Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Rose für Tamara’


In der vorvergangenen Nacht verabschiedete sich Fritz Wittmann für immer von seiner Frau Elisabeth und Tochter Johanna. Seinen 92. Geburtstag, den er am kommenden Sonntag noch einmal richtig groß hatte feiern wollen, erlebte der Weltkriegsveteran nicht mehr, mit dessen Tod das vielleicht bemerkenswerteste Kapitel der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir zu Ende geht. Der ehemalige Leiter der Volksschule Möhrendorf schrieb nämlich Geschichte mit seinem Leben für die Versöhnung zwischen Deutschen und Russen. Dabei hatte alles, wie den Stationen seiner Autobiographie zu entnehmen, ganz anders begonnen:

Fritz und Elisabeth Wittmann

Als Hitler an die Macht kam, war ich sechs Jahre alt. Ich kam in die Schule und lernte „deutsch zu fühlen und deutsch zu denken“. Als ich 23 geworden war, kehrte ich aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Als Kind hatte ich teil an der Illusion der Mehrheit aller Deutschen, der Führer werde Deutschland in eine neue Zukunft führen. Wir sangen schon bald „Deutschland, heiliges Wort“ und von den „Fahnen, die wir fliegen lassen sollten in das große Morgenrot, das uns zu neuen Siegen leuchten sollte oder brennen uns zum Tod“. Daß letzteres so furchtbar wahr werden sollte für Millionen, das dachten wir nicht. Als ich 1944, fünf Tage nach dem Attentat auf Hitler, Soldat wurde, war die Illusion, den Krieg siegreich zu beenden, längst dahin. Daneben blieb aber unvorstellbar, daß wir den Krieg verlieren. Auf dem Weg zur Front an der Oder sagte uns ein Soldat, der von Anfang an an der Ostfront gekämpft hatte: „Wenn wir den Krieg verlieren, dann Gnade uns Gott.“ Zu jener Zeit waren die meisten meiner Kameraden, wie auch ich, überzeugt, daß wir sowieso die Niederlage Deutschlands nicht überleben würden. Zu oft hatten wir gehört, daß es besser sei, „in Ehren zu sterben, als in Schande zu leben“. Anfang Februar 1945 kam ich an die Oderfront. Dort warteten wir bis Anfang März auf den Beginn der russischen Offensive. Nach deren Beginn waren wir drei Tage später in Küstrin-Neustadt schon eingeschlossen. Am Morgen des 11. März wurde mir die erste „Feindberührung“ zu einem Erlebnis, das für mein weiteres Leben von entscheidender Bedeutung wurde. Ich habe diese „menschliche Feindberührung“ in „Der Russe lebt“ 40 Jahre später zu Papier gebracht. In der stundenlangen Nähe dieses Meinesgleichen von der anderen Seite gab ich meiner Mutter das Versprechen, mich auf keinen Fall selbst zu erschießen. (Nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft erfuhr ich, daß mein Bruder Hans zu dieser Stunde in der Nähe von Danzig gefallen war.) Von da an beschäftigte mich die Vorstellung an ein Leben in Gefangenschaft. Ich fand im Gedanken, daß dort, wo Soldaten herkommen, auch Mütter sind, einen Ausweg in meiner ausweglosen Lage. Wie sehr mir von dieser Mütterlichkeit später Hilfe und Rettung werden würde, ahnte ich damals nicht. Als wir dann in der folgenden Nacht die russische Umzingelung durchbrachen und ich zehn Tage lang mit einer Gruppe von zwölf Mann im bereits von der Sowjetarmee besetzten Westpommern herumirrte, wurde mir klar, daß die Hingabe meines Lebens ein sinnloses Opfer wäre. Als wir am Morgen des 21. März von einer russischen Streife umzingelt waren, ergaben wir uns, ohne Widerstand zu leisten.

1990 verdichtete sich die erste Feindberührung so:

Der Russe lebt

Am 11. März 1945 / rückten wir in unsere Stellung ein / im Waldfriedhof von Küstrin. / Da lag, / das Gesicht mit Tannenreis bedeckt, / ein toter russischer Soldat. / Nur wenige Meter / von unserem Schützengraben entfernt, / ließ er mir keine Ruhe. / Stunde um Stunde kam er mir / in meinen Gedanken näher. / In einer Feuerpause der russischen Granatwerfer / zog es mich zu ihm hin. / Ich hob das Reis und erschrak / über das junge Gesicht. / Ich dachte an seine Mutter und an meine. / Diese Gedanken haben den mir anerzogenen Haß / tödlich verwundet. / Sie retteten mir das Leben. // Nun sind diese erste tote russische Soldat und / seine mir unbekannte Mutter / in meinen Gedanken und Träumen. / Solange ich lebe.

