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Posts Tagged ‘Russischer Humor’


In der „Spiegelgeschichte“ von Ilse Aichinger – immer wieder eine Lektüreempfehlung wert! – findet sich der unvergeßliche Satz: „Vom vielen Lachen kommen leicht die Tränen“. An dieses Diktum fühlt sich vielleicht erinnert, wer diese beiden Bilder aus Wladimir einander gegenüberstellt.

Da ist der Bus, auf dem offensichtlich ein Kind ohne Punkt und Komma seinem Papa wünscht, er möge gesund bleiben. Man stelle sich den Vater vor, der diese Handschrift wiedererkennt.

Und dann spricht da jemand diese Warnung aus: „Einfahrt freihalten! Vorsicht! Bissiger Hund, böse Hausherren, böse Kinder, böse Vögel… Alle sind böse!!!“ Derart viel zur Schau gestellter bissiger Boshaftigkeit steht dann schon wieder im Verdacht, eigentlich gutmütig zu sein. Nach dem Motto: Hunde die beißen, bellen nicht. Wie auch immer – der ewige Kampf zwischen gut und böse in uns Menschen, auch in Wladimir. Und irgendwoher müssen sie ja kommen, die Tränen. Wie es eben auf gut Russisch heißt: и смех и грех – es ist zum Lachen und zum Weinen.

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Zu Beginn der Fastenzeit die Sinnfrage aus Wladimir, auf die man nur selbst die Antwort geben kann.

Herr Doktor, bleibe ich am Leben? – Was hätte das für einen Sinn?

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Frühjahr. Ein Wolf, ein Fuchs und ein Bär teilen ihre Eindrücke vom Winter. Fuchs und Wolf sehen ganz zerzaust und abgerissen aus, der Bär hingegen strotzt vor Kraft. Der Fuchs erzählt, er habe den Winter in einem Hühnerstall zugebracht und pro Woche ein Henne verspeist. Aber der Bauer habe sein Federvieh gezählt, gemerkt, daß zehn fehlen und eine Falle aufgestellt. Der Wolf klagt, er habe in einem Schweinestall überwintert und pro Woche eine Sau gefressen, was aber nicht lange unbemerkt blieb, mit Hunden habe man ihn vertrieben. Nun ist der Bär an der Reihe. Die beiden anderen meinen, er habe die kalte Jahreszeit wohl schlafend in seiner Höhle verbracht. „Nichts da“, gab der Braune zurück. „Ich zog mich auf eine Baustelle zurück. Da gibt es viele Gastarbeiter, und die zählt keiner.“

Eine Russischlehrerin gibt Erlebnisberichte zum Thema „Wie verbrachte ich meine Sommerferien“ auf. Anstelle von Noten vergibt sie nach der Korrektur Altersempfehlungen 16+, 18+…

Die Schwiegermutter zu ihrem Schwiegersohn: Hör endlich auf, an dem Handy rumzuwischen, geh runter und gieß die Blumen. – Aber es regnet doch! – Na und, dann zieh dir halt was über.

Kurz vor der Niederkunft erscheint der werdenden Mutter ein Engel und versprach ihr nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“, der Vater ihres Kindes werde die Hälfte der Schmerzen zu spüren bekommen. Als ihr Mann sie nach der Geburt im Krankenhaus besucht, fragt sie, wie er die letzte Nacht geschlafen habe. „Kein Auge konnte ich zutun, der Nachbar brüllte die ganze Zeit wie am Spieß.“

Warum stinkst du so nach Schnaps? – Das ist nur zu Vorbeugung. – Wozu? – Na, um mir keine Erkältung zu holen. – Warum solltest du dich erkälten? – Aber ich war doch im Meer baden, und das Wasser war saukalt. – Und wozu bist du baden gegangen? – Um wieder nüchtern zu werden.

Der Polizist fragt den betrunkenen Fahrer: Wie konnten Sie sich nur in diesem Zustand ans Steuer setzen? – Meine Freunde halfen mir beim Einsteigen.

Daß seine Frau ihn betrog, bemerkte er, als er im Schrank einen Hocker und ein Heft mit ausgefüllten Kreuzworträtseln fand.

