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Posts Tagged ‘russische Kunst’


Heute begeht der Künstlerverband der Region Wladimir seinen 75. Jahrestag mit der Eröffnung einer großen Ausstellung. Die Verbindungen nach Erlangen reichen bis ins Jahr 1986 zurück, als im Rahmen der Kultur- und Sporttage in Wladimir die ersten Künstlerbegegnungen stattfanden.

Dmitrij Cholin bei der Begrüßung einer Gruppe des Kunstvereins Erlangen in Wladimir 2009

Seither finden immer wieder wechselweise Ausstellungen statt, wobei die letzte, im Mai d.J. zum 75. Jahrestag des Kriegsendes ins Internet verlegt wurde. Unmöglich, alle gemeinsamen Aktionen und Initiativen hier zusammenzustellen – allein schon die erste Ausstellung mit Graphikern aus Wladimir im Jahr 1991, angeregt und betreut vom Journalisten Axel Mölkner mit dem Kunstvereinsvorsitzenden Adam Stupp wäre einen eigenen Rückblick wert -, aber die nun folgenden Glückwünsche mögen einen Eindruck von Intensität und Vielfalt der Verbindungen geben.

Rudolf Schloßbauer und Natalia Britowa 2011 vor Arbeiten des 2010 verstorbenen Wladimirer Künstlers Kim Britow, der bereits 1987 erstmals in Erlangen ausgestellt hatte.

Zuvor aber auch noch ein Wort des Dankes an Jutta Brandis.

Jutta Brandis

Sie betreute über drei Jahrzehnte hinweg die Kunstkontakte seitens der Volkshochschule und feierte mit der von der Gruppe Andersartig mit Kirill Wedernikow gestalteten Ausstellung im Februar 2019 ihren Ausstand.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer, 2019

Lieber Herr Cholin, liebe Künstlerinnern und Künstler,

zu Ihrem 75jährigen Jubiläum wünschen wir Ihnen im Namen des Kunstvereins Erlangen und der Gruppe Plus alles Gute, weiterhin viel Erfolg und eine gute Zukunft!

Auch wenn uns ein paar Steine in den Weg gelegt werden, so bleiben wir weiterhin in Kontakt und hoffen, eine Ausstellung und eine Begegnung nachholen können. Die Beziehungen zwischen unseren Vereinen bestehen ja schon viele Jahre, und wir freuen uns darauf, auch in Zukunft etwas gemeinsam zu gestalten.

Viele Grüße & alles Gute

Jutta Keller (1. Vorsitzende ) & Nils Naarmann (Sprecher Gruppe Plus)

Herzliche Grüße und Glückwünsche aus Erlangen-Tennenlohe!

Der „Kunstkreis Tennenlohe“ gratuliert dem Kunstverein der Region Wladimir sehr herzlich zum 75jährigen Jubiläum. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen, die jetzt genau halb so alt wie Ihr Verein ist, haben zahlreiche Künstler ihres Verbandes Tennenlohe besucht und bei uns Arbeiten geschaffen, die dazu beitragen, diese Partnerschaft fest in unserem Stadtteil zu verankern. Für diesen künstlerischen Beitrag sind wir sehr dankbar.

Sergej Tschernoglasow und Dieter Puschmann, 2019

Ihr Verein ist unmittelbar nach dem Ende des furchtbaren Krieges gegründet worden, der über unsere beiden Völker unendliches Leid gebracht hat. Wir sind glücklich über den Frieden, der seitdem zwischen unseren Völkern herrscht. Heute ist der enge Austausch von Künstlern aus Wladimir und Erlangen ein starkes Zeichen dafür, wie gut sich die Menschen in unseren Regionen verstehen.

Isabelle Brisset, Nuna Frei, Sergej und Igor Tschernoglasow sowie Kirill Wedernikow vor ihrem kollektiv geschaffenen Bild, 2019

Der Beitrag, den Mitglieder Ihres Vereins dazu leisten, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dazu übermitteln wir nochmals unseren Dank und unsere Glückwünsche.

Dietrich Puschmann,Vorsitzender des Kunstkreises Tennenlohe

Liebe Wladimirer und Mitglieder des Kunstvereins der Region Wladimir,

es ist mir eine besondere Ehre, Ihnen, meine liebgewonnenen Freunden und Künstlerkollegen, zu Eurem 75. Jubiläum gratulieren zu dürfen.

Jelena Jermakowa vor dem Trafohäuschen in Tennenlohe, gestaltet von Sergej Jermolin und Anatolij Denissow

Ob Prof. Sergej Jermolin, Igor Tschernoglasow mit Sohn Sergej, Anatolij Denissow, Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa, Kirill Wedernikow oder auch die Gruppe der werdenden Kunsterziehungslehrer, wir können schon auf einige erstaunliche partnerschaftliche Projekte zurückblicken. Igor Tschernoglasow haben wir sogar bis nach Guatemala entführt.

