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Posts Tagged ‘Rosenkranzgemeinde Wladimir’


Katholische Geistliche legen keinen besonderen Wert auf ihren Geburtstag. Mit der Priesterweihe oder der Konfeß erleben sie eine neue Geburt im Herrn und stehen – das gilt besonders für Ordensleute – in der Nachfolge eines Heiligen. So ist es denn auch kein Fauxpas, wenn der Blog erst heute daran erinnert, daß gestern Sergej Sujew, der sich als Priester altrussisch nach dem Heiligen Sergij nennt, seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Deshalb hier auch keine Würdigung seiner Person, auch wenn es dafür weiß Gott genug Gründe gäbe, sondern die Pressemitteilung der Wladimirer Staatskanzlei zu einem Ereignis, das bereits am 26. November 2018 stattfand und exemplarisch zeigt, wie mustergültig sich die Katholiken auf allen Ebenen in das Miteinander von Religionen und Konfessionen der Region Wladimir eingebunden wissen.

Empfang im Weißen Haus, der Staatskanzlei der Region Wladimir, für Paolo Pezzi und Sergej Sujew

Am 26. November empfing Gouverneur Wladimir Sipjagin den Metropoliten der römisch-katholischen Erzdiözese der Gottesmutter in Moskau, Erzbischof Paolo Pezzi, der der Region Wladimir einen pastoralen Besuch abstattet. Wladimir hatte er bereits im Jahr 2011 einmal zur V. Internationalen wissenschaftlich-praktischen Mariä-Schutz-und-Fürbitt-Konferenz besucht.

Paolo Pezzi und Sergej Sujew

Bei der Begrüßung des Gastes auf dem altehrwürdigen Boden Wladimirs dankte der Gouverneur für die fruchtbare Zusammenarbeit der katholischen Kirche mit unserer Region. Dies betreffe vor allem das kulturelle Leben, bemerkte Wladimir Sipjagin. Schon seit langer Zeit werden in der Wladimirer Rosenkranzkirche Konzerte mit klassischer Musik oder Orgelwerken sowie literarisch-kulturelle und Vorträge zur Erwachsenenbildung für die Gemeindemitglieder und sonstige Interessierte veranstaltet.

Ich möchte der Wladimirer katholischen Gemeinde für die Organisation dieser Veranstaltungen danken. Sie festigt nicht nur die Spiritualität und den Glauben der Menschen, sondern hilft auch, unserer Jugend die besten Beispiele der Weltmusikkultur näherzubringen.

Paolo Pezzi und Wladimir Sipjagin

Der Gast merkte seinerseits an, die Region Wladimir gehöre zu seinen Lieblingsgegenden in dem Land, in dem er schon seit mehr als 20 Jahren lebe:

Ich bin gerne hier. Ungeachtet dessen, daß die katholische Gemeinde Wladimirs nicht besonders groß ist und nur etwas mehr als 200 Seelen zählt, ist sie, wie mir scheint, organisch und produktiv mit der hiesigen Gesellschaft verwoben. Mit Unterstützung der Regionalregierung führt man hier einen konstruktiven Dialog zwischen den verschiedenen Konfessionen.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs diskutierte man weitere Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit.

Rosenkranzkirche, gesehen von Wladimir Fedin

Zur Erinnerung: Die katholische Gemeinde in Wladimir wurde 1891 von Balten und Polen, meist Militärs, die hier stationiert waren, gegründet. 1892 begann man mit dem Bau der Kirche im neugotischen Stil, der Anfang 1894 schon abgeschlossen war. 1904 erhielt die Gemeinde den Autonomiestatus und zählte Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 1.000 Mitglieder. Nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 blieb die Kirche zunächst noch bis 1930 geöffnet, der letzte Pfarrer der Gemeinde, Anton Dziemszkiewicz, starb 1937 den Märtyrertod. Später nutzte man den Kirchturm als Sendemast, das Schiff u.a. als Schuhmacherei; sogar Wohnungen richtete man hier ein. Erst ab 1990 begann mit Unterstützung aus Erlangen der Wiederaufbau von Gemeinde und Kirche, die am 24. Juli 1993 mit dem italienischen Pfarrer, Stefano Caprio, neu geweiht wurde. Seit 2004 steht der aus Sankt Petersburg stammende Sergij Sujew der Gemeinde vor. Der Geistliche fungiert als Mitglied des Regionalrates für zwischennationale und interkonfessionelle Beziehungen und gehört der Regionalen interkonfessionellen Kommission sowie dem Zivilgesellschaftlichen Rat des Innenministeriums der Region Wladimir an. Die Rosenkranzgemeinde dient seit Jahren als Zentrum für den interkonfessionellen Dialog, und sowohl die Protestanten als auch die Mitglieder der Armenischen Apostolischen Kirche feiern hier Gottesdienst. Ganz zu schweigen von dem interkonfessionellen Jugendaustausch mit Erlangen und dem Bau des Pilgerhauses, Themen, von denen sicher auch hier wieder bald zu berichten sein wird.

 

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Eben erst aus Wladimir zurückgekehrt sind Jutta Schnabel und Felix Mörsberger, und schon liefern sie einen Bericht für den Blog.

Es gibt Jugendleiter, die haben Wladimir noch nie im Winter gesehen. Da das auf alle Fälle ein Versäumnis ist, das man schnellstmöglich beseitigen sollte, machten wir uns von der Nadjeschda-Jugend, leider nur zu zweit, dieses Jahr schon im Februar in die Partnerstadt auf, um die Begegnung mit der Universität und der Rosenkranzgemeinde für dieses Jahr vorzubereiten. Der frühe Termin hatte wohl auch damit zu tun, daß wir uns heuer schon im April mit zwanzig erwartungsfreudigen jungen Leuten aufmachen werden, unsere russischen Freunde in wiederzusehen. Also trotzten wir den windigen -14 Grad und dem Schnee und machten uns auf ins kalte, aber winterlich schöne Wladimir.

Jutta goldenes_tor_schnee_klein

Goldenes Tor im Schnee

Nach der üblichen Anreise per Flugzeug und Zug über Moskau nach Wladimir setzten wir uns am ersten Tag gleich nochmal in den Zug, um mit drei unserer Partner bis nach Nischnij Nowgorod weiterzufahren, die Stadt der Wahl für unseren diesjährigen Austausch. Hinter zwei verfallenen Häusern fanden wir hier die katholische Gemeinde, in der wir warm empfangen wurden und gleich das Komplettpaket für unseren Besuch in Aussicht gestellt bekamen, mit Unterkunft im Klostergebäude, jeder Menge guter Tips für das Programm, wenn wir denn zu Ostern kommen würden, und einer guten Erklärung zu der manchmal schwierigen Lage der Gemeinde in der Stadt. Danach genossen wir wegen des weniger einladenden Wetters vor allem die Buntheit der Pelmeni und die verwirrende Vielfalt koffeinhaltiger Heißgetränke der Gastonomieangebote in der Fußgängerzone, der ideale Platz, um gemeinsam das planerische Großprojekt für den nächsten Tag vorzudenken, da wir tags darauf bei einem Seminar die Weichen für den gesamten Austausch für das Jahr 2019 stellen wollten.

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Felix Mörsdorfer, sechster v.l. und Jutta Schnabel, ganz rechts im Bild, vor der Planungswand

Vielleicht dank dieser kaffeegestärkten Vorgespräche schafften wir es wirklich, an einem Seminartag mit insgesamt zehn Leitern zwei komplette Austauschprogramme zu planen – natürlich noch mit ein paar Platzhaltern und offenen Stellen, doch schon einer guten Vorstellung, wie unsere Tage in Wladimir und der Besuch der russischen Gruppe im Sommer ablaufen würden. Das funktionierte vor allem, weil wir uns inzwischen untereinander gut kennen und auch über die Jahre gelernt haben, daß dieses persönliche Verständnis die Grundlage eines guten Austauschs bildet. Das wurde uns besonders bei unserer Diskussion zu Beginn des Seminars klar, als wir uns über unsere gemeinsamen Ziele in der Begegnung austauschten und feststellten: Kern einer erfolgreichen Begegnung sind gegenseitiges Vertrauen und Kennenlernen der anderen in kleinen Gruppen oder ganz persönlich. Mit kreativen Wortneuschöpfungen wie „Nuklearisation“ für die Begegnung in diesen Kernbeziehungen oder durch die schöne Sprachfigur „ответная открытость“, welche die gegenseitige „antwortende Offenheit“ für uns als Leiter – aber auch gegenüber neuen Teilnehmern – beschreiben soll, versuchten wir, unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren, um die diesjährige Begegnung tatsächlich nicht nur zu einem informativen Ausflug in ein neues Land, sondern eine teifgreifende Erfahrung werden zu lassen.