Erlanger und Wladimirer Veteranen, Juni 1995

Aktenkundig ist die Verbindung von Fritz Wittmann zur Städtepartnerschaft seit 1987, als in den Erlanger Nachrichten ein Leserbrief erschien, in dem der im mittelfränkischen Rohr geborene und nun im oberfränkischen Baiersdorf lebende Pensionär Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg zu dem mutigen Schritt gratulierte, diesen Kontakt aufzunehmen und davon sprach, Russisch lernen zu wollen, um selbst bei diesen Beziehungen eine aktivere Rolle spielen zu können. Als regelmäßiger Gasthörer im Arbeitskreis Wladimir der Volkshochschule lernte er bald alle entscheidenden Akteure des Austausches kennen und half immer mehr selbst, Begegnungen zu organisieren. Stellvertretend dafür steht das Konzert des Kammerchors Elegie 1990 in Baiersdorf und die Sammlung von Spenden für dessen Mitglieder. Dann, ein Jahr später, der große Schritt, die erste Reise nach Wladimir, zusammen mit der zehnköpfigen ersten Erlanger Veteranendelegation anläßlich des 50. Jahrestages des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Bleibend sein Eindruck damals, zum Ausdruck gebracht vom Vorsitzenden des Wladimirer Veteranenverband, Jakow Moskwitin: „Wir wollen uns gegenseitig die Schuld nicht vorhalten.“ Hier, wo er in Nikolaj Schtschelkonogow, der, wie sich herausstellte, dem SS-Mann 1945 in Küstrin unbekannterweise gegenübergelegen hatte, einen zum Freund gewordenen einstigen Feind fand, hier auf dem Platz des Sieges am 22. Juni 1991 in der Partnerstadt muß es wohl gewesen sein, daß Fritz Wittmann seine Friedensmission als persönliche Berufung annahm, gespeist von einer tiefen Spiritualität und einem lebensfrohen Glauben.

Es folgte 1992 der Gegenbesuch der Wladimirer Veteranen, ein Jahr später die Gastspielreise des Veteranenchors mit einem Auftritt in Rohr wie in Baiersdorf, immer umsorgt von Fritz Wittmann, der es verstand, einen ganzen Freundeskreis aufzubauen und einen Kreis „Liebe – Friede – Leben“ zu entwerfen, der in Wladimir gestickt wurde. Wladimir sollte ihn nicht mehr loslassen. Reise auf Reise folgte mit Vorträgen, Gesprächen, immer neuen Freundschaften – und schließlich die Idee, seine vier Jahre währende Gefangenschaft, die ihn bis die Kohlenschächte des Ural führte, ohne je geschlagen worden zu sein, niederzuschreiben und in das 2001 erschienene Buch „Rose für Tamara“ auch die Erfahrungen anderer Wehrmachtssoldaten aufzunehmen, nachdem der Autor bereits 1986 und 1990 Teil 1 und 2 seines aphoristischen Werks „Lachen und Weinen unter dem Apfelbäumchen“ und 1999 zusammen mit seinem jüdischen Freund, Percy Gurwitz, in Wladimir seine „Gereimten Kommentare“ publiziert hatte.

Fritz 10

Oberbürgermeister Florian Janik bei der Überreichung des Friedenskreises an Wladimirer Veteranen mit Jelena Owtschinnikowa, Sergej Sacharow, Peter Steger und Birgitt Aßmus im Erlangen-Haus

„Rose für Tamara“, 2003 in der Übersetzung von Nadeschda Jewrassowa auch in Wladimir herausgegeben, erhielt im Jahr 2002 aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau den „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ und erlebte als Wegbereiter des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger vor zehn Jahren eine Neuauflage. 2010 schließlich erfuhr Fritz Wittmann auch in Erlangen die verdiente Auszeichnung mit dem Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften.

Peter Steger, Alexandra Gräfin von Lambsdorff, Fritz Wittmann, Brüne Soltau, Johannes Rau und Jürgen Ganzmann bei der Preisverleihung 2002 in Berlin

„Land meiner zweiten Geburt“ nannte der Verstorbene Rußland, dessen Schicksal ihn bis in seine letzten Tage beschäftigte und wo man in einer Umarmung „selbst zur Winterszeit noch durch die dickste Wattejacke die Herzlichkeit spürt“. Er teilte diese Erfahrungen mit dem Veteranenkreis um Friedhelm Kröger, trug diese Botschaft aber auch stets auf den Lippen, etwa mit den Zeilen, die er gern rezitierte:

Fritz 11

Fritz Wittmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Oberbürgermeister Siegfried Balleis bei der Verleihung des Ehrenbriefes 2010

Im Krieg begruben wir / auf beiden Seiten unsere Toten. / Nun gedenken wir ihrer gemeinsam / und reichen uns, Deutsche und Russen, / die Hand zum Frieden.

Thomas Rex, Peter Steger, Fritz Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow mit den Friedensspaten, 2008 in Erlangen

Diese „Hand zum Frieden“ ist nun erkaltet. Es ist an uns, einander, Deutsche wie Russen, Herzen und Hände im Geist von Fritz Wittmann zu wärmen und im seinen Sinne darauf zu trinken, daß es nur noch Veteranen des Friedens geben möge. Wie und daß das geht, hat er uns vorgelebt wie kein zweiter.

Der Veteranenkreis um Friedhelm Kröger mit Fritz und Elisabeth Wittmann beim Empfang mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, 2017

P.S.: Ziemlich genau vor zwei Jahren schrieb Tatjana Parilowa, Mitglied des eingangs erwähnten Chores Elegie bei den Auftritten 1990, Fritz Wittmann zu seinem 90. Geburtstag eine Widmung, die hier im Blog erschien: https://is.gd/N2bakX Nur wenige Tage vor seinem Tod hatte die Musiklehrerin ihren Freund noch besucht – als sein letzter Gast aus Wladimir.

