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Posts Tagged ‘Sergej Sujew’


Auch wenn man sagen könnte „alle Jahre wieder“, ist es doch alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn der Staatliche Regionalsender des Gouverneurs Wladimir auch heuer wieder am Heiligen Abend die Weihnachtsbotschaft von Sergej Sujew ausstrahlte, der nicht nur für seine insgesamt höchstens 500 katholischen Seelen spricht, wenn es im Vorspann zu Sendung heißt:

Die römisch-katholische Kirche in Wladimir

Heute feiern die Katholiken auf der ganzen Welt den Heiligen Abend. In der Katholischen Kirche zum Heiligen Rosenkranz der Allerheiligsten Jungfrau Maria ist alles bereit für das Fest: feierliche Girlanden, der Christbaumschmuck, die Weihnachtssterne, die Krippe und das Konzertprogramm. Und wenn Pfarrer Sergej Sujew dann selbst sagt:

Ich begrüße Sie alle, besonders freudig all jene Christen, die nach dem westlichen Kalender heute die Geburt Christi feiern. Heute ist Heiliger Abend, der Vorabend der Geburt Christi, und natürlich möchte ich an diesem Tag allen herzlich gratulieren und Freude sowie den Segen für dieses Freudenfest wünschen, das wir Katholiken heute auf besondere Weise begehen. Morgen dann, am eigentlichen Weihnachtsfest, am 25. Dezember, finden zwei Gottesdienste statt, um 12 Uhr mittags und für alle, die arbeiten, um 19 Uhr am Abend. Diese Tage bringen uns auch dem Neuen Jahr näher. Wir haben dazu ein herrliches Konzertprogramm vorbereitet. Am 29. Dezember gibt es gleich zwei Auftritte. Und vom 2. Januar an gibt es jeden Tag Orgel- und Kammermusikkonzerte. Ich wünsche allen Frohe Weihnachten. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Frieden in der Seele, Frieden auf den Straßen unserer Stadt, unseres ganzen Landes und auf der ganzen Welt. Möge Gott, der so klein und schutzlos in unsere Welt kam, uns darin bestärken und uns die Vorfreude auf etwas Heiliges und Gutes schenken.

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Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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Unerwartet schlechte Wetterbedingungen haben auch ihre gute Seite und können schnell den Eisbrecher zu Beginn von Gesprächen spielen. Gleich nach der Landung des Flugzeuges auf einem der Moskauer Flughäfen fielen mir die hohen Schneemaßen auf dem Gelände auf, was mich aber nicht weiter wunderte. Schließlich haben wir Januar, dachte ich. Doch schon in Gesprächen während der Fahrt vom Südosten Moskaus Richtung Innenstadt ging es vor allem um den ungewöhnlichen Schneefall. Sobald man aus dem Auto ausstieg, merkte man die Höhe der Schneemassen in den Fußgängerzonen. In den Medien war von einem Jahrhundert-Schneefall die Rede. Mir bereitete der Schneesturm jedoch keine Sorge, da ich in Moskau hauptsächliche mit der legendären Metro unterwegs war. Ich hatte aber vor, während meines Verwandtschaftsbesuches in Moskau auch Freunde in unserer Partnerstadt zu besuchen. So hatte ich während meines Aufenthaltes in Moskau einen kurzen Abstecher nach Wladimir geplant. Wie bei früheren Reisen fuhr ich auch dieses Mal mit der „Lastotschka“, einem Schnellzug, der zwischen Moskau und Nischnij Nowgorod verkehrt und in Wladimir hält.

Blick auf die eingeschneite Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir

Als ich ohne Verspätung ankam, stellte ich fest, daß hier noch mehr Schnee fiel. Zuerst wollte ich mich mit Schamil Chabibullin treffen, der mit seiner Musikband „Metamorphis“ Ende 2017 beim Newcomer Festival im E-Werk die Herzen der Zuschauen erobert hatte (https://is.gd/i7pWzs). Nach dem Treffen mit ihm und anderen Mitgliedern der Gruppe war das kalte und ungewöhnliche Wetter kein Thema mehr für unsere Gespräche. Ich wurde sehr neugierig, als die Rockmusiker mir über ihre „Basis“ erzählten, die sie ohne jegliche Förderung unterhalten, und wollte sie unbedingt mit eigenen Augen sehen.

