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Posts Tagged ‘Stiftung West-Östliche Begegnungen’


Jetzt gibt es ihn doch noch nachgereicht, den Bildbeweis aus Düren zum gestrigen Beitrag über die XV. deutsch-russische Städtepartnerkonferenz. Nach dem Verlust der Kamera des Blog-Bildreporters konnte Jewgenij Sacharjewitsch vom Quartett WladJenaTeam aushelfen.

Peter Steger, Monika Tharann und Bill Boerum

Das gibt auch Gelegenheit zu einem schriftlichen Nachtrag. Die Arbeitsgruppe 6 mit dem Thema „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften – Wege der Verständigung – Wege zum Frieden“ bot unter der Moderation von Monika Tharann, der Geschäftsführerin der Stiftung West-Östliche Begegnungen nämlich nicht nur Gelegenheit zur Vorstellung des Dreiecks Erlangen-Wladimir-Jena. Eingeladen waren auch Abdul Kahn, stellv. Vorsitzender des Stadtrats von Coventry in England und Mitglied im internationalen Städtenetzwerk Peace Messenger Cities, und Bill Boerum aus Washington, Vorsitzender a.D. der Sister Cities International. Gerade weil während des Kongresses so manche Spitze gegen die Politik Großbritanniens und der USA zu hören war, hätten die Beiträge der beiden Politiker mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Podium verdient. Wer weiß denn schon, daß Stalingrad, das heutige Wolgograd, und Coventry sich als Symbole der Zerstörungswut im Zweiten Weltkrieg noch vor der Kapitulation des Dritten Reiches partnerschaftlich verbanden? Und wo liest man sonst von den Aktionen der Verständigung mit russischen Kommunen seitens amerikanischer Organisationen. Eine Volksdiplomatie, eine Bürgerverständigung, die es kaum in die Schlagzeilen schafft, dafür aber Menschen zusammenbringt, die im Innersten zusammenhalten, was den Frieden jenseits der großen Politik möglich und erlebbar macht.

Thomas Stroukov, Jewgenij Sacharjewitsch, Alina Wedechina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Jewgenia Bykowskaja und Jekaterina Ragusina

Und damit sind wir wieder beim WladJenaTeam, das es nun mit seinem eigenen Kanal auf youtube https://is.gd/fOewMK selbst in der Hand hat, auf sich aufmerksam zu machen – mit der administrativen und politischen Unterstützung von Alina Wedechina in Wladimir und, soweit erforderlich, auch seitens ihrer Erlanger Kollegin, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß. Und inhaltlich nehmen die Jugendlichen von der Tagung in Düren sicher das Thema „75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus“ als Anregung mit nach Hause, um zu dieser 2020 anstehenden Frage einen eigenen Beitrag zu gestalten.

Mehr Bilder und Berichte zu der Konferenz, die gestern zu Ende ging, finden Sie hier auf der Facebook-Plattform des Deutsch-Russischen Forums, des bewährten und verdienten Ausrichters der Veranstaltung: https://is.gd/2YZ1C5

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Vom 28. August bis 2. September besuchte eine Delegation der Stadt Jena das partnerschaftlich verbundene Wladimir. Die Reise knüpfte an die einjährigen Kooperationsbemühungen im Bereich Gesundheit und Pflege an und war eingebettet in einen mehrjährigen, lebendigen Austausch. Angeführt wurde die Delegation von Norbert Hebestreit, Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Jena, begleitet von Iwan Nisowzew, Vorstand der Eurowerkstatt Jena e. V., Johanna Großer, Studentin am Institut für Slawistik, Dagmar Kunze, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena, sowie Andreas Dippl, Bereichsleiter für Pflege und Soziale Dienste beim Deutschen Roten Kreuz Jena-Eisenberg-Stadtroda. Ebenfalls mit im Reiseteam – Ramona Schumacher, Sektionsleiterin Pflegewissenschaft am Koch-Metschnikow-Forum Berlin, begleitet von ihrem Mann Bernd.

