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Russische Sprache

„Я русский бы выучил только за то, / что им разговаривал Ленин.“ Man muß es nicht unbedingt mit dem großen Futuristen und kraftvollen Dichter der Revolution, Wladimir Majakowskij, halten, der in seinem berühmten Gedicht über die russische Sprache begeistert ausruft: „Ich würde das Russisch allein schon erlernen, / weil Lenin die Sprache gebraucht.“ Diesen bereits nach Personenkult klingenden Pathos verwendet heute freilich niemand mehr, wenn er für das Russische wirbt. Da geht es nüchterner zu, pragmatischer. Hören wir doch einmal hinein in die Rede, die der russische Botschafter in Berlin, Wladimir Kotjonow, am 20. April 2010 hielt, als das Russomobil auf seine Fahrt durch Deutschland geschickt wurde, das ja erst vor kurzem auch in Erlangen Station gemacht hatte:

Seit Jahrhunderten stand der deutsche Sprachraum in enger kultureller Wechselbeziehung mit Rußland. Die Begeisterung für geistige Errungenschaften des jeweiligen Volkes war der Faden, der uns seit jeher verbunden hat, und der auch in den schwierigsten Phasen unserer Geschichte nie gänzlich abriß. Nicht nur Russen empfanden die kulturelle Begegnung als anregend, fruchtbar und beiderseitig gewinnbringend. Viele Deutsche standen bekanntlich im Dienste russischer Zaren als Diplomaten, Erzieher und Universitätsprofessoren. Deutsche Philosophen und Künstler fühlten sich von der russischen Sprache und ihrer immensen Gestaltungskraft angezogen und herausgefordert. Heute ist bei uns das Interesse für die deutsche Sprache nach wie vor groß. Bei der letzten Volkszählung haben 2,9 Mio. Menschen in Rußland angegeben des Deutschen mächtig zu sein. Über vier Millionen Menschen in der Russischen Föderation lernen derzeit die Sprache Goethes und Kants. Das heißt, jeder vierte, der Deutsch außerhalb Deutschlands studiert, tut es in Rußland .Somit belegt Deutsch im Fremdsprachenunterricht den zweiten Platz hinter Englisch, deutlich vor Französisch. Wie sieht es aber in der umgekehrten Richtung aus?

Reinhard Beer, Leiter Sprachenabteilung VHS

In Deutschland haben kürzlich etwa sechs Millionen Menschen angegeben, Russisch zu können. Rein rechnerisch herrscht also das ungefähre Gleichgewicht. Die Zahl der Deutschen, die heute Russisch als Fremdsprache studieren, ist aber um das 25fache niedriger als umgekehrt. Es sind etwa 150 Tausend Menschen. Allerdings besteht etwa die Hälfte davon aus den Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion, also aus Muttersprachlern. Die andere Hälfte bilden größtenteils Menschen, die noch zu den DDR-Zeiten Russisch als Pflichtfach hatten. Erfreulicherweise ist es in den letzten zwei Jahren zumindest gelungen, die Anzahl der Russischinteressenten zu stabilisieren. An den Schulen ist sogar der Trend zur Einführung des Russischen als Wahlfach aufzuweisen

Gründe, Russisch zu lernen, gibt es mehr als genug! Ich werde nur einige erwähnen.

Russisches Alphabet

Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zum Völkerverständnis. Schon geringe Sprachkenntnisse bauen Brücken zu den Menschen und wecken Bewunderung bei ihnen. Und wenn es um die zwei zahlenmäßig größten Nationen Europas geht, hängt davon in der Tat sehr viel ab. Der zweite Grund ist die Kultur und Literatur des Landes, deren Reichtum, Ausdrucksstärke und unglaubliche Dynamik am besten in der Originalsprache zu erschließen sind. Der dritte Grund ist rein pragmatischer Natur. Auch wenn unser Land von der Wirtschaftskrise nicht verschont blieb, sind wir mittlerweile auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Unser Land wird als Markt- und Wirtschaftsstandort immer attraktiver. Eine Stelle in der Moskauer Niederlassung wird bei deutschen Unternehmen längst nicht mehr als Exil, sondern als Beförderung gesehen. Bereits heute agieren 6.500 deutsche Unternehmen in Rußland, über 1.000 davon haben ihre Filialen im Land eröffnet. Sie alle brauchen qualifizierte Mitarbeiter.