Rolf Schowalter, Dieter Erhard, Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, 2015

Beim Künstlertreffen im Lewitan-Haus, hat es mir besonders gut gefallen! Das ist und war und bleibt echt gelebte Partnerschaft.

Dieter Erhard und sein im Lewitan-Haus entstandener Stein „Run 2016“

Für Eure und unsere gemeinsame Zukunft wünschen wir, meine Frau Miriam und ich, Euch eine gute Zeit alles erdenklich Gute und ein Glas Wodka zu Eurem 75. Geburtstag. Bleibt gesund!

Dieter und Miriam Erhard aus Erlangen-Tennenlohe

Im Anhang grüßt Euch mein Aquqila Giganteus aus Tennenlohe!

Meine liebe Freunde, meine lieben Kollegen,

Zu Eurem 75. Jubiläum wünschen Euch die Erlanger Künstler und ich alles Gute, weiterhin mindestens noch 75 kreative Jahre und sicherlich noch viele-viele Treffen und gemeinsame Ausstellungen mit uns.

Christian Hamsea und Oleg Modorow im Lewitan-Haus 2014

Ich schätze mich zu den Glücklichen, die die Ehre hatten, solch talentierte, hingebungsvolle und großartige Künstler wie Euch kennenzulernen. Neben gemeinsamen Treffen und Ausstellungen kann ich heute behaupten, unter Euch richtige Freunde für’s Leben gefunden zu haben. Ich bin bis heute dankbar für die gegenseitige Inspiration und die intensiv gemeinsam erlebte Zeit. 

Henrike Franz im Gespräch mit Anatolij Denissow, 2014

Was mit einem kleinen Clash of Civilizations 2002 bei unserem ersten Treffen in Wladimir begann, entwickelte sich zu einer der schönsten Freundschaften aller Zeiten! Hier auch mein Dank an die, die es möglich machten. 

Wladimir Rusin, verstorben an COVID-19 am 16. Juli 2020

Mit Trauer erinnere ich mich auch an die schon Verstorbenen unter uns und versichere, sie in meinen Gedanken, Malereien und in meinem Herzen lebendig zu halten. Ich bin überzeugt davon und glaube fest daran, was unser lieber Wolodja Rusin sagte: „Wir Künstler sind eine Nation mit einer eigenen Sprache!“

„Ausflug mit dem Lehrer“ von Pjotr Dik, verstorben 2002 im Künstlerdorf Worpswede

Seid herzlich umarmt und feiert schön, morgen kann alles anders sein! „Maybe чуть-чуть ЗА нашу дружбу!“

Prof. h.c. Lucian Christian Hamsea, Fine Artist

Zu guter Letzt noch die Grußbotschaft von Nils Naarmann nach Wladimir vom Mai des Jahres:

P.S.: Die besten Wünsche zum 75jährigen Jubiläum des Kunstvereines Wladimir nachgereicht von den Mitgliedern der Gruppe Andersartig, Hans-Peter Singer, Irene Hetzler, Carolin Gugel und Michael Ort, mit dem Wunsch auf zukünftig verstärkte Zusammenarbeit.

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Gestern abend wurde in der protestantischen Annenkirche zu Sankt Petersburg mit einem außergewöhnlichen Konzert die Ausstellung „Schöpfung“ des Wladimirer Künstlers, Kirill Wedernikow, eröffnet und per youtube im Netz übertragen. Trotz einiger technischer Mängel war auch am Bildschirm die magische Atmosphäre dieses Ortes und natürlich des auch in Erlangen bekannten Meisters zu spüren. Hier nun eine kleine Einführung mit dem Versprechen des Blog-Kulturredakteurs, Pablo Kandis-Malinskij, weitere Artikel zu liefern, immer im zeitlichen Spannungsfeld zwischen vita brevis und ars longa.

Der Mensch und die Welt. Der Mensch in der Welt. Die Welt im Menschen. Die Welt des Menschen. Der Weltmensch… Welch eine Vielfalt von Variationen der Verbindung dieser Wörter. Sie alle beschäftigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Die Geheimnisse der Schöpfung zu erraten, ist uns nicht gegeben, aber wir werden immer danach streben, sie zu verstehen.

Als Künstler wählt man seinen Weg, das Streben nach der Wahrheit erfolgt in vielfacher Hinsicht intuitiv, ohne Logik. Aber die im Bewußtsein entstehenden und auf die Leinwand übertragenen Bilder erklären die Welt nicht weniger tiefgründig als die Theorien der Wissenschaften.

