Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Stefan Schnetz’


Bald ist es ein Vierteljahrhundert her, seit das Erlangen-Haus eröffnet wurde. Am 7. Mai 1995 eröffneten die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, diese Botschaft der Volksdiplomatie, wo heute das Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts untergebracht ist, die Fäden der partnerschaftlichen Beziehungen zusammenlaufen – und wo man sich gut bettet.

Oleg Modorow, Dmitrij Cholin und Swetlana Schelesowa

Was weniger bekannt ist: Der Garten des Erlangen-Hauses ist längst auch zu einem Ort der kulturellen Begegnungen geworden – mit einer Skulptur von Stefan Schnetz, einem Figurenensemble von Johannes Koch, mit den von Erlanger und Wladimirer Künstlern gestalteten Mauer zum Nachbargrundstück. Nun, zum bevorstehenden Jubiläum im Mai, ist auf Anregung von Swetlana Schelesowa, der stellvertretenden Leiterin des Erlangen-Hauses eine weitere Kunstaktion geplant, um schon von außen, von der Straßenseite auf den besonderen Charakter dieses Anwesens aufmerksam zu machen. Geht es nach Dmitrij Cholin, den Vorsitzenden des Regionalen Wladimirer Künstlerverbands, und seinen Kollegen, Oleg Modorow, wir hier bis zur 25-Jahr-Feier eine Silhouette Erlangens zu sehen sein, entworfen und gestaltet gemeinsam, wie es eben sein soll in der Partnerschaft.

Read Full Post »


Der Antrittsbesuch von Susanne Lender-Cassens ging gestern in die Zielgerade mit einem medizinisch-sportlichen Programm, unterwegs zu allen Terminen, ganz wie in Erlangen, mit dem Fahrrad. Und es zeigt sich: Entgegen der hier vorherrschenden Meinung kann man auch auf Wladimirs Straßen abgasfrei vorankommen, sogar recht zügig und ohne ständig fürchten zu müssen, so auf dem schnellsten Weg in die Unfallchirurgie zu gelangen.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens, Michail Tjukarkin und Jewgenij Jaskin

Ungläubiges Staunen denn auch in den Augen und Worten des ärztlichen Direktors vom Rot-Kreuz-Krankenhaus, wo alle schweren Fälle landen, als er von Erlangens Bürgermeisterin erfährt, wie sie sich hier fortbewegt, die den umgehend angebotenen Dienstwagen auch noch rundweg mit einem entschiedenen Lächeln ablehnt. Aber es geht hier ja auch um ein ganz anderes Thema, den Austausch von Krankenschwestern, der auf Wunsch des Gastgebers möglichst bald stattfinden soll, denn ohne die Pflege hilft dem Patienten auch die allerbeste Operation und Therapie nicht.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens und Maria Kabakowa

Wie gerufen, kommt beim Rundgang durch das Krankenhaus mit seinen 450 Betten, der Besucherin Michail Tjukarkin entgegen, der als erster Wladimirer Arzt – übrigens mit recht guten Deutsch-Kenntnissen – bereits 1989 in Erlangen hospitierte und den Anfang im Medizinaustausch machte. Ein gutes Omen für die Aufnahme von Krankenschwesternkontakten.

Gertrud Härer und Susanne Lender-Cassens beim Radkorso auf der Umgehungsstraße

Wenige Pedaltritte unterhalb des Krankenhauses eröffnete man gestern eine vierspurige Straße – ins einstige Bett des Baches Lybjed hineinasphaltiert -, von der man sich eine wesentliche Verkehrsbelastung für die bisherige Hauptachse durch die Altstadt verspricht. Mit welchem Erfolg, wird sich noch weisen.

Gennadij Stachurlow und Susanne Lender-Cassens

Erfreulich in jedem Fall, daß die Planungen auch noch Radwege entlang der Trasse vorsehen, für etwa 50 Mio. Rubel. Dabei, so buchstäblich die Erfahrung der Radler aus Erlangen, würde eine schlichte Markierung am Straßenrand auch schon ein Mehr an Sicherheit und Komfort bringen. Aber da geht man eben überall seiner eigenen Wege. Auch hier übrigens ein Wiedersehen: Susanne Lender-Cassens und der Wladimirer Fahrradpionier, Gennadij Stachurlow, kennen sich von einem Treffen in Erlangen und hoffen, noch viel gemeinsam für Umwelt und ökologische Verkehrsplanung machen zu können.

