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Posts Tagged ‘Renate Winzen’


Entschuldigung, liebe Leser, aber ich vermisse hier im Blog eine wichtige Wegkreuzung. Und das, obwohl sich hier im Blog ja viele Wege kreuzen…

  • Wege der Begegnung von Menschen, die sich vielleicht nie begegnet wären, wenn nicht…
  • Wege von Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten, die voneinander wohl nie erfahren hätten, wenn nicht…
  • Wege aufeinander zu von ehemaligen Kriegsgegnern, die sich vielleicht nie gefunden hätten, wenn nicht…

Vielfältige Wege zwischen den Niederlanden im Westen und dem Baikalsee im Osten; Wege, auf denen sich wertvolle Spuren finden; Spuren von Freude, neuen Ideen und Erkenntnissen in all den Begegnungen, Projekten und Kooperationen; Spuren von Versöhnung nach all dem Hassen und Leiden des Zweiten Weltkriegs; Spuren von Wahrhaftigkeit, wenn Unrecht gesehen und benannt wird, das man vielleicht nicht gesehen hätte, wenn nicht…

Den Stegerlesweg gibt es übrigens wirklich – im Schwarzwald! Es handelt sich hier also um keine Photomontage.

… Wenn es nicht den Stegerlesweg gäbe, mit dem all die hier im Blog geschilderten Ereignisse einmal begannen. Darum ist das hier ein Nachtrag zum 5. April 2018. Hier möchte ich den Blick einfach mal auf die Wegkreuzung zum Stegerlesweg lenken und als Wegmarke das Schild aufstellen: „Herzlichen Glückwunsch zu Deinem runden Geburtstag, lieber Peter! Ein frohes und gesegnetes Weitergehen auf Deinem Stegerlesweg; und bis bald mal wieder – an der nächsten Wegkreuzung!“

Renate Winzen

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Vom 14. bis 20. März war ich nach einer zehnjährigen Pause endlich wieder in Erlangen zu Gast, anläßlich des 35jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft auf Einladung von Othmar Wiesenegger vom Photoklub der Siemens AG.

Erlangen, gesehen von Wladimir Fedin

Müßte ich die Eindrücke von dieser Reise in ein Wort zusammenfassen, käme etwas heraus wie „umwerfend“. Vom ersten Tag an, als meine Frau Swetlana und ich mit Othmar und seiner Frau Beatrix durch Erlangen spazierten und dann in Begleitung der großartigen Lutz Weinrebe den Turm der Neustädter Kirche bestiegen. Den Eindruck der Schönheit dieses weiten Blicks konnten weder Kälte noch schneidender Wind trüben.

Straßenszene ich Erlangen

Am zweiten Tag besuchten wir das unglaublich nette und gemütliche Dorf Hetzles, eine halbe Autostunde von Erlangen entfernt, wohin uns Karin Günther begleitete, die Vorsitzende der Erlanger Foto Amateure. Jedes Fachwerkhaus am Wegrand wurde zu einer kleinen Entdeckung, jede Einzelheit erfreute das Auge.

Birgitt Aßmus, Othmar Wiesenegger, Karin Günther, Wladimir Fedin und Peter Steger

Am Abend dann eine angenehme Überraschung, die uns Karin Günther bereitete, ein Mensch, der sich darauf versteht, zu organisieren und Menschen zusammenzubringen: Die Ausstellung von Wladimir Fedin „Winter in Wladimir“. Eine überaus herzliche Atmosphäre in der Redaktion der Erlanger Nachrichten, so herzerwärmend, daß fast der Schnee auf den Bildern getaut wäre.

Karin Günther und Wladimir Fedin

Tag drei brachte mit dem Ausflug nach Würzburg eine weitere erstaunliche Überraschung. Man kann sich ja nicht anders als begeistern für diese alte und klassische Stadt am Main!

