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Posts Tagged ‘Privatbrauerei Kitzmann’


Nicht nur für viele Erlanger, gleich ob alteingesessen oder zugezogen, bedeutete die Privatbrauerei Kitzmann einen Teil der Identität ihrer Heimat. Bier und Erlangen: eine jahrhundertealte Tradition – und nun mit Peter Kitzmann die letzte Generation. Was das bedeutet, wird man wohl erst mit einiger Zeit Abstand so richtig begreifen.

Dietmar Hahlweg, Gennadij Adrijanow, Igor Schamow und Richard Heindl beim Fränkischen Fest, gesehen von Wladimir Filimonow

Für Wladimir stand Kitzmann stellvertretend für die Qualität des fränkischen, des bayerischen, des deutschen Biers. Nicht mehr und nicht weniger. Viele kamen überhaupt erst dank Kitzmann auf den Geschmack, denn das Brauen gehörte nicht eben zu den Stärken der sowjetischen Getränkeindustrie. Und so waren denn auch die zehntausend Liter Kitzmann-Bier, die im September 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir kostenlos ausgeschenkt wurden, eine Probe, die im kollektiven Gedächtnis der Partnerstadt fortlebt.

Partnerschaftskrug Wladimir

Natürlich gab es auch Versuche, das Bier aus Erlangen nach Wladimir zu exportieren. Doch Zoll und Transportkosten standen dem entgegen, wohl auch der ökologisch zu begrüßende Umstand, daß Kitzmann sein Bier einzig im Mehrwegsystem, also abgefüllt in Flaschen und Fässern, abgab, was die Fuhren doppelt teuer gemacht hätte.

Sportlehrergruppe aus Wladimir bei Kitzmann

Aber immerhin holte sich Alexander Juswik, ein Jungunternehmer aus Wladimir, das Rüstzeug bei Kitzmann, um sein eigenes Bier vor Ort zu brauen. Und natürlich besuchten fast alle Delegationen und Gruppen Gaststätten und Keller, wo der Gerstensaft nach Erlanger Rezeptur ausgeschenkt wurde, manche baten – immer wohlgelitten – gar um eine Führung durch die Brauerei, vom Sudhaus bis zur Abfüllanlage.

Jochen Buchelt, Florian Janik, Olga Dejewa, Petra „Willy“ Paulsen und Peter Kitzmann

Erst vor zweieinhalb Jahren beging man auch im Hause Kitzmann die 500 Jahre Reinheitsgebot, und Bürgermeisterin, Olga Dejewa, nahm natürlich an den Festivitäten teil und trank auf das Wohl von Peter Kitzmann, der nun nach drei Jahrhunderten seinen Betrieb verkaufen mußte. Ja, auch die Kulmbacher werden dann in Erlangen weiterhin Bier brauen. Aber es ist dann eben kein Kitzmann-Bier mehr. Schade, jammerschade! Und ein großer Dank an Peter Kitzmann für alles, was er Wladimir Gutes getan. Es bleibt unvergessen – wie die süß-bittere Erinnerung an den ersten Schluck Bier.

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Da kann die Lage weltpolitisch noch so verfahren sein, Elisabeth Preuß ist sich beim gestrigen Empfang für die Sportfreunde aus Wladimir sicher: „Zwischen Erlangen und Wladimir paßt kein Blatt Papier. Wir lassen uns von nichts und niemandem auseinanderbringen.“

Anatolij Mitrofanow, Elisabeth Preuß und John Stackmann mit dem Freundschaftspokal

Anatolij Mitrofanow, Elisabeth Preuß und John Stackmann mit dem Freundschaftspokal

