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Posts Tagged ‘Tatjana Grin’


Über zwei Monate ist es her, seit ich mich Anfang September mit meinem 15jährigen Sohn Paul und dessen Schulfreund Noah auf den Weg nach Wladimir machte. Die Stadt war mir schon lange vertraut, auch wenn ich sie bislang noch nie besucht hatte. Ab dem Zeitpunkt, von dem an mein Vater, Fritz Wittmann, sich, aus einem persönlichen Anliegen heraus, für die deutsch-russische Friedens- und Versöhnungsarbeit zu engagieren begann, Russisch lernte und Russen in unser Haus einlud, war Wladimir und waren vor allem die Menschen aus Wladimir ein fester Bestandteil in unserem Leben. Auch im Zimmer des Pflegeheims in Baiersdorf, in dem mein Vater die letzten Jahre seines Lebens wohnte, fanden sich Erinnerungsstücke, die von den Reisen und Begegnungen mit den Freunden in Wladimir erzählten. Im frühen Herbst 2018 äußerte mein Sohn Paul seinem Opa gegenüber den Wunsch, nach Wladimir zu reisen. Mein hochbetagter Vater freute sich darüber sehr! Wenige Wochen danach starb er. Die Idee der Reise nach Wladimir jedoch verlor ihre Energie nicht! Im Gegenteil! Als Peter Steger von unseren Plänen erfuhr, war er sofort bereit, uns bei unseren Reiseplänen zu unterstützen. Sehr spannend waren die Reaktionen von manchen Freunden und Bekannten auf unser Ansinnen. Große Augen, Erstaunen, Bedenken und die Frage, was wir denn in Rußland wollten. Und ob wir dahin müßten. Das sei doch gefährlich usw. Zum Teil von ziemlich jungen Menschen, die locker mal um den halben Erdball reisen, um unbekannte Länder zu bereisen. Es ist schon erstaunlich!

Eva-Maria Helbig, Johanna Sander und Tatjana Grin, Dezember 2018 in Kirchehrenbach

Bei Konzerten zu Beginn der Adventszeit 2018 in Kirchehrenbach und Erlangen durfte ich mit dem bezaubernden Kammerchor Wladimir und Erlanger Sängern und Musikern gemeinsam das Te Deum von Antoine Charpentier als Solistin aufführen. Die Profis aus Rußland sangen sich damals mit ihrem wunderschön ausgewogenen und weichen Chorklang zwei Wochen nach dem Tod meines Vaters in mein Herz. Ich freute mich deshalb riesig, als im Frühsommer die Anfrage aus Wladimir bei mir einging, ob ich bei einem Konzert des Chores in Erlangens Partnerstadt mitwirken und die Altsolopartie bei der Uraufführung eines Requiems für Chor, zwei Frauenstimmen, zwei Klaviere und Schlagzeug aus der Feder des jungen Komponisten, Artjom Semjonow, übernehmen wolle. Die Noten kamen per Mail, und so machte ich mich ans Studieren.

Mein Sohn Paul und ich begannen, mit der Hilfe von Peter Steger die Fahrt zu planen. Paul wünschte sich seinen Freund Noah als Reisegefährten. Noahs Eltern waren von der Idee begeistert. Das Beantragen der Visa war für uns eine unbekannte Sache. Aber mit Hilfe des unschlagbaren Leitfadens der Stadt Erlangen, schafften wir es. Hans Gruß , in Sachen Wladimir ein erfahrener Hase, versorgte uns mit einem Stadtplan, machte Kontakte und gab uns wertwolle Tips.

Tatjana Grin, Johanna Sander, Paul und Noah

Am 2. September hob unser Flugzeug in München mit dem Ziel Moskau ab. Im Gepäck hatten wir einige Geschenke, die Noten für das Requiem und jede Menge Neugier. Außerdem hatte ein uns bis zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekanntes Netzwerk für uns einen tollen Reiseplan ausgeklügelt. Wirklich unglaublich!

Am Flughafen in Moskau holte uns Eduard Batalow, ein Mitglied des Chores, mit dem Auto ab. Ab diesem Zeitpunkt waren wir drei in ein Dauererlebnis von Gastfreundschaft und Herzlichkeit eingehüllt, wie wir das noch nie zuvor erlebt hatten. Eduard brachte uns mit Engelsgeduld durch die Rushhour Moskaus und über die dicht befahrenen Straßen in einer zweieinhalbstündigen Fahrt nach Wladimir. Schon dabei strömten viele Eindrücke auf uns ein.

