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Posts Tagged ‘Ruth Sych’


Vor acht Jahren veranstaltete das Bürgermeister- und Presseamt zum ersten Mal einem Empfang für Personen und Gruppen, die sich ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften engagieren. Seither entwickelte sich die Feier im Ratssaal zu einer festen Institution, bei der von Mal zu Mal die Sessel und Stühle zahlreicher besetzt sind. Gestern nun, als Wolfram Howein aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Janik den Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften entgegennahm, blieb freilich wirklich kein Platz mehr frei. Vielleicht, weil, wie der Laudator, anerkennend und vom Manuskript abweichend, meinte, der Geehrte es beispielhaft verstehe, andere in seine vielfachen Aktivitäten und Initiativen einzubinden.

Wie vielfältig und für das Gemeinwohl entscheidend dieses Engagement gerade auch im Internationalen Bereich wirkt, betonte Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens in ihrer Begrüßung. Durchaus auch aus eigener Anschauung vor Ort auf dem Feld der Ökologie, Jugendarbeit oder Kulturvereine. Das Stadtoberhaupt ging sogar noch weiter und stellte diese Arbeit in einen globalen Zusammenhang: „Heute bedarf es mehr denn je der Menschen, die Brücken bauen; gerade jetzt, wo so viele andere sich daran machen, Brücken einzureißen und Mauern hochzuziehen.“

Florian Janik und Wolfram Howein

Desto wichtiger, einmal im Jahr all die einzuladen, denen die Zusammenarbeit mit den zehn Partnerstädten und den drei befreundeten Kommunen, von den sonstigen Verbindungen Erlangens in alle Welt zu schweigen, am Herzen liegt. Und eine Person stellvertretend für die anderen auszuzeichnen, gestern Wolfram Howein. Wofür und mit welchen Worten ist hier nachzulesen: Laudatio Wolfram Howein – 21.11.2018

Wolfram und Inge Howein

Florian Janik machte es sichtlich Freude, dem ehemaligen Siemens-Manager das in vierzehn Jahren und auf vierzig Wladimir-Reisen verdiente Lob auszusprechen, kennt er doch die Ergebnisse dieser großartigen Arbeit aus eigener Anschauung, im Blauen Himmel wie beim Roten Kreuz, im Forum Prisma wie bei den wissenschaftlichen Projekten, besonders aber im Erlangen-Haus, wo beide das „beste Frühstück in der Partnerstadt“ zu schätzen wissen, und von wo aus beide sich auch schon auf die Suche nach einem Schlummertrunk machten.

Gratulation von Melitta Schön an Wolfram Howein

Wolfram Howein nahm es in seiner Erwiderung sportlich: „Mein Engagement für Wladimir ist allemal billiger als Golf zu spielen.“ Aber im Ernst: „Mein Leben ist reicher geworden durch diese Begegnungen, und Wladimir ist mir zum Jungbrunnen geworden.“ Möglich aber natürlich auch nur, wenn die Frau diesen Einsatz unterstützt. Deshalb galt denn der erste und größte Dank Inge Howein, die nun auch schon zehn Reisen in die Partnerstadt hinter sich hat.

Gratulanten: Margrit Vollertsen-Diewerge, Ute Schirmer, Jürgen Binder, Inge und Wolfram Howein, Gerda-Marie und Michael Reitzenstein

Was das Ehepaar noch vor sich hat? Hoffentlich noch viele Jahre der Zusammenarbeit mit Wladimir – zumal sich, siehe Blogeintrag von gestern, im Bereich Erlebnispädagogik schon wieder neue Türen öffnen – und die dafür nötige Gesundheit.

Knut Gradert und seine Stadl Harmonists

Zum Gelingen des Abends trugen auf ihre Weise die Stadl Harmonists aus Kosbach mit „Weltmusik“ bei, von „California Dreaming“ über „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Über den Wolken“ bis hin zum abschließenden „Oj, moros, moros“, das der Leiter des Ensembles, Knut Gradert, bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir mit seinem großen Chor einstudierte und zur Überraschung der Gastgeber auf Russisch interpretierte. Gestern nun also auch noch diese musikalische Brücke über ein Vierteljahrhundert Partnerschaft. Was kann schöner sein?!

Karin Günther, Ruth Sych mit der Broschüre über ihr Engagement in Wladimir vor 20 Jahren und Susanne Lender-Cassens

Höchstens noch die vielen Gespräche, die beim Stehempfang zustandekamen – über die Grenzen der jeweiligen Städtepartnerschaften hinweg. Jena stand da neben Riverside und Rennes kam mit San Carlos ins Gespräch, während Wladimir mit Cumiana Erfahrungen austauschte.

Rudolf und Inge Schloßbauer mit Giuseppe Andolina

Eine Börse der internationalen Beziehungen eben, wo, wie Florian Janik bei der Eröffnung des Buffets meinte, „bestimmt wieder neue Ideen und Projekte entstehen“.

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Unter den vielen Sozialprojekten im Rahmen der Städtepartnerschaft reicht die Zusammenarbeit mit dem Altenheim Wladimir mit am weitesten zurück. Bereits 1998 hatte Ruth Sych ihre Aktion begonnen und im Laufe eines Jahrzehnts gut 12.000 Euro gesammelt, in der eigenen Familie und im Freundeskreis. Spenden, die sichtbar verwendet wurden für zwei Andachtsräume, Außenanlagen, Ausflüge, Ausstattung der Werkstätten, die Kultur- und Freizeitprogramme.

Altenheim Wladimir

Altenheim Wladimir

650 Menschen leben in dem Heim, in zwei Gebäudekomplexen, die auch zwei unterschiedliche Betreuungseinrichtungen darstellen, denn neben dem Altenheim findet sich auf dem etwa 6.000 qm großen Gelände auch ein Haus für psycho-neurologische Erkrankungen, die nicht nur in den Bereich der Geriatrie fallen, wo der Altersdurchschnitt gerade einmal bei 50 Jahren zu liegen kommt.

Altenheim Wladimir

Altenheim Wladimir

Es war wohl auch die Hilfe aus Erlangen, die den Behörden vor Ort einen Anstoß gab, mehr Mittel und Personal für die betreuungsbedürftigen Menschen einzusetzen. Jedenfalls konnte Ute Schirmer, die von Ruth Sych den Stab übernommen hatte und nun weiter Spenden sammelt, bei ihrem Besuch im Juli vergangenen Jahres diesen Eindruck gewinnen: die Räume heller, wenn auch noch immer eng belegt; überall Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten; mehr Fachkräfte, vor allem im Bereich der psychologischen Betreuung.

Altenheim Wladimir

Altenheim Wladimir

Gerade im Bereich der Fortbildung soll denn nun auch ein neuer Schwerpunkt der Zusammenarbeit gefunden werden, unterstützt durch die von Ute Schirmer gesammelten Spenden. Geht es nach der Heimleitung will man nämlich von den Erfahrungen der Erlanger Partner in der Altenarbeit lernen und sich vor allem auf das große Thema „Hospiz“ vorbereiten, das bisher in solchen Einrichtungen kaum eine Rolle gespielt hatte.