Read Full Post »


Im Oktober 2015 reiste Moritz Nestor mit einer fränkisch-schweizerischen Delegation von Psychiatern und Psychologen nach Wladimir und machte so auch Bekanntschaft mit der Städtepartnerschaft und dem Versöhnungswerk zwischen Deutschen und Russen, als dessen Protagonisten man zweifelsohne Fritz Wittmann sehen darf. Nun ist im Blog https://naturrecht.ch ein Beitrag erschienden, der hier nicht fehlen soll:

Moritz Nestor, 3. v.l.

Am 2. Januar 2001 erschien unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters von Erlangen, Dietmar Hahlweg, dem Initiator der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir, die erste Auflage des einzigartigen Buchs „Rose für Tamara“ von Fritz Wittmann. Der Autor verfaßte dieses Buch in Zusammenarbeit mit Peter Steger, dem Städtepartnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen. Der bewegende Untertitel des pensionierten Lehrers aus Baiersdorf lautet: «Bei einer russischen Umarmung spürt man selbst zur Winterszeit noch durch die dickste Wattejacke die Herzlichkeit.» Einer, der es am eigenen Leibe erfahren hat, schreibt so.

Fritz und Elisabeth Wittmann

Das Buch enthält die Erinnerungen von Fritz Wittmann und weiteren zehn ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen, die Jahre nach dem Krieg in Lagern der russischen Stadt Wladimir und in anderen Lagern der UdSSR lebten.

Das östlich von Moskau hinter der Front gelegene Wladimir wurde im Sommer 1941 nach dem Einmarsch der Wehrmacht zur Lager- und Lazarettstadt umfunktioniert. Als der deutsche Vormarsch im Winter vor Moskau gestoppt wurde, verschlug es die ersten Erlanger als Kriegsgefangene nach Wladimir.

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Im Vorwort zur zweiten Auflage des Buches von 2008, dem 25jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir, schreibt der Baiersdorfer Erste Bürgermeister, Andreas Galster: «Ja, es gab viele schreckliche Erlebnisse. Aber hatten die deutschen Soldaten nicht erst den Schrecken in ein Land gebracht, das keinen Krieg wollte? Und mußten sie nicht mit Rache und Haß rechnen? Um so erstaunlicher, mit wieviel Mitgefühl und Anteilnahme seitens der Bevölkerung und teilweise sogar der Bewacher und Befehlshaber, vor allem aber des Krankenhauspersonals die Kriegsgefangenen behandelt wurden. Eben davon erzählen die Autoren des Sammelbandes, der von Fritz Wittmanns humanem Geist und ungebrochenem Willen zur Versöhnung geprägt ist. In Wladimir war man übrigens von diesem Friedenswerk so angetan, daß man es bereits 2002 in russischer Übersetzung und ergänzt durch Erinnerungen von russischen Zeitzeugen veröffentlichte.»

Der Autor hat dafür den ersten Preis des Deutsch-Russischen Forums für Bürgerengagement erhalten. Es sollte eine „menschliche Feindberührung“ sein, schreibt Fritz Wittmann. Ein Projekt, das ihm gelungen ist.

Vor allem besticht das Buch den Historiker durch eine Geschichtsschreibung „fernab von allen Klischees und Feindbildern, aber auch ohne jede Beschönigung und Geschichtsglättung“. Eine Rarität an Objektivität und Sachlichkeit, gepaart mit Menschlichkeit und Völkerfreundschaft, fernab von Auftragsgeschichtsschreibung.

Still wird man beim Lesen, sehr still. Ein Buch, das in jeden Politik- und Geschichtsunterricht gehört. Und man wünscht sich, es würden diese Veteranen der Wehrmacht, die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges, mehr respektiert. Sie wissen, was Krieg in Rußland heißt, sie waren in Stalingrad, und sie kennen das russische Volk aus ureigener Erfahrung – als Soldaten und als Gefangene. Und zwar so gut wie keiner von den Eliten in Regierungsverantwortung, die den Respekt vor dem Krieg verloren haben und dabei sind, uns erneut in den Krieg zu treiben.

Moritz Nestor

Restexemplare des Buches sind noch gegen 10 Euro zu beziehen über peter.steger@stadt.erlangen.de

Read Full Post »


Wenn heute die vierzigköpfige Delegation um Oberbürgermeister Florian Janik nach Wladimir aufbricht, schließen die Erlanger Gäste mit ihren russischen Freunden den Friedenskreis von Fritz Wittmann und erfüllen damit das Versöhnungsvermächtnis des Kriegsveteranen. Vor 70 Jahren bei Küstrin in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten, steht der ehemalige Schulleiter wie kaum ein anderer für die Verständigung mit den einstigen Feinden. Ganz wörtlich zu nehmen, denn schon in den 80er Jahren begann er mit dem Erlernen der russischen Sprache, und 1991 gehörte er zu den ersten Weltkriegsteilnehmern, die nach Wladimir reisten, zum 50. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR. Aber auch übertragen zu nehmen – mit all seinen Aphorismen, Sinnsprüchen, Gedichten und Erinnerungen zu den Fragen von Krieg und Frieden.