Kaum waren wir im Erlangen-Haus in Wladimir angekommen, meldete sich Tatjana Parilowa, eine Freundin meiner Eltern, bei uns. Keine 30 Minuten später stand sie vor der Tür und holte uns mit Katja, einer russischen Lehrerin, zum gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant ab. Dort trafen wir zwei russische Jugendliche, mit denen mein Sohn und sein Freund Noah über ihre Englischkenntnisse sehr unkompliziert in Kontakt kamen. Von da an waren die Jungs wunderbar in das russische Jugendleben integriert. Die beiden besuchten eine russische Schule, verbrachten ihre Nachmittage mit den neuen Bekanntschaften in der Stadt, lernten die Lebenswelt ihre Altersgenossen kennen. Die beiden ließen sich die Stadt zeigen und erkundeten mit ihren neuen Freunden das schöne Susdal mit seinen vielen Kirchen.

Tatjana Parilowa als Reiseführerin

Für mich begannen am nächsten Tag nach dem wunderbaren russischen Frühstück die Proben für das Konzert am Freitag, den 6. September, mit dem Kammerchor Wladimir. Es ist ja schon an sich etwas sehr Besonderes, bei einer Uraufführung mitwirken zu dürfen. Und das dann noch in Rußland und obendrein mit solchen Musikern! Die Probenarbeit unter der Leitung der mitreißenden, temperamentvollen und sensiblen Tatjana Grin gestaltete sich sehr intensiv und fruchtbar. Der Chor war schon sehr sehr gut vorbereitet und nahm mich mit großer Offenheit und Wertschätzung auf. Dmitrij Fjodorow, ein versierter und einfühlsamer Pianist, spielte den Klavierpart des Werkes und begleitete die Proben. Er fand auch noch Zeit, mit mir geduldig an meinem Solopart zu arbeiten. Noten zu Hause zu studieren und Musik im Zusammenklang zu proben, sind einfach sehr verschiedene Dinge! Wenn ich einmal Pause hatte, weil das Ensemble an einem anderen Werk des Konzertprogrammes probte, wurde ich von einzelnen Chormitgliedern mit großer Herzenswärme umsorgt. Sie kümmerten sich um mein leibliches und seelisches Wohl und führten mich an ihre Lieblingsplätze in Wladimir.

Das Programm, das uns während unserer Reise geboten wurde, war ganz zauberhaft zusammengestellt. Wir besuchten Kirchen und Klöster, erfuhren bei einer ausführlichen Stadtführung etwas über die Geschichte Wladimirs. Paul und Noah wurden von russischen Schülern und zwei Lehrerinnen betreut und besuchten Susdal. Stets war irgend jemand zu finden, der uns mit dem Auto zu unseren Abstechern chauffierte. Die Mutter der Dirigentin, Tatjana Grin, lud uns an einem Mittag zu sich nach Hause ein. Der Tisch bog sich. Wir konnten nur einen Bruchteil der Speisen essen, die uns da kredenzt wurden. Die ganze Familie begrüßte uns, und obwohl wir kein Wort Russisch sprechen, hatte ich nie das Gefühl, unverstanden zu sein. Wir wurden sofort mit in ihr Leben hineingenommen.
Roman, Zahnarzt in Wladimir und ein Freund von Tatjana Parilowa, war unser Gastgeber in der Banja, einer Art Dampfsauna, auf der ehemaligen Datscha seiner Mutter. Nadja und Sergej, die beiden Banjameister, ebenfalls Freunde von Roman, behandelten uns einzeln in dem heimeligen Dampfbad mit warmen und kalten Güssen, wuschen unsere Haut mit Zweigen und Büscheln, ließen uns danach auf einer Schwebeliege zu den Klängen ihrer weichen, wohltönenden Stimmen ruhen. Zwischen und nach den Behandlungen in der Banja gab es Köstlichkeiten aus dem Garten, vom Grill und wärmenden Tee. Für mich war dieser Nachmittag wie eine Reise zu mir selbst. Immer wieder waren wir von Gastfreundschaft überwältigt und berührt.

