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Posts Tagged ‘Sergej Skuratow’


Manchmal schickt dich das Schicksal aufs Krankenbett, damit du die Zerbrechlichkeit und Schönheit des Lebens besser wahrnimmst. Hier ergreift dich eine tiefe Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und Pflegekräften, die uns in schweren Situationen helfen. Macht euch keine Sorgen, liebe Freunde, mir geht es gut, und ich werde bald entlassen, was ich auch den Zimmergenossen wünsche.

So schreibt auf Facebook der Photograph Sergej Skuratow, der sich derzeit im Rot-Kreuz-Krankenhaus Wladimir auskuriert und tut, was immer und überall tut: Er macht Bilder von seiner Umgebung und vor allem von den Menschen. Immer mit diesem ganz eigenen Blick für das wesentliche Momentum.

Es folgt ein Triptychon zum Thema „Alter“.

Und schließlich der Abschied von der Mutter im Herbst vergangenen Jahres:

 

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Frau Holle meinte es in den letzten Wochen und Monaten gut mit Wladimir. Auch wenn die Temperaturen zumeist diesseits von dem lagen, was man vom russischen Winter glaubt, erwarten zu dürfen, fiel der Schnee in rauhen Mengen, und erst in den letzten Tagen setzte dauerhaftes Tauwetter ein, das die weiße Pracht nun überall dahinschmelzen läßt.

Hohe Zeit für Photographen wie Sergej Skuratow und Igor Gankow, aufzubrechen in jenes Zwischenreich des Abschieds vom Winter und der Vorfreude auf den Frühling.

Zeit aber auch, sich vorzubereiten auf die sprichwörtliche Weglosigkeit, auf Überschwemmungen und von der Außenwelt abgeschnittene Ortschaften. Die ersten Dörfer sind schon jetzt nur noch per Boot zu erreichen und müssen über das steigende Wasser versorgt werden.

Bald wird wohl auch Mariä Schutz an der Nerl wieder wie ein Eiland aus den Fluten ragen, aber wohl dank der künstlichen Aufschüttung aus dem 12. Jahrhundert auch heuer wieder nur nasse Füße riskieren.

Gestern dann ein Frühlingsbote im Weichselbaum des Gartens um das Erlangen-Haus, gesehen von Irina Chasowa: ein Dompfaff oder Gimpel mit einer Knospe im Schnabel. Im Russischen nennt sich der sangesfreudige Blutfink https://is.gd/eHvXqO, der bisweilen auch im Osten Erlangens gesichtet wird, снегирь, was sich von снег, Schnee, ableitet. Und dem Vogel ist ein schönes russisches Märchen gewidmet:

Es war einmal ein einsamer Vogel mit Namen Schneeling, so genannt, weil er weiß wie Schnee war und ein schwarzes Käppchen und einen schwarzen Umhang trug. Der Piepmatz war herzensgut und half immer allen, die in Not waren, teilte mit ihnen seine Beeren und Körner. Es gab viele Vögel im Wald, aber keines glich ihm, weshalb der Schneeling traurig wurde. Und als er eines Tages davonflog, weit weg, hinter die sieben Berge, traf er dort einen Vogel, der wie er selbst schneeweiß war. Die beiden Vögel freuten sich von Herzen, flogen zusammen umher, pickten Beeren im Wald, flöteten nach Herzenslust. Eines Tages aber brach über ihre kleine Welt ein schlimmer Schneesturm herein, der klirrenden Frost mitbrachte. Das ganze gefiederte Völkchen suchte sich einen Unterschlupf. Auch der Schneeling versteckte sich unter einem breiten Tannenzweig. Doch sein Freund blieb zurück. Da machte sich der Schneeling Sorgen, fragte sich, wo der Freund nur bleibe, als plötzlich ein kleiner Schneeball zu Boden fiel. Der Schneeling flog dem Schneeball nach und sah, daß es sein Freund war, erfroren und ohne Atem. Wie ihn der Schneeling auch schüttelte und rüttelte, es half alles nichts. Da weinte er lange und legte die Flügel um seinen Freund. In seiner Not wandte sich der Schneeling an die Eule um Rat. Die verriet ihm, es könne ein Wunder geschehen, wenn er dem Freund einen Tropfen seines eigenen Blutes schenke. Da pickte sich der Schneeling die Brust blutig, fing einen Blutstropfen auf und legte ihn auf die Brust des Freundes. Die ganze Brust des Freundes färbte sich sogleich purpurrot, und der Gefährte öffnete die Augen. Auch die Brust des Schneelings hatte sich vom Blut rot gefärbt. Da war die Freude der beiden Freunde groß, und die ganze Vogelwelt freute sich mit ihnen. Seither trägt der Schneeling den Namen Blutfink.

