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Posts Tagged ‘Russische Kriegsgefangenschaft’


Vorgestern hier die Suchanfrage nach Hermann Fritz Meyer zu Altenschildesche, heute die angekündigten Angaben von Wolfgang Buchert, nur leicht bearbeitet, zu den Umständen, die zu einem Rücktransport aus der Gefangenschaft führen konnten und die in Frankfurt an der Oder zu erwarten waren:

Hermann Fritz Meyer zu Altenschildesche

Ich würde Ihnen einige Informationen geben wollen. Darin fließt auch Ihre Frage zum Friedhof in den Kiesbergen ein. Zunächst zu den russischen Unterlagen:

In der fünfseitigen Kriegsgefangenen-Akte ist vom Abtransport Ihres Schwiegervaters am 15. November 1945 die Rede. An diesem Tag wurde auch mit anderer Handschrift die Akte geschlossen. Auf dem zweiseitigen Dokument ist jedoch vom Abtransport am 19. Oktober 1945 die Rede. Nach der Schrift zu urteilen, ist dieses Dokument allerdings erst am 27. Januar 1947 erstellt worden. Schlampigkeit?

Die beiden genannten Ortschaften – Gus-Chrustalnyj, Region Wladimir, und Anopino, Region Wladimir – liegen lt. Maps nur rund zwölf km voneinander entfernt. So kommen nach meiner Auffassung zumindest theoretisch zwei Abtransport-Termine in Frage. Da bei dem früheren Termin „in die Heimat“ steht, kann dies m.E. wiederum kein Versehen sein, denn beim Abtransport von einem Lager in ein anderes wäre die Lager-Nr. genannt worden. Auf dieses Problem ging der Suchdienst zumindest nicht ein.

Den Gesundheitszustand Ihres Schwiegervaters müssen Sie sich so vorstellen:

In der NKWD-Direktive Nr. 157 vom 13. September 1945 war festgelegt, daß „nur Invaliden und Geschwächte der Arbeitstauglichkeitsgruppe 4, außer SS, SD, SA und Teilnehmer an Greueltaten… nach Frankfurt an der Oder in das Lager Nr. 69 geleitet“ werden. Das heißt, erstes Kriterium für eine Entlassung der Kriegsgefangenen war die völlige Arbeitsunfähigkeit. Diese war Ergebnis der von den Gefangenen erlebten und durchgemachten „extremen Lebensverhältnisse“. Ernst-Günther Schenck, selbst bis 1955 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, darunter anfangs auch in Frankfurt (Oder), beschrieb diese

als ein Vegetieren unter weitestgehendem Fehlen allernotwendigster, kreatürlicher Existenzbedingungen und Existenzbedürfnisse bei höchstgradiger körperlicher und seelischer Belastung durch Mangel- und Fehlernährung, Zwangsarbeit, Krankheiten und Seuchen, klimatische Belastung und Verschmutzung, chronischer Ermüdung bis zur tödlichen Erschöpfung, Ängstigung, Entwürdigung, Hoffnungsverlust, Gemeinschaftszerfall und noch anderes mehr.

Im Mittelpunkt stand die Hungerkrankheit – die Dystrophie.

Friedrich Hassenstein, als Abiturient in sowjetische Gefangenschaft geraten, erlebte das äußere Erscheinungsbild des Dystrophikers folgendermaßen:

Sein bis auf die Knochen abgemagerter oder durch Wasser aufgeschwemmter, mit Ausschlägen, Furunkulosen oder Phlegmonen bedeckter Körper entsprach seiner geistigen und seelischen Verfassung. Sein Wille war so weit geschwächt, daß er es nicht über sich brachte, nachts seine Notdurft außerhalb der Stube zu verrichten. Viele führten ihren Zustand selbst herbei oder beschleunigten ihn. So hofften manche, schneller nach Hause abtransportiert zu werden.

Neben der Untergewichtigkeit nannte Ernst-Günther Schenck weitere Einzelheiten des körperlichen Erscheinungsbildes:

schlaff, schnell müde, verlangsamt, kraftlos, ausdrucksarm, oft abschilfernde Haut, Schweißausbrüche beim Essen, starker Harndrang, äußerste Abmagerung, kaum Muskulatur, Gesicht eingefallen, tiefe Augenhöhlen, trockene Lippen, Rippen, auch Becken stark hervorstehend, Haut in Falten weit abziehbar, – gegebenenfalls geschwollenes Gesicht, dicke Beine, Bauch aufgetrieben, oft gespannt, Gesäß geschwollen, Schwellungen auf Druck verschwindend, an anderer Stelle aufscheinend. Haut ganz blaß, manchmal krakeleeartig gemasert. – Voralterung.

Ich weiß nicht, ob Sie mit Bestimmtheit wissen, daß Ihr Schwiegervater noch lebend in Frankfurt ankam. Deshalb Folgendes auch noch.