Ute Schirmer, Jürgen Ganzmann und Ruth Sych

Ute Schirmer, Jürgen Ganzmann und Ruth Sych

Noch stehen keine genauen Fristen fest, aber das Projekt wird wohl noch in der ersten Jahreshälfte anlaufen, – dank all den vielen Spenden (gut 2.000 Euro), von Ute Schirmer zusammengetragen, und dank der Unterstützung von Jürgen Ganzmann, dem ehemaligen Leiter des Altersheims in Etzelskirchen.

 

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Des Rauhreifs Gemälde / ließ all die Bäume lichtblau werden. / Blau geworden ist auch die Brücke über den Bach, / als wenn aus Eis sie wäre. / Hin zu den Bachufern neigt sich das Blau. / Und ringsumher, wohin man auch schaut – / Blau nah und in der Ferne. / Die Erklärung dafür ganz einfach: / Ein eisiger Wintertag. / Ausgebreitet überall das Blau des Himmels. / Laß uns hineingehen, ein paar Schritte nur, / in das Reich der Bläue. / Erfreuen wir uns doch, mein Freund, / an dieser zauberhaften Schönheit! / Wahrnehmen werden wir das Knistern des Rauhreifs, / und einatmen dürfen wir die reine Luft. / Von der Frische des Waldes ein wenig / nehmen nach Hause wir mit. / Noch lange im Gedächtnis wird uns sein / des blauen Zaubers Reich. (Stanislaw Katkow / Ute Schirmer)

Katkow 1

Ute Schirmer und Stanislaw Katkow. Photo: Wladimir Filimonow

Heute feiert Stanislaw Katkow im Alters- und Pflegeheim Wladimir seinen 70. Geburtstag. Zu dem Anlaß hat Ute Schirmer, die den Dichter seit mehr als 20 Jahren kennt, eines seiner Gedichte übersetzt.Nicht das erste, denn beim dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläum hat die promovierte Medizinerin bereits einen ganzen Band ihrer Lyrikübertragungen vorgestellt und dem Autor überreicht. Was diese Wertschätzung für den Poeten bedeutet, bringt er – wie auch anders! – in Versen zum Ausdruck, ins Deutsche übertragen von Peter Steger. Der Blog wünscht dem Jubilar, besonders im Namen von Ruth Sych und Ute Schirmer, weiterhin viel Schaffenskraft und Lebensfreude, mit deren Hilfe er die Beschwernisse seines Alltags so leicht erscheinen läßt und denen er viele Freunde hier wie dort verdankt.

Ute Schirmer, Natalia Oserowa, Stanislaw Katkow, Peter Steger

Ute Schirmer, Natalia Oserowa, Stanislaw Katkow, Peter Steger. Photo: Wladimir Filimonow

Wladimir und Erlangen / sind Freunde Jahr und Tag. / Auch mir ist nicht entgangen, / was Freundschaft so vermag. // Dank einer lieben Dame / aus Deutschland, nicht von hier, / ist dort bekannt mein Name / und manch Gedicht von mir. // Als ich dann endlich hörte / auf Deutsch der Verse Klang, / war mir, glaubt’s nur, ich schwör es, / als hörte ich Gesang. // Für mich war das nicht ohne, / mein Herz ward freudig weit! / Denn dort, wo ich sonst wohne, / steht still zumeist die Zeit. // Daß ihr tatsächlich hier wart, / bleibt mir als Glücksmoment. / Ich danke Ute Schirmer / und sage: Kompliment! (Stanislaw Katkow / Peter Steger)

Stanislaw Katkow mit zwei befreundeten Künstlerinnen und dem Ehepaar Filimonow und dem Blumengeschenk aus Erlangen

Stanislaw Katkow mit zwei befreundeten Künstlerinnen und dem Ehepaar Filimonow und dem Blumengeschenk aus Erlangen

Mehr zu Stanislaw Katkow unter: http://is.gd/R3xxg6

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Auch wenn Oberbürgermeister Siegfried Balleis in seiner Begrüßung meinte, es sei zu früh, beim Ehrenamtsempfang für die Aktiven im Bereich Städtepartnerschaften und Internationale Kontakte von einer Tradition zu sprechen, darf man angesichts der etwa 140 Gäste, die gestern den Ratssaal füllten, wohl sagen: Diese Veranstaltung hat ihre Berechtigung und findet Anklang. Mehr noch, im mittlerweile vierten Jahr der Verleihung des „Ehrenbriefes für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften“, zeigt der Zuspruch, wie sehr es geboten ist, Menschen mit außergewöhnlichem Einsatz bei der Völkerverständigung öffentliche Anerkennung für ein Gemeinschaft stiftendes Wirken zu schenken, das oft unerkannt und verborgen geschieht.

Ratssaal beim Ehrenamtsempfang für Ute Schirmer

Ratssaal beim Ehrenamtsempfang für Ute Schirmer

Ein Zitat aus einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck illustriert dies trefflich, wo er davon spricht, welches Vermögen die ehrenamtliche Arbeit für die Gesellschaft schaffe und dann pointiert: „Das Großartige an dieser Art von Vermögen ist: Es vermindert sich nicht, indem wir es teilen, im Gegenteil: Es vermehrt sich.“ Ein Gedanke, den Erlangens Stadtoberhaupt gerne aufgreift und fortführt: „Dieses Vermögen vermehrt sich nicht nur, es macht uns reicher. Gerade wenn wir daran denken, was wir dank den Städtepartnerschaften alles an kulturellen Schätzen geschenkt bekommen, wenn wir uns bewußt machen, was wir im Austausch alles voneinander lernen können.“

Elisabeth Preuß, Ute Schirmer und Siegfried Balleis

Elisabeth Preuß, Ute Schirmer und Siegfried Balleis

Nach Fritz Wittmann und Prof. Dr. Dieter Wenzel, Manfred Kirscher sowie den IG-Metall-Senioren in den Vorjahren wurde nun gestern Ute Schirmer mit dem Ehrenbrief ausgezeichnet und von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß mit einer ausgesprochen persönlich gehaltenen Laudatio gewürdigt für mehr als 20 Jahre intensivster Unterstützung der Bürgerpartnerschaft mit Wladimir – als Gastgeberin, Betreuerin, Initiatorin von Hilfsprojekten, Übersetzerin von Lyrik eines Wladimirer Poeten, Organisatorin von Gastspielen für Wladimirer Chöre, Streiterin für den Schüleraustausch und vieles mehr. So viel, daß die Rednerin ihr Manuskript nur gekürzt vortragen konnte, um den zeitlichen Rahmen nicht zu sprengen mit der Beschreibung eines Lebens mit und für die Partnerschaft.