Christine Loibl, Sprachenreferentin, Bayer. VHS-Verband

Hinzuzufügen bleibt, daß gerade auch die so lebendige Partnerschaft Erlangen – Wladimir gar nicht genug Mitstreiter gewinnen kann, die zumindest Grundkenntnisse in beiden Sprachen haben. Wir sind an der VHS Erlangen noch weit davon entfernt, die Zahlen des Erlangen-Hauses in Wladimir zu erreichen, wo um die 200 vor allem junge Menschen Deutsch lernen, aber das Russische ist in Erlangen immerhin die am meisten unterrichtete „seltene Fremdsprache“. Und seit kurzem ist die VHS Erlangen Sprachprüfungszentrum für Russisch, das zweite in Bayern nach Freising. Gerade sind die Russisch-Deutschen Wochen so erfolgreich zu Ende gegangen, die ja auch intensive Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene im Programm hatten. Ab Montag starten die regulären Kurse. Wählen Sie das passende Angebot für sich ab Seite 314 unter  http://issuu.com/vhserlangen/docs/vhs_erlangen_2011. Die erste Stunde ist frei, dient der Orientierung. Schauen Sie sich also um und hören Sie hinein in diese „große und mächtige Sprache“, wie die überragende Lyrikerin Anna Achmatowa das Russische genannt hat. Viel Erfolg!

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Reinhard Beer, Sprachenreferent der VHS Erlangen und geistiger Vater der Russich-Deutschen Wochen, hat am gestrigen Morgen kalte Füße bekommen und eine richtige Entscheidung getroffen. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß die Einladung zum Russischen Abend mehr Menschen annehmen würden, als der Club International würde Plätze bieten können. Die Veranstaltung wurde kurzerhand in den Großen Saal verlegt. Aber daß es dann gut 120 Gäste sein würden, hat doch alle freudig überrascht.

Das Publikum

Christine Flemming, die Direktorin der Erlanger Volkshochschule, kann stolz auf ihr Team sein, das nicht nur erfolgreich eine bereits von ihrem Vorgänger, Klaus Wrobel, Anfang der 80er Jahre begonnene Tradition fortsetzt, sondern diese auch noch phantasievoll weiterentwickelt, ist die VHS doch viel mehr als nur ein Forum und Resonanzboden der Bürgerpartnerschaft, sondern ausgesprochen aktiv in der Gestaltung der Partnerschaft. Da sind zum einen die Sprachkurse, wo Russisch mittlerweile zur stärksten der selten unterrichteten Sprachen wurde, da sind die vielen Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und natürlich der Freundeskreis Wladimir sowie die Sprachbegegnungen im Club International. Vor allem aber ist da auch die Patenschaft für die Deutsch-Kurse im Erlangen-Haus mit ihren gut 200 Hörern. Da kommt es also nicht von ungefähr, wenn am gestrigen Abend Christine Loibl, Sprachenreferentin des Bayerischen Volkshochschulverbands, eigens aus München angereist kam, um in Erlangen nach Freising das zweite Prüfungskompetenzzentrum für Russisch einzuweihen und den Erlangern zu ihrem Erfolg zu gratulieren. Und da wundert man sich auch nicht, wenn Reinhard Beer jetzt schon externe Anfragen vorliegen, um die Zertifikate zu erhalten. Da könnten sich ganz neue Perspektiven für eine Zusammenarbeit auch mit privaten Sprachschulen entwickeln.

Die Hauptakteure

Da traf es sich gut, daß auch das Russomobil seine Arbeit vorstellte. Seit fast einem Jahr sind Oxana Kogan-Pech und Swetlana Koketowa mit ihrem Auto in ganz Deutschland unterwegs und halten an Schulen Schnupperunterricht, der Schülern wie Lehrern Lust auf Russisch vor allem als dritte oder vierte Fremdsprache machen soll. Aktuell waren sie in Nürnberg, und heute geht es nach Berlin zurück, wo schon wieder neue Anfragen warten. So gefragt seien die Angebote, daß man schon daran denke, ein oder zwei weitere Teams mit weiteren Russomobils an den Start zu schicken. Nach Erlangen wird das Russomobil wohl im nächsten Jahr nochmals kommen, denn die hiesigen Russischlehrer wollen versuchen, wenigstens an einem Erlanger Gymnasium Russisch als Wahlfach wieder zu etablieren. Den Nährboden dafür hat die Städtepartnerschaft bereitet, und für das Interesse sprach auch die unerwartet große Anzahl von Jugendlichen, von denen einer sogar einen zweiten Preis beim Quiz gewann.

Dieter Wenzel, Oleg Tjapkin und Christine Flemming

Und damit sind wir schon beim Höhepunkt des Abends, den 20 Fragen, die rund um die Partnerschaft und Rußland allgemein zu beantworten waren. Man mußte zwar nicht unbedingt Wladimirologe sein, um die Antworten zu finden, aber knifflig war die Sache schon. So war es zumindest möglich, den Sieger ohne Losentscheid zu ermitteln. Und es war ein Sieger, der es in jeder Hinsicht verdient hat. Vorübergehend an Krücken, betrat als Russionär und Gewinner jemand die Bühne, der den Preis wirklich verdient hat wie kaum ein anderer: Dieter Wenzel, emeritierter Professor, der seit 1990 wie kein anderer die medizinischen Kontakte zwischen den Partnerstädten buchstäblich mit Leben erfüllte, denn seine Arbeit rettete nachweislich viele Kinderleben in Wladimir. Oleg Tjapkin, Attaché des Russischen Generalkonsulats in München, war denn auch sichtlich erfreut und gerührt, als er dem Preisträger gratulierte und den Abend als eine große Sache für die deutsch-russische Zusammenarbeit bezeichnete. Und der Preis: ein Russisch-Sprachkurs. Dafür hat der Pädiater ja jetzt Zeit und Muße im Ruhestand. Und brauchen kann er es auch gut, denn der Kontakt zu Wladimir soll ja nicht abreißen…

Ganz bei der Sache.

Große Sachen sind nicht möglich ohne viele Helfer im Hintergrund, denen an der Stelle von Herzen gedankt sei. Zu nennen sind da das Café des Clubs International mit seiner leckeren Premiere russischer Speisen; Alexandra Rauhtäschlein für all den vielen organisatorischen Kleinkram, ohne den nichts geht; Edith Kaluza vom VHS-Team für die Deko, den Dozentinnen Natalia Kaiser, Natalia Grebnev und Nadja Steger, die ehrenamtlich geholfen haben den Abend vorzubereiten und in Windeseile die 85 Fragebögen für das Quiz auszuwerten verstanden; nicht zuletzt die vielen vielen Teilnehmer – darunter sogar eine Dame aus Chemnitz, die auf der Durchreise aus den Erlanger Nachrichten von der Veranstaltung erfahren hatte -, die nicht nur die Präsentationen und Vorträge genossen, sondern bis in den späten Abend hinein zusammensaßen und sich austauschten. Wer weiß, was da alles für neue Ideen geboren wurden. In jedem Fall sollten derartige Abende zu einer neuen Tradition werden. Der gestrige Abend verpflichtet regelrecht dazu.

Mehr zum Russionär unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/09/24/ehrenbriefe-fur-zwei-ehrenhafte-der-partnerschaft

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Die Russisch-Deutschen Wochen gehen ihrem Höhepunkt entgegen. Am morgigen Dienstag beginnt um 19.00 Uhr im Club International der VHS Erlangen, Friedrichstraße 17, der Russische Abend – bei freiem Eintritt und einem Programm, das für alle Gäste etwas zu bieten hat, auch wenn man (noch) kein Russisch spricht.

Russische Winterimpression von Witalij Gurinowitsch

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Leiterin der VHS, Christine Flemming, kommen alle auf ihre Kosten, die sich für die Städtepartnerschaft und die russische Kultur interessieren. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung gehören sicher die offizielle Eröffnung des Prüfungszentrums Russisch – nach Freising das zweite im Freistaat – durch Christine Loibl, Sprachenreferentin des Bayerischen Volkshochschulverbandes sowie der Auftritt des Russomobils, einer Initiative der Botschaft der Russischen Föderation zur Förderung des Russischunterrichts vor allem an Schulen. Gründe genug für Attaché Oleg Tjapkin vom Russischen Generalkonsulat in München, dem Abend auch diplomatischen Glanz zu verleihen. Ein Quiz verspricht nicht nur wertvolle Preise, u.a. einen Gratiskurs Russisch, sondern auch den Titel „Russionär“, und die Küche des Clubs International beweist, daß es auch die russische Kochkunst trefflich versteht, Leib und Seele zusammenzuhalten. Und schließlich soll auch noch Zeit bleiben für Gespräche, kleine Filmsequenzen und viel Spontanes, wie den einen oder anderen Trinkspruch. Eben Gastfreundschaft auf Russisch in Franken. Herzlich Willkommen und добро пожаловать!

Mehr zum Russomobil unter www.russomobil.de

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