Ein Bild… Mit seiner Hilfe kann man ABbilden ebenso wie HERAUSbilden. Wenn man als Künstler die Welt nur abbildet, bleibt man nur Spiegel, ein unbeteiligter Betrachter. In dem Fall steht man so wenig mit der Welt in Verbindung wie der Atheist aus dem bekannten Gedicht von Josef Brodskij, der die Welt Gottes, „im Dorf lebt nicht in den Ecken“ nur in Augenschein nimmt.

Wenn man freilich als Künstler nur herausbildet, darstellt, gebiert er das Bild von innen heraus. Dies ist das Alter ego des Autors. Doch es fehlt ihm dann immer noch die Verbindung zur Welt, sein Werk erschließt sich nur ihm selbst.

Abbildung und Darstellung müssen ineinander aufgehen, erst so spricht der Künstler über das Bild mit der Welt, mit uns, und wir kommunizieren mit ihm. Zustande kommt das, wenn im Künstler die Reflexion erwacht. Nicht jene, von der heute so oft unsere Psychologen sprechen, sondern die, welche die Helden Shakespeares und Dostojewskijs in sich trugen, also die Reflexion, über die A. L. Toom schrieb: „Ein zur selbständigen Reflexion befähigter Mensch kann sich geistig aus der Umwelt befreien“. Die im Bewußtsein widergespiegelte äußere Welt treibt die Arbeit der inneren Welt an. Widerspiegelung und Darstellung interagieren, Makrokosmos und Mikrokosmos verbinden sich, Mensch und Welt werden eins. So entstehen dann geniale Werke, die uns als Entdeckung erschüttern.

Es scheint, wenn es schon die Gemälde von El Greco und Leonardo gibt, gebe es auch bereits Antworten auf die ewigen vermaledeiten Lebensfragen. Ja und nein. Die Großen zeigten uns bereits durch ihre bloße Existenz, daß der Weg zur Wahrheit möglich sei. Zugleich begreifen wir, daß ihn jeder ganz für sich zu gehen hat, da er nur zu einem Drittel durch die Abbildung erleuchtet ist, aber zu zwei Dritteln der Darstellung gewidmet ist.

Warum beginne ich mit diesen seltsamen Überlegungen mein Gespräch über das Werk des Künstlers Kirill Wedernikow? Wahrscheinlich weil ihn selbst ebendiese Fragen beschäftigen. Der Weg eines Künstlers gleicht einer Spirale, die sich nach oben dreht, vielleicht aber auch nach unten, denn wer weiß schon, wo sich in der Endlosigkeit oben und unten befinden. Doch diese Spirale strebt einem Punkt zu. Ob der etwas abschließt, oder ob da eine neue Spirale beginnt, bleibt offen. Eines nur kann man sicher festhalten: Der Weg entlang der Spirale führt nicht nur nach vorne, sondern er dreht sich auch im Kreis, will sagen, kehrt um, vom Sein zum Schaffen und vom Schaffen zum Sein.

Jetzt fügen sich 14 Bilder zu einem durch und durch logischen System, auch wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Malweisen entstanden. Der Künstler betastete sein Thema, ließ von ihm ab, kehrte nach einer bestimmten Zeit zu ihm zurück.

Und wir kehren – versprochen! – schon bald zu diesem so außergewöhnlichen Künstler zurück, den wir im Mai – so die Hoffnung gegen alle Corona-Szenarien – wieder in Erlangen begrüßen können.

Bilder: Dmitrij Smirnow

P.S.: Zur Erinnerung: Hier hatte alles zwischen Kirill Wedernikow und Erlangen begonnen: https://is.gd/WOpuWi

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Heute nun Teil 2 des künstlerischen Credos von Wiktor Bytschkow, dessen Werke derzeit in Wladimir zu sehen sind. Der Text (s. Eintrag im Blog von vorgestern) ist der Homepage des Wladimirer Malers entnommen, wo weiteres Material zu seinem Schaffen zu finden ist: http://viktor-bychkov.ru

Wiktor Bytschkow

Wiktor Bytschkow

Doch gleich welche Summen bei Auktionen für diese „Werke“ hingeblättert werden, ist doch ihre abgrundtiefe Leere vor dem Hintergrund der traditionellen Kunst allen offensichtlich, einschließlich selbst der schlimmsten Zombies unter den Künstlern. Darin begründet ist wahrscheinlich der Hauptgrund für die Aggressivität der Westlichen Kunst in Hinsicht auf die traditionellen Kulturen anderer Länder, in erster Linie bezüglich der Kultur Rußlands. Man muß also diese traditionellen Kulturen zerstören, den Künstlern den Schaffensdrang rauben, ihnen Willen und Kraft nehmen, nationale Künstler zu bleiben. Und wozu das alles?

