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Posts Tagged ‘Susanne Lender-Cassens’


Gäste aus Wladimir ohne Dolmetscher auf Deutsch begrüßen zu können, passiert Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens nicht bei jedem Empfang. Aber eine Gruppe aus dem Erlangen-Haus bringt natürlich ganz andere Voraussetzungen mit: das Sprachniveau A2 und eine zehnjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.

Gerhard Kreitz und Susanne Lender-Cassens

Am Donnerstag angekommen und auf die Gastfamilien verteilt, stand gestern zunächst einmal auf dem Programm, die gastgebende Volkshochschule kennenzulernen und zu erfahren, was in den kommenden zwei Wochen alles an Kursangeboten und Freizeitmöglichkeiten auf sie wartet. Stets begleitet und betreut vom Freundeskreis Wladimir und dessen Sprecher, Gerhard Kreitz.

Susanne Lender-Cassens und Heide Thies

Nach dem Wochenende in der Fränkischen Schweiz und bei landeskundlichen Exkursionen beginnt dann am Montag für die zwölf Gäste im Club International die Arbeit. Vormittags steht Deutsch auf dem Stundenplan, unterrichtet von Heide Thies und koordiniert von Reinhard Beer, dem Leiter der Sprachenabteilung an der VHS. Ein bewährtes Duo für Wladimir!

Die Gäste und ihre Gastgeber mit Reinhard Beer ganz rechts im Bild

Am Nachmittag und Abend geht es hinaus in das bunte deutsche Leben in und um Erlangen, wo es gilt, die Sprache zu sprechen, Sicherheit in der Praxis zu gewinnen.

Natalia Korssakowa, Dozentin am Erlangen-Haus und Leiterin der Gruppe, mit Susanne Lender-Cassens

Zum Abschiedsabend übernächste Woche hat sich die Bürgermeisterin übrigens schon angekündigt. Da will sie sich persönlich von den sprachlichen Fortschritten der Gäste überzeugen. Die Prüfungsergebnisse werden sicher im Blog nachzulesen sein, aber keine Sorge, ein Rigorosum dürfte das schon nicht werden.

Bilder: Nadja Steger

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„Wenn der Schüleraustausch zunimmt, dann steht’s wohl um die Städtepartnerschaft“, könnte Martin Luther den gestrigen Empfang von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens für die Gäste aus Wladimir kommentiert haben. Wohl steht es um die Städtepartnerschaft aber auch, weil es den Freundeskreis Wladimir gibt, der das Programm für die neunköpfige Besuchergruppe zusammenstellt und weil sich immer wieder Gastgeber finden, die den Aufenthalt überhaupt erst möglich machen – und weil es, wie eine Schülerin, gefragt nach dem größten „Plus“ ihrer Eindrücke von Erlangen, in der Familie die Möglichkeit gibt, Deutsch zu sprechen.

Alexandra Karpowa, Sofia Sedowa und Iwan Samarin

Das mit dem Sprechen fällt noch nicht allen so leicht, aber die Sprache der schönen Geste beherrschen sie alle mit ihren T-Shirts, die den Geist der Partnerschaft so symbolisch zum Ausdruck bringen. Die jungen Gäste mögen noch nicht alles auf Deutsch oder Englisch verstehen, aber sie verstehen sich als Botschafter der Verständigung und ernten von den Gastgebern viel Lob für Betragen, erhalte beste Kopfnoten.

Marina Trubizyna 1

Marina Trubizyna und Susanne Lender-Cassens mit der Gruppe und einigen der Gastgeberinnen

Seit dem 27. Juni halten sich die Gäste in Erlangen auf, um Land und Leute kennenzulernen und die Städte in der näheren und ferneren Umgebung zu erkunden. Morgen schon geht es wieder nach Hause. Und wenn später jemand aus der Gruppe wieder nach Erlangen kommen sollte – wie Iwan Samarin, der schon zum zweiten Mal zum Aufgebot gehört – , dann sicher nur, weil es wohl um die Städtepartnerschaft steht.