So innerlich erwärmt, stellten wir uns auch noch dem letzten kalten Tag, an dem ein Treffen mit den „alten Herren“ unserer Begegnung, Pfarrer Sergej Sujew, dem Universitätsseelsorger, Vater Warfolomej und Professor Jewgenij Arinin die offizielle Seite des Austausches in den Blick nahm. Hier ging es um die Rahmenbedingungen, denn über die Jahre entstanden im Umfeld der Begegnungen nicht nur neue Formen der Zusammenarbeit, sondern auch ein Forschungsprojekt der Universität, das den Einfluß interkultureller Begegnungen auf die Wertebildung von Jugendlichen untersucht. Neben der Einbeziehung von Nischnij Nowgorod ist heuer noch etwas ganz neu: Dieses Jahr nehmen mehr russische Jugendliche an unserem Programm teil, die von der namensgleichen, aber nicht verwandten Organisation Nadjeschda für Waisen in Wladimir betreut werden, und auch die orthodoxe Seite wird die Begegnungen durch Angebote und Treffen unterstützen. Nach dieser intensiven Arbeit genossen wir schließlich einen unserer Meinung nach wohlverdienten letzten Abend im Kreis unserer alten Bekannten, um bei Tee und Nudeln zu pflegen, was im Austausch begonnen wurde – unsere Freundschaft.

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So kann man sich die Bürgerpartnerschaft nur wünschen – mit einem Verein, der nicht nur etwas für den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir tut, sondern der es auch trefflich versteht, darüber zu berichten, frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“!

Dieser Tage ging die Homepage https://nadjeschda-erlangen.de an den Start, ein Portal, das Informationen rund um die Aktivitäten des Fördervereins Nadjeschda bietet, der 2002 in Erlangen mit dem Ziel gegründet wurde, innerhalb der Städtepartnerschaft in Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde zu Wladimir ökumenische Jugendbegegnungen zu unterstützen. Blogleser wissen es längst aus den vielen, über die Jahre verstreuten Reiseberichten der Jugendgruppen, aber nun soll die Homepage alles zusammenfassen, was den Förderverein im Innersten zusammenhält – mit den Rubriken „Aktuelles“, „Verein“, „Jugend“, „Aktiv werden“ und „Kontakt“ oder Links zu Projektpartnern sowie zum Homepageauftritt JADA Erlangen-Wladimir unter: https://is.gd/kcgWkA

Vieles, wenn nicht alles – auch auf der neuen Homepage – hängt nun davon ab, was weiter im Verein geschieht, der sich natürlich auch über neue Mitglieder freut. Schauen Sie zumindest einmal virtuell vorbei, vielleicht bekommen Sie ja Lust, selbst auch aktiv zu werden und die Zukunft des Austausches mitzugestalten. Добро пожаловать – Willkommen bei Nadjeschda!

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Auch wenn man sagen könnte „alle Jahre wieder“, ist es doch alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn der Staatliche Regionalsender des Gouverneurs Wladimir auch heuer wieder am Heiligen Abend die Weihnachtsbotschaft von Sergej Sujew ausstrahlte, der nicht nur für seine insgesamt höchstens 500 katholischen Seelen spricht, wenn es im Vorspann zu Sendung heißt:

Die römisch-katholische Kirche in Wladimir

Heute feiern die Katholiken auf der ganzen Welt den Heiligen Abend. In der Katholischen Kirche zum Heiligen Rosenkranz der Allerheiligsten Jungfrau Maria ist alles bereit für das Fest: feierliche Girlanden, der Christbaumschmuck, die Weihnachtssterne, die Krippe und das Konzertprogramm. Und wenn Pfarrer Sergej Sujew dann selbst sagt:

Ich begrüße Sie alle, besonders freudig all jene Christen, die nach dem westlichen Kalender heute die Geburt Christi feiern. Heute ist Heiliger Abend, der Vorabend der Geburt Christi, und natürlich möchte ich an diesem Tag allen herzlich gratulieren und Freude sowie den Segen für dieses Freudenfest wünschen, das wir Katholiken heute auf besondere Weise begehen. Morgen dann, am eigentlichen Weihnachtsfest, am 25. Dezember, finden zwei Gottesdienste statt, um 12 Uhr mittags und für alle, die arbeiten, um 19 Uhr am Abend. Diese Tage bringen uns auch dem Neuen Jahr näher. Wir haben dazu ein herrliches Konzertprogramm vorbereitet. Am 29. Dezember gibt es gleich zwei Auftritte. Und vom 2. Januar an gibt es jeden Tag Orgel- und Kammermusikkonzerte. Ich wünsche allen Frohe Weihnachten. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Frieden in der Seele, Frieden auf den Straßen unserer Stadt, unseres ganzen Landes und auf der ganzen Welt. Möge Gott, der so klein und schutzlos in unsere Welt kam, uns darin bestärken und uns die Vorfreude auf etwas Heiliges und Gutes schenken.

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Es standen nach zwei Jahren gestern abend wieder Wahlen für den Vorstand des Vereins Nadjeschda an. Im Amt bestätigt wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig als Vorsitzender Dekan Josef Dobeneck mit seiner Stellvertreterin, Hannelore Röthlingshöfer, sowie Georg Kaczmarek als Kassier. Auch alle anderen wiederzubesetzenden Posten in dem 38 Mitglieder zählenden Verein zur Förderung des ökumenischen Jugendaustausches mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir erhielten – übrigens am dreizehnten Todestag von Pfarrer Konrad Wegner, dem Gründer von Nadjeschda – das Vertrauensvotum.

Georg Kaczmarek, Hannelore Röthlingshöfer und Josef Dobeneck

Die Förderung der alljährlichen Jugendbegegnungen mit Wladimir soll nun auf noch mehr katholische und evangelische Gemeinden ausgeweitet werden, nachdem in der Partnerstadt in diesen Austausch neben den Katholiken auch die orthodoxe Diözese und die Universität – vor allem mit den Lehrstühlen für Religionswissenschaft und Journalistik – eingebunden sind. Davon und von anderen Aktivitäten des Vereins, der zu Deutsch „Hoffnung“ heißt sicher bald mehr hier im Blog.

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Wenn man heute in Wladimir Eduard Sirin zu Grabe trägt, verabschiedet man sich von einem Mann, der zusammen mit seiner Mutter Walentina Anfang der 90er Jahre die katholische Gemeinde zu neuem Leben erweckte. Mit einer kleinen Spende aus Erlangen startete er eine Anzeigenkampagne, auf die hin sich die notwendigen 50 Interessenten meldeten, um eine Pfarrei zu gründen. Doch das war erst der Anfang eines langen Kampfes um die Anerkennung der Gemeinde als solches und vor allem um die Rückgabe des ihr vor der sowjetischen Enteignung gehörenden Grundstücks mit den seinerzeit vom Landesmuseum genutzten Gebäuden, sprich der Kirche und des Pfarrhauses.

Eduard Sirin, links im Bild, bei der Pilgerreise der Rosenkranzgemeinde nach Bamberg und Erlangen im Jahr 2000

Beharrlich arbeitete sich der mütterlicherseits polnischstämmige Eduard Sirin mit Unterstützung aus Erlangen durch alle Instanzen und schaffte es endlich sogar, mit dem Italiener, Stefano Caprio, den ersten Geistlichen nach Jahrzehnten für die Rosenkranzgemeinde zu finden. In den letzten Jahren hatte sich – auch krankheitsbedingt – der Wiederbegründer des katholischen Lebens in Wladimir zurückgezogen. Nun starb er mit nur 62 Jahren. Sein Werk hingegen lebt fort. R.I.P.

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Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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