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Posts Tagged ‘Schule Nr 23 Wladimir’


Ludmila Mironowa verfolgt beharrlich ihre pädagogischen Ziele. Alle zwei Jahre gibt die Deutschlehrerin an der Schule Nr. 23 in Wladimir einer Gruppe aus verschiedenen Klassen die Gelegenheit, die graue Theorie der Sprache mit deren lebendiger Praxis zu verbinden. Die zehn Gäste im Alter zwischen elf und siebzehn Jahren sind denn auch während ihres Besuchs in Familien untergebracht – stellvertretend für die Gastgeber stehen Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Helmut Aichele -, und sie besuchen vormittags in drei Kleingruppen auf ihre Kenntnisse zugeschnittene Deutschkurse, bevor nachmittags erlebte Landeskunde mit Streifzügen durch Erlangen sowie Ausflügen in die nähere und fernere Umgebung – für zwei Tage geht es sogar bis nach Berlin – auf dem Stundenplan steht.

Olga Mironosizkaja, Ludmila Mironowa, Elisabeth Preuß, Susanne Lender-Cassens und Helmut Aichele mit der Schülergruppe

Ein derartiges Engagement im Rahmen der Städtepartnerschaft verdient besondere Anerkennung. Und die erlebten die Schüler denn auch gestern, am dritten Tag ihres Aufenthalts, der heute in einer Woche endet, im Ratssaal, wo beide Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, die Gruppe empfingen: „Mit besonderer Freude gerade in politisch schwierigen Zeiten, wo es auf den zwischenmenschlichen Austausch ankommt“, wie Susanne Lender-Cassens betonte, die bei ihrem Besuch vor einem Jahr in Wladimir die Schule von Ludmila Mironowa und Olga Mironosizkaja selbst besucht hatte. Wie erfolgreich diese Verbindung ist, zeigte sich bei der Frage, ob denn jemand aus der Gruppe schon einmal in Erlangen gewesen sei, worauf prompt zwei Hände in die Höhe gingen.

Die Schülergruppe in der Sing- und Musikschule nach dem Unterricht mit Sandra Dichtl, Renate Aigner und Tamer Eisha

Und im Unterricht, so das Pädagogen-Trio Sandra Dichtl, Renate Aigner und Tamer Eisha, zeigten sich alle aufmerksam und interessiert, gut vorbereitet und lernwillig. Nur trauten sich die meisten noch nicht so recht, selbst mit der Sprache herauszurücken. Aber dafür sind die Mädchen und Jungs ja auch gekommen, denn Sprache kommt von Sprechen, und das lernen sie nun vor allem – in den Kursen wie in den Familien, denen an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt sei.

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15 Jahre sind die beiden erst alt, und doch kamen Diana Bobrowa und Alexandra Gerassimowa nun schon zum zweiten Mal nach Erlangen. Wieder, wie 2016, mit einer Gruppe unter Leitung ihrer Englischlehrerin, Marina Trubizyna, von der Schule Nr. 23 in Wladimir. Auf die Frage, warum sie Wiederholungstäterinnen wurden, antworteten die Gymnasiastinnen gestern, kurz vor der Heimreise, nach zehn Tagen Erlangen pur unisono: „Weil wir Land und Leute noch besser kennenlernen wollen, und weil es uns hier so richtig gefällt.“ Ungeachtet all der Schauergeschichten über vermeintlich marodierende Flüchtlingshorden aus Nordafrika, vor denen man die Mädchen gewarnt hatte, „die wir aber nie zu Gesicht bekamen. Im Gegenteil, alle Leute hier waren freundlich und zuvorkommend, wir haben uns nie bedroht gefühlt.“

Diana Bobrowa und Alexandra Gerassimowa mit Luise Rückert

Von den sauberen Straßen bis zu den schicken Geschäften sind sie begeistert, vor allem aber die Menschen haben es ihnen angetan. Sie waren wieder in der gleichen Familie wie vor zwei Jahren untergebracht, ihrem Erlanger Zuhause, wo man abends zusammensaß, Rommé spielte und miteinander sprach. Auf Deutsch. Denn beide lernen die Fremdsprache an der Schule – und im Erlangen-Haus, wo der Unterricht so richtig Freude macht, aber auch fordert: „Russisch kommt da so gut wie gar nicht vor. Alles wird auf Deutsch erklärt, und das Motto lautet: sprechen, sprechen, sprechen.“ Aber beim Erlernen einer Sprache geht eben nichts über einen Auslandsaufenthalt. Und so darf man damit rechnen, Daria und Alexandra eines Tages in Erlangen wiederzusehen. Bis dahin wünschen sie sich eine Brieffreundschaft mit Gleichaltrigen aus der deutschen Partnerstadt. Ernstgemeinte Zuschriften werden gerne von der Leserbriefredaktion des Blogs weitergeleitet.

