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Posts Tagged ‘Projekte Lichtblick und Blauer Himmel’


Eigentlich würde dieses Jubiläum eine ganz eigene Würdigung verdienen, aber wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, wie wenig ihm an Aufhebens um seine Person liegt. Ihm ging und geht es um die Menschen, in deren Dienst er sich beruflich wie ehrenamtlich stellt. So will es denn auch der Blog heute auch bei der schlichten Bemerkung bewenden lassen, daß der Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben heuer sein zwanzigjähriges Jubiläum der Zusammenarbeit mit Wladimir begeht und mit immer neuen Ideen und Impulsen weiterführt, was einmal mit der Kinderpsychiatrie begann und fortgesetzt wurde mit dem 2002 von Bundespräsident Johannes Rau ausgezeichneten Projekt „Lichtblick“, das sich dann mit einem weitverzweigten Austauschprogramm mit hunderten von Hospitationen weiterentwickelte zum „Blauen Himmel“, um schließlich in der Einführung von Erlebnispädagogik und in der inhaltlichen Unterstützung der Selbsthilfegruppe für Eltern mit schwerbehinderten Kindern „Swet“ zu münden, um nur die wichtigsten Stationen zu skizzieren.

Jurij Katz, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann

Im Jahr 2010 dann eine wichtige Wegmarke mit der Aufnahme einer Kooperation mit Bernd Schleberger, der von Pskow aus ein Netzwerk für die Behindertenarbeit in russischen Städten und Regionen aufbaute. Siehe hierzu: https://is.gd/gjzjaw. Was sich in den Jahren seither tat, verdient höchste Anerkennung und jede denkbare Auszeichnung, denn mittlerweile ist da eine regelrechte Bewegung entstanden, die bilateral auf der Ebene von Experten und Praktikern die Fragen von Inklusion und barrierefreier Gesellschaft spürbar voranbringen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, resümiert jedenfalls Jürgen Ganzmann das letzte Treffen in Pskow vom 7. bis 11. April unter dem Titel „Entwicklung eines idealen Modells zu ambulanten Betreuungsdiensten für Menschen mit geistiger Behinderung“.

Jürgen Ganzmann, Ajschat Gamsajewa (Machatschkala), Roman Alexandrow und Jurij Katz

Acht Regionen – von Archangelsk bis Machatschkala, von Kaliningrad bis Irkutsk – und – erstmals als trilateraler Partner eine Delegation aus Minsk – trafen sich mit Jürgen Ganzmann und seiner Mitarbeiterin Arina Alstut – die beiden einzigen Fachleute aus Deutschland! – sowie mit Jurij Katz, Gründer von „Swet“, und Roman Alexandrow, Direktor des Jugendzentrums der Stadtverwaltung Wladimir. Nicht von ungefähr in dieser Konstellation, denn die Kooperation Erlangen-Wladimir gilt mittlerweile in diesen Fragen als Blaupause, und die Erfolge der russischen Partnerstadt – vor allem im Bereich „betreutes Wohnen“ – betrachtet man inzwischen landesweit als wegweisend zu einem idealen Modell. Schon entstanden nun nach dem Vorbild von Wladimir auch in Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg erste Projekte mit betreutem Wohnen. Um einander aber noch besser zu verstehen – die Begriffe sind in ihrer Vieldeutigkeit oft schwer zu übertragen – arbeitet man nun an einem Glossar zum Thema, das auch die unterschiedlichen bürokratischen Systeme transparent machen soll. Ermutigend dabei: Die Nichtregierungsorganisationen erfahren durch die örtlichen Behörden zunehmend Unterstützung, was sich auch darin ausdrückt, daß die Delegationen von Vertretern der kommunalen Verwaltungen begleitet wurden. Nur so lassen sich die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention, die ja auch die Russische Föderation unterzeichnete, erreichen. Die föderalen Gesetze sind nämlich – ähnlich wie in Deutschland – das eine, aber die Durchführung nach Kassenlage vor Ort etwas anderes, das sich nur mit dem Ehrenamt ins Werk setzen läßt.