Dmitrij Fjodorow, Tatjana Grin, Johanna Sander, Tamara Mironowa und Eduard Batalow

Als Sängerin wurde mir eine in Deutschland für Künstler ungewohnte Aufmerksam zuteil. So bat man mich, für die Homepage des Chores in einem kleinen Video über meine Erlebnisse und Eindrücke in Wladimir, über die Musik von Artjom Semjonow und die Probenarbeit zu berichten.

Der Tag des Konzertes kam. Auf dem Programm standen neben dem Requiem noch andere Werke, die alle zum ersten Mal zu hören waren. Unter anderem auch ein Stück aus der Feder des Pianisten des Abends, Dmitrij Fjodorow, für Chor und zwei Klaviere. Kurz vor der Veranstaltung, mit der die Saison 2019/2020 des Kammerchors Wladimir im Saal des Zentrums für klassische Musik mit seiner erstaunlichen Akustik eröffnet wurde, gab ich noch ein Interview für einen lokalen TV-Sender, das einen Beitrag über das Konzert brachte.

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und ihrem Sohn Paul

Peter Steger war aus Deutschland angereist und übernahm freundlicherweise das Dolmetschen. Er stellte mir Menschen vor, die meinen Vater gekannt und ihn sehr geschätzt hatten. So durfte ich Nikolaj Schtschelkonogow, einen der ältesten russischen Freunde meines Vaters, als Zuhörer begrüßen. Er hatte ein Album mit vielen Bildern ihrer gemeinsamen Erlebnisse mitgebracht, das er wie einen Schatz bei sich trug. Ihn während des Konzertes neben meinem Sohn sitzen zu sehen, hat mich tief berührt. Für mich schloß sich damit ein Kreis. Ich weiß, daß mein Vater sich unglaublich gefreut hätte, dies mitzuerleben.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

Gemeinsam mit dem Chor, den Musikern und vor allem meiner Soprankollegin, Tatjana Prokuschkina, auftreten zu dürfen, war eine große Ehre für mich! Über den Applaus nach dem Konzert, die vielen Blumen und die liebevollen Geschenke habe ich mich sehr gefreut!

In einem russischen Restaurant ließen wir den Konzertabend gemeinsam mit den Chormitgliedern, ihrer so engagierten Dirigentin, Tatjana Grin, und dem bewundernswerten Pianisten, Dmitrij Fjodorow, ausklingen. Zum Abschied stimmten alle in lupenreinem Deutsch den Satz „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler an. Mit einem russischen Lied konnte ich leider nicht antworten! Ich glaube, das muß ich ändern!

Der Abschied am Tag nach dem Konzert fiel uns gar nicht leicht: von den Menschen nicht und auch nicht vom Erlangen-Haus! Paul, Noah und ich haben uns dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Bereits das liebevoll zubereitete Frühstück am Beginn eines jeden Tages war ein Grund, mit guter Laune in den Tag zu starten.

Abschied von Wladimir

Weil die Straßen in Wladimir am Morgen unserer Abreise wegen eines Halbmarathons gesperrt waren, liefen wir, begleitet von Tatjana Parilowa und Katja, zu Fuß vom Erlangen-Haus mit unseren Koffern zum nahen Bahnhof. Dort erwarteten uns Tatjana Grin und eine Schülerin, die Paul und Noah mit betreut hatte. Alle standen am Bahnsteig und winkten uns, als sich unser Zug Richtung Moskau in Bewegung setze.

Dort erwartete uns schon Wera, eine junge Frau, die uns vor vielen Jahren in Baiersdorf besucht hatte. Heute lebt sie in Moskau und arbeitet dort als Rechtsanwältin. Wir durften mit ihr einen kleinen Eindruck von dieser unglaublichen Stadt gewinnen. Sie begleitete uns auch zum Zug, der uns zwei Tage später zum Flughafen brachte. Mit vielen Geschenken und noch mehr Eindrücken im Gepäck, kehrten Paul, Noah und ich nach einer unglaublich dichten und erlebnisreichen Woche nach Hause zurück. Es ist für uns nicht vorstellbar, daß dies unser einziger Besuch in Wladimir gewesen sein wird!