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Eigentlich hat in der Russischen Föderation seit einigen Jahren jedermann das Recht auf palliative Versorgung. Aber so wie es da auch in ländlichen Gegenden der Bundesrepublik mancherorts noch Mängel gibt, fehlt es in der Region Wladimir noch an der ambulanten Palliativversorgung und einem Hospiz.

Margarita Makarowa, Marina Krylowa und Anette Christian

Nachdem Marina Krylowa, die ärztliche Direktorin, und Oberschwester, Margarita Makarowa, vom einzigen Wladimirer Krankenhaus mit einer fünfzehn Betten zählenden Palliativstation drei intensive Tage lang bei ihren Erlanger Kollegen am Universitätsklinikum hospitiert hatten, blieb noch Zeit, mit Stadträtin Anette Christian über die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Stadt und Landkreis zu sprechen. Etwas in der Art könnte man auch bald schon in Wladimir aufbauen, so Marina Krylowa, denn – nicht anders als hierzulande – die Pflege findet größtenteils zu Hause statt, wo es an fachkundiger Unterstützung fehlt.

Marina Krylowa, Susanne Lender-Cassens und Margarita Makarowa

Schwieriger werde es dann schon, wie die Besucherinnen bei einem Treffen mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens einräumen, mit dem Aufbau eines ehrenamtlichen Dienstes. Dafür seien die gesellschaftlichen Voraussetzungen noch nicht geschaffen. In diese Bresche springt ja das Wladimirer Rote Kreuz dank der Unterstützung des Erlanger Fördervereins mit seinem Programm „Häusliche Pflege“.

Ute Schirmer, Kristina Kapsjonkowa, Marina Krylowa und Margarita Makarowa

Tief beeindruckt waren die Gäste schließlich vom Besuch der Diakonie am Ohmplatz mit ihrem Hospiz. Begleitet von Ute Schirmer, dem Hospizverein von Beginn an eng verbunden, und Kristina Kapsjonkowa aus Wladimir, die derzeit eine Ausbildung am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde macht, konnten die beiden nicht nur die Einrichtung besichtigen, sondern auch viel über Struktur und Organisation erfahren. Genug jedenfalls, um sich sicher zu sein: „Wir brauchen auch in Wladimir ein Hospiz!“ Bis dahin wird es noch ein weiter Weg sein, aber schon im Juni will zu den Themen „Palliativmedizin und Hospiz“ eine Erlanger Delegation in die Partnerstadt reisen und die russischen Fachleute kollegial bei den nächsten Schritten begleiten. Übrigens unterstützt auch aus Jena, wo Marina Krylowa und Margarita Makarowa gestern die Palliativstation des Universitätsklinikums besuchten, bevor sie heute wieder den Heimweg antreten.

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Im Kreis seiner „Wilden 13“, seines Teams vom Bürgermeister- und Presseamt, nahm gestern abend im würdigen Rahmen des Schlosses zu Tennenlohe Herbert Lerche Abschied von seinem Dienst, den er seit Herbst 1969 mit, wie es Oberbürgermeister Florian Janik formulierte, „einer großen inneren Ruhe und einem weiten Überblick, unglaublich gut vernetzt mit der Verwaltung und der Stadtgesellschaft“ versah, vor allem in den 17 Jahren als stellvertretender Leiter der Bürgermeister- und Presseamtes, bis er 2003 das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt übernahm und 2012 als Nachfolger von Helmut Schmitt an die Spitze des Bürgermeister- und Presseamtes zurückkehrte. Vier Oberbürgermeistern – Heinrich Lades, Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis und Florian Janik – hat er über all die Jahre treu gedient, und für seine vielen Mannschaften zeigte er sich in all den wechselnden Positionen immer als Libero mit viel Gespür für die jeweiligen persönlichen Stärken in seiner „Elf“. Genug Stoff für eine Sonderausgabe vom „Rathausplatz 1“ in einer Auflage von 300 Exemplaren in einmaliger Erscheinungsweise, kostenlos verteilt vom Zeitungsjungen Andrea Kaiser – mit einem Artikel mit dem Titel „Herbert Lerche und Wladimir“ aus der Feder von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Peter Steger:

