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Posts Tagged ‘Susdal’


Ende März hatte sich die erneuerte Leitung des 2007 gegründeten „Rates zur Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung“, der dem Präsidenten des Landes zugeordnet ist, konstituiert. Im Führungsgremium – Sergej Sacharow, von 2011 bis 2015 Oberbürgermeister von Wladimir und seit 2016 Oberstadtdirektor von Susdal.

Sergej Sacharow, vierter v.l.

Bei der Jahresversammlung am 5. August in Kirow schlug der Lokalpolitiker nun Wladimir Putin vor, das Finanzsystem für kleine Städte von historischer Bedeutung dahingehend zu ändern, daß ein größerer Anteil der Steuern auf Einkommen, Besitz und Grund vor Ort verbleibt. Bleibe alles wie bisher, fehle das Geld, um – meist ohne viel Gewerbe oder gar Großbetriebe – all die zusätzlichen Aufgaben von touristisch attraktiven Gemeinden zu erfüllen. Vom Gesamtaufkommen der drei genannten Steuern dürfe Susdal bisher gerade einmal 10% im eigenen Haushalt verwenden, der Rest gehe zu 5% an den Landkreis Susdal und zu 85% an das Gouvernement Wladimir. Laut der Nachrichtenagentur RIA habe das Staatsoberhaupt zunächst gescherzt, wenn man in dem Bereich etwas verändere, werde sich jede Kleinstadt als historisch bedeutend erklären, fügte dann aber doch im Ernst dazu, es lohne über den Vorschlag nachzudenken, zumal „wir nur ein Susdal haben“. Und das „russische Rothenburg“ begeht ja 2024 das tausendjährige Gründungsjubiläum, soll also in all seinem historischen Glanz erstrahlen. Durchaus möglich deshalb, daß der gute Rat aus Susdal Wirkung zeigt.

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Auch in der orthodoxen Ostertradition findet sich das Ei als Symbol der Auferstehung Christi und als Objekt, das gläubige Menschen einander schenken. Weniger bekannt aber ist, wie verbreitet man in alter Zeit Straußeneier zum Schmuck von Kirchen nutzte.

Muttergottes-Geburts-Kathedrale mit blauen Türmen

Freilich gingen diese zerbrechlichen Kleinode bei den Plünderungen und Schändungen, spätestens dann bei der weltlichen Nutzung und dem planmäßigen Verfall der Gotteshäuser in der Sowjetperiode in der Regel zu Bruch oder verschwanden bestenfalls als Devisenbringer auf dem Antiquitätenmarkt. Mit wohl einer Ausnahme, wie jetzt das Landesmuseum Wladimir-Susdal anmerkt: In der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Muttergottes-Geburts-Kathedrale, der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammenden zentralen Kirche des Susdaler Kremls, finden sich – einzigartig in ganz Rußland – diese Schmuckstücke noch immer an ihrem historischen Ort in einem weitgehend erhaltenen Interieur:

An insgesamt vier der Leuchter hängen Straußeneier, drei davon unmittelbar vor der Ikonostase, ein dritter näher am westlichen Ausgang.

Behängt waren die Leuchter häufig mit Glöckchen und Kugeln aus Seide, sogar mit Zedernzapfen oder Kokosnüssen und etwa ab dem 16. Jahrhundert eben auch mit Straußeneiern. Woher dieser Brauch kam und ob er tatsächlich mit Ostern zusammenhing, bleibt freilich noch zu entdecken. Bekannt ist die Tradition allerdings vom Athos und von Zypern, angeblich läßt sie sich sogar im Katholizismus und im Islam nachweisen.

Auffällig die aufwendige und für alle vierzehn bis fünfzehn Zentimeter großen Eier gleichartige Halterung mit den Halbschalen unten und oben sowie einem Ring zum Aufhängen und einem anderen, um daran eine Kugel aus vergoldeten Seidenfäden anzubringen. Nach Meinung der Fachleute stammen drei der von russischen Meistern geschaffenen Kunstwerke aus dem 17. Jahrhundert, die übrigen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Schön, daß sie noch heute das Auge des Betrachters erfreuen. Nicht nur zur Osterzeit.

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Es ist zunächst ein Titel ohne Mittel, sich Hauptstadt des Goldenen Rings nennen zu dürfen. Keinerlei Vollmachten verleiht er, geschweige denn Macht und Einfluß. Dennoch erhob Wladimir stets kraft seiner Geschichte als zweite Hauptstadt (nach Kiew und vor Moskau) des altrussischen Reiches, der Rus, den Anspruch auf den Primat unter den acht Schönheiten im nordöstlichen Rußland – Sergijew Possad, Pereslawl-Saleskij, Rostow, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo, Susdal und eben Erlangens Partnerstadt. Doch es sollte anders kommen. Gekrönt wurde nun Ende Dezember vom Föderalen Amt für intellektuelles Eigentum mit dem Patent und  Warenzeichen „Hauptstadt des Goldenen Rings“ das an der Wolga gelegene Jaroslawl. Den Ausschlag für den Zuschlag gab wohl, nach allem, was man hört, just die Lage am größten Strom Europas, aber auch das Vorhandensein eines internationalen Flughafens spielte eine Rolle. Bei derartigen Kriterien der Infrastruktur und Geographie kann Wladimir natürlich nicht mithalten, aber das sollte kein Grund sein, Trübsal zu blasen. Vielmehr sollte man weiter an einem Konzept arbeiten müssen, wie der Goldene Ring insgesamt national wie international touristisch besser erschlossen und bekannt gemacht werden könnte. Die Besucher entscheiden dann schon für sich, wo es ihnen am besten gefällt, wem der dann inoffizielle Titel der Hauptstadt des Goldenen Rings zufällt.