Ziel des Besuches war die Weiterentwicklung der Kooperation zwischen der Berufsschule für Gesundheitsfachberufe Wladimir und den eingebundenen deutschen Partnerinstitutionen. Im Mittelpunkt der Kooperationsabsichten stehen Austauschprogramme für Schüler, Fach- und Lehrkräfte beider Schulen und angebundener Kliniken sowie gemeinsame Forschungsprojekte im niedrigschwelligen, drittmittelgeförderten Bereich. Entsprechend der vorgenannten Felder potentieller Projekte der Zusammenarbeit stellten die Gastgeber ein umfassendes Angebot an Besichtigungen fachlich unterschiedlich ausgerichteter Kliniken und Versorgungszentren zusammen. Hierzu zählen die Städtische Klinik für Notfall- und Unfallversorgung (Rot-Kreuz-Krankenhaus), das Zentrum für Tuberkuloseprävention und -behandlung, das Regionale klinische Onkologiezentrum sowie das Regionale Zentrum für Transfusionsmedizin. Neben dem fachlichen Austausch mit den jeweiligen leitenden Medizinern und Pflegekräften wurden auch Perspektiven des Austauschs von Fachleuten zu Hospitationszwecken eruiert und gegenseitige Fragen zum Schwerpunkt Fachausbildung erörtert.

Empfang im Rathaus mit Olga Dejewa

Von besonderer Bedeutung war der Empfang durch Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Rathaus, begleitet von der Leiterin des Roten Kreuzes, Olga Antropowa, und von Jelena Gusjewa, Vorsitzende des Euroklubs, einer Partnerorganisation der Eurowerkstatt Jena e. V. im Bereich Jugendaustausch. Frau Dejewa betonte ausdrücklich das Interesse ihrer Stadt an einem Auf- und Ausbau der Kooperationen zwischen Wladimir und Jena insgesamt und insbesondere im Bereich Gesundheit und Pflege, da die fachlichen Voraussetzungen und die zukünftigen Herausforderungen auf russischer wie auch auf deutscher Seite gleichermaßen hoch seien.

Norbert Hebestreit

Diesen Gedanken vertiefend, fand in der einladenden Berufsschule für Gesundheitsberufe unter Leitung der Direktorin, Inna Morosowa, die erste gemeinsam vorbereitete wissenschaftlich-praktische Fachkonferenz statt. Diese Tagung erwies sich aus fachlicher und kooperationsbezogener Sicht zweifellos als der Höhepunkt der Delegationsreise: aus beiden Ländern wurden Bildungsstandards, Curricula der unterschiedlichen Ausbildungsberufe und wissenschaftliche Projekte der Pflege- und Gesundheitsfachberufe präsentiert und als Impuls für einen intensiven – sprachmittlerisch herausfordernden – Fachdialog aufgegriffen. Die im Kreis der Fachkonferenz unter Pädagogen geführten Diskussionen setzte der kleine Kreis der Kooperationsentwickler – also die Leitungsebene der beteiligten Einrichtungen – im Hinblick auf zentrale Themen der zukünftigen Zusammenarbeit fort.

Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, und Norbert Hebestreit

Neben den fachlichen und kommunalpolitischen Programminhalten wurden die Delegationsmitglieder erneut Zeugen der ausgeprägten Gastfreundschaft und hohen Wertschätzung durch die Gastgeber. Ein den Arbeitsteil weit umspannender, kultureller und kulinarischer Anteil des Gesamtprogrammes führte die Teilnehmer gemeinsam mit den russischen Kollegen unter anderem nach Susdal, der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Ringes, zu den architektonischen Denkmälern der Stadt Wladimir und an den neu erbauten und zum diesjährigen Stadtfest eingeweihten musikalischen Springbrunnen – magnetischer Anziehungspunkt für die gesamte Stadtbevölkerung.

Ausflug nach Susdal

Diese Mischung aus fachlichem Austausch, freundschaftlicher Begegnung und kultureller Erfahrung hinterließ einen tiefen Eindruck bei den Mitreisenden und ist zugleich Impulsgeber für die Zukunft der Zusammenarbeit beider Städte.

Inna Morosowa und ihre Gäste aus Jena

Die Reise fand im Rahmen des Jahres der Deutsch-Russischen kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/18 statt, wurde gefördert durch die Stadt Jena, die Stiftung West-Östliche-Begegnungen e. V. und das Koch-Metschnikow-Forum Berlin e. V. und organisatorisch vorbereitet, begleitet und nachbereitet durch die Eurowerkstatt Jena e. V.