Jürgen Ganzmann und Bernd Schleberger, stellvertretender Vorstand des BDWO und Koordinator des Projekts

Die nächsten Ziele sind nun neben der Einrichtung weiterer Wohnungen mit Betreuung die Organisation von Reisen für Behinderten. Nischnij Nowgorod denkt da an die Route Moskau –  Wladimir – Kasan, und Jurij Katz lädt eine Behindertengruppe aus Erlangen in sein neueröffnetes barrierefreies Haus nach Susdal ein. Noch nicht genug? Natürlich nicht: Im September reist Arina Alstut nach Irkutsk, um in Vertretung des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben zusammen mit 80 russischen Fachleuten Fragen der Betreuung von Behinderten aller Altersstufen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Eine Einladung, die zeigt, welches Ansehen sich Erlangen auf dem Gebiet erworben hat. Eine Auszeichnung, die Jürgen Ganzmann im zwanzigsten Jahr seines deutsch-russischen Fachaustausches sicher mehr bedeutet als jede Urkunde.

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Lichtblicke

Wer den Blauen Himmel verstehen will, muß den Lichtblick kennen, ein Projekt, das vor elf Jahren Jürgen Ganzmann, damals noch bei den Barmherzigen Brüdern, heute Leiter des Alten- und Pflegeheims Etzelskirchen, inspiriert und initiiert hat. Am Anfang also war der Lichtblick, und erst sechs Jahre später schufen die Projektpartner den Blauen Himmel, der heute alles überstrahlt. In einem Satz zusammengefaßt: Lichtblick wurde ins Leben gerufen, um die Therapiebedingungen in der Kinderpsychiatrie Wladimir für die bis zu 70 kleinen Patienten wie für das Krankenhauspersonal inhaltlich (hauptsächlich mit Hilfe von Hospitationen) wie baulich (durch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen) zu verbessern. Wie weit diese Lebensverbesserungen gehen, das zeigt eindrucksvoll und bewegend nachstehender Bericht von Jelena Bordanowa, die dem Projekt von Beginn an eng verbunden ist und demnächst auch wieder zu einer Hospitation nach Gremsdorf kommen wird.

Endlich ist der Frühling zu uns gekommen!!! Der Schnee ist weggetaut, das erste Gras reckt sich der Sonne entgegen, die Zugvögel kommen aus ihren Winterquartieren zurück! Da heißt es für uns: nichts wie raus an die frische Luft mit den Kindern! Raus auf unseren Spielplatz! Dorthin, wo wir uns alle gleich besser fühlen, die Kinder und wir Erwachsenen, wo wir nichts anderes brauchen als draußen zu sein unter einer zärtlichen Sonne! Wie angenehm es ist, auch einfach so dazusitzen unter den ersten Strahlen der lieben Sonne!!!

Vor der Kapelle

Wie viele neue Ausflugsmöglichkeiten sich doch mit dem Kommen des Frühlings und den ersten sonnigen Tagen für uns ergeben: der Zentrale Park, die Kinderbücherei, das Puppentheater, die Folklorebühne Rasguljaj, das Wachsfigurenmuseum, das Museum für Holzkunsthandwerk und natürlich unsere der heiligen Märtyrerin Christine geweihte Hauskapelle. Hier erwartet man uns Tag für Tag, hier ist für uns eine bestimmte Zeit reserviert, und alle in der Psychiatrie wissen, daß jetzt die Kinderabteilung kommt, daß die recht kleine Kapelle jetzt frei bleiben muß, damit die Kinder Gott begegnen können. Die Begegnung mit Gott kann ganz unterschiedlich sein: Die einen kennen das Vater unser und den Marienpreisgesang, können beten, sich rechtgläubig bekreuzigen und Kerzen aufstellen, andere, die zum ersten Mal in die Kapelle kommen, wissen rein gar nichts über die orthodoxen Riten. Das kann altersbedingt sein, kann aber auch mit der Familie oder einer Erkrankung zu tun haben. 

