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Posts Tagged ‘Schamil Chabibullin’


Seit zehn Jahren tauschen sich nun schon die Rockbands aus Erlangen und Wladimir aus. Ein Erfolgsprojekt des Amtes für Soziokultur, eine echter Bonus für die Städtepartnerschaft.

Meloco und Impvlse mit Schamil Chabibullin, Mitorganisator der Tournee und selbst Rockmusiker, in Wladimir

In diesem Jahr nahmen erstmals zwei Ensembles aus Erlangen teil: wie üblich die Gewinnerband des vorjährigen Newcomer-Festivals, dieses Mal Impvlse, sowie Meloco, die bereits 2014 Wladimir so erfolgreich rockten, daß die fünf Jungs unbedingt noch einmal zurückkehren wollten.

Jetzt, am vergangenen Wochenende war es so weit. Und es wurde eine Tour durch die ganze Region Wladimir, gute tausend Kilometer lang mit den Transfers von und nach Moskau, mit Stationen in Murom, Kowrow und natürlich in der Partnerstadt.

Dem Blog fehlen Worte und Stimme, um die Atmosphäre wiederzugeben, zumal der Musikkorrespondent der Redaktion leider selbst nicht dabei sein konnte. Also lassen wir die Bilder sprechen – und freuen uns schon auf das nächste Newcomer-Festival im November, wenn Ragged Jeans aus Murom das E-Werk rocken wird.

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Man sollte sich auf eine besondere Begriffswelt einstellen, wenn man das Klärwerk besucht – und die Fähigkeit mitbringen, so richtig zu staunen. So erfährt man bei der Führung mit Werkleiter Wolfgang Fuchs und Abteileilungsleiter Wolfgang Engelhardt, man habe es in Erlangen mit einem schwachen Vorfluter zu tun, sprich mit einem Fluß, der wenig Wasser führt. Desto entscheidender, die Klärung der Abwässer von Privathaushalten und Gewerbe aus Stadt und Umland bestmöglich sicherzustellen.

Stefan Engelhardt, Schamil Chabibullin, Anatolij Kurganskij, Olga Kanischtschewa, Gregor Helfritsch, Wolfgang Fuchs und Anna Barth

Ins Staunen kammen dann gestern die Gäste aus Wladimir so richtig im Untergrund, „wo wir unser ganzes Geld verbaut haben“, wie Wolfgang Fuchs meint. Wenn man zu einem der deutschlandweit führenden Klärwerke gehören und Strom wie Wärme für den eigenen Betrieb aus der Abwärme des Faulschlamms produzieren will, braucht man all diese Technik und Rohre, die alle notwendigen Prozesse in Gang halten: ohne Chemie, nur in der Nachahmung der natürlichen Abbauvorgänge.

Ein Beispiel dafür, wie gut das gelingt, ist die Stillegung des bis vor wenigen Jahren noch genutzen Filters am Auslaß in die Regnitz. Inzwischen sind die Reinigungsstufen derart perfekt, daß das in den Fluß eingeleitete Abwasser klarer und reiner ist als der Vorfluter. Was man freilich mit bloßem Auge nicht sieht, sind Mikroplastik, Arzeimittelrückstände, Hormone mit all ihren erst jetzt erkennbaren Folgen für die Gewässerfauna. Deshalb eine Projektzusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, die es in der Art nur noch einmal in Deutschland – in Berlin – gibt.

Die von den beiden Jugendparlamentariern Anna Barth und Gregor Helfritsch begleiteten Gäste – und Olga Kanischtschewa, zuständig für die Landschafts- und Naturschutzgebiete der Region Wladimir, ganz besonders – begeistert diese Mischung aus Hochtechnologie, Autarkie und Sorge um die Umwelt: naturnahe Wiesen, in denen Hasen hoppeln und sich vor der Kamera verstecken, ein Biotop an einem Abschnitt des Main-Donau-Kanals aus König Ludwigs Zeiten mit Revieren für Biber und Eisvogel, Bienenstöcke.

Noch größer ist die Freude natürlich über das Angebot einer Zusammenarbeit auch über die Partnerstadt hinaus, etwa nach Kameschkowo, wohin Kreisrat Anatolij Kurganskij herzlich einlädt. Denn nichts wünscht er sich mehr als kompetente Konsultation zum Thema Gewässerreinhaltung, Beratung von Fachleuten, die kein kommerzielles Ziel verfolgen.

Und auch die Gegeneinladung für Fachleute aus der Region Wladimir steht. Und damit eine gute Tradition, die seit 1991 besteht, als die ersten Kontakte zur Stadtentwässerung Wladimir aufgenommen wurden, die bis heute Bestand haben.

Und nun also eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte, auf deren nächste Kapitel man sich jetzt schon freuen darf.

Bevor es zur Eröffnung der Bergkirchweih ging stand noch ein Treffen im Umweltamt mit Stadträtin Bianca Fuchs und Amtsleiter Rainer Lennemann auf dem Arbeitsprogramm. Thema: Zusammenarbeit von Naturschutzorganisationen mit den Behörden am Beispiel des Bayerischen Landesbundes für Vogelschutz.

Bianca Fuchs, Gerda-Marie Reitzenstein, Schamil Chabibullin, Reiner Lennemann, Olga Kanischtschewa, Annette Ohrmann und Anatolij Kurganskij

Nicht alle Fragen konnten beantwortet werden, aber man hat sich wieder ein wenig besser kennengelernt zwischen Erlangen und Wladimir – und das ist ja so wenig nicht in Zeiten wie diesen.

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Kaum ein Projekt entwickelt sich derart erfolgreich und, um einen Begriff aus der Thematik des gegenwärtigen Treffens zu verwenden, nachhaltig wie das Gesprächsforum Prisma, das sich seit Dienstag den Fragen des Umwelt- und Naturschutzes mit Schwerpunkt Vermeidung, Entsorgung und Wiederverwertung von Müll widmet. Nicht auf Expertenebene, sondern unter dem Blickwinkel des Zusammenspiels von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft.

Wjatscheslaw Kartuchin, Gerda-Marie Reitzenstein, Jürgen Schnieber, Schamil Chabibullin, Olga Kanischtschewa und Anatolij Kurganskij

Am Montag eingetroffen, besuchten die Gäste, begleitet vom Prisma-Mitglied Gerda-Marie Reitzenstein, zunächst die Müllumladestation mit all den verschiedenen Fraktionen, die vorab getrennt werden, so daß am Ende in Erlangen gerade einmal noch 30% als Restmüll verbleibt, der per Bahn nach Bamberg und Coburg in die Verbrennungsanlagen geht.

Anatolij Kurganskij, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Gerda-Marie Reitzenstein und Schamil Chabibullin

Inhaltlich vorbereitet hatten die Thematik bereits im April die beiden Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa, die nach ihrem Besuch in Erlangen zusammen mit Wjatscheslaw Kartuchin, dem Leiter der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, eine regelrechte Informationskampagne buchstäblich auf allen Kanälen starteten und in der Öffentlichkeit wie in der Politik demonstrierten, wie Abfallfragen in der deutschen Partnerstadt behandelt werden.

Treffen mit Ulrich Klement, zweiter von links

Einige der Stationen kannte Wjatscheslaw Kartuchin deshalb bereits, andere, wie die Biogasanlage in Strullendorf, wo auch Abfälle aus Erlangen in einem etwa siebzigtägigen Prozeß fermentiert werden, waren ihm ebenso neu wie seinem Kollegen, dem Abgeordneten der Regionalduma Wladimir, Schamil Chabibullin, oder Olga Kanischtschewa, der Chefökologin der Region Wladimir, und Anatolij Kurganskij, Kreisrat von Kameschkowo, unweit von der Partnerstadt gelegen. Und noch niemand von der Vierergruppe war bisher schon einmal am Dechsendorfer Weiher, wo es dann sogar noch ein zufälliges Treffen mit Ulrich Klement, Leiter des Sportamts, gab, der auch für Unterhalt und Pflege der beiden Schwimmbäder dort verantwortlich zeichnet.

Anatolij Kurganskij, Elisabeth Preuß, Georg Hollfelder, Schamil Chabibullin, Manfred Eichhorn, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Julia Obertreis und Olga Kanischtschewa

Auf dem Weg in Richtung Bamberg vervollständigte sich schließlich die Gruppe: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU, stießen dazu und ließen sich ebenfalls über Vergärung und später, in Bamberg, Verbrennung von Abfällen informieren.

Im Müllheizkraftwerk Bamberg: Schamil Chabibullin, Anatolij Kurganskij, Gerda-Marie Reitzenstein, Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Arnd Externbrink, Olga Kanischtschewa und Julia Obertreis

Nach all dem praktischen Anschauungsobjekten folgte dann gestern unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens der theoretische Teil des Treffens im Erlanger Rathaus mit Fachleuten aus dem Umwelt- und Abfallbereich.

Prisma im Plenum

Julia Obertreis stellte die Geschichte der Ökobewegung in BRD wie DDR ab den 70er Jahren vor und erklärte, wie es zur Gründung der Grünen kam, während Susanne Lender-Cassens erläuterte, welche Rolle in Erlangen die Umweltfragen spielen und was vor allem unternommen wird, um Müll zu vermeiden und wiederzuverwerten.

Julia Obertreis, Susanne Lender-Cassens, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Kanischtschewa, Anatolij Kurganskij und Schamil Chabibullin

Anna Barth vom Jugendparlament berichtete von den Umweltinitiativen der Jugendlichen und natürlich von Fridays for Future, dies Klimabewegung von Schülern, die in Rußland noch völlig unbekannt ist und wohl auch nicht die Ausmaße annehmen dürfte wie etwa in Deutschland, denn, so Olgan Kanischtschewa, man habe nicht nur Schulpflicht, sondern lege in den Klassen auch viel Wert auf Umweltbildung. Außerdem bestehe für alle die Möglichkeit, sich in zivilgesellschaftlichen Kammern und Beiräten zu engagieren und so auch Umweltthemen voranzubringen. In Wladimir schon lange ein wichtiges Thema, auch daran abzulesen, daß man 12% der Fläche des Gouvernements unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt habe, während diese Kennziffer in den Nachbarregionen bei gerade einmal 8% liege.

Im Bereich Umwelterziehung – das stellte sich dann auch beim Vortrag von Regina Meinardus heraus – gibt es sicher die größten Übereinstimmungen, und da stieß denn der Vorschlag von Wjatscheslaw Kartuchin auf großes Interesse, einen gemeinsamen Umweltpreis für Jugendliche auszuloben oder zumindest ein Projekt der Partnerstädte im Bereich der Öko-Pädagogik zu starten.

Gruppenbild mit Bezirksrätin Maria Scherrers, vierte von rechts und mit Oxana Kirej, die mit ihrem Nachwuchsteam vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde wieder famos für die Verständigung sorgte

Heute stehen noch einige Termine auf dem Programm, vor allem die Besichtigung des Klärwerks, aber fest steht schon jetzt: Wladimir will eine Fachgruppe zu dem Thema Müll einladen, um mit dem Expertenteam ein für die Region geeignetes Konzept zu erarbeiten, und die nächste Prisma-Begegnung, möglichst noch in diesem Jahr, soll die zivilgesellschaftlichen Komponenten dieser Frage weiter vertiefen: Wie können Vereine und Verbände, Ehrenamtliche und Organisationen ihren Beitrag zur Müll-Problematik leisten?

Schamil Chabibullin, Wjatscheslaw Kartuchin, Susanne Lender-Cassens, Anatolij Kurganskij, Olga Kanischtschewa und Wolfgang Niclas

„Wir haben wieder viel voneinander gelernt“, resümierte Susanne Lender-Cassens gestern abend bereits, „und wir haben von viel gemeinsam vor. Ich freue mich darauf!“

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Um zehn Uhr setzte sich gestern bei strahlendem Sonnenschein ein schier endlos langer Zug von der Philharmonie Wladimir zum Platz des Sieges in Marsch: Kriegsveteranen, Politiker, Angehörige des Militärs, Musiker, Vertreter der gesellschaftlichen Organisationen, einfache Menschen und – in privater Mission als einziger Deutscher an diesem 73. Festtag des Sieges über den Faschismus – der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger.

Wiedersehen: Stadtrat Schamil Chabibullin und Peter Steger

Anders als man es von den Fernsehbildern her kennt, die zumeist nur die Parade auf dem Roten Platz in Moskau zeigen, bleibt das militärische Element des Gedenktages in der Partnerstadt eher Beiwerk, auch wenn heuer mehr Fahrzeuge denn je im Einsatz kommen – vom historischen Studebaker bis zum modernen Mienenräumpanzer: mehr Gulasch als Kanonen, mehr Gastronomie als Artillerie, mehr Luftballons als Salutschüsse. Vor allem aber keine martialischen Töne in Richtung Westen, vor allem kein Wort des Vorwurfs an die Rechtsnachfolger des einstigen Gegners, der die Völker des Ostens hatte versklaven und vernichten, ihr Land und ihre Bodenschätze in Besitz nehmen wollen.

Unsterbliches Regiment

Im Mittelpunkt des nicht enden wollenden Zuges das „Unsterbliche Regiment“ – mit nach offiziellen Angaben – 22.500 Teilnehmern mit Portraits ihrer Angehörigen, die am Krieg teilnahmen. Mehr als 200.000 waren es aus der ganzen Region Wladimir, die ihre Heimat verteidigten. 153 trugen die Auszeichnung „Held der Sowjetunion“, 23 standen im Rang eines „Kavaliers des Ordens des Ruhmes“. Kaum einer von ihnen ist mittlerweile mehr am Leben. Allein in der vergangenen Woche verstarben acht Veteranen, 748 leben noch in der Region, 277 davon in der Partnerstadt, doch nur 20 wohnten der zweistündigen Veranstaltung auf dem Platz des Sieges bei.

Militärkolonne. Photo: Zebra-TV

Darunter Nikolaj Schtschelkonogow, der bereits 1991 die erste Veteranendelegation unter Leitung der Stadträte Heinrich Pickel und Martin Scheidig in Wladimir begrüßte und ein Jahr später selbst nach Erlangen kam, der deutschen Partnerstadt verbunden bis heute.

Wiedersehen: Peter Steger und Nikolaj Schtschelkonogow

Am 24. Juni 1945 hatte der Veteran, der mit 17 Jahren an die Front kam und beim Sturm auf Berlin dabei war, auf dem Roten Platz in Moskau an der Siegesparade teilgenommen. Und noch heute, mit fast 93 Jahren, bleibt er unermüdlich tätig als Zeitzeuge und Mittler zwischen den einstigen Gegnern. Welch eine Freude beim Wiedersehen an einem solchen Tag, welch bewegender Moment, wenn der Sohn eines Angehörigen der Waffen-SS mit dem Kavalier des Rotens Sterns und des Ruhms Blumen an der Ewigen Flamme niederlegen darf!

Gedenken: Nikolaj Schtschelkonogow und Peter Steger. Photo: Zebra-TV

Hier, wo jener 10.861 Wladimirer gedacht wird, die nicht aus dem Krieg zurückkehrten in ihre Heimatstadt, von wo aus 24.724 an die Front gezogen waren. Um diese Zahlen ins Verhältnis zu setzen: Knapp 70.000 Einwohner lebten hier damals. Welch ein Blutzoll für einen Ort, der hinter der Front lag. Nicht auszudenken, um wie viel der höher ausgefallen wäre, hätte die Rote Armee nicht die Wehrmacht vor Moskau aufhalten können.

Wiedersehen: Witalij Gurinowitsch mit Enkelin Eva und Peter Steger

Der Begegnungen sind noch viele an diesem Vormittag: mit dem Historiker Witalij Gurinowitsch, der wesentliche Forschungsarbeit zu den Kriegsgefangenenlagern in der Region leistete und noch immer mit Zeitzeugen und deren Angehörigen in Kontakt steht. Erst dieser Tage hatte er einen von ihnen aus Deutschland zu Besuch.

Wiedersehen: Anatolij Mitrofanow und Peter Steger

Mit Anatolij Mitrofanow, der ehrenamtlich am Sportaustausch mit Erlangen mitwirkt. Mit vielen anderen, die der Städtepartnerschaft und Völkerverständigung verbunden sind.

Bemerkt: Hier befand sich in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945 die Wladimirer Infanterieausbildungsstätte. Die Gedenktafel wurde zum 45jährigen Jahrestag des Sieges am 9. Mai 1990 angebracht. Wenige Schritte vom Erlangen-Haus entfernt, stadteinwärts gegenüber.

45.000 sollen es am Ende gewesen sein, die an den vielen Gedenkveranstaltungen und Feiern über den ganzen Tag hinweg an verschiedenen Orten teilnahmen. Das Fest eines Volkes, das sich ausgesöhnt hat mit den Deutschen. Wie es mit deren politischer Zusammenarbeit weitergeht, zeigt heute die erste Begegnung des neuen Außenministers, Heiko Maas, mit seinem russischen Kollegen, Sergej Lawrow. Und was gibt es Neues in der Städtepartnerschaft? Der Urlaub des Bloggers geht zu Ende, schon bald aber wird davon zu berichten sein, wie es weitergeht mit dem Jugendaustausch, denn gestern abend traf noch eine vierköpfige Gruppe aus Erlangen ein, die für den Sommer die nächsten Begegnungen plant. So ist das, und so ist das gut zwischen Erlangen und Wladimir: Die einen kommen, und die andern gehen, die feste Freundschaft aber bleibt bestehen.

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Unerwartet schlechte Wetterbedingungen haben auch ihre gute Seite und können schnell den Eisbrecher zu Beginn von Gesprächen spielen. Gleich nach der Landung des Flugzeuges auf einem der Moskauer Flughäfen fielen mir die hohen Schneemaßen auf dem Gelände auf, was mich aber nicht weiter wunderte. Schließlich haben wir Januar, dachte ich. Doch schon in Gesprächen während der Fahrt vom Südosten Moskaus Richtung Innenstadt ging es vor allem um den ungewöhnlichen Schneefall. Sobald man aus dem Auto ausstieg, merkte man die Höhe der Schneemassen in den Fußgängerzonen. In den Medien war von einem Jahrhundert-Schneefall die Rede. Mir bereitete der Schneesturm jedoch keine Sorge, da ich in Moskau hauptsächliche mit der legendären Metro unterwegs war. Ich hatte aber vor, während meines Verwandtschaftsbesuches in Moskau auch Freunde in unserer Partnerstadt zu besuchen. So hatte ich während meines Aufenthaltes in Moskau einen kurzen Abstecher nach Wladimir geplant. Wie bei früheren Reisen fuhr ich auch dieses Mal mit der „Lastotschka“, einem Schnellzug, der zwischen Moskau und Nischnij Nowgorod verkehrt und in Wladimir hält.

Blick auf die eingeschneite Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir

Als ich ohne Verspätung ankam, stellte ich fest, daß hier noch mehr Schnee fiel. Zuerst wollte ich mich mit Schamil Chabibullin treffen, der mit seiner Musikband „Metamorphis“ Ende 2017 beim Newcomer Festival im E-Werk die Herzen der Zuschauen erobert hatte (https://is.gd/i7pWzs). Nach dem Treffen mit ihm und anderen Mitgliedern der Gruppe war das kalte und ungewöhnliche Wetter kein Thema mehr für unsere Gespräche. Ich wurde sehr neugierig, als die Rockmusiker mir über ihre „Basis“ erzählten, die sie ohne jegliche Förderung unterhalten, und wollte sie unbedingt mit eigenen Augen sehen.

Schamil Chabibullin und Amil Scharifow

Nach einer kurzen Fahrt durch das eingeschneite Wladimir erreichten wir die „Basis“, die sich in einem Keller befand und aussah wie ein professionelles Musikstudio. Ich erfuhr, daß die Mitglieder der Band die Musik als Freizeitaktivität verstehen und das Studio aus eigenen Mitteln finanzieren. Für das Quartett ist Musik aber mehr als ein Hobby, sie ist Freundschaft, sie verbindet Menschen und bereitet Spaß. Einige der Rockmusiker waren schon mehrmals in Erlangen und haben dort viele Freunde und Bekannte. Die Teilnahme von Wladimirer Bands am Newcomer Festival ist ja schon zu einer guten Tradition geworden. Der Austausch leistet einen wichtigen Beitrag zur Städtepartnerschaft, und dabei spielen Menschen wie Schamil, dem unsere Kontakte sehr am Herzen liegen, eine wichtige Rolle. Mit ihm kann man nicht nur über Musik, sondern auch über gesellschaftliche und deutsch-russische Themen reden.

Amil Scharifow und Sergej Sujew

Als wir beim Spaziergang durch die Innenstadt an der einzigen katholischen Kirche vorbeikamen, stattete ich dem dortigen Pfarrer, Sergej Sujew, einem langjährigen Freund der Städtepartnerschaft, einen unangekündigten Besuch ab. Schließlich dürften die Türen des Gotteshauses offen sein, dachte ich – und wurde nicht enttäuscht. Der Geistliche war über meinen Überraschungsbesuch sichtlich erfreut und schenkte mir eine CD mit russischen spirituellen Liedern. Zugegeben, diese Lieder sind die ersten religiösen Melodien, die ich auf Russisch hören werde, und ich bin gespannt, ob sie Einfluß auf meine Weltanschauung haben.

Schamil Chabibullin in der „Basis“

Am letzten Tag meines Besuches traf ich mich mit Wladimir Tichomolow, der sich Anfang 2017 bei uns in der „Berg-WG“ aufgehalten und Erlangen sowie die nähere Umgebung per Fahrrad erkundet hatte. Über seinen Aufenthalt hat der Blog hier https://is.gd/MOyI3b berichtet. Außerdem kam ich mit Wjatscheslaw Kartuchin zusammen, der auf Wladimirer Seite das Dialogforum „Prisma“ leitet. Kurz vor der Abreise besuchte ich noch Guram Tschjotschjew, einen Landsmann von mir, der in Sachen Städtepartnerschaft ein Begriff ist. Der angesehene Orthopäde war bereits Anfang der 90er Jahre zum Austausch in Erlangen und hat da viele Freunde. Wir hatten eigentlich nur vor, zusammen Kaffee zu trinken. Dann kamen wir jedoch überein, daß sich zwei aus Georgien stammende Menschen im Ausland lieber zu einem Getränk, Tschatscha genannt, verabreden sollten, das in Heimat landestypisch ist und uns verband, bis es Zeit war, nach all dem Wiedersehen mit Freunden wieder in Zug nach Moskau zu steigen… Bis zum nächsten Mal.

Amil Scharifow

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Beginnen wir beim Ende – oder besser kurz vor dem Ende – des langen gestrigen Abends im E-Werk, als das Publikum zum donnernden Ausklang des vierzigsten Newcomer Festivals die Band „Metamorphis“ aus Wladimir einfach nicht von der Club-Bühne lassen wollte. „One more song! One more song!“ skandierte der tobend volle Saal.

Metamorphis on stage

Aber auch ein Konzert cum tempore hat einmal ein Ende, zumal dann, wenn noch ein wichtiger Programmpunkt ansteht, die Verleihung der Auszeichnungen und vor allem des Publikumspreises durch Oberbürgermeister Florian Janik.

Metamorphis: Schamil Chabibullin, Ilja Jerochow, Alexej Romanow und Alexander Wojnilowitsch

Die Kulturförderung im Amt für Soziokultur der Stadt Erlangen vergibt nämlich seit 2003 den „Publikumsförderpreis“ im Bereich Rockmusik im Rahmen des Erlanger Newcomer Festivals, das jährlich im November im Kulturzentrum E-Werk stattfindet.

Alexander Wojnilowitsch

Der Publikumsförderpreis der Stadt Erlangen soll…

  • eine junge Nachwuchsband in ihrer Entwicklung fördern,
  • signalisieren, daß die Stadt Erlangen die Leistungen von im Bereich Rockmusik engagierten jungen Menschen anerkennt,
  • durch die Entscheidung des Publikums über die Preisvergabe, den Anreiz erhöhen, das Newcomer Festival zu besuchen und damit die Veranstaltung aufwerten.

Ilja Jerochow

Das Publikum entscheidet über den Gewinner. Dadurch nimmt der Preis eine Sonderstellung ein gegenüber den durch eine Jury vergebenen Auszeichnungen, die über Sponsoren finanziert werden. Der Publikumsförderpreis wird nicht in Form von Bargeld ausgezahlt, sondern trägt dem Förderaspekt Rechnung.

Zwischen 2004 und 2008 bestand der Preis aus einer mehrtägigen Reise in die schwedische Partnerstadt Eskilstuna; seit 2009 geht die Reise nach Wladimir. Die Tour ist immer mit Konzertauftritten in der Partnerstadt verbunden. Die bisherigen Gewinner des Publikumsförderpreises:

Schamil Chabibullin und Tom Weinhold von „Meloco“

„Mobile Funk Navigators“ (2004) – „Mister Squirrel and the crunchy nuts“ (2005) – „Pilot Mash“ (2006) – „Booze Bombers“ (2007) – „Notorious Beat Plank“ (2008) – „Fact & Fiction“ (2009) – „Whispering Eyez“ (2010) – „First Second“ (2011) – „Wasted” (2012) – „Meloco” (2013) – „Actin Myosin” (2014) – „The Variety Show” (2015) – “#zweiraumsilke” (2016).

Im Gegenzug kamen seit 2005 Bands aus Eskilstuna bzw. seit 2008 aus Wladimir zum Newcomer Festival nach Erlangen.

Seit Mittwoch nun sind die vier Musiker von “Metamorphis” aus Wladimir zu Gast in Erlangen und gaben  zwei Konzerte im Kulturzentrum E-Werk: am Donnerstag bei “Umsonst und Drinnen” auf der kleinen Kellerbühne und – außerhalb des Wettbewerbs – vor der Preisverleihung im Rahmen des Newcomer Festivals gestern auf der Club-Bühne mit großem Saal.

Ilja Jerochin

“Metamorphis” war bereits 2014 im Rahmen des Bandaustausches in Erlangen und arbeitet gerade an einem neuen Album, aus dem nun viel zu hören war. Einer der Musiker, der Rhythmus-Gitarrist Schamil Chabibullin, ist übrigens Mitglied des Stadtrats in Wladimir.

Ilja Jerochin und Schamil Chabibullin

Seit 2015 wird das Newcomer Festival mit neuem Konzept durchgeführt: Die Einführung von Vorentscheiden, die Einbindung von Jugendklubs (Dezibel, Scheune und New Force) und die Konzentration der Bands, die sich bei den Vorentscheiden qualifiziert haben, auf einen Abend beim Finale im E-Werk hat sich bewährt. Die Veranstaltung lockt zahlreiche Musikinteressierte in die verschiedenen Veranstaltungsorte.

Aus den vielen Bewerbungen hat die Jury die interessantesten Bands für die Vorentscheide ausgewählt. Wie in den Vorjahren ist wieder ein gelungener Mix aus ganz unterschiedlichen Musikstilen zusammengekommen. Bei den Vorentscheiden zählen sowohl die Stimmen der Jury als auch die des Publikums. Je zwei Bands aus den Vorentscheiden traten nun gestern beim großen Finale im E-Werk ab 19.30 Uhr auf.

So sehen Sieger aus: „Repellent“

„Repellent“ erspielte sich dabei den Sieg, sogar einen doppelten: Sowohl das Publikum als auch die Jury kürten das Quintett zur besten Band des 40. Newcomer Festivals. Da kann man nur gratulieren, vor allem natürlich zur Reise nach Wladimir 2018, im 35. Jahr der Städtepartnerschaft.