Johanna Sander

Hier geht es zum TV-Bericht über den gemeinsamen Auftritt: https://youtu.be/UCONHbJ_w6w und zur Videobotschaft von Johanna Sander: https://is.gd/OR8rMm sowie zum Konzertbericht im Blog: https://is.gd/zFHYbY

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Nach dem Tod ihres Vaters, des großen Versöhners zwischen Deutschen und Russen, Fritz Wittmann, kündigte Johanna Sander im November an, sie wolle im nächsten Sommer mit ihrem Sohn Paul nach Wladimir reisen, um endlich mit eigenen Augen zu sehen und in Begleitung ihres Sohnes Paul zu erleben, warum es den Weltkriegsveteranen immer wieder so in die Partnerstadt zog. Dann, im Dezember, die gemeinsamen Auftritte der Sängerin mit dem Kammerchor Wladimir unter Leitung von Tatjana Grin in Erlangen und Kirchehrenbach, und nun ist Johanna Sander bereits seit einer Woche in der einstigen russischen Hauptstadt und hatte gestern ihren ersten Auftritt im Zentrum für Klassische Musik.

Nikolaj Schtschelkonogow und Paul Sander

Einer der einprägsamen Aphorismen, die Fritz Wittmann hinterließ, lautet: „Wo Deutsche und Russen einander Familienphotos zeigen, können keine Feindbilder mehr entstehen.“ Ganz im Geiste dieses Mottos blätterten denn auch vor dem Konzert der Frontkämpfer, Nikolaj Schtschekonogow, und Paul Sander in einem Album, das zurückreicht bis ins Jahr 1991, als sich die beiden Friedenskämpfer zum ersten Mal trafen. Welch eine Begegnung!

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und Sohn Paul

Und Johanna Sander? Sie erlebt ein Wladimir, wie sie es aus den Schilderungen ihres Vaters kennt und wie sie es sich doch nicht vorstellen konnte mit all der Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wird, vom Chor, vom Erlangen-Haus, vom Publikum… Eine Begeisterung, die sie sagen läßt: „Das war bestimmt nicht meine letzte Zusammenarbeit mit Wladimir und diesem Ensemble.“

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

An der Seite von Tatjana Prokuschkina bestand Johanna Sander dann gestern zur Eröffnung der Konzertsaison eine schwierige Prüfung mit dem Requiem des zeitgenössischen Komponisten, Artjom Semjonow, dessen überwältigendes Werk für Chor, zwei Klaviere und Schlagwerk die Wladimirer Sopranistin oft bis an die musikalische Schmerzgrenze führte, während die deutsche Altistin eine tröstend-warme Stütze bot, ganz so, als gehörte sie schon immer zu dem Ensemble. Nur bei den allerersten Takten merkte man der Baiersdorferin noch die Aufregung an.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander mit Dmitrij Fjodorow am Klavier

Nun darf sich das Publikum in Erlangen wie in Wladimir auf neue Projekte von Johanna Sander und ihren Wladimirer Freunden freuen. So geht ja auch noch hoffentlich der große Wunsch von Fritz Wittmann in Erfüllung: „Wir mögen die letzten Kriegsveteranen sein.“ Und im Album der Freundschaft von Nikolaj Schtschelkonogow gibt es nun neue Bilder.

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Stefan Barth gehört zu den wenigen, die von Beginn der Partnerschaft an den Austausch aktiv begleiten. Damals, als 1984 Vizebürgermeister Jurij Fjodorow seinen Antrittsbesuch in Erlangen machte, begleitete der des Russischen mächtige damalige Stadtrat den Gast aus Wladimir und half, das so wichtige Klima des Vertrauens zu schaffen.

Jurij Fjodorow, Heide Mattischeck, Stefan Barth und Dietmar Habermeier sowie, halb im Bild, Ludmila Holub, Fränkische Schweiz 1984

In all den Jahren dazwischen beherbergte der Donauschwabe immer wieder Besucher aus Wladimir und lebt bis heute – ebenso unauffällig wie beharrlich – den Gedanken der Bürgerpartnerschaft.

Stefan Barth und die Noten aus Wladimir

Vor einiger Zeit nun bat der pensionierte Ingenieur um Noten russischer Lieder für seinen Kosbacher Stadlchor, der bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir auftrat. Dieser Tage traf ein ganzes Konvolut von Werken aus der Folklore, Klassik und geistlichen Musik ein, zusammengestellt von Tatjana Grin, der Leiterin des Wladimirer Kammerchors. Man wird bald auf einer Serenade hören, welche Kompositionen Stefan Barth dem Leiter des Chors, Knut-Wulf Gradert, vorschlägt. Auch so geht Austausch.

