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Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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Wenn alles nach den Plänen der Veranstalter, dem Bundverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften und dem russischen Verband Gleiche Möglichkeiten, läuft, werden Pskow und Wladimir in ein Städtenetz einbezogen, das Modellcharakter für die deutsch-russische Zusammenarbeit im Bereich der Behindertenarbeit haben wird. Alle Voraussetzungen dafür sind gegeben. Das läßt sich bereits nach dem ersten Tag der Konferenz zum Thema „Für die Rechte der Menschen mit geistigen Behinderungen auf ein würdiges Leben. Die Sozialverantwortlichkeit einer Zivilgesellschaft.“ festhalten.

Kreml von Pskow

Pskow, die Festungsstadt mit ihrer wuchtig-trutzigen Architektur, wurde nicht zufällig als Tagungsort ausgewählt, um die Partnerschaftspaare Petrosawodsk – Tübingen, Machatschkala – Oldenburg, Nischnij Nowgorod – Essen, Irkutsk – Pforzheim und Wladimir – Erlangen zusammenzubringen. Eigenartig nur, daß die beiden deutschen Partnerstädte von Pskow, Gera und Neuss, nicht vertreten sind. Eine Lücke, die aber schon seit 20 Jahren Bernd Schleberger ausgesprochen, bis vor einem Jahr Leiter der Rurtal-Schule www.rurtal-schule.de in Heinsberg-Oberbruch, ausgesprochen erfolgreich schließt. Schon 1993 hat er gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Wassenberg das Heilpädagogische Zentrum www.ekir.de/pskow in Pskow aufgebaut, wo nun auch diese erste Konferenz stattfindet, an der neben den genannten Partnerstädten auch Vertreter aus Moskau teilnehmen, insgesamt Vertreter aus sieben russischen Regionen und fünf deutschen Bundesländern.

Kreml von Pskow

Die Idee, deutsch-russische Partnerstädte im Bereich der Behindertenarbeit zusammenzuführen, hatte der Pädagoge, mittlerweile im Vorstand des Bundesverbandes Deutscher West-Ost-Gesellschaften für Bildungsprojekte zuständig, bereits 2009 bei einem Treffen in Berlin. Doch Vorbereitung und Finanzierung einer solchen Konferenz mit fast vierzig Fachleuten aus Vereinen, Verbänden, Verwaltungen und Politik sind zeitaufwendig. Desto schneller soll es jetzt gehen. Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen nämlich  bereits im Juni nächsten Jahres in die Tagesordnung der nächsten deutsch-russischen Partnerschaftskonferenz in Uljanowsk einfließen. Wenn da beschlossen werden sollte, das Thema im deutsch-russischen Austausch zu einem künftigen Schwerpunkt zu machen, wäre das ein Sieg für die Schwächsten in den Gesellschaften beider Länder.

Kirchenpanorama in Pskow

Pskow, einst Vorposten der russischen Landesverteidigung und in seiner Geschichte drei Mal von den Deutschen eingenommen und wieder befreit, ist heute Pionier in der deutsch-russischen Kooperation im Bereich der Behindertenarbeit. Gemeinsam mit Wladimir. Es sidn diese beiden Städte, deren Namen am häufigsten fallen. Und in der Tat bestehen seit zwölf Jahren schon engste Kontakte zwischen Pskow und Wladimir. Dank dem Verbindungsmann Jurij Katz, der in Erlangens Partnerstadt schon vor zwei Jahrzehnten die Elterninitiative Swet – Licht gründete, der es gelungen ist, wie kaum irgendwo sonst in Rußland, die Problematik Behinderung ins öffentliche Bewußtsein zu bringen und ein breites detailliertes Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anzubieten, von dem der Blog immer wieder umfangreich berichtet hat. Jurij Katz war es auch, der vor zwölf Jahren die Verbindung zu Pskow aufnahm und maßgeblich vor fünf Jahren mitwirkte bei der Gründung des überregionalen Verbands Gleiche Möglichkeiten, der sogar bis vor kurzem seinen Sitz in Wladimir hatte, der nun aber nach Pskow verlegt wurde.

Karte mit Orten, wo der Verband Gleiche Möglichkeiten vertreten ist.

Was in Pskow als gemeinnütziger Verein begonnen hat, ist nun seit Ende 2010 eine staatliche Bildungseinrichtung, und mit den deutschen Partnern zusammen wurden hier Lehrpläne entwickelt, die vom russischen Bildungsministerium anerkannt sind. Ein beispielloser Erfolg für die Rechte auf Beteiligung von Menschen mit Behinderungen. Aber es ist noch viel zu tun, so der Tenor aller Teilnehmer aus den russischen Landen.

Heilpädagogisches Zentrum Pskow

Auch in Wladimir, wie Kirill Kowaljow einräumt, der zusammen mit Jurij Katz nach Pskow gekommen ist und als berufsmäßiger Stadtrat den Ausschuß für Bildung, Jugend, Kultur, Religion und Sport leitet: Fast 80% der behinderten Kinder müssen bei einem Elternteil aufwachsen und bekommen in der Familie oft nicht die notwendige Förderung, während die Behörden nicht gerüstet sind zur Übernahme dieser Aufgaben. Den Selbsthilfegruppen fehlt es an ausgebildeten Leuten, denen der Staat nach dem Subsidaritätsprinzip, das auch in Rußland allmählich als Erfolgsrezept einer Zivilgesellschaft entdeckt wird, Aufgaben übertragen könnte. Es fehlt an den rechtlichen Voraussetzungen, und die Gesellschaft verhält sich Behinderten gegenüber eher abwehrend als offen zur Teilhabe. Ein großes Problem auch der Ansatz seitens des russischen Sozialsystems: Der behinderte Mensch wird nicht in seiner ganzheitlichen Person gesehen und behandelt, sondern nach Teilaspekten und Symptomen, zerlegt sozusagen in seine Einzelteile, ohne die partikulären Erkenntnisse zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

Wissenschaft und Gesellschaft halten in Rußland Menschen mit Behinderungen noch immer für krank und tendieren dazu, wie in unseligen Sowjetzeiten, die „Patienten“ eher wegzusperren als zu integrieren. Den therapeutischen Maßnahmen mangelt es an Vernetzung, dem System der Mittelverteilung an Transparenz, Experten arbeiten aneinander vorbei, und es fehlt an einem Ziel der Behandlung und damit auch an einem befriedigenden Ergebnis. Man will also hin zu einer konzeptionellen Begleitung der Familien, weg vom vertikalen Ansatz mit seiner Lebensferne und Ineffizienz, fordert eine stärkere Einbeziehung der Selbsthilfegruppen in Entscheidungen und Abläufe. Bei all den Klagen gibt es aber schon riesige Erfolge, wenn Jurij Katz etwa sagt: „Vor 15 Jahren sah ich uns noch 50 Jahre hinter dem Westen her, jetzt sind es nur noch um die 20 Jahre, die wir aufzuholen haben.“ Da ist also schon viel geleistet worden – auch und gerade mit Hilfe der deutschen Partner.

Leonhard Hirl, Jurij Katz, Kirill Kowaljow, Peter Steger in Pskow

Die standen in Wladimir mit Pate bei der Gründung von Swet. Schon 1991 gab es erste Kontakte des Behindertenbeauftragten Erlangens zu Organisationen in Wladimir, und 1999 begann schließlich das Psychiatrieprojekt „Lichtblick“, aus dem der „Blaue Himmel“ entstand, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik. Leonhard Hirl, mit dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, angereist, kann hier viel von seiner Einrichtung für betreutes Wohnen WAB Kosbach www.wab-kosbach.de berichten, die während der letzten zwölf Jahre 35 Praktikantinnen aus Wladimir in den verschiedenen Gruppen durchlaufen haben. Und es deutet sich schon etwas an: Das heilpädagogische Zentrum in Pskow und der Blaue Himmel in Penkino bei Wladimir könnten so etwas wie Kompetenzzentren werden, wo sich zu den jeweiligen Fachgebieten Ratsuchende aus allen russischen Regionen Informationen holen, wo Fortbildungen stattfinden, wo regelmäßige Seminare und internationale Treffen veranstaltet werden könnten. Und das Konzept der WAB Kosbach, Menschen mit psychischen Behinderungen immer stärker in der biologischen Landwirtschaft einzusetzen, weckt schon jetzt großes Interesse. Jurij Katz hat jedenfalls schon einmal angekündigt, sich die Sache baldmöglichst selbst anzusehen und dann jemanden zum Hospitieren nach Erlangen zu schicken. Leonhard Hirl ist das nur recht. Er ist für jede Art der Intensivierung der Zusammenarbeit offen. Da ist also noch vieles möglich, und dieses Treffen war sicher erst der Anfang. Ein guter Anfang!

Mehr zur Rurtal-Schule und zum Engagement von Bernd Schleberger im Blog unter: http://is.gd/1pSjF8

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Programmatischer geht es nicht mehr als mit diesem Motto, das sich die Band „Rur-Rock“ der Rurtal-Schule Heinsberg-Oberbruch gegeben hat. Dahinter verbirgt sich eine Begegnung von jungen Menschen mit und ohne Behinderung aus Deutschland und Rußland, ein Projekt das bereits 2001 in Pskow mit einem Musikworkshop begonnen hatte und mit viel Erfolg weitergeführt wurde: Gastspiele folgten 2004 in Moskau, 2007 in Perm, 2008 wieder in Pskow und 2009 in St. Petersburg beim Stadtfest, das ganz dem integrativen Gedanken gewidmet war. Dazwischen, im Mai 2005, Benefizkonzerte und das Deutsch-Russische Musik- und Friedensprojekt mit Rolf Zuckowski, ganz zu schweigen von den UNICEF-Galas in Berlin, Siegburg und Hilden und im Mai vergangenen Jahres der Teilnahme am 2. Integrativen Soundfestival im fränkischen Fürth.

Pskow

Wie kommt da nun Erlangen ins Spiel – oder besser Wladimir? Zur Beantwortung der Frage ist ein kleiner Rückblick notwendig. 1991 lernte Pastor Klaus Eberl von der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg im Kreis Heinsberg auf einer Versöhnungsreise durch Rußland die sozialen Verhältnisse in Pskow (Pleskau), fast an der estnischen Grenze gelegen, kennen und kam mit dem festen Vorsatz zurück, der Partnerstadt von Neuss im Bereich Heilpädagogik zu helfen. Es gelang, das Bundesland NRW und die Landeskirche für das Projekt zu begeistern, und so konnte man bereits im Juni 1992 mit der stattlichen Starthilfe vom Staat in Höhe von DM 640.000 die Planung und im Oktober des gleichen Jahres den Bau eines Objekts beginnen, das bis dahin in der russischen Bildungslandschaft nicht zu finden war: ein Heilpädagogisches Zentrum für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Nicht einmal ein Jahr später, am 1. September 1993, die Eröffnung der Einrichtung in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg im Rheinland. Die pädagogische Begleitung und Verantwortung übernahm die Rurtal-Schule unter Leitung von Bernd Schleberger, der mit Herz und Verstand zu Werke ging. Dem erfahrenen Fachmann war es von Beginn an um mehr als bloßen Erfahrungsaustausch zu tun. Sein Ziel war es, den Wissenstransfer in dem bisher von der russischen Bildungspolitik unbeachteten Bereich dauerhaft zu gestalten und zu systematisieren, damit er auch unabhängig von den engeren Projektpartnern Nutzen bringen kann. Dazu ist ein Lehrplan notwendig. Und just den hat Bernd Schleberger federführend mit einem Team aus Pskow erarbeitet, eine echte Pionierleistung! Das Curriculum, das übrigens auch Religionslehre berücksichtigt, ist seit dem Jahr 2000 vom russischen Staat anerkannt und gültig für derartige Förderschulen. Es entstand ein ganzes Netzwerk für die Fortbildung von Pädagogen, weg von der einstigen defektorientierten Fixierung auf die Korrektur von Behinderungen, hin zu einem integrativen und ganzheitlichen Ansatz. Beispielhaft, wie selbst das russische Bildungsministerium anerkennend konstatiert.

Bernd Schleberger und Wolfgang Thierse

Fast 50 Kinder und Jugendliche, davon die Hälfte mit schwersten und mehrfachen Behinderungen, besuchen heute diese Einrichtung. Damit aber noch immer nicht genug: Im Sommer 2001 entstand auf Druck der Schulabgänger in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung eine Werkstatt für Behinderte, womit der Förderbereich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene abgedeckt ist. Und: Seit Januar 2003 gibt es in der 200.000-Einwohner-Stadt ein Förderzentrum für Kinder mit Behinderungen im Vorschulalter, d.h. auch die letzte Lücke ist geschlossen. Was da im Zusammenspiel mit der Pskower Lokalpolitik entstand und noch weiter wächst, hat – man kann es nur mit Anerkennung sagen – Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland, verdientermaßen ausgezeichnet u.a. mit dem „2. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ der Robert-Bosch-Stiftung und des Deutsch-Russischen-Forums, überreicht 2003 von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in Berlin.

Jürgen Ganzmann, Bernd Schleberger, Wolfram Howein

Auf der einstigen Brache im pädagogischen Niemandsland sind Strukturen gewachsen, die Fachleute aus allen russischen Regionen faszinieren. Und natürlich blieb das heilpädagogische Wunder von Pskow auch in Wladimir nicht unbeachtet. Das Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, Gründer und Leiter der Selbsthilfeorganisation „Swet – Licht“ für Eltern von schwerstbehinderten Kindern, hält seit Jahren Kontakt zu den Kollegen im russischen Nordwesten und hat Bernd Schleberger im vergangenen Jahr nach Wladimir eingeladen. „Ihre Partnerstadt hat mir wirklich sehr gefallen, viel schöner als die meisten anderen russischen Provinzstädte“, lobt der vielgereiste Schulleiter, und erzählt weiter, er habe mit Familie Katz vereinbart, vom 1. bis 7. Juni mit der Band „Rur-Rock“ nach Wladimir zu reisen. Die Finanzierung stehe bereits u.a. dank einem Zuschuß der örtlichen Sparkasse aus ihrer „Stiftung für Völkerverständigung“, jetzt müsse man nur noch das Programm zusammenstellen. Eigens dazu und um mehr von der Partnerschaft Erlangen – Wladimir zu erfahren, kam Bernd Schleberger gestern angereist und traf sich natürlich mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein, um mehr über den „Blauen Himmel“ und das Projekt „Lichtblick“ zu erfahren. Rasch wurde klar, wie breit die gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit ist, und es spricht alles dafür, daß sich Wladimir und Pskow eng vernetzen könnten.

Die Musik könnte dafür einen ersten Anstoß geben, denn es kommen Anfang Juni nicht nur 14 Schüler mit sieben Betreuern aus der Rurtal-Schule, sondern auch fünf junge Musiker mit ihren drei Betreuern aus Pskow nach Wladimir. Und eingeladen zum Mitmachen sind natürlich auch Kinder aus der Wladimirer Psychiatrie, wo Tatjana Parilowa den Taktstock schwingt. In der Geschichte ist im wahrsten Sinn des Wortes Musik. Und von der wird noch viel zu hören sein – auch hier im Blog.

Mehr zu dem Projekt der Rurtal-Schule auf der empfehlenswerten Homepage: www.rurtal-schule.de

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