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Sein Berufstraum war Künstler, geworden ist er Priester und Blogger. Der Auftritt des Popen Georgij Parfjonow gehört zu den erfolgreichsten in der russischen Blogosphäre, nicht nur gemessen an den Zugriffen, sondern auch nachgezählt in klingender Münze. Innerhalb eines Jahres nämlich sammelte der Gottesmann, der täglich um die vier Stunden im Internet unterwegs ist und nebenher auch noch Ikonen malt, fast zwei Millionen Rubel für die Restaurierung – oder soll man besser sagen für den Wiederaufbau? – der verfallenen Dorfkirche in Podberjosje, unweit von Susdal gelegen.

Georgij Parfjonow

Im März vergangenen Jahres hat Georgij Parfjonow sich bei Facebook registriert, angefangen,  von der Idee der Sanierung des Gotteshauses zu schreiben, Freunde zu werben und um Unterstützung zu bitten. Jetzt zählt seine virtuelle Gemeinde um die 3.000 Mitglieder, darunter gekrönte Häupter aus Serbien, eine Opernsängerin aus England und prominente welsche Damen. Sogar einen Professor aus Cambridge hat der umtriebige Pope schon durch den hohen Schnee bis zu seiner Sorgenkirche geführt.

Kirche in Podberjosje

Die Kirche ist schon die dritte, die der Pfarrer in den drei von ihm betreuten Gemeinden restauriert. Noch fehlen 750.000 Rbl. für die Bauarbeiten, aber die kommen bestimmt noch zusammen, ist er überzeugt. Schließlich lebt er selbst möglicherweise auch nur noch dank dem Internet. Als er nämlich einen lebensbedrohlichen Steinbrocken in der Lunge hatte, waren es seine Facebook-Freunde aus Israel, die ihm den Kontakt zu Fachärzten herstellten. Und die machten den Eingriff kostenlos. Seither liegt auf seinem Schreibtisch ein Olivenzweig aus dem Garten Gethsemane.

Georgij Parfjonow mit seiner Familie

Unterdessen bewegt das Land ein ganz anderer Schreibtisch, nämlich der des Patriarchen Kirill. Der traf sich vor einiger Zeit mit dem Justizminister, um eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zu besprechen, und trug dabei seine lästerlich teure Breguet-Uhr, deren Existenz er noch vor einer Woche nach Vorwürfen der Protzerei und Prunksucht rundweg geleugnet hatte. Er trage derlei verschwenderische Chronometer nicht, behauptete das Oberhirte der russisch-orthodoxen Kirche. Doch das Internet überführte Kirill der Lüge, denn ausgerechnet auf der offiziellen Homepage des Patriarchats fanden sich Bilder des Kirchenführers mit just jenem Zeitmesser aus der Schweiz am linken Arm. Doch siehe da: Eifrige Hände hatten schon zu Photoshop gegriffen und den Sündenfall getilgt, freilich stümperhaft, denn der Widerschein der Uhr blieb auf der glänzenden Tischplatte sichtbar. Zu spät, um jetzt noch eine Decke darüberzulegen.

Der verräterische Tisch und die verschwundene Uhr des Patriarchen. Gut sichtbar per Doppelklick.

Die Schuldige freilich hat die Pressestelle schon gefunden: eine junge, weltliche Mitarbeiterin, die eigenmächtig gehandelt, einen „dummen Fehler“ gemacht habe, für den man sie hart bestrafen werde. Die retuschierten Photos sind mittlerweile gelöscht, Patriarch Kirill ist – peinlich genug – wieder mit der eidgenössischen Uhr zu sehen. Ein Eingeständnis der Lüge ohne Worte, ohne Erklärung, ohne Entschuldigung. Auch ohne Reue? Nächste Woche beginnen in Rußland die Kartage. Petrus hat immerhin bitterlich geweint über seinen Verrat. Vielleicht spendet der Patriarch ja sein Juwel für den Wiederaufbau der Kirche in Podberjosje. Damit nähme das „Uhrenwunder“, wie man den Vorgang in Rußland nennt, eine wirklich wunderbare Wendung. Vielleicht geschehen Wunder ja auch nur, wenn man an sie glaubt. 

Mehr zu dem Projekt von Georgij Parfjonow unter: www.facebook.com/ierejgeorgij.parfenov

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