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Posts Tagged ‘russische Kriegsveteranen’


Tscherkutino, ein 1000-Seelen-Dorf, etwa 60 km nordwestlich von Wladimir gelegen, ist die Heimat dieses Kriegsveteranen. Sergej Skuratow sah ihn 2016 so. Damals war der einstige Späher in der Roten Armee 93 Jahre alt. Bis zu seinem 90. Lebensjahr beschäftigte er sich mit der Imkerei. Was er jetzt tut, ob er überhaupt noch lebt, wie er heißt? Wir wissen es nicht. Aber wir haben dieses Bild, das viel mehr erzählt.

Runzeln und Falten: Schützengräben der Zeit, Lebensadern, gefurchte Erinnerung. Gespinst aus Haaren, gebleicht im späten Schatten der Jahre. Nachtgestreiftes Garn der Vergangenheit. Augen, die erst in der Betrachtung zeigen, was sie sehen. So verborgen der Mund, so gerne schenkte man ihm Gehör. Verlust des nie Gesagten, des Ungehörten. Ein Versprechen, ohne sich versprochen zu haben. Der Rest ist Schweigen.

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Was der Blog mit seiner Spalte „Veteranen“ versucht, unternimmt nun eine Gruppe Jugendlicher in Wladimir mit der Videokamera in der Hand. Das Projekt „Lebendige Geschichte“, das in 22 Regionen Rußlands angelaufen ist, hat zum Ziel, die Erinnerungen von Frontkämpfern des Zweiten Weltkriegs zu bewahren. Die Interviews mit Freiwilligen werden aufgezeichnet und in ein Moskauer Zentralarchiv geschickt.

Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Alt-OB Dietmar Hahlweg, 9. Mai 2010.

Dabei folgen die Gespräche einem strengen Punktekatalog mit 43 Fragen, die ein möglichst genaues Bild jener Zeit zeichnen wollen: Wo und wann wurde man eingezogen, wie war die Verpflegung, wie wurden Festtage begangen, gab es Postverkehr mit der Familie? Fragen, auf die nicht mehr alle antworten können oder wollen. Selbst die jüngsten Zeugen, Opfer und Gestalter jener fernen Zeit sind heute Mitte 80. Nach Angaben des Regionalen Wladimirer Veteranenverbands lebten 2009 im Gouvernement noch etwa 2.000 Frontkämpfer. 300 von ihnen sollen von dem Projekt erfaßt werden. Dabei machen die Freiwilligen ein bis zwei Interviews pro Tag. Nebenbei bekommen sie auch so manche Klage über mangelnde Aufmerksamkeit und gebrochene Versprechen zu hören. So wartet ein heute 87jähriger Veteran noch immer auf das Auto, das ihm von der Politik anläßlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes versprochen wurde. Das ist jetzt bald sechs Jahre her. Da kann nicht einmal der russische Volksmund mithalten, der sagt, auf Versprochenes müsse man drei Jahre warten…  

Nicht so lange müssen die Leser des Blogs auf den nächsten Bericht über einen Erlanger warten, dem Wladimirer Ärzte in der Kriegsgefangenschaft das Leben gerettet haben: nur noch drei Tage, bis zum 22. Januar. Warum ausgerechnet bis zu diesem Tag, soll heute noch nicht aufgeklärt werden. Es lohnt sich in jedem Fall, am Samstag wieder Ihren Blog anzuklicken. Versprochen!

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Veteranenpaar

Veteranenpaar

Die Vorbereitungen auf den 9. Mai 2010 laufen bereits an. Zum 65. Jahrestag des Kriegsendes werden auch Veteranen aus Erlangen nach Wladimir reisen, um mit ihren Altersgenossen den Frieden zu feiern. Letzteren wird bei dieser Gelegenheit – ein alljährlich sich wiederholendes Ritual – die Politik Respekt und Anerkennung für die geleisteten Heldentaten aussprechen. Doch im grauen Alltag bekleckert sich der Staat nicht immer mit Ruhm, wenn es um das Wohl der Vaterlandsverteidiger geht. Je weniger von ihnen noch am Leben sind, umso länger wird die Liste der Versprechungen seitens der Behörden, mit denen man den alten Männern und Frauen den Lebensabend erleichtern will. Das reicht von kostenlosen Autos bis hin zur Zuteilung neuer Wohnungen. Doch fast ebenso lang ist die Liste der gebrochenen Versprechen.

Jewgenij Karpow

Jewgenij Karpow

Jewgenij Karpow, Vizegouverneur für Kommunalwirtschaft, platzte nun der Kragen. Öffentlich rief er seine Beamten auf, endlich ihre Pflicht und Schuldigkeit zu tun und die Veteranen nicht weiter über den Löffel zu balbieren. Der Verwaltungschef stellte nämlich fest, daß noch immer fast einhundert Anspruchsberechtigte in der Region Wladimir auf ihre Wohnung warten. Es geht dabei um jene, die ihre Anträge bis zum März 2005 eingereicht hatten und bis Ende dieses Jahres einziehen sollten. Doch weniger als die Hälfte von ihnen halten bisher die Schlüssel in Händen. Die einen scheuen den Umzug, andere wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen mit dem Papierkram. Da will Jewgenij Karpow Abhilfe schaffen, indem er seine Beamten zu jedem einzelnen Veteranen nach Hause schickt, um die Lebensumstände vor Ort zu klären und ggf. beim Ausfüllen der Formulare zu helfen. Besonders unzufrieden ist er mit der Situation im Kreis Alexandrow, im Nordwesten der Region an der Grenze zum Moskauer Gouvernement gelegen. Dort mußte er die Listen einzeln durchgehen und feststellen, daß die Behörden geschlampt hatten: Antragssteller blieben unauffindbar. Darauf der Vizegouverneur: „Dann schreibt die Leute eben landesweit zur Fahndung aus, wenn Ihr sie selber nicht finden könnt. Diese Veteranen können ja nicht in Erdlöchern hausen. Das tun nur Biber und Mäuse!“ Oder handelt es sich gar buchstäblich um „Karteileichen“? 

Dabei steht den Kriegsteilnehmern heuer sogar mehr Wohnraum zu, statt den bisherigen 22 m² jetzt 36 m². Außerdem stellt der Staat eine Einmalzahlung in Höhe von 1.011.000 Rbl., also gut 20.000 Euro , pro Person zur Verfügung.. Auch dieses Geschenk soll bei den Empfängern, alle hoch in den 80ern, ankommen. Nochmals dazu Jewgenij Karpow, der seinem Verdruß freien Lauf läßt: „Es kann doch nicht angehen, daß jemand verstirbt, ohne überhaupt in der versprochenen Wohnung gelebt zu haben. Und das nur wegen der Saumseligkeit unserer Beamtenschaft. Wir sollten doch den Menschen eine Freude machen. Was der Staat versprochen hat, müssen wir auch halten. Das Geld steht bereit, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebensumstände zu verbessern!“ Hoffentlich erleben das noch viele!

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