Dr. Norbert Hebestreit, Delegationsleiter, Johanna Großer, Programmkoordination, Iwan Nisowzew, Delegationsleitung

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Auf dem Roten Platz

„Schüleraustausch ist die unverzichtbare Grundlage unserer so intensiven Partnerschaft“, lautet das Credo von Bürgermeister Gerd Lohwasser, zu dem er sich bei seinem Treffen mit den Lehrerinnen der Wladimirer Partnerschulen in der letzten Woche im Erlangen-Haus bekannte, Klaus Watzinger, bis vor kurzem stellvertretender Direktor des Gymnasiums Fridericianum, kam gleich nach seiner Rückkehr aus Wladimir  Anfang November in heller Begeisterung zum Partnerschaftsbeauftragten ins Büro und berichtete von einem Austausch, wie er ihn in Jahrzehnten seiner pädagogischen Erfahrung noch nie erlebt habe. Wenige Tage später erschien ein Schüler mit seiner Mutter im Rathaus und fragte nach, wie er schnellstmöglich wieder nach Wladimir fahren könnte. Und nun hat er schon eine kleine Gruppe zusammen, die mit Einverständnis der Eltern und Lehrer über Ostern auf eigene Faust in die Partnerstadt reisen möchte. Was kann man sich mehr wünschen?! Die Mühen von Christiane Krautwurst und Klaus Watzinger bei Vorbereitung und Durchführung des Austausches haben sich mehr als gelohnt. Doch lesen wir, was sie selbst zu berichten haben von ihrer Reise Ende Oktober / Anfang November:

2.670 Kilometer bis Rothenburg o.T. steht auf dem Straßenwegweiser in Susdal, rund 230 km östlich von Moskau. Die mittelalterliche russische Hauptstadt Susdal ist Partnerstadt des mittelfränkischen Rothenburg. Weit? Nein, die gefühlte Entfernung wird in den letzten Jahren immer kürzer.

Gemeinsam aus

Seit 2002 besteht ein Austausch zwischen dem Gymnasium Fridericianum und der Schule Nr. 17, anfangs noch in kleineren Gruppen von  Lehrern, Eltern und einzelnen Schülern gepflegt. Seit Sommer 2005 besuchen sich Schülergruppen, begleitet von zwei oder drei Lehrer-Kollegen gegenseitig, wohnen in Gastfamilien und bekommen so ganz fühlbar nah Einblick in das Leben in beiden Ländern. Die ersten Gäste kamen noch mit dem Transkontinentalbus in einer über zwei Tage langen Reise über Minsk, Warschau, Nürnberg. Inzwischen fliegen wir alle zwischen Nürnberg und Moskau. Reisezeit rund 12 Stunden, wobei allein die Busfahrt vom Flughafen Domodedowo in den Jahr für Jahr zunehmenden Staus um Moskau inzwischen oft mehr als vier Stunden beansprucht.

Unter der Vorgabe, während des Austausches auch themenorientierte kleine Projekte gemeinsam zu bearbeiten, fördern verschiedene Einrichtungen – wie die „Stiftung West-Östliche Begegnungen“ oder die „Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch“ – die Reisen bis zu 50%.

Das Rahmenprogramm, von den jeweiligen Schulkoordinatorinnen miteinander in vielen E-Mails abgesprochen, führt die Gäste natürlich jeweils zu den kulturhistorisch bedeutenden  Orten. Hier z.B. Rothenburg, Bamberg, Würzburg, Nürnberg, München; dort nach Susdal, Bugoljubowo oder Moskau. Beiderseits nehmen wir in den Schulen auch Einblick in den Unterrichtsalltag. Der Kern der pädagogischen Arbeit – immerhin machen wir ja einen  Schulaustausch – ist allerdings inzwischen die regelmäßige Beschäftigung mit einem festen Projektthema.

Die Themen der letzten Jahre waren: 2005 -Virtuelle Schülerzeitung – Wege des Kontakts; 2006 – Russische Kultur – Deutsche Kultur: Dichter, Musiker, Popstars; 2007- 50 Jahre EU- unser Verständnis von Europa; 2008 – Jugendkultur hier wie dort – Musik, Sport, Schule, Freizeit, Lifstyle; 2009 – Arbeitswelt hier wie dort – früher und heute -Perspektiven der Jugend. Und nun, 2010:  ökologische Verantwortung – Wasser ist Leben.

Im Wasserwerk

Die diesjährige Projektarbeit wurde gefördert aus einer Programmlinie der Stiftung DRJ, für die BP Deutschland Mittel zur Verfügung stellt. Die Schüler erarbeiteten aqua-ökologische Fragestellungen zur Trinkwasserversorgung auf der Welt, Gletscherschmelze, Grundwasserverschmutzung und globale ökologische Probleme (am Beispiel des Aralsees) gemeinsam in Projektarbeitszeiten in der Schule. Eine Exkursion und Führung im Wasserwerk zeigte die aktuelle Aufgaben einer Kommune wie Wladimir, die fast 400.000 Einwohner mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen hat. Bei einem Ganztagesausflug unter der Leitung der russischen Biologiefachkollegin in das Naturreservat Dawydowo konnten wir die ursprüngliche Grundmoränenlandschaft des nördlichen zentralrussischen Tieflandes sehen, Moorgebiete und Seen untersuchen und Wasserproben entnehmen. Aus den geförderten Projektmitteln konnten wir dieses Jahr auch einen Wasseranalysekasten anschaffen und diesen der Schule Nr. 17 überlassen.