 

Michail Matjuschkin, der ein paar Kilometer vor den Toren Wladimirs wohnt, hielt bereits am 24. März die ersten Stare im Bild fest, die freilich um einiges zu früh in ihr Sommerquartier zurückkehrten. Dennoch, bald wird auch in die Partnerstadt die ganze Vogelschar zurückgekehrt sein und den Frühling besingen, während Frau Holle ihre Kissen wieder im Keller verstaut.

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Der Samstagvormittag gehört im Erlangen-Haus den Kindern. Ebenso erstaunlich wie erfreulich die Weiterentwicklung des pädagogischen Programms. Im August 2017 hatte Anna Lesnjak eine Fortbildung am Goethe-Institut in Moskau gemacht, und schon wenige Wochen später startete sie mit der Zwerglgruppe.

Man merkt es dem Großen Saal im Erlangen-Haus an: Das Unterrichtsmaterial zeigt spielerische Elemente, und die Lehrerin geht denn auch mit spielerischem Ernst ans Werk.

Man merkt es den Kindern an: kein Zwang, keine Unlust. Sie freuen sich auf den Unterricht und sind mit Eifer bei der Sache.

Wer erinnert sich noch, wie diese beiden Maskottchen heißen?

Mit einem Ball bringt Jekaterina Ussojewa alle ins Spiel. Wer ihn zugeworfen bekommt, stellt sich vor und wirft ihn dann weiter. Das ging gestern schwuppdiwupp, denn es waren nur fünf gekommen. Wo denn die andere Hälfte abgeblieben sei, fragt der Gast. „Die feiern noch den 8. Mai und die Butterwoche“, kommt prompt zur Antwort. Auch recht, wenn Festtage als Entschuldigungsgrund genügen.

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Jekaterina Ussojewa

Nachhilfe brauchen die Kleinen aber noch in Sachen Erlangen. Was das für eine Stadt ist, wo sie liegt, was sie mit Wladimir zu schaffen hat, wissen noch nicht alle. Aber, wer weiß, in fünf oder sechs Jahren kommt ja vielleicht schon die eine oder der andere per Schüleraustausch in die deutsche Partnerstadt und erinnert sich dann an diese kleine Einführung.

Peter Steger und die Zwerglgruppe

Während sich dann der Unterricht wieder dem eigentlichen Stoff – den Jahreszeiten und der Rechtschreibung – zuwendet, wartet draußen der tauende Rest des Winters.

Und wo könnte man den schöner erleben als in Susdal, wohin man für gerade einmal 100 Rubel in knapp einer Stunde mit dem Linienbus fahren kann – mit Stehplatz. Eng an eng, denn in Rothenburgs Partnerstadt gibt es etwas zu erleben: das Winteraustreiben, die Butterwoche, die Masleniza, den Höhepunkt des russischen Karnevals.

Von dem bunten Spektakel gibt es hier http://www.facebook.com/peter.steger.5492 mehr zu sehen.

Peter Steger und Sergej Skuratow

Besonders schön aber am Rand des Volksfestes: Freunde wiedersehen, wie den Bildreporter Sergej Skuratow, der die Partnerschaft seit Anfang der 90er Jahre mit seiner Kamera begleitet.