Jelissej, du hast so einen ungewöhnlichen Namen. Veralbert man dich nicht im Kindergarten? – Nein, gar nicht. Warlaam ist krank, Jermolaj hat die Gruppe gewechselt, Onissim und Prokofij sind meine Freunde, und Swetosar und Fedot kann ich selber veräppeln. Vielleicht noch Lukerja und Jewrosinja, aber das sind beide blöde Kühe.

Papa, wie ist das eigentlich, wenn man einen so klugen und schönen Sohn hat? – Weiß ich doch nicht, frag deinen Opa!

Mama, warum landen alle meine Mails bei dir im Spam? – Das fragst du noch, wenn im Betreff schon steht: Kauf mir eine Jacke; ich brauche mehr Geld; kann ich ein neues Handy haben?

Mama, warum bekomme ich keinen Zugang zu WiFi? – Du sollst jetzt deine Hausaufgaben machen. – Aber wenn ich jetzt verrate, wo du den italienischen Käse versteckt hast?

Ich sah meinen Ex mit seiner neuen Flamme. Jetzt bin ich beruhigt. Das Schicksal nahm Rache für mich.

Neulich war ich wieder einmal auf der Post. Ich habe ein Puzzle mitgenommen und ein paar Zeitschriften. Auf das Paket warte ich noch immer.

Hast du gehört, die beiden wollen heiraten. – Na und? – Aber die waren doch ganz verrückt nacheinander.

Putin will den Winter abschaffen, weil die Regierung sonst  in den Winterschlaf fällt.

Felix Edmundowtisch, ich vermisse einen Bleistift. – Keine Sorge, wir werden der Sache nachgehen. – Felix Edmundowitsch, der Bleistift ist wieder aufgetaucht. – Schade, gerade haben zwei ein Geständnis abgelegt.

Wenn du dir nicht die TV-Nachrichten ansiehst, wirst du nie begreifen, wie gut es uns geht.

Zwei Politologen: Der entwickelte Sozialismus war genau so eine Krankheit wie der jetzt herrschende wilde Kapitalismus. Beides braucht Zeit zum Auskurieren. – Schon, aber im Sozialismus waren die Kuren wenigstens kostenlos.

In den Nachrichten: In Nikolajewo verprügelten drei Weihnachtsmänner einen Lokalpolitiker. – Offenbar ist doch jemandes Brief angekommen.

Putin fragt in Peking: Warum stellt ihr ballistische Raketen an unserer Grenze auf? – Erstens stimmt das nicht. Zweitens tun wir das ausschließlich zu friedlichen Zwecken. Drittens wollen wir damit die in der Russischen Föderation lebende chinesischsprachige Bevölkerung schützen.

Eine Mutter in einer Fragestunde: Ich habe zwei kleine Söhne, Herr Präsident. Was kann ich da vom Staat erwarten? – Wenigstens zwei Einberufungsbescheide.

 

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Es war einmal wieder an der Zeit, in den Keller hinabzusteigen und Eingemachtes zu holen. Allein macht das keinen Spaß, und so bat ich meinen Freund, Alexej, mitzukommen. Der Keller liegt fünf Haltstellen von unserem Haus entfernt, doch das Wetter gab sich so heiter, daß wir beschlossen, zu Fuß zu gehen. Als wir ankamen, setzten wir uns erst einmal auf die Bank, unterhielten uns ein wenig und stiegen dann hinunter. Als wir die Taschen vollgestopft hatten mit Konfitüre und eingelegtem Gemüse, machten wir uns auf den Heimweg. Doch die Strecke kam uns nun mit all dem Gewicht viel länger vor, und so entschieden wir, eine Marschrutka, ein Linientaxi, zu nehmen. Es hielt auch auf unser Handzeichen hin gleich eines an, aber wir hatten kein Geld dabei. Wir stiegen trotzdem hinten ein, fragten uns freilich, wie wir zahlen sollten. Da kam mein Freund auf die Idee, dem Fahrer ein Glas von unseren Schätzen zu geben. Was sollten wir sonst tun, wir hatten sonst nichts dabei. Wir richteten uns also auf den Satz „Wir geben das Fahrgeld weiter!“ weiter, und als er dann tatsächlich zu hören war, ging unser Glas von Hand zu Hand bis vor zum Fahrer. Unserer Gesichter waren wie versteinert, und die Fahrgäste verkniffen sich auch jedes Lachen und warteten gespannt auf den Ausgang der Sache. Als das Glas dann beim Fahrer angekommen war… – zunächst eine Minute Schweigen. Und dann brach der ganze Kleinbus in Lachen aus. Auch wir prusteten los. Aber das erwies sich nur als Vorspiel. Plötzlich nämlich ist die Stimme des Fahrers zu vernehmen: „Hier ist euer Rückgeld!“ Und er reichte über die Händekette eingepackt ein belegtes Brot mit geräucherter Wurst an uns weiter. Er wußte unser Eingemachtes zu schätzen. Das nun einsetzende Lachen brachte fast die Scheiben des Busses zum Bersten.
Ob nun so passiert oder nur gut ausgedacht, die Sache dient auch zu einem kleinen landeskundlichen Exkurs. In allen russischen Städten nämlich, natürlich auch in Wladimir, gibt es diese privaten Kleinbusse, nach dem französisch-deutschen Wort „Marschroute“ „marschrutka“ genannt, die – ein wenig teurer als der öffentliche Nahverkehr und deutlich günstiger als ein Taxi – eine bestimmte Strecke mit festen Haltestellen abfahren, allerdings auch dazwischen auf ein Handzeichen hin anhalten und – solange Platz ist – zusteigen lassen.
Eine ausgesprochen effektive, bequeme und günstige Alternative zum Individualverkehr mit hoher Taktfrequenz, vor allem aber viel Kolorit und Möglichkeit, Land und Leute hautnah kennenzulernen. Wer da noch fremdelt, sollte lieber zu Hause bleiben. Warum nur, fragt sich, gibt es dieses Verkehrsmittel nicht auch hierzulande, etwa zwischen Herzogenaurach und Erlangen?