Inna Morosowa, Leiterin der Fachschule, Susanne Lender-Cassens, Jelena Owtschinnikowa, Tatjana Sajtschikowa und Olga Antropowa, beide stellv. Leiterinnen der Fachschule

Die Zeremonie freilich dauerte gar zu lange, auf die Bürgermeisterin wartete schon der nächste Termin in der Berufsschule für Pflegekräfte, die bereits in der Planung für einen Austausch mit Jena steht und natürlich auch Erlangen gern im Boot hätte. Überhaupt herrscht hier ein internationales Klima, denn es gibt auch schon Verbindungen zu einer Partnereinrichtung in Illinois. Was soll da dem Austausch noch entgegenstehen!

Interview im Garten des Erlangen-Hauses: Peter Steger und Susanne Lender-Cassens

Ein wenig später und etwa drei Radkilometer weiter geht es dann im Büro von Jelena Owtschinnikowa, der stellvertretenden Leiterin der Regionalen Gesundheitsverwaltung, um ein Herzstück der Partnerschaft, den „Blauen Himmel“. Wegen neuer föderaler Gesetze, die eine unmittelbare Anbindung von Reha-Einrichtungen an die jeweils zuständige Klinik fordern, wurde die Einrichtung in Penkino geschlossen. Man ist dort dabei, ein Sanatorium Senioren einzurichten, angegliedert an die bereits bestehende medizinische Einrichtung für Veteranen. Die Kinder hingegen sollen nach ihrer Behandlung in der Psychiatrie oder ihrem Aufenthalt in einer sozialen Einrichtung in Zukunft zur Rehabilitation und erlebnispädagogischen Nachsorge ein neues Dach, ebenfalls außerhalb Wladimir in naturnaher Lage finden. Auf keinen Fall, so die Medizinerin und ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin, werde man das Projekt „Blauer Himmel“ aufgeben, das könne sie allen versichern, die sich für dieses Gemeinschaftswerk verdient gemacht haben.

Witalij Iwantschuk, Susanne Lender-Cassens und Oleg Medwedjew

Zurück im Garten des Erlangen-Hauses stand noch ein Interview mit der Lokalredaktion des TV-Senders „Rossija 1“ auf dem Programm – mit Fragen zu Zielen und Ergebnissen des Besuchs. Immer wieder erfreulich, wie sehr sich die Medien für die Partnerschaft interessieren und damit den Austausch im Bewußtsein halten.

Schule für Rhythmische Sportgymnastik

Zu diesem Austausch gehört natürlich schon immer auch der Sport, besonders das Turnen, eine Disziplin, mit der Wladimir Weltruhm genießt. Nicht vergleichbar mit Erlangen – Susanne Lender-Cassens weiß das als Sportbürgermeisterin nur zu gut -, aber die Gastgeber, Witalij Iwantschuk und Oleg Medwedjew, ihres Zeichens Leiter der Turnschule und Chef des städtischen Sportamtes, bieten Trainern und deren Schützlingen aus ihrer Partnerstadt Meisterklassen an, auch im Bereich Rhythmische Sportgymnastik, die im Gebäude gleich gegenüber unterrichtet wird. Zumal so ja auch viele neue Freundschaften entstehen könnten. Recht haben sie natürlich

Kunstwerk von Stefan Schnetz im Garten des Erlangen-Hauses

Was bleibt? Vieles, woran angeknüpft werden kann, jede Menge neuer Ideen und Initiativen und noch viel mehr, als sich hier im Blog darstellen läßt. In jedem Fall Impulse, von denen der Austausch schon bald noch vielfältiger und intensiver wird. Ganz im Sinne der Erfinder dieser wunderbaren Freundschaft.

Read Full Post »


1987 kam zum ersten und einzigen Mal der mittlerweile verstorbene Gründer der Wladimirer Malschule, Kim Britow, nach Erlangen, 1991 organisierte der Journalist Axel Mölkner mit Unterstützung von Adam Stupp, dem heutigen Ehrenvorsitzenden des Erlanger Kunstvereins, die erste Ausstellung von Graphikern aus der Partnerstadt. Es folgte eine Vielzahl von Gegenbesuchen. Erinnert sei nur an den Stahlbildhauer Johannes Koch, dessen Skulpturen zusammen mit einer Steinarbeit von Stefan Schnetz im Garten des Erlangen-Hauses vor dem Hintergrund der gemeinsam von Erlanger und Wladimir Künstlern gestalteten Mauer zu sehen sind, oder an die Figuren von Igor Tschernoglasow, die auf Anregung von Dieter Erhard im Erlanger Ortsteil Tennenlohe stehen. Ab 2001 dann ein regelmäßiger Austausch zwischen den Kunstvereinen der Partnerstädte, vielgestaltig-kreativ und bunt, wie es eben so zugeht zwischen Erlangen und Wladimir. Da ist es nur folgerichtig, wenn auch zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft die Kunst ihren Platz mit einer eigenen Ausstellung hat.

Henrike Franz, Gugel, Uwe Schein

Ingrid Riedl, Henrike Franz, Carolin Gugel, Uwe Schein

Bildende Kunst funktioniert auch ohne Worte! Diese Auffassung wurde bei unserer Ausstellung der Gruppe plus des Kunstvereins Erlangen im Folkloremuseum in Wladimir bestätigt. Durch die wunderbare Hilfe der Wladimirer Künstlerkollegen war es gelungen, eine Ausstellung mit 38 Werken von 18 Künstlern aus Erlangen in unserer Partnerstadt zeigen zu können. Sehr hilfreich war dabei die kompetente Übersetzungsarbeit unserer Dolmetscherin Natalia Talatina. Eine erste Hürde war es jedoch, die Kunstwerke nach Wladimir zu transportieren. Doch dabei konnten wir auf Peter Steger vom Städtepartnerschaftsbüro zählen, der selbst buchstäblich die Werke in die Hand nahm und durch den Zoll brachte.

Gruppenbild der Erlanger und Wladimirer Künstler mit Kultur-Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa in ihrer Mitte

Gruppenbild der Erlanger und Wladimirer Künstler mit Kultur-Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa in ihrer Mitte

Der herzliche und offene Kontakt mit unseren russischen Kollegen hat uns immer wieder beeindruckt. Wir erhielten Einblick in ihre Bild- und Arbeitswelt, indem Sie uns ihre Ateliers zeigten. Dies wird sicherlich unserer Auseinandersetzung mit der Kunst beeinflussen. Eine baldige Gegeneinladung mit gemeinsamem Arbeiten und auch mit einer gemeinsamen Ausstellung liegt uns sehr am Herzen.

Henrike Franz

Read Full Post »


Mauerbild - Elisabeth Gutgesell u.a., Photo Irina Chasowa

Mauerbild - Elisabeth Gutgesell u.a., Photo Irina Chasowa

Als die Herren des Nachbargrundstücks vor etwa zehn Jahren begannen, auf der Westseite des Gartens um das Erlangen-Haus eine Mauer hochzuziehen, waren Verdruß und Ärger groß. Kurz vor seinem frühen Tod hat Michail Swonarjow, Begründer der Partnerschaft auf russischer Seite – er war von 1983 bis 1987 Vorsitzender des „Städtischen Wladimirer Exektuvkomitees der Volksdeputierten“  – im Gespräch mit Rudolf Schwarzenbach das allseits ungeliebte Bauwerk sogar als „Berliner Mauer“ bezeichnet.

 

Grünes Quadrat, Reiner F. Schulz, Photo Irina Chasowa

Grünes Quadrat, Reiner F. Schulz, Photo Irina Chasowa

Doch längst haben Geschäftsführung wie Gäste des Erlangen-Hauses ihren Frieden mit dem Westwall vor der Haustüre gemacht. Dazu trugen vor allem Künstler aus beiden Städten bei. Den Anfang machte Elisabeth Gutgesell aus dem Kreis der guten Geister der Partnerschaft, mit einer Studentengruppe und gab ein Beispiel dem sich später der heutige Vorsitzende des Kulturvereins Wladimir, Igor Tschernoglasow, mit einem Malerteam anschloß.

 

Grünes Quadrat, Reiner F. Schulz, im Vordergrund Skulptur von Stefan Schnetz, Photo Irina Chasowa

Grünes Quadrat, Reiner F. Schulz, im Vordergrund Skulptur von Stefan Schnetz, Photo Irina Chasowa

Nun hat sich dort der Erlanger Künstler Reiner F. Schulz mit einer Hommage an Kasimir Malewitsch verewigt. Das „Grüne Quadrat“ darf sicher als Ausdruck der Verehrung für die russische Kunst verstanden werden, harmonisch eingefügt in das Farbenspiel des Gartens, eine meditative Abstraktion der vielfältigen Begegnungen und Einflüsse, denen die vierköpfige Künstlergruppe während ihres zehntägigen Aufenthalts in Wladimir – morgen geht es schon wieder nach Hause! – ausgesetzt war.  Das Team des Erlangen-Hauses und künftige Gäste dürfen sich nun am suprematistischen Kunstgenuß erfreuen und hoffen, daß bald auch die letzten weißen Flecken auf der Mauer Gestalt und Farbe annehmen. Da könnte man doch einen Wettbewerb für Wladimirer Künstler ausschreiben. Als Preis könnte eine Reise nach Erlangen winken. Stoff zum Nachdenken für die Zukunft einer einst so unansehnlichen Bausünde.

