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Posts Tagged ‘Staatliche Universität Wladimir’


Unter Corona-Bedingungen von Wladimir nach Erlangen zu kommen, bedarf ganz besonderer Voraussetzungen und glücklicher Umstände. Niemand könnte das besser bestätigen als Daria Koslowa. Die Lehramtsstudentin für Deutsch und Englisch an der Universität Wladimir gehörte bereits im März zu der Gruppe, die heuer den Austausch mit dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde fortsetzen wollte, dann aber von der Pandemie und der unerwarteten Beendigung des Präsenzunterrichts überrascht wurde und, kaum angekommen und fast unverrichteter Dinge, mit der letzten Maschine ab München gleich wieder die Heimreise antreten mußte. Nach der in der Heimat vorgeschriebenen zweiwöchigen Quarantäne setzte die junge Frau ihr Studium in der Partnerstadt fort und bewarb sich zusammen mit einer Handvoll weiterer Kommilitoninnen für die zwei Plätze bei Erasmus plus an der Friedrich-Alexander-Universität. Und siehe da, zusammen mit Waleria Lodygina bestand sie alle Prüfungen und erhielt die Zulassung. Doch dann hakte es an der Ausstellung des Visums. Die Deutsche Botschaft in Moskau gab sich nicht mit der Einladung der Hochschule zufrieden. Erst eine Bestätigung durch das Partnerschaftsbüro hinsichtlich des Präsenzunterrichts half dann bei der Ausstellung des Sichtvermerks, woraufhin erst die beiden Studentinnen einen der raren Aeroflot-Flüge nach Frankfurt – der Jumbo war bis auf den letzten Platz besetzt – buchen konnten und am 1. Oktober in Erlangen eintrafen. Anderntags schon hatten sie ihr negatives Corona-Test-Ergebnis und werden nun nach zwei Wochen Intensivkurs Deutsch ein ganzes Semester lang an der FAU Germanistik studieren – und Wladimir hier repräsentieren.

Daria Koslowa, Waleria Lodygina und Oxana Löscher

Einer ihrer ersten Besuche nach der Anmeldung im Einwohnermeldeamt führte die Gäste gestern ins Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, wo Oxana Löscher, Leiterin der Russischabteilung die beiden einlud, gern immer wieder dort im Unterricht zu hospitieren und neben der Theorie der Germanistik auch in den Genuß der Sprachpraxis zu kommen. Aber jetzt lassen wir die Studentinnen erst einmal richtig ankommen und sich im Wohnheim einrichten. Sie fühlen sich jedenfalls schon recht wohl in Erlangen, und bald werden wir sicher noch mehr von ihnen zu hören und zu sehen bekommen. Herzlich willkommen! Добро пожаловать!

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Man sieht es den fünf Lehramtsstudentinnen von der Staatlichen Universität Wladimir fast schon an, auch wenn sie sich den Schock nicht anmerken lassen wollen. Am Dienstag in Erlangen voll Vorfreude auf drei Wochen am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde eingetroffen, in gastfreundlichen Familien untergebracht, gerade erst in den verschiedenen Klassen, Kursen und Fächern mit den deutschen Gleichaltrigen warmgeworden – und dann die Nachricht gleich vor dem Unterrichtsbeginn und noch vor der großen Pressekonferenz in München zum Thema „Corona-Virus und seine Folgen“: Ab Montag bleiben alle Bildungseinrichtungen geschlossen, das öffentliche Leben wird so weit wie möglich heruntergefahren.

Dozentin Swetlana Steinbusch und ihre Wladimirer Studentinnen

Es dauerte dann doch einige Stunden, bis sich die Gäste vom Schreck erholt und eine Entscheidung getroffen hatten. Zunächst freuten sich einige noch auf die bevorstehende Möglichkeit, die viele freie Zeit auf eigene Faust zu nutzen, andere wollten sofort die Rückreise antreten. Schließlich setzte sich am Freitagabend die Vernunft durch: Umbuchen und heute den vorerst letzten Flug der Aeroflot von München nach Moskau nehmen, denn ab morgen heben die Maschinen nur noch in Berlin mit Richtung russische Hauptstadt ab. In Wladimir erwartet die Gruppe – nach Fiebermessen am Flughafen – dann eine zweiwöchige Quarantäne. Mit ihnen reist unsere Hoffnung, die Zahl der positiv auf den neuartigen Corona-Virus getesteten Infizierten – derzeit landesweit 59 – möge mit den Heimkehrerinnen nicht weiter steigen und Wladimir bleibe weiter verschont von der Pandemie. Und dann – sie sind ja noch jung – kann der Besuch in Erlangen sicher eines Tages in voller Länge nachgeholt werden. Gute Reise und gesund bleiben!

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Seit dem Herbst hat das für die Städtepartnerschaften und Internationalen Beziehungen zuständige Team Verstärkung aus Wladimir. Mehr noch: Die junge Frau verlängert ihren zunächst auf ein Semester begrenzten Aufenthalt bis zum kommenden Sommer. Doch lesen Sie selbst:

Ich heiße Polina Timofejewa und studiere im achten Semester an der Staatlichen Universität Wladimir. Dank meinen Studienerfolgen in diesem Jahr erhielt ich die einmalige Chance, eine Praktikum im Bürgermeister- und Presseamt, Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, zu absolvieren.