Am Silbersee

Die aus der Natur genommenen Wasserproben wurden zusammen mit Proben aus der kommunalen Wasserleitung und aus Vergleichsbrunnen in der Umgebung von Wladimir untersucht. Die ersten Versuche konzentrierten sich auf die Ermittlung des PH-Werts, was auch, sehr motivierend für die jungen Forscheraugen, auffällig unterschiedliche Ergebnisse brachte. Die Chemielehrerin der Schule Nr. 17, die schon viele Jahre an der Schule unterrichtet, freute sich wirklich riesig, über die methodisch–didaktisch im wahrsten Sinne des Wortes bunte Ergänzung zum eher trockenen, grauen, wenn auch ganz neuen Chemiebuch. Sie versprach, die Untersuchungsergebnisse beispielsweise zu Phosphaten, Nitraten etc. nach den russischen Herbstferien nachzureichen. Wir sind gespannt, welche Ergebnisse herauskommen.

Im Naturschutzgebiet

So liegt das Rahmen-Thema Aqua-Ökölogie für den Gegenbesuch im Herbst 2011 in Erlangen natürlich auch schon fest. Aus einer Fülle von Ideen werden wir für ein Wochenprogramm sicher auswählen müssen: Der Regnitzgrund, Wasserversorgung der Metropolregion Nürnberg durch den Brombachspeicher, Naturschutz im Reichswald, Historisches Wasserwerk Erlangen und hochmodernes Klärwerk, Nationalpark Steigerwald, Bayerischer Wald mit den einschlägig bekannten Nationalparkhäusern und Erlebniszentren sind nur einige Möglichkeiten. Da am GFE in den laufenden Abiturjahrgängen Seminare zum Thema aquatische Ökosysteme erarbeitet und betreut werden, sollte es auch genügend Schüler geben, die mit den russischen Partnern gemeinsam arbeiten können. Vielleicht entsteht ja sogar eine länderübergreifende Seminararbeit?

Wasserproben

Am letzten Tag fanden die traditionellen Freundschaftsspiele in der Sporthalle der Schule statt, und der lokale TV-Sender drehte einen Beitrag für die Abendnachrichten. Doch auch dafür war in einer knappen Woche noch Zeit: Die Schüler gingen Eislaufen, ins Kino, machten Stadtbummel, trafen sich  gemütlich (25 bis 30 Mann hoch  in einer russischen Wohnung!)  und nutzten die Zeit, viel miteinander zu sprechen. Das begleitende Lehrerpaar freute sich über viele von Herzen offene Gespräche, über russische Gastfreundschaft, Verständnis und Neugier auf beiden Seiten und vor allem echtes  Bemühen, die ungeklärten Fragen und Vorbehalte einer Generation auszuräumen, deren meiste Lebenszeit im Rückblick gesehen von der Ideologie und der Erziehung hinter dem Eisernen Vorhang geprägt war.

Präsentation gemeinsam

Trotz stetig enger werdender Zeitfenster in den Stundentafeln sollte man sich auch in Zukunft den „pädagogischen Luxus“ gönnen und dafür Zeit nehmen, Kontakte in den Osten Europas praktisch mit Leben zu füllen, eben hinzufahren und Besuch von dort einzuladen. Globalisierung darf nicht nur unter Aspekten wie Wirtschaftverflechtung oder Devisenströme verstanden werden, sondern braucht die Gespräche mit den „normalen“ Menschen.  So schafft Schüleraustausch nicht nur Verständnis für eine andere Kultur, für andere Realitäten in europäischer Nachbarschaft, sondern öffnet eben auch die Augen für einen veränderten und kritischen Blick auf die vertrauten und eingefahrenen Befindlichkeiten, wenn man wieder nach Hause zurückkehrt.

Schon vor rund 500 Jahren sagt Thomas Morus, der  englische Staatskanzler und Humanist: „Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben.“ In diesem Sinne: Willkommen Schule Nr. 17  im nächsten Jahr am GFE!

Im November 2010, Christiane Krautwurst / Dr. Klaus Watzinger

Der angesprochene Fernsehbericht ist zu sehen unter: http://www.6tv.ru/news/view/14195

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