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Marina Trubizyna, flankiert von Freunden: Fam. Schirmer u. Fam. Köhn

Heute geht die einwöchige Hospitation an der Heinrich-Kirchner-Schule für Marina Trubizyna zu Ende, ein Aufenthalt – für sie der erste in Deutschland überhaupt -, der möglicherweise ein ganz neues Kapitel im Austausch der Partnerstädte aufschlägt. Erstmals nämlich standen die Grundschüler im Zentrum der Aufmerksamkeit, die ersten vier Jahre, wo es den Kindern noch so leicht fiele – man weiß das aus ungezählten Analysen -, eine Fremdsprache zu erlernen und wo doch die Politik noch viel zu wenig tut, um dies im Rahmen des Stundenplans zu ermöglichen. Immerhin: An der Heinrich-Kirchner-Schule wird Englisch ab der 2. Klasse unterrichtet. Noch früher freilich beginnt man damit in der Marina Trubizynas Schule Nr. 23, benannt nach dem in Wladimir geborenen Physiker Alexander Stoletow, nämlich bereits in der 1. Klasse, wenn auch nur mit einer Stunde pro Woche. Ab der 2. Klasse sind es dann schon zwei, dann drei und ab der 5. Klasse fünf Stunden. Von der 8. Klasse an werden sogar die Fächer Erdkunde, Ausländische Literatur und Geschichte, Kulturwissenschaft der Länder Europas, Ökologie und ab der 11. Klasse  sogar Angewandte Wirtschaftskunde in englischer Sprache unterrichtet. Bisher war es so, daß von der 5. Klasse an als zweite Fremdsprache verpflichtend entweder Deutsch oder Französisch angeboten wurden, ab der 7. Klasse heißt es auch noch Latein büffeln. Nun will man sogar versuchen, Deutsch schon ab der 2. Klasse einzuführen. Leisten müssen das bei insgesamt 950 Schülern – davon gut 400 in den ersten vier Klassen – 15 Lehrkräfte für Englisch, zwei für Französisch und vier für Deutsch.

Wenn man Marina Trubizyna, ihres Zeichens Englischlehrerin mit sehr guten passiven Deutschkenntnissen, fragt, worin der Unterschied beim Unterricht liege, zögert sie lange mit der Antwort:

Hier geht es nicht so formal zu, wie das bei uns noch immer üblich ist. Die Kinder geben sich freier, ungezwungener, was sich auch in der Sitzordnung widerspiegelt. Bei uns sind die Reihen der Schulbänke wie mit dem Lineal gezogen, hier bildet man gern Kreise und geht ab vom Frontalunterricht. Aber wir gehen auch bereits in diese Richtung, machen viel Gruppenarbeit und stärken die Eigeninitiative der Schüler. Das gelingt uns besonders gut mit Wettbewerben zur Förderung der Kreativität. So nehmen wir zum Beispiel regelmäßig an der Aktion „Lesende Stadt“ teil und lassen die Kinder ihre eigenen Bücher zusammenstellen und sogar herausgeben. Finanziert wird das unter anderem durch einen Bücherbasar.

Bei dem Thema spürt man den ganzen Enthusiasmus einer leidenschaftlichen Pädagogin, einen Enthusiasmus, ohne den man freilich auch in Rußland diesen Beruf nie ergreifen würde. Ungeachtet aller Versprechungen der Politik gilt der Lehrerstand noch immer viel zu wenig, und die Entlohnung, – sie bleibt ein trauriges Kapitel. Auch wenn man sein Deputat voll ausschöpft, kommt man auf gerade einmal 8.000 Rbl., ganze 200 Euro im Monat. Marina Trubizyna nimmt es mit bitterem Humor: „Wenn man nur eine Schicht arbeitet, reicht es hinten und vorne nicht mit dem Geld fürs Leben, arbeitet man aber zwei Schichten, reicht es nicht mit der Zeit fürs Leben.“  Doch auch der Schule selbst fehlt das Geld: Die Obergrenze für Schlüsselzuweisungen liegt bei 800 Schülern. Was dann tun, wenn man 950 Köpfe zählt?

Zur Frage Fremdsprachen in der Grundschule will sich Marina Trubizyna nun mit der Leiterin der Heinrich-Kirchner-Schule, Susanne Schmid, weiter per Internet austauschen, und eine Einladung nach Wladimir ist auch schon ausgesprochen. Im August dann kommt sie mit einer Jugendgruppe wieder nach Erlangen, dann schon zu Freunden wie den Ehepaaren Johannes und Sigrid Köhn und Herbert und Ute Schirmer, die sich die Unterbringung der Besucherin geteilt und wahrlich nicht zum ersten Mal geholfen haben, Gästen aus Wladimir ein Zuhause zu geben. Dafür auch an dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön!

