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Posts Tagged ‘Sigrid Köhn’


In einem Brief an die Redaktion des Blogs schreibt Sigrid Köhn, seit vielen Jahren Gastgeberin, wann immer Gruppen aus Wladimir unterzubringen und zu betreuen sind:

Herbert und Ute Schirmer, Marina Trubizyna sowie Sigrid und Johannes Köhn, Mai 2011

Hiermit sende ich Ihnen Eindrücke meiner Reise nach Wladimir (6. – 13. Oktober). Dies war jetzt mein dritter Besuch in Wladimir, nachdem ich meine Freundin und ihre Familie beim Fränkischen Fest 1993 in der Partnerstadt kennengelernt hatte. Sie sprach mich damals an und war dann auch dreimal in Erlangen. Als Deutschlehrerin (seit zehn Jahren im Ruhestand) ist sie immer noch an der deutschen Sprache interessiert, die sie mit ihrem Enkel früh geübt hat. Nun unterstützt sie ihn auch im Deutschstudium und hilft Schülern beim Erlernen der Sprache. Sie beklagt allerdings die „neuen“ Unterrichtsmethoden und den Umstand, auch als ehemalige Lehrerin in der Gesellschaft nicht die rechte Anerkennung zu erfahren. So habe sie zum Beispiel am Tag des Lehrers nur von einer einzigen ehemaligen Schülerin eine Grußkarte bekommen. Doch sie kennt ihren Wert und tritt im Alltag selbstbewußt und resolut auf und läßt, wenn nötig, ihre Beziehungen zu ehemaligen Schülern spielen. Auf diese Weise hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihr zwei Tage in Moskau zu verbringen.

Wladimir

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Die überwältigende Gastfreundschaft kann man nur bewundern. Dabei hat meine Freundin nur eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung, in der sie vor meinem Besuch auch eine Erlanger Studentin beherbergt hatte (Bericht folgt, Anm. d. Red.), und besitzt einen Schrebergarten, in dem wir zusammen gearbeitet haben. In den vier Tagen Wladimir waren wir im Puppenmuseum, in Klöstern und Kirchen in der Stadt, in der Kirche an der Nerl und in verschieden Markthallen und Geschäften mit reichem Angebot, besonders im Globus, in dem mich das Fischangebot beeindruckte. Meine Freundin beklagt zwar die hohen Preise, achtet aber sehr auf Qualität und „gönnt“ sich auch etwas. Dabei wollte sie auf keine Weise, daß ich bezahle. Freilich hinterließ ich dann meinen Anteil als „Abschiedsgeschenk“ bei der Tochterfamilie und ihrem Enkel.

Wladimir Fedins Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

So schwierig die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von uns aus erscheinen, trifft man in Wladimir überall höfliche und freundliche Menschen, und es ist es deshalb wert, die Kontakte zu pflegen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Reise.

Sigrid Köhn

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Marina Trubizyna, flankiert von Freunden: Fam. Schirmer u. Fam. Köhn

