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Posts Tagged ‘Rainer Glas’


Der Veranstalter des Festivals Jazz-Grom, zu übersetzen als Jazz-Donner, hat das gesamte Programm der beiden Konzerttage ins Netz gestellt. Hier nun der Link zum vergangenen Donnerstag, den Rainer Glas und sein Universal Ensemble nach kurzer offizieller Zeremonie eröffneten: https://is.gd/StVXA2 – untermalt von den Bildern eines Auftritts, der sicher in die Geschichte des Kulturaustausches zwischen Erlangen und Wladimir eingeht.

Zu sehen sind neben Rainer Glas die Schlagzeugerin Carola Grey, der Kanun-Virtuose Gilbert Yammine, der Hubert Winter an den Blasinstrumenten und als Gast und Gastgeber der Violinist Andrej Schewljakow.  Siehe dazu auch: https://is.gd/a5UZsx

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Am Donnerstag und Freitag fegte ein Jazz-Gewitter über Wladimir hinweg. Mitten im Sturm des zweitägigen Festivals unter dem Titel „Jazz-Donner“ das Universal Ensemble von Rainer Glas aus Erlangen. Erste Stimmen hierzu von Tatjana Kirssanowa:

Tatjana Kirssanowa

Am Donnerstag waren Natalia Korssakowa und ich im Konzert der Gruppe Universal Ensemble. Wir waren richtig begeistert und verbrachten einen fantastischen Abend. Uns fiel, daß die originellen Kompositionen der Erlanger auf die Wladimirer großen Eindruck machten – es gab so viel Applaus für die Künstler, und der Beifall war echt herzlich! Jemand rief sogar auf Deutsch „Zugabe“! Vielen Dank für diese Möglichkeit!

Natalia Korssakowa

Und gestern schrieb Andrej Schewljakow, selbst Multiinstrumentalist und Organisator des Jazz-Festivals:

Wir machen jetzt gerade einen Ausflug nach Susdal. Am Donnerstag spielten wir zusammen mit dem Universal Ensemble. Nastja und ich begleiteten die Gäste, und ich spielte in ihrem Programm ein Solo. Dann musizierte Hubert Winter mit meinem Orchester – und gegen Ende jammten wir alle zusammen mit der Moskauer Combo Esh beim Stück So Danso Sambo in meinem Arrangement. Das Konzert war ein voller Erfolg, der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, das Publikum begeistert von all unseren musikalischen Kombinationen und Kollaborationen. Und auch unsere Gäste sind zufrieden. Rainer Glas lädt unser Streicherquartett im Februar nach Erlangen ein, wo wir bei seinem Konzert mitspielen sollen. So sind alle glücklich, sie mit uns und wir mit ihnen.

Reinhören kann man schon einmal hier, zwar mit schlechter Bildqualität, aber vom Ton her gar nicht schlecht für eine Handyaufnahme: https://is.gd/rr0py2 und da, in die Reportage vom Staatlichen Wladimirer Lokalsender, wo die Erlanger – leider ohne Ton – gleich zu Beginn zu sehen sind: https://is.gd/p74Y17. Aber das ist ja erst der Anfang. Es folgen sicher weitere Berichte.

 

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Rainer Glas reist zum dritten Mal nach Wladimir. Bereits in den 90er Jahren nahm er Kontakt zur Partnerstadt auf, lud immer wieder junge Gäste aus Wladimir zu seinem Internationalen Jazz Workshop ein, veranstaltete eine Tournee für die Big Band der Universität. Und nun tritt er mit seiner Formation Sounds of the Orient beim Jazz-Festival in Wladimir auf.

Wer dieses außergewöhnliche Ensemble das nächste Mal bei uns hören will, braucht etwas Geduld. Am 9. August spielt die Combo ab 20.00 Uhr in der Sophienhöhle. Aber jetzt gehört erst einmal Wladimir die Vorfreude. Und der Blog-Gemeinde bald der Rückblick auf die Tour.

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Am Samstag ging für die beiden Musiker aus Wladimir ein seit ihrem ersten Besuch in Erlangen vor einem Jahr gehegter Traum in Erfüllung – mit Rainer Glas, dem Begründer und Organisator des Internationalen Jazz Workshops auf einer Bühne zu stehen, mit dem Großmeister am Baß in einer Band zu spielen.

Andrej Schewljakow an der Geige

Andrej Schewljakow an der Geige

Es habe schon ein wenig gedauert, bis die Gäste aus Wladimir so richtig aufgetaut waren, meinte Rainer Glas gestern rückblickend, aber dann zeigten sie ihr Können – „, wurden zu einer Bereicherung und gehörten voll dazu.“ So sehr, daß Andrej Schewljakow und Dmitrij Bugakow den Sonntagmorgen noch zu einer spontanen Jamsession mit den neuen Musikerfreunden nutzten.

Dmitrij Bugakow

Dmitrij Bugakow

Am Anfang, so bekennen beide, stand schon ein kleiner Kulturschock. Das harte Regiment der russischen Meister der Musik gewohnt, fiel den Jazzern aus der Partnerstadt gleich auf, wie zwanglos und auf Motivation ausgerichtet der Unterricht hierzulande gestaltet wird, zumindest beim Jazz Workshop im Frankenhof. Und erstaunt waren sie, wie unter solchen Bedingungen dann doch erstklassige Musik entstehen kann. Denn, so bekannten sie übereinstimmend: „Die während dieser Tage zusammengestellte Bigband spielte einfach besser als unsere in Wladimir.“

Dmitrij Bugakow

Dmitrij Bugakow in concert

Und so sind sie denn gestern auch mit gemischten Gefühlen wieder nach Hause zurückgekehrt – oder mit ihren eigenen Worten: happy and sad. Happy sicher auch, weil die Musikdozenten an der Staatlichen Universität Wladimir sicher eines Tages wiederkommen. Zumindest wollen sie überlegen, wen von ihren Studenten sie im nächsten Jahr zum dann 35. Internationalen Jazz Workshop schicken könnten. Und dann ist da ja noch die Partitur, die Andrej Schewljakow dem neuen Freund, Rainer Glas, übergeben hat – in der Hoffnung, sein Arrangement im Cross-over-Stil mit einer gemischten Combo einmal auch in Erlangen aufführen zu können.

Andrej Schewljakow und Alfred Trautner

Andrej Schewljakow und Alfred Trautner

Kurz vor dem Abflug dann gab der Geiger aus Wladimir dem Jubilar, Alfred Trautner, noch ein kleines Konzert. Nichts Jazziges, eher Klassikstandards, aber ebenfalls in brillanter Ausführung. Und ebenfalls für einen Musikerkollegen. Alfred Trautner nämlich hat mit fünf Jahren, anno 1929, sein erstes Geld mit dem Mundharmonikaspiel verdient, als er bei Stadtpfarrer Josef Weining sich nach der Klingel streckte und dessen Mutter anbot, etwas zu spielen. „Ja, das freut den Josef bestimmt“, gab sie zurück, und der spendierte denn auch je Lied zehn Pfennige. „Damals viel Geld“, wie der Musikus betont, der auch noch weiß, was er da zur Aufführung brachte: „Maria zu lieben“ und „Großer Gott wir loben dich“.

Rainer Glas

Rainer Glas

Die Kontraste könnten schärfer und gegensätzlicher nicht sein: In der Ostukraine ein abstoßend-unwürdiges Schauspiel prorussischer Wirrköpfe die „Kriegsgefangene“, darunter auch Deutsche, vorführen, und in Erlangen ein junger russischer Violinist, der einem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen zum 90. Geburtstag aufspielt. Glücklich und traurig zugleich.

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Im orthodoxen Kirchenkalender beginnt heute die Lichtwoche, erhellt von der Flamme des Osterfeuers, gespeist vom Glauben an die Auferstehung, durchdrungen von einer Inspiration, die in den kommenden Tagen auch zwei Gäste aus Wladimir erfüllen soll, die am Karsamstag zum Internationalen Jazz Workshop gekommen sind, mit dem Rainer Glas seit 1981 (!) Erlangen auch in diesem Jahr für 120 Teilnehmer und natürlich das Publikum zu einer einzigen swingend-klingenden Bühne macht. Gestern abend ging es so richtig mit einer Jam Session los, und am Samstag lassen dann ab 17.00 Uhr im Frankenhof alle Combos und die Bigband hören, was sie während der lichten Tage dazwischen geprobt und erarbeitet haben. Von solchen Veranstaltungen in Wladimir können Dmitrij Bugakow und Andrej Schewljakow, die im Vorjahr zusammen mit dem Universitäts-Ensemble Jazztring zum ersten Mal in Erlangen aufgetreten waren, nur träumen, denn die beiden Musikdozenten wissen: Der Jazz hat in der Partnerstadt schon einmal bessere Zeiten erlebt.

Dmitrij Bugakow, Andrej Schewljakow und Rainer Glas

Dmitrij Bugakow, Andrej Schewljakow und Rainer Glas

Begonnen hat es nach allgemeiner Lesart mit dem Jazz, als 1954, ein Jahr nach Stalins Tod, der „finnische Amerikaner“, Leo Altonen, mit seinem Saxophon nach Wladimir kam. Er scharte Musiker aus den Militärkapellen und von der Hochschule um sich, schuf eine Bigband und begründete eine Tradition, die 1987 von Nikolaj Grunskij fortgeführt wurde. Er organisierte in den 90er Jahren regelmäßig Festivals, bei denen auch Rainer Glas auftrat, er brachte seine Bigband 1996 nach Erlangen, und seine Studenten schickte er zum Jazz Workshop in die Partnerstadt. Tempi passati seit dem Tod des großen Musiklehrers 2004. Doch noch ist der Jazz in Wladimir nicht verloren. Seit 2010 bietet die Staatliche Universität auch den Studiengang „Instrumentale und vokale Unterhaltungsmusik, Jazz“, und Rainer Glas hat schon am ersten Tag erfreut feststellen können: „Die beiden aus Wladimir sind richtig gut, die können spielen!“ Ein Urteil, das die Dozenten aus Wladimir als musikalischen Ritterschlag begreifen, denn ihren Gastgeber verehren sie seit der ersten Begegnung im Vorjahr, und sie wünschen sich möglichst bald einen Meisterkurs mit dem Erlanger Klangzauberer am Baß. Sein Kommen könnte auch endlich den Anstoß geben, um die Jazz-Szene wiederzubeleben, der es, nach Meinung von Dmitrij Bugakow an Musikern mangelt. Denn: „Während des Studiums sind die meisten so ausgelastet, daß sie kaum Zeit finden, um nebenher in einer Band zu spielen. Und später gehen die besten nach Moskau oder in andere Städte…“ Gemeinsame Projekte mit Erlangen könnten dem etwas entgegenwirken, könnten mehr Interesse am Jazz bei Musikern wie Publikum wecken, zumal die professionellen Voraussetzungen durchaus gegeben sind. Der Violonist und Tastenmann, Andrej Schewljakow, hat nämlich eine Partitur mitgebracht, von ihm selbst komponiert, die er Rainer Glas zur Begutachtung übergeben möchte. Wer weiß… Vielleicht läßt das Werk sich ja eines Tages von einem gemischten Ensemble hier und dort aufführen. Die Lichtwoche hat ja eben erst begonnen, und da darf man schon einmal einen hellsichtigen Blick in die fernere Zukunft wagen. Wie die sich im Miteinander des Jazz anhört, kann aber schon am Samstag erleben, ab 17.00 Uhr im Saal des Frankenhofs.

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Wenn Larissa Wyssozkaja heute mit ihrem Ensemble Jazztring nach Hause zurückkehrt, wird sie der harte Alltag rasch wieder einholen. Die Schönen Künste müssen sich nämlich auch an der Universität Wladimir gegenüber der Dominanz der Naturwissenschaften behaupten, wenn es um Personal und Budget geht und Zusammenlegungen von Lehrstühlen. Vielleicht hilft der Leiterin des Instituts für Kunst in dieser Auseinandersetzung ja auch die so fruchtbare Zusammenarbeit mit Erlangen, wie sie aus dem Comic-Heft zu ersehen ist, zusammengestellt von Michael Jordan mit Unterstützung der Kulturförderung der Stadt Erlangen aus Materialien seines Meisterkurses in Wladimir während des dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläums.

Wer hat die Fliege reingelassen?

Wer hat die Fliege reingelassen?

Immerhin 17 Studierende und zwei Dozentinnen aus den Fachbereichen Design und Graphik sind in der Publikation mit dem Titel „Wer hat die Fliege reingelassen“ vertreten. Und man darf gewiß sein, daß der eine oder die andere Geschmack an der bis dato so unbekannten Kunstform gefunden hat und mit der Zeit einen eigenen Comic-Stil entwickelt. Und wenn dem so sein sollte, hat Michael Jordan einen entscheidenden Anteil daran.

Karin Lippert, Larissa Wyssozkaja, Michael Jordan und Stephan Beck mit dem Wladimirer Comics-Heft

Karin Lippert, Larissa Wyssozkaja, Michael Jordan und Stephan Beck mit dem Wladimirer Comics-Heft

Argumente für ihre Institutsarbeit bringen aus Erlangen aber vor allem ihre angehenden Musikpädagogen mit, denn die sind nach fast einer Woche des Gastspiels wirklich der künstlerischen und menschlichen Eindrücke übervoll: das so beglückend erfolgreiche Konzert im Schloßgarten, die herzliche Aufnahme bei den Gastgebern und neuen Freunden – immerhin war das für alle Mitglieder der Gruppe der erste Erlangen-Besuch! -, besonders jedoch auch die Möglichkeit, im Marientorzwinger in Nürnberg und im Strohhalm in Erlangen auf die Bühne zu steigen und bei Jam Sessions ihr vielsaitiges Können zu zeigen.

Wulli Wullschläger

Andrej Schewljakow, Dmitrij Bugakow, Wulli Wullschläger und Daria Sjomina

Wenn dann noch Jens Magdeburg am Klavier improvisiert und schon mal imaginiert, wie es denn wäre, wenn sein Trio im nächsten Jahr nach Wladimir käme, darf man durchaus glauben, der musikalische Funken sei übergesprungen.

Jam Session im Marientorzwinger Nürnberg: Jewgenij Charitonow, Andrej Schewljakow, Dmitrij Bugakow, Daria Sjomina und Jens Magdeburg

Jam Session im Marientorzwinger Nürnberg: Jewgenij Charitonow, Andrej Schewljakow, Dmitrij Bugakow, Daria Sjomina und Jens Magdeburg

Und wenn Rainer Glas, der große Mann der Jazzmusik in Erlangen (zum Attribut „großer alter Mann“ fehlen ihm noch einige Jahre) in Aussicht stellt, nach längerer Unterbrechung wieder Musikstudenten aus Wladimir zu seinem Internationalen Jazz Workshop nach Erlangen einzuladen, wird das nur noch davon übertroffen, daß er sogar bereit ist, in der Partnerstadt einen mehrtägigen Meisterkurs zu geben. Da leuchten die Augen von Dmitrij Bugakow, der sich Instrument um Instrument aus der reichen Sammlung des Gastgebers greift und wißbegierig begreift, welche Griffe er noch von Rainer Glas lernen kann.

Baßduo Dmitrij Bugakow und Rainer Glas

Baßduo Dmitrij Bugakow und Rainer Glas

Nach dem Tod von Nikolaj Grunskij vor fast zehn Jahren, so die jungen Musiker, sei es um den Jazz an der Universität Wladimir nicht mehr zum besten bestellt. Da könnte ein neuer Impuls aus Erlangen wieder einiges in Gang bringen.

Jazztring zu Gast bei Rainer Glas

Jazztring zu Gast bei Rainer Glas

Aber nicht von Jazz und Comic allein lebt das Institut für Kunst. Auch die klassische Ausbildung an der Querflöte hat da eine ausgezeichnete Tradition. Dank Christof Hesse, der wie kein anderer (s. http://is.gd/iAZulA) Erfahrung mit Meisterklassen in Wladimir hat und der auch während des dreißigjährigen Jubiläums – am Rande des großen Festprogramms – einen Intensivkurs für Flötisten geben konnte. Und nun lädt Larissa Wyssozkaja den erfahrenen Pädagogen schon für Anfang nächsten Jahres erneut nach Wladimir ein. So soll es sein: alte Kontakte werden weiter gepflegt oder erleben eine Wiederaufnahme, und neue Verbindungen fügen sich in das bestehende Austauschnetz ein.

Christof Hesse

Christof Hesse

Wenn der Aufenthalt von Jazztring so rundum gelungen war, ist das besonders Walter Mahr zu danken. Kurz vor der Abreise aus Wladimir nämlich ging eine Violine zu Bruch, und bei einer weiteren Geige brach während der Probe am Samstagmorgen die Stimme oder, wie man im Russischen sagt, ihre Seele. In beiden Fällen konnte der Geigenbauer aus Bubenreuth Abhilfe schaffen. Im ersten Fall mit einer Leihgabe, im zweiten mit einer Reparatur in seiner Werkstatt, während das übrige Ensemble in der Sing- und Musikschule die Probe für das Sonntagskonzert fortsetzte. Was im Deutschen Stimme genannt wird, nämlich jenes unscheinbare Rundholz, das die Schwingungen von der Decke der Geige auf ihren Boden überträgt und damit für das rechte Klangbild sorgt, jenes kleine Bauteil also, bezeichnen die Russen als Seele. Wie schön sich da Sprache und Musik verbinden, wenn die gebrochene russische Seele eine heile Stimme erhält, eine fränkische.

Jazztring zu Besuch im Geiegenbauer-Museum Bubenreuth mit Walter Mahr

Jazztring zu Besuch im Geiegenbauer-Museum Bubenreuth mit Walter Mahr

Am liebsten hätten die Musiker aus Wladimir Walter Mahr gleich nach Hause mitgenommen. Ein Mann wie er fehlt ihnen, jemand, der weiß, was zu tun ist, wenn ein Streichinstrument „krank“ ist, wie sie sagen. Jemand, der Handwerk und Herz zu verbinden weiß. Aber der Meister wird auch in Bubenreuth gebraucht, wo von einst 500 im Instrumentenhandwerk tätigen Fachleuten gerade noch eine Handvoll übrig ist – im schweren Kampf gegen die chinesische Ramschware. Auch wenn niemand von den russischen Gästen einen asiatischen Billigimport spielt, bessere Instrumente haben die Musiker aus Wladimir allemal verdient, meint Walter Mahr zum Abschied. Ob diese fränkische Stimme bei den anstehenden Budgetverhandlungen von den vermutlich eher wenig beseelten Haushaltsexperten der Universität gehört wird,  lassen wir dahingestellt. Aber zumindest wissen die jungen Leute jetzt, an wen sie sich wenden können, wenn bei ihrem nächsten Besuch in Erlangen wieder eine müde Seele zerbricht und eine frische Stimme gebraucht wird. So schön kann Partnerschaft klingen zwischen Russen und Franken.

Aljona Wenkowa, Daria Sjomina, Helmut Lederer-Kanawin im Strohhalm

Aljona Wenkowa, Daria Sjomina, Helmut Lederer-Kanawin im Strohhalm

Mit einem „Thank you for the Music!“ frei nach ABBA hatte sich Referent Dieter Rossmeissl von den Gästen verabschiedet und sich mit allen Gastgebern ein „Da capo“ gewünscht. Vielleicht nicht in der gleichen Zusammensetzung, aber von diesen Musikern wird man sicher noch mehr hören. In Erlangen wie in Wladimir.

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Derzeit hört und liest man allenthalben, wie dringend Deutschland aus demographischen Gründen Zuwanderung in den Arbeitsmarkt benötige. Fachkräfte vor allem in den technischen Disziplinen und innovativen Branchen brauche man, allein auf sich und den eigenen Nachwuchs gestellt, werde es der Wirtschaftsriese inmitten Europas auf Dauer schwer haben, sich an der Spitze des Wohlstands und des Fortschritts zu halten. Die Erfolge dieser Appelle sind, wie man weiß, eher bescheiden, die hochqualifizierten Kräfte aus dem Rest der Welt machen aus den verschiedensten Gründen einen großen Bogen um Deutschland. Aber vielleicht kultivieren wir da ja nur wieder eine dieser angeblich so typisch deutschen Sekundärtugenden, nämlich das Glas immer nur als bereits zur Hälfte geleert zu betrachten. Vielleicht aber auch machen wir damit wieder jenen Fehler aus Zeiten des Wirtschaftswunders, als wir Hilfsarbeiter anwarben und uns dann darüber wunderten, daß Menschen kamen, wie es Max Frisch einmal sinngemäß formulierte.

Statt die Defizite zu beklagen, ist es an der Zeit, den Blick auf die kulturelle Bereicherung zu richten, den Zuwanderung mit sich bringt. Da gibt es nämlich noch viele ungehobene und unbekannte Schätze, verborgene Talente, die zu finden es genügt, über die Brücke zu gehen, die der gleichnamige Verein in Erlangen zwischen den Kulturen schlägt. Es könnten, das sei vorausgeschickt, mehr sein, die diese deutsch-russische Brücke betreten, aber immerhin werden es ja auch schon mehr, nur genug können es eben nie sein. Langer Vorrede kurzer Sinn: Wer gestern bei dem Liederabend des Vereins Brücken im Begegnungszentrum Fröbelstraße nicht dabei war, sollte sich die nächste Veranstaltung dieser Art nicht entgehen lassen.

Kenner des Frauenchors Brücken wissen es ja schon längst: Das Ensemble hat genug Stimmkraft, um auch den Ausfall des männlichen Basses zu verkraften. Ob der gestern den Vatertag oder einfach nur das schöne Wetter genutzt hat, um zu schwänzen, oder ob ihn andere Kräfte am Singen gehindert haben, können wir nicht sagen. Gesagt werden aber muß, was die dadurch spontan notwendig gewordene Programmumstellung  bewiesen hat: Die Sängerinnen um Sofia Naymark haben das Zeug zum Frauenchor und können durchaus anspruchsvoll die Vielstimmigkeit der russischen Folklore und Sakralmusik präsentieren. Ein Quäntchen mehr Selbstbewußtsein, dann stehen dem Chor auch größere Bühnen offen.

Rauchige Klubatmosphäre vermittelten die aus Aserbajdschan stammende Gajane Hatscher mit ihrem Moskauer Pianisten Evgenij Zelikman, der vor Improvisationseinfällen nur so sprühte. Die Sängerin hatte übrigens ihre besten Momente, wenn sie das bei bestimmten Frequenzen verzerrende Mikrophon zur Seite legte. Erst da kam ihre warme Stimme so richtig in Stimmung und ließ den Swing von George Gershwin schwingen, daß es eine Freude war. Die beiden wären ideale Kandidaten für den Internationalen Jazz Workshop, den Rainer Glas alljährlich in Erlangen veranstaltet, ein Podium, von dem aus der Sprung in die Szene leichter gelingen könnte.

Auf das anglo-amerikanische Intermezzo folgte russische Klassik pur, in zurückhaltender Perfektion vorgestellt von der Sopranistin Swetlana Valinski und ihrer Begleiterin am Klavier, Albina Koch. Sergej Rachmaninow, Peter Tschaikowsky, Nikolaj Rimskij-Korsakow bildeten die Achse, um die sich das Kurzprogramm einer gelungenen Kür drehte. Die russische Romanze ist hörbar die Paradedisziplin von Swetlana Valinski. Weicher Schmelz der Stimme, Innigkeit des Vortrags, verhaltene Gestik zeichnen sie aus und ein Temperament, das sie streng zu kontrollieren weiß und nur da ungestüm ausbrechen läßt, wo es die Passion eines Stücks fordert. Und was wäre die russische Romanze – dem deutschen Kunstlied vergleichbar, nur mit noch mehr Emotion und Ausdruck aufgeladen – ohne diese unvermuteten Eruptionen der Leidenschaft! Kurzum: Auch dieses bestens aufeinander eingespielte Duo verdient seinen eigenen Liederabend – und jeden Bravo-Ruf.

Vergessen werden soll nicht das Mädchenduo Sofia und Anastasia, der musikalische Nachwuchs, die künftigen Pfeiler der kulturellen Brücken zwischen den Völkern. Noch sind die Schultern zierlich und schwach, die Stimmen aber lassen ahnen, was der Verein an Jugendarbeit leistet und wie man Talente fördert. Frisch und forsch traten die Kleinen auf, ohne sichtbares Lampenfieber, belohnt mit tosendem Applaus.

Als vor der Pause Inessa Hellwig-Fábián alle Künstler nochmals auf die Bühne rief – „zum Zweck der Überreichung von Blumen“ -, stand eines schon fest, bevor der Abend mit einem gemeinsamen Absingen fröhlich-trauriger russischer Lieder mit dem Duo Lana und Fjodor Nevelski ausklang: Brücken hat wieder ein hörenswertes Programm zusammengestellt und gezeigt, was alles in den Migranten aus den GUS-Staaten und Spätaussiedlern steckt. Wir Einheimische müssen nur genau hinhören und hinsehen. Spät in der Nacht gab Inessa Hellwig-Fábián dann auch noch das Sammelergebnis durch: 165 Euro sind für die Krebsstation des Kinderkrankenhauses Wladimir zusammengekommen. Auf 200 Euro aufgerundet von einem anonymen Spender, wird das Geld noch in diesem Monat in der Partnerstadt übergeben. Danke und спасибо an Brücken und alle Mitwirkende, die ohne Gage aufgetreten sind, danke und спасибо aber auch an das Publikum, das nicht nur einen musikalischen Abend genießen konnte, sondern auch noch helfen wollte.

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