„Wie auch“, spinnt Anatolij Mitrofanow den Gedanken weiter, „wo wir uns doch hier in Erlangen wie zu Hause fühlen und gar nicht genug danken können für die Gastfreundschaft.“ Und John Stackmann, Cheforganisator der Winterwaldlaufs und mit Wladimir seit Anfang der 90er Jahre eng verbunden, findet schließlich die Formel für die Besonderheit dieser Partnerschaft, wenn er sagt: „Wir tun alles im Rhythmus der Freundschaft!“ Als äußeres Zeichen dieser innigen Verbindung übergibt der Marathon-Mann denn auch neben den Teilnehmerurkunden den diesjährigen Freundschaftspokal des Winterwaldlaufs, stellvertretend an Anatolij Mitrofanow, den dreimaligen Sieger im Fünf-Kilometer-Lauf der Nordischen Geher, nachdem Oberbürgermeister Sergej Sacharow darum gebeten hatte, den Vorjahrespokal, der ebenfalls an Wladimir gegangen war, als Dauerleihgabe in seinen Amtsräumen verwahren zu dürfen.

Elisabeth Preuß mit Familie Klaus und Doris Höhle sowie John Stackmann mit den Sport-Gästen aus Wladimir

Elisabeth Preuß mit Familie Klaus und Doris Höhle sowie John Stackmann mit den Sport-Gästen aus Wladimir

Zu dieser Freundschaft gehören auch die Sportlehrer um Michail Tschischow, die, wie schon in den Jahren zuvor, zu den Teilnehmern am Winterwaldlauf gestoßen sind und ebenfalls alte Bekannte treffen, wie das Ehepaar Klaus und Doris Höhle, die ja schon zwei Mal per Fahrrad Wladimir erkundet haben.

Der Gutschein

Der Gutschein

Dazu gehört aber auch eine Anerkennung der sportlichen Leistungen, eine Unterstützung für den weiteren Austausch, ein Gutschein über 1.000 Euro, ausgestellt von der SGS Erlangen Leichtathletik und dem Orgateam des Winterwaldlaufs für die Freunde aus Wladimir. Passend dazu die angeblich nur drei Worte, die Erlangens Bürgermeisterin auf Russisch spricht: Большое спасибо! Мир. Дружба. – Herzlichen Dank! Friede. Freundschaft.

Brauereibesichtigung Kitzmann

Brauereibesichtigung Kitzmann mit Benjamin Kloos in der Mitte stehend

Der Mensch lebt freilich nicht vom Sport allein. Schon lange ein Herzenswunsch der Läufer und Sportlehrer: nach Erlangen kommen und Kitzmann sehen! Kitzmann steht ja in Wladimir spätestens seit dem Fränkischen Fest 1993 mit 10.000 Litern Freibier für die Qualität des bayerischen Gerstensaftes. Am Montag war es dann soweit. Von den Brunnen mit dem 3.000 Jahre alten Quellwasser über die Gärung bis zur Abfüllung und einer Degustation an der kundigen Hand von Braumeister Benjamin Kloos.

Anatolij Mitrofanow beim Aufstieg zur Riesenhöhle

Anatolij Mitrofanow beim Aufstieg zur Riesenhöhle

Doch ein unerwarteter Höhepunkt war für die Besucher bereits am Sonntag erreicht, als sie staunend die Riesenhöhle erkundeten, die Pfade und Stufen auf- und abstiegen und die höchsten Gipfel erklommen.

Anatolij Mitrofanow auf dem Gipfel des Glücks oberhalb der Riesenhöhle

Anatolij Mitrofanow auf dem Gipfel des Glücks oberhalb der Riesenhöhle

„Ein sagenhaftes Gefühl, umwerfend, grandios“, lauteten noch die zurückhaltendsten Kommentare, die in dem nicht mehr steigerbaren „это круто!“ gipfelten.

Olga Sagitowa und ihr Sohn Sergej mit der Fränkischen Schweiz zu ihren Füßen

Olga Sagitowa und ihr Sohn Sergej mit der Fränkischen Schweiz zu ihren Füßen

Ebenso unerwartet aber auch das Wiedersehen mit Jekaterina Lehmann, die im Jahr 2000 im Rahmen des Projekts Lichtblick als eine der ersten Hospitantinnen aus Wladimir nach Gremsdorf gekommen war. Zwei Jahre später folgte ihr zweiter Aufenthalt bei den Barmherzigen Brüdern, sie verliebte sich und heiratete 2003. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Gößweinstein, hat eine Stelle gefunden, die einigermaßen ihrer krankenpflegerischen Qualifikation entspricht – und ist künstlerisch tätig.