Elisabeth und Fritz Wittmann

Elisabeth und Fritz Wittmann

Die stete Verdichtung des Gedankens führt den Autor des Buches „Rose für Tamara“ auch immer wieder zur Graphik, zu Zeichen in der Zeichnung. Der zweisprachige Friedenskreis ist dabei wohl die sinnbildlichste Darstellung der Lebenswelt von Fritz Wittmann. Ein Symbol, das der 89jährige, mittlerweile durch Krankheit am Reisen gehindert, heute mit nach Wladimir schickt als Friedensgruß an seine russischen Kameraden.

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Als Fritz Wittmann am 11. März 1945 im Waldfriedhof von Küstrin, zehn Tage vor seiner Gefangennahme, erstmals einen toten Rotarmisten zu Gesicht bekam, geschah wohl etwas, das ihn bis heute prägt und nicht mehr loslassen will: „Ich hob das Reis / und erschrak über das junge Gesicht. / Ich dachte an seine Mutter und an meine. / Diese Gedanken haben den mir anerzogenen Haß / tödlich verwundet. / Sie retteten mir das Leben. // Nun sind dieser erste tote russische Soldat und / seine mir unbekannte Mutter / in meinen Gedanken und Träumen. / Solange ich lebe.“

Read Full Post »


Vom 5. September 2001 ist ein Brief des im Vorjahr verstorbenen Germanisten Genrich Oserow an Fritz Wittmann datiert, der heute mit Zustimmung des Empfängers im Blog veröffentlicht wird. Das Schreiben spricht für sich, Kommentare erübrigen sich. Nur der Hinweis auf Jelena Prokofjewa sei hier gemacht, die Fritz Wittmann noch zu ihrer Wladimirer Studentenzeit in den 90er Jahren kennengelernt hatte und dann, schon in Deutschland, eine Magisterarbeit über die Erinnerungen deutscher Veteranen an ihre Zeit in sowjetischer Gefangenschaft vorlegte, die zu einem späteren Zeitpunkt hier noch vorgestellt werden soll.

Hans Gruß, Jelena Prokofjewa, Fritz Wittmann

Hans Gruß, Jelena Prokofjewa, Fritz Wittmann vor dessen „Friedenskreis“

Lieber Fritz! Gestern, nach einer Lesung aus Deinem Buch „Rose für Tamara“, ist es mir gelungen, in den Besitz eines Exemplars zu gelangen. Bei der Lesung waren ca. 40 Studenten und Dozenten anwesend. Das Buch wurde mit großem Interesse aufgenommen, es gab viele Fragen, auch die jüngere Generation zeigte sich von dem Gehörten tief beeindruckt. Nach Hause gekommen, vertiefte ich mich in die Lektüre Eurer Erinnerungen und konnte mich vom Buch nicht mehr losreißen, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Die Zeit habe ich gut in Erinnerung. In unserer Kleinstadt Galitsch (Gebiet Kostroma) gab es auch ein Hospital für die deutschen Gefangenen. Das größte Gebäude der Stadt wurde dem Hospital zur Verfügung gestellt. Ich habe damals als acht- bis zehnjähriger oft die Gefangenen durch die Stadt gehen sehen. Sie suchten auch die Wohnungen der russischen Bürger auf, boten Seife, Feuerzeuge und andere selbstgefertige Sachen zum Tausch gegen etwas Eßbares an. Für ein Pud (etwa 16 kg) Kartoffeln hat meine Mutter bei einem kurz vor der Heimkehr stehenden Soldaten seinen Militärmantel eingetauscht und einen Schal, was uns in jenen Notzeiten sehr zugute kam. Aus dem gefärbten Militärmantel hat meine Mutter für meine ältere Schwester einen Wintermantel genäht. Damit die Wunden besser heilen, haben die Soldaten am Ufer unseres Sees Riesenfässer angefertigt und aufgestellt und zu Heilzwecken mit Schlamm aufgefüllt, der vom Boden des Sees heraufgeholt wurde. Die Erinnerungen aus dem Buch sind mir so ans Herz gegangen, daß mir die Tränen richtig über die Wangen liefen. Mit Recht sagt man: Den Freund erkennt man in der Not. Die harten Zeiten des Krieges haben gezeigt, daß das Menschliche bei allen Nationen immer die Oberhand gewinnen wird über das Böse und Ungerechte.

Ich danke Dir und Deinen Veteranen für Dein neues Buch, für die Anregungen zur Menschlichkeit, zum besonnenen Leben und Handeln. Viele schöne Grüße an Deine Frau und Deine Kriegskameraden.

Genrich Oserow, Inhaber des Lehrstuhls für Deutsch an der Universität Wladimir. Mehr zu Fritz Wittmann unter: http://is.gd/pLzG8v

Read Full Post »


Am 24. März 1919 kam Leonhard Steger zur Welt, dessen Lebensweg vor sieben Jahren endete. Mit einem kleinen Rückblick auf diesen großen Menschen soll die lose Reihe über die Weltkriegsveteranen vorläufig schließen. Sie tut das mit dem Vermächtnis eines Mannes, dem die Gnade gegeben war, aus dem Fluch des Krieges einen Segen zu machen und damit seinen Kindern und Kindeskindern vorzuleben, wie man auch noch die schlimmsten Erlebnisse ins Gute wenden kann.