Heute geht die einwöchige Hospitation an der Heinrich-Kirchner-Schule für Marina Trubizyna zu Ende, ein Aufenthalt – für sie der erste in Deutschland überhaupt -, der möglicherweise ein ganz neues Kapitel im Austausch der Partnerstädte aufschlägt. Erstmals nämlich standen die Grundschüler im Zentrum der Aufmerksamkeit, die ersten vier Jahre, wo es den Kindern noch so leicht fiele – man weiß das aus ungezählten Analysen -, eine Fremdsprache zu erlernen und wo doch die Politik noch viel zu wenig tut, um dies im Rahmen des Stundenplans zu ermöglichen. Immerhin: An der Heinrich-Kirchner-Schule wird Englisch ab der 2. Klasse unterrichtet. Noch früher freilich beginnt man damit in der Marina Trubizynas Schule Nr. 23, benannt nach dem in Wladimir geborenen Physiker Alexander Stoletow, nämlich bereits in der 1. Klasse, wenn auch nur mit einer Stunde pro Woche. Ab der 2. Klasse sind es dann schon zwei, dann drei und ab der 5. Klasse fünf Stunden. Von der 8. Klasse an werden sogar die Fächer Erdkunde, Ausländische Literatur und Geschichte, Kulturwissenschaft der Länder Europas, Ökologie und ab der 11. Klasse  sogar Angewandte Wirtschaftskunde in englischer Sprache unterrichtet. Bisher war es so, daß von der 5. Klasse an als zweite Fremdsprache verpflichtend entweder Deutsch oder Französisch angeboten wurden, ab der 7. Klasse heißt es auch noch Latein büffeln. Nun will man sogar versuchen, Deutsch schon ab der 2. Klasse einzuführen. Leisten müssen das bei insgesamt 950 Schülern – davon gut 400 in den ersten vier Klassen – 15 Lehrkräfte für Englisch, zwei für Französisch und vier für Deutsch.

Wenn man Marina Trubizyna, ihres Zeichens Englischlehrerin mit sehr guten passiven Deutschkenntnissen, fragt, worin der Unterschied beim Unterricht liege, zögert sie lange mit der Antwort:

Hier geht es nicht so formal zu, wie das bei uns noch immer üblich ist. Die Kinder geben sich freier, ungezwungener, was sich auch in der Sitzordnung widerspiegelt. Bei uns sind die Reihen der Schulbänke wie mit dem Lineal gezogen, hier bildet man gern Kreise und geht ab vom Frontalunterricht. Aber wir gehen auch bereits in diese Richtung, machen viel Gruppenarbeit und stärken die Eigeninitiative der Schüler. Das gelingt uns besonders gut mit Wettbewerben zur Förderung der Kreativität. So nehmen wir zum Beispiel regelmäßig an der Aktion „Lesende Stadt“ teil und lassen die Kinder ihre eigenen Bücher zusammenstellen und sogar herausgeben. Finanziert wird das unter anderem durch einen Bücherbasar.

Bei dem Thema spürt man den ganzen Enthusiasmus einer leidenschaftlichen Pädagogin, einen Enthusiasmus, ohne den man freilich auch in Rußland diesen Beruf nie ergreifen würde. Ungeachtet aller Versprechungen der Politik gilt der Lehrerstand noch immer viel zu wenig, und die Entlohnung, – sie bleibt ein trauriges Kapitel. Auch wenn man sein Deputat voll ausschöpft, kommt man auf gerade einmal 8.000 Rbl., ganze 200 Euro im Monat. Marina Trubizyna nimmt es mit bitterem Humor: „Wenn man nur eine Schicht arbeitet, reicht es hinten und vorne nicht mit dem Geld fürs Leben, arbeitet man aber zwei Schichten, reicht es nicht mit der Zeit fürs Leben.“  Doch auch der Schule selbst fehlt das Geld: Die Obergrenze für Schlüsselzuweisungen liegt bei 800 Schülern. Was dann tun, wenn man 950 Köpfe zählt?

Zur Frage Fremdsprachen in der Grundschule will sich Marina Trubizyna nun mit der Leiterin der Heinrich-Kirchner-Schule, Susanne Schmid, weiter per Internet austauschen, und eine Einladung nach Wladimir ist auch schon ausgesprochen. Im August dann kommt sie mit einer Jugendgruppe wieder nach Erlangen, dann schon zu Freunden wie den Ehepaaren Johannes und Sigrid Köhn und Herbert und Ute Schirmer, die sich die Unterbringung der Besucherin geteilt und wahrlich nicht zum ersten Mal geholfen haben, Gästen aus Wladimir ein Zuhause zu geben. Dafür auch an dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön!

S. auch: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/05/26/zu-gast-an-der-heinrich-kirchner-schule/

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