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Ganz einfach ist das alles. Man entzieht der traditionellen Kunst mittels all den Auslassungen zu Demokratie und Freiheit der Selbstverwirklichung etc. pp. jede Finanz- und Informationsbasis, macht das Leben des Russischen Künstlers erniedrigend und sinnlos, wobei sein sozialer Status im Idealfall auf das Niveau eines Obdachlosen abgesenkt wird. Die ganze Afterphilosophie über gleiche Möglichkeiten und Äquidistanz der Politik von allen Strömungen in der Kunst ist hingegen nicht mehr als die Geschichte vom Pferd für Naivlinge und Uneingeweihte.

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In der Praxis freilich unterstützen die Behörden die Kultur prowestlicher Richtung und hat sie längst zur offiziellen Kunst des Modernen Rußlands erklärt. Fortschrittliche Damen erklären mit klugem Ausdruck im Kulturkanal, weshalb eine gewisse Künstlergruppe „Wojna – Krieg“ für die Darstellung eines leuchtenden Phallus auf einer der Zugbrücken von Sankt Petersburg einen beeindruckenden Preis für das beste Werk des Jahres erhielt.

Friede eurem Haus

Friede eurem Haus!

Wahrscheinlich waren es ebensolche höhnende Bauernfänger, die mit Hilfe von Geld und Informationspolitik dafür eintraten, auf dem Allerheiligsten des Roten Platzes ein Holzklo aufzustellen, das jeder betreten konnte, um an der Schaffung des Werks moderner Kunst teilzuhaben. Dieses Projekt wurde übrigens vom Kulturministerium Rußlands gefördert, während unlängst ein stinkreicher Sammler des modernen Rußlands für seine Kollektion das Portrait eines Maikäfers von Kabakow ankaufte – für 1,6 Mio. Dollar.

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Im Westen repräsentieren die zeitgenössische russische Kunst ominöse Persönlichkeiten vom Schlage eines Kulik, der splitternackt an der Hundeleine herumläuft und Passanten ins Bein beißt. Und schon haben wir den teuersten Künstler aus Rußland im Westen.

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Die Liste dieses Irrsinns könnte man endlos fortsetzen. Aber lassen wir es genug sein. Besser sollten wir nachdenken, was wir, die russischen Künstler, unter diesen Umständen tun können.

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Erstens sollten wir nicht vergessen, was das für ein großer Wert ist, sich russischer Künstler zu nennen. Es beinhaltet auch die Verantwortung dafür, das lichte Feuer zu hüten und nicht verlöschen zu lassen, entzündet in der russischen Kultur von unseren großen Vorgängern, von Dichtern, Musikern, Künstlern. Wahrscheinlich hatten sie es auf ihre Weise auch nicht einfach. Doch der Betrachter, unser Betrachter, versteht ebenso wie wir alle, die wir mit der hohen Kunst groß geworden sind, vieles und spürt vieles und weiß gut zwischen dem Wahren und dem Falschen zu unterscheiden.

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Und selbst wenn in absehbarer Zeit die russische bildende Kunst eines stillen Todes sterben sollte, möge wenigstens der Gedanke daran unsere Seele wärmen, daß wir die großen Ideale nicht verraten, wir Mitgefühl für unser Volk gezeigt haben. Allein schon dafür ist uns die Unsterblichkeit gewiß, oder man bewahrt uns wenigstens ein gutes Gedenken.

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In Künstlerkreisen ist es in letzter Zeit üblich, auf die vaterländische Kultur im Stehen und ohne Gläserklingen zu trinken. Ich glaube dennoch, daß nicht alles so tragisch ist. Denn je mehr an geistlosen Machwerken die Anhänger der „modernen“ Kunst fabrizieren, desto offensichtlicher und klarer wird die unschätzbare Russische Kunst mit all ihren Facetten leuchten und strahlen. Und dann werden sich die russischen Künstler um einen großen und gut angewärmten Tisch versammeln, wo sie einander mit Gläsern voll herrlichen Weins zuprosten und die ebenso unsterblichen wie selbst durchlittenen Worte „Ruhm der Russischen Kunst“ ausrufen.

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Sergej Ignatow, 1961 in Wladimir geboren, hat in seiner Heimatstadt Kunst und Design studiert und zunächst in Moskau seine Erfolge gefeiert – mit der Gestaltung von Flaschen, ausgezeichnet mit dem Diplom „Goldener Stern Rußlands“ und dem internationalen Preis „Weltstar der Verpackung“. Daneben war und ist der mittlerweile nach Wladimir zurückgekehrte Künstler immer auch als Maler tätig. Mit nicht weniger Erfolg.