Leonhard Steger

Leonhard Steger

Der Frontsoldat Leonhard Steger ist nach dem Krieg nie mehr nach Rußland zurückgekehrt, aber er war in Gedanken bei jeder Reise seines Sohnes Peter dabei und erlebte die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir als spätes Wunder der Geschichte, an dem er selbst noch mitwirken konnte mit vielen Spenden für die humanitären Hilfsaktionen oder so symbolisch schönen Gesten wie dem Empfang für den Wladimirer Veteranenchor 1992 mit selbstgeschmierten Broten und Salz.

Leonhard Steger

Leonhard Steger

Aus Anlaß seines Geburtstages und anstelle eines Nachrufes gibt es heute im Blog leicht gekürzt das „Grußwort des Beauftragten für die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, Friedensveteran mit langjähriger Nahkampferfahrung in Freundberührung mit Rußland“ aus dem Sammelband „Rose für Tamara“ zu lesen, 2001 von Fritz Wittmann und Peter Steger herausgegeben.

Leonhard Steger mit Kamerad in russischem Dorf

Leonhard Steger mit Kamerad in russischem Dorf

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich ausgerechnet Slawistik mit Schwerpunkt Russisch studiert habe. Je nach Situation und Fragesteller antworte ich dann mehr oder weniger lapidar, daß ich damit das Erbe meines Vaters angetreten habe.

Sacharino, September 1942, Vernichtung für Mensch und Tier!

Sacharino, September 1942, Vernichtung für Mensch und Tier!

Mein Vater, Jahrgang 1919, war in seiner Jugend rasch in den Bann der nationalsozialistischen Verführer geraten und sah schon bald in einer militärischen Laufbahn den einzigen Ausweg für sich. Seine Eltern, die einen kärglichen Bauernhof in Hartenstein, Mittelfranken, bewirtschafteten, erkannten wohl Intelligenz und Begabung des einzigen Sohnes, konnten aber nicht das Schulgeld aufbringen, um ihm den Berufswunsch Lehrer zu erfüllen. Stattdessen wurde er in das ungeliebte Metzgerhandwerk gedrängt und gezwungen, seine Bildung selbst in die Hand zu nehmen.

Soldatengräber

Soldatengräber

Persönliche Enttäuschungen sowie mangelnde Entfaltungsmöglichkeiten und Verzweiflung über die ärmlichen Lebensverhältnisse machten ihn anfällig für die Verheißungen und Aufstiegsversprechen der Reichswehr. Rasch fand er Gefallen an Disziplin und Hierarchie, bewährte sich als Ausbilder und trat der Waffen-SS bei. Als er im Elsaß vom „Unternehmen Barbarossa“ erfuhr, meldete er sich freiwillig an die Ostfront und machte zunächst als Kundschafter, später als Panzeroffizier den gesamten Feldzug bis zur Schlacht bei Kursk sowie den Rückzug mit. Sieben Verwundungen – einen Granatsplitter trägt er noch immer im Kopf – überlebte er, aber das Erschrecken und Grauen über die Grausamkeiten des Krieges wirken bis heute schmerzlich nach. Wie viele seiner Altersgenossen kam er moralisch gebrochen nach Hause, mußte sich einige Zeit vor den Alliierten verstecken und bekam erst Ende der 50er Jahre mit der Gründung einer Familie wieder Boden unter die Füße.

Leonhard Steger im Tarnanzug

Leonhard Steger im Tarnanzug

Meine Kindheit ist geprägt von den Erzählungen des Vaters über die Kriegserlebnisse. Den Brjansker Wald kenne ich, als hätte ich dort selbst die Wölfe heulen hören; die Stalinorgel saust mir um die Ohren, als wäre ich selbst von ihr mit Beschuß belegt worden; ich habe den Geruch der russischen Katen in der Nase; der Geschmack der Schokolade, aus der eisernen Ration, eingetauscht gegen Tabak, hängt mir in den Zähnen; ich sehe die erhobenen Arme der Gefangenen, unter eigener Lebensgefahr wieder freigelassen; ich spüre den Todeshauch von Fleckfieber; ich sehe die brennenden Panzer und Strohdächer; ich kaue das mit Muschiks geteilte Brot; ich stehe am Grab der unbekannten Kameraden und unschuldigen Feinde. In allen Erzählungen war das Generalthema: „Die russischen Menschen sind gut; sie haben uns, die Angreifer, immer als Menschen behandelt und das wenige, das sie hatten, mit uns geteilt.“

Leonhard Steger beim Spähtrupp

Leonhard Steger beim Spähtrupp

Als ich dann ins Gymnasium kam, sollte ich Russisch lernen. Eine Estin aus Reval, die in einem Nachbarort lebte und zu der ich – ohne Führerschein – einmal die Woche mit dem Traktor fuhr, unterrichtete mich zwei Jahre lang mit Lehrbüchern aus der DDR, doch pädagogisches Geschick auf der einen und Lerneifer auf der anderen Seite hielten sich in engen Grenzen, so daß ich über die Anfangsgründe der Fremdsprache kaum hinausgelangte. Und als ich dann die Schule wechselte und wir später nach Hersbruck zogen, brach der Unterricht ganz ab. Dennoch hatte ich unter meinen Schulkameraden meinen Spitznamen weg: Iwan.