Polina Timofejewa

Kurz zur Vorgeschichte: Seit meiner Kindheit mag ich Fremdsprachen. Ich besuchte ein neusprachliches Gymnasium, ging ans Amerikanische Haus in Wladimir… Nach der Schule entschied ich mich dafür, weiter Sprachen an der Universität zu studieren und meine Zukunft an sie zu knüpfen. Obwohl ich in der Schule Französisch hatte, wählte ich bei meiner Immatrikulation Deutsch als erste Fremdsprache. Ich hatte meine Gründe dafür und brauchte meine Entscheidung noch kein einziges Mal zu bedauern.

Ich könnte nicht sagen, das Studium einer neuen Sprache habe mir große Schwierigkeiten bereitet. Dazu trugen sehr meine Englischkenntnisse und wahrscheinlich die unglaublich sensiblen und erfahrenen Dozenten bei, die uns Tag für Tag motivierten und uns eine feste sprachliche Grundlage beibrachten.

Allerdings hätte ich mir bei der Wahl von Deutsch als mein Hauptfach nicht vorstellen können, einige Jahre später in einem Rathaus in Deutschland zu sitzen und einen Artikel über meine Erfahrung zu schreiben. Solche Möglichkeiten bieten sich nicht jedem, und ich bin unendlich glücklich und meinen Dozenten und Peter Steger dankbar für diese Gelegenheit.

Eine meiner Aufgaben ist es hier, im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, die Zusammenarbeit der Partnerstädte Erlangen und Wladimir zu unterstützen. Während meines Praktikums konnte ich bereits an einigen Veranstaltungen teilnehmen und beispielsweise helfen, den Empfang für einen Kriegsveteranen oder die Auftritte einer Rockband aus Wladimir zu begleiten.

Außerdem beteilige ich mich an der Herausgabe eines Buches mit Erinnerungen von „Kriegskindern“. Ich übersetze die erlebten Geschichten von Menschen, die am eigenen Leib all die Beschwernisse des Krieges durchmachten. Ich hoffe, damit meinen noch so kleinen Beitrag zum globalen Problem, der Schaffung des Friedens auf der ganzen Welt, leisten zu können.

Mein Praktikum im Erlanger Rathaus absolviere ich neben meinem Studium an der Friedrich-Alexander Universität, das sicher auch zu den Hauptzielen meines Aufenthaltes hier gehört. Das Studium in Deutschland unterscheidet sich etwas von dem an russischen Universitäten. Hier ist mehr Selbständigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Details gefordert.

Die Erfahrungen, die ich hier sammle, können in ihrem Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich lerne jede Menge Leute kennen, angefangen bei Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern bis zum Oberbürgermeister von Erlangen. Außerdem konnte ich meine Kenntnisse im Deutschen und Englischen verbessern, verschiedene Städte und Länder bereisen, neue Freunde finden, viel Neues über die deutsche Kultur erfahren, Bratwurst und Sauerkraut probieren, das Oktoberfest besuchen, wo mich faszinierte, wie die Deutschen in Tracht auf den Tischen tanzen. Ich trank Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und erhielt vom Nikolaus ein Geschenk, das er mir in die Stiefel steckte…

Abschließend möchte ich betonen, wie sehr ich mich über die positiven Gefühle und die Erfahrungen freue. Und ich kann die neuen Eindrücke dieses wunderbaren Programms gar nicht erwarten!

Polina Timofejewa

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Wenn sich später einmal jemand mit der Historie dieser deutsch-russischen Städtepartnerschaft beschäftigen sollte, wird das Projekt von Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften an der Staatlichen Universität Wladimir, sicher besondere Aufmerksamkeit erfahren. Seit gut 15 Jahren nämlich kooperiert der Gelehrte schon mit dem Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften an der FAU, und seit Anfang 2018 untersucht er, interdisziplinär unterstützt von Natalia Markowa, Dekanin des Instituts für Geisteswissenschaften, Irina Pogodina, Leiterin des Lehrstuhls für Finanzrecht, und dem Soziologen Dmitrij Petrosjan, den Komplex „Philosophie und Religionskunde als globales Projekt: die deutsche und russische Jugend im Religionsdialog“, ein Vorhaben, das die Russische Stiftung für Grundlagenforschung in Moskau fördert. Im Fokus dabei – die Frage, wie sich im Laufe des Austausches und der Begegnungen die sozialen und religiösen Werte von Jugendlichen aus den Partnerstädten entwickeln und verändern. Diese Woche schloß das Team nun die Forschungsarbeiten in Erlangen ab; im März will man die Fortsetzung des Projekts beantragen. Durchaus mit der Aussicht auf Erfolg, denn längst ist die Untersuchung über den engen Rahmen der Städtepartnerschaft hinausgewachsen: von Astrachan bis Archangelsk und von Ulan-Ude bis Moskau erhebt man Daten, und die Befragung von Jugendlichen soll im nächsten Jahr noch weiter intensiviert werden, möglichst auch unter Einbeziehung der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Elisabeth Preuß, Witalij Galkin, Natalia Markowa, Irina Pogodina, Jewgenij Arinin und Dmitrij Petrosjan

Dmitrij Petrosjan äußerte denn auch beim Empfang am Mittwoch im Rathaus gegenüber Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Hoffnung, die Datenbasis im nächsten Schritt zu erweitern, denn sogar innerhalb der russischen Städte gebe es große Unterschiede bei der Rolle von religiösen Werten. Archangelsk sei sehr stark säkular geprägt, erläutert Jewgenij Arinin, während Wladimir als eher rechtgläubig orientiert gelte, Kasan stärker in Richtung Islam ausgerichtet und Ulan-Ude vom Buddhismus bestimmt sei. Eine Kurzfassung der Ergebnisse präsentierte der Blog bereits Anfang des Monats unter: https://is.gd/zPbFN3, seit gestern liegt der Redaktion auch die umfangreiche Gesamtuntersuchung – auf Russisch – vor, die allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden kann.