Sergej Ignatow: Dialog mit einem Schatten

Sergej Ignatow: Dialog mit einem Schatten

Soeben hat Sergej Ignatow auf der Biennale in Venedig den zweiten Preis in der Kategorie „Experimentelle Malerei der Avantgarde“ erhalten, und die diesjährige Biennale in Istanbul kürte sein Werk „Dialog mit einem Schatten“ als das beste.

Zumindest in Wladimir gibt es keinen Künstler, der so wagemutig wie Sergej Ignatow die Stile der Avantgarde mit dem Realismus mischt. Kubismus und Surrealismus treffen sich mit der ganz eigenen Weltsicht des Malers, der seine Bilder gern codiert als Theatersujets, Kinderzeichnungen oder phantastisch-realistische Landschaften. Selbst nennt er seinen Stil Improvisationismus mit dem Anspruch, die Motive möglichst in einer einzigen Sitzung auf die Leinwand zu bringen. Zu seiner Kunst äußert er sich selbst:

Sergej Ignatow: Monolog über das Glück der Frau

Sergej Ignatow: Monolog über das Glück der Frau

Im vieltausendfachen Strom der Bilder, der täglich über uns hereinstürzt, versuche ich meine Abfolge visueller Formen zu schaffen, geeignet, den Betrachter zu einer spirituellen und emotionalen Erkenntnis zu führen. Eine gewaltige Fülle von Werken ist geschaffen, um Räume zu schmücken, um ein Gefühl der Behaglichkeit zu bewirken. Mein Ziel ist es, den menschlichen Gedanken zu kultivieren. Eine Komponente, die ich für die wichtigste im künstlerischen Schaffen halte.

Sergej Ignaotw: Familie

Sergej Ignaotw: Familie

Ein Sujet kommt nicht aus dem Nirgendwo, man muß ständig denken, denken, denken! Künstler kann jeder werden, Schöpfer nur ein Irrer! Das Gehirn muß kochen! Pablo Picasso hat geschrieben: „Der Schöpfer ist im ganzen Kopf krank und ist an seinen Ideen erkrankt. Wir erkennen nur ein Tandem an: den nach absoluter Freiheit verrückten Selbstausdruck. Nur so kommt etwas Neues auf die Welt und wird in der Folge zum Kunstwerk! Dadurch unterscheidet sich gerade der Schöpfer vom Kunsthandwerker.“ Sein Rezept war ganz einfach: Um etwas zu schaffen, benötigt man die absolute Freiheit. Leider dominiert in der Kunst unserer Tage eine gesichtslose Farbmasse, die an einem Wettbewerb mit dem Photoapparat teilnimmt.

Sergej Ignatow: Offenbarung eines Chips

Sergej Ignatow: Offenbarung eines Chips

Der moderne Künstler hört zu denken auf, und die Seele zu empfinden. Wir haben eine schreckliche Krankheit geboren: Der Betrachter hat zu denken verlernt. Er weiß nicht einmal, daß man sich ein Bild erlesen muß, daß man es verstehen und durchdenken muß. All das ist ihm heute fremd. Dabei beginnt doch die richtige Arbeit mit einer Erzählung. Auf der Leinwand darf nichts sein, das nicht auch eine Bedeutung in sich trüge. Einer meiner engen Freunde, ein anerkannter Meister, sagt immer: „Der Betrachter ist der Kunst gegenüber erkaltet. Die Malerei interessiert ihn nicht mehr.“ Vielleicht liegt das ja auch daran, daß sich auf unseren Leinwänden immer weniger Kunst findet?

Sergej Ignatow: Papierschiffchen auf Patrouille

Sergej Ignatow: Papierschiffchen auf Patrouille

Ein Bild ist in meinem Verständnis ein harmonisch organisierter farblicher Raum, der die einen oder anderen Assoziationen hervorruft, ein Theater der Malerei, wo der Augenblick hineinwächst in eine Handlung mit der Aufforderung an den Zuschauer, zum Co-Autor des Stücks zu werden. Er ist nachgerade verpflichtet, eine emotionale Erschütterung zu erleben. Was er sieht, muß auf die Seele wirken wie Noten auf das Gehör. Dabei ist die höchste Auszeichnung für den Künstler, wenn das Bild in Übereinstimmung mit der Intention rezipiert wird.

Sergej Ignatow: September in Astafjewo

Sergej Ignatow: September in Astafjewo

In eineinhalb Jahren wird Sergej Ignatow an der Weltausstellung in New York teilnehmen. In Erlangen ist der Künstler aus Wladimir noch zu entdecken.