Sergej Sacharow und Peter Steger

Und natürlich Sergej Sacharow, Stadtdirektor von Susdal und bis vor dreieinhalb Jahren Oberbürgermeister von Wladimir, der sich den ganzen Nachmittag Zeit nimmt, um seine Wintermärchenstadt zu zeigen. Aber auch, was ihm besonders am Herzen liegt: das Wohl von behinderten Kindern, deren Zentrum die Stadtverwaltung nach Kräften unterstützt, etwa durch die teilweise Übernahme der Kosten für die Heizung oder des pädagogischen Personals. Ansonsten aber funktioniert die Einrichtung ganz ähnlich wie in Deutschland die Lebenshilfe.

Und dann der Höhepunkt: die Wohnung zum Lebenlernen. Eben erst eröffnet. Heute ziehen die ersten fünf behinderten Jugendlichen für zwei Wochen ein, um hier einzuüben, wie sie für sich selbst sorgen, ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Möglich wurde dies dank dem Engagement der Selbsthilfegruppe Swet, die ja seit ihrer Gründung vor einem Vierteljahrhundert eng mit Erlangen zusammenarbeitet und in Wladimir bereits Wohnungen dieser Art einrichten konnte – mit Unterstützung der fränkischen Freunde. So auch hier: Die Finanzierung des Projekts wurde möglich dank dem Verkauf eines Grundstücks – zwischen Wladimir und Susdal gelegen -, das aus Mitteln des Erzbistums Bamberg angekauft worden war, um dort eine erlebnispädagogische Einrichtung für behinderte Kinder zu schaffen. Dieses Vorhaben wurde dann in Penkino unter dem Namen „Blauer Himmel“ verwirklicht, das Bauland blieb eine Brache und ging an die Organisation Swet, die ihrerseits dort ein kleines Kinderdorf errichten wollte. Als sich auch diese Pläne zerschlugen, fiel die Entscheidung für den Verkauf, und aus dem Erlös konnte nun in Susdal – mitten im Zentrum der Stadt, gegenüber dem Marktplatz, in bester Lage – ein ganzes Haus saniert und behindertengerecht eingerichtet werden.

Guten Morgen

Viele Umwege waren nötig, um an dieses Ziel zu kommen. Aber es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben. Jeder Morgen wird daran erinnern. Möge jeder Morgen ein guter Morgen für die jungen Gäste des Hauses werden!

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21.000 sollen es wieder getan haben in der ganzen Region Wladimir. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar, zur Epiphanie oder dem Fest der Taufe des Herrn, wo es bei den orthodoxen Christen Brauch ist, den Glauben auf die Kälteprobe zu stellen, ging es an 91 Orten des Gouvernements ins vom Eis befreite Wasser.

Mehr als 500 Sicherheitskräfte sorgten bei dichtem Schneetreiben für einen gefahrlosen Ablauf der Tauchgänge – man sollte drei Mal ganz untertauchen und sich dabei bekreuzigen -, und vorab hatte man schon Wasserproben genommen und sicherheitshalber sogar die eine oder andere Taufstelle geschlossen.

„Wir gehen nicht baden, der Kater und ich liegen im Warmen“, meldet der Photograph Sergej Skuratow.

So ist denn auch gottlob nichts passiert: keine Meldungen zu Erfrierungen noch Herzversagen. Ob und wie freilich die Reinigung an Leib und Seele langfristig wirkt, wird die Zukunft weisen.

Die dem Eiswasserschaum entsteigende russische Aphrodite und ihr irdisches Publikum – oder die russische Comedia Humana.

Und überhaupt: Mit der strengen Observanz des rituellen Bades haben es nicht alle. Manche warten auch gern das Tageslicht ab, um besser gesehen zu werden, andere kommen, um besser zu sehen. Wie sie halt sind die Menschen, aus krummem Holz gemacht.