Auch hier nur einige Zitate aus dem Gästebuch der Familie Schirmer:

Ute Schirmer im Gespräch mit Altbürgermeisterin Ursula Rechtenbacher und Stadtrat Wolfgang Vogel

Ute Schirmer im Gespräch mit Altbürgermeisterin Ursula Rechtenbacher und Stadtrat Wolfgang Vogel

Da schreibt etwa die vierköpfige Familie Wladimir Filimonow: „Unser ganzes Leben lang werden wir in unseren Herzen die Wärme jener Tage bewahren, die wir in Erlangen verbracht haben.“ Tatjana Kostromina ringt buchstäblich um Worte: „In der russischen Sprache fehlen einfach noch die Begriffe, um das Gefühl der Dankbarkeit auszudrücken, das ich an diesem Abschiedstag empfinde.“ Angelika Schischkina formuliert es in einem Dankbrief in deutscher Sprache aus Wladimir so: „Nun bin ich zu Hause, denke aber sehr oft an das schöne Erlangen, an seine netten Einwohner, meine lieben Bekannten zurück – und immer mit warmen Gefühlen, während es draußen ziemlich kalt ist.“

Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen

Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen

Ein besonderer Eintrag ist auf den 10. August 1994 datiert und stammt von Natalia Oserowa und ihrem Vater Genrich: „Herzlichen Dank für die Fürsorge, die Gastfreundschaft und den Frohsinn Ihres Hauses sowie für Ihre Herzenswärme. Wir sind unendlich dankbar für die gewaltige Hilfe und Unterstützung, die Sie uns in diesen so schweren Tagen haben zukommen lassen. Wir sind stets bereit, Sie bei uns zu Hause in Wladimir aufzunehmen. Das, was Sie für uns getan haben und noch immer für andere tun, ist ein Ausdruck von Barmherzigkeit und christlicher Menschenliebe in ihrer edelsten Form.“

Alexej Krasnow, Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pederson in Wladimir

Alexej Krasnow, Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen in Wladimir

Alexej Krasnow hält rückblickend fest: „Noch immer erwärmen und beruhigen mich die Erinnerungen an Ihr Haus und an Ihre Familie. Ich hoffe und bete, daß Sie, Ihre Kinder und Ihre Enkel gesund bleiben und die Behaglichkeit und Wärme Ihr Haus nie verlassen.“ Im Gästebuch hat er hinterlassen: „In Ihrem Haus habe ich das Lebensideal gefunden, dem ich hoffend entgegenging und noch immer entgegengehe. Und wieder einmal habe ich erkannt, wie einfach alles Geniale ist!“

Katja Lapschina spricht ihre Gastgeber als „meine Erlanger Großeltern“ an und läßt Ute und Herbert Schirmer wissen: „Wie gut, daß es Sie gibt! Sie sind der Rettungsdienst für alle, die in Not geraten. Riesigen Dank für die Hilfe, Aufmerksamkeit, Herzlichkeit und Sorge, mit der Sie Ihre Gäste umgeben.“

Thomas und Rose Lonicer im Gespräch mit Ute Schirmer

Thomas und Rose Lonicer im Gespräch mit Ute Schirmer

Tatjana Kostromina findet ein schönes Bild, wenn sie sagt: „Ich bin dem Schicksal dankbar, wieder unter Freunden zu sein, im Kreis von so herzensguten und gastfreundlichen Menschen. Danke dafür, daß Ihr Haus immer wärmt wie ein Herd der Güte und des Glücks.“

Maria Schalnowa ist sicher, die Tage in Erlangen nie zu vergessen und schreibt: „Ich bin Ihnen unendlich dankbar für Ihre Mühewaltung und Unterstützung in einer für mich so schwierigen Zeit.“

Ute Schirmer und Ruth Sych

Ute Schirmer und Ruth Sych

Der kleine Eduard Dmitijew, noch nicht ganz sattelfest in der russischen Orthographie, bedankt sich auf seine Weise: „Sie haben sich um mich gekümmert wie um einen eigenen Sohn.“

Wiktor Malygin greift zur Feder und dichtet in der Übersetzung von Peter Steger: „ Im Haus von Herbert und von Ute / gab’s keine einzige Minute, / wo ich nicht satt und glücklich war. / So lebt’ ich gern noch manches Jahr! / Doch schickt sich’s nicht, `s ist an der Zeit, / wohlan, der Weg zurück ist weit. / Schon morgen geht es auf die Reise, / drum sag ich jetzt auf meine Weise: / Habt Dank, Ihr beiden lieben Leute, / für all das Schöne, gestern, heute! / Vollkommen aber wird mein Glück, / erst wenn ich komm zu Euch zurück.“

Irina Kartoschkina ahnt, daß Ute Schirmer nicht nur ihr so viel Aufmerksamkeit widmet, aber sie weiß: „Was mich betrifft, so haben Sie meine sehnlichsten Träume erfüllt!!! Und damit haben Sie mich noch glücklicher gemacht!!!“

Ute und Herbert Schirmer

Ute und Herbert Schirmer

Wladimir Kusin faßt seine Eindrücke so zusammen: „Liebe Ute und Herbert, Sie sind erstaunliche und wundervolle Menschen. Dank Ihrer Güte haben viele Menschen aus anderen Ländern, darunter auch ich, das Leben einfacher deutscher Familien besser kennengelernt und Ihre herrliche Stadt Erlangen gesehen. Sehr viele Menschen überall auf dem Erdball wissen von Ihnen, erinnern sich an Sie und erzählen anderen von Ihnen. So wie ich das auch tun werde.“

Tatjana Kolesnikowa zählt das Ehepaar Schirmer „zu den Menschen, die allen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen“, und Larissa Jakowlewa ergänzt: „Während der zwei Tage bei Dir, liebe Ute, ist es mir nicht nur gelungen, viel zu sehen, sondern auch viel zu begreifen, nämlich wie klein unser Erdball ist und wie groß die Menschenliebe sein kann!“

Man stelle sich vor, all diese Freunde aus Wladimir hätten zu dem Empfang kommen können… Doch eine kam als Überraschungsgast – aus Dänemark, wo sie seit Mitte der 90er Jahre lebt: Natalia Oserowa-Pedersen. Mit ihr zusammen trug denn auch Ute Schirmer zwei ihrer Gedichte von Stanislaw Katkow vor, die sie ins Deutsche übertragen hat. Mit dem ihr eigenen Gespür für Sprache und Gefühl.

Natalia Oserowa-Pedersen und Rudolf Schwarzenbach

Natalia Oserowa-Pedersen und Rudolf Schwarzenbach

In ihrer Erwiderung setzte sich Ute Schirmer für Russisch als Wahlfach an Erlanger Gymnasien ein, die Austausch mit Wladimir pflegen und dankte ihrem Mann Herbert, der über all die Jahre ihren Einsatz für Wladimir mitgetragen hat, und besonders der Musikgruppe des Folklore-Ensembles Ihna, mit dem sie schon seit den 80er Jahren befreundet ist, dessen Tänze und Melodien sie so liebt, für das sie schon so manchen Gast aus Polen und natürlich aus Wladimir aufgenommen hat. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, angedeutet in der Laudatio von Elisabeth Preuß, die hier, ebenso wie die Rede von Siegfried Balleis im vollen Wortlaut zu finden ist.

Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen

Ute Schirmer und Natalia Oserowa-Pedersen

Das abschließende „Machen Sie bitte weiter so!“ in der Laudatio richtet sich nicht nur an Ute Schirmer, sondern an alle Ehrenamtlichen in der Partnerschaftsarbeit. Denn gerade sie sind es, die den Buchstaben der internationalen Urkunden und Verträge mit bürgerschaftlichem Leben erfüllen. Und das kann gar nicht lebendig genug sein. Da können gar nicht genug mitmachen. Und da ist allen, die ihren Beitrag dazu leisten zu danken. Gestern besonders Ute Schirmer.

Die beiden Reden im Wortlaut: Ehrenamtsempfang Rede Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Ehrenamtsempfang Laudatio Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

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Olga Dejewa ist weiter zuversichtlich. Die ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes in Wladimir setzt auf die Jugend und Mäzene. Die Zusammenarbeit mit Schulen liegt ihr besonders am Herzen, was man unschwer sehen kann, wenn man einmal die vielen kleinen Zeichnungen und die detailfreudigen Plakate betrachtet, die in den letzten Wochen entstanden sind. Ergebnis einer erfolgreichen pädagogischen Arbeit mit dem Ziel, die Aufgaben des Roten Kreuzes der jungen Generation nahezubringen. Wer so viel vorzuweisen hat, tut sich auch leichter, private Geldgeber für die Rot-Kreuz-Sache zu begeistern. Und so ist denn zur Freude von Olga Dejewa schon die erste größere Spende in Höhe von 5.000 Rbl. eingegangen. Dabei soll es natürlich nicht bleiben, denn neben den bereits laufenden Projekten „Licht des Guten“ und „Das sollte jeder wissen“, also Programmen, die zum einen häusliche Pflege für Kriegsveteranen, zum andern Ausbildungskurse für Erste Hilfe umfassen, ist jetzt auch noch ein Kurs für Notversorgung in Planung. Und alles begleitet durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Fehlt nur eine eigene Homepage, für die allerdings rasch einmal 30.000 Rbl. zu bezahlen wären. Vielleicht aber tut es für den Anfang ja auch ein Blog, der keinerlei Kosten verursacht, freilich regelmäßig gepflegt werden will, wie die geneigten Leser aus eigenem Erleben wissen.

 

Olga Dejewa und Peter Steger vor dem Erlangen-Haus

Was und wie auch immer: Olga Dejewa freut sich schon jetzt auf den Besuch der offiziellen Delegation unter Leitung von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus Anfang September und hofft, dann auch das Raumproblem lösen zu können. Schon heute nämlich reicht der Platz nicht mehr für all die vielfältigen Aktivitäten, und gerade für die geplanten Kurse braucht man ja auch Unterrichtsräume. Und dann, wie weiter? Einen Deutsch-Kurs im Erlangen-Haus möchte die hauptamtliche Direktorin des Wladimirer Sozialwerks belegen – und möglichst noch in diesem Jahr ihre erste Reise nach Erlangen und Jena unternehmen. Da kann man jetzt schon sagen: Herzlich willkommen! In Erlangen hat sie ja bereits erste Freunde. Und das werden bestimmt bald mehr!

 

Vorgarten des Alten- und Pflegeheims

Willkommen ist auch Irina Morosowa, die Leiterin des Alten- und Pflegeheims mit seinen fast 700 Plätzen für Senioren und Behinderte. Dessen bekanntester Bewohner heißt Stanislaw Katkow und hat schon mehr als ein halbes Dutzend Lyrikbände veröffentlicht, aus denen einige Gedichte auch in deutscher Übersetzung von Ute Schirmer und Peter Steger vorliegen. Zeugnisse der unbändigen Lebenslust eines Menschen, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, der, kaum auf der Welt, so schwer erkrankte, daß er bis heute halbseitig gelähmt ist und nur schwer verständlich sprechen kann. Und doch hält er sich selbst für ein Glückskind, sprüht vor Witz und ist nie um ein Lächeln verlegen. Wenn man sieht, mit welcher Aufmerksamkeit sich Irina Platowa um ihn kümmert, die viele seiner Gedichte auswendig rezitiert und seit der Autor wegen der fortschreitenden Lähmung kaum mehr selbst leserlich schreiben kann auch dessen Lyrik ins reine schreibt, wundert man sich freilich nicht mehr allzu sehr über seine Frohnatur. Und dann ist da noch Sinaida Gagulajewa, im Heim zuständig für das Kultur- und Freizeitprogramm, die den Dichter versteht wie kaum jemand sonst. Fast sollte man meinen, ihm fehlte fast nichts mehr zu seinem Glück. Zumal es da in Erlangen auch noch zwei Damen gibt, Ruth Sych und Ute Schirmer, die Stanislaw Katkow seit zwei Jahrzehnten begleiten und die Ausstellungen in Etzelskirchen und in Dreycedern mit Illustrationen von Alewtina Sínowjewa zu seinen Gedichten organisiert haben.

 

Sinaida Gagulajewa

Die beiden würden ihren Augen nicht trauen, wenn sie sehen könnten, was sich alles zum Guten gewendet hat seit ihren ersten Besuchen in den frühen 90er Jahren. Der Garten blüht, was das Zeug hält, überall wird gewerkelt und renoviert, die Bewohner machen einen zufriedenen und heiteren Eindruck, und Irina Morosowa will es dabei nicht bewenden lassen. Geht es nach ihr, werden schon bald alle ihre Schutzbefohlenen moderne Hilfsmittel nutzen können, sogar ein Schwimmbad schwebt ihr vor. Das mag alles noch dauern, aber die Aufbruchstimmung ist jetzt schon da. Und es gibt ein konkretes Ziel: Zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft vom 29. Mai bis 2. Juni 2013 soll es in Wladimir eine Ausstellung geben – mit Arbeiten von behinderten Künstlern aus Erlangen.

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow, Irina Platowa

Stanislaw Katkow, der 2013 seinen 70. Geburtstag feiert, wird sicher im Organisationskomitee sitzen. Und vielleicht ein wenig Deutsch mit Irina Platowa lernen. Seine fehlenden Sprachkenntnisse beklagt er nämlich in einem Gedicht, das er den beiden Freundinnen aus Erlangen gewidmet hat und das mit dem Vers endet: „Zu den Deutschen, nach Erlangen / schick ich diese Zeilen ab. / Euch will ich von Herzen danken / und dem Glück, daß ich Euch hab.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Hier nun die Fortsetzung des vorgestern mit Teil 1 vorgestellten Berichts der Reise von Ruth Sych im Dezember 1998, in einer Zeit, wo die Not noch groß war in Wladimir und die Hilfsbereitschaft aus Erlangen kleine Wunder wirkte.