Ein Schluck Weihwasser

Die Gemeindehelferinnen, die dort ihren Dienst versehen, erzählen den Kindern tagein tagaus sanft, ruhig und mit vielen Wiederholungen auf verständliche Weise vom orthodoxen Glauben, von den heiligen Märtyrern, den Ikonen, lehren unsere Schützlinge beten, Kerzen aufstellen und Gott um Gesundheit für sich zu bitten.  Ganz von sich aus aber bitten die Kinder immer um die Gesundheit ihrer Eltern, bitten darum, daß sich ihre Eltern wiederfinden, daß sie auf Besuch kommen… Höhepunkt unseres Kapellenbesuchs ist stets die Ausgabe eines kleinen Schlucks Weihwasser an jedes Kind. Etwas Besonderes ist es, wenn Mitarbeiter des Krankenhauses oder Verwandte für die kranken Kinder und Erwachsenen Speisen in die Kapelle bringen, die am Jahrestag des Todes eines Angehörigen zu dessen Gedächtnis verzehrt werden. Und dann sind da noch die Feiertage im Lauf des Kirchenjahres – Weihnachten und Ostern -, wo Priester in die Kapelle kommen und an die Kinder die Kommunion austeilen.

Die Kapelle in der Psychiatrie ist für unsere Kinder, die oft monatelang therapiert werden, Hilfe, Rehabilitation und Integration, ein Ort, wo sie lernen zu glauben, zu hoffen, zu dulden, zu vergeben und zu lieben! Gott stehe uns bei!

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Lisa Greulich

Daß das Projekt Blauer Himmel das Interesse der Wissenschaft in Wladimir und an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg geweckt hat, wissen die Leser des Blogs bereits. Doch nun kommt auch noch die Universität Würzburg hinzu. Da hat nämlich Mitte letzter Woche die Studentin Lisa Greulich einen Vortrag über das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik in Penkino bei Wladimir gehalten. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema mit Auslandsbezug stieß sie im Internet auf den Blog und sammelte dort die für das Referat notwendige Basisinformation. In der ersten Januarhälfte dann wandte sie sich an Erlangen und bat um Unterstützung für ihr Vorhaben, im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Kompetenz: deutsch-russische Zusammenarbeit erfolgreich gestalten“ die pädagogische Kooperation zwischen Erlangen und Wladimir vorzustellen.

Lisa Greulich

Dazu hatte Lisa Greulich einen Fragebogen erarbeitet, der, von beiden Partnern auszufüllen, danach fragt, wie sich die Teamarbeit gestaltet, welche Vorurteile abzubauen sind, welche Rolle die unterschiedlichen soziokulturellen Voraussetzungen spielen, insgesamt 20 Punkte. Das Formular ging am 17. Januar in Erlangen ein, wurde am 18. Januar an Natalia Tarakanowa weitergeleitet, und die Pädagogin schickte schon am Tag darauf gegen Mittag ihre Antworten zurück. „Das ging ja wirklich schnell“, reagierte Lisa Greulich erfreut und hatte gleich noch Aufgaben zu deligieren, denn Natalia Tarakanowa hatte ungeachtet ihrer guten Deutschkenntnisse ihre Angaben auf Russisch gemacht. Aber an einer Universität, wo es im beklagenswerten Unterschied zu Erlangen noch eine Slawistik gibt, stellt das kein Problem dar. Im Gegenteil: „Das ist doch mal eine ganz gute Übersetzungsübung für meine Kommilitonen“, merkt Lisa Greulich dazu mit einem Lächeln an. Und so nebenbei hat sie wohl auch gespürt, was diese deutsch-russische Zusammenarbeit so erfolgreich macht: Verläßlichkeit, Vertrauen, Verständnis.