Schamil Chabibullin und Amil Scharifow

Nach einer kurzen Fahrt durch das eingeschneite Wladimir erreichten wir die „Basis“, die sich in einem Keller befand und aussah wie ein professionelles Musikstudio. Ich erfuhr, daß die Mitglieder der Band die Musik als Freizeitaktivität verstehen und das Studio aus eigenen Mitteln finanzieren. Für das Quartett ist Musik aber mehr als ein Hobby, sie ist Freundschaft, sie verbindet Menschen und bereitet Spaß. Einige der Rockmusiker waren schon mehrmals in Erlangen und haben dort viele Freunde und Bekannte. Die Teilnahme von Wladimirer Bands am Newcomer Festival ist ja schon zu einer guten Tradition geworden. Der Austausch leistet einen wichtigen Beitrag zur Städtepartnerschaft, und dabei spielen Menschen wie Schamil, dem unsere Kontakte sehr am Herzen liegen, eine wichtige Rolle. Mit ihm kann man nicht nur über Musik, sondern auch über gesellschaftliche und deutsch-russische Themen reden.

Amil Scharifow und Sergej Sujew

Als wir beim Spaziergang durch die Innenstadt an der einzigen katholischen Kirche vorbeikamen, stattete ich dem dortigen Pfarrer, Sergej Sujew, einem langjährigen Freund der Städtepartnerschaft, einen unangekündigten Besuch ab. Schließlich dürften die Türen des Gotteshauses offen sein, dachte ich – und wurde nicht enttäuscht. Der Geistliche war über meinen Überraschungsbesuch sichtlich erfreut und schenkte mir eine CD mit russischen spirituellen Liedern. Zugegeben, diese Lieder sind die ersten religiösen Melodien, die ich auf Russisch hören werde, und ich bin gespannt, ob sie Einfluß auf meine Weltanschauung haben.

Schamil Chabibullin in der „Basis“

Am letzten Tag meines Besuches traf ich mich mit Wladimir Tichomolow, der sich Anfang 2017 bei uns in der „Berg-WG“ aufgehalten und Erlangen sowie die nähere Umgebung per Fahrrad erkundet hatte. Über seinen Aufenthalt hat der Blog hier https://is.gd/MOyI3b berichtet. Außerdem kam ich mit Wjatscheslaw Kartuchin zusammen, der auf Wladimirer Seite das Dialogforum „Prisma“ leitet. Kurz vor der Abreise besuchte ich noch Guram Tschjotschjew, einen Landsmann von mir, der in Sachen Städtepartnerschaft ein Begriff ist. Der angesehene Orthopäde war bereits Anfang der 90er Jahre zum Austausch in Erlangen und hat da viele Freunde. Wir hatten eigentlich nur vor, zusammen Kaffee zu trinken. Dann kamen wir jedoch überein, daß sich zwei aus Georgien stammende Menschen im Ausland lieber zu einem Getränk, Tschatscha genannt, verabreden sollten, das in Heimat landestypisch ist und uns verband, bis es Zeit war, nach all dem Wiedersehen mit Freunden wieder in Zug nach Moskau zu steigen… Bis zum nächsten Mal.

Amil Scharifow

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Am vergangenen Sonntag feierte St. Sebald das fünfzigjährige Jubiläum. Der am weitesten gereiste Ehrengast beim Hochamt und dem anschließenden Empfang war Sergej Sujew. Nicht von ungefähr, denn es war mit dem bereits verstorbenen Pfarrer Ferdinand Böhmer eben jene Gemeinde im Südosten Erlangens, die bereits 1991 zu den Katholiken in Wladimir erste Kontakte aufnahm, die bis heute fortbestehen.