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Heute blättert der Blog ein wenig in der Kunstgeschichte der Städtepartnerschaft zurück und nach vorn. Zurück ins Jahr 2010, wo für den Herbst eine Ausstellung von Natalia Kolpakowa in den Räumen des Roten Kreuzes Erlangen-Höchstadt, Henri-Dunant-Straße 4, geplant war. Doch sie konnte nicht stattfinden, weil einige Monate zuvor ein Gewitter mit Platzregen das Gebäude unter Wasser gesetzt hatte. Renovierung und Instandsetzung der Baumängel dauerten, und erst vor wenigen Wochen konnten alle Räumlichkeiten wieder bezogen werden.

Natalia Kolpakowa: Blumenmotiv

Nun kann auch nachgeholt werden, was seinerzeit ins Wasser gefallen ist. Am Freitag, den 2. März, wird um 19.00 Uhr – bitte vormerken und kommen! – im Hauptgebäude des BRK die Ausstellung mit Arbeiten der Graphikerin Natalia Kolpakowa eröffnet. Die 1966 in Iwanowo geborene Künstlerin, die in Moskau und Wladimir lebt und arbeitet, hat eine Reihe von Kinderbüchern illustriert und ist in vielen Sammlungen und Galerien vertreten. Im Spannungsfeld zwischen den alten Meistern Rembrandt, Jan Vermeer und Pieter Bruegel auf der einen und ihren moderneren Vorbildern Aubrey Beardsley und Alfons Mucha auf der anderen Seite, hat Natalia Kolpakowa einen Stil gefunden, der sich unübersehbar von der typischen Wladimirer Malschule mit ihren Natur- und Landschaftsmotiven absetzt, die erst im Dezember unter dem Motto „Schnee“ im Kunstverein Erlangen vorgestellt wurde. Aber sehen Sie selbst!

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Natalia Britowa

Am Wochenende wurde im Wladimirer Zentrum für Darstellende Kunst eine Ausstellung mit Arbeiten von Natalia Britowa eröffnet. Die 50jährige Künstlerin ist die Tochter des im Vorjahr verstorbenen Gründers der Wladimirer Malschule, jener farbenfrohen Tradition der Landschaftsdarstellung, die Weltruf genießt, in allen großen Museen gezeigt wird und die Partnerstadt bis heute zu einem künstlerischen Zentrum macht.

Natalia Britowa

Ja, Natalia Britowa ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten, und doch schlug sie schon bald einen ganz eigenen Weg ein. Schon seit 1977 organisiert sie eigene Ausstellungen, und vor gut 20 Jahren fand sie Aufnahme im Russischen Künstlerverband. Nach Meinung von Kunstkritikern hat Natalia Britowa nicht nur einen ganz eigenen Ansatz bei der Landschaftsmalerei gefunden, sondern sich vor allem zu einer Meisterin des psychologischen Portraits entwickelt. Ihre Malweise atme eine stille, umfassende und nachdenkliche Liebe zu allem, was sie umgibt und Gegenstand ihrer Betrachtung wird. Dazu gehören auch Eindrücke aus anderen Ländern. Von ihren vielen Reisen nach Belgien, Holland, Frankreich, Spanien und in die USA hat sie ganze Bilderserien mitgebracht. In Erlangen war Natalia Britowa anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläum, und ihr fränkischer Kollege, Reiner F. Schulz, der im Sommer in Moskau und Wladimir war, hat sie mit einer kleinen Künstlergruppe für das Jahresende zu einer Ausstellung eingeladen. 

Natalia Britowa

Vielleicht ist bis dahin eine Neuauflage des 2008 erschienenen und bereits vergriffenen Buches von Oxana Jermolajewa-Wdowenko über Natalia Britowa wieder erhältlich, vielleicht gar mit einer deutschen Übersetzung. Lohnen würde es sich, denn nicht von ungefähr rückt die Autorin die Wladimirer Künstlerin in ihrem Essay in die Nähe der Impressionisten, denen der Ausdruck von Licht und Atmosphäre wichtiger war als die eigentliche Wiedergabe des betrachteten Gegenstands. In jedem Fall können wir uns schon heute auf die Bilder einer Ausstellung mit Natalia Britowa freuen.

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Walerij Kokurin, Frühjahr

Er ist einer der letzten noch lebenden Vertreter der weltberühmten Wladimirer Malschule. Anläßlich seines 80. Geburtstages ist nun im Zentrum für Darstellende Kunst eine Ausstellung mit Arbeiten von Walerij Kokurin zu sehen. Der mit dem Titel „Volkskünstler“ ausgezeichnete Maler wählt als Motiv immer wieder gerne das Gassengewirr Wladimirs, wo er aufgewachsen ist. Freilich immer mehr in der Tonlage des Schmerzes, denn diese Welt ist wohl für immer verloren, nur noch im historischen Zentrum erhalten.