Der mündliche Vortrag von Lisa Greulich liegt leider nicht schriftlich ausformuliert vor, aber die Präsentation kann man sich hier ansehen: Projekt Blauer Himmel Vortrag

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Agape im Blauen Himmel

Dieser Tage fanden in Wladimir die schon traditionellen interkonfessionellen „Mariä-Schutz-Lesungen“ mit Referenten aus ganz Rußland statt. Die Veranstaltung, an der auch die katholische Rosenkranzgemeinde, vertreten durch ihren Pfarrer Sergej Sujew, teilnimmt, wird von beiden Universitäten der Partnerstadt organisiert und fand heuer ihren Abschluß mit einem Essen und einer Spendenübergabe im Blauen Himmel, dem Zentrum für Erlebnis- und Naturpädagogik in Penkino. Die Vorträge standen unter dem Motto „Eilt, Gutes zu tun“ und sahen sich Menschen wie dem deutschen Arzt Friedrich Joseph Haass verpflichtet, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Moskau tätige Nächstenliebe an den Ärmsten der Armen und vor allem an Gefangenen und Obdachlosen leistete und dessen Seligsprechung seit einigen Jahren im Gange ist.

Unterdessen bereitet das Language Center in Erlangen, genauer in der Zeppelinstraße 15, eine Christmas Charity Night vor. Den Benefizabend eröffnet am Freitag, den 3. Dezember, gegen 18.00 Uhr Bürgermeister Gerd Lohwasser. Zur Unterstützung des Blauen Himmels hat sich Rosie Norman, die Leiterin des Fremdspracheninstituts, etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Deshalb ihre Worte aus dem Einladungsschreiben im Original:

Die Wirtschaft boomt! Kluge und weitsichtige Personalmanager und Führungskräfte wissen, daß die Globalisierung der Wirtschaftswelt in zunehmendem Maße bessere Sprachkenntnisse ihrer Mitarbeiter erfordern. Immer mehr Firmen erweitern ihre Geschäftsfelder und gehen in internationale Märkte, in denen kein Deutsch gesprochen und Englisch oder vielleicht eine andere Sprache als Kommunikationsstandard vorausgesetzt wird. Ein jahrzehntelang privat geführtes Mittelstandsunternehmen, das ausschließlich deutsche Kunden und Zulieferer hatte, kann morgen schon Teil einer skandinavischen Firmengruppe sein und plötzlich international Geschäfte tätigen.

Language Center

Der Name Language Center steht seit 1996 für Qualität und Flexibilität,  Zufriedenheit und Innovation. Unser Angebot ist stetig gewachsen, und wir bieten mittlerweile 17 verschiedene Sprachen an, die durch ein Team von 45 teils seit Firmengründung für uns tätigen Trainern (qualifizierte und erfahrene Muttersprachler) unterrichtet werden. Ob für Sie einen kurzes Training oder ein langfristiger  Businesskurs in Frage kommt, wir bieten Ihnen ganz individuelle Lösungen an.  Effektives Lernen setzt  voraus, daß Schüler Spaß am Lernen haben, von bestens ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden und ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Ausbildungsprogramm vorfinden.  Das finden Sie bei  uns im Language Center.

Sehr am Herzen liegt uns das Hilfsprojekt „Blauer Himmel“ für  unsere Partnerstadt Wladimir. Hier werden Kinder unterstützt, die ihren Alltag in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen oder Waisenheimen verbringen. Der „Blaue Himmel“ bietet ihnen die Chance und Perspektive zur gesellschaftlichen Integration. So können Sie helfen: Von jedem Sprachkurs, der von Ihnen bis zum 31.12.2010 bei uns gebucht wird, spenden wir, das Language Center in Erlangen, einen Teil der Einnahmen Ihrer Kursgebühren an das Therpaiezentrum.

Und damit es auch für Sie interessant ist, bieten wir Ihnen einen

                           5% Kursrabatt*                                

an – egal welche Sprache, egal wie lange, egal wo der Kurs stattfindet (Start bis März 2011 möglich).

Möchten Sie diesen  Vorteil für sich in Anspruch nehmen und dabei einen guten Zweck unterstützen? Unsere Angebot gilt sowohl für Sie privat z.B. im Einzelunterricht , als auch für eine oder mehrere Gruppen Ihrer Firma. Sie entscheiden, ob der Unterricht bei uns im Language Center oder in Ihrer Firma stattfinden soll. Kontaktieren Sie uns per Email: info@LC-erlangen.de. Sie können uns auch im Internet besuchen: www.LC-erlangen.de

Doch damit nicht genug. Die Gäste erwartet: ein Sektempfang, eine Versteigerung, eine Tombola, eine Fotoausstellung, eine Trachten-Modeschau, ein Schätzspiel, Weihnachtslieder aus aller Welt, vorweihnachtliche Köstlichkeiten, ein Weihnachtsquiz, ein Fremdsprachen-Buchverkauf.