Wenn Ihr Schwiegervater auf dem Weg nach Frankfurt bzw. bei seiner Ankunft schon verstorben war, stehen die Chancen, sein Grab oder den Sterbeort festzustellen, leider sehr schlecht. Mir ist von anderen Kriegsgefangenen bekannt, daß die Toten unterwegs einfach neben dem Bahngleis abgelegt wurden. Das kam auch noch in Frankfurt (Oder) vor. Da er keine Wehrmacht-Erkennungsmarke mehr trug, und wenn kein ihn kennender Kamerad bei seinem Tod dabei war und Angaben irgendwo machte, dann wurde er unterwegs oder in Frankfurt als unbekannter Soldat beerdigt.

Aber die Russen waren durchaus auch pedantisch: Für die Rückführung wurden Transportlisten aufgestellt. Darin verzeichneten sie jeden unterwegs Verstorbenen. Das konnten wir in einem Fall durch einen, mir bekannten russischen Professor feststellen, der eine solche Liste im Archiv durch Zufall fand und unter den transportierten Männern den Namen des Gesuchten entdeckte. Dieser war nicht unterwegs gestorben, sondern noch lebend in Frankfurt eingetroffen.

Es ist leider nicht bekannt, ob und wo solche Listen jetzt in Rußland zentral gelagert werden.

Auf dem Weg bis Frankfurt waren die Männer immer noch Kriegsgefangene. Sie kamen deshalb in Frankfurt in das russische Entlassungslager Nr. 69. Hauptsächlich war dies die ehemalige Horn-Kaserne (heute Polizeidirektion Ost, Nuhnenstraße) und ein dazu gehörendes Barackenlager. Dort wurden sie registriert und auch gesundheitlich untersucht. Waren sie gebrechlich, kamen sie in das dortige Lagerhospital oder in das russische Spezialhospital Nr. 1762. Starben sie, wurden sie auf dem unter russischer Verwaltung stehenden Kriegsgefangenenfriedhof (= Nuhnenfriedhof), schräg gegenüber vom Lager Nr. 69 (heute teilweise Kriegsgräberstätte auf Privatgelände), beerdigt und dabei auch namentlich erfaßt. Eine Liste mit 3.265 Namen beim Suchdienst bezieht sich auf die auf dem Nuhnenfriedhof Beerdigten.

Sieht man sich die Sterbejahre der Liste an, so fällt auf, daß für 1945 ein äußerst minimaler Teil an Toten genannt wird, obwohl in diesem Jahr die meisten Toten zu beklagen waren. Ich bezweifle deshalb, daß die genannte Liste komplett ist. Interessant ist aber, daß ich in einigen Kriegsgefangenen-Akten sogar zwei Protokolle fand. Auf dem einem wurde der Tod protokolliert, auf dem anderen die Beerdigung auf dem Nuhnenfriedhof, der gegenüber vom Lager 69 lag und unter russischer Verwaltung stand.

Ob eine Registrierung für alle ankommenden Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion für 1945 tatsächlich vorgenommen wurde, ist ungeklärt. Ich habe Erinnerungsberichte, nach denen die Männer direkt aus den Waggons entlassen wurden und sie sich den Weg zum Frankfurter Bahnhof selbst suchen mußten. Der russische Professor zur Aktenlage in einem Vortrag bei uns:

Aus den Dokumenten wissen wir genau, daß das Arbeitsarchiv des Lagers 69 und auch die Materialien der Kriegsgefangenenabteilung der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und des Sonderhospitals 1762 im September 1947 den Umfang eines Eisenbahnwaggons hatten. Alle Dokumente wurden in mit Eisen beschlagene Kisten eingepackt, verplombt und mit Vorhängeschloß verschlossen. Es ist sogar bekannt, daß die Kistengrößen während der Entladung Probleme verursachten, da sie durch keine Tür des Archivs paßten. Der Zug mit diesem Archiv verließ Frankfurt an der Oder am 9. September 1947. Die Endstation war das Archiv der Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte in der Stadt Susdal, die 220 km nordöstlich von Moskau liegt. Die Materialien des Lagers 69, die Dokumente des Innenministeriums der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und des Sonderhospitals 1762 im Umfang von 733 Akten in 80 Verzeichnissen wurden vom Archiv am 12. September 1947 komplett aufgenommen. Unter den Dokumenten waren auch operative Materialien der Abteilung für Kriegsgefangene der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, die bis heute geheim sind.

In Susdal sollen sie jetzt nicht mehr sein.

Ob für alle im Lager 69 verstorbenen Männer Sterbe- und Beerdigungsprotokolle angefertigt wurden, scheint unwahrscheinlich, denn sie sind nicht in allen Kriegsgefangenen-Akten enthalten. So lange man nicht an die entsprechenden russischen Archive herankommt, wird dies nicht endgültig klärbar sein.

