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Posts Tagged ‘Sergej Schtschedrin’


Seit fünf Jahren besteht der Austausch der Boxer zwischen Erlangen und Wladimir. Über die Osterfeiertage reiste nun Igor Krotter mit einem zehnköpfigen Team, bestehend aus Kämpfern des TV 1848 und weiteren Meistern ihres Fachs aus verschiedenen Regionen Deutschlands, in die Partnerstadt, um am ersten „Pokal der vier Föderationen“ – Russische Föderation, Deutschland, Polen und Usbekistan – teilzunehmen. Die Kämpfe wurden als „Wanderveranstaltung“ für alle Altersklassen in Wladimir und in den beiden Kreisstädten Murom und Kowrow mit je neun Duellen ausgetragen.

Igor Krotter, 2. v.l., mit seinen Trainerkollegen

Zunächst sah es ganz gut aus für die deutschen Sportler, nicht dank ihrer Schlagkraft, sondern, wie der Rheinländer Marcel Mangold verriet, „weil wir ständig in Bewegung blieben, um schneller als der Gegner zu sein; die Beinarbeit ist besonders wichtig beim Boxen.“ Und so stand es denn auch nach den ersten drei Kämpfen 2:1 für Deutschland. Doch dann schlugen die Russen buchstäblich zu, drehten die Sache und siegten mit 6:3. Sogar der deutsche Meister, Deniel Krotter, der im Vorjahr in Wladimir erfolgreich trainiert hatte, mußte sich hier geschlagen geben.

Deniel Krotter, mehrfacher deutscher Meister, fand hier seinen russischen Meister

Der Spätaussiedler Igor Krotter kennt beide Boxsysteme und weiß, wo die Schwächen der deutschen Verbände liegen:
Unsere Jungs, die deutsche Meister werden, kommen nicht in eine Auswahlmannschaft wie in Rußland, sondern sie boxen in ihren Vereinen unter der Anleitung ihres dortigen Trainers weiter.

Igor Krotter, links im Bild, und sein Team

Mit dem Gesamtergebnis aber kann das deutsche Team zufrieden sein: Nach den Gastgebern der zweite Platz. Rang drei und vier belegten die Polen und Usbeken.

Zufrieden ist auch Sergej Schtschedrin, der diesen Austausch so erfolgreich initiierte, weiterhin betreut und auch als Photograph begleitet:
Wir wollten von Anfang an ein Vier-Länder-Turnier veranstalten, wobei die Deutschen das polnische Team mitbrachten und wir die Usbeken zusätzlich einluden. Unser Ziel war es, verschiedene Schulen und Methoden zusammenzubringen. Dazu suchten wir auch nach einem Partner im Osten. In diesem Jahr also boxten wir hier bei uns, im nächsten Jahr geht es nach Polen, 2021 treffen wir uns in Deutschland und dann folgt Usbekistan als Gastgeber.

Gruppenbild mit Fahnen

Das Resümee für alle: Ein Turnier, das sich gut in den jährlichen Wettkampfplan fügt, ein gutes Training für die bevorstehenden Duelle und eine gute Erfahrung im internationalen Ring. Was will man mehr? Ein weiterer Sieg für die Partnerschaft war die Begegnung allemal, zumal die nächsten Runden ja schon wieder eingeläutet sind.
Unter Verwendung von Material des Senders TV6

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Der vierfache deutsche Meister im Boxen, Deniel Krotter, bereitet sich seit dem 26. September an der Wladimirer Schule für Faustkampf auf die nächste deutsche Meisterschaft vor. Morgen kommt der angehende Industriekaufmann wieder nach Franken zurück, doch zuvor erschien noch ein Interview mit dem 19jährigen auf der Internetplattform „Kljutsch“, das hier wiedergegeben wird.

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Deniel Krotter

Deniel, wir wissen, daß wir hier eine gute Boxschule haben. Trotzdem: Warum hast Du ausgerechnet Wladimir gewählt?

Ich lebe in Bayern, in Neustadt an der Aisch, 30km von Erlangen, der Partnerstadt von Wladimir, entfernt. Trainiert werde ich von meinem Vater, Igor Krotter. Er stammt aus Nischnewartowsk und siedelte erst 1996 nach Deutschland über. Deshalb spreche ich auch so gut Russisch. Unser Sportverein TV 1848 arbeitet schon lange mit der Wladimirer Boxschule zusammen, und so entschied mein Vater, es sei besser für mich, hier zu trainieren.

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Bedeutet das, Du betreibst den Boxsport seit Deiner frühen Kindheit?

Mein Vater ist dreifacher bayerischer Boxmeister, in seiner aktiven Zeit konnte er an den Landesmeisterschaft nicht teilnehmen, weil er noch keinen deutschen Paß hatte. Ich sah ihm bei seinen Kämpfen zu, und mit fünf Jahren fing ich an, ein wenig zu boxen, wechselte dann aber aufs Fußballfeld. Mit neun Jahren kehrte ich in den Ring zurück, und erst ein Jahr später bestritt ich meinen ersten Kampf. In Deutschland ist der Sport ein wenig anders geregelt. Man darf da erst ab zehn Jahren an Wettkämpfen teilnehmen. In Erlangen haben wir im Verein eine Boxabteilung für Erwachsene und Kinder, die mein Vater gründete. Er arbeitet dort als offizieller Trainer.

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Warum bereitet er Dich dann nicht selbst auf die Meisterschaft vor?

Das ist auch eine Frage des Sparringpartners. In Bayern gibt es kaum jemanden, mit dem ich trainieren könnte. Immerhin bin ich ja vierfacher deutscher Meister. In Ostdeutschland hätte man vielleicht noch jemanden finden können, aber nicht in Bayern. Das Boxen ist bei uns nicht so recht entwickelt, alle Deutschen sind verrückt nach Fußball, 80% von ihnen sind Fans oder spielen sogar selbst. Boxen steht nicht einmal auf dem zweiten oder dritten Platz. Aber nach Wladimir kommt bald Sadam Magomedow, der dreifache russische Meister, zum Training. Sein Trainer, Jewgenij Lobossow, kümmert sich jetzt gerade um mich. Mein Vater steht mit ihm in Kontakt, und die beiden meinten, es sei für mich am besten, zur Vorbereitung hierher zu kommen.

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Wann hast Du Dir den ersten Sieg erkämpft, der Dir etwas bedeutete?

2015 stand ich bei der Weltmeisterschaft mit einem Kubaner im Ring. Die Kubaner gelten ja als sehr stark im Boxen, weshalb ich einigermaßen aufgeregt war. Als ich ihn dann besiegte, konnte ich das kaum fassen. Ich freute mich, als hätte ich die ganze Meisterschaft gewonnen. Dabei war es der erste Kampf der Ausscheidung, im zweiten Duell besiegte ich einen Weißrussen, doch das dritte verlor ich gegen einen Amerikaner. Am Ende landete ich auf Platz 5. Insgesamt bestritt ich 110 Kämpfe bei 95 Siegen.

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Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Training hier und dort?

Zu Hause trainiert mich mein Vater. Er ist mit der sowjetischen Boxschule groß geworden. Grundsätzlich zeichnet sich das Training in Rußland durch mehr Intensität und Betonung einer gesamtphysischen Vorbereitung aus.

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Wie sieht Dein Tagesablauf derzeit aus?

Zunächst einmal halte ich mich an eine spezielle Diät und feste Zeiten für Schlaf und Erholung. Ich stehe um 6 Uhr auf, nehme mir eine halbe Stunde für das Frühstück und schlafe dann noch einmal. Um 9 Uhr gehe ich zu Fuß zum Training, das um halb zehn beginnt. Die zweite Trainingseinheit steht dann um 18 Uhr auf dem Programm. Nach dem Morgentraining wird gelaufen, nach dem Mittagessen geschlafen, und abends ist ab 22 Uhr Ruhe.

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Und gar keine Zeit, um mal auszugehen?

Nein, natürlich weder Alkohol noch Barbesuche vor einer Meisterschaft. Kürzlich ging ich in die Banja, schwamm im Becken. In Wladimir bin ich schon zum dritten Mal, ich kenne also das Goldene Tor, besuchte bereits Susdal. Wenn ich mal Zeit habe, würde ich mir gern auch die anderen Sehenswürdigkeiten anschauen.

Und in Deutschland, gehst Du da aus?

Ja, ab und zu nehme ich mir Zeit zum Tanzen und für Treffen mit Freunden.

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Wendest Du im Fall eines Streits Deine Boxtechniken an?

In Deutschland wird das sehr streng gehandhabt, besonders wenn ein Profiboxer beteiligt ist. Meine ganzen negativen Emotionen lasse ich im Ring zurück, wenn ich ausgehe, tue ich das wie jeder normale Mensch, um Spaß zu erleben.

Jewgenij Lobossow, Sergej Schtschedrin und Maxim Karsanow im Mai 2014 in Erlangen bei dem ersten, von Sergej Schtschedrin initiierten Austausch

Hier geht es zur Biographie von Deniel Krotter: https://is.gd/WQitGa

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So jung dieser Austausch noch ist, so schwer ist es, schon zu zählen, zu wie vielen Kämpfen Mann gegen Mann es im Ring zwischen Erlangen und Wladimir gekommen ist. Sagen läßt sich aber immerhin, daß die Boxer der Partnerstädte auf Inititiative von Sergej Schtschedrin, Geschäftsführer des Verbands der Faustkämpfer der Region Wladimir, seit dem Frühjahr 2014 ihre Wettkämpfe miteinander austragen, deren drei bereits in Franken, zwei am Goldenen Ring.

Boxstaffel 21

Vereint im Ring, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Während am letzten Novemberwochenende die Schwimmschule Wladimir in Erlangen beim Röthelheim-Pokal antrat, schwang eine elfköpfige Boxstaffel unter Leitung von Igor Krotter vom TV 1848 bei zwei Turnieren, eines in Kowrow, das andere in der Partnerstadt, die Fäuste und absolvierte damit bereits die fünfte deutsch-russische Begegnung im Ring.

Igor Krotter weiß, wie man Boxer motiviert

Im Februar 2015 hatte der auch für Bad Windsheim agierende Trainer bereits eine dreiköpfige Mannschaft nach Wladimir gebracht und war so begeistert von der Aufnahme und der Stimmung dort, daß er nun erneut ein Team mit elf Sportlern unterschiedlicher Alters- und Gewichtsklassen aus ganz Deutschland – von Franken bis Nordrhein-Westfalen -, zwei Trainern und zwei Kampfrichtern zusammenstellte und begleitete, was der Coach nicht bereuen sollte:

Die Zusammenarbeit mit den Städten Erlangen und Wladimir läuft hervorragend, wir hatten super schöne vier Tage mit spannenden, verletzungsfreien Kämpfen, einem tollen Publikum und einem freundschaftlichen Gastgeber. Nächstes Jahr planen wir erneut im Juni/Juli im Rahmen der Fußball-WM ein Internationales Boxturnier in Wladimir.

Faires Boxen

Auch Sergej Schtschedrin, dem überdies die Bilder zu verdanken sind, zeigt sich zufrieden und schreibt nach Erlangen:

Alles lief bestens. Beim ersten Wettkampf gewannen wir mit 6 zu 5; beim zweiten Turnier verletzten sich dann doch zwei deutsche Boxer leicht, weshalb es nur zu neun Duellen kam, die Wladimir deutlich mit 7 zu 2 für sich entschied.

Boxstaffel 24

Au, Backe!

 

Wie zum Ausgleich wurde Deniel Krotter, der für Bad Windsheim kämpft, als bester Boxer des Turniers ausgezeichnet. Auch er selbst sparte freilich nicht mit Lob für die Gastgeber:

Das Turnier war echt klasse. Man sieht, die Leute verstehen etwas vom Boxen, lieben diesen Sport. Es war einfach klasse. Gute Kämpfe. Die Organisation war in Ordnung. Alles ausgezeichnet.

Boxstaffel 25

Linke Gerade

 

Alles nachzusehen und nachzuhören unter: https://is.gd/Klx81p

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Erst im September hatten sie sich in Wladimir das Jawort gegeben, und nun verbrachte das frisch vermählte Paar eine Flitterwoche in Erlangen. Es muß schon eine besondere Beziehung sein, wenn man als Ziel für die Hochzeitsreise nicht Paris oder Venedig, sondern Erlangen wählt.

Kristina und Sergej

Sergej braucht man nicht lange nach Gründen zu fragen. Er war bereits als Austauschschüler hier, später als Journalist eines TV-Senders, dann als Pressesprecher des Stadtrats Wladimir oder Vermittler im Sportaustausch. Ein Kind der Partnerschaft eben. Aber auch Kristina ist nicht zum ersten Mal zu Gast und genießt die entspannte Atmosphäre und das leichte Lebensgefühl der Franken in vollen Zügen. So sehr gefällt es den beiden, daß sie Erlangen auch gleich einer befreundeten Familie aus Wladimir zeigen wollten, angereist mit ihnen im eigenen Auto. „Guten Rat und Liebe, aber keinen Kummer“, wünscht man jungen Eheleuten nach der russischen Tradition. Wir fügen hinzu: „eine sichere Heimreise und auf bald mal wieder in Erlangen oder Wladimir!“

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Das war schon eine Tour de Force: Am Dienstagmorgen erhielt die Jugendboxstaffel erst in Moskau die Visa, setzte sich in zwei Kleinbusse und stürmte los Richtung Deutschland. Um 4.00 Uhr morgens kam dann gestern die fünfzehnköpfige Gruppe in ihrem Quartier an und fand sich schon um 11.00 Uhr vollzählig zum Empfang im Erlanger Rathaus ein.

Boxstaffel mit Ulrich Klement und Susanne Lender-Cassens in ihrer Mitte

Viel Zeit zum Regenieren bleibt den Sportlern nicht, denn heute steigen sie bereits um 14.00 Uhr in der Ejadonhalle, Straubing, in den Ring. Und am Sonntag stehen um 10.30 Uhr im Festzelt von Weißenburg die nächsten Wettkämpfe auf dem Programm, bevor es zu Wochenbeginn wieder zurück nach Wladimir geht.

Die Boxer aus Wladimir mit Igor Krotter und Sergej Schtschedrin in ihrer Mitte

Geht es nach dem Trainer Igor Krotter, der seit 2014 seitens des TV 1848 den Boxaustausch mit der russischen Partnerstadt pflegt und mit seinem Team schon im November eine Gegeneinladung nach Wladimir annimmt, soll es bereits im nächsten Jahr eine eigene Boxabteilung seines Vereins in Erlangen geben. Dann wären solche „Gastspiele“ in anderen Städten nicht mehr nötig, man könnte in Erlangen die Kräfte messen. Und überhaupt wolle man mehr Sportaustausch, betonte Sergej Schtschedrin, Initiator der Boxkontakte, gegenüber Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Sportamtsleiter Ulrich Klement und kündigte für September konkrete Vorschläge an. Ganz im Sinne der Kommunalpolitikerin, denn: „Je mehr wir an solchen Begegnungen haben, desto besser für die Verständigung und unsere Städtepartnerschaft.“

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Nachdem im Vorjahr erstmals eine Boxstaffel aus Wladimir in Erlangen angetreten war, revanchierten sich die Faustkämpfer des TV 1848 im Februar in der Partnerstadt. So neu diese Disziplin im Austausch ist, so rasch etabliert sie sich nun auch. Und das weit über Erlangen hinaus.

Sergej Schtschedrin 3

Mitte August nämlich trat erneut ein Team – in Rot – aus Wladimir an. Freilich dieses Mal nicht in Erlangen und Neustadt an der Aisch wie 2014, sondern in Straubing. Vermittelt aber wurde der Wettkampf von Igor Krotter, der den Boxstall des TV 1848 zunächst als Projekt zur Eingliederung junger Rußlanddeutscher eröffnet hatte.

Sergej Schtschedrin und einer seiner Schützlinge

Sergej Schtschedrin und einer seiner Schützlinge

Leider fehlte ein Reporter für den Blog am Ring, aber Sergej Schtschedrin, der die Sportler aus der Partnerstadt als Dolmetscher und Organisator begleitete, kann immerhin Bilder schicken und vom Ergebnis berichten: Ausgeglichen zeigt sich das, denn in der ersten Begegnung siegten die Gastgeber mit 3:2, während die zweite Runde mit 3:4 an die Wladimirer ging.

Sergej Schtschedrin 2

Feste Pläne gibt es noch nicht, aber die Fäuste werden weiter – fair und sportlich – zwischen den Partnerstädten hin- und herfliegen. Das zumindest darf man hier und heute versprechen, bis es wieder heißt: Ring frei zwischen Erlangen und Wladimir.

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Als Rimma Kaljomowa, die mit 16 Jahren ihre Ausbildung am Traktorenwerk begonnen hat, heute vor einer Woche bei der Enthüllung des Gedenksteins für die in Wladimirer Lagern verstorbenen deutschen Kriegsgefangenen sprach, konnte sie nicht ahnen, daß zwei Gäste anwesend waren, die ihren Schilderungen vom Leben der einstigen Feinde mit besonderer Aufmerksam und Spannung lauschten. Anni und Otmar Koch aus der Wachau hatten sich der Delegation um Oberbürgermeister Florian Janik angeschlossen, um mehr über das Schicksal von Anton Holzmann zu erfahren, der 1947 wohl an Lungenentzündung in Wladimir verstorben ist.

Albrecht Schröter, Sergej Sacharow, Florian Janik und sss. Photo: Sergej Schtschedrin

Albrecht Schröter, Sergej Sacharow, Florian Janik und Rimma Kaljomowa . Photo: Sergej Schtschedrin

Man kann nur ahnen, was in Otmar Koch vorgegangen ist, als er erfuhr, in welcher Baracke die Gefangenen untergebracht waren, wie ordentlich sie gearbeitet haben, wie sehr sie sich bemühten, in ihren Alltag Abwechslung und Farbe zu bringen, indem sie Blumenbeete anlegten, einen kleinen Teich mit selbstgeschnitzten Fröschen belebten und dabei in der Umgebung des Werks Haus um Haus für die russische Belegschaft hochzogen. In einem von ihnen ist sogar Wladimirs Oberbürgermeister Sergej Sacharow zur Welt gekommen und aufgewachsen.

Arbeitsveteranen des Traktorenwerks Wladimir. Photo: Sergej Schtschedrin

Arbeitsveteranen des Traktorenwerks Wladimir. Photo: Sergej Schtschedrin

Man kann nur ahnen, wie bewegt Otmar Koch war, als er auf dem Grund und Boden stand, wo sein Vater lebte und arbeitete – und begraben wurde, sein Vater, an den der heute 74jährige keine bewußte Erinnerung mehr hat. Und dessen Grab sich nicht mehr genau finden läßt. „Geordnete Bestattungen waren in diesen schweren Nachkriegszeiten nicht immer möglich“, so Witalij Gurinowitsch, der diese Periode wie kein zweiter in Wladimir kennt und stets bei Recherchen behilflich ist. „Und dann waren oft die Gräber gar nicht richtig als solche kenntlich gemacht, weshalb sie häufig später überbaut wurden.“

Philipp Dörr am Denkmal für die Kriegsgefangenen. Photo: Sergej Schtschedrin

Philipp Dörr am Denkmal für die Kriegsgefangenen. Photo: Sergej Schtschedrin

So auch im Fall von Anton Holzmann. dessen letzte Ruhestätte sich nur noch auf einem größeren Areal innerhalb der Grenzen des Traktorenwerks bestimmen läßt. Man kann nur ahnen, was in Otmar Koch an diesem Tag vorging.

Anni Koch am Denkmal für die Kriegsgefangenen in Wladimirer Lagern. Photo: Sergej Schtschedrin

Anni Koch am Denkmal für die Kriegsgefangenen in Wladimirer Lagern. Photo: Sergej Schtschedrin

Sprechen wollte er jedenfalls nicht bei der Enthüllung des Denkmals, das jetzt aber endlich – nach sieben Jahrzehnten – einen Ort des Erinnerns und der Trauer bietet. Auch eben an Anton Holzmann, geboren am 17. September 1910 in Ehingen und verstorben am 29. August 1947 in Wladimir. Zu aufgewühlt fühlte sich Otmar Koch, zu sehr überwältigt von den Eindrücken, um zu sprechen.