Herbert Lerche im Blauen Himmel, Wladimir, Juni 2016

Herbert Lerche im Blauen Himmel, Wladimir, Juni 2016

Zu den vielfältigen Aufgaben, die Herbert Lerche bearbeitete, gehörte ab 1983 der ebenso brisante wie spannende Start der Städtepartnerschaft mit Wladimir. Bevor Dagmar Paliwal und Peter Steger ab der zweiten Jahreshälfte 1987 den Kontakt übernahmen, war es Herbert Lerche, der die ersten vier, besonders heiklen und intensiven Jahre der Partnerschaft mit großem Engagement und viel Fingerspitzengefühl betreute:

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Da war die Reise der ersten Erlanger Stadtratsdelegation nach Wladimir vom 28. Juli 1983 zu organisieren, der noch im gleichen Jahr Besuche der Volkshochschule, der Gewerkschaft ÖTV und Anfang Juni 1984 einer Jugendleiterdelegation folgten. Zu einer schwierigen, aber rundum gelungenen Bewährungsprobe wurde für Herbert Lerche und das Team des Bürgermeisteramtes dann der Besuch der ersten offiziellen Delegation aus Wladimir in Erlangen vom 18. bis 24. Juni 1984, gipfelnd in einem mutigen Austauschprogramm für die Jahre 1984 bis 1987, darunter das große Turnerfest mit Eberhard Ginger und den Wladimirer Olympiasiegern.

Andrea Kaiser als Zeitungsjunge

Andrea Kaiser als Zeitungsjunge

Der gegenseitige Austausch nahm Fahrt auf und fand mit den Kultur- und Sporttagen in Wladimir vom 7. bis 13. September 1986 mit über 100 Gästen aus Erlangen seinen Höhepunkt. Zur Vorbereitung dieser wiederum bestens gelungenen Veranstaltung war Herbert Lerche zusammen mit Georg Leipold und Herbert Halbgebauer vom Kulturamt nach Wladimir gereist. Ja, und auch die förmliche Besiegelung der Partnerschaft, die im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage in Erlangen vom 29. Mai bis 4. Juni 1987 erfolgte und zu der die zweite offizielle Delegation aus Wladimir mit insgesamt 80 Aktiven aus Sport und Kultur angereist war, hat Herbert Lerche maßgeblich mitorganisiert.

Sabine Lotter und Silvia Klein mit Herbert Lerche

Sabine Lotter und Silvia Klein mit Herbert Lerche

Das große persönliche Engagement des stellvertretenden Amtsleiters zeigte sich auch darin, mit welchem Erfolg er zusammen mit Klaus Wrobel 1984 an der VHS den Freundeskreis Wladimir gründete und viele Jahre intensiv betreute. Kein Zweifel: Herbert Lerche hat sich um die zunächst von vielen für utopisch gehaltene lebendige Bürgerpartnerschaft mit Wladimir sehr verdient gemacht.

Dietmar Hahlweg und Peter Steger

Herbert Lerche, umgeben von Elisabeth Preuß, Florian und Sylvia Janik, Gabriele Lerche, Sabine Lotter, Dietmar und Heidi Hahlweg, Marlene Wüstner und Susanne Lender-Cassens

Herbert Lerche, umgeben von Elisabeth Preuß, Florian und Sylvia Janik, Gabriele Lerche, Sabine Lotter, Dietmar und Heidi Hahlweg, Marlene Wüstner und Susanne Lender-Cassens