Treffen von Sport und Kunst: Jekaterina Lehmann

Treffen von Sport und Kunst: Jekaterina Lehmann

Wer freilich in der Fränkischen Schweiz Kunst schafft, wird früher oder später von Elvira und Heinz Gerhäuser entdeckt. Von da ist dann der Weg nicht mehr weit zu einer Ausstellung wie der, die am Sonntag unter dem Motto „Verborgene Talente und Nachwuchskünstler“ in der Burggalerie Waischenfeld vom 1. Vorsitzenden des Fördervereins des Kunstforums Waischenfeld, Heinz Gerhäuser, eröffnet wurde. Die Arbeiten, darunter auch die von Jekaterina Lehmann geschaffenen Schmuckstücke aus Glasperlen, sind dort von Donnerstag bis Sonntag noch bis zum 10. Mai zu sehen. Ein lohnendes Ziel.

Elvira Gerhäuser, Jekaterina Lehmann mit ihren Töchtern Diana und Viktoria sowie Heinz Gerhäuser

Elvira Gerhäuser, Jekaterina Lehmann mit ihren Töchtern Diana und Viktoria sowie Heinz Gerhäuser

Angemerkt sei da nur noch, daß Heinz Gerhäuser, Ehrenprofessor der Universität Wladimir, bereits 2001 zusammen mit Ehefrau Elvira und in Kooperation mit den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf an seinem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen eine Ausstellung unter dem Titel „Einblicke“ gezeigt hat, u.a. mit Arbeiten von Psychiatriepatienten aus dem Krankenhaus, an dem seinerzeit Jekaterina Lehmann arbeitete. So schließen sich im Rhythmus der Freundschaft die Kreise zwischen Erlangen und Wladimir und der Fränkischen Schweiz, zwischen Sport und Kultur und Wissenschaft. Bis eben kein Blatt mehr dazwischenpaßt.

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Wenn Gäste aus Wladimir nach Erlangen kommen, gehört der Genuß des fränkischen Bieres, vorneweg der Brauereien Kitzmann und Steinbach, zum Pflichtprogramm. Erlanger die nach Wladimir kommen, hatten es mit der Auswahl des Gerstensaftes etwas schwieriger. Doch das ändert sich nun. Alexander Juswik, der einst mit Erlanger Hilfe das Wladimirer Busnetz aufgebaut hat, ist nun Brauer und hat in der Nähe von Susdal mit Hilfe der GEA Brewery Systems GmbH aus Kitzingen eine Brauerei aufgebaut. Da es bisher an Erlanger Verkostern seines Bieres fehlt, sei hier aus dem russischen Blog birra.ru zitiert:

Alexander Juswik in Erlangen

Alexander Juswik in Erlangen

Unser heimischer Biermarkt hat eine Besonderheit, die mich ganz unglücklich macht. Ungeachtet des Überflusses an Sorten, ist es ausgesprochen schwierig, etwas Passendes und Originelles zu finden. Es ist, als hätten sich die russischen Minibrauereien verschworen, nur ein und dasselbe Bier zu brauen und überall unterschiedliche Etiketten draufzukleben. Es ist, als fürchteten sie das Risiko, jenseits vom „hellen und ungefilterten“, nach dem Reinheitsgebot gebrauten Bier, bestehend aus „Malz der ersten Ernte mit schmackhafter und nahrhafter Hefe“ zu produzieren.

Jusberg 1

Zum Verzweifeln öde. Immer, wenn ich auf einer Flasche den Hinweis auf das „Reinheitsgebot“ finde, möchte ich am liebsten die Flucht ergreifen, denn, liebe Braumeister, das ist noch längst kein Unterpfand für gutes Bier, das schmeckt. Und nach der Verkostung eines weiteren „Meisterstücks“ aus einer „neuen Superbrauerei mit moderner Anlage und jahrhundertealten Traditionen des Bierbrauens“ bin ich immer wieder bereit, mich auf die Seite des Staates zu stellen, der angeblich das „Brauereigewerbe umbringt“. Ich persönlich brauche ein solches Gewerbe nicht.

Jusberg 3

Warum ich das alles schreibe? Wäre da nicht das wirklich schöne Design einer Flasche „Jusberg Weißbier“ gewesen, wäre ich bestimmt an diesem Bier vorbeigegangen, denn schon wieder eine Neuheit einer heimischen Minibrauerei hätten meine Geschmacksrezeptoren sicher nicht ausgehalten. Doch in diesem Falle haben sich die Leute offensichtlich Mühe bei der Gestaltung ihrer Marke gegeben, und ungeachtet des stolzen Preises von 65 Rubel nahm ich ein paar Flaschen „Jusberg Weißbier“ mit. Ein Kauf, den ich durchaus nicht bedauere.

Jusberg 4

Vorab noch etwas zu den Preisen. Ich bin kein Anhänger der Theorie, wonach es eine Preisobergrenze für im Inland gebrautes Bier gebe. Wenn das Bier in Qualität und Geschmack überzeugt, kann es ruhig mehr kosten, und die Frage, wo es von wem gebraut wurde, tritt in den Hintergrund. Wozu auch Geld ausgeben für ausländisches Bier, wenn ich die Möglichkeit habe, vielleicht mit einem kleinen Aufschlag einen einheimischen Produzenten zu unterstützen? Das rate ich, uns allen zu tun, wenn denn das Bier es verdient. Wenn nun aber das einheimische Bier teurer ist als das importierte, müssen wir es schon auf den Prüfstand stellen, was hiermit geschehen soll:

Jusberg 6

Das Bier aus der Region Wladimir, von der „Susdaler Brauerei“ mit Sitz in Wladimir produziert, ist nun schon seit drei Jahren auf dem Markt, aber erst seit einigen Monaten auch in Moskau zu haben. Die Geschäftsleitung meint wohl, mit der Qualität des Bieres – ungeachtet des Preises – auch in der Hauptstadt eine Nische besetzen zu können. Eine, wie ich meine, richtige Entscheidung, denn der Geschmack der Moskauer Bierfreunde ist feiner ausgeprägt als bei den Biertrinkern in der Provinz.

Die Brauerei Jusberg hat zwei Sorten im Angebot: „Münchner“ und „Weizen“, und beide sind in der Hauptstadt erhältlich. Uns soll hier mehr das Weißbier interessieren, das, wie bereits bemerkt, allein schon von seinem Äußeren her über die Maßen anspricht. Die schlanke Form, das eingeprägte Wappen und zwei fingerbreite Verschlankungen machen die Flasche unverwechselbar und richtig griffig. Und der Inhalt? Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Wer es genauer wissen will, bekommt die exakten Angaben auf dem Etikett geliefert. Richtige Hunde sind sie, diese Designer!

Jusberg 7

Der Alkoholgehalt liegt bei 13,1%, die Stammwürze bei 4,9%. Allerdings konnte ich das Herstellungsdatum nirgendwo finden, das ja eigentlich unbedingt auf der Flasche angegeben sein sollte. Das Bier hat eine Farbgebung wie Honig, die weiße Krone kommt wunderbar locker dahergeschäumt. Es war für mich ein regelrechtes Kindervergnügen, das Bier ins Glas zu schenken. Der Geschmack ist ganz so, wie er sein soll bei einer Weißen: Banane, Nelke, Weizen, Heu. Hinreißend weich, voller Farbe, ölig und an Honig erinnernd. Da kann man sich für die Brauer nur freuen und ihr Produkt genießen. Und dann der Abgang ganz so, wie er sein soll: ein wenig hopfig, ein wenig bitter, anhaltend und ohne unangenehme Überraschung. Wir haben es also mit einem Weißbier zu tun, das keinen Vergleich mit einem deutschen Produkt scheuen muß, es dürfte einigen deutschen Sorten sogar überlegen sein. Das einzige Minus: Das Bier scheint nicht ganz gereift, ein wenig zu jung. Es ist, als komme die Fülle des Geschmacks, die man nach all den Aromen und der äußeren Gestalt erwartet, erst noch zur Entfaltung. Es gibt keine ausgeprägten Akzente, denn man wollte wohl ein Bier für alle und für jeden brauen. Deshalb ist alles ein wenig vorhanden, und es ist nicht möglich, so etwas wie das Eine aus der Tonleiter der Geschmacksabstufungen herauszuschmecken. Das Bier ist süffig, voll im Geschmack, nur ist nicht ganz klar, wodurch es einem besonders im Gedächtnis bleiben sollte. Vielleicht durch die Gesamtheit seiner Qualitäten. Aber all meine Mäkeleien müssen verstummen vor dem abschließenden Urteil: Dieses Bier ist ein echter Durchbruch für unsere heimischen Produzenten. Wenn man noch ein wenig am Geschmack bastelt, kann man es getrost auch nach Deutschland exportieren. In jedem Fall hat dieses Weißbier das Zeug, den russischen Markt zu erobern. Und das ist doch auch schon mal was.