S. auch: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/05/26/zu-gast-an-der-heinrich-kirchner-schule/

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Dieser Tage kam eine Wladimirer Schülerin aus Japan nach Hause zurück und brachte 100.000 Yen, etwa 800 Euro, mit. Nichts, was Aufsehen erregen sollte – in Zeiten des freien Devisenhandels und der interkontinentalen Reisen. Aber dann stutzt man doch: Angelina Judina hat nämlich an dem Schreibwettbewerb „Meine Rolle bei der Schaffung einer friedlichen Welt“, organisiert von der UNESCO und der der Goi Peace Foundation, teilgenommen. Unter den 7.000 aus 144 Ländern eingereichten Aufsätzen belegte der Beitrag der Zehnjährigen aus der Partnerstadt in der Altersklasse bis 14 Jahre den ersten Platz. Vor zehn Jahren hatte übrigens schon einmal eine Arbeit aus Rußland – freilich nicht aus Wladimir – ganz vorne gelegen.  

Angelina Judina

Besonders erstaunlich dabei, daß Russisch als Sprache gar nicht zugelassen ist, weshalb Angelina Judina sich aufs Englische verlegte. Ihre Lehrerin bescheinigt ihr denn auch eine ungewöhnliche Verbindung von Mut zur Fremdsprache und Ausdruckskraft. Wenn auch noch Kind, glaubt sie den Märchen der Erwachsenen längst nicht mehr und weiß, daß längst nicht alles wieder gut wird. Ihr ist sehr bewußt, daß der Friede ein brüchig Ding ist, oft nur die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Ob man da nach Tschetschenien schaut oder ins nördliche Lateinamerika, überall schwelen Konflikte, die offenen Brandherde Afghanistan, Irak oder Kongo, von wo aus täglich Schreckensbilder des Kriegshandwerks in alle Welt gehen, einmal ganz beiseite gelassen. Es genügt auch ein Blick auf die derzeitige Politik der USA, wo die wiedererstarkten Republikaner die Ratifizierung des Abkommens mit Rußland über eine Reduzierung der strategischen Atomwaffen blockieren. Aber bleiben wir bei Angelina von der Schule Nr. 23, einem Fremdsprachengymnasium.

Sie erzählt dem Lokalfernsehen: „Mein Brüderchen ist zwei Jahre alt. Meine Eltern und ich werden ihm nie Kriegsspielzeug kaufen. Der Charakter eines Kindes formt sich doch schon ganz früh, und wenn man ihm solche Sachen schenkt, kann ein Kind später böse werden und Menschen töten.“ Leitmotiv ihres Aufsatzes aber ist, daß die Menschen einander mehr zuhören sollten. Wenn sie einmal groß ist, will die Schülerin Mitglied einer Organisation werden, die Menschen dabei unterstützt, in einer friedlichen Welt leben zu können. Das Beispiel hat sie in ihren Eltern gefunden, die Liebe zueinander und Verständnis füreinander zu ihrer Lebensnorm gemacht haben. Es wird wohl stimmen, daß der Friede in der Familie beginnt…

Natalia Judina, die ihre Tochter nach Tokio begleiten durfte, berichtet begeistert:  „Vertreten waren all möglichen Nationalitäten, Japanerinnen in ihren Kimonos, Inderinnen in ihren Saris – und dann Angelina in ihrer russischen Tracht auf der Bühne. Viele Japaner kamen auf uns zu und erklärten uns, daß sie nach Angelinas Auftritt geweint hätten. Das war für mich das größte Lob.“ – Und das, wo zwischen Rußland und Japan diplomatische Eiszeit herrscht, wo ein skuriler Streit um die Kriegsbeute Kurilen dazu führt, daß Botschafter einbestellt werden, daß sich eine Demarche nach der anderen zwischen Tokio und Moskau auf den Weg macht, wo zwei Länder, die noch immer keinen Friedensvertrag abgeschlossen haben, sich gegenseitig Revanchismus oder Okkupantentum vorwerfen. Es sind eben nicht nur die kleinen Jungs, die gerne Krieg spielen. Von Angelina könnten die Politiker viel lernen. Nicht nur in Rußland und Japan.

Mehr zu dem Wettbewerb, der auch nächstes Jahr wieder ausgetragen wird, unter:  http://www.worldpeace.de/Aufsatzwettbewerb2010.pdf. Vielleicht nimmt ja auch mal jemand aus Erlangen teil.

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