Ein russisches Sprichwort sagt: „Wo andere Menschen ihre Seele haben, da tragen Beamte nur ihre polierten Knöpfe zur Schau.“ An Herbert Lerche zeigt sich, wie sehr der Volksmund irren kann. Nie hat der am 8. Mai 1952 geborene Erlanger – so oft man ihn auch auf dem Fahrrad sieht – nach oben gebuckelt und nach unten getreten, und gerade die Städtepartnerschaften verdanken seinem von Vertrauen geprägten Führungsstil ihr reibungsloses Funktionieren auf der Ebene der Verwaltung, ein in seiner Bedeutung oft unterschätztes Element, das wesentlich zum Erfolg beiträgt. Einen guten Chef zeichnet aber vor allem eines aus: die gute Regelung der eigenen Nachfolge. So wie Helmut Schmitt erst zu einem richtig guten Chef wurde, als es ihm gelang, mit seinem Ausscheiden Herbert Lerche zurück ins Bürgermeister- und Presseamt zu holen, so bewies dieser so recht, wie gut er ist, als er erfolgreich Sabine Lotter als künftige Leiterin der Erlanger „Staatskanzlei“ vorschlug. Gut für das ganze Team und sicher gut für die Partnerschaft mit Wladimir und den anderen Städten und Gemeinden in aller Welt.

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Frei nach Bob Dylan zeigt sich der Rockband-Austausch mit Wladimir gerade heuer, in seinem siebten Jahr, „forever young“, und die Formation aus der Partnerstadt, die heute abend ab 22.25 Uhr auf der Club Bühne steht, entspricht nachgerade idealtypisch den Anforderungen des Newcomer Festivals. Das Duo Free Fire gibt es nämlich erst seit März, und der Sänger, Sachar Usenko, ist just bei seiner Ankunft in Erlangen am Mittwoch ganze elf Jahre alt geworden.

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko

Entdeckt hat die junge Stimme mit dem Gitarristen und Sänger Dmitrij Wladimirow jemand, der bereits vor zehn Jahren die erste eigene Band gründete und seit seinen drei Besuchen in Erlangen in wechselnder Besetzung von Stephan Beck, Leiter des Amts für Stadtteilkultur und Kulturförderung als Verbindungsmann in Sachen Rockmusik gehandelt wird. Damals freilich, vor einem knappen Jahr, sang sein musikalischer Ziehsohn noch eher lyrische Lieder und Werke der leichten Muse.

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko und Dmitrij Wladimirow

Dabei brannte der Schüler doch schon lange für Rockmusik, wie Dmitrij Wladimirow – ihm waren Stimme und Stimmung des Nachwuchsinterpreten bei einer Veranstaltung aufgefallen – zu seiner eigenen Freude gleich beim ersten Gespräch mit Sachar Usenko entdeckte. Von dieser ersten Begegnung war es dann nicht mehr weit bis zur Gründung von Free Fire im März diesen Jahres. Und nun schon das Gastspiel in Erlangen mit einem ersten Auftritt am Donnerstag im E-Werk bei „Umsonst und Drinnen“, eine gelungene Generalprobe für die beiden – und besonders natürlich für Sachar Usenko, der Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang mit seinem verschmitzten Lächeln erzählt, er singe zwar jetzt zum ersten Mal im Ausland, aber er habe auch schon an dem Wettbewerb „Offiziersbrücke“ auf einer Fähre in der Ostsee teilgenommen – und, wie er dann mit witzblitzendem Augenaufschlag nachreicht, den ersten Platz gewonnen.

Stephan Beck und Sachar Usenko

Stephan Beck und Sachar Usenko

Mag der Junge auch ein Naturtalent sein, ohne Förderung in der Familie ist derlei kaum denkbar. Alexander Usenko, der seinen Sohn begleitet, erzählt denn auch gern davon, wie er in seiner Jugend den Rock entdeckte, ebenso wie seine Frau eine musikalische Ausbildung machte und im Freundeskreis gern Jazz singt. Da verwundert es nicht weiter, wenn der Sängerknabe auch Klavier spielt und eine Musikschule besucht, wo es gilt, auch Stücke von Ludwig van Beethoven zu spielen, der freilich spätestens seit Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ auch vom Rock vereinnahmt ist.

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Alexander und Sachar Usenko mit Dmitrij Wladimirow

Bleibt noch hinzuzufügen: Das Repertoire von Free Fire setzt sich aus gecoverten Rock-Classics, aber auch eigenen Stücken zusammen, und es gibt bereits Pläne, eine richtige Band um das Duo herum aufzubauen. Man traut es den beiden zu, und wenn Sachar weiter so fleißig Deutsch lernt wie in den ersten drei Monaten am Gymnasium, sieht man ihn sicher nicht nur bald auf der Bühne wieder, sondern auch beim Schüleraustausch. Der Junge hat jedenfalls noch viel vor und noch viel mehr vor sich.

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Am 18. August https://is.gd/6W0zua gab der Blog das Versprechen, demnächst Augenzeugen des Jugendaustausches zu Wort kommen zu lassen, den der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Erlangen mit seinen Partnern aus Wladimir – der Staatlichen Universität, der Rosenkranzgemeinde und der Orthodoxen Erzdiözese – so erfolgreich veranstaltet. Es hat ein wenig gedauert, aber nun sind sie zu hören, die Stimmen der Jugendlichen aus den Partnerstädten: 

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Als wir unsere Koffer packten blickte jeder von uns unterschiedlich auf das, was uns erwartete: Wer das erste Mal am Austausch teilnahm, wagte den Schritt ins Unbekannte. Doch alle, die bereits zum zweiten oder dritten Mal fuhren, erlebten schon den Vorgeschmack und die Vorfreude auf die Gefühle und Emotionen, die noch vom letzten Austausch nachhallten.

Irina

Etwas ausführlicher berichtet Sabrina Pfau von den Begegnungen:

Am Mittwoch fuhren wir gemeinsam nach Callenberg, um unser diesjähriges Quartier zu beziehen. Wie schon im letzten Jahr, wohnten wir gemeinsam mit unseren Gästen in einem Jugendhaus. Das charmant rustikale Pfadfinderheim in der Nähe von Coburg lag idyllisch mitten im Wald, und praktischerweise konnten wir den angrenzenden Zeltplatz auch mitnutzen. Nach der ersten hektischen Einkaufstour für die abendlichen Lunchpakete, ging es für einen kleinen Teil von uns mit einem Reisebus weiter zum Münchner Flughafen. Dort sammelten wir einen Haufen leicht übermüdeter Russen ein. Die scheinbar endlos dauernde Ausweiskontrolle, wegen eines verlorenen Gepäckstücks vergossene Tränen und die fehlende Heizung im Bus gestalteten den Anfang der Woche etwas holprig. – Jedoch war das leicht mit einer ordentlichen Mütze Schlaf und einem guten Frühstück wieder behoben. Johannes und Alice, unser fabelhaftes Küchenteam, hatten sich voll und ganz auf die russischen Gaumen eingestellt, und daher gab es jeden Tag Kascha und Tschaj in rauhen Mengen. Der Rest der Woche glich jedoch ganz einer typisch deutschen Jugendfreizeit, kurz unterbrochen von Museumsbesuchen, Stadtbesichtigungen und natürlich Shoppingtouren. So starteten wir jeden Morgen mit einem gemeinsamen Impuls, und vor dem gemütlichen Beisammensein am Lagerfeuer, rundeten wir den Tag mit einem Abendimpuls ab.

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Ganz in diesem Sinne hatten wir Kennenlernspiele und eine Stadtralley durch Coburg vorbereitet. Danach ging es zu unserer ersten Geschichtseinheit. Wir besuchten eine Informationsstelle zur deutsch-deutschen Teilung in Neustadt. Ein Thema, für uns alle besonders spannend, weil es von jemandem erzählt wurde, der alle Phasen selbst miterlebt hatte. Zu Hause angekommen, vertieften wir das Gehörte nochmals, erzählten von eigenen Erlebnissen und diskutierten über Gründe und Ursachen. Abends ging es dann der Sprachbarriere an den Kragen. Spielerisch brachten wir uns gegenseitig erste Worte und Phrasen bei und beschrifteten alle möglichen Dinge und Räumlichkeiten. Wenn es dann doch mal etwas komplexer wurde, hatten wir aber immer noch unsere liebe Natalia Dumnowa zum Übersetzten dabei. Die Deutschlehrerin am Sprachlernzentrum des Erlangen-Hauses war als Dolmetscherin dabei und stand uns rund um die Uhr zur Seite.