Nun bleibt das erste Urteil der Erlanger Bierfreunde abzuwarten. Durstige Freiwillige vor! Mehr zu Alexander Juswik unter: http://is.gd/ZFjwII

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Vor eineinhalb Jahren war Alexander Juswik das letzte Mal in Erlangen. Seither hat sich viel getan, wovon heute ein wenig die Rede sein soll. Was damals, im Februar 2010, noch ein gewagter Plan schien, von dem nicht einmal der Blog zu berichten wagte, ist heute bereits so weit gediehen, daß man von einem Wladimirer Wirtschaftswunder sprechen kann.

Alexander Juswik, Peter Kitzmann, Natalia Machnjowa, Ilja Golubowskij

Der Jurist hatte als Jungunternehmer Ende der 90er Jahre aus dem Stand und mit Unterstützung aus Erlangen eine gewaltige Busflotte aufgebaut, von der er sich vor zwei Jahren trennte, um das Fach zu wechseln und unter die Brauer zu gehen. Gründlich und risikobereit, wie Alexander Juswik ist, setzte er sich seither nicht nur theoretisch intensiv mit dem Bereich auseinander, sondern ließ auch rasch Taten folgen. Wenn diese zum Erfolg führen – und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln -, wird schon im Frühsommer nächsten Jahres eine Brauerei in Tschirikowo, einem bisher unscheinbaren Dorf im Kreis Susdal, ca. 30 km von Wladimir entfernt, eröffnet, wo so gut wie alles Gute – von der Technik bis zu Hopfen und Malz – aus Bayern kommt. Sogar einen Braumeister aus Passau hat man angeworben. Nur das Wasser wird aus eigenen fünf Quellen gewonnen, für die Aufbereitung freilich sorgt eine Ionentauscheranlage wiederum aus Deutschland. Nichts überläßt Alexander Juswik dem Zufall, um im Premiumsegment des russischen Biermarkts den fünf großen ausländischen Konzernen die Stirn zu bieten, die zu 80% die Regale in den Supermärkten füllen und die Gastronomie beliefern. Teils mit aufgekauften lokalen Sorten im Billigbereich, wo man vom Reinheitsgebot nicht viel wissen will, teils mit teuerer Importware. Dabei ist auf dem russischen Biermarkt noch viel nach oben hin offen: Gerade einmal knappe 70 Liter werden pro Kopf und Jahr getrunken. Die neue Brauerei mit einem ausbaufähigen Jahresausstoß von zunächst 50.000 Hektolitern will da ganz neue Wege gehen. Zum einen sollen zwei eigene Sorten angeboten werden, gebraut nach dem Reinheitsgebot, und zum andern will man Bier importieren. Natürlich nur das beste. Und das kommt aus Erlangen, der einstigen Bierhauptstadt Deutschlands: Eine Blindverkostung unter russischen Kennern des Gerstensaftes, so Alexander Juswik, habe nämlich ergeben, daß Kitzmann-Bier besser sei als alle anderen getesteten Marken. Ein gewichtiges Argument, Möglichkeiten einer Belieferung durch die Erlanger Privatbrauerei zu besprechen. In Milwaukee soll es ja noch heute genügen, ein „Erlanger“ zu bestellen, um ein gutes Bier gezapft zu bekommen. Wer weiß, vielleicht bringt die Bedienung dem durstigen Gast in einem Wladimirer Lokal schon bald auf dessen Wink hin ein „Kitzmann“. Prosit!