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Heute ein Rückblick auf den Besuch des Kammerchors Wladimir, der die knappe Zeit zwischen Konzerten und Proben Ende November, Anfang Dezember auch für einen Ausflug nach Bamberg nutzte, begleitet von Sieghard Hellmann und Georg Kaczmarek, dem wir auch den folgenden Bericht verdanken.

Tatjana Grin und Sieghard Hellmann

Sieghard Hellmann vom Freundeskreis Wladimir, als ehemaliger Wahlbamberger bestens stadtkundig, übernahm die Ausflugsleitung. Ich durfte, als sein Adlatus, die mit 25 Mann und Frau starke Chorgemeinschaft begleiten. Peter Steger, der Partnerschaftsbeauftragte, ließ es sich allerdings nicht nehmen, kurz am Bahnhof zu erschienen, die Fahrkarten zu überreichen und uns allen besseres Wetter zu wünschen. Ausgerechnet an diesem Montag schüttete es nämlich sprichwörtlich wie aus Kübeln. Nach einem allgemeinen Regenschirmcheck ging es mit der Regio-Bahn auch gleich los.

Der nette Schaffner, ließ sich von Sieghard Hellmann über den Zweck der Reise, die Städtepartnerschaft mit Wladimir – Wladimir? Wo liegt denn das bitteschön? – und natürlich über den Kammerchor genauestens informieren, anstatt zu überprüfen, ob sich vielleicht ein Fremdling unter die Ausflügler gemischt hatte. Schade nur, daß die Chormitglieder im Waggon so weit verstreut saßen, sonst hätten sie bestimmt ein Liedchen für den netten Kontrolleur angestimmt, wie später an anderer Stelle geschehen.

Zu unserer großen Überraschung fruchteten die „Wetterwünsche“, und die Regenschirme durften ganztägig in den Taschen bleiben.  Bamberg zeigte sich von seiner freundlichen Seite, mit der wir eigentlich nicht gerechnet hatten. Einen ganz kurzen Schauer gab es glücklicherweise nur, während wir, übrigens sehr köstlich, in der Uni-Mensa zu Mittag speisten. An dieser Stelle vielen Dank an Peter Steger, der organisatorisch an diese Stärkung gedacht hatte.


Der Streifzug durch die Stadt begann mit der zeitsparenden Busfahrt in die Innenstadt. Dann ein kurzer Spaziergang durch die engen Gassen zum Alten Rathaus mit dem Blick auf „Klein-Venedig“ am Regnitzufer, am „Schlenkerla“ vorbei. Ein Besuch im historischen Brauereiausschank blieb uns leider versagt, da am Abend für den Chor noch ein Auftritt im Wohnstift Rathsberg auf dem Programm stand. Zum Ausgleich dafür wurde direkt gegenüber das Angebot des Andenkenladens rege in Anspruch genommen. Weiter ging es über die steile Treppe zum Domplatz und zum Dom selbst. Die Chormitglieder waren von der Innenarchitektur derartig beeindruckt, daß sie spontan beschlossen, eine kleine Gesangseinlage darzubieten.

Die Dirigentin Tatjana Grin war nicht sicher, ob man sowas im Dom überhaupt durfte. Man durfte. Zwei Lieder wurden aufgeführt, zur Freude vieler Touristen – und hier nachzuhören, einmal der Hymnus „Agni Parthene“ https://youtu.be/WXRvZg7U2bs und dann noch das der Vorweihnachtszeit angemessene „Stille Nacht“ unter https://youtu.be/ECrI4CMufEs

Über die Alte Hofhaltung war dann der Rosengarten der Neuen Residenz an der Reihe. Der Himmel hellte gerade in diesem Augenblick auf, und der Blick über die Bamberger Dächer faszinierte derart, daß unzählige Selfies und Kammeraufnahmen geschossen wurden.