Die im russischen Spezialhospital verstorbenen Männer sind teilweise in der besagten 3.000er-Liste erfaßt. Da das Sanitätspersonal zum Großteil Deutsche waren, hat dieses Angehörige benachrichtigt, sofern die Adressen bekannt waren. Eine offizielle Meldung an deutsche Stellen erfolgte meines Wissens nicht. Anders war es, wenn die Männer in einem Frankfurter Behelfskrankenhaus oder -lazarett verstarben. Diese wurden erfaßt und auf dem städtischen Heimkehrerfriedhof in den Kiesbergen bzw. Hauptfriedhof beerdigt. Sofern Adressen bekannt waren, wurden Angehörige informiert. Deshalb käme noch eine Anfrage bei: Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Collegienstr. 8-9, 15230 Frankfurt, E-mail: stadtarchiv@frankfurt-oder.de in Frage. Dort befinden sich meines Wissens die Frankfurter Sterbebücher.

Bezüglich Gräberlisten bei: Friedhofsverwaltung, Am Hauptfriedhof 1, 15236 Frankfurt, E-mail: friedhof@frankfurt-oder.de

Der Friedhof in den Kiesbergen war extra für verstorbene Heimkehrer angelegt worden. Hier bestattete man 3.700 Heimkehrer zwischen dem 23. September 1945 und dem 6. September 1946. Listen davon, obwohl umgebettet, müßten sich in der Friedhofsverwaltung befinden. Verstarb der Mann 1945 auf dem Weg zum Bahnhof am Straßenrand, hätte er mindestens einen russischen Entlassungsschein (Sprawka) mit seinem Namen dabeigehabt. Diese Männer wurden auch auf den Frankfurter Friedhöfen beerdigt, dürften also eigentlich nicht namenslos sein.

Gräber mit unbekannten Soldaten bzw. Heimkehrern gibt es auf dem Frankfurter Hauptfriedhof u.a. auf der Zentralen Kriegsgräberstätte. Details müßten Sie ebenfalls bei der Friedhofverwaltung anfragen. Von den Russen angelegte Massengräber sind meines Wissens bisher nicht gefunden worden, obwohl es sie vermutlich gab.

Aber ich hatte kürzlich einen Fall. Da suchte der Sohn seinen Vater. In Frankfurt war er nicht zu finden. In diesem Fall hatte der Mann Frankfurt noch lebend zum nächsten Heimkehrer-Durchgangs- bzw. Quarantänelager verlassen, das in der Nähe seiner Heimatstadt lag. Dort starb er; sein Grab ist sogar noch erhalten. Nach so vielen Jahren konnte noch ein Schicksal geklärt werden. Dies könnte natürlich auch für Ihren Schwiegervater zutreffen. Das würde aber bedeuten, daß er eine neue Adresse von Angehörigen hatte. Aber Sie schrieben ja, dass er in Frankfurt an der Oder verstarb.

Wo es überall in Deutschland solche Zwischenlager gab, kann ich Ihnen nicht sagen. Damit habe ich mich nicht beschäftigt. Vielleicht hilft diese Webseite: http://www.die-feldpost-2-weltkrieg.org/index.php?topic=2718.0

Das ist leider alles, was ich für Sie tun kann.

In der Hoffnung, daß Sie doch noch irgendwo Erfolg haben, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Buwert

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Die Zeugen jener Zeit werden weniger. Da ist es umso erfreulicher, wenn diese Erinnerungen an Krieg und Gefangenschaft hinterlassen. Nicht anders als einen Glücksfall aber muß man den Umstand nennen, daß die Tochter von Josef Rechenauer aus Großholzhausen in Oberbayern, der 2010 neunzigjährig verstarb, dessen erstaunlich intensiven und detaillierten Aufzeichnungen dem Blog zur Verfügung stellte, nachdem sie bei der Recherche nach dem Ort Mesinowka auf die Internet-Plattform gestoßen war.

Gefangenschaft[1] in Mesinowka

Südlich von Prag, nahe Deutsch Brod, zwischen Iglau und Tábor, gerieten wir, die 97. Jägerdivision, in Gefangenschaft. Nachdem eine riesige Menge von uns gesammelt war, wurden wir über Znaim bis nach Preßburg getrieben, zu Fuß wohlgemerkt. In Preßburg kam der Zug, und dann ging es wieder hinein über Budapest nach Rumänien. An der rumänisch-russischen Grenze wechselte die Spurbreite[2]. Umsteigen in breitere Viehwaggons.

Von Rumänien fuhren wir Richtung Odessa, Kiew, dann hinauf nach Moskau, über Brjansk schätze ich, und dann von Moskau Richtung Osten, wahrscheinlich die Bahnlinie Moskau – Kasan. Da waren mehrere Lager.

Oft blieb der Zug stundenlang auf einem Bahnhof stehen. Ich hatte den Eindruck, die wußten auch nicht, wo sie uns hinbringen sollten. Da waren sie auch überfordert, eine ganze Armee gefangen nehmen und in Lager verteilen.

Im Mai war der Krieg aus. Es wird fast Ende Juni geworden sein, bis der qualvolle Transport voller Durst, Hunger und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in Obabiotek (phonetisch) endete. Unsere Einheiten waren völlig durcheinandergewürfelt, ich war jetzt mit mir bisher unbekannten Kameraden zusammen.