Mehr zu Alexander Juswik, der, von der Brauereimesse in Nürnberg kommend, gestern mit seinem Vertriebsleiter Ilja Golubowskij und der Dolmetscherin Natalia Machnjowa Erlangen besucht hat, unter: http://is.gd/zikkjh.

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Partnerschaftskrug

Seit gestern ist er offiziell im Handel, der mittlerweile vierte Partnerschaftskrug, Wladimir gewidmet. Es ist eine schöne Tradition der Privatbrauerei Kitzmann, die internationalen Kontakte die Runde machen zu lassen, sie buchstäblich von Mund zu Mund zu reichen, ihnen bleibende Form mit immer wieder neuem süffigen Inhalt zu verleihen. Gelungene Sammlerstücke für Kenner und Genießer sind diese Halblitertrinkgefäße, veritable Artefakte mit magischer Kraft für Adepten wie Meister der so vielgestaltigen Welt der Partnerschaftssouvenirs. Nur zum Brunnen sollte man mit dem guten Stück nicht so oft gehen, bis er bricht, denn die Auflage ist limitiert, wie sich das für Objekte mit Anspruch auf Originalität gehört. Nur ganze 400 Exemplare – mit und ohne Deckel – kommen in Umlauf.

Der gedeckte Tisch

Vorausgegangen sind Wladimir in dieser originellen Serie der Völkerfreundschaft bereits in chronologischer Abfolge Eskilstuna, Rennes und Jena. Die Privatbrauerei Kitzmann hält sich dabei strikt an das jeweilige Datum des offiziellen Abschlusses der Städtepartnerschaft. Bei Wladimir ist das so eine Sache, denn da rechnet man im Rathaus etwas großzügiger und setzt den Beginn der Jumelage schon mit dem Jahr 1983 an – daher auch 2008 die Feier des 25jährigen Jubiläums -, als der Austausch mit einer fünfjährigen „Verlobungsphase“ begann. Tatsächlich ist die Partnerschaftsurkunde aber erst 1987 während der Wladimirer Kultur- und Sporttage unterzeichnet worden. Geschenkt. Hauptsache, es ist eine Ehe daraus geworden, die bis heute hält und geglückt genannt werden darf, wovon der Blog ja immer wieder kündet.

Patrick Siegler, Peter Steger, Familie Schweichler

Patrick Siegler, Geschäftsführer der Werbeagentur 1601 GmbH, Betreiber des Portals www.berch.info und Spiritus rector der Bierkrugaktion, hätte es nicht besser treffen können. Schon am Morgen des gestrigen Pfingstsonntags hatte er getwittert: „Petrus muß ein Franke sein!“ Auch wenn Wald und Flur nach Monaten der Trockenheit einen kräftigen Wolkenguß bestens vertragen könnten, für die Präsentation der Wladimir-Krüge hätte das Wetter besser nicht sein können. Zarenwetter – und das auch noch am Russischen Nationalfeiertag. Das muß man Patrick Siegler erst einmal nachmachen, der Wladimir übrigens schon im Rahmen des Schüleraustausches der Wirtschaftsschule und später als Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren kennengelernt hat. Da darf man ein geschicktes Händchen für alles Russische fast voraussetzen.

Hoch die Krüge mit Patrick Siegler, Lutz Posse, Peter Steger, Siegfried und Angelika Balleis, Wolfram Howein

Berufen zu kommen waren viele, gekommen sind dann doch auch einige zur spätmorgendlichen Stunde. Unabkömmlich war leider die Bierkönigin – man sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, ob man ihr nicht einen Kronprinzen zur Seite stellt oder eine jüngere Schwester, um die mangelnde Befähigung zur Bilokation auszugleichen -, ebenso der Patron der Veranstaltung, Peter Kitzmann. In seinen Bergkalender fest eingetragen aber hatte den Termin Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis und bewies in Begleitung seiner wie immer fesch-charmanten Gattin Angelika seine unverbrüchliche Verbundenheit mit den Partnerschaften. Richtig schön! Gekommen waren aber auch Mitglieder des Freundeskreises Wladimir und Chefredakteur Peter Millian mit seinem Photographen Berd Böhner von den Erlanger Nachrichten, so daß wir uns auf einen kleinen bebilderten Rückblick auf die Präsentation in der morgigen Ausgabe freuen dürfen. Nicht dabei war übrigens – obwohl er gerne gekommen wäre – Sergej Sacharow, der neue Oberbürgermeister der Partnerstadt, bekannt für seine Leidenschaft für Bierkrüge. Doch er wird wohl nicht lange warten müssen, bis er das kostbare Trinkgefäß in Händen hält. Die nächste offizielle Delegation nach Wladimir rüstet sich nämlich schon für die Reise.

Noch ein Wort des Dankes ist zu sagen an Ljubow Weber und Elena Schweichler, die für die köstlich-herzhaften russischen Happen – Piroggen und „buterbrody“ – sorgten, sowie an Nadja Steger, die alles vortrefflich fürs Auge ins Szene setze und die Photos machte. Nachzutragen ist auch, daß die Partnerschaftskrüge nur am Kitzmannstand während der Bergkirchweih erhältlich sind, später exklusiv im www.berchshop.de zum „Preis einer Maß“.

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Putin und das BierEs klingt, als hätte er sich verschluckt, der Chef-Lobbyist der russischen Bierbrauer, Wjatscheslaw Mamontow, wenn man seinen Brandbrief an Premierminister Wladimir Putin liest. Was dem kampfeslustigen Standesvertreter so sauer aufstößt, ist nicht die Qualität des Gerstensafts – an der gibt es nicht viel zu kritteln -, sondern die geplante Erhöhung der Sondersteuer für Bier ab 2010 um das Dreifache gegenüber dem Stand von 2009. Würde sich das Finanzministerium durchsetzen, könnte den Russen bei einer zusätzlichen Belastung von dreieinhalb Rubeln pro Halbliterflasche der Durst auf Bier vergehen und damit der Profit der Brauereien regelrecht austrocknen. Der oberste Interessenvertreter seiner Zunft versteht sein Handwerk und deklamiert denn auch die Pläne der Regierung als „mörderisch“. Mit einem Rückgang des Verbrauchs um bis zu 50% sei zu rechnen. Wenn schon die Erhöhung unvermeidlich sein sollte, dann möge man sie doch zumindest allmählich, auf fünf Jahre gestreckt, vornehmen und nicht mit einem Schlag, der zu einem Schlag ins Kontor würde. So bräche der Konsum nicht weg, und der Staat könne in dem Zeitraum mit stabilen Mehreinnahmen von 60 bis 90 Mrd. Rubeln rechnen. Sollte man dem Rat nicht folgen, zeigt Wjatscheslaw Mamontow dem Staat schon einmal die Folterinstrumente, die gerade in Krisenzeiten jeden Politiker das Fürchten lehren: Rückgang der Nachfrage = Rückgang des Umsatzes = Abbau von Arbeitsplätzen = weniger Steuern. Und am Ende könnte der Coup gegen die Brauer 85.000 bis 90.000 Entlassungen zur Folge haben.

Bier auf der StraßeNur Horrorzahlen eines Lobbyisten? Das wäre zu kurz gesprungen. Tatsächlich ist der Bierkonsum in Rußland – krisenbedingt – schon jetzt im Vergleich zum Vorjahr um fast 10% gesunken. Dabei sieht es in anderen Bereichen ja noch viel schlimmer aus. In den letzten Jahren nahm mit dem Aufbau eines modernen Netzes von Brauereien der Biermarkt einen fabelhaften Aufschwung. Noch 2007 gab es einen Zuwachs von 17%. 2008 dann war der Durst gelöscht, die Verkaufszahlen gingen um ein halbes Prozent zurück, man konnte davon ausgehen, auf dem erreichten Niveau weitermachen zu können. Aber da hatte man die Rechnung noch ohne die Krise und die anstehende Steuererhöhung gemacht.