Die Zeit für alle Sehenswürdigkeiten und Museumsbesuche war knapp bemessen, denn man sollte sich ja auch noch intensiv dem Shopping widmen können. Für so manche der Damen war die Zeit jedoch immer noch viel zu kurz, wie sich am Nachmittag am Sammelpunkt, der Kettenbrücke, herausstellte. Zwei Damen fehlten. Als sie schließlich doch auftauchten, erreichten wir im Affentempo gerade noch pünktlich den Bahnhof und unseren Zug, denn es dauerte eine geraume Zeit, bis die Regio-Bahn in Richtung Erlangen endlich losfuhr. Tja, auf die Bahn ist halt Verlaß, was die Unpünktlichkeit angeht.


Erlangen empfing uns mit unfreundlichem Dauerregen und mit Peter Steger am Bahngleis, der für den weiteren Transfer nach Rathsberg sorgte. Siehe dazu Blog-Bericht https://is.gd/U4vX3k

Für mich persönlich hat sich der Tagestrip mit den supernetten Gästen außerordentlich gelohnt. Danke Sieghard. In zahlreichen Gesprächen konnte ich interessante Gedanken austauschen über das Leben hüben wie drüben, über das Verhältnis zueinander und über so manche persönlichen Dinge. Und zum Schluß für mich der wichtigste Punkt. Ich wurde von den Sängern herzlichst eingeladen, Wladimir wieder zu besuchen. Das zu tun, habe ich auch hoch und heilig versprochen: Zur Einweihung des Pilgerhauses an der katholischen Rosenkranzkirche komme ich mit Bestimmtheit. Vielleicht könnte der Kammerchor sogar diesem Festakt beiwohnen. Wenn das kein guter Gedanke ist!

Peter Steger deutete es während der Jahresversammlung des „Nadjeschda-Hoffnung“-Fördervereins an, dafür eine Reise organisieren zu wollen. Aber schauen wir erst mal, was uns das kommende Neue Jahr bringt: «Поживём — увидим», wie man auf Russisch in solchen Fällen zu sagen pflegt.

Georg Kaczmarek

Max Firgau

P.S.: Siegfried Brückner, künstlerischer Impresario der Gastspielreise des Kammerchors Wladimir, übergab dieser Tage 25 CDs mit der Aufnahme des Festkonzerts vom 1. Dezember in Kirchehrenbach. Die Scheiben nimmt nun Max Firgau am Wochenende mit in die Partnerstadt. Mehr dazu unter: https://is.gd/Dlyc6c

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Wieder einmal schließt sich ein Kreis. Im September vergangenen Jahres, bei ihrem Antrittsbesuch in Wladimir, hatte Susanne Lender-Cassens eine Probe des Kammerchors besucht und, von der Stimmkraft des Ensembles überwältigt, eine Einladung nach Erlangen ausgesprochen. Gestern nun verabschiedete sie begeistert die 25 musikalischen Botschafter der Partnerstadt auf der Bühne des Wohnstifts Rathsberg nach dem letzten, dem vierten Konzert dieser bemerkenswerten Tournee.

Johanna Gelius und Susanne Lender-Cassens

So ein Kreis schließt sich übrigens auch für Johanna Gelius, die bereits 1989 dabei half, im Hotel Transmar, heute NH Hotel, die „Woche der russischen Küche“ auszurichten und in der ersten Hälfte der 90er Jahre die Gastspielreisen des mittlerweile aufgelösten Wladimirer Männerchors zu organisieren. Unvergessen: Ein Sänger im Kammerchor war damals schon dabei…

Jürgen Bachmann und der Kammerchor Wladimir

Vor allem aber schließt nun der Reigen der Veranstaltungen zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft, das die Bürgermeisterin mit ihrem Grußwort noch einmal kurz Revue passieren ließ: Veranstaltungen in Sport und Kultur, Diskussionsrunden, Begegnungen und das Glück, in politisch so angespannten Zeiten diese wunderbare deutsch-russische Freundschaft genießen zu dürfen.

Tatjana Grin

Und schließlich ist da auch noch der Auftrittsort zu nennen. Jürgen Bachmann, Kulturbeauftragter des Wohnstifts Rathsberg, weist in seiner Begrüßung darauf hin. Mit dem Kammerchor Wladimir war gestern – übrigens wieder vor vollem Saal – schon das dritte Ensemble aus einer Partnerstadt zu hören: die Octavians aus Jena, die Bläser von Bozen Brass und jetzt – darf man sagen als Höhepunkt? – die Gäste aus Wladimir, denen am Ende des Auftritts aus der ersten Reihe auf Russisch ein „Kommt wieder!“ entgegenschallte, vom nicht nachlassenden Applaus ganz zu schweigen, den der Chor mit drei Zugaben erwiderte.

Susanne Lender-Cassens und Tatjana Grin

Nur ein Wunsch blieb unerhört, der Ruf eines Zuhörers nach „Kalinka“. Diesem Stereotyp der russischen Folklore entspricht der Chor mit seiner ausgefeilten Stimmführung und dem exquisiten Repertoire nun auch ganz und gar nicht: ein federnd leicht dahergetupftes „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler; ein Broad-Way-taugliches „White Christmas“ von Irving Berlin; eine ergreifende „Stille Nacht“ auf Russisch, Englisch und Deutsch; die alle möglichen und schier unmöglichen Tonlagen umschließenden Stücke von Georgij Swiridow; die fröhlich-frisch intonierten Volkslieder mit ihren wuchtigen Bässen oder die lyrisch-zarten Lieder von Jurij Falik, alles unter dem ebenso sanften wie zupackenden Dirigat einer beseelenden Tatjana Grin.

Bleibt tatsächlich zu wünschen, auf dem Tableau im Eingangsbereich des Wohnstifts Ratsberg möge schon bald wieder die Einladung zu einem Konzert mit dem Kammerchor Wladimir zu lesen sein. Denn, wie es in dem Gedicht „Baku“ von Sergej Jessenin heißt: „Der vorbestimmte Abschied verspricht ein Wiedersehen bald.“ In den nächsten 35 Jahren ist Zeit genug dafür…

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„Warum fahrt ihr denn nach Erlangen, um dort französische Musik zu singen?“ Diese Frage hatte Tatjana Grin, Leiterin des Kammerchors Wladimir immer wieder zu parieren. „Warum nicht Bach oder Schubert?“ Ihre Antwort: „Musik ist doch international, und dann ist da ja auch noch das Gounod-Jubiläum, der Komponist der Cäcilienmesse wäre heuer 200 Jahre alt geworden.“

Kammerchor Wladimir in St. Bartholomäus Kirchehrenbach

Und so studierte denn das Ensemble in den letzten Monaten das Te Deum von Marc-Antoine Charpentier mit der aus der Eurovision so bekannten Ouverture ebenso präzise ein wie die Messe solennelle en l’honneur de Saint-Cécile. So präzise und souverän, daß Norbert Kreiner bei der ersten gemeinsamen Probe mit dem Kammerorchester Herz Jesu und den Erlanger Chören von St. Sebald, Herz Jesu und St. Mauritius Röttenbach keine Mühe hatte, die Stimmen mit den trefflich gewählten Solisten, Eva-Maria Helbig, Elisabeth Böhnert, Johanna Sander, Christopher Kressner und Manuel Krauß in strahlenden Einklang zu bringen. Hier und da eine kleine Anmerkung zu dem einen oder anderen Takt, der ihm zu schnell geriet, oder da und dort, wo ihm noch das besondere festliche Element im Ausdruck fehlte.

Kammerchor Wladimir dem Kirchenchor Herz Jesu, Chorkreis St. Sebald und Mitgliedern der Chorgemeinschaft St. Mauritius Röttenbach

Bei der Aufführung dann aber ein makelloses Zusammenfinden der so unterschiedlichen Gesangstraditionen, eine überragende Aufführung der anspruchsvollen Werke, von denen ein Besucher des Auftritts in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche St. Batholomäus meinte:

Norbert Kreiner und Tatjana Grin

Wir haben lange nicht so ein schönes Konzert wie heute in Kirchehrenbach gehört. Es hat eine tiefe spirituelle Befriedigung gebracht.

Eva-Maria Helbig, Johanna Sander und Tatjana Grin

Es war übrigens, um doch noch auf die Nationalitäten in der Musik zu sprechen zu kommen, kein rein französischer Abend. Den Mittelteil zwischen Marc-Antoine Charpentier und Charles Gounod gestaltete der Kammerchor Wladimir in vollendeter Meisterschaft. Pfarrer Oliver Schütz war gar so begeistert, daß er Tatjana Grin einlud, in seinen Kirchenchor einzutreten. Das Publikum würde das sicher auch begrüßen, denn der Applaus am Ende wollte auch nach der Zugabe der Gäste noch lange nicht enden.