Jetzt noch der Fußmarsch zum Lager in Fünferreihen. Vor dem Lagertor muß die Kolonne warten, bis der Balken aufgeht, die erste Fünferreihe läuft hindurch, schon saust der Balken wieder herunter, aufpassen, daß man davon nicht noch einen Schlag ins Genick bekommt, und gleich geht’s mit der nächsten Reihe weiter.

Übrigens die berüchtigten Zählappelle! Wehe, es bestand keine Übereinstimmung! Alles nocheinmal von vorne!

Das erste Lager, in das ich kam, hieß Wtorowo, das lag noch vor Kasan, ungefähr auf halber Strecke zwischen Moskau und Gorkij. Das nächste hieß Mesinowka mit der Lagernummer 7190/3 (lag auch in der Nähe vom ersten Lager, aber südlich von Wladimir), jetzt Mesinowsijk im Nationalpark Meschtschora, ein Teillager von Wladimir, ebenso wie Wtorowo, Rusino, Schuja, Tejkowo und Wjasniki. Wladimir war unser Hauptlager.

Nördlich von Wladimir liegt  Susdal[3], das war ein berüchtigtes Offizierslager, hauptsächlich waren dort Offiziere und Generäle interniert, u.a. auch unser Oberbefehlshaber, General Ferdinand Schörner.[4]

In unserem Lager standen die Baracken schon. Auch hatte jeder ein eigenes Bett, das waren so Stockbetten. Aber es gab welche, die kamen auf’s freie Feld  und mußten sich die Baracken erst selber bauen.

Im großen und ganzen waren die einzelnen Russen uns gegenüber schon einigermaßen fair. Einige spuckten vor uns aus oder spien uns an. Die meisten legten uns aber nichts in den Weg. Wie es halt überall ist.

Als wir einmal mit der Bahn in ein anderes Lager verlegt wurden, spien uns russische Zivilisten an nach dem Aussteigen. Da hat uns allerdings unser Begleitposten verteidigt und auf diese Russen dreingedroschen, ohne Rücksicht, und sie von uns weggetrieben.

Lager Mesinowka Nr. 7190/3, gezeichnet von Josef Rechenauer

Die Lagerleitung hatten Baltendeutsche inne, deren Vorfahren schon seit der Zarenzeit in Rußland waren. Diese  vermittelten immer zwischen Russen und den deutschen Gefangenen.

Das Lager in Mesinowka lag an einem riesigen Moorgebiet (heute Nationalpark Meschtschora). Dort war unsere erste Arbeitsstelle. Bei jeder Witterung mußten wir Torf auf das Förderband der Wurstelmaschine schaufeln. Der Torf wurde für ein E-Werk zur Stromerzeugung benötigt.

Wir arbeiteten bei den Torfmaschinen täglich acht Stunden in zwei Schichten, von 6 Uhr früh bis 14 Uhr. Und von 14 Uhr bis abends um 22 Uhr.

Im Sommer arbeiteten wir im Torf und im Winter im Wald. Dort mußten wir Baumstämme heraustragen. Vier Meter lange Stämme wurden von vier Personen getragen, zwei links, zwei rechts. Sechs Meter lange Stämme benötigten sechs Personen  –  auf Kommando wurde aufgehoben.

Das Holz wurde auf Lastwagen verladen und nach Moskau gebracht. Wer weiß, wie viel Holz wirklich angekommen ist, denn unterwegs verkauften die Fahrer schon einen Teil – schließlich kämpften sie auch ums Überleben.

Auch das Holz für unsere Unterkunftsöfen mußten wir selber heimbringen.

Es gab eine Verfügung, wonach Kriegsgefangene bei minus 40 Grad Kälte nicht mehr zur Arbeit ausrücken müssen. Da die Lagerkommandantur unserer Thermometerablesung aber nicht traute, telephonierte sie nach Moskau, um die richtige Temperatur zu erfahren. Moskau meldete  nur  minus 35 oder 38 Grad Kälte – in der Stadt ist es ja etwas wärmer als auf freiem Feld –  und dann mußten  wir trotzdem hinaus. Obwohl es bei uns vielleicht minus 44 Grad waren.

Als Kleidung trugen wir Wattejacken und Wattehosen von den Russen. – Das war es ja, daß 1941/42, dem schlimmsten aller russischen Winter, schon so viele von uns erfroren und es so viele Erfrierungen gab, weil unsere Wehrmacht keine Winterkleidung hatte. Nur weil Hitler glaubte, er könne die Sowjetunion noch vor dem Winter niederringen.

Josef Rechenauer

[1] Alexander Solschenizyn hat in seinem Buch »Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch« das Leben im Lager exakt    beschrieben. Genauso erging es uns Gefangenen.

[2] Bis Focsani in Rumänien ging damals die auf russische Spurbreite umgelegte Eisenbahnlinie aus dem Osten.