Baltika-BierDer russische Biermarkt ist übrigens fest in der Hand ausländischer Konzerne. Beherrschend dabei die Position von „Baltika“, im Besitz von „Carlsberg“, mit den vielen lokalen Sorten und einem Marktanteil von 40%. Den Rest teilen sich „Anheuser-Busch“, „Heineken“, „Efes“ und „SABMiller“. Hinzu kommen natürlich Importe, durchaus auch aus Bayern, die freilich Transport und Zoll zu einem Luxusgut machen. Wenn zu Sowjetzeiten das einheimische Bier aus Qualitätsgründen zu Recht ein Schattendasein führte, so ist es heute zu einem Volksgetränk geworden, das dem Wodka den Rang abgelaufen hat, zumindest in den Großstäden. Um die 70 Liter Bier trinkt jeder Russe statistisch im Jahr. Zum Vergleich: Deutschland liegt bei 108 und Tschechien bei 160 Maßkrügen pro Kehle und p.a. Unterschiede gibt es auch bei der Genußkultur. In Rußland wird Bier weniger in Kneipen und Restaurants getrunken, als vielmehr auf der Straße oder zu Hause zu gut 50% aus Pet-Flaschen und Dosen; nur 6% des Umsatzes werden am Zapfhahn gemacht, der Rest geht in Glasflaschen über die Theke.

Und wie ist Wladimir zum Bier gekommen? Dietmar Hahlweg erzählt dazu gerne eine Anekdote, die man nur glaubt, weil der Altoberbürgermeister für seine Wahrheitsliebe bekannt ist. Mitte der 80er Jahre, so der Begründer der Städtepartnerschaft, habe man einmal eine offizielle Delegation auf die Bergkirchweih eingeladen. Die Gäste kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus und bemerkten schließlich lobend: „Das habt ihr aber gut organisiert!“ Gemeint war eine Inszenierung à la Potjomkin, um die Besucher aus der fernen Sowjetunion tüchtig zu beeindrucken. Erst Anfang der 90er Jahre sollten die Wladimirer dann den „Geist“ der Kerwa verstehen und schätzen lernen. Dazu trug auch ein Kulturexport der besonderen Art bei, das „Fränkische Fest“, das zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum im September 1993 in Wladimir gefeiert wurde. 30.000 waren in der Partnerstadt auf den Beinen und standen um die 10.000 Liter Kitzmann-Bier und die fränkischen Bratwürste an. Das Kitzmann-Bier war fortan für die Wladimirer so etwas wie die erste Liebe. Sogar der Versuch, die Produkte der Privatbrauerei zu importieren, wurde unternommen, freilich wenig erfolgreich, weil der Rücktransport des Leerguts den Genuß zu teuer gemacht hätte. Immerhin, einen Versuch war es wert. Die letzte Großdegustation von Kitzmann-Bier durch Wladimirer Gäste gab es übrigens zum Partnerschaftsjubiläum im Oktober vergangenen Jahres mit freiem Ausschank, was auch noch nachträglich ein herzliches Dankeschön wert ist. Mittlerweile gibt es in der Partnerstadt aber auch eingeschworene Liebhaber der Steinbach-Bräu, und nur wenige gehen beim Biertrinken in Erlangen fremd. Bloß dem eigenen, dem Wladimirer Bier, können sie noch immer nichts abgewinnen. Mittlerweile in den Händen einer Moskauer Holding, bietet die Brauerei in der Partnerstadt zwar verschiedene Sorten an, aber den durch Erlanger Biere verwöhnten und kultivierten Geschmack der Wladimirer trifft sie noch immer nicht. Das Prosit der Gemütlichkeit singt sich eben doch schöner im Land der Franken mit seiner so gepflegten Braukultur, mittelständisch strukturiert, noch frei und unabhängig von den Großkonzernen. Was wir an ihr haben, können wir an dem zufriedenen Lächeln der Gäste nach dem Leeren und Absetzen eines Bierkruges ablesen. Ein besseres Zeugnis gibt es nicht.

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