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Wladimir, ein Wintermärchen

Susdal macht vor, wie das geht, indem es nach den Übernachtungszahlen für das Jahr 2016 den „2. Publikumspreis“ gewann. Unter allen touristischen Städten unter 50.000 Einwohnern konnte nur Pljos (wieder an der Wolga) noch bessere Daten vorlegen. Aber immerhin nennt dort ja auch Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew ein stattliches Anwesen sein eigen. Wie und warum auch immer: Im Schnitt lagen die täglichen Ausgaben eines Gastes in Pljos bei 6.580 Rubel, gefolgt von Susdal mit 6.530 Rubel. Ein eher zu vernachlässigender Unterschied, der sicher Jahr für Jahr noch kleiner werden dürfte, denn 2024 feiert die Partnerstadt von Rothenburg o.d.T. ihr tausendjähriges Jubiläum, von dem auch Wladimir profitieren dürfte. Wie gesagt: vis unita fortior.

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Einst waren Engel es, die ihre Flügel breiteten und Winde weckten. In Gottes Gärten schwiegen sie und schritten durch’s tauweiße Land. Jetzt sind es Drohnen, die erheben ihre Schwingen und surrend steigen in den weiten Himmel, die Augen schweifend über all die steingewordnen Träume alter Meister, gebettet auf Wladimirs zauberschöne Erde.

Wladimir aus der Engel-Drohnen-Perspektive

Wladimir aus der Engel-Drohnen-Perspektive

Der Flug geht von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale über den Puschkin-Park zum Goldenen Tor und die Dreifaltigkeitskirche hinab zur Kljasma und weiter nach Bogoljubowo, zu Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl bis nach Susdal. Aufsitzen kann man hier: https://is.gd/Maw568

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Nicht allein an den noch so einzigartig schönen historischen Bauwerken und den atemberaubenden Landschaften soll sich der Tourist in und um Wladimir erfreuen, sondern zunehmend versucht man Gästen der Region auch mit einem Festkalender zu begeistern. Mit immer mehr Erfolg, wie sich nun auch bei der Verleihung der „Russian Event Awards“ in Jelez bei Lipezk zeigte, wo mehr als 200 Fremdenverkehrsprojekte aus den zentralrussischen und nordwestlichen Regionen des Landes im Kampf um die Nominierung für den Nationalpreis gegeneinander antraten.

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Schon mal Lust auf russischen Winter?

Gleich in vier Kategorien wird nun die Region Wladimir Mitte Oktober auf Landesebene ihr touristisches Potential vorstellen können und vielleicht sogar den einen oder anderen Preis einheimsen. Nominiert mit einem zweiten Platz sind jedenfalls in der Kategorie „Kultur“ das „Waldfest“ im Dorf Andrejewo, Landkreis Sudogda; mit einem ersten Platz in der Kategorie „Sport und Tourismus“ das ebenfalls im Landkreis Sudogda ausgetragene Jugend-Eishockey-Turnier; sowie mit einem ersten und dritten Platz in der Kategorie „Förderung von Brauchtum und Handwerk“ das Susdaler „Faschingstreiben mit den Gänsekämpfen“ und das „Troika-Rennen um den Gouverneurs-Pokal“ im Dorf Krutowo im Landkreis Petuschki. Gutes Gelingen!

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Gerhard Behr-Rößler ist auf seinem Weg vom Baltikum am Ziel, in Wladimir, angekommen. Aber die Bilder und Meldungen, die der Soloradfahrer schickt, sind noch von der Strecke, etwa aus Jaroslawl, etwa aus Jaroslawl, jener historischen Stadt, die den Möhrendorfer stark beeindruckt hat, auch mit ihrer Größe und ihren 650.000 Einwohnern.

Jaroslawl

Jaroslawl

15 km rein und 15 km wieder raus – durch den dichten Verkehr, das war nicht einfach. Über Iwanowo ging es weiter nach Susdal, Partnerstadt von Rothenburg o.d.T.

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Gerhard Behr-Rößler in Susdal

Das war ich schon meiner Verwandtschaft schuldig . Meine Frau stammt nämlich aus Rothenburg. Und es hat sich ja auch wirklich gelohnt: ein ganz interessantes Landschaftsbild und viele herausragende Kulturgüter.

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Wenig Respekt vor Kulturgütern zeigte gestern morgen das Wetter in Wladimir. Eines der heuer so häufigen Sommergewitter tobte über der Partnerstadt mit Platzregen, Hagel und Sturmböen. Da kommt es einem Wunder gleich, wenn es nur bei umgestürzten Bäumen, abgedeckten Dächern und nassen Füßen blieb.

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Auch die Sorge um das Erlangen-Haus erwies sich – trotz allem: dem Himmel sei Dank! – als grundlos. Irina Chasowa, die Geschäftsführerin der „deutschen Botschaft“ in Wladimir, konnte beruhigen: „Nur das Internet war kurzfristig ausgefallen, im Keller stand für einige Zeit das Wasser, und zur Arbeit brauchte ich statt einer Viertelstunde fast eine ganze Stunde.“

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Mindesten ein Opfer ist dann aber doch zu beklagen. Eine bis dato unbekannte Untermieterin des Erlangen-Hauses ist im Keller ertrunken, eine Maus, die wohl besser die Seepferdchenprüfung abgelegt hätte. Aber auch Mäuse sind meist erst hinterher klug – oder eben mausetot.

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Das Team der Landesbibliothek Wladimir hat im „Jahr des Kinos“ eine gewaltige Fleißaufgabe erledigt und ein Internetportal erstellt, in dem mehr als 40 Spielfilme versammelt sind, die alle zumindest teilweise in der Partnerstadt oder im Umland gedreht wurden. Man findet die Streifen entweder nach Namen und alphabetisch geordnet oder auch nach den Städten und Orten der Region, wo sie entstanden, vorneweg natürlich Wladimir und Susdal. In der Partnerstadt von Rothenburg o.d.T., manchmal schon das „russische Hollywood“ genannt entstanden beispielsweise 1968 und 2008 große Teile der beiden Verfilmungen des Dostojewskij-Romans „Die Brüder Karamasow“.

Szene aus "Die Brüder Karamasow" auf dem Marktplatz von Susdal

Szene aus „Die Brüder Karamasow“ auf dem Marktplatz von Susdal

Zu jedem Film gibt es eine kurze Inhaltsangabe, die wichtigsten Daten zu Produktion und Rezeption, Bilder von den Dreharbeiten vor Ort und Zeitungsausschnitte mit Kritiken oder Meldungen zu Stand der Aufnahmen. So schreibt etwa am 22. September 1965 die „Komsomolskaja Iskra“ über die Entstehung von „Andrej Rubljow“, des phantasmagorischen Werks von Andrej Tarkowskij:

Die Wladimirer sind schon daran gewöhnt, daß ihre Stadt gewissermaßen als Filiale der Studios von „Mosfilm“ fungiert. Es ist nichts Besonderes mehr, heute auf den Straßen und in den Parks Mönchen, Kriegern oder kampfeslustigen Tataren zu begegnen, alles Akteure des gerade entstehenden Films „Andrej Rubljow“. Kürzlich hat die Gesellschaft „Snanie – Wissen“ die Kinofreunde zu einem Treffen mit dem Drehteam eingeladen. Allerdings waren nur die drei „Säulen“ zugegen, auf denen der Film ruht: der Regisseur Andrej Tarkowskij, der Kameramann Wadim Jussow und der Darsteller von Andrej Rubljow, Anatolij Solonizyn. Sehr interessant war die Schilderung von Anatolij Solonizyn, der zum ersten Mal in einem großen Film spielt.

Szene aus "Andrej Rubljow" vor dem Hintergrund der Demetrius-Kathedrale

Szene aus „Andrej Rubljow“ vor dem Hintergrund der Demetrius-Kathedrale

Doch der später als Meisterwerk eingestufte Streifen stieß gerade auch bei der lokalen Parteiführung auf wenig Verständnis. Am 17. Juli 1969 urteilte der Sekretär des Wladimirer Regionalkomitees der KPdSU nach einer ersten öffentlichen Vorführung:

Nach unserer übereinstimmenden Meinung ist der Film „Andrej Rubljow“ von A. Tarkowskij künstlerisch mißlungen, und man sollte ihn nicht in die Kinos bringen. Vor allem ist die künstlerisch-ideologische Position der Macher des Spielfilms unklar. Der Titel des Films entspricht nicht seinem Inhalt. Im Film fehlt Rubljow als Künstler. Die Architekturdenkmäler – die Demetrius-Kathedrale und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die als Hintergrund für viele Szenen dienen – werden in einem unmöglichen Zustand gezeigt, was Unverständnis hervorruft.

Der Streifen kam denn auch erst im Dezember 1970 in den Verleih.

Szene aus "Das Goldene Kalb", gedreht in Jurjew-Polskij

Szene aus „Das Goldene Kalb“, gedreht in Jurjew-Polskij

Kurzum, http://cinema.lib33.ru erweist sich als wahre Fundgrube für alle des Russischen mächtigen Cineasten und könnte / sollte vielleicht auch den Anstoß für touristische Führungen der Art geben: von Drehort zu Drehort auf den Spuren des russischen Kinos.

 

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