[3] Der Kinderbuchautor und Geschichtenerzähler Otfried Preußler, der 1944 in Rumänien in Gefangenschaft geriet, besuchte in den 1960er Jahren Susdal. Er schrieb über diese Zeit seiner Gefangenschaft später sehr schöne Artikel: »Verlorene Jahre?« – »Stille  Teilhaber« – »Gefangen in Jelabuga« und »Die Glocken von Susdal« (Otfried Preußler: Ich bin ein Geschichtenerzähler).

[4] Oberbefehlshaber Schörner, unser General, war in Susdal gefangen; das war ein berüchtigtes Speziallager für Generäle und Offiziere. Er ist 1954 oder 1955 erst heimgekommen und kurz darauf gestorben.

Fortsetzung folgt.

 

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„Woher können Sie nur so gut Russisch?“ lautete die erste Frage des Teams vom Staatlichen Fernsehsender Minsk, das am Samstag nach Erlangen gekommen war, um mit Wolfgang Morell ein Interview zu dessen Kriegsgefangenschaft in Lagern der UdSSR zu führen. Für den heute 97jährigen schien es von Beginn seiner Festsetzung im Januar 1942 an klar, daß er lange in Feindesland würde bleiben müssen, und um zu überleben, sollte man die Sprache lernen. Systematisch begann er damit in Kasan, nach seiner Entlassung aus dem Spital von Wladimir, wo man dem „Fritz“ das Leben gerettet hatte, im Hospital für Kriegsgefangene – man stelle sich derartige Einrichtungen in Nazi-Deutschland vor! -, wo ein jüdischer Starosta als Dolmetscher fungierte. Von diesem Stubenältesten lernte der gebürtige Breslauer immerhin das Alphabet und die Grundlagen des Russischen, das er bis zu seiner Entlassung in die Heimat 1949 nahezu perfekt beherrschte und bis heute dank der Partnerschaft mit Wladimir so frisch und lebendig erhält, daß das Gespräch, von dem hier gar nicht mehr verraten werden soll, mit den weißrussischen Gästen fast ganz ohne die Hilfe der mitgereisten Dolmetscherin geführt werden konnte.

Wolfgang Morell im Interview

Gestern dann befragte das Team auch noch Günter Kuhne in Gera, der als „Bestarbeiter“ im Wladimirer Traktorenwerk eingesetzt war. Gesendet werden soll die Reportage im Mai 2020 zum 75. Jahrestag des Kriegsendes. Aber die Journalisten versprachen, den Link zu den Interviews schon vorab zu schicken, um das zeitgeschichtliche Dokument im Blog zugänglich zu machen.

P.S.: Heute wird in Lüsche, im Oldenburger Land, Franz Sieve zu Grabe getragen. Auch er ein Kriegsgefangener in Wladimirer Lagern. Auch er hatte der Blog-Redaktion ausführlich Bericht über seine Zeit hinter Stacheldraht erstattet. Er ruhe in Frieden.

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Heute wieder einmal eine Suchanfrage. Es geht um die Geschichte der Gefangenschaft von Jan Hindrik Beuker (15.11.1910-23.01.1983). Er hinterließ für 1945 bis 1948 nur ganz kurze Kalendernotizen, entziffert von seinem Großneffen, Gerrit Jan Beuker, die Hinweise auf seine Aufenthaltsorte geben und die vielleicht letzte Chance bieten, noch Zeitzeugen zu finden, die sich an den Kameraden aus Oeveringen, heute Emlichheim, bei Neuenhaus, Kreis Bentheim, auf halbem Weg zwischen Hannover und Amsterdam an der niederländischen Grenze gelegen, erinnern können.

Zwantien und Jan Hindrik Beuker, Heimaturlaub, 1941

Der Wehrmachtssoldat war u.a. in der Ukraine eingesetzt und machte dann den Rückzug von Smolensk über Minsk bis in den Landkreis Zwittau mit, bis er nach „Überschreiten der Moldau“ am 11. Mai 1945 „dem Schein nach in amerikanische Gefangenschaft“ geriet, bevor man ihn einen Tag später an die Sowjetarmee übergab. Nach vielen Zwischenstationen auf dem Weg nach Osten findet sich dann folgender Eintrag im Tagebuch (hier schon redaktionell überarbeitet):

Am 24.12.46: mit 130 Mann verladen und am 29.12. ins Hospital Kameschkowo eingeliefert,  200 km östlich Moskau, 40 km von Wladimir.