Morgen reisen nach getaner Arbeit die Gäste wieder nach Hause zurück und schließen für dieses Jahr den Besucherreigen aus der Partnerstadt mit den besten Wünschen von Elisabeth Preuß für die nächste Etappe des Projekts, das in der Historie der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir schon jetzt eine Ausnahmestellung einnimmt.

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Eindrücke über meinen Aufenthalt an der FAU

Als Dozentin an der Staatlichen Universität Wladimir besuchte ich im Rahmen des Programms „ERASMUS + Staff Mobility for Teaching“ vom 11. bis 15. November 2019 die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mein Aufenthalt diente der Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und dem Austausch von Wissen und Erfahrung zwischen unseren Hochschulen.

Ich besuchte die Universitätsstandorte in Erlangen und Nürnberg. Erlangen ist eine kleine und gemütliche Stadt. Beeindruckt haben mich die kleinen Bürgerhäuser, die wunderbaren Parkanlagen und die vielen einladenden Restaurants und Cafés. Alles wirkte ruhig und aufgeräumt. Auf dem Marktplatz wurden schon Vorbereitungen für die Weihnachtszeit getroffen; die Stimmung ist teilweise feierlich und voller Vorfreude. Die Lehrkräfte der Universität waren alle sehr freundlich, höflich und hilfsbereit.

Evelina Winter und Olga Kossowan

Ich wurde vom Städtepartnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen, Peter Steger, sowie von der ERASMUS-Hochschulkoordinatorin an der FAU, Bianca Köndgen, und Evelina Winter, Mitarbeiterin des Lehrstuhls Didaktik des Deutschen als Zweitsprache, herzlich begrüßt. An der Universität war eine sehr interessante Ausstellung zum Thema „Fernweh“ zu sehen.

Nürnberg machte auf mich den Eindruck einer schönen und lebhaft pulsierenden Stadt. Die Atmosphäre im Stadtzentrum war beinahe feierlich zu nennen: strahlende Kaufhäuser und lebhafte Cafés, gut gelaunte Menschen, Glockengeläut auf dem Hauptmarkt.

Im Mittelpunkt meines Aufenthalts stand aber das Kennenlernen des Lehrstuhls Didaktik des Deutschen als Zweitsprache und seiner Lehrstuhlinhaberin, Prof. Dr. Magdalena Michalak. Ich hatte Gelegenheit, an ihrem Seminar zum Thema „Sprache im Fachunterricht“ sowie an ihrer Vorlesung mit der Bezeichnung „Erwerb des Deutschen als Zweitsprache“ teilzunehmen. Dargestellt wurden u.a. Lehrstrategien und didaktische Ansätze für die zukünftigen Lehrkräfte. Beide Veranstaltungen waren äußerst interessant und bereichernd, auch wegen der vielfältigen Erfahrungen und Kreativität.

Olga Kossowan

Ich selber hielt einen Vortrag zum Thema „Language Awareness – Welche sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen dem Russischen und dem Deutschen?“ Die Studenten hörten aufmerksam zu und beteiligten sich aktiv. Sie waren besonders interessiert zu erfahren, wie in Wladimir Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird.

Insgesamt war der Besuch für mich in jedweder Hinsicht ein Gewinn. Der fachliche Erfahrungsaustausch war sehr angenehm, und zugleich haben die beiden mittelfränkischen Städte viel Kultur, Lebensart und neue Eindrücke geboten.

Frau Winter hat mir im Rahmen einer interessanten Stadtführung durch Nürnberg das größte Felsenkellerlabyrinth Süddeutschlands gezeigt. Der Weg führte zum Dürerkeller, der den Einwohnern Nürnbergs im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker gedient hatte. Dieser Besuch vermittelte Eindrücke von der Geologie des Nürnberger Burgberges sowie von der Herstellung und Lagerung von Bier. Abgeschlossen wurde dieser Rundgang bei einem Besuch der Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof, die ein gutes Rotbier braut und seit einigen Jahren auch Whisky herstellt.

Olga Kossowan

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die zur Ermöglichung und zum Gelingen meines Besuches an der FAU im Rahmen des ERASMUS+ Programmes beigetragen haben. Insbesondere gebührt mein Dank Magdalena Michalak, Evelina Winter, Bianca Köndgen und Peter Steger.