Leonhard Steger mit Granatsplitter im Lazarett

Leonhard Steger mit Granatsplitter im Lazarett

„Die Zukunft liegt in Rußland! Lerne Russisch, und Du hast die Zukunft!“ Diese Aufforderungen fielen in der Pubertät und Adoleszenz mit all ihren Aufbäumungen und Revolten, Irrwegen und Verwirrungen auf unfruchtbaren Boden, doch der Keim war gelegt. Als es galt, sich für ein Studienobjekt an der Universität Bamberg zu entscheiden, fiel die Wahl auf Anglistik und Slawistik. Mit dem Russischen mußte ich wieder ganz von vorne beginnen, noch unsicher, ob ich bei der Sache bleiben würde. Doch nach der ersten Sowjetunionreise 1983, ermöglich vom Vater, war für mich die Gewichtung klar: Russisch wurde mein Hauptfach, Herz und Verstand galten der Kultur, der Literatur und den Menschen der Sowjetunion. Die Entscheidung war damals nicht einfach, Slawistik galt als „Orchideenfach“ ohne Aussicht auf praktische Anwendung. Doch das konnte ich durch Begeisterung für die Sache ausgleichen.

Leonhard Steger verabschiedet einen Kameraden

Leonhard Steger verabschiedet einen Kameraden

1987 erfuhr ich von der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir und meldete mich als ehrenamtlicher Dolmetscher. Meine Feuertaufe erlebte ich mit Michail Firsow, dem Leiter des Folklore-Ensembles RUS auf der Bühne der Stadthalle in Erlangen, wo ich dessen fünfzehnminütigen Vortrag ohne Punkt und Komma über das Programm seiner Truppe völlig unvorbereitet zu übersetzen hatte. Seither kann mich nichts mehr schrecken. Rasch wuchs ich in die Städtepartnerschaft hinein, erfuhr Förderung von den Verantwortlichen im Rathaus und trat Ende 1989 in die Dienste des Bürgermeister- und Presseamts.

Leonhard Steger

Leonhard Steger

Von Beginn meiner Arbeit an habe ich mich besonders dem Gedanken der Versöhnung zwischen Deutschen und Russen verpflichtet gefühlt. Und so war es mir denn auch ein Herzensanliegen, die Veteranen der Partnerstädte zusammenzuführen. Der 50. Jahrestag des Überfalls der Hitler-Truppen auf die UdSSR erschien mir hierfür der geeignete Anlaß. Es bedurfte einer langwierigen und sensiblen Vorarbeit, um die Idee, zu diesem traurigen Jubiläum, Kriegsteilnehmer aus Erlangen nach Wladimir einzuladen, Gestalt annehmen zu lassen. In Jakow Moskwitin, einem Oberst der Sowjetarmee und dem Vorsitzenden des Wladimirer Veteranenverbands, fand ich schließlich einen Menschen, der bereit war, die Hand auszustrecken. Unter Leitung von Stadtrat Heinrich Pickel, der als einer der ersten seinerzeit über den Bug gesetzt hatte, reisten darauf zehn Veteranen aus Erlangen nach Wladimir.

Leonhard Steger, 2. v.l., beim Suppefassen

Leonhard Steger, 2. v.l., beim Suppefassen

Was dort an menschlich Bewegendem geschah, hat alle Mitwirkenden und Zeugen tief beeindruckt und geprägt. Ich persönlich rechne diese Begegnungen voller Versöhnungs- und Verständigungsbereitschaft zu meinen wichtigsten Erlebnissen überhaupt und schöpfe daraus eine nie versiegende Kraft für meine weitere Arbeit. Eine Kraft, die mich darauf verpflichtet, alles in meinen Kräften Stehende daran zu setzen, das Netz der Partnerschaft zwischen den Menschen beider Städte so eng und fest zu knüpfen, daß kein Vorurteil, keine Ideologie, keine Parole es mehr würde zerreißen können.

Leonhard Steger mit Kameraden zu Pferde

Leonhard Steger mit Kameraden zu Pferde

Die Feinde von einst mußten erkennen, daß sie auf beiden Seiten betrogen und verhetzt worden waren und im Grunde gar nichts gegeneinander hatten. Der Krieg wurde nun auch in den Köpfen und Herzen besiegt. Es kam zu Gegenbesuchen in Erlangen, der Veteranenchor aus Wladimir trat in der Partnerstadt auf, der Bayerische Soldatenbund organisierte Reisen, das Wladimirer Museum präsentierte eine Ausstellung zum Thema „Deutsche Kriegsgefange in Wladimirer Lagern“, der Veteran Nikolaj Schtschelkonogow verfaßte seine großartige „Erlangen-Hymne“, und nun veranstaltet die VHS Erlangen eine Podiumsdiskussion zum 60. Jahrestag des Unternehmens Barbarossa.

Im Morast von Rumänien

Im Morast von Rumänien

Seit dem Juni 1991 trage ich voller Stolz den Ehrentitel „Junger Veteran“. Wenn ich mich also nicht glücklich nennen darf, wer dann? In dem Land, an dessen Brandschatzung mein Vater teilgenommen hatte, habe ich ungezählte Freunde, durfte das Erlangen-Haus mit aufbauen, im Auftrag der Erlanger viel Gutes tun – und das Vermächtnis meines Vaters erfüllen. Dafür danke ich allen, die mich zu dem gemacht haben, der ich bin, und denen, die mich so sein lassen, wie ich bin.

Rückzug

Rückzug

Unmittelbar an das Vorwort schließt sich folgendes Gedicht an:

Kapitulation

Sie kamen… / um zu siegen – / und blieben / oft nur liegen / auf jenem Feld / der Ehre, / auf daß man ihn vermehre: / den Ruhm / von Volk und Land, / des Glückes Unterpfand.

Und wer nach Haus / gekommen, / war fremd, vor Scham benommen. / Die Wunden / heilten nie, / auch wenn man / sie verzieh, / sie schmerzen immer wieder, / grad jetzt im Mai, / wo Ginster blüht und Flieder.

Die Sünden ihrer Väter / verbüßen noch viel später / die Söhne, / die nicht wissen, / was dem verweinten Kissen / vom Vater anvertraut, / dem das Gewehr war Braut.

Sie tragen keine Schuld, / doch schulden sie Geduld / sich selbst, dem Sieger / und dem Täter, / sonst werden sie Verräter / an sich und ihrer Zeit, / die endlich scheint bereit, / das Wort „vergib“ zu sprechen / und mit dem Haß zu brechen.

Peter Steger, 8. Mai 2001

Leonhard Steger

Leonhard Steger

Nachsatz: Leonhard Steger hat für seinen Sohn Peter die Arbeit als Partnerschaftsbeauftragter nicht gefunden, doch ohne den Vater hätte der Sohn diese Aufgabe gar nicht erst gesucht. 

Danksagung an Volker Steger, den Hüter des Bildarchivs unseres Vaters.

Read Full Post »


„Über die spannendste Frage in bezug auf unseren Förderpreis, die Frage, wem dieser höchste Preis gebührt – darüber herrschte in der Jury von Anfang an nicht der geringste Zweifel. Es handelt sich um eine Städtepartnerschaft, die unserer Vorstellung von einer idealen Partnerschaft sehr nahe kommt. Dies zeigt schon die Tatsache, daß uns von vier verschiedenen Initiativen, die sich im Rahmen der Partnerschaft engagieren, Bewerbungen eingegangen sind. Nennen wir sie beim Namen: die Rede ist von der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir. Wir bitten Peter Steger für die Stadt Erlangen, Herrn Jürgen Ganzmann für die Barmherzigen Brüder Gremsdorf, Herrn Brüne Soltau für das Bayerische Rote Kreuz und Herrn Fritz Wittmann nach vorn.“

So begann auf den Tag genau vor zehn Jahren die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz ihre Laudatio auf die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, ausgezeichnet mit dem 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland. Die Verleihung fand in Schloß Bellevue statt, und die Preise wurden überreicht von Bundespräsident Johannes Rau. Ein unvergeßliches Ereignis, das auch in der Erinnerung noch den Atem stocken läßt.

Die Erlanger Preisträger mit Gabriele Krone-Schmalz

188 Bewerbungen waren für den Preis eingegangen, 15 Projekte wurden ausgezeichnet. Erlangen – Wladimir überzeugte gleich in vier „Disziplinen“: Erlangen-Haus, Rot-Kreuz-Zentrum, Lichtblick und Rose für Tamara. Die Erlanger Nachrichten schrieben damals, die Partnerschaft sei geadelt worden. Wenn dem so ist, dann haben die Akteure auch das Motto verinnerlicht, wonach Adel verpflichtet. Alle Projekte nämlich sind noch immer quicklebendig und haben sich weiterentwickelt: Das Erlangen-Haus ist erfolgreich wie nie zuvor, das Rot-Kreuz-Zentrum erlebt gerade eine Wiedergeburt, Lichtblick schuf die Säulen, auf denen der Blaue Himmel ruht, und die Rose für Tamara blüht weiter in der losen Folge von Erinnerungen ehemaliger Wehrmachtssoldaten an ihre Zeit als Kriegsgefangene in Wladimirer Lagern.

Die Erlanger Preisträger mit Johannes Rau

„Die Jury meint: diese Städtepartnerschaft stellt für alle deutsch-russischen Partnerschaften ein leuchtendes Beispiel dar und hat sich durch die kontinuierliche und effektive Arbeit den höchsten Preis verdient.“ Mit diesen Worten der Anerkennung schloß Gabriele Krone-Schmalz ihre Laudatio. Der Blog meint dazu in aller Bescheidenheit: „Dieser Satz gilt auch heute noch!“ In der Tat wurde die Städtepartnerschaft in der Folge noch mehrfach mit Ehrenurkunden bedacht, bis das Deutsch-Russische Forum zusammen mit der Robert-Bosch-Stiftung vor fünf Jahren entschied, den mit 10.000 Euro dotierten Preis nicht mehr zu vergeben. Wohl weil unter den nur rund 80 deutsch-russischen Städtepartnerschaften und sonstigen Initiativen, Vereinen und „Einzelkämpfern“ im Bereich des deutsch-russischen Bürgerengagements alle echten Aktivposten mittlerweile bekannt sind. Die Szene ist ja leider überschaubar.

In der Siegerrunde mit den Zweiplatzierten aus Jena: Handwerker am Europäischen Haus.

Heute ist ein Tag, einmal wieder all den Ehrenamtlichen zu danken, die unsere Bürgerpartnerschaft zu dem gemacht haben, was sie war, ist und sein wird. Der Dank geht aber auch an die Kommunalpolitik hier wie dort, der diese Verbindung eine Herzensanliegen bleibt. Genannt sei da heute einer besonders, Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, der heute vor zehn Jahren zwar die kleine Delegation leitete, sich aber bei der Preisverleihung bescheiden im Hintergrund hielt und die auf die Bühne schickte, „die auch die Arbeit machen“. Die kleine Geste eines Grandseigneurs – und die feinste Art des Adels.

P.S.: Ein Sonderdank an das Deutsch-Russische Forum und die Robert-Bosch-Stiftung. Ihre Unterstützung für die bürgerschaftlichen Kontakte beider Länder kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Eigentlich gehören die beiden Organisationen selbst längst ausgezeichnet!

Photos: Thomas Pinzka

Read Full Post »


Dörfler-Rosen im Garten des Erlangen-Hauses

Spätestens seit dem Band „Rose für Tamara“ von Fritz Wittmann mit den Erinnerungen von Kriegsgefangenen an ihre Lagerzeit in der Sowjetunion blüht die Rose auch in der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir für die Schönheit von Freundschaft und Liebe zwischen Menschen. Seit diesem Frühjahr gedeihen zwei neue Rosenstöcke im Garten des Erlangen-Hauses, ebenso liebevoll wie kenntnisreich von der Geschäftsführerin, Irina Chasowa, angelegt und gepflegt. Wurzeln geschlagen haben sie im lauschigsten Teil des Grundstücks, in unmittelbarer Nähe der Steinskulptur von Stefan R. Schnetz und der Sitzbank, wo Gäste und Besucher so gerne Platz nehmen. Einen Namen haben die dornigen Schönheiten dort auch bekommen: Dörfler-Rosen. Dazu gibt es eine Geschichte, wie sie nur die Partnerschaft schreiben kann.

Im Rosarium der Laufer Mühle. Photo: Nadja Steger

Im vorvergangenen Winter sind die Rosen im Garten des Erlangen-Hauses erfroren. Davon erfuhr Angela Dörfler, die Gründerin von Soroptimist International Wladimir und beschloß, Irina Chasowa und ihrem Team ein besonderes Geschenk zu machen, zwei Rosen der Züchtung Global Water. Die globalen Wasserprobleme standen nämlich im Vorjahr ganz im Zentrum der Aktivitäten des weltweit agierenden Frauenklubs, und als dessen Erlanger Dependance ihr Weihnachtstreffen 2009 in der Laufer Mühle in der Nähe von Adelsdorf ausrichtete, lag es nahe, sich bei der soziotherapeutischen Einrichtung für Suchtkranke auf besondere Weise zu bedanken. Dies geschah mit der Spende einer der letzten Soroptimist-Rosen für das Rosarium am 19. August 2010, persönlich gepflanzt von der Klubpräsidentin, Brunhild Schneider-Jonietz. Die beiden allerletzten Rosen kaufte freilich Angela Dörfler bei ihren Klubschwestern in Coburg und pflegte sie, bis im Dezember die Wladimirer Schwimmergruppe die winterfest gemachten Stöcke im Reisebus mitnahmen und dem Erlangen-Haus brachten. Dort überwinterten sie im Keller, doch im Frühjahr wären sie beinahe eingegangen, wäre da nicht der grüne Daumen von Irina Chasowa, die selbst schon fast nicht mehr daran glaubte, die Rosen wieder zum Blühen zu bringen. Könnten die Rosen ihre Geschichte selbst erzählen, wäre sie gewiß blumiger, aber auch so hat sie das Zeug zum Leitmotiv im Florilegium der Partnerschaft.

Im Garten der Laufer Mühle. Photo: Nadja Steger

Im zauberhaften Gartenreich der Laufer Mühle – zu jeder Jahreszeit lohnt sich dort ein Besuch! – findet man übrigens den rätselhaften Anfang einer weiteren Geschichte. Da nämlich gibt es eine Phantasiefigur, angetan mit einem schon recht von Zeit und Wetter mitgenommenen T-Shirt vom Zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum, das mit dem Fränkischen Fest 1993 in Wladimir gefeiert wurde. Es läßt sich nur noch mutmaßen, daß eine der Hospitantinnen im Rahmen des Projekts Lichtblick, das von der Laufer Mühle unterstützt wird, die Idee zu dieser Gewandung des Fabelwesens hatte. Sachdienliche Hinweise jedenfalls nimmt der Blog gerne entgegen, auf Wunsch auch vertraulich… Vielleicht, wer weiß, steckt ja hinter der Sache auch ein fränkischer Akakij Akakijewitsch, der auf der Suche nach seinem geraubten T-Shirt durch das Erlanger Umland geistert. Stoff für einen neuen Krimi von Ines Schäfer? Oder ein Sujet à la Im Namen der Rose nach Motiven von Nikolaj Gogol? Fragen über Fragen. Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: