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Posts Tagged ‘Tatjana Kirssanowa’


Als die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, am 7. Mai 1995 in Wladimir das Erlangen-Haus eröffneten, geschah dies bewußt am Vorabend des 50. Jahrestages des Kriegsendes und des Tages des Sieges als Symbol des Friedens und der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen. So wie damals eine etwa fünfzigköpfige Bürgergruppe aus Erlangen zu den Festlichkeiten, in deren Rahmen Dietmar Hahlweg auch die Ehrendoktorwürde der Pädagogischen Universität verliehen wurde, nach Wladimir gereist war, so hatte sich auch 2020 eine gut fünfundzwanzigköpfige Delegation zum 25jährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses auf den Weg gemacht, den dann aber wegen der Pandemie doch nicht angetreten. Auch Hoffnungen darauf, die Feier heuer nachzuholen zerschlugen sich bei realistischer Einschätzung der Lage schon im Januar. Aber wir alle wissen uns ja in diesen Zeiten von Corona uns selbst zu helfen und zumindest eine virtuelle Nähe über Videokonferenzen und Soziale Netzwerke herzustellen.

Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, eingerahmt von Peter Steger u. Tatjana Garischina, der ersten Leiterin des Erlangen-Hauses, am 7. Mai 1995

Und so nahmen denn gestern am frühen Nachmittag mindestens 25 Gäste an der digitalen Feier des 26. Geburtstages des Erlangen-Hauses teil und teilten dabei vor allem eines: die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen von Mensch zu Mensch.

Elisabeth Preuß bei der Eröffnung der Geburtstagsfeier

Noch ist es aber nicht so weit, und so bleibt zumindest dieser Weg offen. Glücklicherweise. Damals, Mitte der 90er Jahre, wäre die gestrige Geburtstagsparty ja noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Doch so konnte Altbürgermeisterin Elisabeth Preuß gegen 13.00 Uhr das Fest mit den Worten eröffnen: „Ein Teil meines Herzens ist für immer in Wladimir geblieben.“ – Und anschließend mit ihrem Vater, Hans-Joachim Preuß und dessen Frau, Rose Ebding, ein Geburtstagsständchen singen.

Irina Snjatkow (Mitte) und Tatjana Kirssanowa (rechts) mit dem gemalten Geburtstagsgeschenk

Es gab dann sogar ein kleines Festprogramm, das mit einem Bildervortrag über Erlangens Neubürger, die Biber an der Schwabach“, begann und seine Fortsetzung mit der Präsentation des immer länger werdenden Freundschaftsschals und einer Galerie von Arbeiten der Deutschkurshörerin, Irina Snjatkowa, fand. Und dann das: Das Publikum am Bildschrim sollte seine landeskundlichen Kenntnisse unter Beweis stellen und raten, welche Stadt die Hobbymalerin dargestellt habe. Wie das ausging – so eine Entscheidung der Redaktion des Blogs – soll zu einem späteren Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung werden.

Florian Janik

Und dann erschien Oberbürgermeister Florian Janik auf den Monitoren und versprach, die im letzten Jahr ausgefallene Reise möglichst schon 2022 nachzuholen. Sein Dank ging an das Team des Erlangen-Hauses, das, wie es sein ebenfalls zugeschalteter Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg, formulierte, einen Traum habe wahr werden lassen. Und gerade jetzt brauchen wir, meinte Erlangens Stadtoberhaupt, diese Verbindungsstelle mehr denn je, wo doch die Beziehungen zwischen unseren Ländern sich derzeit als so schwierig gestalten. Aber man besten drücke das der Brief des Deutsch-Russischen Forums aus, unterzeichnet von dessen Vorstandsvorsitzenden, Matthias Platzeck, und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied, Martin Hoffmann. Für alle, die gestern nicht dabei sein konnten, hier das Schreiben im Wortlaut:

Während Dietmar Hahlweg ausdrücklich Rudolf Schwarzenbach und Igor Schamow sowie Helmut Eichler und Irina Chasowa dafür dankten, diesen Traum wahr gemacht zu haben, erinnerte sein Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis, an jene Zeit, als das Erlangen-Haus noch baufällig war und man sich kaum vorstellen konnte, wie hier einmal „das Stein und Holz gewordene Symbol unserer Partnerschaft“ entstehen könnte.

Blick in die Geburtstagsrunde im Erlangen-Haus

Die Gratulationen gingen noch lange hin und her, bis Ute Schirmer, unterstützt von Hans Gruß, mit einem Abendlied die Feier musikalisch ausklingen ließ. Und heute, am 76. Jahrestag des Kriegsendes, dürfen wir dankbar sein, in Frieden mit dem russischen Volk zu leben und weiter gemeinsam an der Verständigung mitwirken zu können. Mut und Weitsicht von Dietmar Hahlweg und Igor Schamow bleiben da Vorbild und Verpflichtung.

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Am Mittwoch vergangener Woche lud die Tatjana Kirssanowa den Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, als Hörer in ihren Fortgeschrittenenkurs ein. Das Thema im Großen Saal des Erlangen-Hauses lautete zwar „Einkaufen und Finanzen“ mit Fragen an den Gast, die von Biolebensmitteln bis zu Währungsunterschieden reichten, aber die Unterrichtsstunde hätte auch unter dem Motto stehen können, das die tragisch-große Lyrikerin, Marina Zwetajewa, einst ausgab – „Alles reimt sich“ -, denn am Ende erhob sich Natalia Prokofjewa und trug ihre Verse in deutscher Sprache vor, die heute im Blog zum ersten Mal veröffentlicht werden.

Tatjana Kirssanowa und ihr Kurs mit Peter Steger, zugeschaltet aus dem Erlanger Rathaus
Über die Sprachen

"Liebe Mutti", sagt ein Junge,
Fragen schwebt auf meiner Zunge:
Antworte mir ohne Mache,
welche ist die Hauptsprache?"

"Antwort gibt's auf deine Frage,
ich kann dir ganz sicher sagen:
In jedem Land, auf jeder Fest -
Muttersprache ist die beste!

Jene ist die beste Sprache
aus vielen auf der Erde,
die deine Vorfahrn sprachen
und die Kinder sprechen werden.

Für Nachkommen Muttersprache
sollte allerbeste sein!
Würdig sind doch fremde Sprachen,
ebenso geschätzt wie dein'.

Alle Sprachen sind ästhetisch:
Worte können so poetisch
von Natur begabte Dichter
in die Verse, Texte dichten.

Englisch tönet so magnetisch,
und zum Singen passt phonetisch.
Beatles, Jackson, ABBAs Lieder
hören viele immer wieder.

Russisch nach Gehör klingt weich,
und mit Wörtern ist es reich.
Wir spüren, wann wir Puschkin lesen,
den Russischgeist, das Russischwesen.

Deutsch ist wunderschöne Sprache,
doch sind Regeln hier auf Wache:
Reihenfolge ist sehr wichtig,
Harmonie beherrscht mal richtig.

Italienisch klingt in Ohren
fröhlich für die dort Geboren,
und Französich auf ihr'n Blick
tönet nobel und sehr schick.

Jede Nation ist gleichwertig!
Leute, seid mit Streiten fertig!
Gott ist einig und loyal.
er schützt Menschen überall."
Natalia Prokofjewa
Beginn des Endes

Wo blieb der Winter stecken?
Polareis liegt in Flecken,
kaum frieren jetzt Nordseen,
Schnee kann man selten sehen,
Eisbärscholle schmilzt zu schnell,
heiß ist's ihm im dicken Fell...

Vögel fliegen nicht nach Süden,
weil von Hitze sie ermüden,
vom Wasser keine Spuren,
kein Leben wegen Dürren,
Erdbeben, Überschwemmung,
des Golfstromfließens Hemmung.

Alles leidet überall,
Lebensbedrohung ist global!
Mensch, komm zu dir, eventuell
wird diese Frage erst aktuell.
Kein Klang schon doch, Sturmläuter schallt!
Wär's nur Vergeltung nicht so bald...

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Gestern feierte der Chefredakteur des Blogs Geburtstag. Wie es die Fügungen des Lebens so wollen, holte Irina Chasowa just am 5. April das von Jelena Jermakowa im Jahr 2015 gezeichnete Portrait des Partnerschaftsbeauftragten aus der Galerie ab, wo es im Rahmen einer Ausstellung einen Monat lang bis zum vergangenen Sonntag gehangen hatte. Nun, so der Beschluß der Direktorin des Erlangen-Hauses und ihres Teams, soll das Kunstwerk in der Schaltzentrale der Städtepartnerschaft hängen, bis der Kollege und Freund endlich wiederkommt, der aus den bekannten Gründen seit September 2019 (!) nicht mehr in Wladimir gesehen ward.

Irina Chasowa, Tatjana Kirssanowa, Natalia Korssakowa und Swetlana Schelesowa

Die Arbeit von Jelena Jermakowa weckte natürlich sofort die Erinnerung an ein weiteres Portrait, gezeichnet im Jahr 2003 von Michail Belan. Und nun der wagemutige Blick in die Zukunft. Es laufen bereits die Vorbereitungen auf den Russisch-Deutschen Wochen im Januar 2022. Bis dahin sollte die Pandemie von all den Impfstoffen dahingerafft sein. Eingeladen jedenfalls ist schon einmal der Künstler aus Wladimir, um einen Zeichenkurs zu geben und das eine oder andere Bildnis anzufertigen. Und schon im Mai ist eine Arbeit des Karikaturisten im Rahmen einer Ausstellung der katholischen Hilfswerks Renovabis in Herz Jesu zu sehen. Näheres dazu etwas später.

Aber nicht nur zum Geburtstag gibt es einen Nachtrag: Gestern traf in der Redaktion auch noch dieser Ostergruß von Wladimir Fedin ein. Ein schönes Bild kommt ja nie zu spät – und außerdem steht ja am 2. Mai das orthodoxe Osterfest an. Dann freilich sollte rund um Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl auch der letzte Schnee weggetaut sein.

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2017 verbrachte Max Firgau in Wladimir ein Auslandssemster. Eine Erfahrung, die ihn weit über das Studium hinaus mit der Partnerstadt bis heute verbindet. Wie sehr, zeigt diese Geschichte einer deutsch-russisch-amerikanischen Freundschaft, die das Zeug zu einer völkerverbindenden irdischen Osterbotschaft hat.

Eine beliebte Bar im Zentrum Wladimirs trägt den Namen 4Brewers (4Пивовара). Dort gibt es nicht nur 20 verschiedene Biersorten vom Hahn sowie Burger, Fingerfood und Nürnberger Bratwürstchen (zumindest werden sie in der Speisekarte als solche betitelt), sondern auch Merchandising wie Gläser, Bierfilzerl und Sticker im Design der Kneipenkette.

Schon vor einigen Jahren hatte ich ein solches Trinkglas – gerade Wände, aufgedrucktes Logo, 0,5l Bierfassungsvermögen –, welches leider eines Tages in ein paar ungeschickte Hände geriet und zu Bruch ging. Nachschub zu besorgen, gestaltete sich in mehrfacher Hinsicht als schwierig – zumal ich selbst 2019 zum letzten Mal in der Partnerstadt war. Aber nachdem immer noch viele Bande nach Wladimir und darüber hinaus reichen, sollte sich auch hier eine gleichsam praktische wie auch im Sinne der Städtepartnerschaft typische Lösung finden:

Mila Petrowa, die ich von meinem Auslandssemester 2017 als Kommilitonin kennengelernt hatte, und Andrew Calahan Morse, damals Englischlehrer im American Home, sind inzwischen als Paar unterwegs und 2020 gemeinsam nach Wien gezogen, wo Andrew über buddhistische Philosophie promoviert. Die erste Zeit in der gemeinsamen Wohnung währte erstmal nur ein paar Monate, weil Milas Schengen-Visum ablief und sie deshalb im Dezember 2020 wieder zurück nach Wladimir fuhr. In dieser Zeit fragte ich sie, ob sie nicht mal in einer freien Minute bei 4Brewers vorbeischauen könne, um zu sehen, ob es dort momentan Gläser gibt. Gesagt, getan, Mila kaufte mir zwei Gläser und hütete diese monatelang, bis sie endlich im März mit einem neuen Visum nach Wien reisen durfte. Wenig später erhielt ich ein kleines Paket mit einer illustren und sehr gut eingepackten Füllung.

Und wieder einmal bewies eine in Wladimir geknüpfte Freundschaft ihre Langlebigkeit – ausgedrückt durch zwei Biergläser. Prost!

Max Firgau

P.S.: Auch in Erlangen gingen Ostergrüße ein. Tatjana Krissanowa, Leiterin des Sprachlernzentrums am Erlangen-Haus, schickte gestern abend diesen Bilderstrauß – uns allen zur Freude:

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Lieber Herr Janik, im Namen des ganzen verschworenen Teams des Erlangen-Hauses gratulieren wir Ihnen zum Frühlingsanfang und zu Ihrem Geburtstag! Der Frühling nährt die Hoffnung auf Veränderungen zum Besseren, und uns scheint, als sei schon Licht am Ende dieses schrecklichen Tunnels unter der Bezeichnung Covid-19 zu erkennen. Wir wünschen Ihnen Gesundheit und Kraft bei ihrer so verantwortungsvollen und schwierigen Aufgabe zum Wohl unseres geliebten Erlangens. Wir können das Wiedersehen kaum erwarten und haben große Sehnsucht nach Ihnen allen!

Irina Chasowa

Jekaterina Ussojewa, Tatjana Kolesnikowa, Jelena Semjonowa, Natalia Korssakowa, Tatjana Kirssanowa und Irina Chasowa


Diesen Wünschen schließt sich natürlich auch gern die ganze Blog-Redaktion an, die in ihrer Stube den Spruch des Oberbürgermeisters von Erlangen eingerahmt an einem Ehrenplatz hängen hat: „Der Blog lebe noch lange!“

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„Die Premiere ist super gelungen“, schreibt Georg Kaczmarek zum gestrigen Konzert von Sergej Gostjew aus dem Erlangen-Haus, moderiert von Natalia Dumnowa. Und weiter: „Gratulation an den Künstler; es schmeckt nach mehr!“

Natalia Dumnowa und Sergej Gostjew

Auch wenn kurzfristig noch die Verbindung zu Zoom geändert wurde und die Moderation erst gegen Ende der Übertragung akustisch gut zu verstehen war, teilten wohl alle, die sich gestern zugeschaltet hatten, die Meinung von Georg Kaczmarek. Einer Zuschauerin trieb es sogar die Wladimirwehfreuden in die Augen.

Konzertatmosphäre im Dozentenzimmer des Erlangen-Hauses

Ein herzliches Spasibo und Danke jedenfalls an alle vor und hinter der Kamera und natürlich an den Multiinstrumentalisten, der sein Publikum vor Ort und in Erlangen sowie Rothenburg – Erwin Bauer, der Vorsitzende des dortigen Partnerschaftsvereins war ebenfalls mit von der Partie – musikalisch durch die griechische, russische und lateinamerikanische Folklore führte und seinen halbstündigen Soloauftritt mit dem deutschen Volkslied „Die Gedanken sind frei“ abschloß.

Maskenball im Erlangen-Haus. Damenwahl mit Tatjana Kirssanowa.

Bis der Videomitschnitt verfügbar ist, sollen diese Bilder für all jene einen Eindruck vom Konzert vermitteln, die gestern nicht dabei sein konnten, aber nun vielleicht Lust bekommen, sich beim nächsten Mal – da darf man optimistisch sein! – einen Platz am Bildschirm zu sichern.

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Zum gestrigen Internationalen Tag der Musik schickte das Erlangen-Haus einen besonderen Gruß von Sergej Gostjew aus Murom, den Sie seit dem Geburtstag des Blogs kennen, mit Tatjana Kirssanowa als Moderatorin, mit Irina Chasowa an der Kamera, technisch unterstützt von Natalia Korssakowa. Sehen, hören und staunen Sie:

In der kurzen Einführung zu seinem Arrangement von „Die Gedanken sind frei“ für Domra beschwört der Musiker die Bruderschaft unserer Völker und bringt zum Ausdruck, wie stark die Partnerschaft unserer Städte nicht nur durch den Austausch von Wissenschaft, Wirtschaft oder Medizin, sondern vor allem auch von Kultur geprägt wird. Wie wahr!

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Am Wochenende erreichte die Blog-Redaktion ein Schreiben von Tatjana Kirssanowa, der Leiterin der Deutschkurse am Erlangen-Haus, mit folgendem Wortlaut:

Wir haben wirklich großes Glück mit unseren Kursteilnehmern. Auf dem Bild ist unsere B1-Kursteilnehmerin, Alina Sentschilo, zu sehen. Die Geschichte im Anhang erzählt über ihren vor einigen Monaten verstorbenen Vater, der sein ganzes Leben in Deutsch verliebt und von der deutschen Kultur begeistert war. Vom Vater hat auch Alina diese Liebe „geerbt“. Ebenso ihre Tochter Jana und ihre Mutter, Margarita Bukina, die sich nach dem Tod des Mannes entschied, sich der Sprache und Kultur zu widmen, die er so sehr geliebt hatte. Margarita, die als Frauenärztin und Onkologin vielen Menschen das Leben rettet, lernt bei uns seit September im A1-Kurs.

Alina hat vor, das Buch des Vaters bei den feierlichen Veranstaltungen im Rahmen des Deutschlandjahres in Moskau vorzustellen. Der Text für die Präsentation (Übersetzung ins Deutsche) stammt von unserem guten, treuen Freund, Sieghard Hellmann. Es war nicht viel Zeit für die Übersetzung. Ich hatte mit der Vorbereitung des Deutschlandjahres und unserem Deutschkurs (wegen des neuen Semesters) gar keine freie Minute. An wen habe ich mich da gewendet? An den Freundeskreis Wladimir! Und ich möchte dich bitten, unbedingt in Deinem Blog zu erwähnen, wie sehr wir unsere Freundschaft und Partnerschaft schätzen, wie dankbar wir sind und wie sehr wir jetzt unsere Freunde aus Erlangen VERMISSEN.

Alina Sentschilo

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte von der Geschichte des Buches erzählen, das 1992 von meinem Vater, Igor Bukin, übersetzt wurde.

Wie es sich so ergab, erschien das Buch erst 2020, nachdem es mehr als 20 Jahre in Form eines auf einer Schreibmaschine getippten Stapels von Blättern verbracht hatte.

Mein Vater war kein professioneller Übersetzer, vielmehr waren seine Sprachkenntnisse die Folge von Leidenschaft und Selbststudium. Das Interesse am Deutschen war womöglich darauf zurückzuführen, daß sein Vater – mein Großvater (stellvertretender politischer Kommandeur der Batterie des 417. Artillerie-Regiments der Nordwestfront) – den gesamten Großen Vaterländischen Krieg am eigenen Leib durchlebte und die Kampfhandlungen für ihn in Deutschland auf der Insel Rügen endeten. Nach dem Krieg reiste die Familie zu den Einsatzorten des Großvaters im ganzen Land – von Kandalakscha im Süden der Region Murmansk nach Rostow, von Transbaikalien nach Koltschugino in der Region Wladimir. Papa erzählte immer wieder, wie er nach Abschluß der Schule in einer kleinen Stadt mit einem A (entsprach der 5, der russischen Bestnote) in Deutsch zur Aufnahmeprüfung zum Maurice-Torez-Institut für Fremdsprachen in Moskau fuhr und wie vor den Kopf gestoßen war, unter den Bewerbern Offiziere sehen zu müssen, die in Deutschland gedient hatten und fließend Deutsch sprachen. Nachdem er die Aufnahme in das Institut nicht geschafft hatte, machte Papa keinen weiteren Versuch und machte in der Folge eine Ausbildung zum Chemieingenieur. Dennoch interessierte sich Papa weiterhin für die deutsche Sprache, las selbständig, was zu finden war oder hörte Radio und stellte sein Vokabular aus Wörterbüchern und Zeitschriften zusammen. Daneben bracht er sich mit der Lektüre von Zeitschriften Polnisch bei, was ihm half, auch auf Ukrainisch, Weißrussisch und Serbisch zu lesen.

Erst im Ruhestand erhielt Papa aufgrund der zuvor bestandenen Sprachprüfungen das Zertifikat eines professionellen Übersetzers und wurde im Alter von 70 Jahren offizieller Übersetzer der Wladimirer Industrie- und Handelskammer. So wurde sein Traum wahr.

Igor Bukin

Das vom HWWA, dem Wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitut in Hamburg, herausgegebene Buch „Der Motor des Wohlstands“ von Dieter Lösch, einem promovierten Wirtschaftswissenschaftler, wurde 1992 von meinem Vater übersetzt.

Zu diesem Zeitpunkt, nach der Perestroika, blickte Rußland auf die westlichen Länder als Modell für die eigene Entwicklung. Demokratie und Marktwirtschaft waren neue, populäre und häufig verwendete Begriffe. Das Interesse meines Vaters an der Wiedervereinigung Deutschlands und am Übergang der ostdeutschen Wirtschaft von der Plan- zur Marktwirtschaft war darauf zurückzuführen, daß er während seines Studiums der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges erkannte, welchen kolossalen Weg Deutschland von einem zerstörten, physisch und moralisch am Boden liegenden Land zu einer der führenden Volkswirtschaften der Welt zu gehen hatte.

In den 90er Jahren, als die Ungewißheit über die Zukunft, der Zusammenbruch des Landes und das Fehlen von Idealen das Denken prägte, erschienen die Erfahrungen eines Phönix, der aus der Asche aufgestiegen war, nützlich. Umsomehr, als in der Broschüre viele wirtschaftliche Begriffe und Konzepte in einer allgemeinverständlichen Sprache erläutert wurden. Es ging in der Publikation darum, was man als Bürger seines Landes selbst wissen und tun sollte, damit die Volkswirtschaft erfolgreich wird und der Lebensstandard hebt. Dieses Wissen ist für uns Russen noch immer relevant.

Leider konnte das Buch in den 90er Jahren nicht erscheinen. Erst 2019 wurden die maschinengeschriebenen Seiten zum Text für ein Buch zusammengefügt, welches Anfang 2020 im Arkaim-Verlag in Wladimir herauskam. Mein Vater erlebte jedoch die Herausgabe des Buches nicht mehr.

Ich würde gern noch darauf hinweisen, daß sich mein Vater in der damaligen Zeit nicht der heutigen Möglichkeiten des Internets und der uns verfügbaren Informationsquellen bedienen konnte, was ich als Wert an sich erachte. Alles, was ihm zur Verfügung stand, waren Wörterbücher sowie einige Zeitschriften und Publikationen in deutscher Sprache.

Das aufrichtige Interesse meines Vaters galt vornehmlich der deutschen Sprache und Deutschland insgesamt, und er war geprägt vom Wunsch, das deutsche Erfolgsmodell für sein Heimatland verfügbar zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Alina Sentschilo                                                                                           Wladimir, 4. Sept. 2020

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Das war gestern ein echter Marathon: Fast neuneinhalb Stunden dauerte die bis dato vielleicht längste Deutschstunde der Welt und reichte über alle elf Zeitzonen der Russischen Föderation hinweg, von Chabarowsk bis nach Kaliningrad.

21 Deutschlernzentren; Partnerschaft mit dem weltweit führenden Lehrinstitut für die deutsche Sprache

Zugeschaltet waren alle 21 Sprachlernzentren des Goethe Instituts Moskau und teilweise auch deren Außenstellen von Irkutsk über Krasnojarsk, Kemerowo, Tomsk, Nowosibirsk, Nowosibirsk-Akademgorodok, Barnaul, Omsk, Jekaterinburg, Ufa, Togliati, Samara, Wolschskij, Wolgograd, Rostow am Don, Saratow, Nischnij Nowgorod, Jaroslawl, Sergijew Possad, Kaliningrad – und natürlich Wladimir.

Deutschlandjahr in Rußland

Leider spielte die Zentrale in Moskau die Beiträge aus Wladimir nicht, wie ursprünglich vorgesehen und im Blog gestern angekündigt, ab 16.00 Uhr en bloc ein, sondern die kurzen Stellungnahmen aus dem Erlangen-Haus erschienen verteilt, jeweils nach ca. der 4., 5., 6. und 7. Stunde.

Irina Chasowa, Direktorin der Stiftung Erlangen-Haus (Sprachlernzentrum Wladimir); das rote Ausrufezeichen markiert den Chat-Gruß von Georg Kaczmarek

Nicht jeder wird sich die Zeit genommen haben, den virtuellen Parforceritt durchs ganze weite Land zu verfolgen, aber Georg Kaczmarek machte sich gestern die Mühe und belohnt uns dankenswerterweise mit seinen Momentaufnahmen aus der Direktübertragung.

Natalia Dumnowa, Dozentin am Erlangen-Haus, und Irina Chasowa

Zu hören war natürlich die Leiterin des Erlangen-Hauses, Irina Chasowa, zu Wort kamen aber selbstverständlich auch Tatjana Kirssanowa, die Koordinatorin der Deutschkurse, und ihre Mitarbeiterinnen sowie (ehemalige) Hörer, die bereits ihre Spuren in der Partnerschaft und im Blog hinterlassen haben.

Andrej Schebankow, Hörer am Erlangen-Haus
Jewgenij Nikolajew, ehemaliger Hörer am Erlangen-Haus
Natalia Korssakowa, Dozentin am Erlangen-Haus
Sergej Trojnitsch, ehemaliger Hörer am Erlangen-Haus
Tatjana Kirssanowa, Leiterin der Sprachkurse am Erlangen-Haus
Mit Deutsch durch ganz Rußland!

Wer hier klickt, kann noch einmal das russische Großepos der deutschen Sprache, den Auftakt zum Deutschlandjahr, nacherleben und ein kurzes Wiedersehen mit Wladimir feiern. Mehr kann man sich in Zeiten von Corona doch gar nicht wünschen.

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Auf den Tag genau zwölf Jahre ist es her, seit der Blog in den unendlichen Weiten des Internets Gestalt annahm und seither nach bestem Wissen und Gewissen Zeugnis über die Zeitläufte und Geschehnisse der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir in Form einer täglichen „Chronik der laufenden Ereignisse“ ablegt, fast schon so lange also wie das unter diesem Titel von Menschenrechtlern herausgegebene Informationsbulletin, das von 1968 bis 1983 erschien. Wäre der Blog ein in einer gut katholischen Familie aufgewachsenes Kind, stünde jetzt bald die Firmung an, jenes Sakrament der Bekräftigung des Glaubens und des Aufrufs zur Verkündigung, weltlich angereichert mit einem Geschenk des Firmpaten. Womit wir bereits beim gestrigen Aufruf des Blogs wären. Auf den hin meldete sich nämlich schon ein Student der Berufsfachschule 2 am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde mit Erstsprache Russisch:

Seit etwa vier Jahren spreche ich regelmäßig mit Muttersprachlern, welche ich auf einschlägige Internetseiten finde. Zunächst sprechen wir immer 30 Minuten ausschließlich in Russisch, anschließend 30 Minuten in Deutsch. Als Kommunikationsmittel nutzen wir Skype. Zu einer Muttersprachlerin aus Nischnij Nowgorod hat sich mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Wir lernen seit etwa zweieinhalb Jahren zusammen Russisch bzw. Deutsch. Trotz dieses absoluten Glückstreffers ist es schwierig, über das Internet einen zuverlässigen Lernpartner zu finden. Daher erhoffe ich mir, über diesen Austausch einen Lernpartner zu finden, mit dem ich mein Russisch verbessern und vielleicht sogar eine weitere Freundschaft schließen kann. Ich möchte Sie bitten, Kontakt nach Wladimir herzustellen.

Sergej Gostjew

Was sollte dem Blog besser zum Geschenk gereichen als eine solche Zuschrift, möchte man meinen, aber damit nicht genug: Am 14. September meldete sich via http://www.facebook.com/peter.steger.5492 ein bis dato im Rahmen des Austausches völlig unbekannter Musiker mit Namen Sergej Gostjew mit dem Vorschlag als Multiinstrumentalist, zu Hause in der World Music, etwas für die Städtepartnerschaft zu tun. Für den Anfang würde er sich über die Zusendung von Noten bekannter deutscher Volkslieder freuen. Nun hören Sie einmal, was der Künstler, der dieser Tage ein Kammerkonzert im Erlangen-Haus geben will, daraus für ein Geburtstagsständchen für den Blog zaubert:

Und schließlich, wie bestellt, schrieb auch noch Jelena Gromowa an den Redaktionsleiter, ohne vom heutigen Blog-Jubiläum zu wissen, wie um die Drei vollzumachen, die laut einem russischen Sprichwort Gott so liebt:

Jelena Gromowa (links unten im Bild) und Inge Taubald (rechts im Bild)

Jedes Mal, wenn ich an meine Freunde aus Erlangen denke, an Inge und Helmut Taubald, erinnere ich mich auch an Sie als jenen Menschen, der seit mehr als 30 Jahren, von den ersten Tagen meiner Bekanntschaft mit Gästen aus der Partnerstadt im März 1988 in Wladimir an, als guter Begleiter und Gefährte in Erscheinung trat und uns das Wertvollste schenkte, was wir Menschen im Leben haben, – seine kostbare Zeit, seine Anteilnahme, sein Mitgefühl, sein Mitwirken an unseren Unternehmungen, Reisen, Sorgen und Freuden.

Die Briefe und Karten, die Sie mir immer von Inge Taubald weiterleiten, sind unschätzbar und stellen den größten Schatz in meinem Leben dar (…). Ihr seid meine Engel, ein Geschenk des Himmels, nicht nur für mich, sondern für alle, die diese Gabe der schlichten zwischenmenschlichen Verständigung verstehen, ohne Boshaftigkeit, Neid, Mißgunst und andere Laster. Dank an Euch alle, die Ihr in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen lebt. Ich hoffe, wenn die Welt sich wieder normal dreht und wie ein Fluß in sein Bett zurückkehrt, werden wir mit einem eigenen Oktoberfest unsere Wiedervereinigung feiern können! Alles Gute für Euch, Gesundheit und ein langes Leben wünscht Jelena Gromowa.

Und wie das so ist in dieser immer wieder erstaunlichen Partnerschaft: Soeben geht noch eine E-Mail von Tatjana Kirssanowa, der Koordinatorin der Sprachkurse am Erlangen-Haus, ein. Die Dozentin wird heute im Rahmen der Eröffnung des Deutschlandjahrs während der ganztägigen „Längsten Deutschstunde“ auf dem youtube-Kanal https://is.gd/5Hlwew, veranstaltet vom Goethe Institut Moskau, um 16 Uhr MEZ, zu sehen und zu hören sein. Schalten Sie sich doch einfach dazu, gern auch schon früher.

Jetzt aber zum guten Ende noch der verdiente Dank an die geneigte Leserschaft und deren ungezählte Beiträge zum Gelingen des Blogs, der vorgestern 813 und gestern 552 Aufrufe hatte. Mit dem heutigen Eintrag zählt die Statistik 4.603 Artikel und 1.450 Kommentare. Doch im Blog sind ja nicht Zahlen und Figuren die Schlüssel aller Kreaturen, sondern hier fliegt vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort. Belassen wir es also dabei für heute. Bleiben Sie der Städtepartnerschaft und dem Blog auch und gerade in dieser schweren Zeit der Pandemie gewogen. Halten Sie den Kontakt zu Wladimir, denn er ist ein Schatz, wie Jelena Gromowa stellvertretend für die vielen anderen sagen würde.

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