Olga Kossowan

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Jelena Woronzowa, Fakultät für Geschichte an der Staatlichen Universität Moskau, und Jutta Schnabel, Physikerin an der FAU sowie Kopf und Herz des Jugendaustausches zwischen den Partnerstädten Erlangen und Wladimir, legten, unterstützt von Iwan Wikulow, Philosophische Fakultät der Staatlichen Universität Wladimir, einen Artikel zum Thema „Interaktion der Jungend im interkulturellen Umfeld: Erfahrung einer soziologischen Untersuchung“ vor, der heute als weiteres Zeugnis der fruchtbaren Hochschulkooperation zwischen den Partnerstädten in der deutschen Übersetzung von Peter Steger auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Jugendaustausch Erlangen-Wladimir

Anmerkung: Der Artikel betrachtet die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung zu den Wertvorstellungen von russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch zwischen Erlangen und Wladimir teilnahmen. Der dazu ausgearbeitete Fragebogen enthielt eine Reihe von Blöcken mit Fragen aus der Weltweiten Werte-Erhebung, was erlaubte, die Resultate mit den Daten der großangelegten Untersuchung von 2011 für die Russische Föderation und von 2013 für Deutschland zu vergleichen. Auf der Grundlage der gesammelten Daten machen die Autorinnen den Versuch, die Spezifik jugendlicher Einstellungen in den jeweiligen Gruppen herauszuarbeiten.

Um die weltanschaulichen Einstellungen und religiösen Vorlieben der russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch teilgenommen hatten, zu erfassen, hatte die Forschungsgruppe einen Fragebogen vorbereitet. Die Befragung erfolgte in beiden Sprachen auf der kostenfreien deutschen Internetplattform Face Africa, was es ermöglichte, papierfrei und rasch die erhobenen Daten zu verarbeiten. Etwa 30 umfangreiche Fragen, ausgerichtet an der Weltweiten Werte-Erhebung (World Values Survey), waren zu beantworten, für die deutsche Seite auf der Grundlage der Formulierungen und Daten der Umfrage aus dem Jahr 2013 und für die russischen Jugendlichen auf der Basis der analogen Erhebung aus dem Jahr 2011.

Unser Fragebogen https://is.gd/TKlpkt konzentrierte sich auf die Festigung von weltanschaulichen Haltungen mit der Ausrichtung auf die Religiosität, weshalb folgende Fragegruppen enthalten waren: Einbezogenheit in die Interaktion mit einer Gruppe, Beziehung zu universellen Werten, Politik und Gesellschaft, Religiosität, Selbstwahrnehmung. Über die grundlegenden biographischen Fragen zu Geschlecht und Alter hinaus wurde auch die Frage nach der religiösen Selbstidentifizierung gestellt. Hinsichtlich dieser Frage ist folgender Vorbehalt zu machen: In Rußland ist die religiöse Zugehörigkeit dieser oder jener Person völlig unreglementiert, in den allermeisten Fällen fehlen formale Kriterien einer Mitgliedschaft oder sie spielen für die jeweilige Person keine entscheidende Rolle. So kann also jemand angeben, orthodox zu sein, ohne zur Kommunion zu gehen oder sich als festes Mitglied einer Gemeinde zu bezeichnen. In Deutschland hingegen wird noch immer eine besondere Kirchensteuer erhoben, die dieser oder jener Kirche / Gemeinde zugutekommt. Wer diese Steuer nicht bezahlt, gehört formal nicht mehr zu dieser oder jener Gemeinde, wird in ihren Listen nicht geführt. Allerdings bedeutet die Weigerung, diese Steuer zu bezahlen – ein derzeit lebhaft diskutiertes Thema in der deutschen Öffentlichkeit -, nicht unbedingt, daß man deshalb nicht dennoch religiös sein könne. Diese Menschen können durchaus ihre religiösen Einstellungen beibehalten, allerdings wollen sie nicht mehr zu diesen oder jenen religiösen Institutionen gehören.

Im Lauf des Austausches zwischen Wladimir und Erlangen wurden im April des Jahres 19 deutsche und 20 russische Teilnehmer aus der Studentengruppe befragt. Dabei bezeichneten sich die russischen Jugendlichen zu über 50% als „orthodox gläubig“ (landesweit liegt dieser Wert bei etwa 60%), in der deutschen Gruppe hingegen erklärten sich mehr als 65% zu Gläubigen (Katholiken oder Protestanten), während in Deutschland insgesamt 65% der Bevölkerung sich als konfessionslos bezeichnet. Die Daten zu unseren deutschen Teilnehmern unterscheiden sich also deutlich von der Gesamtheit der Datenlage zu Deutschland.

Zu beobachten ist derweil ein höherer Wert bei den russischen Jugendlichen hinsichtlich der Religiosität: Während 60% der Russen insgesamt und fast 50% der von uns befragten Jugendlichen sich als religiös bezeichnet, sind es auf deutscher Seite nur 40% insgesamt bzw. 30% unter den Jugendlichen.

Paradoxerweise scheinen die russischen Jugendlichen toleranter gegenüber Vertretern anderer Religionen zu sein – und das obwohl gemeinhin davon ausgegangen wird, Deutschland sei stärker auf tolerante Einstellungen ausgerichtet. So verstehen sich mehr als 80% der befragten Studenten aus Wladimir als tolerant gegenüber Vertretern anderer Religionen und Konfessionen, während das nur 50% der deutschen Studenten aus Erlangen tun. Insgesamt aber nimmt aus beiden Gruppen nur eine zu vernachlässigende Zahl eine extreme Haltung bei der Frage nach der einzig akzeptablen Religion ein

Die Analyse des Fragenblocks zum Thema Politik gestattet die Aussage, daß die deutschen Teilnehmer insgesamt ein höheres Interesse an politischen Fragen zeigen (90% vs. 30% der russischen Studenten), sich als Träger demokratischer Werte bezeichnen und sich überwiegend als zufrieden mit den herrschenden Umständen erklären.

Die russischen Jugendlichen neigen nicht dazu, ihr Land für demokratisch zu halten: In Rußland hält sich – im Gegensatz zu Deutschland – die Neigung zu einem „starken Führer“. Sie fühlen sich ungeschützt (50% antworten, ihre Rechte werden „eher nicht gewahrt“, während weniger als 10% der Deutschen das so sehen).

Die Jugend insgesamt könnte man als Träger von universellen und kosmopolitischen Werten bezeichnen. Überwiegend zeigen das jedenfalls die Antworten der deutschen Teilnehmer (90% vs. 65% der russischen Jugendlichen).

Hinsichtlich der Selbstidentifizierung demonstriert die deutsche Jugend mehrheitlich eine Nähe zu den Werten der persönlichen Entwicklung, der Entfaltung der eigenen Individualität u.s.w. So zeigen sich mit der Einschätzung „Ich halte mich für ein autonomes Individuum“ mehr als 80% der deutschen Befragten einverstanden, während es auf russischer Seite nicht einmal 50% sind.

Interessant ist es, diese Angaben den religiösen Selbstidentifizierungen gegenüberzustellen.

Religiöse Überzeugungen

Религиозные убеждания

Ich halte mich für ein autonomes Individuum  Я ситаю себя автономным ндивидом Trifft völlig zu Совершенно согласен Trifft eher zu Скорее согласен Trifft eher nicht zu Скорее не согласен Абсолютно не согласен
Keine Religionszugehörigkeit 7 1 3 1
католичество, röm.-kath. 6 4 1 1
протестантизм, ev. 2 2 1 0
православние, russ.-orth. 1 2 2 4

Die Tabelle zeigt, daß die Werte des autonomen Individuums mehrheitlich von den Befragten geteilt werden, die sich als konfessionslos bezeichnen. Unter den russischen Jugendlichen erreicht die Zahl an Personen, die sich negativ hinsichtlich der individualistischen Werten zeigen, ihr Maximum.

Schließlich ist die Anhängerschaft gegenüber einem Traditionalismus in etwa gleich stark bei den Katholiken und Orthodoxen vertreten, während die Protestanten und Konfessionslosen dem Wert der Tradition eher ablehnend gegenüberstehen.

Religiöse Überzeugungen Религиозные убеждания Für mich ist es wichtig, der Tradition zu folgen Для меня важно следовать традиции Trifft auf mich sehr zu Очень похоже на меня Trifft auf mich zu Похоже на меня Trifft in gewisser Weise auf mich zu  Чем-то похоже на меня Trifft kaum auf mich zu Немного похоже на меня Не похоже на меня Совсем не похоже на меня
Ни к какой религии konfessionslos 0 1 1 1 4 5
католичество röm.-kath. 0 4 3 0 2 3
протестантизм ev. 0 1 0 1 0 1
православние russ.-orth. 0 3 3 3 1 0

So kann die Befragung eine Reihe von Unterschieden zwischen den Teilnehmern an diesem deutsch-russischen Austausch konstatieren. Vor allem sticht der höhere Anteil an Religiosität bei den russischen Jugendlichen ins Auge, aber auch das Gefühl mangelnden Schutzes und eines Mißtrauens gegenüber der Politik bei gleichzeitiger Bewahrung einer Unterordnung unter die Tradition und einer minimalen Neigung zu den Werten des Individualismus. Für die deutschen Teilnehmer ist ein hohes Interesse an Politik ebenso charakteristisch wie das Vertrauen in den Staat, die Betonung der persönlichen Entwicklung und der demokratischen Werte.

Der Fragenblock zur Gruppenarbeit und zu den universellen Werten bedarf einer weiteren Messung anhand der Ergebnisse einer Teilnahme der gleichen Studenten am nächsten Austausch. Eine derartige wiederholte Befragung erlaubt es, herauszufinden, inwieweit sich die Wertevorstellungen und grundlegenden Einstellungen über das andere Land im Lauf der Teilnahme am Austausch ändern.

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Nach dem Frühjahrsbesuch einer Gruppe der Staatlichen Wladimirer Universität am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, setzte nun ein Trio aus Erlangen den Austausch im Herbst fort. Heute dazu der Bericht. Übrigens laufen bereits die Planungen für die Begegnungen im Frühjahr 2020.

Am 10. September dieses Jahres ging es los. Für mich war es bereits die zweite Reise nach Wladimir, für meine beiden Kommilitonen die erste.

Das Trio vom IFA in Moskau

Wir kamen überpünktlich am Münchner Flughafen an und landeten um etwa 18 Uhr Ortszeit in Moskau Domodjedowo. Wir wurden von drei Studentinnen der Staatlichen Universität Wladimir empfangen und machten uns gemeinsam auf den Weg nach Wladimir. Ohne Stau ist das eine Strecke von ungefähr drei Stunden, wir brauchten gut fünf und kamen um Mitternacht herum in unseren Gastfamilien an.

Am nächsten Tag lernten wir die Pädagogische Fakultät und unsere Dozentin für die kommenden drei Wochen kennen. Die Studentinnen unserer Gastfamilien sind, im Gegensatz zu uns, an der Universität für das Lehramt eingeschrieben. Unser Schnittpunkt ist ihr Deutschunterricht, weswegen sie im Frühjahr 2020 zu uns an das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde kommen. Nach dem kurzen Kennenlernen folgte eine Stadtführung mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Allen voran das Goldene Tor (das eigentlich weiß ist) und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, eine sehr schöne, strahlend weiße Kirche mit goldenen Kuppeln, umgeben von einem kleinen Park und Blumenbeeten. Direkt bei der Kathedrale befindet sich auch eine der bekanntesten Aussichtsplattformen, von der aus man einen wunderbaren Blick auf das Umland und die Kljasma hat.

Abendstimmung in Wladimir

Wir hatten täglich drei Stunden Sprachunterricht bei einer extra für uns abgestellten Dozentin, die kaum Deutsch sprach. Wir einigten uns gleich am ersten Tag darauf, den Fokus auf das Sprechen zu legen, weshalb wir viele Gespräche führten. Außerdem zeigte die Dozentin uns einen amerikanischen Russischlehrfilm, in dem ein Alien nach Sankt Petersburg geschickt wurde, um dort warme Kleidung und Schnaps gegen die auf seinem Heimatplaneten hereinbrechende Eiszeit zu kaufen. Wir konnten aus dem Sprachunterricht viele neue Wörter und Redewendungen mitnehmen.

In unserer ersten Woche besuchten wir eine Vorführung internationaler Tänze, die sehr farbenprächtig gestaltet war. Ansonsten nutzten wir die unterrichtsfreie Zeit, um durch die Stadt zu spazieren, Straßenhunde zu streicheln (wir haben uns danach die Hände gewaschen) und vor allem, um uns mit den Studentinnen und unseren Gastfamilien besser bekannt zu machen.

Ich für meinen Teil kann sagen, großes Glück mit meiner Gastfamilie zu haben, die mich sehr herzlich aufnahm. „Meine“ Studentin lebt mit ihren Eltern, ihrem kleinen Bruder und einer Katze in Laufnähe zur Universität. An dieser Stelle möchte ich ganz kurz das unglaublich leckere Essen erwähnen, das meine Gastmutter zubereitete.

Russische Küche in Wladimir

In der darauffolgenden Woche wurde es bereits deutlich kühler; während zu Hause in Deutschland noch kuschelige 20 Grad herrschten, waren es bei uns gut zehn weniger. Wir besuchten das Frauenkloster im nahen Bogoljubowo. Der Innenraum der dortigen Kirche ist sehr schön und mit reichlich Gold verziert.

Zwei Tage später fuhren wir gemeinsam mit ein paar Studenten und einer Dozentin nach Susdal. Susdal gehört ebenso wir Wladimir zum sogenannten Goldenen Ring, einer beliebtesten Touristenroute durch einige der ältesten Städte des Landes; Moskau gehört auch dazu. Miteinander verbunden bilden diese Städte auf der Karte mehr oder weniger einen Kreis, daher der Name. In Susdal besichtigten wir ein Männerkloster, kletterten auf den höchsten Kirchturm und besuchten das sehr zu empfehlende Freilandmuseum, in dem Bauernhäuser und auch ein paar Stabkirchen aus verschiedenen Jahrhunderten aufgebaut sind.

Theaterkarten zum Stück „Die Nacht vor Weihnachten“ von Nikolaj Gogol

Die Zeit verging wirklich wie im Flug. Unsere letzte Woche in Wladimir begann mit einem abendlichen Theaterbesuch. Es war ein Puppentheater und wahrscheinlich eher für Kinder gedacht, doch die Schauspieler machten einen tollen Job, und das Stück war sehr liebevoll inszeniert. In dieser Woche durften wir auch einmal am Deutschunterricht an der Fakultät teilnehmen. Die Interaktion mit den russischen Studentinnen im tatsächlichen Unterricht war für uns sehr interessant und hat uns große Freude bereitet. Unserer Ansicht nach profitieren beide Seiten sehr von gemeinsamen Stunden.

Moskauer Nächte sind hell

Gegen Ende unseres Aufenthalts fuhren wir nach Moskau – eine unglaublich riesige Stadt. Wir kamen vormittags an und fuhren im Verlauf des Tages kreuz und quer durch die Stadt. Obligatorisch waren natürlich der Rote Platz und das GUM, danach spazierten wir durch die Nikolskaja-Straße direkt am Roten Platz.

Blick auf den Zentralen Park Wladimir

Nach einer kurzen Kaffeepause fuhren wir mit der Metro zum sehr weitläufigen Ausstellungsgelände WDNCh. Dort befinden sich unter anderem verschiedene Ausstellungspavillons, ein Erinnerungsmuseum an Kosmonauten und ein großer „Brunnen der Völkerfreundschaft“ mit goldenen Frauenstatuen, die jede ein Mitgliedsland der ehemaligen Sowjetunion repräsentiert. Ein beliebtes Motiv auf diesem Ausstellungsgelände ist дедушка (Opa) Lenin.

Abends folgte noch eine Stadtrundfahrt durch das nächtliche Moskau. Wir waren zwar unglaublich erschöpft, aber gelohnt hat es sich dennoch. Wir sahen den beleuchteten Kreml, besuchten verschiedene Wirkungsstätten bekannter Wissenschaftler vergangener Jahrhunderte, das Geschäftszentrum Moscow City, fuhren am Fußballstadion Luschniki vorbei und waren zu guter Letzt wieder am Roten Platz, der nachts wirklich angenehm leer ist. Alles in allem reichen aber eineinhalb Tage natürlich kaum für eine Metropole wie Moskau, es gibt noch eine ganze Menge dort zu entdecken und zu besuchen.

