben.

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