Walerij Kokurin, Herbst

„Alles wurde umgestaltet“, klagt Walerij Kokurin, „nur ein einziges Haus ist aus meiner Kinderzeit noch übrig in dem Straßenzug.“ Also malt er gegen den Abriß an, gegen die Bauwut der Gegenwart, gegen das Vergessen. Seine Marktszenen, einst zum Bild des Alltags gehörend, wirken heute wie aus einer anderen Welt, fast schon märchenhaft. Dabei war sein Weg zur künstlerischen Anerkennung lang und schwer. Schon in der Schule wurde er für sein erstes Bild, einen Klatschmohn, getadelt, weil es eine ganze Seite einnahm. Zuviel Platz für zwecklose Schönheit nach damaliger Lesart. Doch sein Talent setzt sich durch, er macht eine kunsthandwerkliche Ausbildung und entwickelt seinen üppig-farbenfrohen Stil, der heute als klassischer Ausdruck der Wladimirer Malschule gilt. Es gab freilich auch Zeiten, wo er als „Abstraktionist“, „Impressionist“ und gar als „Kosmopolit“ geächtet war und seine Bilder vor Beginn einer Ausstellung von den amtlichen Kunstwächtern abgehängt wurden, weil sie sich der offiziellen politischen Linie verweigerten.

Walerij Kokurin, Winter

Künstlerkollegen wie Kritiker bescheinigen dem Jubilar auch im hohen Alter noch eine kindliche Auffassung des Lebens, eine Fähigkeit, sich über alle noch so kleinen Anzeichen von Schönheit zu freuen, alles mit offenen Sinnen aufzunehmen und es in hellen Farben und Tönen wiederzugeben. Walerij Kokurin selbst hält wenig von Festlegungen und Ehrentiteln. Die haben alle etwas Einengendes, Determinierendes. Er sieht sich vielmehr im ständigen Aufbruch, immer unterwegs, einen neuen Blick auf die Welt zu werfen, die vergangene wie die gegenwärtige, immer auf der Suche nach dem Schönen.

Wladimir Jukin, Winterlandschaft

Unterdessen droht einer Arbeit des bereits vor zehn Jahren verstorbenen Vertreters der Wladimirer Malschule das baldige Ende. Es geht um den „Frühling an der Mstjorka“, ein Frühwerk von Wladimir Jukin, das offenkundig falsch gelagert und obendrein auch noch beim Rahmen beschädigt wurde. Das Bild, von dem es leider im Internet keine Aufnahme gibt, hatte lange Zeit im Foyer eines Kinos gehangen, sollte dann an die Kunstschule gegeben werden, blieb aber aus unklaren Gründen ganze zwei Jahre eingelagert in einem Kulturhaus. Swetlana Melnikowa, Generaldirektorin des Landesmuseums Wladimir, ist außer sich: „Das Gemälde befindet sich in einem tragischen Zustand, es muß unverzüglich auf den Tisch eines Restaurators.“ Der Untergrund des Bildes ist derart beschädigt, daß das Werk schon bei der kleinsten Erschütterung in sich zusammenfallen könnte. Nur noch dank seiner großen Ausmaße hält die Oberflächenspannung das Gemälde noch zusammen. Dabei ist es gerade die Arbeit, für die Wladimir Jukin seinen ersten Preis in Moskau erhielt, das ihn unter Kennern bis heute als großen Künstler ausweist. 400.000 Rubel sind für die Restaurierung veranschlagt, etwa 10.000 Euro. Nach Ansicht der Fachleute könnte das Bild schon in den nächsten Tagen für immer verloren gehen. Aber das Kulturamt kann die Mittel erst für das nächste Jahr in Aussicht stellen. Aber dann könnte es schon zu spät sein für den „Frühling an der Mstjorka“.

Hinweis: Klicken Sie die Bilder an und holen Sie sich die Details per Zoom ganz nahe heran. Besonders Kokurin bietet dem Betrachter viele kleine Überraschungen.

S. auch: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/05/16/die-kunstfalscher-von-wladimir

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Der August war der Monat der Absagen. Rund um Wladimir brannten die Wälder, und in der Partnerstadt selbst herrschte dicke Luft. Erlanger sagten reihenweise ihre Reise ab, Wladimirer konnten mit ihren Freunden zusammen nicht kommen, nicht weil der Graben viel zu tief war, sondern weil das Auswärtige Amt in Sorge um die Gesundheit seiner Mitarbeiter für Wochen die Konsularabteilung schloß und somit keine Visa ausgestellt wurden. Aber es gab auch andere Gründe für Absagen. Natalia Kolpakowa traf so ein unerwarteter Grund. Die Wladimirer Künstlerin sollte eigentlich im Sommer in den Räumen des BRK Erlangen-Höchstadt in der Henri-Dunant-Straße ihre Arbeiten ausstellen. Am 11. Mai ging jedoch über Erlangen ein gewaltiges Gewitter nieder und hinterließ im Rot-Kreuz-Gebäude schlimme Spuren der Verwüstung, nachzulesen und zu sehen unter: http://roteskreuzerh.wordpress.com/2010/05/17/naturgewalt-schont-das-rote-kreuz-nicht.

Schon bald war klar: Die Instandsetzung würde lange dauern, weshalb alle für das laufende Jahr noch vorgesehenen Ausstellungen – auch eine mit Jena – ins sprichwörtliche Wasser fielen, also abgesagt und verschoben werden mußten. Natalia Kolpakowa nutzte nun einen Besuch bei ihren Freunden in Brandenburg, um sich auch in Franken umzusehen – und sich Hals über Kopf in Bamberg und Nürnberg zu verlieben. Bis man sich in Erlangen verliebt hat, das weiß der gelernte Erlanger, braucht es ein wenig mehr Zeit. Einige Ecken hat sie jedenfalls schon in der Hugenottenstadt entdeckt, die es ihr angetan haben. Vereinbart hat Natalia Kolpakowa nun aber mit Sabine Westrich aus dem Chefbüro des BRK, zuständig unter anderem für die Vorbereitung von Ausstellungen und Vernissagen, die für heuer geplante Veranstaltung auf das Frühjahr 2012 zu verlegen. Dann wird genug Zeit für die Künstlerin sein, ihre Leidenschaft auch für Erlangen zu entdecken.

Die 1966 in Iwanowo geborene Graphikerin und Buchillustratorin pendelt zwischen Moskau, Wladimir und ihrer Heimatstadt am Goldenen Ring, wo sie sich überall einen guten Namen gemacht hat und in Museen vertreten ist. Im Spannungsfeld zwischen den alten Meistern Rembrandt, Jan Vermeer und Pieter Bruegel auf der einen und ihren moderneren Vorbildern Aubrey Beardsley und Alfons Mucha auf der anderen Seite hat Natalia Kolpakowa einen Stil gefunden, der sich unübersehbar von der typischen Wladimirer Malschule mit ihren Natur- und Landschaftsmotiven absetzt. Nun hoffen wir, daß sie in spätestens eineinhalb Jahren den Weg wieder nach Erlangen findet und uns ihre voraussichtlich 40 Bilder zeigt, von denen eine kleine Auswahl schon jetzt empfohlen wird unter  http://www.artlib.ru/?id=11&fp=2&uid=1263.

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Ausstellung Pjotr Dik, Wladimir Dez. 09

Gestern ist die offizielle Delegation abgereist, heute machen sich der Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums gemeinsam mit Helmut Aichele und dem Blogger auf dem Heimweg, das Gepäck voll mit neuen Plänen.  Wieder einmal zu früh! Heute nachmittag eröffnet nämlich Kira Limonowa, die Witwe des 2002 verstorbenen Malers Pjotr Dik, im Museum für Darstellende Kunst im Zentrum Wladimirs eine Ausstellung mit Arbeiten aus der letzten Schaffensperiode des  Künstlers unter dem Motto „Susdal“, der Stadt, wo der Graphiker, Bildhauer und Maler seine letzten Jahre verbrachte.

Kira Limonowa

Das künstlerische Erbe ihres Mannes verwaltet Kira Limonowa mit Umsicht und Tatkraft. Kein Jahr vergeht ohne mindestens eine Ausstellung. Verkaufen aber will sie keine weiteren Arbeiten mehr. Es gibt einen überschaubaren Kreis von Sammlern, die  Kunstwerke in ihrem Besitz haben, der große Rest jedoch bleibt vorerst in Familienbesitz. „So kann ich rasch immer wieder thematische Ausstellungen machen und Pjotrs Werke einem großen Publikum zugänglich machen.“

Mehr zu Pjotr Dik im Eintrag vom 1. Januar 2009. Und dann noch der Hinweis, daß Bilder des Künstlers zu sehen und (noch) zu kaufen sind im Einrichtungshaus Dörfler, Friedrichstraße 5, Erlangen, sowie nach Anmeldung bei Hans Zahn, Glaserstraße 10, Kraftshof.

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