Hochamt in St. Sebald mit Sergej Sujew

Wie verbunden die Rosenkranzgemeinde, der Sergej Sujew vorsteht, mit St. Sebald ist, bringt das Grußwort des russischen Geistlichen zum Ausdruck:

Hochamt in St. Sebald mit Sergej Sujew

Exzellenz, hochwürdigster Herr Weihbischof Herwig Gössl, sehr verehrte Ehrengäste, liebe Gemeinde, liebe Freunde!

Weihbischof Herwig Gössl und Sergej Sujew

Ich hoffe, niemandem zu nahe zu treten, wenn ich Sie Freunde nenne, denn es ist eben jene Freundschaft zwischen unseren Gemeinden, die es mir erlaubt, heute hier zu sein und mit Ihnen die Freude über das Jubiläum Ihrer Gemeinde zu teilen.

Sergej Sujew und Mecki Bernard

Schon seit vielen Jahren festigt sich diese Freundschaft kraft des Gebetes und dank der materiellen Unterstützung unserer guten Vorhaben! Deshalb ist das heute auch ein Tag der Dankbarkeit gegenüber Gott und Ihnen!

Sergej Sujew, Georg Kaczmarek und Martina Schuberth vom Orgateam

Diese Beziehungen legen heute gegenüber der Welt und unseren Ländern Zeugnis dafür ab, daß wir vor Gott alle eine Familie der Gläubigen sind!

Kurt Reiter, Stadtrat José Ortega, in Vertretung von Oberbürgermeister Florian Janik, und Sergej Sujew

Deshalb vermag niemand und nichts uns zu trennen!

Sergej Sujew und Kurt Reiter

Als hätte es noch eines Beweises für die Dankesworte bedurft, in die der Priester ausdrücklich Georg Kaczmarek als aufmerksamen Organisator und sprachkundigen Koordinator seines Aufenthalts einbezog, übergab Kurt Reiter, Vorsitzender des Ausschusses „Weltkirchen, Interkulturelle Kontakte“ im Pfarrgemeinderat von St. Sebald und Mitglied beim Förderverein „Nadjeschda“, einen Betrag von 500 Euro zur Verwendung durch die Rosenkranzgemeinde, gesammelt bei einer Sonderkollekte.

Sergej Sujew, sprachlich betreut von Irene und Viktor Korobkin

Seinen Kurzbesuch, der heute schon wieder endet, nutze Sergej Sujew aber auch noch zu einem Treffen mit Erzbischof Ludwig Schick, spätestens seit seinem Besuch in Wladimir im August 2012 der Rosenkranzgemeinde freundschaftlich zugetan. Das Gespräch, das dem sich erfreulich entwickelnden Jugendaustausch ebenso galt wie den Fortschritten beim Bau des Pilgerzentrums, wo das Erzbistum Bamberg auch in der nun bevorstehenden Schlußphase weiter nach Kräften helfen will, kundig koordiniert von Michael Kleiner, stand denn auch, wie der Gast bemerkte, ganz im Geiste der gestrigen ersten Lesung aus Hebrärer 10, 32-36:

Sergej Sujew, Erzbischof Ludwig Schick und Michael Kleiner, Leiter des Referats Weltkirche

Erinnert euch an die früheren Tage, als ihr nach eurer Erleuchtung manchen harten Leidenskampf bestanden habt: Ihr seid vor aller Welt beschimpft und gequält worden, oder ihr seid mitbetroffen gewesen vom Geschick derer, denen es so erging; denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und auch den Raub eures Vermögens freudig hingenommen, da ihr wußtet, daß ihr einen besseren Besitz habt, der euch bleibt. Werft also eure Zuversicht nicht weg, die großen Lohn mit sich bringt. Was ihr braucht, ist Ausdauer, damit ihr den Willen Gottes erfüllen könnt und so das verheißene Gut erlangt.