Jan Hindrik Beuker, 1939, Ausbildung

Dort verbleibt er offenbar längere Zeit. Im Januar 1947 kommt er von Stube 6 auf Stube 8, im Juni von Bau 2 nach Bau 3. Vom 10.07. bis zum 06.08.1947 arbeitet er in der Küche. Am 10.08. verlegt man ihn ins Lager Mesinowka, wo er am 11. August „OK geschrieben“ wurde, was arbeitsunfähig bedeutet, wörtlich „Genesungsgruppe“. Am 25. August stufte man den Rekonvalezenten in die Kategorie 3 ein, die bereits leichte Arbeit ermöglicht, weshalb dann auch der nächste Eintrag vom 28.10. bis 21.11. lautet „W. Müller, Küche“ – und dann: 23.11.-02.12. „Garnison Küche“. Dieser Einsatz brachte den Gefangenen offenbar wieder zu Kräften, so daß er am dem 22. Dezember als Torfverlader arbeiten kann, bis er ab dem 13. Januar 1948 im Kanalbau eingesetzt wird. Über Gus-Chrustalnyj ging es dann am 7. März nach Wladimir, wo am 10. März der Zug gen Westen abfuhr.

Gerrit Jan Beuker arbeitet derzeit an der Biographie seines Onkels und wäre dankbar für weitere Angaben zu dessen Leben in der Gefangenschaft.

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Im Oktober 2015 reiste Moritz Nestor mit einer fränkisch-schweizerischen Delegation von Psychiatern und Psychologen nach Wladimir und machte so auch Bekanntschaft mit der Städtepartnerschaft und dem Versöhnungswerk zwischen Deutschen und Russen, als dessen Protagonisten man zweifelsohne Fritz Wittmann sehen darf. Nun ist im Blog https://naturrecht.ch ein Beitrag erschienden, der hier nicht fehlen soll:

Moritz Nestor, 3. v.l.

Am 2. Januar 2001 erschien unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters von Erlangen, Dietmar Hahlweg, dem Initiator der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir, die erste Auflage des einzigartigen Buchs „Rose für Tamara“ von Fritz Wittmann. Der Autor verfaßte dieses Buch in Zusammenarbeit mit Peter Steger, dem Städtepartnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen. Der bewegende Untertitel des pensionierten Lehrers aus Baiersdorf lautet: «Bei einer russischen Umarmung spürt man selbst zur Winterszeit noch durch die dickste Wattejacke die Herzlichkeit.» Einer, der es am eigenen Leibe erfahren hat, schreibt so.

Fritz und Elisabeth Wittmann

Das Buch enthält die Erinnerungen von Fritz Wittmann und weiteren zehn ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen, die Jahre nach dem Krieg in Lagern der russischen Stadt Wladimir und in anderen Lagern der UdSSR lebten.

Das östlich von Moskau hinter der Front gelegene Wladimir wurde im Sommer 1941 nach dem Einmarsch der Wehrmacht zur Lager- und Lazarettstadt umfunktioniert. Als der deutsche Vormarsch im Winter vor Moskau gestoppt wurde, verschlug es die ersten Erlanger als Kriegsgefangene nach Wladimir.

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Im Vorwort zur zweiten Auflage des Buches von 2008, dem 25jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir, schreibt der Baiersdorfer Erste Bürgermeister, Andreas Galster: «Ja, es gab viele schreckliche Erlebnisse. Aber hatten die deutschen Soldaten nicht erst den Schrecken in ein Land gebracht, das keinen Krieg wollte? Und mußten sie nicht mit Rache und Haß rechnen? Um so erstaunlicher, mit wieviel Mitgefühl und Anteilnahme seitens der Bevölkerung und teilweise sogar der Bewacher und Befehlshaber, vor allem aber des Krankenhauspersonals die Kriegsgefangenen behandelt wurden. Eben davon erzählen die Autoren des Sammelbandes, der von Fritz Wittmanns humanem Geist und ungebrochenem Willen zur Versöhnung geprägt ist. In Wladimir war man übrigens von diesem Friedenswerk so angetan, daß man es bereits 2002 in russischer Übersetzung und ergänzt durch Erinnerungen von russischen Zeitzeugen veröffentlichte.»

Der Autor hat dafür den ersten Preis des Deutsch-Russischen Forums für Bürgerengagement erhalten. Es sollte eine „menschliche Feindberührung“ sein, schreibt Fritz Wittmann. Ein Projekt, das ihm gelungen ist.

Vor allem besticht das Buch den Historiker durch eine Geschichtsschreibung „fernab von allen Klischees und Feindbildern, aber auch ohne jede Beschönigung und Geschichtsglättung“. Eine Rarität an Objektivität und Sachlichkeit, gepaart mit Menschlichkeit und Völkerfreundschaft, fernab von Auftragsgeschichtsschreibung.

Still wird man beim Lesen, sehr still. Ein Buch, das in jeden Politik- und Geschichtsunterricht gehört. Und man wünscht sich, es würden diese Veteranen der Wehrmacht, die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges, mehr respektiert. Sie wissen, was Krieg in Rußland heißt, sie waren in Stalingrad, und sie kennen das russische Volk aus ureigener Erfahrung – als Soldaten und als Gefangene. Und zwar so gut wie keiner von den Eliten in Regierungsverantwortung, die den Respekt vor dem Krieg verloren haben und dabei sind, uns erneut in den Krieg zu treiben.

