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Posts Tagged ‘Rossoschka’


Still ist es hier draußen, eine halbe Autostunde vor den Toren der Stadt, in Rossoschka, wo die Wehrmacht auf ihrem Vormarsch auf Stalingrad in zwei Dörfern, Bolschaja Rossoschka und Malaja Rossoschka, dem Führerbefehlt entsprechend, „keinen Stein auf dem andern“ ließen, hier draußen, wo bis heute kein Haus mehr steht, keine Kirche, keine Schule.

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Still ist es hier draußen, wo nur die Grillen und Lerchen zu hören sind und ein duftender Wind über die Gräser und Blumen streicht, hier wo nur die Steine sprechen und anrührende Zeichen der Mahnung an den schrecklichsten der Schrecken, den Mensch in seinem Wahn.

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Es ist der Deutschen Kriegsgräberfürsorge zu verdanken, wenn heute gefallene Sowjetsoldaten und Wehrmachtsangehörige ihre letzte Ruhestätte nach jener weltverschlingenden Schlacht um Stalingrad, zwischen Wolga und Don geschlagen, auf einem gemeinsamen Friedhof gefunden haben, ohne jede Stilisierung und Überhöhung – und doch in packender Weise eindrucksvoll durch die Nennung all der Namen, derer, die man aus dem Kampfgebiet hatte hierher überführen können, derer, von denen nur noch der Name als Erinnerung geblieben ist.

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Hier, wo die Panzerketten den Boden pflügten und die Granaten Krater rissen, hier, unweit des ehemaligen Flugplatzes Gumrak, hatte bereits die Wehrmacht einen Soldatenfriedhof für etwa 600 Gefallene eingerichtet, 600 von fast 170.000, die in einer Kampfzone von der Größe der Benelux-Staaten ihr Leben ließen für jene Ideologie „Lebensraum im Osten“, getrieben vom Willen, die als „minderwertig“ deklarierten Rassen, darunter die Slawen, zu versklaven und zu vernichten.

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In den 90er Jahren entstand hier auf einer Fläche von sechs Hektar diese Gedenkstätte unter freiem Himmel, wo auch an die einstigen Bewohner der beiden Dörfer erinnert wird, getötet, verschleppt, vermißt…

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Wie verleiht man Grauen, Greuel und Gram würdigen Ausdruck? Eine in der unendlichen Geschichte der Kriege immer wieder neue Aufgabe für die Hinterbliebenen und spätere Generationen. Hier, in der weiten Steppe vor Wolgograd überzeugend gelungen mit den Steinwürfeln, in die oben und auf allen vier Seiten in alphabetischer Reihenfolge die Namen der Toten gehauen stehen.

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17 sprechende Granitbrocken mit den Namen der nicht mehr zu bergenden 14.563 Wehrmachtssoldaten, weitere 126 Würfel bewahren je 900 Namen, insgesamt 119.505, von Vermißten.

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24.427 Soldaten konnte man bergen und identifizieren. Ihre Namen, zum Teil schon wieder verwittert, finden sich einer Mauer, von der die Gedenkstätte umgeben ist.

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Von den mehr als drei Millionen deutschen Kriegsgefangenen traten von Stalingrad aus fast 100.000 den schweren Marsch in die Lager – auch nach Wladimir – an, ein Umstand, an den hier in der stillen Steppe vor Wolgograd eine weitere Granitkomposition erinnert.

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Ebenso wie ein Gedenkstein des gemeinsamen Erinnerns vom Bund der ehemaligen Stalingradkämpfer.

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Zeichen der Erinnerung, Zeichen der Versöhnung auf einer Schädelstätte der deutsch-russischen Geschichte, die hoffentlich im Geist des Friedens und der Verständigung weitergeführt wird.

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Symbol dafür soll auf dem Gelände der Gedenkstätte von Rossoschka eine Kapelle werden. Der Grundstein liegt schon, das Fundament ist noch zu legen, der Bau könnte bald beginnen, hier in der stillen Steppe vor Wolgograd, wo einst zwei Dörfer standen.

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