Tatjana Grin und Oliver Schütz

Am Ende eines solch denkwürdigen Abends ist es Zeit für den Dank an die mitwirkenden Ensembles und Solisten, die Organisatoren vor Ort, die Sponsoren, den Kirchengemeinderat, die Lokalpolitik, vor allem aber den beiden Künstlern, die nicht nur das musikalische Programm zusammenstellten, sondern auch bei der Gesamtorganisation des Partnerschaftskonzerts – bis hin zur Familienunterbringung der Gäste – Regie führten: Siegfried Brückner und Norbert Kreiner.

Tatjana Grin und Siegfried Brückner

Weh dem, der für das heutige Festkonzert zum Abschluß der Feierlichkeiten zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir um 17.00 Uhr in Herz Jesu noch keine Karte hat. Bald wird es schnein. Na ja, ganz so ernst sollte man den Anklang bei Friedrich Nietzsche nicht nehmen. Es gibt sicher noch Restkarten an der Kasse zu diesem besten aller möglichen Auftakte für die Adventszeit.

Mehr Bilder gibt es hier zu sehen: https://is.gd/Dlyc6c

 

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Das war schon eine Leistung gestern vom Kammerchor Wladimir: um ein Uhr in der Nacht Abfahrt mit dem Bus, Ankunft am frühen Morgen in Moskau bei minus 15 Grad und Landung gegen 13 Uhr in Nürnberg, Verteilung auf die Gastfamilien in Erlangen und Umgebung, ein wenig Ruhe – und dann, buchstäblich aus dem Stand, das Auftaktkonzert der Tournee mit vier Konzerten in fünf Tagen. Респект – Respekt, wie man es in solchen Fällen gern auch im Russischen sagt.

Siegfried Brückner

Wenn jemandem besonderer Dank für die Gastspielreise gebührt, dann Siegfried Brückner. Der ehemalige Leiter der Sing- und Musikschule Erlangen und des Chorkreises St. Sebald organisierte nicht nur die private Unterbringung der 25 Gäste, er knüpfte auch all die vielen Fäden zu den Auftrittsorten – gestern zu St. Laurentius in Hetzles, morgen zu St. Bartholomäus in Kirchehrenbach und am Sonntag zu Herz Jesu in Erlangen – und stellte vor allem die Kontakte zu den Ensembles her, mit denen der Kammerchor Wladimir am Wochenende auftreten wird: zum Chorkreis St. Sebald sowie zum Kirchenchor und Kammerorchester von Herz Jesu.

Tatjana Grin

Wie erfolgreich die Netzwerkarbeit des Musikers – selbst Organist und Sänger – wirkt, zeigte sich gestern in der gut gefüllten Kirche von Hetzles, wo sich Tatjana Grin und ihr Chor wahre Beifallsstürme ersangen. Verdient!

Hetzles 13

Mit nur kleinen Verschnaufpausen während der kurzen Orgelimprovisationen führte die Dirigentin mit anmutigem Gestus ihr wohlpräpariertes Ensemble durch die geistlichen Meisterwerke der russischen Musikgeschichte von den Klassikern wie Sergej Rachmaninow oder Dmitrij Bortnjanskij bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Jurij Falik oder Georgij Swiridow. Stets ein wenig zurückgenommen, verhalten, ohne die ganze Vokalkraft einzusetzen, um auch im wuchtigsten Forte und dessen Steigerungen im Tutti nicht die filigrane Eleganz der Stimmen in purer Lautstärke zu ersticken.

Kammerchor Wladimir, gesehen von Georg Kaczmarek

„Im Publikum saßen auch einige Sänger“, meinte Siegfried Brückner nach dem Konzert, „und die sind ganz schön neidisch.“ Kein Wunder bei einem Chor mit einem halben Dutzend Solisten, kein Wunder bei einem Ensemble, das so geschlossen auftritt und sich von den Zuhörern nach „Stille Nacht“ als Zugabe noch mit russischen Weihnachtsliedern und einem „Hoch sollt Ihr leben!“ verabschiedet.

Siehe auch hier: https://is.gd/Dlyc6c

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