Moritz Nestor

Restexemplare des Buches sind noch gegen 10 Euro zu beziehen über peter.steger@stadt.erlangen.de

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Nirgendwo sonst in der grausamen Geschichte des Zweiten Weltkriegs hatten sich zwei Feinde so erbittert ineinander verbissen wie hier, nirgendwo sonst schlugen zwei Regime eine derart schwere Schlacht, hinterließen innerhalb von 200 Tagen und Nächten auf einer Fläche, die den Benelux-Staaten entspricht, derart viele Tote, Verwundete und Versehrte, machten mehr Gefangene als in Zarizyn, das Josef Stalin schon 1925 nach sich selbst hatte umbenennen lassen und das seit 1961 Wolgograd heißt

Wolgograd 1

An seiner, an des selbsternannten Lehrers aller Völker, steht seit 1973 Wladimir Lenin, der in seinem politischen Testament vor dem Nachfolger gewarnt und den Personenkult verurteilt hatte, verewigt mit einer 27 Meter hohen Betonplastik am Eingang zum Wolga-Don-Kanal.

Wolgograd 2

Die Wolga durchströmt und prägt die Stadt auf einer Länge von 60 bis 80 km – so genau weiß das hier niemand zu sagen – und hat von hier noch 400 km Wegs bis zur Mündung ins Kaspische Meer vor sich. Über den längsten Strom Europas verlief damals in den Kriegsjahren die Versorgung der Bevölkerung, von der in einer einzigen Nacht vom 22. auf den 23. August 1942 geschätzte 40.000 Zivilisten bei den Luftangriffen der Wehrmacht – mit über 2.000 Einsätzen – ums Leben kamen.

Wolgograd 3

Stalingrad wurde schon durch diese Bombenangriffe dem Erdboden gleichgemacht, doch was in den folgenden 200 Tagen und Nächten noch kommen sollte, übertrifft bis heute alle Vorstellungen. Die nach ihrem einstigen Besitzer und Betreiber, dem Wolga-Deutschen Alexander Gerhardt – er kam schon 1933 in den Kerkern des KGB ums Leben – benannte Mühle ist so ein architektonisches Wundmal jener Zeit, 58 Tage lang eingekesselt, beschossen, bombardiert und als Mahnung bis heute erhalten.

Wolgograd 4

In unmittelbarer Nähe das Panorama-Museum, wo die Etappen der Schlacht um Stalingrad nachgestellt sind, wo der Irrsinn dieses Vernichtungskrieges auch für die nachgeborenen Generationen erlebbar bleibt.

Wolgograd 5

Doch immer wieder bleibt der Blick an den letzten Mauerresten hängen, die noch übrig sind.

Wolgograd 6

Und fällt auch auf ein Denkmal, das man hier nicht unbedingt erwartet, eine Gedenkstätte für die Opfer der „politischen Repressionen“, womit die „Säuberungen“ gemeint sind, von denen die Stalin-Ära geprägt war.

Wolgograd 7

Stalingrad wurde von beiden Seiten als kriegsentscheidend begriffen. Von hier aus wollte der Führer des Dritten Reichs weiter vordringen zu den Ölquellen am Kaspischen Meer und zum Kaukasus, von „seiner“ Stadt aus wollte der Gegenspieler im Kreml die Wende herbeiführen und den Feind zurückschlagen. Der Strom, der jetzt so still und mächtig dahinfließt, stand damals, im August 1942, in Flammen, als die Treibstofflager bombardiert wurden, später färbte sich sein Wasser rot mit Blut.

Wolgograd 8

„Auf Knochen gebaut ist unsere Stadt“, sagen die Einwohner heute, und wer ein Fundament aushebt, findet mehr Granatsplitter und Patronenhülsen als Steine. Von der halben Million Einwohner, die Stalingrad vor der Schlacht hatte, blieben am Ende wenige Tausend; von den Verlusten bei den kämpfenden Einheiten wollen wir lieber gar nicht sprechen, zu unterschiedlich sind da die Schätzungen.

Wolgograd 9

In unglaublicher Anschaulichkeit ist der Schlachtverlauf im Panorama-Museum zu sehen, von den ersten Bombenabwürfen bis hin zur Einnahme des Mamaj-Hügels durch die Sowjetarmee.

Wolgograd 10

Und bis hin zur Gefangennahme der Deutschen, Rumänen, Ungarn, Kroaten und Italiener, die sich entgegen dem Führerbefehl schließlich doch in den ersten Februartagen 1943 ergeben hatten. 110.000 sollen den Weg in die Lager angetreten haben, von denen nur zwischen 5.000 und 6.000 in die Heimat zurückkehrten.

Wolgograd 11

Von hier aus gelangten die Gefangenen auch in die Lager der Region Wladimir. Und wer da meint, das Kapitel sei nun abgeschlossen, irrt. Noch immer sind Angehörige auf der Suche nach Spuren.