Gesponsort wird die Veranstaltung von vielen Erlanger, Nürnberger, Fürther und Herzogenauracher Unternehmen, Kulturvereinen und Banken. Die Spenden gehen an die „Bürgerstiftung  Erlangen“, sowie an das Kinderschulprojekt „Villa Alejandro“, in Lima/ Peru und an das Projekt „Blauer Himmel“ in Wladimir. Vorstellen wird den Blauen Himmel Wolfram Howein, der Projektverantwortliche, mit einer Demopräsentation. Anmeldungen bitte direkt beim Language Center unter 09131/52027. Schon jetzt allen DANKE für die Idee, Durchführung und Teilnahme!

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Seit Neujahr und noch bis zum 10. Januar bleibt Rußland in Feierlaune. Die zehn Tage wurden offiziell als arbeitsfrei erklärt, umstritten in der eigenen Bevölkerung, die mit Weihnachten noch immer nichts Rechtes anzufangen weiß und diesen Zwangsurlaub lieber im Mai bekäme, wenn die Datscha ruft; unvernünftig in jedem Fall aus Sicht der Ökonomen, die mit spitzem Bleistift vorrechnen, wieviele Milliarden der Volkswirtschaft durch den Stillstand der Bänder gerade in Zeiten der Krise entgehen. Für das heutejournal im ZDF gestern willkommener Anlaß, in gewohnt süffisanter Manier die Russen wieder einmal als die geborenen Suffköpfe darzustellen, denen in der Freizeit nichts anderes einfällt, als die Sektkeltereien und Wodkabrennereien für nie genug Nachschub am Laufen zu halten. Billig, allzu billig. In vereinter Einfalt hat sich denn auch das Moderatorenpaar „aber ohne Wodka“ vom ernüchterten Publikum verabschiedet.

Am 30. Dezember gab es hier eine knappe Rückschau auf das vergangene Jahr, nun wollen wir einen Ausblick auf Ereignisse wagen, die 2010 bevorstehen. Und da tut sich schon im Januar einiges:

Ausstellung "Kunst beruhigt"

Unter dem Titel „Kunst beruhigt“ wird am Mittwoch, den 13. Januar 2010, um 15.00 Uhr eine Ausstellung mit Arbeiten von Behinderten aus Gremsdorf in der Kreissparkasse Höchstadt / Aisch, Marktplatz 1, eröffnet. Entstanden sind die lebensfrohen Bilder unter Anleitung der Kunstpädagogin Katja Bachmeier aus der Partnerstadt Wladimir. Als Hospitantin vor einigen Jahren erstmals nach Gremsdorf gekommen, lebt sie mittlerweile in Höchstadt, ist aber dem Projekt „Lichtblick“ der Barmherzigen Brüder noch immer eng verbunden. Einer der Schwerpunkte des Projektes ist gerade die Kunsttherapie für behinderte Menschen. Gezeigt werden in der Ausstellung, die bis zum 12. Februar 2010 zu den üblichen Geschäftszeiten in den Räumen der Sparkasse hängen, Arbeiten von 24 Beschäftigten der Benedikt-Menni-Werkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf.

Hingewiesen sei nochmals auf die Russisch-Deutschen Wochen, die am 15. Januar an der VHS beginnen, und zu denen ausführlich am 22. Dezember 2009 im Blog berichtet wurde. Es sind noch Plätze frei.

 

Tanzen für den "Blauen Himmel"

IHNA tanzt für den „Blauen Himmel“.

Das Tanz- und Folklore-Ensemble IHNA gibt am Freitag, den 15. Januar 2010, um 19.00 Uhr im Forum der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, Eustachius-Kugler-Straße, ein Wohltätigkeitskonzert. Der Eintritt ist frei, aber es wird für das Projekt „Blauer Himmel“ in Wladimir gesammelt. IHNA ist seit 1985 mit dem Wladimirer Folklore-Ensemble „Wladimirez“ künstlerisch und freundschaftlich verbunden. Im Oktober 2007 sind die beiden Gruppen eindrucksvoll gemeinsam während des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums in Erlangen aufgetreten. Nun plant IHNA mit seinem Gründer und künstlerischen Leiter, Eike Haenel, im April eine Tournee nach Wladimir. Im Gepäck wird die Gruppe dann den Erlös aus dem Benefizkonzert in Gremsdorf haben und den Betrag im „Blauen Himmel“ überreichen.

Ab Februar dann schon wieder so viele Termine und Austauschprogramme – von Theologen über Ärzte und Studenten bis zu Sportlern -, daß heute bereits alles danach aussieht, als ob 2010 für die Partnerschaft nicht weniger intensiv wird als 2009. Weiter so. Hier also nur einige Höhepunkte für Reisewillige in enger Auswahl:

Anläßlich des 65. Jahrestages des Kriegsendes wird eine größere Veteranendelegation unter Leitung von Fritz Rösch aus Möhrendorf vom 4. bis 11. Mai nach Wladimir reisen. Eine offizielle Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Siegfried Balleis und in Begleitung von Innenminister Joachim Herrmann nimmt vom 7. bis 10. Mai an den Feierlichkeiten teil, auf die übrigens auch das 15jährige Jubiläum des Erlangen-Hauses fällt. Die Gruppen sind noch offen für weitere Teilnehmer, die sich bis Ende des Monats unter peter.steger@stadt.erlangen.de oder hier im Blog melden.

Die Bürgerreise Ende Mai von Wolfram Howein ist zwar schon fast ausgebucht, aber Nachmeldungen für Nachrücker sind noch immer möglich. Näheres dazu im Eintrag vom 13. Dezember 2009.

Wer darüber hinaus in dem Jahr nach Wladimir reisen möchte, hat in jedem Monat die Gelegenheit dazu. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, sich einer Fachgruppe anzuschließen und – vom Erlangen-Haus organisiert – sein eigenes Programm zu absolvieren. Eine Mail oder ein Anruf unter 09131/861345 genügen.

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Jörg Wiesse, Werner Michl, Alexander Bersenjew, Jürgen Ganzmann, Wolfram Howein

Gestern war der Tag des Festakts und der Fachvorträge. Die beiden Professoren, Werner Michl und Jörg Wiesse, sprachen vor ihren Wladimirer Kollegen über Erlebnispädagogik und Fragen der Jugendpsychiatrie, machten sich selbst mit den aktuellen Zuständen vor Ort vertraut und – die Hauptsache – knüpften viele neue Kontakte. Jörg Wiesse ist ja in Sachen Wladimir Wiederholungstäter, verehrt von seinen russischen Freunden für sein umfassendes Wissen und vor allem die Fähigkeit, dieses nicht in Gutsherrenmanier zu verbreiten, sondern es stets mit einem sympathischen Optativ und viel Anerkennung für das Geleistete zu vermitteln. Werner Michl, von Projektkoordinator Wolfram Howein für die Sache entdeckt und begeistert, erwies sich keineswegs als Vertreter der reinen Lehre der Erlebnispädagogik, vielmehr stellt sie in seiner Darstellungen einen Ansatz unter vielen Methoden vor, angelegt darauf, jungen destabilisierten Menschen (wieder) Halt, Selbstvertrauen und eine gefestigte Persönlichkeit gewinnen zu lassen. Eine Methode freilich, die nachweisbar Erfolge zeitig und in Deutschland in alle pädagogischen Bereichen bis hin zur Psychiatrie Einzug gehalten hat, die sich aber vor allem bestens kombinieren läßt mit der Naturpädagogik, wie sie in Rußland durchaus Tradition hat. Mit dem Erzieher Wassilij Sjogin aus Penkino schmiedete Werner Michl schon Pläne für Bootsfahrten mit den jungen Patienten, und da beide viel von Pilzen verstehen, werden sie bestimmt schon bald eine gemeinsame Expedition in die Wälder um Wladimir starten.