Holzmann

Anton Holzmann

Anton Holzmann war 168 cm groß und schlank, hatte blaue Augen, dunkles Haar und ein schmales Gesicht. Am linken Auge hatte er eine Behinderung. Seinen Weg in die Gefangenschaft trat er am 14. August 1944 in Bukarest an, von wo man ihn nach Iwanowo ins Lager 165 brachte. Die weiteren Stationen sind rasch aufgezählt: ab dem 4. Oktober 1944 Wladimir bzw. Gus-Chrustalnyj in der Glashütte oder im Textilwerk, dann vom 21. Januar bis zum 2. Juli 1946 ein Aufenthalt im Hospital mit anschließendem Einsatz im Traktorenwerk, Abteilung 1, mit erneutem Krankenstand, darauf Verlegung in das Lager Nr. 4 in Wladimir bis zum 9. Juli 1947, bevor er am 29. August 1947 im Hospital verstarb.

Witalij Gurinowitsch, Vater Wladimir, Philipp Dörr, Anni und Otmar Koch

Witalij Gurinowitsch, Vater Wladimir, Philipp Dörr, Anni und Otmar Koch am westlichen Eingang zur Christi-Himmelfahrts-Kirche

Als Lager Nr. 4 diente die Auferstehungskirche, die in den 30er Jahren von den kommunistischen Machthabern geschlossen wurde. Danach fungierte das Gotteshaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lange als Schuhfabrik, bis es 1990 wieder der Erzdiözese Wladimir zurückgegeben wurde. Als die Gäste am Tag der Abreise, am 10. Mai, kurz nach sieben Uhr morgens Gemeindepfarrer Wladimir treffen, ist der Geistliche  schon mitten in den Vorbereitungen zur Frühmesse, aber Zeit für die Besucher nimmt er sich immer gern. Besonders dann, wenn Philipp Dörr dabei ist, mit dem er hier früher schon Tee getrunken hat.

Auferstehungskirche

Auferstehungskirche

Philipp Dörr war ebenso wie Anton Holzmann und jeweils etwa 100 bis 120 weitere Gefangene hier fast wie auf einem Vorposten, hoch über der Kljasma, interniert. Allerdings zu unterschiedlichen Zeiten, so daß sie sich nicht kennenlernen konnten. Eingesetzt wurden sie beim Straßenbau oder bei den Vorarbeiten zur Anlage des Stadions in unmittelbarer Nähe. Vor allem aber hatten sie mit dem eigenen Überleben zu kämpfen, denn die Versorgung war – wie die der Stadtbevölkerung insgesamt – ausgesprochen dürftig.

Friedhof der Сhristi-Himmelfahrts-Kirche

Friedhof der Geistlichen auf der Westseite der Сhristi-Himmelfahrts-Kirche

Nach der Restaurierung der Kirche kann man sich das Gebäude kaum mehr als Lager vorstellen, aber Philipp Dörr weiß noch, wo der Schlafraum war, wo man Essen fassen konnte, wo im Winter behelfsmäßig die Latrine stand. Es ist ein stiller Besuch, während die ersten Gläubigen zur Messe kommen. Die Gäste wollen die Andacht der anderen nicht stören, hängen ihren eigenen Gedanken nach.

Blick von der Christi-Himmelfahrts-Kirche nach Osten über Wladimir

Blick von der Christi-Himmelfahrts-Kirche nach Osten über Wladimir

Man kann nur ahnen, was in Otmar Koch vorging, als er den Blick in die Ferne richtete, in jene Richtung, in die auch sein Vater ungezählte Male geblickt haben mag, dem Sonnenaufgang über den Kirchenkuppeln von Wladimir entgegen. In Gedanken an die Familie, an Sohn und Tochter, die er nie mehr wiedersehen sollte. Zumindest der Sohn aber hat nun wenigstens die Ahnung, wie der Vater gelebt hat in Wladimir – und wo er gestorben ist.

Sollte sich jemand von den Überlebenden an Anton Holzmann erinnern, möge er sich bitte hier im Blog melden.

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