Würzburg, gesehen von Wladimir Fedin

Nicht unterschlagen will ich auch ein weiteres Ereignis dieses Tages, den Geburtstag von Othmar. Wir waren ganz wißbegierig zu sehen, wie ein Geburtstag in Deutschland gefeiert wird. Zu unserer Verwunderung gab es da jede Menge Übereinstimmungen, besonders die wichtigste, die für Wladimir wie Erlangen gilt: Kommen gute Freunde zum Fest, ist die Feier gelungen.

Wladimir Fedin in Würzburg

Der vierte Tag führte uns zusammen mit unseren Gastgebern ins märchenhafte Rothenburg o.d.T., wo es wieder großartige Eindrücke gab, so etwa eine für uns ganz unerwartete Begegnung mit ganz arglosen Störchen und den Besuch eines fränkischen Weingutes.

Rothenburg, gesehen von Wladimir Fedin

Und dann all die Motive für die Kamera, all das Schöne in der Stadt! Einfach umwerfend!

Przewalski-Wildpferde im Tennenloher Forst

Tag fünf begann mit einem Spaziergang durch den verschneiten (!) Tennenloher Forst, wo wir ganz ungewöhnliche Skulpturen bewunderten und uns an den Wildpferden erfreuten.

Othmar Wiesenegger

Lustig gestaltete sich dann ein weiterer Spaziergang durch Erlangen, wobei wir immer wieder einen Blick in eines der kleinen Geschäfte waren, wo uns immer wieder etwas Angenehmes erwartete, mal Live-Musik oder eine Begegnung mit Landsleuten, ein Glas Sekt zum Anstoßen und vieles mehr. Danke, Beatrix!

Am Wegrand

Der Tag klang dann aus dem dem Festkonzert zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft.

Fachwerk

Eine großartige Tour durch die Fränkische Schweiz mit Familie Martin erwartete uns am sechsten Tag. Diese geheimnisvolle Gegend zeigt sich übervoll mit allen möglichen Schönheiten der Natur und Geschichte, ungezählten bizarren Felsen und gigantischen Brocken. Einfach unmöglich, sich da von der Kamera loszureißen. Ein Ort schöner als der andere.

Swetlana Sirko, Othmar Wiesenegger und Renate Winzen

Einen unauslöschlichen Eindruck machte zum Abschluß unserer Reise an Tag sieben der kleine Spaziergang durch Nürnberg und die improvisierte Photosession mit Othmar, Renate Winzen und meiner Frau Swetlana im Museumsladen „Leika“. Zwei Photographen, die sich hier so richtig austoben konnten.

Wladimir Fedin mit seinen Bildern im Club International der Volkshochschule Erlangen

Um 18.25 Uhr dann – auf Wiedersehen, Deutschland, auf Wiedersehen, du heimeliges Erlangen. Bis zum nächsten Mal, bis zu den nächsten Photoeindrücken!

Wladimir Fedin

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„Ich hatte mir schon überlegt“, meinte gestern abend bei der Rückfahrt nach Erlangen, „ob es sich denn lohnt, den weiten Weg nach Jena zu machen. Gute zwei Stunden einfach unterwegs, nur um die Honneurs zu machen. Aber jetzt bin ich richtig froh, dabei gewesen zu sein.“

Erlangen auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters

Der stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, sprach damit wohl allen russischen Gästen aus dem Herzen, denn, so Olga Dejewa, die klimatischen Bedingungen – immerhin gilt Jena als der zweitwärmste Ort Deutschlands – übertragen sich offenbar auch auf das Wesen der Menschen.  Die Oberbürgermeisterin ist die einzige in der Delegation, die Jena bereits von einem Besuch aus dem Jahr 2013, damals noch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes, kennt und seither zu schätzen weiß.

Olga Dejewa und Albrecht Schröter

Als Stadtoberhaupt war dies nun gestern ihr Antrittsbesuch und die erste Gelegenheit mit Ihrem Amtskollegen, Albrecht Schröter, über die weitere Ausgestaltung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu sprechen – und an seiner Seite ein wenig die Stadt zu erkunden.

Dabei treffen die beiden auf Schritt und Tritt auf russische Spuren: mal auf die Ankündigung eines Vortrags über Michail Gorbatschow, den in seiner Heimat wohl erst künftige Historiker vom Makel des Totengräbers der Sowjetunion befreien werden, mal die Erinnerung die Station Jena auf dem langen Lebensweg von Lew Tolstoj.

Gedenktafel am Frommannschen Anwesen

Wichtiger als der Blick zurück – auch in die bereits zehn Jahre währende Dreieckspartnerschaft – ist den Deutschen und Russen die Überlegung, was sie in Zukunft gemeinsam angehen könnten. Und da bietet sich ein breites Spektrum.

Über den Dächern von Jena

Das Freiwilligenprogramm soll fortgesetzt werden, das Rahmenabkommen zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und der Wladimirer Universität bietet noch ungenutzte Möglichkeiten für den Wissenschaftsaustausch, bei Kultur und Sport gäbe es noch viel zu tun… Und dann ist da noch der Vorschlag von Albrecht Schröter, gern einmal jemanden aus der Wladimirer Stadtverwaltung einzuladen, um auszuloten, in welchen Bereichen der Administration ein Erfahrungsaustausch nützlich sein könnte.

Albrecht Schröter und seine Gäste

Und natürlich darf die Gegeneinladung nicht fehlen: vielleicht schon zum Wirtschaftsforum im Juni oder spätestens zum Stadtfest im Herbst. Gleichviel, Hauptsache man bleibt im Gespräch und Austausch, so die einhellige Meinung.

Albrecht Schröter und Olga Dejewa, im Hintergrund Norbert Hebestreit

Schon sehr weit gediehen sind die Überlegungen für eine konkrete Zusammenarbeit auf Initiative von Norbert Hebestreit im Bereich der Krankenpflege. Da versprechen sich beide Seiten einen Gewinn, da wollen beide Seiten voneinander lernen, da soll noch heuer ein Austauschabkommen zwischen der Berufsfachschule in Wladimir und dem Klinikum Jena abgeschlossen werden.

Nach der Führung durch das Klinikum Jena

Da darf natürlich auch eine Führung durch die größte Klinik Thüringens und eines der modernsten Krankenhäuser in ganz Deutschland, wenn nicht gar europaweit, nicht fehlen. Immer im Blick auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir.

Alexander Krutow, Renate Winzen, Olga Dejewa, Nadja Steger, Wladimir Rybkin, Anette Christian und Guram Tschjotschjew

So ein Tag endet natürlich beim Abendessen zurück in Erlangen mit Stadträtin Anette Christian am besten mit einem Trinkspruch, den Wladimir Rybkin in ebenso einfachen wie einprägsamen Worten ausbringt: „Ich stehe auf, um mein Glas auf die Gastgeber zu erheben, und ich knöpfe meine Jacke zu dem festlichen Anlaß zu, aber mein Herz ist bis auf den letzten Knopf aufgeknöpft nach all den wunderbaren Begegnungen hier in Deutschland.“

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Zum 10. Todestag von Rawus Chuduschewitsch Bagirow (29.08.1939 – 08.07.2007)

Ein Beitrag von Renate Winzen

„Ich kümmere mich um sie!“ Kurz entschlossen nahm der Regisseur Rawus Bagirow sich meiner an, als ich am ersten Tag meines Praktikums beim Staatlichen Fernsehen der Region Wladimir durch verschiedene Abteilungen des Senders geführt wurde. Das war im Oktober 1994, in jenen 90er Jahren, als das Leben dort überall im Land von verfallenden Strukturen, materieller Not und alltäglichem Überlebenskampf geprägt war. Löhne wurden monatelang nicht ausgezahlt, und wenn doch, so reichten sie kaum, um den alltäglichen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man behalf sich irgendwie, man half sich gegenseitig; so genau habe ich nie herausgefunden, woher die Leute damals ihr Essen nahmen, – und nicht allen gelang es, genug zum Essen zu haben. Das, was sie hatten, teilten sie gerne mit dem Gast – nein, sie teilten nicht, sie gaben dem Gast mehr, als sie sich selbst gönnten.

Renate Winzen (4. v.l.) mit dem TV-Team von Chefredakteur Leonid Skakunow (1. v.l.)

„Ich kümmere mich um sie!“ Gesagt – getan. Rawus Bagirow nahm mich unter seine Fittiche: Drehbuch-Konzeption, Dreharbeiten, Interviews, Filmschnitt – überall bezog er mich ein, erläuterte, lehrte, gab mir Raum für Fragen und Diskussionen. Aber da war noch mehr; manchmal sprach er mich auf Deutsch an, er interessierte sich für mein Land, die dortigen  Lebensumstände, die deutsche Kultur und Mentalität, – und er tat alles, damit ich mich im fernen russischen Ausland heimisch fühlen könne.

Er selbst hatte seine Heimat verloren, war aus akuter Gefahr geflohen vor dem Bürgerkrieg in Aserbeidschan. Unfreiwillig war er Tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat, nicht wissend, ob er jemals zurückkehren könne, ohne eigenen Wohnraum, mit seiner Frau in einem Zimmer bei anderen Leute untergebracht… Wie anders war seine Situation hier im russischen Ausland als meine! Doch er blieb nicht bei sich stehen – leidenschaftlich setzte er sich für seine Mitmenschen ein: in seinen Filmen und in seinem Alltag.

Mitten im Zerfall gab es in diesen 90er Jahren auch Orte des Aufbruchs. Dazu gehörte das Staatliche Fernsehen Wladimir. Hier hatte man sich der Glasnost verschrieben; in engagierten Reportagen und Berichten setze man sich offen, ganz im Sinne der „Transparenz“, mit verschiedensten Themen auseinander.

Rawus Bagirow (im Vordergrund) bei Aufnahmen zur Umweltreihe „Perlenkette der Seen“

Rawus Bagirow lenkte in seinen Reportagen den Blick dahin, wo Menschen Ungerechtigkeit und Mißachtung erlebten. Es war ihm ein Herzensanliegen, Menschen die (neue?) Erfahrung von Wertschätzung und Gerechtigkeit zu ermöglichen.

Am Herzen lag im auch das, was er „den zweiten“ Blick“ nannte. Eines Tages eröffnete er mir, ich habe nun genug durch Hospitanz bei verschiedenen Filmen gelernt, es sei an der Zeit für mich, einen eigenen Film zu machen. Dafür schlug er eine Reportage über die Technische Universität Wladimir mit dem Ziel vor, Kooperationen zwischen der Hochschule und der Universität Erlangen-Nürnberg aufzubauen. Dabei regte er mich dazu an, nicht bei dem stehen zu bleiben, was sofort ins Auge fiel: armselige, veraltete Laborausrüstung;  ein Studenten- und Wissenschaftler-Alltag, in dem das Geld auch für das Essen knapp war; und das in einem Land, in dem das Leben geprägt war von ausbleibenden Lohnzahlungen, schlechter Infrastruktur und dem Kampf ums alltägliche Überleben.

Was könnte westliche Wissenschaftler dazu bringen, mit solch einer TU zusammenzuarbeiten und sich in ein solches Land zu begeben? Nein – über diesen ersten Blick hinausgehen und weiterfragen: Was sind das für Studenten, die unter solchen Bedingungen nicht aufgeben, sondern dranbleiben am Studium? Was sind das für Wissenschaftler, die der Forschung und der Studentenausbildung die Treue halten, obwohl vor allem an Hochschulen die Gehälter so niedrig sind, daß das Geld hinten und vorne nicht reicht? Welche Kraft treibt diese Studenten und diese Wissenschaftler an, – und ist nicht genau diese Kraft ein Faktor, weswegen es sich für westliche Kollegen lohnen kann, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten?

Rawus Bagirow wurde damit zum Initiator für den Aufbau von Kooperationen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zwischen der Staatlichen Universität Wladimir (ehemalige TU Wladimir) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Strategie des „zweiten Blicks“ half immer wieder, systembedingte Wertungen und Irritationen zu überwinden.

Mit seiner freundlichen Achtsamkeit für seine Mitmenschen und mit seinem Humor und seiner Herzlichkeit hat er das Leben vieler Menschen bereichert, auch meines.

Sein Wirken umfaßt aber noch weit mehr.

Selbst heimatlos geworden, gab er anderen Heimat und das Gefühl, zu Hause zu sein.

Selbst Mißachtungen ausgesetzt gewesen, gab er anderen Respekt und Wertschätzung.

Selbst in hoch angespannter Lebenslage geraten, lag ihm das Wohlbefinden anderer am Herzen.

Dieser Weg verändert mehr als viele Protestaktionen. Dieser Weg bewirkt mehr als so manche Strukturmaßnahmen. Dieser Weg ist immer möglich, in der Städtepartnerschaft und darüber hinaus.

Danke, Rawus.

Siehe auch: https://is.gd/5QYkF7

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Der Erfolg hat immer viele Väter. Einer freilich hat einen besonderen Anteil am Zustandekommen des Kooperationsvertrags zwischen der Friedrich-Alexander-Universität, dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen und der Staatlichen Universität Wladimir vom Jahr 2001: Alexander Samojlow, Dekan der Fakultät für Radiophysik, Elektronik und Medizintechnik mit ihren gut 1.300 Studenten und fast 90 Dozenten. Dem habilitierten Erfinder ist es wesentlich zu verdanken, wenn heute Dutzende von jungen Forschern aus Wladimir Erfahrungen nutzen können, die sie im Austausch mit Wissenschaftlern aus Erlangen sammeln konnten.

Elivira und Heinz Gerhäuser, Sergej Mosin, Ludmila Suschkowa, Peter Steger, Alexander Samojlow und Wiktor Morosow

Wissenschaftspartner: Elvira und Heinz Gerhäuser, Sergej Mosin, Ludmila Suschkowa, Peter Steger, Alexander Samojlow und Walentin Morosow im Oktober 2011

Ein großer Beitrag zur Städtepartnerschaft, zum Hochschulaustausch, zum Wissenstransfer, der heute, am 70. Geburtstag von Alexander Samojlow, mit einem dankbaren Gruß nach Wladimir in der Hoffnung Würdigung finden soll, daß auf seinem festen Fundament noch viel aufgebaut werde. Woraus dieses Fundament besteht, dazu hat Renate Winzen mit ihrem folgenden Gastbeitrag viel mehr zu sagen:

Samojlow

Prof. Alexander Samojlow zu Besuch in Erlangen zur Errichtung eines deutsch-russischen Alumni-Netzwerkes im Rahmen der »Pilotmaßnahme Forschungsmarketing Russland« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: http://www.drportal.pt-dlr.de/de/186.php

Forschen und Fördern – und heute: Feiern!

Prof. Alexander G. Samojlow zum 70. Geburtstag

Erreichen konnte man Prof. Samoilow in seinem Universitätsbüro am besten ab ca. 18.00 Uhr Ortszeit. Dann ließ der Betrieb in seinem Dekanat für Hochfrequenzphysik, Elektronik und Medizintechnik nach. Und diese Ruhe am Abend nutzte der Wissenschaftler gerne zum konzentrierten Arbeiten an seinen Forschungen und Veröffentlichungen, z.B. zu Fragen der einwandfreien Signalübertragung an den Schnittstellen in hochkomplexen Systemen des Gas-Transfers per Pipeline über Tausenden von Kilometern.

Über Tausende von Kilometern hinweg gestaltete der vielfach ausgezeichnete Forscher auch die Zusammenarbeit mit den Erlanger Kooperationspartnern am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dabei galt es, die strategischen Überlegungen zu Forschungs- und Bildungsinhalten sowie die organisatorischen Vorgaben aller Kooperationspartner miteinander abzustimmen. Und dafür übernahm Alexander Samojlow neben seinen umfangreichen Verpflichtungen als Dekan viele zusätzliche Aufgaben.

So manches Mal ließ er seine ruhige Zeit am Abend fahren, wenn das Telefon klingelte und er aus Erlangen über „Signalstörungen“ informiert wurde, die an den Schnittstellen zwischen russischen und deutschen Planungsvorgaben auftraten. Immer wieder war er bereit, neue Lösungen zu entwickeln.

Prof. Samoilow hat die Erlanger-Wladimirer Zusammenarbeit gefördert und dafür sei ihm heute herzlich gedankt!

Diesen Beitrag verdankt der Blog Renate Winzen, seit 1995 Initiatorin und Koordinatorin von Erlanger-Wladimirer Wissenschaftskooperationen (FuE, Wissenschaftler- und Studentenaustausch) in den Bereichen Werkstoff- und Materialwissenschaften, Umweltverfahrenstechnik, Ingenieurwissenschaften, Informatik; Medienwissenschaften, Theologie, Philosophie, Pädagogik für Lehrstühle der FAU, Fraunhofer IIS und weitere Einrichtungen. Freiberuflich tätig, erreichbar für Nachfragen unter: renate.winzen@odn.de

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Kann es Zufall sein, wenn der Blog zum siebten Mal sein virtuelles Wiegenfest ausgerechnet am 75. Geburtstag von Heinrich Niemann feiert, dem emeritierten Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung, dem, gemeinsam mit Heinz Gerhäuser, im wesentlichen der 2001 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten der Partnerstädte zu verdanken ist? Kann es Laune der Chronologie sein, wenn heute vor 76 Jahren Wolf Peter Schnetz zur Welt kam, der als Autor schon zu Zeiten des Kalten Krieges das Klima schuf, in dem die Städtepartnerschaft erst gedeihen konnte? Mag ja sein, aber wir wollen diese Koinzidenzen als Conditio humana des Blogs verstehen, der sich selbst wiederum als Logbuch der so mannigfachen Beziehungen und Querverbindungen zwischen Erlangen, Wladimir, Jena und der übrigen weiten Welt begreift. Und als Vorgabe, nicht kurzatmig zu werden, nicht nachzulassen, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet zu halten, das da lautet: Völkerverständigung.

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Und so sei heute den beiden Granden gedankt und gratuliert, besonders natürlich Heinrich Niemann, der vor zehn Jahren für seine mustergültigen Verdienste die Ehrenprofessorenwürde in Wladimir verliehen bekam, zu seinem runden Jubiläum, und dem kreativen Kulturreferenten, der, obwohl in seine Heimatstadt Regensburg zurückgekehrt, der Städtepartnerschaft innig verbunden bleibt.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Der Blog – dem Lauf der Partnerschaft sei’s gedankt! – macht seinen geneigten Lesern und sich selbst ein Geschenk mit den Bildern zum aktuellen Wladimir-Austausch des Emmy-Noether-Gymnasiums. Die deutsch-russische Gruppe, gestern von Renate Winzen zweisprachig durch die Stadt geführt, ist seit Freitag zusammen und will bis zur Heimreise der Gäste am 5. Oktober nicht nur gemeinsam den Unterricht besuchen und landeskundliche Ausflüge unternehmen, sie wird vielmehr an einem Projekt arbeiten, das demnächst – ein wenig Geduld noch – auf diesen Seiten vorzustellen ist.

Austausch und Freundschaft

Austausch und Freundschaft

Zu einem richtigen Geburtstag gehört aber stets auch eine Überraschung. Und die sei heute exklusiv im Blog verraten: Die Schüler bereiten etwas zum 25. Tag der Einheit vor und werden es beim Festakt ab 11.00 Uhr im Redoutensaal – bei freiem Eintritt – vorstellen. Was genau, das wissen sie selbst noch nicht. Nur daß. Also: Kommen und sich überraschen lassen, denn ohne das russische Einverständnis hätte die Friedliche Revolution nie unblutig zur Wiedervereinigung führen können. Das sollten wir am 3. Oktober immer dankbar erinnern.

Спасибо

Dankbar ist noch so ein Stichwort. Dankbar ist heute (und alle Tage) der Blog besonders den Lesern, Mitautoren und Kommentatoren. Ohne deren Aufmerksamkeit und Treue würde sich auch der eifrigste Buchhalter der Städtefreundschaft nicht der tagtäglichen Selbstverpflichtung unterziehen, aus und über Wladimir zu berichten. Der größte Dank aber gilt einer Frau. Es heißt ja immer, hinter einem starken Mann stehe eine nicht minder starke Frau. Das klingt zwar nicht mehr ganz gendergerecht, stimmt aber gewiß für den Blog. Nur mit dem Zusatz „zurück“. Es gibt nämlich eine Frau, die hinter dem Blog steht und oft, viel zu oft, hinter dessen zeitfressenden Ansprüchen zurücksteht. Dafür auch einmal öffentlich um Verzeihung zu bitten, ist heute der rechte Tag. Auch wenn kaum Aussicht auf Besserung besteht… Besonders nicht im verflixten siebten Jahr, das es noch zu meistern gilt.

Ach ja, fast vergessen: Hier ist der Link zu Heinrich Niemann und seinem großen Werk für die Partnerschaft: http://is.gd/ah65yE

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Während sich Oberbürgermeister Florian Janik noch an der Universität Wladimir über den regen Austausch mit Erlangen informierte, trafen schon wieder die nächste russische Wissenschaftlergruppe bei der Friedrich-Alexander-Universität ein, genauer am Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft, geleitet von Natalia Markowa, Dekanin des Instituts für Geisteswissenschaften, und vom Lehrstuhlinhaber für Philosophie und Religionswissenschaften, Jewgenij Arinin. Die beiden Forscher sind hier in Erlangen schon Dauergäste und arbeiten derzeit weiter an dem Projekt zur Untersuchung von Religionsunterricht an Schulen auf die ethischen Normen von Schülern. Die drei Studentinnen hingegen, graben nun zwei Wochen lang einen besonderen Schatz in Erlangen aus und photographieren diesen, um ihn zu Hause weiter studieren zu können.

Rüdiger Braun und Jewgenij Arinin (sitzend) mit Christine Pöhnl, Julia Artemjewa, Marjana Fedorenko, Anastasia Sajzewa, Natalia Markowa und Simon Wiesgickl

Rüdiger Braun und Jewgenij Arinin (sitzend) mit Christine Pöhnl, Julia Artemjewa, Marjana Fedorenko, Anastasia Sajzewa, Natalia Markowa, Renate Winzen und Simon Wiesgickl

Das Seminar für Geschichte und Theologie des Christlichen Ostens ist nämlich im Besitz einer einmaligen Sammlung theologischer Literatur aus der Bibliothek des Heiligsten Synods der Russischen Orthodoxen Kirche in Sankt Petersburg. In der sogenannten Synodalbibliothek sind ca. 4.300 Titel, sprich mehr als 6.000 Bände, in russischer und kirchenslawischer Sprache aus allen theologischen Disziplinen vorhanden. Zum Teil freilich in einem Zustand, der es nicht erlaubt, die Schriften zu scannen, weshalb die Studentinnen aus Wladimir die Texte mit einem speziellen Gerät einzeln abphotographieren. Die Ausgaben stammen aus dem mittleren 18. Jahrhundert und Enden mit der Oktoberrevolution, allesamt von den Bolschewiken enteignet und aus Bibliotheken entwendet und in den 30er Jahren über ein Staatsantiquariat vom Martin-Luther-Bund Erlangen erworben und 1954 an die Friedrich-Alexander-Universität weitergegeben, wo die Sammlung den Grundstock der heutigen Seminarbibliothek Christlicher Osten am Fachbereich Theologie bildet.

Heute freilich verlassen die Gäste die Studierstube und reisen mit den gut 250 Erlangern nach Jena, um dort den Tag der Einheit mitzufeiern. Wohlgelitten und hochwillkommen, denn gegen den Willen der Sowjetunion wäre vor 25 Jahren weder die Mauer gefallen, noch hätte es die Wiedervereinigung gegeben. Jedenfalls nicht unblutig. Etwas, woran man sich am 3. Oktober immer wieder dankbar erinnern sollte.

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