Wolgograd 12

So sucht Lutz Michel über den Blog nach noch lebenden Kameraden, die seinen Opa, Ludwig Michel, gekannt haben könnten. Aus Marburg stammend geriet er am 10. Mai 1945 in Prag in Gefangenschaft und wurde zunächst nach Gus-Chrustalnyj und dann nach Wladimir gebracht. Im August 1948 dann wegen schwerer gesundheitlicher Probleme die Rückführung in die Heimat.

Wolgograd 13

„Mir geht es wie vielen“, schreibt der Enkel: „es gbit in meiner Familie wenig bis gar keine Informationen. Ich vermute, bald ist es zu spät, aber ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben.“

Wolgograd Madonna

Der Lazarettarzt Kurt Reuber schuf mit seiner Stalingrad-Madonna ein solches Symbol der Hoffnung, das den Maler, der 1944 im Gefangenenlager verstarb und nicht mehr heimkehrte, überlebte und als Mahnung gedacht war, den Frieden zu bewahren.

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Der hierzulande unverdientermaßen viel zu wenig bekannte russische Autor, Dmitrij Mereschkowskij, hat einer seiner Novellen den Titel „Die Liebe ist stärker als der Tod“ gegeben. Ein Motto, das auch über dem nun – einen guten Monat vor seinem 92. Geburtstag – zu Ende gegangenen Leben von Alfred Trautner hätte stehen können. Die Liebe seines Lebens galt neben seiner Frau Christine, um die zu werben er einst von Erlangen nach Köln radelte, all den vielen Freunden in Wladimir, deren ungezählte Namen und Anschriften jetzt nur noch das Notizbuch des Verstorbenen kennt. Allein eine Adresse fehlt darin: die jener Ärztin, die dem einstigen Belagerer von Leningrad im Gefangenenlager mindestens das Bein vor der Amputation rettete, indem sie den Deutschen vor einer Kommission versteckte. Unter Einsatz des eigenen Lebens und obwohl ihr eigener Mann an der Front gefallen war. Der Wunsch, dieser mutigen Frau noch einmal persönlich danken zu können, blieb bei aller Hilfe seitens der Wladimirer Freunde unerfüllt.

Alfred Trautner 1942

Alfred Trautner 1942

Vielleicht aber war auch jene lebensprägende Erfahrung Antrieb und Grund für diese grenzenlos weite Liebe zu „seinen Russen“. Vielleicht hatte ja diese Medizinerin ihn gelehrt, daß die Liebe wirklich stärker sein kann als der Tod, und vielleicht lebte in ihm deren Liebe fort, die nun seine Freunde in Wladimir tröstet.

Alfred und Christine Trautner mit Erich Ganzmann und Ehepaar Wassilij und Jelena Smirnow 2014

Alfred und Christine Trautner mit Erich Ganzmann und Ehepaar Wassilij und Jelena Smirnow 2012

Seit Mitte der 80er Jahre begleitete Alfred Trautner die Städtepartnerschaft. Kaum eine Veranstaltung des „Arbeitskreises Wladimir“ an der Volkshochschule, die er ausgelassen hätte, erst recht kein Konzert des Ensembles „Rus“ oder des Kammerchors von Eduard Markin. 1989 dann die erste Reise mit dem Stadtverband Kultur an den Goldenen Ring, der weitere Fahrten folgten mit kameradschaftlichen Kontakten zu den russischen Veteranen, die ihm bald  den Ehrentitel „Spion der Freundschaft“ verliehen, weil er gar so wißbegierig und emsig in allen Dingen der Verständigung und Versöhnung war. Schließlich die unendlich lange Liste der Gäste aus Wladimir, die in seinem Haus und Garten in der Schillerstraße ein- und ausgingen und dort auch Quartier bezogen, solange seine Frau dies gesundheitlich leisten und bieten konnte. Ohne Zahl die Briefe, die er – meist mit einem Geldschein als Dreingabe versehen – in die Partnerstadt expedierte oder von dort – oft schon von fleißigen Helferlein vor Ort übersetzt – ungeduldig in Empfang nahm.

Christine und Alfred Trautner mit Ensemble und Familie von Igor Besotosnyj, 2014

Christine und Alfred Trautner mit Ensemble und Familie von Igor Besotosnyj, 2014

Auch wenn es ungerecht gegenüber all den anderen erscheinen mag, seien doch einige Namen von Menschen genannt, die Alfred Trautner in Wladimir besonders nahestanden: Nikolaj Schtschekonogow, der Kriegsveteran; Tamara Anischtschuk, die Deutschdozentin; Alexander Lemeschkin, der Sänger; Jelena Smirnowa, Model und Fernsehmoderatorin, mit ihrem Mann Wassilij; die Musiker-Familie von Igor Besotosnyj, die den damals schon schwerkranken Freund noch im Dezember im Krankenhaus besucht hatte. Das so weite Herz von Alfred Trautner hat zu schlagen aufgehört, aber seine Liebe zu Wladimir lebt in den Menschen dort weiter.

Stationen seines Lebens sind hier nachzulesen: http://is.gd/UBtlPL

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