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß fand in ihrer gestrigen Rede zur Verleihung des „Ehrenbriefes der Stadt Erlangen für besondere Verdienste im Bereich der Jugendarbeit“ an Jutta Schnabel wieder einmal die richtigen Worte, als sie sagte, eine Laudatio, deren Dauer eher in Minuten denn in Stunden gemessen werde, biete nicht genug Raum für alles, was ausgesprochen werden sollte. Da blieb denn auch wirklich nur Zeit, auf die wichtigsten Stationen einer erstaunlichen Biographie hinzuweisen, die im vierzehnten Lebensjahr mit der Gründung des Bubenreuther Ministrantenrats in die Öffentlichkeit trat und sich bald darauf mit der eigenen Band „Los Cravalos“ Gehör verschaffte. Im weiteren darf der Blog – mit wenigen Auslassungen – direkt aus der Laudatio zitieren:

Seit 17 Jahren kann auch der BDKJ, der „Bund der Katholischen Jugend“ auf Jutta Schnabel zählen. Im Vorstand, im Schulungs- und Organisationsteam von Freizeiten, bei religiösen Projekten sowie der Vertretung des BDKJ im Stadtjugendring setzt sie Akzente. Jutta Schnabel sitzt für den BDKJ im Dekanatsvorstand  und kann so die Belange der kirchlichen Jugend auf höchster Ebene vertreten.

Gar nicht zu überschätzen ist Juttas Engagement für den Jugend-Austausch mit unserer russischen Partnerstadt Wladimir. Im Jahr 2000 war Jutta Schnabel dabei, als zum ersten Mal eine katholische Jugendbegegnung mit Wladimir stattfand. Sie knüpfte dort die Kontakte zur katholischen Rosenkranzgemeinde, die seitdem fester und fruchtbarere Bestandteil der Städtepartnerschaft sind. Der jetzige Pfarrer, Sergej Sujew, baut seit Jahren auf Jutta Schnabel. Er war übrigens erst vor kurzem aus einem sehr traurigen Grund in Erlangen, nämlich zur Beerdigung des viel zu früh verstorbenen Rolf Bernard, auch dieser ein Urgestein des Jugendaustausches mit Wladimir. Er hätte sich über Ihre Ehrung, liebe Frau Schnabel, riesig gefreut, sein Name darf in dieser Laudatio daher nicht fehlen.

Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Susanne Lender-Cassens

Seit 2007 sind Sie beim Thema Wladimir nicht nur Teilnehmerin, sondern Organisatorin und ließen sich auch nicht durch einen unfreiwilligen Termin bei der Polizei in der Partnerstadt – mit stundenlanger Befragung wegen eines angeblichen Visum-Vergehens – entmutigen. Das Ende war eine  Sanktion durch die Ausländerbehörde, oder durch den Staatsschutz, für fünf Jahre wurde Frau Schnabel die Einreise in die Russische Föderation verboten. Siehe: https://is.gd/CFfOg6

Jutta Schnabel beim Erkennungsdienst 2010

Trotz dieser Hindernisse von staatlicher Seite blieb Frau Schnabel auch von Deutschland aus die treibende Kraft für den Jugendaustausch zwischen Erlangen und Wladimir. Sie baute ein ehrenamtliches Team auf, setzte neue Impulse, um die Begegnung weiter möglich zu machen. Ohne das Engagement von Frau Schnabel, soviel ist sicher, gäbe es diesen Austausch und die so enge Einbindung der Rosenkranzgemeinde nicht.

Udo Zettelmaier, Michael Kleiner, Jutta Schnabel, Rolf Bernard und Sergej Sujew, 2015

Michael Kleiner, Leiter des Referats Weltkirche im Erzbistum Bamberg, betonte erst kürzlich, die Begegnungen zwischen dem BDKJ, der Rosenkranzgemeinde und der Universität in Wladimir seien landesweit der einzige dauerhafte und regelmäßige Austausch dieser Art. Garant für diese Dauerhaftigkeit, das kommt jetzt nicht unerwartet, ist Jutta Schnabel.

Jutta Schnabel beim Gesprächsforum „Prisma“ in Wladimir, 2017

Wenn Jutta Schnabel dann auch noch im Vorstand des Vereines Nadjeschda aktiv ist, überrascht das schon kaum mehr. Dieser, vom unvergessenen Eltersdorfer Pfarrer Konrad Wegner gegründete Verein unterstützt Projekte in Wladimir, wobei sein Name, der auf Deutsch „Hoffnung“ heißt, Programm ist.

Jutta Schnabel auf dem Weg nach Wladimir zum Jugendleitertreffen 2017

Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit Blick auf die weltpolitische Lage, auf die Wahlen in Frankreich und in Deutschland bringe ich das Engagement von Jutta Schnabel bei Amnesty International bewußt ganz zum Schluß. Der Einsatz für Menschenrechte, für Toleranz im aktiven Sinne, gegen Rassismus und Diskriminierung, für Vielfalt in unserer Stadt ist heute wichtiger denn je.

Jutta Schnabel 2011

Wenn eine Partei, deren Vorsitzende es befürwortet, an unseren Grenzen auf wehrlose Männer, Frauen und Kinder zu schießen, deren einziges Ziel Schutz und Sicherheit ist, möglicherweise in den Bundestag gewählt wird, dann ist die Unterstützung, die aktive Mitarbeit bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International elementar wichtig.

Jutta Schnabel trägt mit ihrem vielseitigen Engagement dazu bei, dass Menschen in Erlangen wie in Wladimir, aber auch an vielen anderen Städten unserer Welt die Hoffnung nicht verlieren.

Jutta Schnabel bei der Jugendbegegnung mit Wladimir 2016

Bleibt nur, Jutta Schnabel auch seitens der Blog-Redaktion herzlich zu gratulieren. Ihr Wirken füllt hier Spalte um Spalte und findet vor allem vielstimmigen Wiederhall in den Erfahrungen und Erlebnissen der ungezählten Jugendlichen, die mit und dank der Physikerin – ja, sie arbeitet auch noch an einer wissenschaftlichen Laufbahn! – das interkonfessionelle und ökumenische Verständigungswerk zwischen West und Ost gestalten. Danke, liebe Jutta! In Dir vereinen sich Glaube, Liebe und Hoffnung zu einer Energie, ohne die unserer Partnerschaft mit Wladimir eine Quelle fehlen würde, aus der wir alle immer wieder Kraft schöpfen dürfen.

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Über das Wesen des Osterfestes in der Ostkirche war hier bereits viel die Rede, natürlich auch über die – bei allen Unterschieden – grundlegenden Gemeinsamkeiten mit der westlichen Christenheit. Den verbindenden Geist der Auferstehung vermag aber nichts mehr erlebbar machen als eine Begebenheit, die sich vor fast 70 Jahren in Wladimir zutrug und noch heute das Herz erwärmt:

Florian Janik und Sergej Sujew vor der Rosenkranzkirche in Wladimir, Karwoche 2017

Otto Kleinhenz aus der Rhön erinnert sich an eine Begegnung zu Ostern 1948:

Es wurde in Rußland Frühling. Wir, die Gefangenen des Hauptlagers, waren mit unserem Arbeitskommando auf der Ziegelei. Mit einigen Kameraden war ich im Trockenschuppen beschäftigt, mußte Schmutz und Unrat aus den angrenzenden Wohnhäusern beseitigen. Das half nur, unsere Traurigkeit an diesem hellen Ostermorgen zu verstärken. Doch auf einmal erklang von der goldbekuppelten Kirche der schwere Schlag der Glocken. Ganz behutsam, als gelte es nicht die Freude der Auferstehung, sondern das Leiden Christi zu verkünden. Ich lauschte, schloß die Augen, und meine Gedanken wanderten mit dem ganzen Schmerz des Heimwehs in das Heimatdorf. Es war einfach schlimm. Doch zum Leid kam dann doch auch ein Engel der Liebe und Freude Gottes – ganz unverhofft. Ich lief durch den Schuppen, und da kam mir eine seit langem gut bekannte Babuschka entgegen, blieb bei mir stehen, packte aus einem Tüchlein drei kleine Kartoffeln und drei Bonbons aus, sah mich wie eine liebende Mutter an und sagte mir den Ostergruß: Christ ist erstanden, wahrlich ist er erstanden! Damit tat sich für mich ein Stück Himmel auf durch die gütige Seele einer russischen Mutter, die ich immer wieder vor mir sehe, und die mich immer wieder bewegt, anderen zu helfen.