So endeten unsere drei Wochen in Wladimir, und wir flogen zurück nach Deutschland. Wenn man etwas länger im Ausland verbracht hat, braucht man danach wieder einige Tage, um wirklich wieder zu Hause anzukommen. Wir haben sehr viel erlebt und gesehen und konnten die Kultur und die Lebensweise des Gastlandes ein wenig kennenlernen.

IFA

Das Erlanger Trio mit mit dem Wladimirer Quartett

Abschließend möchten wir betonen, wie bereichernd so eine Städtepartnerschaft sein kann. Es ist unglaublich toll, diesen Austausch machen zu dürfen, und wir können jedem Zweifler nur dazu raten, es uns gleichzutun.

Loreena Götz

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Zwei Kenner des Landes machen sich gemeinsam mit ihren Ehefrauen im September 2019 auf den Weg und ergänzen sich:

Blick vom Patriarchengarten auf die Altstadt von Wladimir

Der Experimentalphysiker, Andreas Magerl, emeritierter Professor der Friedrich-Alexander-Universität, betreut schon seit Jahren einen Austausch deutscher und russischer Studenten, wobei er in engem Kontakt mit verschiedenen russischen Universitäten steht. Der ehemalige Leiter des Gymnasiums Fridericianum, Gerhard Hammer, wiederum kennt die Erlanger Partnerstadt gut und hat einen bis heute funktionierenden Austausch mit einer Schule in Wladimir begründet. Er stellte auch den Kontakt mit der Universität Wladimir für den Wissenschaftler her. Diese beiden Projekte der Zusammenarbeit bildeten den organisatorischen Rahmen für eine hochinteressante Reise nach Moskau, Wladimir und Kasan.

Ludmila Suschkowa, Gerhard Hammer, Andreas Magerl, Ansor Saralidse und Olga Chochlowa

Was Moskau für eine pulsierende Weltstadt ist, wissen wohl die meisten. Beeindruckend sind das reibungslose Funktionieren des öffentlichen Verkehrswesens und der ausgezeichnete Zustand der touristischen Attraktionen. Insbesondere die religiösen Stätten werden aufwendig restauriert und blitzen mit zahlreichen frisch vergoldeten Kuppeln. Eine umfangreiche international bestückte Ausstellung zum Thema „The coming world: Ecology as the new Politics“ zeigt, wie das Umweltproblem auch hierzulande sehr wohl erkannt worden ist.

Ein pünktlicher und schneller Zug bringt die Reisenden in zwei Stunden nach Wladimir, das sich als muntere Stadt mit Straßenfest, wunderbaren Parkanlagen und vielen netten Restaurants und Cafés von seiner besten Seite zeigt. Überall sind junge Leute engagiert beim Arbeiten zu sehen, und im gastronomischen Bereich gibt es innovative Konzepte, wie z. B. ein Familiencafé mit angeschlossenem Spielzimmer für kleine Gäste. Untergebracht sind die beiden Ehepaare im Erlangen-Haus, in dem neben einem kleinen Hotelbetrieb (man muß sich dort wohlfühlen!) vor allem Deutsch unterrichtet wird. Dabei sind das Niveau der Lehrkräfte und ihr Engagement beeindruckend. Den Höhepunkt der Reise bildet der durch Peter Steger, den Partnerschaftsbeauftragten Erlangens, vorbereitete Besuch in der Universität, wo die deutschen Gäste vom Rektor, Ansor Saralidse, und der Bildungsbeauftragten der Regionalduma, Olga Chochlowa, mit einem offiziellen Empfang sehr freundlich aufgenommen werden.

Andreas Magerl, Ludmila Suschkowa, Ansor Saralidse, Olga Chochlowa, N.N. und Gerhard Hammer

Der Zug zur 800 km langen Weiterreise nach Kasan fährt pünktlich vom Bahnhof Wladimir zur Fahrt in Richtung Sibirien ab und bietet einen höchst angenehmen Service.

In der Hauptstadt der halbautonomen Republik Tatarstan fällt das offensichtlich einvernehmliche Zusammenleben der muslimischen und christlichen Bevölkerung auf: Prächtige Kirchen und ebensolche Moscheen stehen in Kasan nebeneinander, und auch sonst macht die betriebsame Stadt einen offenen und wirtschaftlich aufstrebenden Eindruck.

Kasan

Insgesamt war es eine sehr bildende Reise, sowohl touristisch als auch unter dem Aspekt der Begegnung mit der Bevölkerung ein voller Erfolg. Die große Freundlichkeit, mit der wir Deutsche überall behandelt werden, steht im Gegensatz zu manchen bestehenden Vorurteilen.

Besonderer Dank gebührt Herrn Steger, ohne dessen kompetente Hilfe diese Reise nicht so erfolgreich verlaufen wäre: Man konnte deutsch-russische Partnerschaft im besten Sinn und auf verschiedenen Ebenen erleben.

Eva-Maria Hammer

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Das Seminar für Geschichte und Theologie des Christlichen Ostens der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, ist im Besitz einer einmaligen historischen Sammlung theologischer Literatur aus der Bibliothek des Heiligsten Regierenden Synods der Russischen Orthodoxen Kirche. Und hier, im 1. Stock der Kochstraße 6, beugen sich Natalia Markowa, Dekanin des Instituts für Geisteswissenschaften, und Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften an der Staatlichen Universität Wladimir, wieder über die Bücher, mit denen sie ihre Seele auftanken.

Jewgenij Arinin, Natalia Markowa und Witalij Galkin

Hier, in der Synodalbibliothek, sind ca. 4.300 Titel, also mehr als 6.000 Bände, in russischer und kirchenslawischer Sprache aus allen theologischen Disziplinen gesammelt. Die Ausgaben stammen aus dem mittleren 18. bis beginnenden 20. Jahrhundert. Darunter befinden sich auch kostbare Originaleinbände sowie kultur- und kunsthistorisch wertvolles Bildmaterial (Radierungen, Photographien, Kartenmaterial).

Im Verbund mit der Seminarbibliothek Christlicher Osten (ca. 10.000 Signaturen) und der zugehörigen Microfiche-Sammlung der wichtigsten historischen theologischen Zeitschriften aus Rußland (110 Titel in ca. 1.300 Kassetten) bietet sie eine hervorragende Infrastruktur zur Erforschung der russisch-orthodoxen Theologie und Kirchengeschichte, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts.

Der größte Teil des Erlanger Synodalbibliotheksbestandes trägt alte Signaturen der Bibliothek des Heiligsten Synods der Russischen Orthodoxen Kirche. Darüber hinaus finden sich ca. 45 weitere private und kirchliche Besitzeinträge russischer Provenienz. Überlieferte Dokumente belegen, daß die Bücher in den 30er Jahren über das sowjet-russische Staatsantiquariat Международная книга – International Book an den Martin-Luther-Bund Erlangen verkauft wurden. 1954 gingen sie an die Erlanger Universität und bildeten den Grundstock der heutigen Seminarbibliothek Christlicher Osten am Fachbereich Theologie.

Etwas in der Art wie hier, so die Gäste, finde man nirgendwo auf der Welt, „auch nicht bei uns in Rußland“. Und alles so zugänglich. Besonders jetzt, wo noch Ferien sind. „Das wollen wir nutzen, auch am Tag der Einheit. Wir haben den Schlüssel… Man kennt uns ja hier.“ Und dann ist da immer noch das Projekt zur Untersuchung von Auswirkungen des Religionsunterrichts an russischen Schulen auf Jugendliche, an dem das Team beharrlich arbeitet. Für den Winter ist schon der nächste Besuch vorgesehen. Da kann die russische Seele in Erlangen wieder auftanken.

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Wie schnell es manchmal gehen kann: Anfang Juli hatte das Ehepaar Heinz und Elvira Gerhäuser eine Einladung der Staatlichen Universität zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung angenommen https://is.gd/u8FvX6 und dabei neben dem Bildhauer Igor Tschernoglasow vor allem Jewgenia Kulikowa kennengelernt. Bei diesem Treffen der fränkischen Künstlerin und der russischen Dozentin für Keramik, Design und Architektur muß es zu einer kreativen Initialzündung gekommen sein, denn nach einem intensiven Austausch von Informationen und Vorstellungen per Internet folgte Jewgenia Kulikowa dem Ruf nach Waischenfeld, um ihre Gastgeberin zwei Wochen lang darin zu unterweisen, wie man am besten Tonformen vorbereitet, die ihrer Glaskunst später Form und Gestalt verleihen sollen. Ein Meisterinnenkurs eben.

Jewgenia Kulikowa, Heinz und Elvira Gerhäuser, Igor und Sergej Tschernoglasow

Und dann kommt gestern auch noch der Großmeister der Wladimirer Kunstszene mit seinem Sohn für einige anregende Stunden hinzu. Beide hängen noch einige Tage an das Symposium im Skulpturenpark von Tennenlohe dran, um Museen und Kirchen zu besichtigen und neue Inspirationen zu sammeln. Igor Tschernoglasow examinierte einst die damalige Studentin Jewgenia Kulikowa, dann verloren sich die beiden aus den Augen; erst die Städtepartnerschaft brachte sie nun wieder zusammen.

Elvira Gerhäuser und Jewgenia Kulikowa

Wo aber zwei oder drei sich im Namen der Kunst versammeln, da ist die Inspiration mitten unter ihnen. Und so nimmt es denn auch nicht wunder, wenn schon nach kurzer Zeit nicht nur über all die Feinheiten und Nuancen der verschiedenen Techniken, sondern auch über Möglichkeiten gesprochen wird, wie man in Zukunft mehr gemeinsam machen könnte. Gern auch unter Einbeziehung der Naturwissenschaften, die, wie der ganzheitlich denkende, ehemalige Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Systems, meint, von diesem Dialog mit der Kunst viel lernen können.

Wie das gehen könnte macht seine Frau, die selbst Kinder in Kunst unterrichtet, bereits vor: die Grenzen der Materialien überschreiten, Fusionen herstellen, Mischformen gestalten.

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser neuen Zusammenarbeit – und erst recht auf die Früchte der Ideen, die da gestern in der ruhenden Mitte der Fränkischen Schweiz zu keimen begannen. Es wird vielleicht länger dauern als die wenigen Wochen Vorbereitung auf den Meisterinnenkurs, aber die Geduld wird sicher belohnt.

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