Ilja Jerochin, Susanne Lender-Cassens, Karin Lippert, Sergej Potapow, Schamil Chabibullin, Alexej Romanow, Pawel Porizkij und Alexander Wojnilowitsch

Auch wenn die Band, dieses Mal begleitet von Sergej Potapow und Alexej Romanow, zuständig für Technik und Management, Erlangen bereits kennt, gibt es doch wieder viel zu entdecken, vor allem natürlich im E-Werk, dessen Bedeutung für das Kulturleben Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang im Rathaus gern erläutert, zum Staunen der Gäste, die nur bedauern können, in Wladimir im Schatten von Klassik- und Folklore-Ensembles zu stehen, während Erlangen Rock und Pop nach Kräften fördert, um, wie Karin Lippert, die Kuratorin des Bandaustausches, erläutert, auch diesem Bereich der Jugendkultur zu seinem Recht zu verhelfen.

Gruppenbild mit Dame: „Metamorphis“ und Astghik Mantashyan am Hugenottenbrunnen gegen Ende der Stadtführung

Da ist es nur umso erstaunlicher, wie vielfältig sich die Szene in Wladimir allgemein darstellt, wie stilsicher und professionell dann eine Band wie „Metamorphis“ ihre überzeugende Interpretation von Post-Grunge auf die Bühne bringt, wie rasch das Quartett das gemeinhin doch eher verhaltene Erlanger Publikum zu fesseln versteht… One more song!

Club-Bühne im E-Werk: „One more song, Metamorphis!“

Abseits der Bühne freuten sich die Vier besonders, die Freunde von „Meloco“ wiederzusehen, die in Nürnberg ein Interview bei Radio Z / AFK-Max organisierten, die Gäste ins Lochgefängnis entführten und sie mit Glühwein bewirteten. Eben ganz so, wie es in der Partnerschaft sein soll – und wie es nun bald „Repellent“ erleben wird und dann eine neue Formation aus Wladimir und dann wieder die Siegerband des 41. Newcomer Festivals. Ad infinitum. Denn, wie schon Neil Young wußte: „Rock and Roll will never die!“

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Seit 40 Jahren gibt es nun schon das Newcomer Festival im E-Werk. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte kommunaler Förderung von Nachwuchsbands über alle Stilrichtungen der Rockmusik hinweg.

Metamorphis 2014 im E-Werk

Um diese Traditionsveranstaltung beneidet denn auch die Rockszene in Wladimir die Erlanger seit 2009 zum ersten Mal eine Band aus der russischen Partnerstadt am Newcomer Festival teilnahm und den Austausch aufnahm.

Metamorphis mit Schamil Chabibullin

Nun kommt zum Jubiläum das Quartett „Metamorphis“ bereits zum zweiten Mal nach Erlangen und erfüllt sich – und wohl auch vielen im Publikum – damit einen Traum, denn schon 2014 genoß das Ensemble die Auftritte im E-Werk.

Metamorphis

„Metamorphis“ spielt seit 2010 zusammen und pflegt in Wladimir den Post-Grunge-Stil. Von Beginn an fand die Gruppe ihr Publikum und nahm bereits 2011 ihr erstes Album unter dem Titel „With you“ auf, das allerdings erst 2013 erschien.

Metamorphis mit Alexander Wojnilowitsch

Ende April 2017 stellte die Band eine Single vor, die in kürzester Zeit im Internet 70.000 Klicks verzeichnete. Derzeit arbeitet Metamorphis an einem weiteren Album, das Anfang 2018 erscheinen soll. In Erlangen spielen die vier Wladimirer denn auch am Donnerstag, den 23. November auf der Kellerbühne im Rahmen von „Umsonst und Drinnen“ und am Samstag, den 25. November zum Abschluß des Newcomer Festivals – jeweils ab 22.30 Uhr – hauptsächliche Stücke aus ihrem neuen Repertoire, in das man hier schon einmal reinhören kann: https://is.gd/mgNK7m

 

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