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Voller Vorfreude zeigte sich gestern vormittag Olga Dejewa beim Empfang für die Delegation ihres Kollegen Florian Janik auf die „unmittelbar bevorstehende Geburt“ des neuen Kindes der Städtepartnerschaft, das Gesprächsforum „Prisma“, durch das man sich in Zukunft Probleme und Fragen aus Politik und Gesellschaft ansehen will, die ebenso trennen wie verbinden können. Ganz wie man sie betrachtet, isoliert oder im Zusammenhang, aus dem Blickwinkel der Gemeinsamkeiten oder des Gegensatzes.

Florian Janik und Olga Dejewa mit dem Gastgeschenk, einer Schale aus der Werkstatt von Inge Howein

Wer die Partnerschaft kennt, weiß, in welche Richtung die Diskussion zwischen Erlangen und Wladimir – auch bei strittigen Themen – gehen wird, dennoch war auch in der Teilnehmer-Runde zu Beginn eine gewisse Spannung zu spüren, denn der gewählte Komplex „Migration“ erlaubt hier wie dort viele Deutungen, macht buchstäblich Stimmungen, birgt Potential für die Künder einfacher Lösungen, macht Schlagzeilen, hinter denen die notwendige Analyse oft verschwindet.

Das zu vermeiden, hier den Dialog walten zu lassen, nicht auf „Schlagworte zurückzugreifen und an der Oberfläche zu bleiben“, wie es Erlangens Oberbürgermeister formulierte, sondern sich durchaus auch selbstkritisch mit der Materie auseinanderzusetzen, soll Ziel der Diskussion sein. Mit der Betonung ausdrücklich auf Diskussion.

Florian Janik, Olga Dejewa und Wjtascheslaw Kartuchin

Der geschickt agierende Moderator und Leiter der gastgebenden Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, Wjatscheslaw Kartuchin, verstand es denn auch im Lauf der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung dem Austausch von Meinungen, dem Spiel von Fragen und Antworten den notwendigen Raum zu geben. Und er bewies Mut zur Improvisation, ließ dem freien Austausch seinen guten Lauf, griff nur immer wieder mit behutsamen Mahnungen ein, sich konkret zu fassen, die Uhr im Blick zu behalten.

Blick ins Plenum

Diesem freien Reglement opferte der Gastgeber sogar die beiden russischen Vorträge, nachdem die Präsentationen der Historikerin, Julia Obertreis, und des Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Erlangen, Amil Sharifov, bereits mehr als genug Anregung zum Disput gegeben und Jutta Schnabel vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Bewältigung der Herausforderungen durch Migrationsfragen umrissen hatte. Auch der offizielle Teil blieb wohltuend kurz gehalten: die Begrüßung, die Unterzeichnung der Gründungsurkunde des Forums – und gleich in medias res.

Florian Janik und Olga Dejewa

Wie groß das Interesse an dieser Diskussionsplattform ist, zeigt die Berichterstattung der Medien. Keine TV-Anstalt, keine Redaktion, die nicht vertreten gewesen wäre, nicht Fragen danach gestellt hätte, wie man in Erlangen an die Migration herangeht. Zu wenig Informationen, das ist deutlich zu spüren, erhält man hier aus erster Hand, zu viel ist das Bild geformt von medialen Vereinfachungen.