Freitag, 11. Dezember 1998

Als ich morgens aus dem Fenster schaue, ist von den Autos fast nichts mehr zu sehen, so hat es über Nacht geschneit. Die ersten Besitzer tauchen auf, um ihre Wagen freizuschaufeln. Zum Frühstück gibt es wieder Bliny, Brot, Marmelade und Kaffee. Nach dem Frühstück werde ich Zeugin eines intensiven Palavers zwischen Herrn Üblacker und russischen Gästen. Nach einiger Zeit steht dann doch ein Kleinbus vor der Tür. Wir wollen zu dem Geschäft fahren, wo die bestellten Kindersachen lagern. Ein Fernsehreporter mit Kameramann eines örtlichen Senders begleitet uns. Sehr weit kommen wir jedoch nicht. Ein Auto versperrt uns den Weg. Es steckt im Schnee fest. Also steigen wir aus, schieben zuerst das fremde Auto aus dem Weg und anschließend unser Auto an, da die Räder blockieren. Irgendwie kommen wir aber dann doch an dem Geschäft an. Hier wird akribisch kontrolliert: Kinderhemdchen, Höschen, Anoraks, Kissen, Decken, Pullover, Strampler und jede Menge anderer Anziehsachen, bestimmt für die Kinderabteilung der Psychiatrie. Am hinteren Ende des Geschäfts steht ein Kleinlieferwagen, in den die gezählten Sachen sofort eingeladen werden. Alles wird vom Fernsehteam festgehalten. Der Lieferwagen fährt uns schon mal voraus.

Für Herrn Üblacker geht es nun ans Bezahlen. Da staune ich aber nicht schlecht. Von wegen eine Registrierkasse, wie wir es gewohnt sind: Ein Abakus macht die Rechenarbeit. Mit affenartiger Geschwindigkeit, ich kann gar nicht so schnell schauen, hantiert die Kassiererin mit dem Ding herum und rechnet Kolonnen von Zahlen zusammen. Ich bin einfach überwältigt. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Nachdem alles bezahlt ist, fahren auch wir zu der Kinderklinik. Wir werden bereits erwartet, der Lieferwagen ist auch schon da. Man bittet uns in ein Konferenzzimmer, wo sich nach und nach Ärzte, verschiedenes Personal und der Leiter der Klink einfinden. Es wird eine kleine Erfrischung gereicht. Nach den Dankesreden erhält jeder ein Geschenk, auch ich. Es ist ein Ölgemälde des Künstlers und Patienten Awarra. Und wieder wird fleißig photographiert. Von der Klinik bekomme ich außer dem Konferenzraum nichts zu sehen. Die Kinderabteilung, die ich nicht betrete, ist von außen ein hübsches Gebäude auf einem großen Gelände mit Spielplatz und einigen Bäumen.

Jetzt geht es heim zum Erlangen-Haus. Auf der Fahrt bewundere ich den Chauffeur des Kleinbusses, der in dem hohen Schnee mit den vielen ausgefahrenen Furchen den Wagen steuert, ohne das Lenkrad festzuhalten. Er läßt den Bus einfach laufen und korrigiert mit dem kleinen Finger. Im Erlangen-Haus angekommen, gibt es Mittagessen und danach für mich nur eine kleine Pause.

Am Nachmittag bin ich mit Frau Filimonowa, deren Tochter Mascha und einer ihrer Klassenkameradinnen unterwegs. Die beiden Mädels studieren Deutsch und sprechen es schon ausgezeichnet. Sie führen mich in verschiedene Museen, und so geht der Nachmittag sehr schnell vorbei. Sie laden mich zum Abendessen in ihre Wohnung ein, und wieder bin ich überrascht, wie unkompliziert alles vonstatten geht. Vor dem gedeckten Tisch fehlt ein Stuhl, doch im Handumdrehen wird aus einer Ecke ein Klappstuhl hervorgeholt, und alle können Platz nehmen. Es wird ein angenehmer Abend mit vielen interessanten Gesprächen. Im Laufe des Abends kommt noch Maschas jüngere Schwester Nastja dazu. Ich muß dann das Zimmer der beiden Mädels bewundern. An der Decke sehe ich einen aufgeklebten Sternenhimmel, der in der Dunkelheit leuchtet, einfach fantastisch. Aber nicht nur das. An der Wand hängt auch ein Papier, fast in der Größe eines Plakates mit der Aufzeichnung der Präpositionen. Mascha erklärt mir, sie wiederhole vor dem Einschlafen all die Verhältniswörter. Selbstverständlich werde ich auch wieder zum Erlangen-Haus zurückgebracht. Die Gastfreundschaft dieser Familie ist wirklich außergewöhnlich.

Samstag, 12. Dezember 1998

In der Nacht schneit es wieder. Nach dem Frühstück – diesmal gibt es keine Bliny, sondern Crêpes mit Quarkfüllung – kommt pünktlich um 8.30 Uhr eine von Herrn Steger organisierte Dolmetscherin. Ein junger Mann, Roman Luschko, ein Faktotum, scheinbar für alles und jedes zuständig, bringt uns, die Dolmetscherin, Herrn Filimonow und mich zu dem Alten- und Pflegeheim mit angeschlossener psychoneurologischer Abteilung, ans Ziel meiner ganzen Bemühungen. Seit 1996 bestehen Kontakte zu diesem Altenheim, die ich über Herrn Steger angeregt hatte. Da ich für das Deutsche Sozialwerk ehrenamtlich arbeite, in der Regel in Erlanger Altenheimen, bot sich eine Partnerschaft geradezu an. Nach zwei Jahren zog sich das Deutsche Sozialwerk aus dieser Partnerschaft zurück, und ich beschloß, mir dieses Heim anzusehen. Der Fahrer fährt, nein, er kurvt mit schnellen Steuerbewegungen mal nach links, mal nach rechts durch den aufgetürmten Schnee, der auf einer buckligen, vereisten Straßendecke liegt, deren Konturen man nur noch erahnen kann. Ich denke, er landet jeden Moment an einem Baum oder kollidiert mit einem anderen Fahrzeug. Aber weit gefehlt. Er bringt uns sicher an unser Ziel. Was wird uns dort erwarten?

Wir werden von Sinaida Gagulajewa, zuständig für das Kulturprogramm im Heim, freundlich empfangen. Sie zeigt uns ihr Reich, zwei Wohngebäude und mehrere Wirtschaftstrakte, die auf einem ca. 6.000 qm großen Gelände stehen. Die Wirtschaftsgebäude umfassen ein Bade- und Waschhaus, einige Werkstätten, ein separates Sterbehaus, in das dann auch der Pope kommt, eine Reparaturwerkstatt für alte Rollstühle, ein Lager für die Vorräte, wie Kohl, Kartoffeln, Gurken, und einen Schweinestall. Den Stall und das Innere der Werkstätten kann ich nicht besichtigen, da der Schnee ca. 60 cm hoch liegt und einige Bewohner noch damit beschäftigt sind, die Wege freizuräumen. Das ganze Areal, es umfaßt noch einen Obst- und Gemüsegarten, ist von einer ca. zwei Meter hohen Mauer umgeben und hat, wie mir scheint, nur einen einzigen Eingang.

Nun kommen wir zu den beiden Wohngebäuden, in denen 600 Menschen leben. Von außen sehen die Gebäude noch passabel aus, von innen jedoch sind sie sehr renovierungsbedürftig. Im ersten Haus sind die älteren Bewohner und die Pflegebedürftigen untergebracht. Es gibt noch den Speiseraum und im Anschluß daran die Küche. Frau Gagulajewa zeigt uns alles recht ausführlich. Ich sehe Pflegezimmer mit vier bzw. sechs Betten. Im zweiten Haus wohnen die psychisch kranken Menschen.

Man kann sehen, daß wir erwartet wurden, denn manche Betten sind ordentlich mit Paradekissen geschmückt, was aber den tristen Eindruck nicht verhindern kann, denn unter manchen Betten sehen wir ein „Thrönchen“, da die Toiletten ziemlich weit entfernt sind. Wir werden durch mehrere Räume geführt, besichtigen die Küche und den Speisesaal.

Herr Filimonow macht einige Bilder von den Gebäuden. Bei den Räumen mit Bewohnern ist es jedoch sehr schwierig, da ich das Gefühl habe, zu sehr in das Intimleben der Menschen einzudringen Also lassen wir das. Frau Gagulajewa stellt uns dann einige ihrer Mitarbeiterinnen vor, die heute Dienst haben. Ich bin überrascht, neben dem Trio in der Küche nur acht Personen zu sehen. Die Angestellten haben seit sechs Monaten kein Gehalt mehr bekommen, bringen aber trotz allem eine unwahrscheinliche Leistung. (Der Rubel befindet sich momentan im freien Fall.) Nach einiger Zeit gesellt sich auch der Direktor des Heimes hinzu. Er war krank, doch man hatte ihn über unseren Besuch benachrichtigt. Nun gibt es eine Kleinigkeit zu essen, den obligatorischen Wodka, und ich kann meine Spende, die ich gesammelt habe, überreichen. Später habe ich erfahren, daß davon mehrere Waschbecken installiert worden sind. Frau Gagulajewa und der Direktor bedanken sich und geleiten uns zum Ausgang, wo ich erst einmal die junge Dolmetscherin trösten muß. Sie hatte so etwas noch nicht gesehen und war den Tränen nahe. Dann brachte uns der Fahrer wieder zum Erlangen-Haus zurück.

Nachmittags fuhr mich der Kleinbus zu einer Familie Sadofjewa, bei der ich auch ein Päckchen von Ute Schirmer abzugeben hatte. Sie freuen sich riesig, denn offensichtlich hat ihnen Ute Schirmer einen Herzenswunsch erfüllt. Es wird gefragt, erzählt, Tee getrunken, und schließlich verabschiedet man mich, und die Familie Sadofjewa bringt mich mit dem öffentlichen Bus wieder zum Erlangen-Haus zurück.

Sonntag, 13. Dezember 1998

Dieser Tag hält eine besondere Überraschung für mich bereit. Eines der Päckchen, das ich abzuliefern hatte, ging an eine Frau Jelena Borsowa, die sich auf eine besondere Art für das Geschenk bedankte. Mit ihrer langjährigen Kollegin Tamara Noskowa, beide Lehrerinnen, werde ich nach Susdal eingeladen. Susdal ist eine kleine Stadt, die in grauer Vorzeit zusammen mit Wladimir Hauptstadt von Rußland war Die Stadt verfügt über einen Kreml und ich glaube fast vierzig Kirchen. In einer dieser Kirchen wohne ich einem Gottesdienst bei und bin überrascht, daß es keine Sitzplätze und auch keine Orgel gibt. Man muß die ganze Zeit stehen, einige sehr alte Frauen liegen jedoch bäuchlings auf dem Boden, sozusagen in der ersten Reihe. Das verwundert schon, wenn man bedenkt, daß die Kirche nicht geheizt und der Boden aus Stein ist.

Danach stapften wir durch den tiefen Schnee zum Haus der Verwandten von Jelena, wo uns ein Mittagessen erwartete, arrangiert in der Zeit, wo Tamara und ich in der Kirche waren. Es wird ein vergnügliches Mittagessen. Alle sprechen durcheinander, jeder will erzählen und bei alledem läuft der Fernseher. Gott sei Dank kann Tamara übersetzen, so daß ich wenigstens die Hälfte der Unterhaltung mitbekomme. Als das Essen zu Ende ist, werde ich noch von Tamara zu einem Spaziergang durch den Ort eingeladen. Jelena bleibt bei ihren Verwandten, um beim Aufräumen der Küche zu helfen. Wir stampfen wieder durch den Schnee, solange bis Tamara nicht mehr kann. Da wir wieder zum Haus der Verwandten zurück müssen, organisiert Tamara einen Schlitten, und zum ersten Mal in meinem Leben werde ich von einem kleinen, zotteligen Pferd sachte durch die Winterlandschaft gezogen. Nun fahren wir zum Erlangen-Haus zurück, wo ich schon von den beiden Töchtern Filimonows erwartet werde. Sie laden mich ein, den Abend im Kreise der Familie zu verbringen. Wir fahren nun mit dem Trolleybus zu ihrer Wohnung. Es wird ein vergnüglicher Abend, da noch verschiedene Gäste eingeladen sind. Herr Filimonow spielt auf dem Akkordeon, es wird gesungen, nur zum Tanzen reicht leider der Platz nicht aus. Es ist für mich ein unvergleichlicher Tag und die Gastfreundschaft der beiden Familien außergewöhnlich.

Montag, 14. Dezember 1998

Heute muß ich früh aufstehen, denn der Bus bringt uns, Herrn Üblacker und mich – Peter Steger bleibt noch länger in Wladimir -, schon um 7.00 Uhr zum Moskauer Flughafen. Ich traue meinen Augen nicht, als Herr und Frau Filimonow kommen, um mich zu verabschieden. Sie bedanken sich nochmal für die mitgebrachten Geschenke und laden mich fürs nächste Mal wieder ein. Der Bus fährt los, und wir sind gegen 11.00 Uhr am Moskauer Flughafen. Ich komme problemlos durch die Gepäckkontrolle, obwohl ich doch das Ölgemälde von Awarra im Koffer habe. Herr Üblacker bedauert sehr, keine Ikone mitgenommen zu haben, da die Kontrolle bei mir so gut ging. Ich wußte jedoch nicht, daß „Kulturgüter“ nicht so ohne weiteres ausgeführt werden dürfen.

Wir warten, bis unsere Maschine aufgerufen wird. Diesmal geht es über Brüssel nach Nürnberg. Mein Mann erwartet mich bereits, und auch Herr Üblacker wird abgeholt. Eine ereignisreiche Reise, auf der ich viele Freunde gefunden und ebenso viele neue Eindrücke gesammelt habe, ist zu Ende.

Noch keineswegs zu Ende ist damit die Mission von Ruth Sych, die bis heute nicht nur als Spendensammlerin, sondern mit viel Herzblut dem Alten- und Pflegeheim eng verbunden bleibt. Da gibt es noch vieles, wovon der Blog berichten wird.

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Unlängst meinte ein treuer Leser des Blogs, es seien gerade auch die vielen Beiträge von Aktiven aus der Partnerschaftsarbeit, die das Medium abwechslungsreich und interessant machen. Recht hat er. Heute stellen wir deshalb den Bericht über eine Reise vor, die vom 9. bis 14. Dezember 1998 Ruth Sych nach Wladimir unternahm, um dort die Unterstützung des Alten- und Pflegeheims in ihre Hände zu nehmen, eine Aufgabe, der sie sich bis heute verpflichtet sieht. Die Schilderungen führen uns in eine Zeit, die noch gar nicht so weit zurückliegt und doch ein ganz anderes Wladimir zeigt, als wir es heute kennen, zeigen aber zugleich, zu welch großartigen Leistungen Einzelpersonen im Rahmen der Partnerschaft bereit und fähig sind. Beispielgebend, vorbildlich! 

Mittwoch, 9. Dezember 1998

Nun ist es endlich soweit. Es ist 9.30 Uhr. Ich sitze in der Abflughalle des Nürnberger Flughafens und warte, bis die Passagiere aufgerufen werden, die Bordkarte in der Hand. Mein Mann hat mich morgens zum Flughafen gebracht. Er war ziemlich gerührt und hat mich dann in der Obhut des Geschäftsführers vom Bayerischen Roten Kreuz, Jürgen Üblacker, und des Erlanger Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, zurückgelassen.

Endlich nehmen wir die letzte Hürde. Die Passagiere werden aufgerufen, die Bordkarten abgerissen, und nach einer kurzen Fahrt mit dem Zubringerbus sitzen wir im Flugzeug. Es ist eine kleine Maschine mit dreißig Sitzplätzen. Sie ist bis auf den letzten Platz besetzt, und ich bin unter den Passagieren die einzige Frau! Zwei Stewardessen gibt es, die das prozentuale Verhältnis etwas regulieren. Sie sind sehr hübsch, sehr freundlich und nicht zu übersehen in ihrem karmesinroten Gewand, Jacke, Bluse, Rock, Strümpfe und Schuhe, alles karmesinrot! Unwillkürlich kommt mir der Gedanke, ob es darunter auch so weitergeht, karmesinroter BH, Hemd, vielleicht French-Knickers? Unter all den korrekt graugekleideten Passagieren entsteht der Eindruck von kleinen feuerroten Funken, die mal hier mal dort auftauchen, um Getränke zu servieren.

Alten- und Pflegeheim Wladimir 1998

Wir fliegen mit Austrian-Air bis Wien, dann mit Aeroflot nach Moskau und sind in humanitärer Angelegenheit unterwegs. Die Bürger von Erlangen haben eine ziemlich hohe Summe für ihre Partnerstadt gesammelt, da sich die Versorgungslage in Wladimir in diesem Winter drastisch verschärft hat. Mein Mann und ich haben uns dieser Aktion angeschlossen, und aus diesem Grunde kann auch ich mit nach Wladimir fliegen.

Ich habe einen Fensterplatz und kann alles sehr gut überblicken, jedenfalls nachdem sich die Wolkendecke gelichtet hat. Die Welt sieht unter einer leichten Schneedecke wie mit Zucker überzogen aus. Beim Anflug auf Wien, kann ich die Donau erkennen, die von einer Brücke überspannt wird.

Die Anschlußmaschine von Wien nach Moskau ist ein Airbus mit mehr als 300 Passagieren. Nun bin ich nicht mehr das einzige weibliche Wesen. Die Stewardessen sind dunkelblau gewandet, agieren sachlich und bieten keinerlei Anreize zu modischen Fantasien. Nach der Landung in Moskau und dem Ausfüllen von verschiedenen Formularen werden wir schon erwartet. Ich werde mein erstes Päckchen los, das ich im Handgebäck dabei habe, und auf das jemand schon unruhig gewartet hat.

Nun fahren wir in einem Kleinbus unter Sicherheitsvorkehrung – es steigt eine Art Bodyguard zu – die letzte Strecke von ca. 200 km in Richtung Wladimir. Viel kann ich von Moskaus Außenbezirken nicht erkennen, da es langsam dunkel wird. Die Uhren stellen um zwei Stunden vor. Die Fenster des Busses sind mit Gardinen zugehängt. Ich schiebe sie ein bißchen beiseite, aber außer einem wahnsinnigen Verkehr, hell erleuchteten Gebäuden und mehreren Reklameschildern westlicher Firmen kann ich nach einiger Zeit nichts mehr erkennen, da die Seitenfenster mit Eisblumen zugedeckt sind. Die Strecke zieht sich endlos hin. Mehrmals muß der Fahrer aussteigen, um die Windschutzscheibe mit Schnee abzureiben, wahrscheinlich ist die Scheibenwaschanlage eingefroren. Er hält aber aus Sicherheitsgründen jedes Mal in Sichtweite eines Polizeipostens. Einmal sehe ich rechts am Straßenrand ein kleines Feuer und denke, es brennt. Ich werde jedoch dahingehend aufgeklärt, daß es sich um einen Autounfall handelt und man, um ein Zeichen zu setzen, einen mit Benzin getränkten Lappen anzündet, um auf den Unfall aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich effizienter als ein Warndreieck.

Alten- und Pflegeheim Wladimir 1998

Aber selbst die längste Fahrt geht einmal zu Ende. Wir halten in Wladimir vor einer Bank, wo das Geld, das Herr Üblacker mit sich führt, sicher deponiert wird. Der Sicherheitsmensch verläßt uns, und meine beiden Begleiter sind erst mal froh, denn ihnen fällt ein Stein vom Herzen, als alles gut abgelaufen ist. Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, wieso Herr Üblacker seinen schwarzen Koffer mit dem Rotkreuzaufkleber so bewacht und nie aus den Augen läßt. Nun fahren wir die letzten Meter zum Erlangen-Haus, das für die nächsten Tage unsere Herberge sein wird. Ich habe ein hübsches Zimmer mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Es gibt fließend kaltes und warmes Wasser. Herz, was willst du noch mehr? Auch eine kleine Küche mit Eßtisch ist vorhanden. Wir nehmen noch ein leichtes Abendbrot zu uns und wünschen einander gute Nacht.

Donnerstag, 10. Dezember 1998

Gut geschlafen, ist sicher noch untertrieben. Nach so vielen neuen Eindrücken ist das auch kein Wunder. Zum Frühstück gibt es Bliny, Marmelade, Brot, Butter und wahlweise Kaffee oder Tee. Nach dem Frühstück wird im Büro des Erlanger-Hauses das Programm organisiert.

Alten- und Pflegeheim Wladimir 1998

Es sind zwei gut aussehende Damen dort, die perfekt deutsch sprechen und mir in jeder Weise behilflich sind. Aber irgendwie hat es sich schon rumgesprochen, daß Gäste aus Erlangen gekommen sind: Die Buschtrommeln haben ganze Arbeit geleistet. Ich werde die nächsten Päckchen los, die mir Ute Schirmer mitgegeben hat, u.a. an eine Familie Filimonow. Wladimir Filimonow ist von Beruf Photograph und bietet mir an, mich noch vor dem Mittagessen zu einer Bank zu begleiten, da ich ja auch einige Rubel in der Tasche haben möchte. Wir gehen los, und aus diesem kleinen Spaziergang wird eine ordentliche Wanderung an Bahnhof, Kirche, Kathedrale, Theater, Konzerthalle vorbei bis zur Bank. Dort tausche ich 60 Dollar um und bekomme dafür 1002,50 Rubel.

Er erklärt mir viel, das meiste in Russisch aber eine Menge auch in Deutsch. Als wir an einer Coca-Cola-Reklame vorbeikommen, die über einem Hauseingang angebracht ist, sagt er: „Hier gibt’s die besten Süßigkeiten in Wladimir, sogar von auswärts kommen die Menschen, um sie zu kaufen.“ Leider kann ich diese Köstlichkeiten nicht erstehen, da das Geschäft geschlossen hat. Nachdem wir noch die Puschkin-Allee entlanggegangenen sind und einen überwältigenden Panoramablick über einen Teil von Wladimir genossen haben, schlage ich vor, da ich ja mittlerweile Geld in der Tasche habe, doch einen Tee oder Kaffee zu trinken, denn eine Gelegenheit dazu liegt fast vor unserer Nase. Nun ist mein Begleiter ziemlich erschrocken, man könnte sogar sagen verwirrt, denn ich mache offensichtlich einen großen Fehler, einen Herrn in Rußland zum Kaffee oder Tee einzuladen und dann noch als Frau, das geht wohl nicht so ohne weiteres. Er zieht sich aber recht diplomatisch aus der Bredouille und sagt: „Der Kaffee ist dort viel zu schlecht, und der Tee viel zu teuer.“ Und nun? Ehe ich noch etwas erwidern kann, werde ich in einen Trolleybus geschoben, und wir fahren zu seiner Wohnung. Diese liegt in einem Außenbezirk von Wladimir, und als wir ankommen, ist es 12.00 Uhr. Gott sei Dank gibt es dort ein Telefon, und so kann ich im Erlangen-Haus Bescheid sagen.

Alten- und Pflegeheim Wladimir 1998

Olga, Wladimirs Frau, kocht Tee, Eier und Nudeln, und in kürzester Zeit hat sie einen Imbiß fertig. Es gibt dazu noch eine Art Krautsalat und selbst eingelegte Gurken und Tomaten, und zum Willkommensgruß steht eine Flasche Wodka auf dem Tisch. Jetzt bin ich ein wenig erschrocken, denn Wodka ist nicht mein Lieblingsgetränk. Da Olga jedoch mit am Tisch sitzt und sie anschließend zur Arbeit muß, was ich bei der Unterhaltung mit Händen und Füßen mitbekommen habe, ist die Gefahr, daß größere Gläser auf den Tisch kommen, äußerst gering. Meine Bedenken lösen sich in Luft auf, das große Glas ist für Wasser und das kleinere lasse ich mir nur halb voll gießen, und so kann ich es auf einmal austrinken, was dort so Sitte sein soll.

Die Wohnung ist recht einfach, liegt im fünften Stock eines Mietshauses. Sie ist liebevoll eingerichtet, und während Olga den Imbiß zubereitet, sehe ich mir ein Andenken-Album an, das Herr Filimonow angelegt hat. Wie ich schon erwähnte, ist er Photograph und hat schon eine Auswahl seiner Arbeiten in Erlangen ausgestellt. Von der Ausstellungseröffnung war unter anderem auch ein Bild von Bürgermeister und Bezirksratspräsident Gerd Lohwasser dabei, auf das Herr Filimonow sichtlich stolz ist. Wahrscheinlich haben schon viele Wladimirer Bürger diese Photos zu Gesicht bekommen, auf daß der Ruhm der Partnerstadt nicht vergehe.

Alten- und Pflegeheim Wladimir 1998

Nach dem Imbiß gehen wir gemeinsam zum Trolleybus, nicht ohne auf dem Weg dorthin noch eine Schule zu besichtigen. Das Gebäude ist mit unseren Schulen nicht zu vergleichen, die Inneneinrichtung noch weniger. Man muß jedoch bedenken, wir schreiben das Jahr 1998. Gleich hinter dem Eingang sitzt an einem kleinen Tisch ein Uniformierter, und ich werde aufgeklärt, daß es sich um einen Sicherheitsverantwortlichen handelt, der für Ordnung zu sorgen hat. Ihn zu bezahlen, kostet die Eltern monatlich sieben Rubel. Die einzelnen Gänge sind recht breit, so daß die Kinder sich ordentlich bewegen können. Die Kinder unterscheiden sich übrigens beim Spielen nicht im Geringsten von unseren Kindern in der Grundschule, lediglich die Kleidung ist mit dem, was unsere tragen, nicht zu vergleichen, wenn man modische Kriterien anlegt, aber Spielen und Herumtollen kann man genausogut. Wir kommen auch in eine Klasse in der Deutsch unterrichtet wird. Zuerst sind die Schüler recht still, dann jedoch vergeht der erste Schreck, und sie fangen an zu reden. Erste kleine Sätze und zum Schluß sagen alle gemeinsam: „Auf Wiedersehen.“

Nun wird es für Olga Zeit, zur Arbeit zu gehen. Sie arbeitet nachmittags in einer Druckerei. Bei dieser Gelegenheit erfahre ich, daß es in Wladimir siebzehn verschiedene Zeitungen gibt. Bis zur Bushaltestelle können wir noch zusammen bleiben. Auf dem Weg dorthin, sehe ich vor einem Gebäude eine längere Schlange älterer Menschen stehen. Herr Filimonow klärt mich dahingehend auf, daß die Renten nur in unregelmäßigen Abständen ausgezahlt werden, und heute sei es mal wieder soweit. Von dem geringen Betrag kann kaum jemand leben. So versuchen die Leute, so gut es geht, über die Runden zu kommen. Manche verkaufen auf der Straße ein paar Kartoffeln, Rote Bete, Zwiebeln oder eingelegte Gurken und Tomaten aus dem eigenen Garten. Manche möchten Handarbeiten verkaufen oder betteln vor der Kirche mit einigen gerösteten Sonnenblumenkernen in einer kleinen Tüte. Es ist schon recht traurig, das alles so zu beobachten, aber auf der anderen Seite gibt es auch recht gut angezogene Leute.

Nun kommt der Bus, und ich bin nach gehöriger Verspätung wieder im Erlangen-Haus gelandet. Mein Mittagessen steht verbrötschelt im Backofen. Ich kann nur die Hälfte essen, da der Rest steinhart festgebacken ist. Doch ein guter Kaffee hinterher, bringt mich wieder auf die Beine.

Jetzt wäre ja eine Pause angebracht gewesen, jedoch werde ich gleich von einer Studentin mit Beschlag belegt. Sie spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, war schon mal in Erlangen und will viel über Erlangen und die politischen Ereignisse in Deutschland wissen. So gut ich kann, beantworte ich die Fragen: Wie es sich in Erlangen lebt, wie man Au-pair-Mädchen wird, was es für Berufsmöglichkeiten für Studentinnen gibt, ob und wie man in Deutschland studieren kann, welche Voraussetzungen man mitbringen muß, wer Bundeskanzler und Außenminister ist und vieles andere mehr. Ich versuche, so gut es mir möglich ist, die Fragen zu beantworten. Mir schwirrt der Kopf. Aber dann muß sie doch nach Hause. Es ist spät geworden. Ich bin auf meinem Zimmer und schaue aus dem Fenster, vor dem es langsam zu schneien beginnt, und die auf dem Parkplatz stehenden Autos, die nach und nach in eine Schneedecke eingehüllt werden.

Fortsetzung folgt.

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