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Posts Tagged ‘Schisma’


Seit gestern ist das an Schismen wahrlich nicht arme Christentum um eine Abspaltung reicher, die freilich ihrerseits nur dank einer Einigung möglich wurde. Die seit 1921 bzw. 1992 vom Moskauer Patriarchat losgelöste autokephale und ukrainisch-orthodoxe Kirche schlossen sich Mitte Dezember zusammen und erhielten nun von Patriarch Bartholomäus, dem Primus inter pares der orthodoxen Christenheit, in Byzanz, alias Konstantinopel oder Istanbul, den Segen zu ihrer kirchlichen Unabhängigkeit.

Theologisch läßt sich diese Trennung von dem, was zusammengehört, nicht erklären. Auch wenn jetzt – sicher, wie das Amen in der Kirche – ein gegenseitiges Anathema auf den nächsten Bannstrahl treffen dürfte, handelt es sich doch einzig um einen politischen Streit, ausgelöst durch die Tragödie um die Krim und den anhaltenden Krieg in der Ostukraine, wo nicht einmal der vereinbarte Waffenstillstand über Weihnachten hält. Noch gar nicht abzusehen, was da mutwillig an seelischem und körperlichem Leid – mutmaßlich nicht in Christi Namen – angerichtet wird: Kiew, die Mutter aller russischen Städte, sagt sich von ihren Kindern los. Ein Familiendrama vor den Augen der Welt.

Dennoch, heute begehen die Gläubigen der Ostkirche den Heiligen Abend, und morgen feiern sie Weihnachten. In Wladimir zumindest das, wovon wir hierzulande immer nur träumen, ein weißes Weihnachten, zu dem der Blog nur den Frieden des Himmels wünschen kann.

Wie schön die weiße Pracht in der Partnerstadt derzeit ist, zeigen einige Bilder von Sergej Skuratow und Wladimir Tschutschadejew.

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In diesen Januartagen, Anno 1248, schickte Papst Innozenz IV eine Bulle an Großfürst Alexander Newskij, den er mit „nobili viro Alexandro duci Susdaliensi“, also als „Edelmann und Fürst von Susdal“ ansprach. Inhalt des Sendschreibens ist ein Angebot an Alexander, sich, dem Beispiel seines verstorbenen Vaters Jaroslaw folgend, der römisch-katholischen Kirche anzuschließen und sich im bevorstehenden Kampf gegen das Mongolenheer an den Deutschherren-Orden in Litauen um Hilfe zu wenden. Gemeinsam und mit Gottes Hilfe, so der Heilige Vater, werde man sich den Tataren mannhaft entgegenstellen.

Alexander Newskij gilt als grimmig-unversöhnlicher Verteidiger der Rechtgläubigkeit und zählt nicht von ungefähr zu den großen Heiligen der russischen Orthodoxie. Doch schon ein gutes halbes Jahr später, am 15. September 1248, trifft aus dem Vatikan eine weitere Botschaft ein, aus der sich rückschließen läßt, daß die erste Bulle zumindest nicht ablehnend beantwortet wurde. Hier schreibt nämlich Innozenz IV an „Alexandro, illustri regi Nougardiae“, also an den „erlauchten Herrscher von Nowgorod“: „Du hast mit jeglichem Eifer darum gebeten, Dich als Glied zum einen Haupt der Kirche kraft aufrichtigen Gehorsams aufzunehmen, als dessen Zeichen Du vorschlugst, in Deiner Stadt Pleskau (Pskow) eine Kirche für die Lateiner zu errichten.“

Innozenz IV

Innozenz IV

Der Streit darüber, ob die Bullen tatsächlich an Alexander Newskij gerichtet waren und wie ggf. seine tatsächlichen Reaktionen darauf aussahen, hält unter den russischen Historikern an. Gesichert ist allerdings, daß der Großfürst in jenem heute so fernen Jahr nur selten in seinem Reich weilte, weil er in die Hauptstadt der Mongolen, nach Karakorum, gereist war, um sich dort die Wladimirer Fürstenwürde bestätigen und die Herrschaftsinsignien überreichen zu lassen. In seiner Vita heißt es, zwei römische Kardinäle hätten ihm die Botschaft des Papstes überbracht. Doch Alexander soll das Angebot, sich Rom anzuschließen, barsch mit den Worten zurückgewiesen haben: „Von Euch nehmen wir keine Belehrungen an.“

Alexander Newskij

Alexander Newskij

Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte des russischen Reiches entwickelt hätte, wäre Alexander Newskij auf das Angebot aus dem Vatikan eingegangen. Klar ist nur, der Großfürst hat es vorgezogen, einen Pakt mit den Mongolen einzugehen, um seine Macht von Gnaden der Eroberer zu erhalten. Und er hat einen Ton im Umgang mit dem Westen und dessen „Belehrungen“ vorgegeben, der noch heute gern angeschlagen wird. Vielleicht ein jahrhundertelanges Mißverständnis, auf jeden Fall bis heute ungeklärt und strittig, wenn es um die Position von Rußland gegenüber Osten und Westen geht, wenn alle bisherigen Versuche scheiterten, das Schisma von 1054 zu überwinden. Schade, jammerschade, denn den Schaden tragen wir alle noch in uns. Geschichte vergeht eben nicht, sie lebt fort. Im Guten wie im Schlechten.

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