Julia Obertreis

Da war es denn auch wichtig, einmal den Zusammenhang nicht schlicht, sondern im geschichtlichen Überblick herzustellen, also zu zeigen, wie Deutschland über die Jahrhunderte von Immigration profitierte – von Hugenotten über Russen während der Sowjetzeit und Spätaussiedler bis zu den Heimatvertriebenen nach dem Krieg und zu den Gastarbeitern -, aber auch welche Auswanderungswellen es gab, etwa in die USA oder auf Einladung von Zarin Katharina II ins Russische Reich. Mit allen Fehlern, die etwa bei der mangelhaften Integration von Arbeitsmigranten gemacht wurden, wie Erlangens Oberbürgermeister einräumte: „Aber jetzt wollen wir es besser machen mit dem Focus auf Sprache und Bildung.“

Jutta Schnabel

Die russischen Partner, prominent politisch vertreten durch Vizegouverneur, Michail Kolkow, hakt da immer wieder nach: Ob die Flüchtlinge aus den arabischen und schwarzafrikanischen Staaten nicht doch eher am sozialen Netz Deutschlands interessiert seien als an der Arbeitsaufnahme, wie es um die Kriminalität und um die Bereitschaft bestellt sei, sich zu integrieren. Dem setzten die Gäste entgegen, man sehe Migration grundsätzlich positiv, eine Separierung in Flüchtlinge und andere „Fremde“ schaffe nur eine allgemein schlechte Stimmung, spalte die Gesellschaft, die jetzt aufgerufen sei, ein interkulturelles Miteinander zu ermöglichen.

Michail Kolkow, Alexander Krutow, Nikolaj Schtschelkonogow, Olga Dejewa und Florian Janik

Dabei hilft die Migration – etwa aus der Ukraine – auch der Region Wladimir, wo derzeit 800 Ärztestellen unbesetzt bleiben. Immerhin 30 Mediziner aus dem Nachbarland füllen diese Lücke nun zumindest teilweise, und Julia Obertreis wies durchaus auch auf den Beitrag der Gastarbeiter aus den zentralasiatischen Republiken zum Wohlstand der Russischen Föderation hin.

Julian Hans, Florian Janik und Julia Obertreis

Mit dem Ergebnis dieses ersten Treffens zeigten sich am Nachmittag dann alle zufrieden, auch Julian Hans von der Süddeutschen Zeitung, der eigens aus Moskau angereist war, um durch das „Prisma“ der Partnerschaft zu blicken. „Gehaltvoller als so manche Begegnung auf höherer politischer Ebene“, kommentierte er lobend. Und schon am Abend war man sich einig, das Forum schon im Herbst in Erlangen erneut tagen zu lassen, voraussichtlich unter dem Thema „Teilhabe: die Rolle der Zivilgesellschaft in den Partnerstädten“. Ein guter Ausblick auf die Zukunft einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir.

Jurij und Ljubow Katz mit Florian Janik

Zu dieser Zusammenarbeit gehört seit Anfang der 90er Jahre die Selbsthilfeorganisation „Swet“, deren Gründern, dem Ehepaar Ljubow und Jurij Katz, Erlangens Oberbürgermeister als Symbol der Verbundenheit das Stadtwappen überreichte, gefertigt von einem Bewohner der Stadt-Mission Mensch aus Molfsee.

Begehung der Baustelle Pilgerzentrum mit Pfarrer Sergej Sujew

Zu dieser Zusammenarbeit gehört ebenfalls seit den frühen 90er Jahren die Verbindung mit der Rosenkranzgemeinde, deren Bauprojekt „Pilgerzentrum“ nun in die entscheidene Phase der Innengestaltung geht, bevor, wie Pfarrer Sergej Sujew meint, mit Hilfe unserer deutschen Freunde im nächsten Jahr die Einweihung stattfinden kann.

Amil Scharifow, Wladimir Rybkin und Wolfgang Niclas

Und zu dieser Zusammenarbeit gehört nun auch der Austausch zwischen den Gewerkschaften, wie Wolfgang Niclas und sein Kollege, Wladimir Rybkin, Vorsitzender des Regionalverbands der Russischen Maschinenbaugewerkschaft, bekunden. Aber auch die Fortsetzung der Verbindung des Erlangen Jugendparlaments zu Wladimir und vieles mehr, von dem demnächst hier noch die Rede sein wird, immer mit dem Blick durch das „Prisma“.

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