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Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einem Forstweg in den Wald, um dort mit Freunden ein Picknick zu machen, den Vögeln zu lauschen oder einfach nur die frische Luft und das Leben froh zu genießen. Und da tritt ihnen unvermutet beidseitig Gevatter Tod entgegen, erinnert mit zwei zueinander passenden Sarghälften an unser aller Sterblichkeit, murmelt sein Memento mori der ewigen Ruhe. Eine Szene aus einem zweitklassigen Horrorfilm, meinen Sie? Weit gefehlt. So gesehen und erlebt im finstren Tann unweit von Wladimir. Nur zu ertragen mit einer gerüttelt Portion schwarzen Humors. Kostproben gefällig?

Da war es wohl wirklich an der Zeit, etwas zu unternehmen, als der Bestatter auf dem Rückfenster seines Leichenwagens die Aufschrift entdeckte: „Wasch mich!“ Von innen geschrieben…

Das Schiff geht unter. Der Kapitän fragt, wer beten könne. Als sich jemand meldet, bekommt er zu hören: „Bestens! Uns fehlt eine Schwimmweste. Fangen Sie schon mal zu beten an!“

Als es ans Sterben geht, ruft der alte Herr seine Familie zusammen. „Mein Bruder, erinnerst du dich, wie man dich seinerzeit auf der Arbeit entließ? Das habe ich veranlaßt. Meine Schwester, weißt du noch, wie sie dich zum KGB schleppten? Ich habe dich anonym angezeigt. Und du, meine Frau, hast bestimmt nicht vergessen, wie sie dich hinter Gitter brachten. Auch dahinter steckte ich. Vergebt mir, wenn ihr könnt! Und jetzt zu meinem letzten Wunsch: Hängt mich nach meinem Tod kopfüber am Kronleuchter auf.“ Darauf verschied er in Frieden. Seine Verwandten mühten sich nach Kräften, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, und als der Tote schließlich in der richtigen Position hing, klingelt es an der Tür. Die Polizei tritt ein und meldet: „Bei uns ist da gerade eine Anzeige wegen Leichenschändung eingegangen…“

Immer am 1. April kamen ganze Abordnungen von grauhaarigen Männern aus dem Arbeitszimmer von Genosse Stalin. Ebenso grau wie erleichtert.

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Immer wieder kommen dezente Hinweise darauf, die Einträge im Blog seien zu textlastig, erinnerten also mit anderen Worten an den Dialog zwischen Kaiser Joseph II mit Wolfgang Amadeus Mozart nach der Premiere der „Entführung aus dem Serail“: „Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart!“ – worauf der Komponist geantwortet haben soll: „Gerade so viel Noten, Eure Majestät, als nötig sind.“

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Also lassen wir heute die Bilder sprechen und kommentieren sie mit gerade so viel Worten als nötig sind.