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Seit gestern ist das an Schismen wahrlich nicht arme Christentum um eine Abspaltung reicher, die freilich ihrerseits nur dank einer Einigung möglich wurde. Die seit 1921 bzw. 1992 vom Moskauer Patriarchat losgelöste autokephale und ukrainisch-orthodoxe Kirche schlossen sich Mitte Dezember zusammen und erhielten nun von Patriarch Bartholomäus, dem Primus inter pares der orthodoxen Christenheit, in Byzanz, alias Konstantinopel oder Istanbul, den Segen zu ihrer kirchlichen Unabhängigkeit.

Theologisch läßt sich diese Trennung von dem, was zusammengehört, nicht erklären. Auch wenn jetzt – sicher, wie das Amen in der Kirche – ein gegenseitiges Anathema auf den nächsten Bannstrahl treffen dürfte, handelt es sich doch einzig um einen politischen Streit, ausgelöst durch die Tragödie um die Krim und den anhaltenden Krieg in der Ostukraine, wo nicht einmal der vereinbarte Waffenstillstand über Weihnachten hält. Noch gar nicht abzusehen, was da mutwillig an seelischem und körperlichem Leid – mutmaßlich nicht in Christi Namen – angerichtet wird: Kiew, die Mutter aller russischen Städte, sagt sich von ihren Kindern los. Ein Familiendrama vor den Augen der Welt.

Dennoch, heute begehen die Gläubigen der Ostkirche den Heiligen Abend, und morgen feiern sie Weihnachten. In Wladimir zumindest das, wovon wir hierzulande immer nur träumen, ein weißes Weihnachten, zu dem der Blog nur den Frieden des Himmels wünschen kann.

Wie schön die weiße Pracht in der Partnerstadt derzeit ist, zeigen einige Bilder von Sergej Skuratow und Wladimir Tschutschadejew.

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Mariä Schutz und Fürbitt kennt alle Welt als architektonisches Juwel an der Nerl. Aber, was so schön ist wie die diese Kirche aus dem 12. Jahrhundert, weckt Begehrlichkeiten, lädt zur Nachbildung ein. Und tatsächlich gibt es allein in der Region Wladimir zwei Kopien des mittelalterlichen Bauwerks in unmittelbarer Nachbarschaft zur Partnerstadt.

Nun weihte man am 1. Oktober nach vierjähriger Bauzeit – die Genehmigung war bereits 2009 erteilt worden – den ersten Nachbau des Gotteshauses in Laa an der Thaya ein. Finanziert hatte die Arbeiten der Oligarch, Oleg Deripaska, dessen Großvater hier, im Weinviertel, im April 1945 fiel, und der auf dem Soldatenfriedhof in der niederösterreichischen Kleinstadt beigesetzt ist.

Auf 1.700 Paletten brachte man die in russischen Werkstätten gefertigten Bauteile nach Österreich, wo die Kirche nun – allerdings um ein Drittel kleiner als das Original und mit einer an die Mariä-Entschlafens-Kathedrale gemahnenden Helmkuppel sowie mit einer leicht veränderten Südfassade versehen – ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Das Original in einer Aufnahme von Sergej Skuratow

Siehe auch: https://is.gd/R7rs6W

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Tscherkutino, ein 1000-Seelen-Dorf, etwa 60 km nordwestlich von Wladimir gelegen, ist die Heimat dieses Kriegsveteranen. Sergej Skuratow sah ihn 2016 so. Damals war der einstige Späher in der Roten Armee 93 Jahre alt. Bis zu seinem 90. Lebensjahr beschäftigte er sich mit der Imkerei. Was er jetzt tut, ob er überhaupt noch lebt, wie er heißt? Wir wissen es nicht. Aber wir haben dieses Bild, das viel mehr erzählt.

Runzeln und Falten: Schützengräben der Zeit, Lebensadern, gefurchte Erinnerung. Gespinst aus Haaren, gebleicht im späten Schatten der Jahre. Nachtgestreiftes Garn der Vergangenheit. Augen, die erst in der Betrachtung zeigen, was sie sehen. So verborgen der Mund, so gerne schenkte man ihm Gehör. Verlust des nie Gesagten, des Ungehörten. Ein Versprechen, ohne sich versprochen zu haben. Der Rest ist Schweigen.

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