Aber was hat die zehnjährige Zusammenarbeit im Bereich der Psychiatrie mit Erlangen neben all den bereits erwähnten Modulen des Projekts „Lichtblick“ (Hospitationen, Deutschkurse, Blauer Himmel, Ausstellungen etc.) an Ergebnissen gebracht? Lassen wir es Alexander Bersenjew, den Chefarzt des Psychiatrischen Krankenhauses Nr. 1, zusammenfassen: „Wir haben einen Rückstand von fast 50 Jahren aufgeholt, zumindest in der Kinderpsychiatrie. Wir sind abgekommen von der beinahe ausschließlichen Therapie mit Medikamenten, konnten die Verweildauer erheblich senken und haben nun Umstände, wo es Freude macht, mit den Kindern zu arbeiten. Wenn früher die Kinder so bald als möglich wieder nach Hause oder in ihr Heim zurückwollten, so haben sie es heute bei uns oft besser als dort, von wo sie herkommen. Dafür allen Partnern und Spendern aus Deutschland ein großes Dankeschön!“

Über all ihrer Arbeit haben die Psychiater nur eines versäumt: Das großartige Konzert des Mädchenchors des Christian-Ernst-Gymnasiums im Jugendkulturzentrum, von dem später noch die Rede sein wird. Aber dieser Genuß läßt sich ja vielleicht demnächst in Erlangen nachholen, denn dieser Chor wird noch mehr von sich reden machen. Immerhin konnten sie an der abendlichen Festtafel den Gründer und Leiter des Ensembles, Joachim Adamczewski, kennenlernen, – ein Versprechen für mehr.

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Tomix mit dem Aufmacher Sergej MartynowVor einiger Zeit ist in der unabhängigen Wladimirer Zeitung „Tomix“ ein Artikel erschienen, der Vizegouverneur Sergej Martynow in Zusammenhang mit dem Bau eines Privathauses bringt. Das Blatt schrieb wörtlich: „Hier richtet sich der Vizegouverneur sein privates Nest ein und nicht irgend ein öffentliches Objekt. Schulen, Krankenhäuser und andere staatlich finanzierte Einrichtungen können ja noch warten.“

Sergej MartynowDer just für den sozialen Bereich und damit auch für das Partnerschaftsprojekt „Blauer Himmel“ zuständige Politiker gab an, nach Erscheinen des Artikels ärztliche Hilfe in Anspruch genommen zu haben und fordert nun vom Verlag 1 Mio. Rubel Schmerzensgeld sowie die Wiederherstellung seiner Ehre. Das inkriminierte Haus gehöre nämlich weder ihm noch einem Mitglied seiner Familie. Der Journalist beruft sich aber auf ihm vorliegende Dokumente, die beweisen, daß die „Villa“ einem nahen Verwandten der Frau des Vizegouverneurs gehöre. Den Zusammenhang zwischen öffentlichen Gebäuden und dem Privathaus in einem Presseartikel herzustellen, sei das persönliche Recht eines jeden Journalisten.

In erster Instanz – es wird sicher eine Berufung geben – hat nun das Amtsgericht Wladimir entschieden, der Forderung Sergej Martynows nicht stattzugeben. Der Chefredakteur von „Tomix“, Michail Bujanow, zeigt sich denn auch zufrieden mit dem Urteil: „Wir hatten nie Zweifel am Ausgang der Sache. Wäre anders entschieden worden, hätte man  die Zukunft der Presse und der Massenmedien in Frage gestellt. Für jeden Nieser und kleinsten Schritt müßte ja sonst ein Journalist das Einverständnis der Machthaber einholen. Gut, daß jetzt das Recht triumphiert und nicht der Verwaltungsapparat.“

Aber, wie angedeutet, dies war nur der erste Akt. Das letzte – freie – Wort ist noch nicht gesprochen.

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