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Die Mehrheit der Bären, die schon einmal einen Menschen zu sehen bekam, denkt, die Zweibeiner seien Baumbewohner.

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Willkommen im „Café zu den drei Stufen“.

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Patriotismus wärmt auch, wenn die Heizung aus bleibt.

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Die russischen Straßen: immer wieder Objekt der Spottlust.

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Pack die Badehose ein…

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Wann schaffst Du Dir nur endlich einen Kerl an?

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Ein ganzer Kerl!

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Sexopathologe: Den Hintereingang freihalten.

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Die Gentlemen sind noch nicht ausgestorben.

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Wenn die Kreativität mit den Zimmermädchen durchgeht.

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Das ist halt Rußland!!! Damit es bloß nicht geklaut wird…

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Leben in Zeiten der Sanktionen: Und morgen bringt man uns alle ins Krematorium.

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Der neueste Brüller: Auf eine Anfrage an Dmitrij Medwedjew, ob nicht bedürftige Rentner auf der Krim mehr Unterstützung erhalten könnten, gab der Ministerpräsident in einer Regierungsverordnung offiziell zur Antwort: „1. Kein Geld vorhanden. 2. Halten Sie dort durch. 3. Ihnen alles Gute, beste Laune, Gesundheit.“ Nun kursieren im Internet bereits alle möglichen Memes wie etwa obiges Formular einer Rechnung für Mietnebenkosten mit dem Vermerk: „Kein Geld vorhanden, aber halten Sie dort durch.“

 

 

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Noch gibt es keinen echten „Italiener“ in Wladimir, aber immerhin behaupten die jungen russischen Wirte des „Frankie Fapp“, bei ihnen gebe es die erste richtige neapolitanische Pizza in der Partnerstadt zu genießen. Als Blickfang setzen die Wirte Mitte März auf die Bank vor ihrem Schnellrestaurant in der Hauptstraße einen rotzfrechen Lümmel aus Bronze, angeblich der historischen Figur des Franco Fappiano nachgebildet, der es im Amerika der 30er Jahre als Emigrant als Pizzabäcker und Mafioso rasch zu freilich vergänglichem Wohlstand gebracht haben soll.

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Folgt man einer Meldung des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders vom 1. April, den die Blog-Redaktion – man sehe es ihr großmütig nach – leider erst jetzt zur Kenntnis nehmen konnte, nehmen freilich immer mehr anständige Bürger Wladimirs Anstoß an dem Flegel mit der Steinschleuder in der Hand. Mittlerweile habe sich sogar bereits die Zivilgesellschaftliche Kammer mit dem Kunstwerk zweifelhafter moralischer Natur beschäftigt, schließlich wolle niemand das historische Zentrum der alten russischen Hauptstadt zum Scherbenviertel und Treffpunkt von Rabauken und Halbstarken verkommen sehen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Buch in der Hand anstelle der Waffe? Solle man wirklich kapitulieren vor dieser zur fragwürdigen Kunst geronnenen Verherrlichung von Straßenkriminalität? Wer schon wolle sich neben eine derart mißratene Figur setzen, sich ihr sozusagen gleichsetzen?

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Hört man auf die schweigende Mehrheit, wünscht die sich nun einen anständigen jungen Pionier auf der Bank – mit einem einladenden Lächeln statt dem herausfordernden Grinsen des Tunichtgut. Das Grummeln im Volk blieb auch den Kommunalpolitikern nicht verborgen. Und so macht man sich im Rathaus zu Wladimir tatsächlich Sorgen um das touristische Image der vom Fremdenverkehr so abhängigen Stadt. Negativschlagzeilen wünscht sich da niemand. Andererseits möchte man auch niemand der künstlerischen Freiheit Einhalt gebieten. Abstimmen soll deshalb Volkes Sitzfleisch. Bleibt der Spitzbube weiter so alleine auf der Bank, wie hier zu sehen, wandert er ins Archiv oder gar in den Schmelzofen, lassen sich aber Einheimische und Besucher mit ihm zusammen sehen und gar ablichten, darf er bleiben, erhält er eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Die Pizzeria soll sogar dem ersten Gast aus Erlangen, der sich mit der strittigen Figur zusammen zeigt, freie Bewirtung zugesagt haben. Großes Ganovenehrenwort!

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