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Am Freitag stand Ahorn auf dem Programm. Dort besichtigten wir die Wefa, eine soziale Einrichtung der Diakonie. Hier arbeiten Menschen mit Behinderung in der Metallverarbeitung, in Großküchen, in der Landwirtschaft und vielen anderen Bereichen. Wir erhielten dank der großartigen Führung einen einmaligen Einblick in diese doch etwas andere Arbeitswelt. Bei der Besichtigung des Werkes stießen wir dann auch noch auf einen ukrainischstämmigen Praktikanten. So wie er von unserer russischen Gruppe umringt war und ausgefragt wurde, war klar erkennbar: Er hatte viel Spannendes zu erzählen. Nachmittags widmeten wir uns dann dem Ehrenamt, sozialen Engagement und der Jugendarbeit. In Kleingruppen unterhielten wir uns darüber, wie diese Themen bisher das eigene Leben beeinflussen, oder was sie vielleicht einmal in uns bewirken. Schnell war klar: Die Strukturen auf beiden Seiten gleichen sich kaum, und wir verstehen ganz unterschiedliche Dinge unter diesen Begriffen.

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Am Samstag starteten wir in unser traditionelles Äktschen- und Relax-Wochenende. Eine feuchtfröhliche Kanutour auf dem Main, entspanntes Planschen in der Therme oder eine abenteuerliche Erkundung der Schönsteinhöhle – es war für jeden etwas dabei, und zum Ausklang des Tages hatten alle viel zu erzählen und erlebten bei einem gemütlichen BBQ viel Lagerfeuerromantik.

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Am Sonntagmorgen überforderten wir unsere Gäste mit einem deftig bayrischen Weißwurstfrühshoppen. Da dazu auch das ein oder andere Weizen gehört, ließen wir den Tag dann etwas entspannter angehen. Wir boten unterschiedliche Workshops an und genossen die Sonne, die sich endlich mal wieder blicken ließ. Die einen bastelten Drachen, die anderen bauten einen Backofen aus Naturmaterialien oder lernten Jonglieren, Karate oder Joga. Der Tag wurde auch jedem von uns von einem „geheimen Freund“ versüßt, eine kleine Aktion, die Natascha am Abend vorher angeleitet hatte. Jeder zog einen Namen und hatte die Aufgabe, dieser Person am kommenden Tag etwas Gutes zu tun, ohne merken zu lassen, von wem die kleine Aufmerksamkeit stammt. Eine wunderschöne Aktion, die unsere Gruppe etwas näher zusammenkommen ließ. Entweder, weil man jemanden bat, einen Brief zu übersetzen, beim Verstecken zu helfen oder, um etwas über die Vorlieben des „geheimen Freundes“ zu erfahren. Am Abend ging es für alle, die Lust hatten in eine katholische Abendmesse, und danach wurde nochmal ein Feuer angeschürt.

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Was uns konkret erwartete? Coburg, Bamberg, Nürnberg, Erlagen, München: Wohin wir auch kamen, erkundeten wir alle Ecken und besichtigten die erstaunlichsten Plätze. Wir besuchten das Museum an der einstigen Grenze zwischen DDR und BRD, das Dokumentationszentrum auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, Schloß Callenberg, eine Einrichtung der Lebenshilfe, Bierkeller, das BMW-Museum, die Pinakothek der Moderne… Doch das alles war bei Weitem nicht das Wichtigste. Das Wichtigste war die Möglichkeit, sich auszutauschen: bei „Rent a Russian“, auf dem „Äktschn-Wochenende“, beim Singen von Liedern zur Gitarre am Lagerfeuer, beim Genießen der traditionellen Küche, in den Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen, beim Meinungsaustausch. Die Sprachbarriere und andere Unterschiede hielten uns nicht davon ab, viel Neues übereinander zu lernen. Das, was uns zu Beginn noch fremd erschien, wurde für uns mit der Zeit zu einer richtigen Familie. Wir überwanden alle Stereotypen, und Deutschland wurde uns zur zweiten Heimat.

Irina

Jutta Schnabel und die

Jutta Schnabel und die „Jugendaufstellung“

Und Jutta Schnabel, ehrenamtliche Cheforganisatorin des Austausches, ergänzt:

Die zweite Woche ging geschichtsträchtig los mit einem Ausflug nach Nürnberg, wo der Besuch des Dokuzentrums schon zum traditionellen Programmelement geworden ist. Dieses Jahr wollten wir allerdings die Eindrücke des Museumsbesuches nicht unreflektiert lassen und tauschten uns deswegen in einer Einheit, in der wir der „Botschaft der Steine“ nachspürten, über die Wirkung von Bauten und Propaganda aus. Fast jeder konnte danach etwas dazu beitragen, welche Bruchstücke der Weltkriegsgeschichte noch heute in den Familien exisieren und nachwirken. Wie man mit Steinen auch etwas Gutes bauen kann, bekräftigten wir danach gemeinsam in unseren Wünschen im „Denkmal der Zukunft“, das wir auf unserer Wiese errichteten.

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Einer der Höhepunkte des Programms war, wie immer, das „Rent a Russian“, also ein Nachmittag, in dem Kleingruppen von zwei bis drei unserer russischen Teilnehmer gemeinsam eine Familie zu Hause besuchen konnten, um ein klein wenig Alltag zu erleben. Von einer Motorradtour über den Besuch im Walderlebniszentrum bis zum gemütlichen Grillabend war alles dabei. An dem Tag fand auch der obligatorische Besuch des Rathauses statt, wo wir sehr nett von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens empfangen wurden.

Rent a Russian

Rent a Russian

Und dann war es schon fast wieder Zeit, Abschied zu nehmen. Wir räumten das Haus auf, schauten nochmal kurz in Bamberg vorbei, um die schöne Stadt zu genießen, und blieben dann noch für zwei kurze Nächte in München, um den Weg zum Flughafen abzukürzen und die andere Seite von Bayern auch mal anzusehen. Nach einigen Besuchen in den verschiedenen Biergärten – natürlich vor allem zum Essen! – und einer kurzen Tour durch die Museen der eigenen Wahl sagten wir mit einem Lebkuchenherz für jeden nach zwölf anstrengenden, aber wunderbaren Tagen Servus zu unseren Freunden. Doch der Abschiedsschmerz verhallte bald, denn als nächstes stand auf der Aufgabenliste: Flugtickets kaufen für unsere Fahrt nach Wladimir!

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Seit Mitte der 90er Jahre pflegt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Erlangen den regelmäßigen Austausch mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir. Diese Begegnungen werden immer mehr zu interkonfessionellen Treffen, denn es nehmen auch russisch-orthodoxe Heranwachsende sowie vermehrt Studenten der Religionswissenschaft an der Universität der Partnerstadt teil.

Susanne Lender-Cassens und Natalia Dumnowa

Susanne Lender-Cassens und Natalia Dumnowa

Gestern nun, gegen Ende des diesjährigen Besuches und nach einer intensiven Woche in einem Jugendlager bei Coburg, wurden die 20 Gäste im Rathaus von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens empfangen, die sich über den Austausch besonders angesichts rapide zurückgehender Zahlen bei den deutsch-russischen Jugendbegegnungen und beim Schüleraustausch nur freuen konnte. Zumal für den Herbst der Gegenbesuch aus Erlangen in Wladimir ansteht. Auch wenn der politische Wind allen ins Gesicht weht, bleiben Erlangen und Wladimir weiter auf Freundschaftskurs.

Empfang im Ratssaal

Empfang im Ratssaal

Ein frühes und unerwartetes Wiedersehen gab es übrigens mit Natalia Dumnowa, die am Erlangen-Haus Deutsch unterrichtet und als Teilnehmerin an der Dozentengruppe Ende Juli spontan ihre Bereitschaft erklärt hatte, für die kurzfristig ausgefallene Dolmetscherin einzuspringen und die Jugendlichen zu begleiten.

Empfang im Ratssaal; Bilder von Georg Kaczmarek

Empfang im Ratssaal; Bilder von Georg Kaczmarek

Mehr zum Inhalt des Treffens von Augenzeugen demnächst hier in Ihrem Blog.

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