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Posts Tagged ‘TBC in Wladimir’


Mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Medical School of Harvard und der Unterstützung von zwei Stiftungen startete Wladimir in diesem Monat das Projekt „Stadt ohne Tuberkulose“ und übernimmt damit in dieser gesundheitspolitisch so wichtigen Frage landesweit die Führung. Das Ziel, diese Krankheit möglichst vollständig zu besiegen, will man erreichen, indem man auch all jene, bei denen TBC noch nicht ausgebrochen ist identifiziert und behandelt, vor allem also Obdachlose, HIV-Infizierte und Menschen, die mit diesen Risikogruppen in Kontakt kamen, also in erster Linie das Personal in Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, Polizei und Strafvollzugsanstalten. Dazu sollen mobile Brigaden eingesetzt werden, und Infizierten will man dann eine kostenlose Behandlung anbieten.

TBC ist heilbar, wenn rechtzeitig entdeckt!

TBC konnte – auch dank der Vermittlung durch das BRK Erlangen-Höchstadt – bereits Ende der 90er Jahre in Wladimir mit Hilfe eines WHO-Projekts u.a. in den Gefängnissen wesentlich eingedämmt werden, und diese Entwicklung setzte sich auch in jüngster Zeit fort. Lag die Erkrankungsrate 2011 noch bei 38,7 Fällen auf 100.000 Einwohner, so sank das Verhältnis in der Region Wladimir 2018 auf 27,5 zu 100.000, einer der landesweit besten Parameter. Noch besser sieht es bei den Todesfällen aus. Die sanken 2018 auf 2,2 je 100.000 Einwohner, und in der Partnerstadt selbst liegen sie noch einmal doppelt so niedrig. Wie weit da Stadt und Region Wladimir vorne liegen, zeigt das vom Gesundheitsministerium vorgegebene Zielmarke für das Jahr 2020: 11,2 Todesfälle auf 100.000 Einwohner.

Doch in Wladimir gibt man sich damit nicht zufrieden, man will das Niveau erreichen, das man aus Westeuropa kennt: weniger als 14 Erkrankungsfälle auf 100.000 Einwohner. Wenn das so gut weitergeht, wird dann tatsächlich bald niemand mehr in der Partnerstadt an TBC sterben müssen. Ein gutes Ziel.

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Wohltätigkeitsbasar für Wladimir

Zum Ende der Osteroktav, am gestrigen Weißen Sonntag, eröffnete die Hugenottenstadt bei eher kühlen Temperaturen, bedecktem Himmel und dem einen oder anderen Schauer ihren traditionellen „Erlanger Frühling“, der die Menschen nicht nur wegen der Einkaufsmöglichkeiten in hellen Scharen ins Zentrum lockt, sondern auch wegen der Möglichkeit, dort Vereine, Klubs und Organisationen mit ihren unterschiedlichen Aktivitäten kennenzulernen. Eine gute Mischung aus Kommerz, Kultur und Kommunikation entsteht auf diese Weise.  

Der Basar ist eröffnet!

Dieses Podium nutzt regelmäßig auch Soroptimist International, die Erlanger „weltweite Stimme für Frauen“, mit einem Basar, gewidmet einem guten Zweck. Gutes tut der global agierende Klub immer wieder gern in und für Wladimir. Gemeinsam mit den dortigen Schwestern, die im Jahr 2001 unter Erlanger Patenschaft in das länderübergreifende soziale Netzwerk aufgenommen wurden. Erfreulich erfolgreich entwickelten sich seither etwa die gemeinsamen Projekte zur Einrichtung eines gynäkologischen Behandlungsraums für Mädchen am Kinderkrankenhaus oder die Kartenaktion „Heimat“ mit Ausstellungen in beiden Städten.

Freundliche Beratung

Auf Anregung von Angela Dörfler baute nun gestern schon ab 11.00 Uhr einen Basar auf, wo von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr fleißig von den Sorores optimae, den Schwestern, die ihr Bestes geben, zusammengetragene Sachspenden feilgeboten wurden: Bücher, Kleidung, Haushalts- und Gebrauchsgegenstände und original englische Orangenmarmelade. 

Kaufentscheidung

Die Höhe des Erlöses, da möglicherweise noch aufgerundet, sei heute noch nicht genannt, aber der Verwendungszweck steht schon fest: Geholfen werden soll mit dem Geld Kindern in Wladimir, die an TBC leiden. Auch wenn die Bedrohung durch diese Lungenkrankheit in der Partnerstadt nicht mehr die Schlagzeilen beherrscht und sich Staat und Stadt, unterstützt von WHO-Programmen, der Lösung des Problems annehmen, gibt es noch viele Einzelschicksale, die jeder Mühe und Hilfe wert sind. Mehr darüber wird sicher bald schon hier zu berichten sein. Für heute aber schon ein herzliches Dankeschön an alle Schwestern, die mithelfen, zumindest die kleine Welt der Partnerschaft besser zu machen. 

Photos: Nadja Steger. Mehr zu TBC in Wladimir unter: http://is.gd/tLw1Vf und mehr zu Soroptimist unter Eingabe des Begriffs in die Suchmaske des Blogs oben rechts.

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Tuberkulose gilt als Krankheit der Armen. Anfang der 90er Jahre und dann wieder 1998 und 1999, als ganz Wladimir als Patient und Sanierungsfall auf dem Krankenbett lag, erhob auch die TBC ihr Medusenhaupt und wütete vor allem in den Gefängnissen. Dann kam die Region Wladimir u.a. dank der Vermittlung durch das BRK Erlangen-Höchstadt in den Genuß eines Programms der Weltgesundheitsorganisation, und die Seuche, der weltweit noch immer jährlich eineinhalb Millionen Menschen – fast so viele, wie das Gouvernement Wladimir Einwohner hat – zum Opfer fallen, konnte eingedämmt werden.

Nun fürchtet aber Grigorij Woltschenkow, Chefarzt des Anti-TBC-Programms in der Region: „Wenn es zu einer echten Krise kommt, wird das natürlich die Lage verschlimmern. Der Anteil der Arbeitslosen in der Gesellschaft hat unmittelbare Auswirkung auf das Geschehen und stellt ebenso eine Risikogruppe dar, wie Alkoholismus und Obdachlosigkeit mitspielen.“ Die Gefahr sei erkannt, hält Vizegouverneur Sergej Martynow entgegen, dessen Initiative der „Blaue Himmel“ zu verdanken ist: „Wir sehen bisher keinerlei Kürzungen im Sozialbereich vor. Wir werden kein soziales Programm kippen.“ Freilich wird man sich das „bisher“ dabei merken müssen. Wie lange es wohl hält?

Die größte Gefahr sehen Experten von den Gastarbeitern ausgehen, die vor allem aus den zentralasiatischen Republiken nach Zentralrußland strömen. Unter ihnen gelten 700 auf 100.000 als infiziert, während das Verhältnis bei der einheimischen Bevölkerung mit 80 zu 100.000 angegeben wird.  Wladimir ist aber gerüstet: Aufklärung, Medikamente, Fachärzte, alles vorhanden. Die Region nimmt innerhalb der Föderation einen Spitzenplatz beim Kampf gegen TBC ein, und für Menschen, die auch nur halbwegs gesund leben, besteht keine Ansteckungsgefahr.

Aber das sind eben leider nicht alle. Seit den 90er Jahren hat TBC in Rußland um das Zweieinhalbfache zugenommen, die Todesrate stieg um das Vierfache. Jedes Jahr infizieren sich in Rußland zehn Mal mehr Kinder an TBC als in Westeuropa. Deshalb findet sich dieses ebenso schöne wie starke Land in der Beziehung auf einer Stufe mit Ruanda, Bangladesch und Afghanistan. Und das ganz ohne Krise!

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