Read Full Post »


Erlanger Künstler - Gisela HeinriciDer Kulturaustausch ist für die Städtepartnerschaften – es kann nicht oft genug gesagt werden – die Grundlage allen Seins. Heute, wo man den Kulturbegriff ohnehin so weit faßt, daß er kaum noch zu fassen ist, ohnehin. Aber auch im engeren, im traditionellen, im klassischen Sinn schafft die Kultur den Raum und die Perspektiven für das Miteinander, aus ihr wächst, was später in allen Bereichen – bis in die Wirtschaft hinein – zusammengehört. Das weiß man in Erlangen, dessen ist man sich in Wladimir bewußt. Es waren und sind die Chöre, Folklore-Ensembles und Orchester beider Städte, die hier wie dort und oft bei gemeinsamen Auftritten die inneren Verbindungen schaffen, ohne die eine Städtepartnerschaft nicht viel mehr als eine politische Willensbekundung und der Blog – s. Stichwortwolke „Kultur“ – blutleer bliebe.

Erlanger Künstler - Carolin GugelSeit 1987 gehört mit der ersten Ausstellung des Altmeisters der Wladimir Malschule, Kim Britow, auch die bildende Kunst zum festen und unverzichtbaren Repertoire des Austausches, stets wohlwollend begleitet und gefördert vom Erlanger Kunstverein und deren Vorsitzenden Johann Adam Stupp, Renate Werbelow, Uwe Fischer und Hannelore Heil-Vestner, die es sich alle nicht nehmen ließen, Wladimir persönlich zu besuchen bzw. enge Verbindungen zu Wladimirer Künstlern aufzubauen. Und natürlich trafen und treffen sich die Künstler selbst, von denen stellvertretend nur genannt werden sollen: Hans Zahn, Stefan Schnetz, Walter Förster, Christian Hamsea, Dieter Erhard, Gisela Heinrici, Erika Zimmermann, Elvira Gerhäuser…

Erlanger Künstler - Antje Fries Besonders ergiebig wird der Austausch immer dann, wenn sich die Künstler beider Städte treffen, um gemeinsam zu arbeiten, sich gegenseitig zu inspirieren und nicht einfach ihre Bilder bringen, die ausstellen und wieder nach Hause fahren. Wie kreativ solche gemeinsamen Aktionen sein können, läßt sich im Garten des Erlangen-Hauses mit der Gestaltung der Mauer erkennen. Dort ist übrigens auch noch Platz für mindestens zwei weitere Arbeiten…

Erlanger Künstler - Henrike FranzAber vielleicht werden diese Lücken ja bald gefüllt, denn am Montag macht sich eine vierköpfige Künstlergruppe aus Erlangen -Antje Fries, Carolin Gugel, Gisela Heinrici und Reiner F. Schulz – mit vielen eigenen Arbeiten im Gepäck nach Wladimir auf, um dort elf Tage lang die Szene zu erkunden. Aquarell, Öl, Acryl und Ton sind die Medien der Erlanger, die auch Arbeiten der Kollegin Henrike Franz mitnehmen, die farbige Flächen mit Graphit-Zeichnung korrespondieren läßt. Wohnen werden die Gäste -wo sonst?! – im Erlangen-Haus, die unvollendete Mauer, an ihre Kreativität appellierend, stets vor Augen. Den Anstoß für den Besuch gab die große Ausstellung Wladimirer Künstler im Herbst vergangenen Jahres in der Galerie im Treppenhaus aus Anlaß des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums, er steht aber, wie bereits angedeutet, in einer langen Tradition derartiger Treffen, aus denen ganz gewiß wieder neue Kunstprojekte entstehen.

Erlanger Künstler - Reiner F. SchulzDaß diese in aller Regel dann auch Wirklichkeit werden, ist – das wird zu selten dankend erwähnt – ein Verdienst des Kulturamtes Erlangen, das gemeinsam mit dem Kunstverein und manches Mal auch mit Hilfe von Sponsoren, den materiellen Unterbau stellt. Auch diese Reise wäre ohne einen großzügigen Zuschuß aus dem Rathaus, genauer aus dem Museumswinkel, nicht möglich. So aber werden die Wladimirer schon in der nächsten Woche betrachten können, wie Erlanger Künstler die Welt sehen und ihre Sicht gestalten. Da wird es sicher auch so manche kunsttheoretische Diskussion geben, denn die Auffassungen von Wesen und Tradition der bildenden Kunst sind durchaus verschieden. Aber genau von solch gegenseitigen Beeinflussungen lebt ja die Kultur und belebt unser Leben.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: